Ursula Lampmann zu den Anfängen von Phoenx Contact

725 Jahre Blomberg
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LIPPISCHE LANDES-ZEITUNG NR. 221, DONNERSTAG, 14. AUGUST 2008
Der Blomberger Glücksfall
Ursula Lampmann zu den Anfängen von Phoenix Contact
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■ Blomberg (an). Sie ist die
große alte Dame im Hintergrund. Ebenso wie die Familie
Eisert hat Ursula Lampmann
Phoenix Contact geprägt. Öffentlich geäußert hat sich die
heute 88-Jährige selten. Zum
725. Geburtstag der Stadt sprach
sie erstmals mit der LZ über die
Anfänge des Unternehmens in
Essen und Blomberg.
Gerade mal 17 Jahre alt war
die Kaufmannstochter, als sie
in dem 1923 gegründeten Unternehmen des Esseners Hugo
Knümann anfing. „Ich hatte
nach der Grundschule das Lyzeum und dann die Höhere Handelsschule besucht. Warum ich
nun ausgerechnet da landete,
weiß ich gar nicht mehr.“ „Büroleiterin“ – das ist ihr schon zu
hochtrabend, aber tatsächlich
hatte die junge Frau die Fäden
im Büro der „Phönix Elektrizitätsgesellschaft“ sehr bald in der
Hand und erhielt wenige Jahre
später Prokura. „Anscheinend
habe ich es wohl nicht schlecht
gemacht“, sagt sie bescheiden.
Sie war dabei, als sich der junge, begabte Ingenieur Josef Eisert – Vater des heutigen Firmenchefs Klaus Eisert – mit
Patenten für moderne Klemmen vorstellte. „,Der soll ruhig kommen, dann kaufen wir
ihm die Patente ab, legen sie in
die Schublade und produzieren
weiter wie bisher’, hat mein Chef
damals gesagt“, schmunzelt Ursula Lampmann.
Doch es dauerte nicht lange, bis Josef Eisert selbst Teil
des Unternehmens wurde und
im Auftrag des mittlerweile erkrankten Hugo Knümann die
Kunden betreute. „Wir haben
uns von Anfang an gut verstanden“ – und so hat sie es auch mit
Eiserts Söhnen gehalten.
Josef Eisert stieß erst nach
dem Krieg dazu. Als die Bomben 1943 das Essener Betriebsgebäude zerstörten, war er noch
nicht dabei. Knümanns Neffe lockte seinen Onkel Hugo
nach Blomberg: „Da gibt es das
Bürgerheim, ein leer stehendes
Gewerkschaftshaus. Da könntet Ihr unterkommen.“ Ursula
Lampmann fuhr mit Knümann
ins Lippische: „Als wir den Saal
in der oberen Etage sahen, dachten wir: Das könnte klappen,
hier könnten wir die Montage
unterbringen.“
Das Firmenteam packte: „Wir
sind mit Säcken voller verrußter Klemmen nach Blomberg
gezogen.“ Knümanns wohnten
in der Bürgerheim-Mansarde,
sie selbst möbliert bei den Eltern
des späteren Bürgermeisters
Heinrich Fritzemeier. „Aber
es war klar: Ich wollte auf jeden
Wacher Blick: Noch immer verfolgt Ursula Lampmann die Geschicke
des Unternehmens, das sie mitgeprägt hat.
Fall zurück nach Essen.“ Zumal
die Klemmenhersteller gar nicht
so wohl gelitten waren: „Der damalige Stadtdirektor Dr. Bargob wollte uns nicht – Blomberg
war ja eine Stühleregion.“ Dennoch ging nur die Firmenverwaltung nach dem Krieg wieder
zurück – Montage und Vertrieb
blieben in Lippe. Als der kranke Hugo Knümann seinem Tod
entgegensah, überschrieb er die
Firma teilweise Josef Eisert und
Ursula Lampmann, die sie nach
seinem Tod 1953 auch weiter leiteten. Es fand sich in Essen kein
geeignetes Grundstück, um
eine komplette Fabrik aufzubauen, und schließlich ließ sich
Ursula Lampmann von
Josef Eisert
überreden,
FOTO: SCHWARZER
1955 ganz nach Blomberg zu
gehen. Diesmal wurde die aufstrebende Firma aber mit offenen Armen empfangen: „Der
neue Stadtdirektor Eggert hatte eine schwere Grippe, aber er
quälte sich in Mantel und Schal,
um uns Grundstücke zu zeigen,
die wir kaufen konnten.“ Eggerts Weitsicht kommt der Nelkenstadt heute noch zugute. Die
Firma wuchs und wächst stetig.
„Bei 1000 Mitarbeitern habe ich
gesagt: Jetzt müssen wir aufhören“, lacht sie. „Aber es ging
nicht.“ Ein echter Glücksfall
eben.
Erste Keimzelle: In diesem Haus fand die ausgebombte Phönix
Elektrizitätsgesellschaft 1943 Unterschlupf.
FOTO: PHOENIX CONTACT