Reportage Wochenblatt Barmbek 2012-05-02

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Aus den Stadtteilen
www.hamburger-wochenblatt.de
Nr. 18
Die Elefanten sind los
Buchkünstler druckt und illustriert im Museum für Arbeit in alter Gutenberg-Technik
BARMBEK. Schon mit 13 Jah-
ren träumte Artur Dieckhoff
davon, die „Bremer Stadtmusikanten“ mit Elefanten zu bestücken. „Damals trat sich als
Räuber im Singspiel auf“, erinnert sich der Buchkünstler
schmunzelnd. Nun hat er seinen
Traum wahr gemacht: Zur Zeit
entsteht im Museum der Arbeit
ein Märchenbuch in der alten
Gutenberg-Technik: Letter für
Letter mit Hand gesetzt (Mike
Krüger), mit Farbholzschnitten illustriert (Artur Dieckhoff)
und auf einem Heidelberger
Zylinder in der Druckwerkstatt
des Museums gedruckt (Klaus
Raasch und Lothar Schumann).
Noch bis zum Sonntag, 6. Mai,
kann man bei der Entstehung
jeweils zwischen 10 und 16 Uhr
zusehen.
Nicht nur die geliebten Dick- Buchkünstler Artur Dieckhoff.
häuter, sondern auch andere
charmante Kreaturen bevölkern
die Seiten des wunderschön gestalteten 36-seitigen Buches,
das in einer Auflage von rund
tausend Exemplaren entsteht
und im Museumsshop für 32
Euro zu erhalten sein wird.
Und wer sich immer schon
gefragt hat, was die Bremer
Stadtmusikanten Leckeres auf
der Räubertafel vorfanden, der
kann am Sonnabend, 2. Juni, ab
18 Uhr auf kulinarische Entdeckungsreise gehen. Starköchin
Sarah Wiener tischt zur Musik
der UKW-Band Köstliches auf,
das Dessert darf schon verraten
werden: Passend zu den Räubern gibt es einen Scheiterhaufen… Eintritt 110 Euro (inkl.
handsigniertes Buch, RäuberRezepten, Menu, Lesung und
Fotos: Klaus Raasch Musik), Tickets 428 133 0. (leu)
u
Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, montags 13 bis 21
Uhr, dienstags bis sonnabends
10 bis 17 Uhr, an Sonn- und
Feiertagen 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro,
bis 18 Jahre frei.
Charmanter Stadtelefant von
Artur Dieckhoff.
Interessengemeinschaft Fuhlsbüttler Straße e. V.
Thema Mai: Kunst & Kultur
www.die-fuhle.de
Kultur zum Anfassen – für Groß und Klein
Kulturelle Angebote spielen für die
Lebensqualität im Stadtteil eine
wichtige Rolle. Barmbek-Nord hat
dahingehend einiges zu bieten. Ob
Theater, Museum, Kunst, Sport
oder Begegnungsstätten – der
Freizeitwert rund um die „Fuhle“ ist
groß. Die Interessengemeinschafft
Fuhlsbüttler Straße (IG Fuhle) vereint neben Gewerbetreibenden und
Gastronomen auch Kultureinrichtungen, die viel für die Aufwertung
des Stadtteils tun und das Leben
für Kinder, Jugendliche, Familien
und Senioren bunt und interessant
gestalten.
Neben den IG-Fuhle-Mitgliedern
– Museum der Arbeit, ChristusGemeinde Barmbek-Nord und der
Handballgemeinschaft HamburgBarmbek – gibt es auch viele Kooperationspartner, die bei diversen
Veranstaltungen und Projekten
ihre Hilfe und Unterstützung anbieten. Zu ihnen zählen zum Beispiel
die Zinnschmelze, das Bürgerhaus
Barmbek, die Auferstehungskirche
und die Geschichtswerkstatt Barmbek.
Bereits seit 2007 ist die Handballgemeinschaft Hamburg-Barmebk
(HGHB) Mitglied bei der IG-Fuhle.
„Handball mitten in Hamburg und
mitten Barmbek“ ist das Motto der
Gemeinschaft, die vier Handballver-
eine (USC Paloma, VfL93, SC Urania und HSV Barmbek-Uhlenhorst)
mit insgesamt 16 Mannschaften
und 310 aktiven Handballerinnen
und Handballern unter einem Dach
vereint. „Wir leisten seit vielen Jahren einen stadtteilübergreifenden
Beitrag zur sportlich qualifizierten
Jugend- und Erwachsenenarbeit
in Barmbek, Uhlenhorst, Dulsberg,
Bramfeld, Winterhude, Alsterdorf
und Wandsbek“, zählt Hartmut Satt- Prof. Dr. Kirsten Baumann ist die Direkler vom Vorstand der HGHB auf. torin des Museums für Arbeit. Foto: sl
Mit acht Herren-, zwei Damen- und ten ins Leben gerufen werden. Die
sechs Jugendteams von der Ham- HGHB unterstützt die Schulen auch
burg-Liga bis zur Kreisklasse bildet bei Schulturnieren, Jugend-trainiertdie HGHB eine der größten Hand- für-Olympia, in Sportleistungsklasballabteilungen in der Metropolre- sen und zahlreichen Handball-AG’s
gion Hamburg. Drei Mannschaften sowie in der Talentförderung. „Leihaben gerade die Meisterschaft der fehlt es uns an entsprechenden
errungen. Die Erste Herren steigt Hallenzeiten. Wir hoffen auf Unteraußerdem in die Oberliga Hamburg/ stützung der zuständigen Stellen“,
Schleswig Holstein auf.
so Sattler. Dank der bestehenden
Die HGHB führt zudem eine kontinu- Mitgliedschaft in der IG-Fule pflegt
ierliche Sportjugendarbeit in Barm- die HGHB gute Kontakte zur lokabek durch. „Die etwa 60 betreuten len Wirtschaft: „Dadurch profitieren
Kinder und Jugendlichen erleben auch Sponsoren von der hervorgedurch das regelmäßige Angebot hobenen Wahrnehmung bei unsesoziale und sportliche Integration ren circa 10.000 Vereinsmitgliedern.“
in dem nicht gerade wohlhabenden Nicht ganz so viele Mitglieder hat die
Stadtteil“ sagt Sattler. Aufgrund der Christus-Gemeinde Barmbek-Nord.
intensiven Kontakte zu den umlie- Dafür hebt sich die Freikirche mit
genden Schulen konnten Koopera- vielen familienorientierten Angebotionsmaßnahmen und Projekte für ten im Stadtteil hervor. Neben dem
die entsprechenden Schülerschaf- „Spiel mit…“- Nachmittag jeden Don-
nerstag von April bis Oktober auf
dem Spielplatz Schwalbenstraße/
Drosselstraße bietet die Gemeinde
auch einen Mini-Club für Null- bis
Dreijährige, ein Elterncafé sowie
13 verschiedene Gesprächskreise
an. Diese Angebote gelten nicht
nur für Gemeindemitglieder und
sind vor allem kostenlos. „Überall
müssen die Menschen heute etwas
zahlen. Für uns als Gemeinde ist
deshalb wichtig, einen Kontrapunkt
zu setzen“, sagt Pastorin Regina
Gaßmann. Im Eltern-Café montags
von 15.30 bis 17.30 Uhr können
Die HGHB zeichnet sich durch kontinuierliche Jugendarbeit aus. Auch die weibliche
sich Eltern austauschen und KonHandballjugend profitiert von solchem Engagement.
Foto: pi takte knüpfen, während die Kinder
Aktionstag mit der IG Fuhle:
Christus-Gemeinde
Kaffee und Kuchen auf dem Spielplatz
in entsprechend ausgestatteten
Räumen spielen und toben können.
Die 2005 gegründete Gemeinde
mit etwa 86 erwachsenen Mitgliedern ist fast ebenso lange Mitglied
in der IG-Fuhle. „Wir profitieren
von der Vernetzung und erreichen
durch verschiedene gemeinsame
Aktionen noch mehr Menschen im
Stadtteil“, so die Pastorin.
Auch das Museum der Arbeit fühlt
sich dem Stadtteil zugehörig und
möchte Barmbek stärken. Aus diesem Grund ist das Museum Mitglied
bei der IG-Fuhle. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände der „New-YorkHamburger Gummi-Waren Compagnie“ ist das Museum zu Hause. Pastorin Regina Gaßmann (2.v. links) kommt in den Sommermonaten jeden DonEs zeigt die Veränderungen von nerstagnachmittag mit einem Bollerwagen voll Spielzeug auf den Spielplatz DrosLeben und Arbeiten in Hamburg selstraße. Wasso Stoltenberg und Sohn Achilleas (1,links) sowie Lisa (6, rechts)
Foto: sl
seit dem 19. Jahrhundert bis heute nehmen das Angebot der Christus-Gemeinde gerne wahr.
und stellt dabei typische Hamburger
„Bollerwagen-Tag“ nennen es die agogischen Wert. „Wir loben, moBranchen vor. An vielen der ausgeKinder, die von April bis Oktober tivieren und ermutigen die Kinder.
stellten Maschinen wird heute noch
jeden Donnerstagnachmittag zum Sie lernen sich anzustellen, zum
gearbeitet.
Spielplatz Schwalbenstraße/ Dros- Beispiel beim Seilspringen, und die
Seit dem 28. April zeigt das Muselstraße kommen. Denn dorthin Kinder spielen miteinander“, erklärt
seum der Arbeit die Ausstelbringt Pastorin Regina Gaßmann Gaßmann. Ein interaktiver Nachmitlung „ABC der Arbeit. Vielfalt,
von der Christus-Gemeinde Barm- tag, der donnerstags je nach WetLeben, Innovation“. Auf 400 Quabek-Nord pünktlich um 16 Uhr ei- terlage 15 bis 100 Kinder anlockt.
dratmetern werden unterschiednen Bollerwagen voller Spiele. Ein Der Spielplatz selber wurde dank
lichste geschichtliche Aspekte der
bis zwei Gemeindemitglieder be- der „Spiel mit...“-Aktion 2006 eine
Arbeit in Hamburg seit der Indugleiten sie regelmäßig zu der Aktion Komplett-Sanierung erhalten. Bis
strialisierung aufgegriffen und an„Spiel mit...“, die von der Christus- dahin glich er eher einer Sandwüshand von Arbeitsprodukten, KleiGemeinde seit 2005 durchgeführt te. „Wir haben uns damals stark
dung, Werkzeugen, Maschinen,
wird. Sandspielzeug, Springseile, dafür gemacht, dass der Spielplatz
mündlichen und schriftlichen ErinBälle und Ballspiele, Skateboard, innerhalb der Stadtentwicklungsnerungen und Fotografien vermittelt.
große Schaufeln, Kreide oder Ge- maßnahmen berücksichtigt wird“,
Der behandelte Zeitraum beginnt
schicklichkeitsspiele – die Kinder so die Pastorin. „Jetzt ist ein schömit der Einführung der Gewerzwischen ein und zwölf Jahren ner Ort zum Verweilen für Kinder
befreiheit für den Norddeutschen
können sich die Sachen ausleihen und Eltern.“ (sl)
Bund 1869. „Unsere Ausstellung
und zwei Stunden lang damit spieist ein Beitrag zur Geschichte und
len. Aber damit nicht genug: Regi- Am Donnerstag, 10. Mai, verdem Wandel von Arbeit im 20. Jahranstalten die IG Fuhle und die
ne Gaßmann und ihre Helferinnen
hundert. Am Beispiel Hamburgs
spielen mit und animieren die Kin- Christus-Gemeinde Barmbekverbindet sie persönliche Erinneder. „Wir bauen gemeinsam Sand- Nord einen Aktions-Nachmittag
rungsstücke und Arbeitsbiografien
burgen, schwingen das Springseil
auf dem Spielplatz von 16 bis
mit wegweisenden Innovationen,
oder malen mit Kreide Bilder auf 18 Uhr. Neben den üblichen
die für Hamburgs Entwicklung als
den Boden, ganz einfache Dinge, Spielgeräten aus dem BollerHafen- und Industriestandort von
die den Kindern großen Spaß ma- wagen gibt es Kakao, Kaffee,
Bedeutung sind“, sagt Prof. Dr. Kirschen“, erzählt die Pastorin. Dabei
leckeren Kuchen sowie Kinderten Baumann, Direktorin Museum
zähle nicht nur der Spaßfaktor – der
schminken.
der Arbeit. (sl)
Spiele-Nachmittag habe auch päd-