Münchner Stadtgespräche - Umweltinstitut München

Nr. 72 September 2015
www.muenchner-stadtgespraeche.de
Münchner
Stadtgespräche
Ausgabe
Münchner
Klimaherbst
KLIMAPOLITIK
Kampf ums
Klima
MÜNCHEN
Stadt und
Klimawandel
GLETSCHERSTERBEN
Adieu, ihr
Gletscher
Klima im Wandel
Wie die globale Erwärmung unser Leben verändert
die seite zwei
aus dem referat für gesundheit und umwelt
Schnell und sicher ans Ziel:
Der interaktive Radroutenplaner für München
Erfolgreich Fahrt aufgenommen hat der MVV-Radroutenplaner. Nach einer Probephase
ist er jetzt mit zahlreichen Verbesserungen in den Regelbetrieb überführt worden.
I
m April 2015 starteten das Referat für Gesundheit und Umwelt der
Landeshauptstadt München (RGU) und der Münchner Verkehrsund Tarifverbund (MVV) den interaktiven Radroutenplaner, der auch
in die MVV-Fahrplanauskunft integriert ist.
Schon nach kurzer Zeit zeigt sich, dass er gut angenommen wird:
Über 1000 Nutzer am Tag rufen ihn derzeit am PC oder über die dazugehörige App (Android und iOS) auf. Dabei wurden bislang über
400.000 Routenvorschläge berechnet und über eine Million Kilometer an Radrouten ausgegeben. Vorausgesetzt, alle Strecken wurden tatsächlich geradelt, konnten in den ersten zehn Wochen etwa 170 Tonnen CO2 eingespart werden. Besonders nachgefragt sind die Optionen
„schnellste Route“ und „grüne Route“. Bewährt hat sich auch das Angebot, alle Radrouten jederzeit mit den Verkehrsmitteln im MVV verknüpfen zu können.
Viele Nutzerinnen und Nutzer haben interessante und konstruktive
Rückmeldungen gegeben. Bisher konnten davon mehr als 100 ausgewertet und viele in der Folge direkt umgesetzt werden. Der MVV-Radroutenplaner für PC und App wurde außerdem erfolgreich von der Betaversion in den Regelbetrieb überführt.
Zahlreiche Verbesserungen
Unter anderem wurden folgende Optimierungen vorgenommen:
• Bei der Auswahl „Grüne Routen“ werden Parks, Wälder und Grünanlagen deutlich besser erkannt und in die Route integriert.
• Die Routenkennzeichnung erfolgt in einer transparenten Farbe,
sodass jetzt auch die Straßennamen lesbar bleiben.
• Unter der Rubrik „Zeige in Karte“ gibt es nun auch Routenvor-
•
•
•
schläge für Berufspendlerinnen und -pendler im Grünen, die gemeinsam von ADFC, der IHK und der Europäischen Metropolregion München erarbeitet wurden („Grüne Routen RegioCity“).
Den Nutzerinnen und Nutzern werden nicht nur die CO2-Einsparung, sondern auch die – nach erfolgreicher Radtour – verbrauchten Kalorien in Form von Schokoladenstückchen automatisch angezeigt.
Wie die MVV-Auskunft kann auch der MVV-Radroutenplaner auf
Wunsch die Schiffe der Bayerischen Seenschifffahrt am Ammersee und am Starnberger See berücksichtigen. Dabei wird auch
angezeigt, ob eine Fahrradmitnahme möglich ist.
Die Darstellung des Höhenprofils wurde optimiert.
Verbesserungsvorschläge können auch weiterhin von den Nutzerinnen
und Nutzern gemacht werden. Entstanden ist der MVV-Radroutenplaner in den letzten drei Jahren mit Fördermitteln der EU im Rahmen des
Alpine-Space-Projektes PUMAS.
Im Internet finden Sie den interaktiven MVV-Radroutenplaner
unter www.mvv-muenchen.de/radroutenplaner sowie unter
www.muenchen.de/radroutenplaner.
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FOTO
Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU), Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV)
www.mvv-muenchen.de/radroutenplaner
Münchner Stadtgespräche Nr. 72
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Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
seit den 1970er Jahren hat sich in Deutschland die Zahl extremer Stürme, von Starkregen und
anderen wetterbedingten Katastrophen mehr als verdreifacht. Mit markanten Hitzewellen starteten wir ins neue Jahrtausend, schwere Stürme wie Lothar 1999, Kyrill im Jahr 2007 oder Xaver
in 2013 sind schon lange keine Ausnahmeerscheinungen mehr.
04
Das Klima wandelt sich – und wir werden uns daran gewöhnen müssen, wenn wir die globale Erwärmung nicht stoppen. Denn der Klimawandel ist menschengemacht und nur wir selbst sind in
der Lage, ihn aufzuhalten. Kaum jemand setzt dabei noch auf die Wirkung der alljährlichen Klimakonferenzen, die 20 Jahre lang nahezu ergebnislos geblieben sind.
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Doch es gibt für uns durchaus Möglichkeiten, sich zu engagieren: Eine neue Protestbewegung
ist entstanden, die das Ende der fossilen Energiesysteme einfordert und dabei auch Aspekte der
Klimagerechtigkeit mit einschließt (siehe Artikel auf Seite 9). Die „Divestment“-Bewegung fordert
dazu auf, Investitionen aus klimaschädlichen Unternehmen abzuziehen (siehe Artikel auf Seite
22) und auch im Alltag können wir selbst aktiv zum Klimaschutz beitragen: beim täglichen Einkauf, im Beruf oder direkt vor unserer Haustüre (siehe Artikel auf Seite 7). Wir haben Geschichten gesammelt, die Mut machen – hoffentlich auch Ihnen.
14
Eine spannende Lektüre wünscht
Joy Mann
Inhalt
02
04
07
09
12
Schnell und sicher ans Ziel
Der interaktive Radroutenplaner für München
Kampf ums Klima
Warum die Klimapolitik regelmäßig den Kürzeren zieht
Jeden Tag das Klima schützen
Umweltpsychologin Katharina Beyerl im Interview
Stillstand der Diplomatie
20 Klimakonferenzen und kaum Fortschritte
Stadt und Klimawandel
Das kommt auf Großstädte wie München zu
14
16
18
20
22
Adieu, ihr Gletscher
Ein Schweizer Fotograf dokumentiert das Gletschersterben
Auf der Flucht
Wetterextreme vernichten viele Existenzen
Jährlich grüßt die Klimakonferenz
Über die Neuorientierung der Klimabewegung
Kein Klimaschutz ohne Agrarwende
Industrielle Landwirtschaft befeuert den Klimawandel
“Raus aus der Kohle!“
Ein Plädoyer für klimafreundliche Investitionen
Umweltinstitut München e.V.
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Kampf
ums
Klima
Statt weiter auf Verzögerungstaktiken zu setzen, muss die Klimapolitik endlich die
wichtigsten Treiber der klimaschädlichen Emissionen in den Fokus nehmen: das ungebremste Wirtschaftswachstum und die fossile Energieindustrie.
S
ommer 2002 in Deutschland: Häuser stehen bis zum ersten
Stock unter Wasser, Straßen werden zu Flüssen und Felder
zu Seen, Boote zum städtischen Fortbewegungsmittel. Insgesamt 21 Menschen kommen zu Tode, zahlreiche weitere verlieren ihre
Existenzgrundlage. Viele Krankenhäuser müssen evakuiert werden und
historische Bauten wie die Semperoper und die Frauenkirche in Dresden drohen, ernsthaften Schaden zu nehmen.
Die Elbeflut war eine „Jahrhundertflut“, der größte Einsatz in der
Geschichte des Technischen Hilfswerks. Und schon ein Jahrzehnt später, im Jahr 2013, erlebte Deutschland die nächste Überschwemmung
mit ähnlichen Ausmaßen. Für viele Menschen wurde hier erstmals deutlich: Existenzbedrohende Auswirkungen des Klimawandels sind auch in
Deutschland spürbar.
Extreme Wetterereignisse wie Hochwasser, Dürren und Wirbelstürme
haben als Folge des Klimawandels in vielen Regionen der Welt zugenommen und werden in naher Zukunft wohl noch häufiger werden. Dabei sind die Länder des Südens schon jetzt wesentlich stärker bedroht
als die Industrieländer, zumal hier die Ausgangsbedingungen meist viel
prekärer sind. Intensive Dürreperioden, die etwa in Ostafrika seit eini-
gen Jahren immer öfter auftreten, fordern Hunderttausende Tote durch
Unterernährung, bringen den Verlust der Lebensgrundlagen Landwirtschaft und Viehzucht mit sich und treiben Menschen in die Flucht.
„Wie viele Konferenzen brauchen wir noch?“
Nicht umsonst erklärte auf der UN-Klimakonferenz in Warschau 2013
auch Naderev Sano, der Delegierte der Philippinen, er werde so lange fasten, bis im Rahmen des Gipfels eine wirksame Vereinbarung für
globalen Klimaschutz erzielt worden sei. Kurz zuvor hatte der Taifun
„Haiyan“ in seiner Heimat riesige Zerstörung angerichtet, mindestens
6000 Menschen starben, Millionen haben alles verloren.
„Mein Land weigert sich hinzunehmen, dass eine 30. oder 40. Klimakonferenz notwendig sein soll, um das Problem des Klimawandels zu
lösen“, sagte der philippinische Delegierte Sano vor zwei Jahren. Damit
sprach er an, was immer mehr Menschen frustriert, auch in den westlichen Industrieländern: Seit 20 Jahren verhandeln die Regierungen auf
internationaler Ebene bei den jährlich stattfindenden UN-Klimakonferenzen, doch wirksame Instrumente für den globalen Klimaschutz haben sie bisher nicht beschlossen. Währenddessen steigen die globalen
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Treibhausgasemissionen weiter und es wird immer unwahrscheinlicher,
dass das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden kann (siehe Artikel auf
Seite 9).
Auch der diesjährige G7-Gipfel in Elmau zeigte, dass die Politik häufig mehr um wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit als um Ergebnisse bemüht ist: „Klimakanzlerin“ Angela Merkel und ihre Gäste aus den übrigen G7-Ländern unterlegten das große Wort „Dekarbonisierung“ mit
schönen Bildern von Staatschefs vor Alpenkulisse – mit Erfolg: Die
Presse und auch einige Nichtregierungsorganisationen bejubelten die
G7-Beschlüsse zum Klimaschutz als bahnbrechend. Die Gruppe der
Sieben sprach sich für
eine „Dekarbonisierung“
der globalen Wirtschaft
bis zum Ende des Jahrhunderts aus. Gleichzeitig vereinbarten sie, die
weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 40 bis 70 Prozent im Vergleich zu 2010 zu
reduzieren. Das Zwei-Grad-Ziel wurde als Zielvorgabe der Klimapolitik anerkannt.
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bale Weltwirtschaft bis zum Ende des Jahrhunderts „dekarbonisiert“,
also sehr kohlenstoffarm werden muss. Gleichzeitig ist „Dekarbonisierung“ aber ein dehnbarer Begriff, der – mit Sicherheit nicht zufällig –
viel Raum für Interpretationen lässt.
So wird dieser zwar meist mit der notwendigen vollständigen Abkehr von Kohlenwasserstoffen, also den fossilen Energieträgern Kohle,
Öl und Gas, gleichgesetzt. Doch andere mögliche Deutungen schließen den Einsatz höchst umstrittener Techniken wie CCS (Carbon Capture and Storage), die Abscheidung und unterirdische Speicherung von
CO2 und großtechnische Manipulationen der Stoffkreisläufe der Erde
(Geoengineering) mit ein.
Das größte Dilemma der Klimapolitik liegt
darin, dass sie mit politischen Zielen und
wirtschaftlichen Interessen konkurriert –
und dabei regelmäßig den Kürzeren zieht.
Doch die Wahrheit über diese Ziele ist: Weder sind sie wirklich ambitioniert, noch gehen sie über eine reine Absichtserklärung hinaus. Schon
2009 erklärten die G8, damals noch mit Russland, dass sie das ZweiGrad-Ziel anerkennen. Dieses ist auch seit der UN-Klimakonferenz in
Cancún 2010 offiziell Grundlage der internationalen Klimaverhandlungen. Ebenfalls 2009 versprachen die acht Wirtschaftsmächte bereits, sich dafür stark zu machen, die globalen Treibhausgasemissionen
bis 2050 um 50 Prozent oder mehr zu reduzieren.
Im Klartext: Die beschlossenen Klimaziele haben sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren nicht entscheidend geändert. Zudem nützen alle hehren Ziele nichts, wenn die notwendigen politischen
Maßnahmen weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene beschlossen werden. Genau das zeigt aber die Gipfel-Geschichte: Den Ankündigungen folgten keine Taten.
Wolf im Schafspelz
Die wichtigste Zielvorgabe fehlt zudem im G7-Beschluss: eine Mengenbegrenzung der fossilen Energien, die in den nächsten Jahrzehnten
noch verbraucht werden dürfen. Denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen müssen vier Fünftel der fossilen Energiereserven in der
Erde bleiben, um katastrophale Auswirkungen des Klimawandels zu
verhindern. Bisher fehlt jedoch der politische Wille, diese Prämisse für
das Erreichen der Klimaziele in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Ein
Beispiel ist das Herumlavieren der deutschen Regierung um den dringend notwendigen Ausstieg aus der Kohlekraft.
Das Ziel der „Dekarbonisierung“ entpuppt sich als Wolf im Schafspelz:
Einerseits geben die langfristigen Klimaziele bereits vor, dass die glo-
Beiden Techniken sind zwei
fatale Eigenschaften gemeinsam. Zum einen sind ihre
langfristigen Auswirkungen
auf die Umwelt aufgrund erheblicher
Wissensdefizite
kaum abschätzbar, potenziell jedoch mit großen Risiken
verbunden. Und zum anderen werden sie vor allem mit der Motivation
diskutiert, Maßnahmen zur tatsächlichen Minderung der Treibhausgasemissionen zu vernachlässigen.
Denn, so die Hoffnung, indem man ihre Klimaauswirkungen mit
technischen Lösungen neutralisiert, kann es mit der Verbrennung von
Öl, Kohle und Gas immer weitergehen. Daher werden diese Instrumente, ähnlich wie die Atomkraft als angeblicher Klimaretter, auch stark
von der industriellen Lobby propagiert. Diese hat kein Interesse daran,
etwas an ihrer Wirtschaftsweise zu verändern.
Wirtschaftswachstum vs. Klimaschutz
Das wohl größte Dilemma der Klimapolitik liegt daher darin, dass sie mit
anderen politischen Zielen und wirtschaftlichen Interessen konkurriert –
und dabei regelmäßig den Kürzeren zieht. So bekräftigten auch die G7
wie in all den Jahren zuvor die Relevanz der Handelsliberalisierung. Bei
Freihandelsabkommen wie TTIP und Co. machen die Regierungschefs
Druck, um möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen.
Schon seit den 1990er Jahren laufen die Klimaschutzbemühungen
parallel zu einem zunehmenden Ausbau des internationalen Warenverkehrs. So trat zwei Jahre nach der Unterzeichnung der UN-Rahmenkonvention über den Klimawandel 1992 auch das nordamerikanische
Freihandelsabkommen NAFTA in Kraft und die Welthandelsorganisation wurde gegründet.
Interessant ist dabei, dass beide Prozesse völlig isoliert voneinander vorangetrieben werden, ohne die offensichtlichen Wechselwirkungen zu
thematisieren. Denn die Liberalisierung des Handels dient dem globalen Wirtschaftswachstum. Dieses wiederum ist aber der Haupttreiber
des kontinuierlichen Anstiegs der Treibhausgasemissionen. Die Förderung von Wachstum und wirksamer Klimaschutz schließen sich daher
aus. Handelsliberalisierung bedeutet zudem immer auch erhöhter Wettbewerbsdruck und damit einhergehend eine Zentralisierung und Indus-
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Umweltinstitut München e.V.
trialisierung der Strukturen, wie etwa in der Landwirtschaft – mit den
entsprechenden Auswirkungen auf Umwelt und Klima (mehr im Artikel
auf Seite 20).
Es wäre dringend notwendig, diese massive Inkohärenz zu problematisieren, die in der internationalen wie in der nationalen Politik besteht.
Mächtige Interessensgruppen wissen dies jedoch bislang zu verhindern.
Dazu gehören zum Beispiel jene 90 Unternehmen, die für zwei Drittel
der seit Beginn der Industrialisierung ausgestoßenen Emissionen verantwortlich sind. Viele dieser Konzerne, hauptsächlich aus der Öl- und
Gasindustrie, nehmen starken Einfluss auf die Politik und mittels gezielter PR-Kampagnen auch auf die öffentliche Wahrnehmung.
Die US-amerikanische Vereinigung kritischer WissenschaftlerInnen
(Union of Concerned Scientists) hat dazu in diesem Jahr einen ausführlichen Bericht auf Basis von internen Unternehmensdokumenten
veröffentlicht: Die Belege zeigen, wie Energiekonzerne und Industrieverbände manipulierte Studien finanzierten, falsche Bürgerinitiativen
gründeten oder gefälschte Briefe im Namen von Umweltorganisationen
an den US-Kongress sandten, um eine Einschränkung der Emissionen
aus fossilen Energien zu verhindern.
Wandel „von unten“
Doch die Hinhaltetaktik von Politik und Unternehmen bleibt nicht unbemerkt. Immer mehr BürgerInnen auf der ganzen Welt verlassen sich
nicht länger auf „die da oben“ und nehmen den Wandel selbst in die
Hand. Sie protestieren gegen aufwändige Energieprojekte, die die lo-
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kale Natur zerstören und das fossile Energiesystem auf Jahrzehnte hinaus zementieren. Sie investieren in erneuerbare Energien und setzen
sich für „Divestment“, also das Abziehen von Geldern aus klimaschädlichen Unternehmen, ein (siehe auch Seite 22). Und sie diskutieren über
ganzheitliche Konzepte zur Lösung der Klimakrise, die auf einer anderen, wirklich nachhaltigen Gestaltung der Wirtschaft aufbauen. Denn
frei nach Albert Einstein sind sie der Ansicht: „Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“
Es ist an der Zeit, dass diese Einsicht auch auf der politischen Ebene ankommt. Nötig ist zum einen der Realismus, dass eine so radikale Senkung der Emissionen, wie sie bereits bis Mitte des Jahrhunderts
notwendig ist, trotz erhöhter Energieeffizienz nicht mit kontinuierlichem
Wirtschaftswachstum vereinbar ist. Zum anderen ist der Mut gefragt,
schon heute das Ende der Nutzung fossiler Energien und damit eine
konsequente Energiewende zu planen.
TEXT
FOTOS
Franziska Buch
Fotolia
Extreme Wetterereignisse wie Hochwasser, Dürren und Wirbelstürme haben als Folge des Klimawandels in vielen Regionen
der Welt zugenommen. Mit den „Jahrhundertfluten“ 2002 und 2013 wurde erstmals deutlich: Existenzbedrohende Auswirkungen sind auch in Deutschland spürbar.
Münchner Stadtgespräche Nr. 72
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Jeden Tag das Klima schützen
Alle wollen das Klima retten – aber keiner tut es. Psychologin Katharina Beyerl
erklärt im Interview, was uns davon abhält und wie wir unser Verhalten im Alltag
ändern können.
Frau Beyerl, der Klimawandel wird weltweit als eine der größten Bedrohungen
wahrgenommen. Trotz dieses Bewusstseins scheinen die Bemühungen um den
Klimaschutz zu stagnieren. Wie ist das zu
erklären?
Die globale Weltgemeinschaft erkennt und
versteht das Problem des Klimawandels mit
seinen schwerwiegenden Folgen immer besser. Ich sehe in vielen Bereichen, dass die Bemühungen um den Klimaschutz zunehmen.
Allerdings sind diese bei Weitem noch nicht
ausreichend, um ein 2-Grad-Ziel auch nur annähernd zu erreichen.
Aktive Bemühungen zum Klimaschutz finden
nicht nur auf internationaler oder nationaler
Ebene statt, sondern auch regional, kommunal und individuell. Jedoch sind diese in den
Medien und der allgemeinen Aufmerksamkeit
oft weniger präsent als andere aktuelle Themen wie zum Beispiel die Wirtschaftskrise, internationale Konflikte, Fußballevents und die
Welt der Stars und Sternchen. Wir haben im
Alltag viele Dinge, die uns beschäftigen, und
wir lenken uns auch gerne ab.
Politik und Wirtschaft versuchen, bei der Umstellung der Energieversorgung auf nicht-fossile Brennstoffe gleichzeitig das Wirtschaftswachstum beizubehalten. Umstellung und
Verhandlungen brauchen jedoch Zeit. Damit
die Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre in dieser Zeit jedoch weniger drastisch
zunimmt, ist auch das tägliche Verhalten jedes
Einzelnen wichtig, denn alle Emissionen zählen.
Welche Faktoren haben Einfluss auf unser Verhalten?
Lange war Umweltbewusstsein ein großes
Thema und wie man Verständnis für die Problematik des Klimawandels schaffen kann. Jedoch ist das nur ein relevanter Faktor. Selbst
wenn man den Klimawandel als Problem erkannt hat und sehr umweltbewusst eingestellt
ist, heißt das nicht unbedingt, dass man sich
auch immer klimaschützend verhält.
Neben unseren Einstellungen, Werten und
persönlichen Normen spielen auch unser Lebensstil, unsere Gewohnheiten und das Vorhandensein nachhaltiger Verhaltensangebote
eine wichtige Rolle.
Damit klimaschützende Verhaltensangebote
für die Bevölkerung geschaffen werden können, muss das Problem jedoch erst einmal
auch jenen bewusst werden, die in Politik und
Wirtschaft entsprechende Entscheidungen
treffen. Sonst werden nachhaltige Alternativen
gar nicht erst in Erwägung gezogen.
Weshalb bleibt der Klimawandel für viele
Menschen so abstrakt, obwohl die Auswirkungen schon konkret spürbar sind?
Ursache und Wirkung sind beim Klimawandel für uns Menschen nicht so offensichtlich.
Dass die Emission von Treibhausgasen durch
unsere tägliche Energienutzung die Ursache
für die globale Erwärmung und Versauerung
der Ozeane sind, können wir rein intellektuell
zwar verstehen, jedoch spüren wir das im Alltag so kaum.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Folgen
zeitlich verzögert eintreten und wir, überspitzt
gesagt, nicht für jedes Kohlekraftwerk direkt
einen Hurrikan oder eine Dürreperiode ernten.
Und nicht zuletzt sind es Millionen Menschen,
die mit vielen einzelnen Handlungen jeden Tag
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Umweltinstitut München e.V.
durch ihren Konsum, durch Autofahrten und
Flüge oder durch das Steak aus Argentinien
auf dem Teller bewusst oder unbewusst zum
Klimawandel beitragen.
Wir merken zwar, dass Hitzewellen häufiger
und intensiver sind als früher, dass sich Jahreszeiten verschieben, sich Niederschlagsmengen oder auch Extremwetterereignisse
ändern. Jedoch ist es schwer für uns zu unterscheiden, was normale Schwankungen des
Wetters sind und was langfristiger, globaler
Klimawandel. Der Umgang mit Veränderungen
und Wetterextremen setzt zudem auch nicht
unbedingt an der Ursache des Problems an,
sondern trägt teilweise sogar dazu bei, wie
etwa das Anschalten von Klimaanlagen während einer Hitzewelle zeigt.
Nur wenige Menschen verhalten sich
konsequent umweltbewusst. Was könnte
uns motivieren, unser eigenes Verhalten
nachhaltig zu ändern?
Sich konsequent umweltbewusst zu verhalten
ist in einer modernen Gesellschaft nicht immer
einfach, da wir in vielen Bereichen auf die Infrastruktur angewiesen sind, die wir nutzen.
Das betrifft die Energieversorgung in Gebäuden, die Mobilität oder den Konsum von Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs,
die alle mit einem gewissen Aufwand an Energie produziert wurden und oft lange Transportwege hinter sich haben. Globale Produktionsketten sind komplex und die Wirkungen
unserer Konsumentscheidungen schwer für
den Einzelnen nachvollziehbar.
Wie gesagt, es gibt viele Faktoren, die unser
Verhalten beeinflussen, darunter Gewohnheiten, Einstellungen, Werte, unser soziales
Umfeld und Vorbilder, aber auch die objektiven
Möglichkeiten, sich klimaschützend zu verhalten. Im Alltag stoßen die individuellen Möglichkeiten aber oft an Grenzen, denn es ist kaum
möglich, bei jedem Schritt die eigene CO2-Bilanz zu beachten.
Deshalb sehe ich auch Politik und Wirtschaft
in der Verantwortung, nachhaltige und attraktive Verhaltensangebote zu fördern, so dass
Klimaschutz für den Einzelnen zum Stan-
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dard wird, ohne viel nachdenken zu müssen.
Gleichzeitig ist eine Vorbildwirkung bekannter
und akzeptierter Persönlichkeiten und Institutionen relevant. Wenn alle öffentlichen Einrichtungen auf Ökostrom umsteigen würden,
Elektroautos anschaffen, in den Kantinen zunehmend regionale und ökologische Zutaten
nutzen oder mehr vegetarische Gerichte anbieten würden, wäre das schon ein Zeichen.
Regionale, saisonale und nachhaltig produzierte Produkte schmecken oft besser und haben zudem keine langen Transportwege hinter sich. Nicht jeden Tag Fleisch zu essen hilft
auch schon. Ebenso kann man Stromfresser im Haushalt identifizieren und reduzieren,
schaltbare Steckerleisten nutzen, Standby vermeiden und einer Energiegenossenschaft beitreten.
Auch die Medien spielen eine wichtige Rolle, denn wenn sie nachhaltige Lebensstile als
hip, modern, erstrebenswert und machbar
darstellen, kann das soziale Normen schaffen. Wirkliche Transformation braucht mehrere Ansatzpunkte.
Hausbesitzer können das eigene Haus energetisch sanieren und eigenen Strom produzieren. Informationsangebote von Verbraucherzentralen helfen zum Beispiel bei
Haushaltsentscheidungen weiter. Auch zertifiziert nachhaltige Geldanlagen können dazu
beitragen, Wandel zur Nachhaltigkeit zu unterstützen.
Was raten Sie Menschen, die sich für den
Klimaschutz engagieren möchten, aber
nicht wissen, wo sie anfangen sollen?
Selbst aktiv zum Klimaschutz beitragen kann
man in unterschiedlichen Bereichen, privat im
Haushalt und beim täglichen Einkauf, im Beruf, vor Ort in der Kommune bis hin zu politischem Engagement.
Zudem ist es möglich, sich am Arbeitsplatz, in
der Nachbarschaft oder auch politisch zu engagieren. Wer Wege sucht, wird auch Ansatzpunkte finden. Erreichbare, klare Ziele helfen
bei der Umsetzung.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Es ist sinnvoll, die eigenen Konsumentscheidungen zu überdenken, denn so kann jeder
seinen ökologischen Fußabdruck reduzieren
und gleichzeitig auch eine gewisse Nachfrage an den Markt und die Politik stellen. Das
beginnt beim Stromanbieter, den man schnell
und unkompliziert wechseln kann, oder bei
täglichen Entscheidungen der Verkehrsmittelwahl, und betrifft ebenso unsere Einkaufsund Essgewohnheiten. Man kann sich fragen, ob es wirklich ein großes Geländeauto
sein muss oder ob ein Elektroauto nicht sogar
schicker und moderner ist.
INTERVIEW
FOTOS
Joy Mann, Franziska Buch
Pixelio / Rainer Sturm
Katharina Beyerl
Zur Person
Katharina Beyerl ist Psychologin mit Arbeitsschwerpunkt Umweltpsychologie. Sie
arbeitet seit 2012 am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam. Katharina Beyerl beschäftigt sich mit
Fragen der Wahrnehmung von Umweltveränderungen und des Klimawandels sowie
mit der Motivation von Menschen, auf globalen Wandel zu reagieren.
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Stillstand der Diplomatie
Auch nach 20 Klimakonferenzen zeigen sich bei den internationalen Verhandlungen
kaum Fortschritte. Unterdessen schreitet der Klimawandel weiter voran. Was muss
noch geschehen, damit endlich etwas passiert?
N
ach dem Ende des Ost-West-Konfliktes waren die Hoffnungen
groß, dass sich die Weltkonferenzen der Vereinten Nationen
in den 1990er Jahren den dringenden sozialen und ökologischen Problemen zuwenden und neue Lösungswege vor allem für die
grenzüberschreitenden Probleme erarbeiten würden.
Dazu gehört auch der Klimawandel, dem durch staatliche Verhandlungen sowie den Dialog unter staatlichen, privatwirtschaftlichen und
nicht-staatlichen Akteuren Einhalt geboten werden sollte. Doch nach
20-jährigen Verhandlungen – die erste UN-Klimakonferenz (COP I)
tagte 1995 in Berlin – gleichen die Konferenzergebnisse einem Scherbenhaufen.
Derweil erhitzt sich die Erde weiter. Die mittlere globale Oberflächentemperatur ist seit Ende des 19. Jahrhunderts um knapp 0,9 °C angestiegen. Der Ausstoß an Treibhausgasen hat von rund 23 Milliarden
Tonnen im Jahr 1995 auf gigantische 32,8 Milliarden im Jahr 2013 zugenommen, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Warum lässt die Kli-
mawende auf sich warten? Und warum wird auch das Dokument, das
bei der 21. Klimakonferenz in Paris verabschiedet wird, aller Wahrscheinlichkeit nach so flexibel gestaltet, dass eine globale Reduktion
der Treibhausgase nicht gelingen kann? Vor allem ein interner, die Logik der Klimaverhandlungen selbst betreffender, und ein externer, die
politisch-ökonomische Logik betreffender Grund können dafür angeführt werden.
Das eigentliche Problem bleibt unberührt
Die Erfolglosigkeit der internationalen Klimapolitik lässt sich damit erklären, dass die Verhandlungen nie zum Problemkern – dem nuklear-fossilen Energie- und Wirtschaftssystem – vordringen konnten und
die marktwirtschaftlichen Instrumente, mit denen dem Klimawandel begegnet werden soll, diesen Kern gar nicht berühren.
Der Klimawandel wird nicht als zentrales Problem einer ressourcenintensiven Produktions- und Konsumweise angegangen, die durch
die Verbrennung fossiler Energien erst möglich wird. Insbesondere die
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Umweltinstitut München e.V.
zerstörerische Kraft von Kohle, Gas und Öl bleibt jenseits des Horizonts
der internationalen Klimapolitik. Vielmehr wird die Reduktion von Emissionen als Ziel des Klimaschutzes zum zentralen Ansatzpunkt erklärt.
Profitstreben statt Vermeidung
Damit ist allerdings nicht nur oder nur am Rande die Vermeidung der
Emissionen gemeint, vielmehr geht es lediglich um den Umgang mit ihnen und ihren Auswirkungen. Klimaschutz wird so zum umfassenden
Modernisierungsprojekt, das statt auf die Verminderung von CO2-Emissionen auf den Emissionshandel, die Verpressung der schädlichen
Emissionen in die Erdkruste, Projekte zum Klimaschutz oder den Anbau von Wald-Monokulturen abzielt. Weitergehende Vorschläge umfassen gar die Düngung der Weltmeere zur verbesserten Aufnahme von
Emissionen oder Sonnenschilde im Weltraum, die die Sonneneinstrahlung verringern sollen.
Gemeinsam ist diesen Projekten der Grundgedanke, dass Emissionen real oder zumindest rechnerisch neutralisiert werden können. So
wird nicht nur die eigentlich angestrebte Verminderung der Emissionen
umgangen, vielmehr wird aus dieser Strategie auch noch ein profitables
Geschäftsmodell. Den Maßnahmen, die hier ansetzen, kann auch von
den starken staatlichen wie privatwirtschaftlichen Akteuren zugestimmt
werden, die eine internationale Besteuerung der fossilen Energien oder
gar eine Abkehr von diesen Energieträgern strikt ablehnen.
Die Widersprüchlichkeit, die sich zwischen den erkannten Notwendigkeiten auf der einen und den Handlungsansätzen auf der anderen Seite ergeben, wurde jüngst auch beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau deutlich. Dort formulierte Bundeskanzlerin Merkel mit einigem medialen
Erfolg die Dekarbonisierung als politisches Ziel. Auf nationaler Ebene
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aber musste Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine geplante Kohle-Abgabe aufgrund der erheblichen Widerstände aus der Energiewirtschaft aufgeben. Damit sind wir beim zweiten, externen Grund: Rund
um den Globus zeigt sich, dass sich erhebliche Widerstände innerhalb
der Regierungen in den Industrie- wie in den Schwellenländern regen,
wenn es um anspruchsvolle und weitreichende Reduktionsziele geht.
Dagegen sprechen staatliche wie wirtschaftliche Interessen, die sich an
ökonomischer Prosperität und Wachstum orientieren. Deshalb wird das
weltweite Angebot an fossilen Energien mit hoher Wahrscheinlichkeit
noch bis 2040 kontinuierlich ansteigen.
Die Prognosen, die der World Energy Outlook 2014 präsentierte, sind
klimapolitisch jedenfalls mehr als alarmierend. Sowohl der Gas- als
auch der Kohle- und Ölverbrauch wird steigen. Eine große Bedeutung
kommt der unkonventionellen Gas- und Ölförderung (Fracking) zu. Der
Anteil der neuen erneuerbaren Energien (Geothermie, Solar-, Wind- und
Meeresenergie) an der Primär-Energieversorgung beläuft sich heute auf
rund ein Prozent. Dieser Anteil wird nur langsam ansteigen.
Trendwende muss erst durchgesetzt werden
Diese Entwicklungen und ihre Auswirkungen werden bei den jährlichen
Klimaverhandlungen nicht thematisiert. Sie verdeutlichen aber, dass
eine Trendwende in der auf fossilen Energieträgern basierenden Energiewirtschaft erst noch – und zwar gegen machtvolle Interessen – angestoßen und durchgesetzt werden muss.
Ökonomische Prozesse der Inwertsetzung der Natur, freier Warenhandel, Wachstum und Lebensstil- bzw. Konsumfragen sind nach
wie vor wirkmächtig. Zudem bringt das beachtliche Wirtschaftswachstum in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China neue
Während der Klimakonferenz 2007 in Bali und dem G8-Gipfel in Heiligendamm ist eine eher konferenzkritische neue Protestbewegung entstanden.
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Konkurrenten auf dem Weltmarkt hervor, deren steigender Verbrauch
an fossilen Energieträgern ganz wesentlich zum globalen Anstieg an
Treibhausgasen beiträgt.
Weder die Schwellenländer noch die Industrieländer übernehmen –
jenseits regelmäßiger internationaler Symbolpolitik – eine Vorreiterrolle.
Im Gegenteil: Lange Jahre waren die USA mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der internationalen Klimapolitik isoliert. Im Dezember
2011 gab aber auch Kanada seinen Ausstieg aus dem völkerrechtlich
verbindlichen Kyoto-Protokoll bekannt, und auch Russland, Neuseeland
und Japan haben sich später verabschiedet. Damit ist die absurde Situation eingetreten, dass die Länder, die dem Kyoto-Protokoll noch die
Treue halten, lediglich 15 Prozent der globalen Emissionen auf sich vereinigen. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Rede vom
Scheitern der Klimaverhandlungen durchaus seine Berechtigung hat.
Dabei war der Weg in die Erfolglosigkeit keinesfalls vorgezeichnet. Zu
Beginn der klimapolitischen Debatte in den 1980er/1990er Jahren
wurden grundsätzliche gesellschaftliche Probleme thematisiert, die in
den Klimawandel eingeschrieben sind.
Diese Diskussionen bewegten sich um Fragen der Klimagerechtigkeit zwischen Nord und Süd, um die weltweite Gleichverteilung der
Pro-Kopf-Emissionen, um den Zusammenhang von Armut, Reichtum
und Umweltzerstörung, um den schnellen Ausbau der erneuerbaren
Energien oder um die Frage der historischen Verantwortung für den Klimawandel und den Konsequenzen daraus. Diese umfassenderen Ansätze, die vor allem von zivilgesellschaftlichen Akteuren vorgetragen wurden, entwickelten jedoch keine Deutungs- und Durchsetzungsmacht.
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derten, wenn nicht tausenden von NGOs und Graswurzelbewegungen,
ist eine gewisse Konkurrenz zum Climate Action Network (CAN) entstanden, das die Konferenzen von den ersten Verhandlungen an begleitete. Durch die neuen Akteure und ihre Netze werden wieder die ehemaligen Perspektiven auf den Klimawandel entwickelt, die Aspekte von
Demokratie, das Ende des fossilen Energiesystems, Gerechtigkeit und
neue Lebensstilformen umfassen. Doch die magnetische Anziehungskraft der internationalen UN-Klimakonferenzen ist groß, sodass Konferenz-NGOs und Protest-Bewegungen zum Gipfel 2015 in Paris aufeinander zugehen.
Gleichzeitig finden im Zuge der Energiewende „Energiekämpfe“
von Umweltorganisationen, sozialen Bewegungen und engagierten BürgerInnen statt; zum Beispiel in den vom Braunkohletagebau bedrohten Dörfern in der Lausitz, in Klimacamps oder den Kommunen, die
ihre nachhaltige Energieversorgung in die eigene Hand nehmen wollen.
Auch die umweltpolitischen Kampagnen gegen die Gas- und Ölförderung in der Arktis oder gegen den Trassenbau für Stromleitungen, gegen die partielle Nutzung von Naturschutzgebieten für Windkraftparks
oder gegen andere energiepolitische Maßnahmen sind Teil dieser Auseinandersetzungen.
Die internationalen Klimaverhandlungen der UN haben längst den Anschluss an diese wichtigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen
verloren; sofern sie aufgrund ihrer marktwirtschaftlichen Orientierung
überhaupt ein Gespür für die Bedeutung solcher gesellschaftlichen Prozesse hatte. Viele dieser Initiativen zeigen die Erfordernisse einer weitreichenden Transformation zur Nachhaltigkeit an – aber auch die Hürden und Widerstände, die dafür noch überwunden werden müssen.
Konferenzkritische Initiativen begleiten die
Verhandlungen
Aber auch im zivilgesellschaftlichen Feld lassen sich Veränderungen
beobachten. Während der Klimakonferenz 2007 in Bali und dem
G8-Gipfel im gleichen Jahr in Heiligendamm ist eine eher konferenzkritische neue Protestbewegung entstanden, die 2009 in Kopenhagen zur
breiten Gegendemonstration aufrief. Mit dem transnationalen Netzwerk
für Klimagerechtigkeit oder der Klimainitiative 350.org, beide mit hun-
TEXT
Dr. Achim Brunnengräber
Fotolia
350.org
www.globalpolicy.org
FOTOS
Zur Person
Dr. Achim Brunnengräber ist Privatdozent am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin. Er leitet am Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) ein Projekt zu gesellschaftlichen Problemen bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle. Er hat
Forschungsprojekte zum Klimawandel und zur Klimapolitik, zu NGOs und sozialen Bewegungen sowie zu Fragen globaler Demokratie durchgeführt.
Im Jahr 2000 promovierte Brunnengräber zur Einflussnahme von NGOs und ihrer transnationalen Netze auf die internationale Klimapolitik. Im Jahr 2007 legte er seine Habilitationsschrift zur „Politischen Ökonomie des Klimas“ vor. Er hat an der Pädagogischen
Hochschule in Heidelberg (Lehramt), der FU Berlin (Diplom-Politologie) und der Universität Bremen (Diplom Entwicklungspolitik) studiert.
Umweltinstitut München e.V.
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Großstadt
Großstadtin
inZeiten
Zeitendes
des
Klimawandels
Klimawandels
Wer früher zum Sonnenbaden in den Süden gefahren ist, kann sich den Weg wohl in Zukunft
sparen: Neuesten Studien zufolge könnte München bis 2050 ein Klima haben wie heute Verona,
Nürnberg muss sich gar auf Temperaturen wie in Tunesiens Hauptstadt Tunis einstellen. Doch
welche Risiken drohen einer Großstadt wie München mit der Klimaerwärmung? Und wie können
wir uns dagegen rüsten?
D
ie Bilanzen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen es eindeutig:
Heftige Hitzeperioden wie in den letzten Sommern werden wohl in Zukunft zur Normalität gehören. Deshalb steigen der Bewässerungsbedarf und die Stromnachfrage, denn
viel Energie wird in die weniger umweltschonenden Kühlungen fließen.
Extreme Hitze führt außerdem zu erheblichen gesundheitlichen Problemen. Nicht nur
werden hitzebedingte Krankheiten wie Kreislaufprobleme häufiger auftreten. Hiervon sind
besonders Kinder und alte Menschen betroffen. Auch allergene Pflanzen gewinnen an Boden, exotische Mücken wie die Malaria übertragende asiatische Tigermücke breiten sich
aus und wir müssen mit einer erhöhten Pollenbelastung rechnen. Außerdem ist während
der Hitzewellen die Feinstaub- und Ozonbelastung höher.
Auch das Niederschlagsmuster wird sich ändern. Im Sommer gibt es weniger Regen, im
Winter dafür umso mehr. Trotzdem wird es
deutlich weniger schneien. Zusätzlich kann es
häufiger zu starken Stürmen oder sogenannten „Starkregen-Ereignissen“ kommen, wie
uns zahlreiche Sturmtiefs wie Niklas, Elon und
Felix zum Jahresbeginn schon ankündigten.
Städte wie München trifft der
Klimawandel besonders
München ist eine der am dichtesten besiedelten Großstädte Deutschlands, und das bei relativ kleiner Stadtfläche. Die Temperaturen
in der Stadt liegen im Durchschnitt zwei bis
drei Grad höher als im Umland, nachts sogar
manchmal um zehn Grad.
Dieser sogenannte Wärmeinsel-Effekt
liegt vor allem an der dichten Bebauung und
dem hohen Versiegelungsgrad der Stadt. Seine Intensität nimmt mit steigender Einwohnerzahl zu – und hier liegt das Problem, denn der
Zuzug nach München ist enorm. Schon jetzt
herrscht Wohnungsmangel und eine Nachverdichtung ist unumgänglich. Damit wächst
auch der Druck auf die Freiflächen. Die Krux:
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist gerade
die Entsiegelung, also die Entwicklung von
Freiflächen. Was also tun?
Die Städte sind für einen Großteil der Treibhausgase verantwortlich. Oberstes Gebot ist
es, diese zu reduzieren. Die energetische Sanierung alter Gebäude ist wichtig, denn der
Energieverbrauch hier ist enorm. Er verursacht
fast die Hälfte des gesamten CO2-Ausstoßes.
Neubauten müssen den Anforderungen
des Klimaschutzes folgen. Und sie können
nicht nur durch Dämmung oder Sonnenschutz
vor dem sommerlichen Aufheizen schützen. Genauso wichtig ist der Schutz vor extremen Wetterereignissen wie Hagel, Sturm
oder Starkniederschlag. Darüber hinaus muss
ein Wandel in der Energieversorgung stattfinden, möglich wäre dieser durch den Ausbau
der regenerativen Energiequellen. Die Stadtwerke nutzen bereits die umweltschonende
Kraft-Wärme-Kopplung: Wärme, die bei der
Stromerzeugung entsteht, wird ins Fernwärmenetz der Stadt eingespeist.
Das Modellprojekt „Solare Nahwärme Ackermannbogen“ ist hier ein gutes Beispiel für
die klimafreundliche Planung von Siedlungen.
Großflächig auf Dächern angebrachte Son-
Münchner Stadtgespräche Nr. 72
nenkollektoren erwärmen den Wasserspeicher im Sommer auf etwa 90 Grad, dem bis in
den Januar hinein Wärme entnommen werden
kann. Ein Problem: Einer der wichtigsten Träger der erneuerbaren Energien in Bayern ist
die Wasserkraft. Das verfügbare Wasserangebot wird sich jedoch als Folge des Klimawandels reduzieren, was bedeutet, dass die Wasserkraftproduktion verringert wird.
Frischluftschneisen müssen
offen bleiben
Beim Bau von Gebäuden oder Siedlungsentwicklungen kommt es außerdem auf weitere entscheidende Details an. Hierzu hat das
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung einen ausführlichen Ergebnisbericht
über Strategien und Maßnahmen erstellt. Mittlerweile können klimatische Veränderungen mit
Hilfe von Klimamodellen wie etwa der DWD-Klimasimulation INKAS gut simuliert und so praktische Hinweise für die Stadtplanung abgeleitet
werden. Aber auch private Eigentümer müssen
beraten und finanziell gefördert werden. Denn
die Stadt kann natürlich nur auf dem eigenen
Grund die Bebauung bestimmen. Primär gilt:
nichts in die Frischluftschneisen bauen.
In München sorgt das „Alpine Pumpen“ für die
Durchlüftung: Tagsüber strömt heiße Luft aus
der Stadt in Richtung Alpen und kühlt dort ab.
Nachts wird kalte Luft in umgekehrter Richtung
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durch Frischluftschneisen in der Stadt verteilt.
Das sind unbebaute Flächen wie Parks, Friedhöfe, Sport- und Spielflächen oder Wälder, zum
Beispiel der Perlacher Forst oder der Englische
Garten. Diese Bereiche haben zudem ein kühleres Binnenklima, das in die überhitzten Stadträume ausstrahlen kann.
Um den Wärmeinsel-Effekt zu reduzieren, ist
also die Begrünung von Freiflächen und Gebäuden notwendig. In der Münchner Innenstadt ist
die Bebauungsdichte jedoch so hoch, dass keine Parks mehr angelegt werden können. Hier
könnte die Entsiegelung und Begrünung von
Hofflächen Abhilfe schaffen. Auch eine Fassadenbegrünung hat positive Effekte: Sie mindert
die Einstrahlung auf die Gebäude und schwächt
so deren Erwärmung in Hitzeperioden ab.
Zudem entlasten Grünflächen die Kanalnetze.
Sie funktionieren nämlich wie Schwämme: Ist
viel Wasser vorhanden, wird es im Boden gesammelt und zwischengespeichert. In wasserarmen Perioden kann es den Pflanzen dann
zur Verdunstung bereitgestellt werden. Dabei
gilt: je höher die Verdunstungsrate, desto höher die Kühlwirkung.
Deshalb sollte das Regenwasser nicht
mehr abgeführt werden oder versickern, sondern zwischengespeichert werden, damit es
während der Hitzewellen über Vegetation und
Böden verdunsten kann. In Freiham wurde etwa
13
ein neuer Wohnstandort mit dem Ziel entwickelt, den Wasserhaushalt und die Grundwasserneubildung möglichst nicht zu beeinflussen.
Das Konzept: Dachbegrünung, Versickerungsanlagen und gezielte Baumpflanzung unter anderem in straßenbegleitenden Mulden.
Urbanes Gärtnern – ein nützlicher Trend
Aber nicht nur das städtische Baureferat kann
für unsere Entlastung sorgen. Wir selber können auch einen Beitrag leisten, nicht nur bei
der Reduzierung von Emissionen, sondern
auch bei der Schaffung neuer Grünflächen.
Und so entstehen im dicht bebauten München, wo jede Nische und kleinste Freifläche
wertvoll ist, immer mehr urbane Gärten.
Diese Form der urbanen Landwirtschaft
auf Brachen, öffentlichen Plätzen oder Dächern sorgt nicht nur für Kühlung, sondern
fördert auch die Feinstaubbindung und könnte
große Niederschlagsmengen aufnehmen. Dabei wird nicht nur dem Klima Gutes getan: Die
Bewegung im Grünen fördert das körperliche
und psychische Wohlbefinden und die ökologischen Lebensmittel sorgen für eine gesunde Ernährung.
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FOTO
Ruth Böcher
Lukáš Hron
Umweltinstitut München e.V.
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Adieu, ihr Gletscher
Weltweit sind unsere Gletscher auf dem Rückzug, die Alpenregion ist davon besonders stark betroffen. Seit vielen Jahren hält der Schweizer Fotograf Simon Oberli diese Entwicklung mit der Kamera fest. Seine Bilder zeigen eindrücklich, was wir bald
für immer verlieren werden.
Z
u Fuß geht es den Berg hinauf, viele Kilometer durch alpines Gelände, die schwere Fotoausrüstung ist immer dabei. Früher waren die Gipfel das Ziel von Simon Oberli, heute hat er anderes im Sinn: Gemeinsam mit seiner Frau Daniela hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die
Veränderungen an den Alpengletschern zu dokumentieren. „Die größte Herausforderung ist das Wiederfinden des Punktes, von dem aus
die früheren Aufnahmen gemacht wurden. Je genauer dieser Punkt lokalisiert werden kann, umso genauer wird der Bildvergleich“, erklärt Oberli.
Rhonegletscher
28. Juni 2007
22. Juni 2015
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Oberaargletscher
28. Juni 2010
24. Juli 2015
Mit Hilfe eines speziellen Softwareprogrammes werden die Einzelaufnahmen am Computer zu einem Panoramabild zusammengesetzt. In stundenlanger Arbeit optimiert der Schweizer Fotograf die Bilder, bis schließlich gestochen scharfe Fotovergleiche dabei herauskommen.
Das Ergebnis ist erschreckend: Innerhalb weniger Jahre sind imposante Gletscher wie der Rhonegletscher, der Steigletscher oder der Oberaargletscher kilometerweit zurückgegangen – vom „ewigen Eis“ kann keine Rede mehr sein. Im direkten Bildvergleich zeigt sich nämlich, was viele noch
immer nicht wahrhaben wollen: Der Klimawandel hat längst begonnen. Und dank des unermüdlichen Engagements der Oberlis kann niemand mehr
sagen, er hätte nichts davon gewusst.
Die Vorher/Nachher-Bildvergleiche im Internet: http://www.gletschervergleiche.ch
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FOTOS
Joy Mann
Simon Oberli, GletscherVergleiche.ch
Umweltinstitut München e.V.
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Auf der Flucht
Überschwemmungen, Dürren und Stürme: Der Klimawandel zwingt immer mehr Menschen, ihre
Heimat zu verlassen. Die Flucht vor dem Klima ist schon heute ein ernstzunehmendes Problem, das
sich in den kommenden Jahrzehnten noch verschärfen wird.
P
lötzliche Überflutungen, extrem heftige Stürme, langanhaltende
Dürren und Hitzewellen führen insbesondere in den sogenannten Entwicklungsländern zunehmend zu Katastrophen, die große
Schäden, hohe Verluste, humanitäre Not, Vertreibung und Todesfälle verursachen. Auch schleichende Umweltveränderungen wie der Meeresspiegelanstieg oder die Versalzung von fruchtbarem Boden bewirken,
dass sich gerade arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen aus
ländlichen Gebieten schon heute nicht mehr aus eigener Kraft versorgen
können und sich gezwungen sehen, ihr Land zu verlassen.
Es sind vor allem arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen,
die am stärksten betroffen sind: Jene Menschen, denen ohnehin schon
der Zugang zu staatlichen Dienstleistungen, zu materiellen und immateriellen Ressourcen und die Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen verwehrt wird.
Versinkende Lebenswelten
Anfällig gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels sind kleine Inselstaaten und tief liegende Küstengebiete, etwa in der Nähe großer
Flussmündungen. Weltweit könnten langfristig über 300 Millionen Menschen allein wegen des Anstieges der Meeresspiegel gezwungen sein,
dauerhaft ihre Siedlungsgebiete zu verlassen, darunter fast die Hälfte
der Bevölkerung Bangladeschs.
Besonders betroffen sind auch die 22 südpazifischen Inselstaaten wie
Kiribati, die Marschallinseln oder Tuvalu mit ihren insgesamt knapp sie-
ben Millionen Einwohnern. Viele dieser Inseln sind derart flach, dass auf
ihnen kaum neue Siedlungsmöglichkeiten bestehen, wenn das Wasser
einmal dauerhaft gestiegen ist.
Angesichts der immensen Kosten wird es für viele Inselstaaten unmöglich sein, sich mit immer höheren Deichbauten vor dem steigenden
Meeresspiegel zu schützen. Einige der betroffenen Inseln werden mittel- bis langfristig ihr Territorium komplett und dauerhaft verlieren, wenn
sie nicht schon lange vorher durch fortschreitende Versalzung der Böden und häufige Überflutung unbewohnbar geworden sind. Dieses apokalyptische Szenario ist nicht mehr nur eine Zukunftsvision, sondern es
hat längst begonnen.
Auf den Carteret-Inseln im pazifischen Ozean ist der Klimawandel schon
jetzt unwiderruflich angekommen: Der gestiegene Meeresspiegel entwurzelt Palmwälder und vernichtet Bananenplantagen. Die Kohlendioxid-Exzesse der Industrienationen führen dazu, dass der Pazifik das Atoll überfluten wird. Die Lebensgrundlagen vor Ort sind weitestgehend vernichtet
und seine BewohnerInnen müssen evakuiert oder umgesiedelt werden –
auf dieses Atlantis des 21. Jahrhunderts werden weitere folgen.
40 Millionen Unschuldige
NomadInnen tragen mit ihrem traditionellen Lebensstil unwesentlich
zum Klimawandel bei. Sie spüren die Veränderungen des Klimas aber
schon heute, denn er bringt etwa für die nomadische Bevölkerung in
Ostafrika große Probleme mit sich: unbeständiger und unvorherseh-
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barer Regenfall und längere Trockenperioden in immer kürzeren Abständen.
Nomadische Bevölkerungsgruppen gibt es auf allen Kontinenten der
Erde, vor allem aber in Zentralasien und in Afrika. Hier leben sie häufig in extrem wasserarmen Regionen wie beispielsweise den ariden und
semi-ariden Gebieten des östlichen Afrikas. Die weltweit ca. 40 Millionen NomadInnen lernten über Generationen, mittels spezieller Kulturtechniken in zumeist wasserarmen Gebieten zu überleben. Doch das
Fortbestehen des nomadischen Lebens ist zunehmend gefährdet. Nomaden aus Äthiopien berichten, wie der Regen seine traditionelle Regelmäßigkeit einbüßt und zugleich die Temperaturen ansteigen. Im Ergebnis verenden große Teile der Herden aufgrund des Wasser- und
Futtermangels. Geht das Nutzvieh als einziges Hab und Gut verloren,
droht das endgültige Ende der nomadischen Lebensweise.
Aber nicht nur die Wanderhirten in den Trockenregionen der Erde sind
betroffen, auch die mit ihren Rentierherden umherziehenden NomadInnen im Norden Europas verlieren durch milder werdende Winter ihre
Lebensgrundlagen. Wenn die Temperaturen steigen und die Böden der
Taiga nicht mehr lange genug gefrieren, versinken die Tiere mit ihren
Hufen im morastigen Grund und ein Umherziehen wird unmöglich.
Eine erzwungene Sesshaftigkeit in fruchtbareren Gebieten kann jedoch Konflikte mit anderen Bevölkerungsgruppen um die vorhandenen
Ressourcen nach sich ziehen. Schon heute stehen sich im Sudan NomadInnen und sesshafte Bauern in einem blutigen Bürgerkrieg gegenüber und konkurrieren um Wasserressourcen und um Weide- oder
Ackerland. Im subsaharischen Afrika bleibt den Vertriebenen oft nur die
perspektivlose Existenz in den Lagern der internationalen Hilfsagenturen oder die Abwanderung in die informellen Siedlungen und Slums
der neuen Megastädte.
Die ersten Boten
Bangladesch ist einer der Frontstaaten des Klimawandelgeschehens.
Der Meeresspiegel steigt und bedroht den Lebensraum von Millionen
armen Menschen, die unmittelbar an der Flutkante leben. Das Schicksal des Kleinbauern Rahula Amin, der durch die Folgen des Klimawandels beinahe sein gesamtes Hab und Gut verloren hat, steht für die vielen ungezählten anderen, denen Ähnliches droht.
Rahula lebt unter ärmlichen Verhältnissen mit seiner neunköpfigen Familie in Dhania, einem kleinen Dorf im Süden Bangladeschs. Als Tagelöhner verdient er gerade das Nötigste, um seine Familie versorgen zu
können. Die Erträge eines kleinen Flecken Landes sichern zusätzlich
den Eigenbedarf.
Früher lebte die Familie in einem anderen Dorf, besaß ein ausreichend großes Haus und genug Land, um einen bescheidenen Wohlstand
zu erwirtschaften. Doch durch wiederkehrende Fluten, die den Boden abtrugen und die Ernten zerstörten, verlor die Familie nach und nach alles.
Neue Fluten zwangen sie siebenmal zum Umziehen, die Ersparnisse wurden verbraucht. Schlussendlich verließ die Familie ihr Heimatdorf, um in
das benachbarte, vor den Fluten geschützte Dhania zu ziehen.
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Dies geschah vor 30 Jahren. In dem damals flutgeschützten Dorf wurde
ein kleineres Stück Land und ein kleineres Haus erworben. Aber vor zehn
Jahren erreichte die Flut auch diese Siedlung. Wieder waren es die Fluten und Landabtragungen, die den Amins ihren Besitz entrissen.
Seit dieser Zeit kämpfen Rahula und seine Frau um das blanke
Überleben der Familie. Auch wenn Rahula immer wieder an die weitere
Flucht in eine der dem Wasser fernen Großstädte im Norden des Landes denkt, ist dies keine unmittelbare Lösung. Weder besitzt die Familie
genug Rücklagen für einen weiteren Umzug, noch möchte Rahula seine Mutter zurücklassen. Für die betagte Frau wäre ein weiterer Umzug
mit Sicherheit einer zu viel.
Für eine solidarische Klimamigrationspolitik
Angesichts solcher Szenarien stellen sich grundsätzliche Fragen: Wer
schützt die Menschen, die aufgrund von Klimawandelfolgen fliehen
müssen? Und was ist mit denen, die nicht über die Mittel verfügen,
sich in Sicherheit zu bringen? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn
Menschen aufgrund plötzlicher Klimakatastrophen oder schleichender
Umweltveränderungen alles verlieren?
Wichtig ist, dass die Antworten und Konzepte, seien sie lokal, regional
oder global, eng mit menschenrechtlichen Prinzipien verknüpft werden. Das heißt, dass die Ursachen von Verwundbarkeit, wie Armut,
Diskriminierung oder Ungleichheit bekämpft werden müssen. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimawandelfolgen muss gestärkt und
Kapazitäten zur Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels geschaffen werden.
Vielversprechend ist auch die Nansen-Initiative, die explizit auf den
Schutz von Menschen zielt, die sich in der Folge einer Naturkatastrophe
über eine Staatsgrenze hinweg bewegen. Im Oktober soll eine Schutzagenda verabschiedet werden. Ihre Prinzipien und Empfehlungen werden nicht bindend sein. Dennoch versuchen Staaten, hier ein gemeinsames Verständnis von Handlungsnotwendigkeiten zu entwickeln. Ziel
ist es, einen internationalen Konsens zu erreichen, der die zwischenstaatliche Kooperation, Schutznormen für Betroffene und die Rolle der
humanitären Hilfe bestimmen.
Ein weiterer wichtiger Schritt für den richtigen Umgang mit durch den
Klimawandel verursachter Migration steht kurz bevor: Im Dezember soll
in Paris ein internationales Klimaabkommen verabschiedet werden.
Dieses Klimaabkommen muss rechtsverbindliche gemeinsame, aber
unterschiedliche Verantwortlichkeiten aller Länder umfassen. Es muss
faire und ehrgeizige Ziele festschrieben. Nur so kann es gelingen, die
globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.
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FOTO
Sophia Wirsching / Brot für die Welt
Broschüre „Auf der Flucht vor dem Klima“ (Amnesty Interna-
tional, Brot für die Welt, DGVN, medico international, German Watch, Oxfam Deutschland, Förderverein PRO ASYL)
Pixelio / Dr. Stephan Barth
Umweltinstitut München e.V.
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Und jährlich grüßt die
Klimakonferenz
Nicht der internationale Klimagipfel, sondern das Geschäft mit den fossilen Brennstoffen Kohle, Gas und Öl steht dieses Jahr im besonderen Fokus der Klimabewegung.
E
nde November ist es wieder soweit: Zahlreiche Regierungsdelegationen treffen sich in Paris zum Klimagipfel der Vereinten Nationen. Seit Inkrafttreten der UN-Klimarahmenkonvention 1995
jähren sich die internationalen Klimaverhandlungen dann zum 21. Mal,
doch trotz der über 20-jährigen(!) Geschichte sind die Erfolge der internationalen Klimapolitik mehr als dürftig. Zwar gab es vereinzelt Vereinbarungen zur Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase, doch sind die
globalen Emissionen als Folge des rasanten Wirtschaftswachstums seit
1990 kontinuierlich weiter gestiegen.
auch: Die UN-Klimaverhandlungen sind seit einiger Zeit festgefahren.
Unauflösbare Interessenskonflikte stehen der Durchsetzung eines globalen Vertrags zur Reduzierung der Klimaerwärmung gegenüber.
Wegweisend für globalen Klimaschutz?
Im Jahr 2009 in Kopenhagen zeigte sich besonders deutlich, dass die
Bekämpfung der Klimakrise mit zahlreichen anderen politischen Zielen konkurriert. In Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise und mit dem
Erstarken der Schwellenländer gewann besonders in den Ländern des
Nordens eine „Politik der Sachzwänge“ die Oberhand, die auf eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums und die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet ist.
Ähnlich wie im Vorfeld des Kopenhagener Gipfels 2009 liegt auf den
Verhandlungen in Paris heute wieder die allgemeine Erwartung, sie
brächten den nötigen „Wendepunkt hin zu einem effektiven Klimaabkommen“. Doch ist dieser Optimismus berechtigt? Fest steht, die Notwendigkeit wirksamen Klimaschutzes ist unbestreitbar und wird mit jedem weiteren Bericht des Weltklimarats IPCC deutlicher. Doch klar ist
Diese Strategie steht jedoch im Widerspruch zu einer auf Konsens zielenden internationalen Klimapolitik. Es wurde nicht der Versuch unternommen, sozialen Wohlstand und Klimaschutz vereinbar zu machen,
etwa durch eine Abkehr vom Wirtschaftswachstum als Allheilmittel. Der
Gipfel in Kopenhagen wurde auch deshalb zum klimapolitischen Desas-
Münchner Stadtgespräche Nr. 72
ter, denn auf ein bindendes globales Abkommen konnten sich die Staaten entgegen der Ankündigungen nicht einigen.
In der Folge hat sich die Einstellung der umwelt- und entwicklungspolitischen Organisationen sowie der sozialen Bewegungen deutlich
verändert. Seit der Unterzeichnung der Klimarahmenkonvention der
Vereinten Nationen haben sich diese Akteure zwei Jahrzehnte lang intensiv mit Forderungen in die internationale Klimapolitik eingebracht
und die Debatte um die Verhandlungen beobachtet und begleitet. Sie
setzten darauf, dass auf dieser Ebene entscheidende Fortschritte zur
Vermeidung katastrophaler Auswirkungen des Klimawandels erreicht
werden. Doch inzwischen ist für viele KlimaschützerInnen klar: Auch in
Paris werden die Privilegien der größten Klimasünder nicht entscheidend angetastet werden und die offensichtlich gewordenen Interessenskonflikte der Staaten werden zur Aufweichung der ambitionierten
Ziele führen.
Ausstieg aus den fossilen Energien
Bei vielen hat sich diese Erkenntnis aus dem Kopenhagener Gipfel in
den letzten Jahren gefestigt, denn bei den Klimaverhandlungen konnte immer wieder beobachtet werden, dass den Worten kaum Taten folgen und die Bemühungen um ein wirksames globales Klimaabkommen
erfolglos bleiben.
Um das politisch gesetzte Ziel, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad
zu begrenzen, noch erreichen zu können, haben viele Nichtregierungsorganisationen nun den Fokus ihrer klimapolitischen Arbeit angepasst.
Aktivitäten werden nicht mehr primär auf die internationalen Verhandlungen verengt, sondern die nationale Energiepolitik und die fossile
Energieindustrie als Verursacher eines Großteils der klimaschädlichen
Emissionen werden als zentrale Felder klimapolitischer Auseinandersetzungen wiederentdeckt.
Insbesondere die direkte Auseinandersetzung mit den größten Klimasündern ist für viele etablierte Organisationen neu. Sie folgen damit einem
Pfad, der in den Jahren zuvor vor allem von Graswurzel-AktivistInnen
verfolgt wurde. Diese kritisierten den Fokus der internationalen Klimaverhandlungen auf die Reduktion von Emissionen, also die Output-Seite
des fossilen Energiesystems. Mit Protesten an Kohleminen oder fossilen
Großkraftwerken machten sie deutlich, dass auch die Energieträger Kohle, Gas und Öl selbst in den Blick genommen werden müssen.
Protest gegen die größten Klimasünder
Eigentlich ist es offensichtlich: Nur wenn sich die Zusammensetzung
unseres Energiemixes grundlegend ändert und der globale Energieverbrauch reduziert wird, können wir unsere Klimaziele erreichen. Das bedeutet aber auch, die fossile Energiegewinnung in Frage zu stellen und
die Privilegien der Öl-, Gas- und Kohleunternehmen einzuschränken.
Die Neu-Orientierung der Klimabewegung hin zur nationalen Energiepolitik und auf die fossile Industrie zeigt sich in den Protest-Aktivitäten im Vorfeld des Pariser Klimagipfels. Auch im Sommer 2015
fanden wie in den Jahren zuvor in zahlreichen Ländern sogenannte Kli-
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macamps statt – Zeltlager, die als Orte (klima)politischer Debatten und
zugleich Ausgangspunkte für Aktionen zivilen Ungehorsams gegen zentrale Treibhausgasemittenten dienen.
Bis dato unbekannte Unterstützung und Solidarität erfuhr eine angekündigte Braunkohletagebau-Besetzung im Rheinland Mitte August
dieses Jahres. Während ein internationales Bündnis von Gruppen zu
dieser Aktion zivilen Ungehorsams unter dem Motto „Ende Gelände“
aufrief, solidarisierten sich zahlreiche weitere Organisationen, darunter
auch große Umweltverbände wie der BUND und Entwicklungsorganisationen wie Oxfam mit dem Protest. Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Braunkohletagebau Garzweiler, um durch die kurzzeitige Behinderung des dortigen Abbau-Betriebs ein Zeichen für den
Kohleausstieg zu setzen.
Die Klimabewegung behält das letzte Wort
Kurz vor Beginn der Klima-Verhandlungen in Paris sind in zahlreichen
Hauptstädten weltweit Großdemonstrationen geplant. Sinn und Stoßrichtung dieser Veranstaltungen ist jedoch innerhalb der Verbände und
der Klimabewegung höchst umstritten. Während die wenigen Fürsprecher den Regierungsdelegationen kurz vor deren Abflug nach Paris ein
deutliches Signal auf den Weg mitgeben wollen, steht ein Großteil diesem Vorhaben skeptisch bis ablehnend gegenüber. Dadurch werde nur
erneut in der Bevölkerung die falsche Hoffnung genährt, mit Hilfe kurzfristigen Protests könne es beim Klimagipfel einen Durchbruch für den
globalen Klimaschutz geben. Angesicht der festgefahrenen internationalen Verhandlungen müssten die politischen Entscheidungen auf nationalstaatlicher und lokaler Ebene in den Blick rücken.
Die Planung einer großen Demonstration zum Ende der Verhandlungen
in Paris ist Ausdruck dieser vom Großteil der NGOs und Initiativen geteilten Überzeugung. Unter dem Motto „Die Klimabewegung behält das
letzte Wort“ fordern sie: Für wirklichen Klimaschutz braucht es nationale Energiewenden! Sie fordern den Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Kohleverstromung und warnen davor, nun großräumig
in die unkonventionelle Öl- und Gasförderung einzusteigen, die extrem
energieintensiv und umweltschädlich ist, wie das Beispiel Fracking
zeigt. Mit diesem Abschluss soll zugleich ein Gegenpol zu dem auf der
Klimakonferenz betriebenen „Greenwashing“ entstehen.
Denn seit langem werden die Verhandlungen von genau den Konzernen gesponsert und beeinflusst, die am wenigsten Interesse an einer wirksamen Klimapolitik haben. Die Botschaft der Klimabewegung
ist klar: Fossile Energien sind klimaschädlich. Anstatt sie weiter auszubeuten, brauchen wir eine konsequente Energiewende. Alternativen für
eine umfassende Transformation zu einer sozial-ökologisch gerechten
Gesellschaft sind vorhanden und realisierbar.
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FOTO
Philip Bedall
Robin Wood e.V.
350.org
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Umweltinstitut München e.V.
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Kein Klimaschutz ohne
Agrarwende
Wenn wir vom Klimawandel reden, müssen wir auch über unsere Landwirtschaft
sprechen. Denn die Ausbreitung von Wüsten, die Versalzung von Grundwasser, Dürren, Überschwemmungen, Unwetter und die Instabilität ganzer Ökosysteme treffen
diejenigen besonders hart, die unsere Lebensmittel produzieren. Gleichzeitig trägt die
industrielle Landwirtschaft immer stärker zum Klimawandel bei.
I
n der Landwirtschaft werden große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Neben
Kohlenstoffdioxid (CO2) handelt es sich
dabei vor allem um Methan und um Lachgas.
Methan wirkt in der Atmosphäre etwa
28 Mal stärker als Kohlendioxid, es entsteht
beim Reisanbau und bei der Rinderzucht.
Lachgas ist gleich 265 Mal so klimaschädlich wie CO2 und entsteht bei der Düngung mit
Stickstoff und bei der Lagerung und Bearbeitung von Gülle.
Wichtige CO2-Quellen sind außerdem die Produktion von Düngemitteln und Pestiziden, der
Energieverbrauch von Landmaschinen und
sogenannte „Landnutzungsänderungen“. Hinter Letzterem verbirgt sich unter anderem die
Abholzung von Wäldern, um Land für Viehhaltung, Ackerbau und den Anbau von Energiepflanzen zu gewinnen. Auf etwa 18 Millionen
Hektar Land – das entspricht etwa der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Bundesrepublik – werden heute in Amerika Futtermittel
für Europas Ställe produziert.
Die steigende Nachfrage nach Fleisch und
nach Agrartreibstoffen hat besonders in Südamerika gravierende Folgen: Regenwald wird
abgeholzt und durch Soja- oder Mais-Monokulturen ersetzt.
Landnutzungsänderungen
verstärken den Klimawandel
Eine weitere Landnutzungsänderung ist der
sogenannte Grünlandumbruch. Wenn Wiesen
und Weiden zu Ackerland umgepflügt werden,
wird der Boden durchlüftet und die Bodenlebewesen beginnen, organisches Material und
Humus abzubauen.
Kohlenstoff, der im Boden gebunden war,
gelangt als CO2 in die Atmosphäre und verstärkt den Klimawandel. In kleinerem Maßstab
geschieht das jedes Mal, wenn gepflügt wird
oder wenn der Boden bei Plusgraden nicht bewachsen ist.
Diese Landnutzungsänderungen sind die
größten CO2-Quellen in der Landwirtschaft.
Umgekehrt liegt darin jedoch auch eine
große Chance, den Kohlenstoff wieder zu
binden. Denn ein Betrieb, der mit dem Boden
und den Bodenlebewesen gut umgeht, kann
Münchner Stadtgespräche Nr. 72
den Humusgehalt erheblich erhöhen. Das ist
nicht nur gut für‘s Klima, sondern auch für
den Ertrag. In Bayern bindet ein Hektar BioAcker pro Jahr durchschnittlich 400 Kilogramm CO2 dauerhaft im Boden. Ökologische
Landwirtschaft ist praktizierter Klimaschutz –
auch weil im Ökolandbau ohne Pestizide und
synthetische Stickstoffdünger gearbeitet wird
und kaum Futtermittel aus Südamerika importiert werden müssen.
Klimakiller Kuh?
Eine intensive Debatte dreht sich um die Rinderhaltung, denn Rinder produzieren bei der
Verdauung Methan, das besonders klimaschädlich ist. Umgekehrt aber können sie
Nahrungsmittel für Menschen auf Wiesen und
Weiden erzeugen, die anders nicht bewirtschaftet werden könnten. Würde alles ackerfähige Grünland gepflügt und zum Getreideanbau genutzt, ginge sehr viel Kohlenstoff aus
dem Boden in die Atmosphäre über. Ist das
Rind nun ein Klimakiller oder nicht?
Die Kuh, die auf der Weide steht oder Heu von
den Wiesen der Umgebung frisst, ist nicht für
den Klimawandel verantwortlich. Aber Kühe
stehen nicht immer auf der Weide und fressen
im Winter nur Heu, auch wenn uns das die Bilder auf den Verpackungen suggerieren wollen.
Tiere, die Soja und Getreide fressen, sind
Nahrungskonkurrenten zu uns Menschen und
treiben mit ihrem Futterbedarf Landnutzungsänderungen voran. Rinder sind unter diesen –
realistischen – Umständen besonders ineffizient. Weniger Tiere zu halten wäre wichtig, um
den Klimawandel zu begrenzen.
Wassermangel in Westafrika
Ganz verhindern lässt sich der Klimawandel
heute nicht mehr. Schon jetzt ist er zu spüren, zum Beispiel bei WinzerInnen in Deutschland, die heute völlig andere Rebsorten pflanzen können als noch vor zwanzig Jahren.
Das klingt erst einmal positiv, doch die für uns
bislang eher gering anmutenden Veränderungen und die Zunahme von extremen Wetterereignissen sind für die Landwirtschaft eine
enorme Bedrohung. Im US-Bundesstaat Kalifornien herrscht beispielsweise seit 2011 eine
extreme Dürre, durch die die Landwirtschaft
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einen Verlust von über zwei Milliarden Dollar
erlitten hat.
Am schlimmsten aber trifft es oft die Menschen, die in der Vergangenheit am wenigsten
zum Klimawandel beigetragen haben. So wird
zum Beispiel die Wasserverfügbarkeit im südlichen Mali in diesem Jahrhundert um rund
zehn Prozent zurückgehen.
Schuld daran sind der Klimawandel und
seine Folgen: Dürren werden häufiger und die
Landwirtschaft damit unsicherer. Die Wüste
Sahara droht, sich langsam in Richtung Süden auszubreiten. Die Menschen verlieren
ihre Lebensgrundlage und müssen ihre Heimat verlassen.
Vielfalt ist die Fähigkeit, sich
anzupassen
Ob Deutschland, Amerika oder Westafrika:
Die Beispiele zeigen, dass die Landwirtschaft
überall betroffen ist – unabhängig davon, wie
viel Geld, Chemikalien und Maschinen wir einsetzen. Die Landwirtschaft muss also fit werden für den Klimawandel. Das zentrale Konzept dafür nennt sich Resilienz.
Als Resilienz wird die Fähigkeit eines
Systems bezeichnet, auf Veränderungen zu
reagieren und gleichzeitig stabil zu funktionieren. Der Schlüssel zu Stabilität unter wechselhaften Bedingungen ist Vielfalt. Das gilt für
einzelne Betriebe ebenso wie für ganze Ökosysteme und menschliche Gesellschaften.
Doch die industrielle Landwirtschaft zerstört
die Vielfalt der Ökosysteme. Die Intensivierung verdrängt die Vielfalt der Landschaften.
Pestizide, Überdüngung und Monokulturen töten die Bodenlebewesen, Insekten, Vögel und
Pflanzen, die in landwirtschaftlichen Flächen
und um diese herum ihren Lebensraum haben. Während der Klimawandel den Ökosystemen, von denen wir leben, eine große Anpassungsleistung abfordert, nimmt die Vielfalt und
damit die Resilienz dieser Systeme ab.
Gleichzeitig geht auch in der industriellen
Landwirtschaft die Vielfalt von Nutzpflanzen
und Nutztieren zurück. Fast alle Legehennen
in Deutschland stammen von nur zwei Zuchtlinien ab. Der Saatgutmarkt in Europa wird von
lediglich fünf Unternehmen dominiert.
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Sie verkaufen vor allem Saatgut, das bei der
Verwendung von synthetischem Dünger und
Pestiziden sehr hohe Erträge bringt. Diese
Form der Landwirtschaft ist nicht in der Lage,
sich an die geringere Stabilität der Ökosysteme anzupassen, die der Klimawandel mit
sich bringt.
Eine andere Landwirtschaft
ist möglich
Längst gibt es alternative Formen der Landwirtschaft, die klimafreundlicher und anpassungsfähiger sind: Die Biobetriebe machen
es vor. Und dank der globalen Vernetzung
können wir heute von alten und neuen Ideen
aus allen Erdteilen profitieren. Aus Australien
kommen die Grundlagen der Permakultur, die
Kreisläufe und Beständigkeit von Systemen
betont. Die Idee einer solidarischen Landwirtschaft, die VerbraucherInnen und ProduzentInnen direkt zusammenbringt, wurde in den
USA entwickelt.
Was können wir von Kuba lernen, das Jahrzehntelang unter dem US-Wirtschaftsembargo stand und während dieser Zeit eine Landwirtschaft entwickeln musste, die weitgehend
unabhängig von Erdöl ist?
Unter welchen Umständen bringt es etwas, Tiere, Gemüse und Getreide unter Bäumen zu züchten, oder Pflanzenkohlereste in
den Boden einzubringen? Traditionelle landwirtschaftliche Systeme in Südamerika arbeiten damit. In einem Berliner Forschungsinstitut
schlagen Tomaten ihre Wurzeln in Süßwasser,
in dem Fische gezüchtet werden.
Die Alternativen sind quicklebendig. Damit sie
sich durchsetzen, brauchen sie die Politik, die
die Regeln vorgibt und Ressourcen verteilt.
Doch Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt
und EU-Agrarkommissar Hogan fördern lieber weiterhin die Agrarindustrie und suchen
nach Absatzmärkten für Schweinefleisch und
Milchpulver, das aus Ställen kommt, die südamerikanische Gensoja verfüttern.
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Karl Bär
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Umweltinstitut München e.V.
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09/2015
Raus aus der Kohle!
Die Divestment-Bewegung fordert dazu auf, Investitionen aus den klimaschädlichsten
Unternehmen abzuziehen. Einige symbolkräftige Erfolge hat sie bereits erzielt. Auch in
deutschen Städten schließen sich immer mehr Klimabewegte der Initiative an.
W
enn es falsch ist, zur globalen Erwärmung beizutragen und
damit Ökosysteme und menschliche Lebensgrundlagen zu
zerstören, dann ist es auch falsch, von dieser Zerstörung
zu profitieren. Unter diesem Motto finden sich Menschen überall auf der
Welt zusammen und fordern den Abzug von Geldanlagen aus dem fossilen Energiesektor. Denn der ist verantwortlich für mehr als 20 Prozent
der globalen klimaschädlichen Emissionen.
Unter dem Namen „Fossil Free“ startete die Divestment-Kampagne
im Herbst 2012 in den USA und ist inzwischen in Neuseeland, Australien, Europa und Kanada aktiv. Neue Kampagnen in Südafrika, Japan und
auf den Philippinen kamen kürzlich dazu. Die Bewegung wächst stetig:
Innerhalb von nicht einmal drei Jahren gründeten Freiwillige weltweit
über 600 Fossil Free-Initiativen.
Der Vorteil für ehrenamtlich Engagierte: Menschen können in ihrem
Wohnort aktiv werden, egal ob in Freising oder Berlin. Denn Institutionen, die im Namen der Bürger*innen Gelder anlegen, finden sich
überall. Kommunen, Universitäten, Kirchengemeinden, berufsständische Versorgungswerke oder Banken investieren über Unternehmensbeteiligungen oder Aktienfonds auch in klimaschädliche Kohle-,
Erdöl- und Erdgasunternehmen. Die Menschen um Fossil Free sind ak-
tiv, um sich gegen eine Industrie zu stellen, welche die Klimakrise vorantreibt und seit Jahren erfolgreiche Klimapolitik verhindert, um weiterhin ihren Profit zu maximieren.
Die Kohlenstoffblase wird zum Finanzrisiko
Kommunen, die Geld in Unternehmen der fossilen Energie investieren,
setzen dabei nicht nur das Klima aufs Spiel. Es besteht ein beträchtliches Finanzrisiko: Die sogenannte Kohlenstoffblase („carbon bubble“).
Darunter versteht man eine Spekulationsblase, die aus der Unvereinbarkeit des in der internationalen Klimapolitik anerkannten Zwei-GradZiels mit der Förderung eines Großteils der bekannten Öl-, Gas- und
Kohlereserven entsteht. Denn wird das politische Ziel konsequent verfolgt, verlieren zahlreiche Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft in
den nächsten Jahrzehnten massiv an Wert. Der Grund dafür: Sie haben
die Förderrechte an zahlreichen Lagerstätten erworben und haben diese als Vermögenswerte in ihren Bilanzen verzeichnet.
Angesehene Institutionen und Expert*innen wie die Deutsche Bank und
die britischen Banken HSBC und Citibank, die Internationale Energieagentur, die Ratingagentur Standard & Poor‘s, das Wirtschaftsmagazin Forbes Magazine, Bloomberg, der britische Ökonom Lord Nicholas
Münchner Stadtgespräche Nr. 72
09/2015
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„Die Finanzaktivitäten der eigenen Stadt, Universität oder
Kirche sind konkret und direkt vor Ort beeinflussbar“
Stern, die London School of Economics und die Smith School der Universität Oxford warnen, dass Kohle-, Öl-, und Gasunternehmen massiv überbewertet sind. HSBC spricht beispielsweise davon, dass 40 bis
60 Prozent des Börsenkapitals von Öl- und Gasunternehmen auf dem
Spiel stehen. Sie drohen als sogenannte gestrandete Vermögenswerte
(„stranded assets“) an Wert zu verlieren.
Gestrandete Vermögenswerte sind bei dem deutschen Energiekonzern RWE, der größten CO2-Schleuder Europas, bereits Realität. Im letzten Jahr musste RWE 4,8 Milliarden Euro auf seine Kohle- und Gaskraftwerke abschreiben und machte Verluste von über 2,8 Milliarden
Euro. Das hat die deutschen Kommunen hart getroffen. Denn 86 deutsche Städte und Kommunen halten insgesamt etwa 25 Prozent aller
RWE-Aktien. Die Prognosen für 2015 sehen ähnlich schlecht aus, denn
RWE hat ebenso wie E.on den Einstieg in die Energiewende lange verpasst. Trotzdem halten viele Kommunen an RWE fest.
Divestment-Bewegung auch in Deutschland
In den vergangenen Monaten ist Divestment eine anerkannte, an Einfluss gewinnende Taktik in der europäischen und deutschen Klimabewegung geworden. Mittlerweile gibt es Fossil Free-Gruppen in 18 deutschen Städten und wöchentlich schließen sich neue Klimabewegte an.
Das Medieninteresse reißt nicht ab, denn einige große internationalen
Divestment-Erfolge sorgten für Aufsehen. So beschloss beispielsweise das schwedische Parlament im Juni 2015, dass der Norwegische
Pensionsfonds, der größte Staatsfonds der Welt, sich aus Energie- und
Bergbaufirmen zurückziehen soll, bei denen das Kohlegeschäft mehr als
30 Prozent des Umsatzes ausmacht. Das wird auch RWE treffen, denn
der Fonds ist mit 300 Millionen Euro an dem Unternehmen beteiligt, was
etwa zwei Prozent der Unternehmensanteile entspricht.
Es mag überraschend sein, dass auch immer mehr Studierende laut
ausrufen: „Kein Geld mehr für Kohle, Öl und Gas!“. Nur wenigen ist bekannt, dass auch in Deutschland zahlreiche Hochschulen Stiftungsver-
mögen und Finanzanlagen in Millionenhöhe verwalten. Die Universität
Freiburg hat bereits positiv auf die Ideen und Forderungen der lokalen
Fossil Free-Gruppe reagiert. Heidelberg, Münster, Bayreuth, Tübingen
und weitere Hochschulen könnten bald folgen.
Es gibt lohnenswerte Alternativen
Eine besonders gute Nachricht der letzten Monate ist der Start einer
Kampagne, die die Berliner Ärzteversorgung auffordert, zu deinvestieren. Alle Investments aus der Kohle-, Öl- und Gasindustrie sollen binnen
fünf Jahren beendet und die frei werdenden Mittel in Anlagen für eine
nachhaltige und gesunde Zukunft reinvestiert werden.
Auch der Vorstand der Bundesärztekammer wird sich nach einem
Beschluss nun mit dem Thema Divestment auseinandersetzen. Und seit
Kurzem beschäftigen sich Journalist*innen mit den Anlagestrategien
ihres Versorgungssystems. Im kirchlichen Bereich wird das Thema weiter diskutiert und nimmt Gestalt an. Banken und Versicherer sind schon
lange ins Blickfeld gerückt. Die großen Kohleinvestoren Deutsche Bank
und Allianz werden in den kommenden Monaten den wachsenden öffentlichen Druck zu spüren bekommen.
Der Klimawandel scheint von der eigenen Lebensrealität aus oft schwer
anzugehen. Die Finanzaktivitäten der eigenen Stadt, Uni oder Kirche
sind dagegen konkret und direkt vor Ort beeinflussbar. So kann jede*r
Interessierte eine lokale Kampagne starten und einen offenen Brief an
den Stadtrat und den*die Bürgermeister*in schicken.
Divestment wird die fossile Industrie nicht in den Bankrott treiben.
Aber sie kann ihr die soziale Akzeptanz und damit politischen Einfluss
entziehen. Und das wäre ein großer Gewinn für den Klimaschutz.
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Tine Langkamp
350.org
FOTO
350.org
Was versteht man unter Divestment?
Divestment ist das Gegenteil einer Investition. Es bedeutet, dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt, die unökologisch oder unter ethischen
Gesichtspunkten fragwürdig sind. Investitionen in fossile
Brennstoffe stellen ein Risiko für Investoren und für den
Planeten dar. Darum ruft das internationale Netzwerk Fossil Free sämtliche Institutionen dazu auf, ihr Vermögen aus
den 200 größten börsennotierten Unternehmen abzuziehen. Diese Unternehmen sind derzeit im Besitz eines
Großteils der verzeichneten Kohle-, Öl- und Gasreserven
und planen, diese zu fördern und zu verbrennen. Doch 80
Prozent der fossilen Rohstoffreserven müssen im Boden
bleiben, damit die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt
werden kann.
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Umweltinstitut München e.V.
09/2015
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Newsletter der Agenda 21
Regelmäßige Informationen zu Agenda-Terminen in München erhalten Sie
im kostenfreien Newsletter unter
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Termine
Do., 15. Oktober, 20:00 Uhr
Mi., 21. Oktober, 19:00 Uhr
Film: Zehn Milliarden - wie werden
wir alle satt?
Teersandöl & Fracking: Wie die Energielobby den Klimaschutz torpediert
Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf zehn
Milliarden Menschen anwachsen. Doch wo
soll die Nahrung für alle herkommen? Regisseur, Bestseller-Autor und Food-Fighter Valentin Thurn sucht nach Lösungen: Er
erkundet die wichtigsten Grundlagen der
Lebensmittelproduktion und verdeutlicht,
wie die Menschheit durch die hemmungslose Ausbeutung knapper Ressourcen die
Grundlage ihrer Ernährung zerstört. Mit Gespür für Verantwortung und Handlungsbedarf macht der Film klar: Wir können etwas
verändern – wenn wir es wollen!
Selbst die konservative Internationale Energieagentur fordert, dass zwei Drittel der
fossilen Energiereserven in der Erde bleiben müssen, da andernfalls katastrophale
Auswirkungen des Klimawandels nicht zu
vermeiden sind. Doch die Energiekonzerne
treiben genau das Gegenteil voran: Mit immer umweltschädlicheren Methoden holen
sie nun sogar die unkonventionellen fossilen Ressourcen aus der Erde – auch in
Deutschland. Ein Vortrag von Energiereferentin Franziska Buch über Ölsand, Fracking und die Macht der Energielobby.
www.mvhs.de
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