SV 1508 Jessica Stiburek

MANAGEMENT & BILDUNG Serie Berufsporträts
Kunst
im Blut
JESSICA STIBUREK Als Senior Underwriter
bei der Uniqa Kunstversicherung Schweiz
kann die 37-Jährige ihr Wissen über Kunst
und deren Geschichte voll ausschöpfen.
­Entsprechend weiss sie, dass sie bei einem
Da Vinci, der angeblich auf dem Dachboden
gefunden wurde, nicht gleich in Aufruhr
­geraten muss.
VON JASMINE ALIG, FOTO: PETER FROMMENWILER
Hätte gerne mehr Zeit zum Malen:
Die Kunsthistorikerin Jessica Stiburek.
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AUGUST 2015 | SCHWEIZER VERSICHERUNG
E
inen Picasso hätte sie gerne. Am
liebsten aus der rosaroten oder
blauen Periode. «Aber auch ein
Frauenporträt von Amedeo Modigliani würde mir sehr gefallen»,
schwärmt Jessica Stiburek, Senior Underwriter
bei Uniqa Kunstversicherung Schweiz. «Aber
eigentlich gäbe es sehr viel, das ich nehmen
würde, wenn es denn mein Portemonnaie zuliesse.» Immerhin ziert eine Tamara de Lempicka ihre Wohnzimmerwand. Aber keine
echte. «Es ist eine Kopie, die mein Vater für
mich gemalt hat», erzählt sie stolz. «Sonst aber
bevorzuge ich Originale, das ist halt schon etwas anderes.»
Der 37-Jährigen liegt die Faszination für
Kunst im Blut: Ihr Vater, selber Künstler, nahm
sie bereits als Kleinkind in diverse Museen mit.
Als schlimm empfunden habe sie das nie: «Im
Gegenteil, ich habe dadurch eine grosse Leidenschaft für Kunst entwickelt», erinnert sich
Stiburek. Der Entschluss, nach der Matur
Kunstgeschichte zu studieren, kam entsprechend nicht überraschend. Bei der Wahl der
beiden Nebenfächer zeigte sie sich aber pragmatisch: «Ich suchte etwas, das mir bei der
Jobsuche Vorteile bringt.» Also entschied sie
sich für Wirtschaftsinformatik im ersten und
Soziologie im zweiten Nebenfach.
Um erste Erfahrungen in der Arbeitswelt der
Kunst zu sammeln, absolvierte die Zürcherin
während dem Studium zwei Praktika. Eins davon im Kunsthaus Winterthur, das andere im
Kunsthaus Zug. «Meine Aufgabe in Winterthur
bestand darin, Sammlungskataloge herzustellen, Werke aufzunehmen, zu bestimmen und
zu katalogisieren.» Im Kunstmuseum Zug betreute Jessica Stiburek das Kunstwerk im öffentlichen Raum. «Dazu gehören Skulpturen
wie auch öffentliche Installationen», erklärt
sie. Gefesselt von dem Projekt, erwuchs später
daraus sogar ihre Lizentiatsarbeit.
Auf neuen Pfaden
Als sie nach Studienabschluss auf Jobsuche
war, stiess Stiburek auf ein Stelleninserat der
Uniqa Liechtenstein, in welchem jemand im
Bereich Kunstversicherung gesucht wurde.
«Da konnte ich mir noch nicht ansatzweise
vorstellen, dass es so etwas überhaupt gibt»,
gesteht sie ein. Vielmehr vermutete sie, dass
sie in einem Museum oder einer Galerie landen würde. An die Versicherungsbranche hat
sie nicht im Entferntesten gedacht. Ganz nach
dem Motto «probieren geht über studieren»
bewarb sie sich aber spontan für die Stelle und
bekam sie schliesslich auch.
«Im September ist das nun genau zehn Jahre
her», blickt die Kunsthistorikerin zurück. Seit-
her ist viel passiert: 2011 machte sie ihren Doktor in Kunstgeschichte und kurz darauf kam
ihr erstes Kind zur Welt. Drei Jahre später, Anfang 2014, wurde bei ihrem Arbeitgeber vieles
umstrukturiert. «Uniqa Liechtenstein wandte
sich von der Kunst ab und widmete sich fortan
ausschliesslich der Industrieversicherung.»
Der Bereich, der sich mit Kunst beschäftigt hat,
wurde wieder in den Mutterkonzern Uniqa Insurance Group AG in Wien einverleibt und
frisch verzweigt. So entstand neben Köln und
London eine neue Zweigniederlassung an der
Lavaterstrasse in Zürich. Für Stiburek hat sich
«Kunst ist
für mich wie die
Lektüre eines Buches
oder das Hören eines
Musikstückes: Sie weckt
Erinnerungen, regt zum
Nachdenken an, erzählt
Geschichten.»
dadurch eigentlich nicht viel geändert. Ihre
Funktion als Senior Underwriter blieb dieselbe. Ihre Funktion als Mutter hingegen
wurde erweitert, kam doch im Herbst 2014 ihr
zweites Kind zur Welt.
Der Wert von Kunst
Ihre Entscheidung, sich bei einem Kunstversicherer zu bewerben, hat sie bis heute nicht bereut. «Das Schöne an meinem Job ist, dass es
sehr wenig Routine gibt. Jede Police, die ich erstelle, ist ein Einzelstück, ein Unikat», freut
sich Jessica Stiburek. Die Objekte, die sie versichert, lassen sich in zwei grosse Sparten aufteilen: Ausstellungsbereich und Privatsammler.
Zum Ausstellungsbereich gehören Museen
und ihre Kunstwerke. Mit dabei ist hier auch
der ausgehende und eingehende Leihverkehr.
«Ein Vertrag regelt, wer die Versicherungsprämie bringt», erklärt die Spezialistin. So sei das
Werk nicht doppelt versichert. «Meistens
übernimmt aber das Museum, das Objekte
von jemand anderem ausleiht, die Prämien.»
Damit hätten übrigens viele zu kämpfen. Nicht
etwa, weil die Prämien gestiegen wären, sondern weil in den letzten Jahren die Versicherungswerte aufgrund der Nachfrage dermassen gestiegen sind.
Privatsammlern, die ihre Werke bei Uniqa
versichern lassen wollen, stattet Stiburek einen Besuch ab und nimmt die Sammlung per
Foto auf. Zurück im Büro schätzt sie den Wert
der Sammlung. «Hierfür greife ich auf Datenbanken wie Art Net und Art Price zurück, in
denen alle Auktionsresultate der vergangenen
Jahre eingespiesen sind», erklärt die Kunstexpertin das Vorgehen. Mittels Vergleichen mit
ähnlichen Werken von ähnlichen Künstlern
aus ähnlichen Stilrichtungen und Epochen
lasse sich ein Wert ermitteln, der dann die Basis der All Risk-Deckung ist.
Der Preis definiert also den Wert eines
Kunstwerks. «Genau», bestätigt Jessica Stiburek, «denn wenn ich, sagen wir mal einen
Ferdinand Hodler geerbt habe, dann bin ich
schon daran interessiert, den jetzigen Wert
dieses Hodlers zu ermitteln.» Wenn dieser
nämlich gestohlen werde, bekomme man
denjenigen Wert, den man mit dem Versicherer vereinbart habe. «Darin liegt der Unterschied zu einer gewöhnlichen Hausratversicherung», erklärt sie und macht ein Beispiel:
«Wenn mein Fahrrad gestohlen wurde, muss
ich der Versicherung mittels Kaufbeleg
beweisen, dass es 3000 Franken gekostet hat.
Erst dann bekomme ich mein Geld.» Bei der
Kunst sei es umgekehrt. «Da wird im Vornhe­
rein mit dem Kunden vereinbart, wie viel
ein Werk wert ist. Im Schadenfall entfällt
dann die Beweislast.»
Da Vinci oder nicht?
Was nun, wenn der Hodler eine Fälschung ist?
«Dies abzuklären gehört natürlich auch zu
meinem Job», stellt Stiburek klar. In der Regel
erledige das aber bereits die Galerie oder das
Auktionshaus, die dann ein Echtheitszertifikat
ausstellen. «Aber es gibt gewisse Künstler, bei
denen man weiss, dass man aufpassen muss»,
spricht sie aus Erfahrung. «Das sind dann die
sogenannten ‹luschen› Fälle.» Da gehe es um
Kunden, die beispielsweise behaupten, einen
Giorgione, Bellini oder Da Vinci auf dem
Dachboden gefunden zu haben. «In 99 von
100 Fällen ist es aber kein echter Da Vinci,
wenn jemand an einem Freitagnachmittag anruft und findet, er wolle jetzt das Teil versichern.» In ein bis zwei Fällen pro Jahr würden
solche Altmeister bei ihr auf dem Tisch landen. «Policen erstellen wir für solche Fälle
aber meist nicht.»
Die Underwriterin hatte es auch schon mit
Sammlern zu tun, bei denen nicht die Echtheit
der Werke Zweifel aufkeimen liess, sondern
deren Platzierung. «Ich war mal bei einer
Sammlerin, die sehr viele wertvolle Bilder besass. Eines der Bilder, ein Werk eines deutschen Expressionisten, hing an der Toilettenwand», weiss sie noch genau. Das sei schon
sehr speziell gewesen. Im positiven →
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Sinne eindrucksvoll fand sie aber ein
Bild eines französischen Impressionisten, das
mitten im Wohnzimmer der Besitzer hing.
«Das sieht man nicht jeden Tag.»
Kunst ist nicht gleich Kunst
Kunst ist bei Uniqa ein breiter Begriff. «Wir versichern eigentlich ‹Collectibila›, darunter fällt
alles, was man sammeln kann und dessen
Wert schwierig zu ersetzen ist», verfeinert Stiburek die Definition. Münz- und Briefmarkensammlungen zählen da nicht dazu. «Aber wir
haben auch schon Eisenbahnmodelle oder
Oldtimersammlungen versichert. Jedoch nur,
weil weder die Modelle noch die Oldtimer benutzt wurden.» Auch Instrumente können bei
Uniqa versichert werden. «Aber auch hier gilt:
Wenn Sie die Stradivari regelmässig spielen,
können Sie sie nicht versichern.» Dasselbe gilt
im Übrigen für wertvolle Teppiche, die nicht
an der Wand hängen, sondern begehbar auf
dem Boden liegen.
Geht es um zeitgenössische Kunst, wird es
schwierig. Vergängliche Werke wie diejenigen
von Dieter Roth gelten hierbei als Paradebeispiel. «Leider hatte ich noch keinen Roth bei
mir», gesteht die Kunstliebhaberin. «Aber solche Besonderheiten werden in den Versiche-
«Das Schöne
an meinem Job ist, dass
es sehr wenig Routine gibt.
Jede Police, die ich
erstelle, ist ein
Einzelstück, ein Unikat.»
rungsbedingungen bzw. in den Sonderklauseln geregelt.» Werke, die nicht auf einer
Leinwand stattfinden, seien am schwierigsten
zu schätzen: «Kunst kann bei uns nur versichert werden, wenn sie greifbar ist. Bei Konzept- und Installationskünstlern wie Pipilotti
Rist oder anderen Performances geht es eher
um die Idee, die geschützt werden muss.» Da
komme das Urheberrecht zum Tragen.
Eine emotionale Angelegenheit
So sie denn gefragt wird, rät Jessica Stiburek ihren Kunden, das zu kaufen, was ihnen gefällt.
Schliesslich hänge es an der Wand, also müsse
es gefallen, und zwar jeden Tag. «Es gibt aber
auch Kunden, die Kunstwerke nicht aus Lei-
denschaft, sondern zu Anlagezwecken ersteigern und diese nie aufhängen», räumt sie ein.
Sie selbst vertritt aber eine andere Sichtweise:
«Bilder nur richtig zu lagern ist nicht der Sinn
von Kunst. Man soll die Bilder sehen.» An dieser Aussage lässt sich erkennen, dass Kunst für
Stiburek viel mit Emotionen zu tun hat. «Kunst
ist für mich wie die Lektüre eines Buches oder
das Hören eines Musikstückes: Sie weckt Erinnerungen, regt zum Nachdenken an, erzählt
Geschichten», philosophiert sie. Gewiss löse
nicht jedes Werk solche Gefühle aus: «Ich
bringe wieder das Beispiel mit der Musik: Bei
gewissen Leuten löst klassische Musik etwas
aus, andere können damit gar nichts anfangen. So ist es auch bei mit Kunst.»
Sie selbst würde ja gerne öfters malen. «Aber
mit einem 80-Prozent-Job und zwei Kindern
fehlt mir schlichtweg die Zeit», bedauert sie.
Mit den Kindern male sie gerne, aber für mehr
reiche es nicht. Dafür besucht sie ab und an
Museen und Galerien, um dem Nachwuchs,
mit dem sie übrigens in ihrer Muttersprache
Tschechisch spricht, die Welt der Kunst näher
zu bringen. Aber wer weiss, vielleicht, wenn die
Kinder mal älter sind, findet Jessica Stiburek zu
ihren Künstler-Wurzeln zurück und taucht in
ihre eigene blaue oder rosarote Periode.
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Associazione per la formazione professionale nell’assicurazione
TECHNOLOGIE & PROZESSE
Neue Lösung
oder Tod
E
in Risiko, das unvermeidlich da ist
und kommen wird, ist die weitere
Digitalisierung von Branchen»,
warnte die britische Ökonomin Noreena Hertz am diesjährigen Swiss
Economic Forum (SEF) in Interlaken. Dieses
Risiko, das nachhaltige Folgen für viele Menschen bringe, stehe neben weiteren wie Griechenland, einer Rohöl-Preisexplosion, einem
Austritt Grossbritanniens aus der EU oder der
Russland-Ukraine-Krise. «Risiko Nummer vier
ist, dass sich zwei Menschen in einer Garage
irgendwo zusammentun, um eine Cyber-Attacke auszulösen, die viel grösser ist, als man
sich das bisher vorstellt und die sich auf Versorger, Nuklearanlagen oder den Finanzsektor
richtet», warnte Henri de Castries, CEO der
Axa-Gruppe, Anfang Juni an einer Veranstaltung seines Versicherungskonzerns in Zürich.
GESCHÄFTSMODELLE Big Data und die Digitalisierung des
Kundenkontaktes werden das Versicherungsgeschäft fundamental
verändern. Axa will zu den Überlebenden gehören.
VON MATTHIAS NIKLOWITZ
sehr rasch verändern». Ein Beispiel ist das allgegenwärtige Smartphone. Dessen Funktionen würden zukünftig weitere Geräte wie spezielle digitale Brillen übernehmen. Daten
würden laufend eingeblendet und gleich nach
dem Aufstehen könnten Menschen ihren Terminkalender für den laufenden Tag kontrollieren, beim Blick in den Kühlschrank Menutipps
abholen, die zum körperlichen Aktivtätsprofil
passen und dann, dank Fortschritten bei der
Holographie, an beliebigen Orten über digitale
Displays neue Gegenstände bauen, ihre Formen verändern und dann gleich via 3D-Drucker herstellen.
De Castries wies auch den Weg, wie sich das
Risiko manifestiert: «Ein Bankraub geht heute
viel einfacher digital als konventionell – und
dieses Risiko ist das, was mir eigentlich den
Schlaf raubt.» Daneben erscheinen die Risiken
für seine Branche beherrschbar. «Viele Geschäftsmodelle wird es in zehn, fünfzehn Jahren nicht mehr geben», so De Castries weiter.
«Es wird zwar neue Jobs geben, aber es werden
auch Stellen verschwinden.» Innert fünf Jahren müsse eine Lösung gefunden werden,
warnt De Castries. «Sonst sind wir tot». Die
Versicherungswirtschaft müsse dringend
neue Geschäftsmodelle entwickeln, denn Big
Data und die Digitalisierung des Kundenkontaktes werden alles verändern. «Sehr grosse
Firmen könnten verschwinden, und sie werden auch verschwinden», fuhr De Castries fort,
«möglicherweise werden die mittelgrossen
Firmen überleben.»
Es könnten aber auch die ganz Kleinen sein,
welche die Branche fundamental verändern.
«Die neuen Risiken sind asymmetrisch», sagte
De Castries, «zwei junge Menschen können
heute die Gleichgewichte in der Politik, aber
auch im Geschäft verändern.» Bestehende
und traditionelle Grenzen gelten nicht mehr,
neue Abgrenzungen werden relevant. «Wir
möchten zu den Gewinnern gehören», erklärte De Castries gegenüber der «Schweizer
Versicherung», «und dafür geben wir pro Jahr
400 Millionen Euro aus.»
Axa stellte Anfang Juni zudem drei neue Aktivitäten in Asien vor, die ihren Betrieb Ende
des Jahres aufnehmen sollen: In Shanghai eröffnete man ein «Lab Asia», in Singapur ein
«Daten Innovations-Lab» und in Hongkong
ein Büro, das sich um strategische Venture-In-
BILD: KEYSTONE/ AP PHOTO/DAVID GUTTENFELDER
In fünf Jahren droht das Aus
Roboter als Pflegehilfe im Altersheim: Die
Digitalisierung erobert sämtliche Branchen.
vestitionen kümmern soll. Der Verbund dieser
drei Ableger soll sicherstellen, dass die angestrebten ambitiösen Ziele auch erreicht werden: Ausgehend von einer gegenwärtigen
Kundenbasis von 14 Millionen Kunden will
man bis zum Jahr 2030 100 Millionen Kunden
in der Region abdecken. Bei Axa begründet
man das strategische Ziel auch mit der sich
wandelnden Bedeutung Asiens. Die Bevölkerung und insbesondere die Mittelklasse würden stark wachsen, der Wohlstand steige und
damit steige auch der Bedarf an modernen
Versicherungslösungen.
«Die Entwicklungen werden heute von fünf
grossen IT-Konzernen aus den USA vorangetrieben», erklärt Nick Sohnemann, Innovationsberater, Gründer und CEO der Firma Futurecandy. Und dabei gebe es nicht mehr
einzelne Trends, die jeweils in einem Jahr wirken und gültig sind. «Es gibt vielmehr parallel
viele Entwicklungen, die alles gleichzeitig und
Niemand wartet auf Europäer
Erste Veränderungen zeichnen sich bereits
jetzt ab. Dazu zählen die selbstfahrenden Autos, die ersten Erfahrungen mit den Fahrtenschreibern und die dazu gehörenden KundenIncentivierungsprogramme sowie Roboter,
die ihren Teil bei der Pflege und Hausarbeit erledigen könnten. «Die Fintech-Firmen liefern
oft die bessere User-Experience als die grossen
Unternehmen», so Sohnemann weiter. «Wenn
man ein neues Bankkonto eröffnen will, werden gerade die jüngeren Menschen den einfacheren digitalen Weg bevorzugen.»
Und auch der Blick nach Asien lohnt sich
hier, wie de Castries im Gespräch sagte. «Auch
deshalb verstärken wir unsere Präsenz in der
Region.» Denn gerade in China stehen mit den
grossen Versicherungen Ping An, PICC, China
Pacific und China Life sowie den Finanzdienstleistern bzw. E-Commerce-Unternehmen AliBaba/AliPay, Tencent und Baidu überaus rasch reagierende, innovative und kolossal
grosse Konkurrenten bereit, die sich untereinander nichts schenken – und der Konkurrenz
aus dem fernen Europa erst recht nicht.
SCHWEIZER VERSICHERUNG | AUGUST 2015
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