Abstractband - 10. Endoprothetikkongress Berlin

Endoprothetik 2015
HELIOS ENDO-Klinik
Hamburg
26.–28. Februar 2015
Abstractband
Inhaltsverzeichnis • Organisation und Impressum
Plenarvorträge
Sitzung 1
Sitzung 2
Sitzung 3
Sitzung 4
Sitzung 5
Sitzung 6
Sitzung 7
Sitzung 8
Sitzung 9
Sitzung 10
Seite
• Primäre Hüftendoprothetik
• Hüftendoprothetik Abrieb: die Herausforderung des 21. Jahrhunderts
• Hüfte-Revision
• Hüftendoprothetik – Die Komplikation vermeiden
• Endoprothetik und Trauma
• Infektion
• Knie-Primär 1
• Knie-Primär 2
• Knie-Revision 1
• Knie-Revision 2
3
3
6
6
8
8
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12
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Postersessions
Hüftendoprothetik (P1 – P24)
Knieendoprothetik (P26 – P43)
Infektionen des Hüft- und Kniegelenkes (P44 – P54a)
OP-Techniken Knie- und Hüftendoprothetik (P57 – P63)
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Index Referenten und präsentierende Autoren
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_______________________________________________________________________________________________________________
Organisation und Impressum
Tagungsort und Termin
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstraße 58/59 • 10117 Berlin (Mitte)
26.-28. Februar 2015
Veranstalter
Charité Berlin – Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie
HELIOS ENDO-Klinik Hamburg
OCM-Klinik München
Wissenschaftliche Leitung
Univ.-Prof. Dr. med. Carsten Perka
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie
Klinik für Orthopädie
Charitéplatz 1 • 10117 Berlin
Tagungshomepage
www.endokongress.de
Tagungsorganisation
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH
Dirk Eichelberger/Michelle Tröger
Carl-Pulfrich-Straße 1 • 07745 Jena
Tel. +49 (0)3641 31 16-305/-309
Fax +49 (0)3641 31 16-243
[email protected]
[email protected]
www.conventus.de
Design
www.krea.tif-design.de
Prof. Dr. med. Thorsten Gehrke
HELIOS ENDO-Klinik Hamburg
Holstenstraße 2 • 22767 Hamburg
PD Dr. med. Robert Hube
OCM-Klinik München
Steinerstraße 6 • 81369 München
2
Plenarvorträge
Sitzung 1
Primäre Hüftendoprothetik
Warum wir hier sind? – Falldemonstrationen aus aktuellem
Anlass
C. Perka (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Hüftendoprothetik nach vorgängiger Osteotomie
K.-P. Günther (Dresden)
- Kein Abstract vorliegend.Offsetrekonstruktion durch varische Schaftimplantation –
ein Risiko?
N. Damm (Hamburg)
- Kein Abstract vorliegend.Implantatpositionierung in Abhängigkeit vom Zugang
M. Müller (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Kriterien für die Auswahl des optimalen Prothesenschaftes –
gibt es die?
F. Thorey (Heidelberg)
- Kein Abstract vorliegend.Therapie der Trochanterfraktur
J. E. Brandenberg1, A. Hasler2, P. Zing2, C. De Simoni1, C. Dora2
1Orthopädische Klinik Luzern OKL, Luzern, Schweiz
2Uniklinik Balgrist, Zürich, Schweiz
Introduction: Open reduction and internal fixation ORIF of GT
fractures, non-unions and mal-unions remain a challenge.
Fixation of periprosthetic greater trochanteric fractures requests
very demanding features on fixation devices. Whereas high
dislocating forces ask for strong and bulky implants, the sensitive
peritrochanteric region asks for slim implants minimizing
interference with the abductor muscle insertion and the iliotibial
band. Additionally, depending on fracture type, dislocating forces
act in different vectors and ask for variable options a fixation
device should offer to counteract these forces. Irrespective of the
fixation devices used, non-union and implant breakage rates are
reported as high as 31% and 19%, respectively.
Methods: Since December 2009, a claw plate with one modular
claw (multi optional plate, MOP) was used in 47 cases by 4
different surgeons in 2 different institutions in a consecutive
series of patients suffering acute fracture, or non-union of the
greater trochanter. The aim of the present study of a consecutive
single series of patients treated for GT fractures or non-unions
using MOP from November 2009 to April 2013 was to
retrospectively review these patients in terms of secondary
dislocation, union rates and local complications. Latest clinical
follow-up records and follow-up x-rays were used for evaluation
of patient’s outcome, secondary fracture displacement, device
fracture and bony union.
Results: Thirty (19 and 11) MOP were used during this time
period in 30 patients (age: 68y, range 32-92, women: 22, left:
19). Two for intraoperative fractures during primary total hip
arthrosplasty (THA), 12 for late diagnosed fractures after THA, 2
because of failed GT fixation, 4 because of GT non-union, 2
because of traumatic GT fracture, 4 because of periprosthetic
fracture and 4 prophylactically during total hip revision. In 25 GT
affection was periprosthetic. After a mean follow-up of 9 months
(range 3-28 months), secondary dislocation occurred in 4 and
union in 25 of 29 cases. Failure mechanism was loosening of the
distal screw fixation in all. Hardware removal due to trochanteric
pain was performed in 8 patients after a mean of 10 months
(range 3-15 months). At latest follow-up 16 patients had no pain
and no limitations when walking, 6 patients claimed trochanteric
pain due to plate prominence and were scheduled for implant
removal and 7 patients claimed residual pain and limping due to
abductor weakness.
Conclusion: MOP showed a satisfying outcome. The failure rate
compares well to numbers from the literature. Due to the failure
mode the plate has been lengthened distally in order to create
better screw hold
Radiologie und Implantat – Ich sehe was, was du nicht
siehst!
R. Ascherl (Tirschenreuth)
- Kein Abstract vorliegend.-
Sitzung 2 Hüftendoprothetik
Abrieb: die Herausforderung des 21.
Jahrhunderts
Gleitpaarungen in weltweiten Registern
G. Labek1
1Orthopädische Universitätsklinik Innsbruck, Innsbruck,
Oesterreich
Einleitung: Die Wahl der Gleitpaarung wird als wesentlicher Teil
bei der individuellen Entscheidung hinsichtlich Standzeiten zu
Behandlung von Hüftarthrose angesehen. Die Thematik wird seit
Jahren kontroversiell diskutiert, ein einheitlicher Standard ist
dazu bisher nicht etabliert. Weltweite Endoprothesenregister
beinhalten mittlerweile über 4 Millionen Fälle und sind daher
geeignet in der regulären Patientenversorgung strukturiert zu
untersuchen.
Material und Methoden: Es wurde eine strukturierte
Zusammenfassung der verfügbaren Daten in Registern
durchgeführt.
Ergebnisse: Die Basisdaten weisen eine erhebliche Streuung
auf, sodass die Wahl der Gleitpaarung z.B. in Einkaufsentscheidungen nicht als ein quantitativ führender Faktor für die
zu erwartenden Standzeiten herangezogen werden sollte. MetallMetall-Paarungen mit Großköpfen zeigen signifikant schlechtere
Ergebnisse im Vergleich zum Durchschnitt und werden weltweit
kaum noch verwendet. Highly-Crosslinked Polyethylen zeigt
geringere Revisionsraten im Vergleich zu konventionellem
Polyethylen, bei Metallköpfen ist dieser Effekt stärker ausgeprägt
als bei Verwendung von Keramikköpfen. Ab etwa 5 Jahren
Nachuntersuchungszeitraum sind die Unterschiede statistisch
signifikant, sodass auch ältere, aber gut mobile Patienten von
dieser Möglichkeit profitieren könnten. Die Kopfgröße zeigt bei
Highly Crosslinked Polyethylen einen geringeren Effekt durch
3
Plenarvorträge
Abrieb - und in der Folge Revisionsoperationen - als bei
konventionellem PE. Keramik-Keramik-Gleitpaarungen zeigen
keinen signifikanten Vorteil im Vergleich bis zu 10 Jahren
Nachuntersuchungszeitraum im Vergleich zu hochvernetztem
Polyethylen. Ob daher Mehrkosten und unter Umständen
komplexere Revisionsoperationen gerechtfertigt sind sollte
kritisch diskutiert werden.
Schlussfolgerung:
Registerdaten können wesentliche
Informationen zur Objektivierung von Ergebnisqualitätsdaten
beitragen. Sie können dazu beitragen optimale Kosten-NutzenBewertungen an Hand objektiver Daten zu erstellen und
Behandlungsentscheidungen in kritisch diskutierten Einzelfällen
oder Schiedsgerichtsfällen rational zu begründen.
Das Abriebproblem – hatte Charnley mit 22 mm Köpfen doch
recht?
M. M. Morlock (Hamburg)
- Kein Abstract vorliegend.Biolox-Delta Keramik – Erfahrungen nach 3234 Fällen
P. Dufek1
1Schön Klinik Neustadt, Orthopädie, Neustadt in Holstein,
Deutschland
Ziel: Auswertung der klinischen Ergebnisse und Kompli-kationen
bei Verwendung der Keramik-Keramik-Gleitpaarung Biolox Delta
in der primären- und Revisionshüftendoprothetik.
Material und Methoden: Die Klinik für Orthopädie der Schön
Klinik Neustadt hat zwischen 2005 und 2013 insgesamt 3.234
Keramik-Keramik-Delta-Gleitpaarungen verwendet. Die Inlays
Ceramax und die Köpfe Biolox Delta haben einen Durchmesser
von 32/36 mm. Die klinischen Ergebnisse wurden am Ende der
Rehabilitation nach dem Staffelstein-Score bemessen, das
Bewegungsausmaß wurde bei 2 Gruppen von jeweils 100
Patienten mit der Kopfgröße 32 bzw. 36 verglichen. Prospektiv
wurden auch durch eine systematische Befragung der Patienten
und der behandelnden Orthopäden spezifische Komplikationen
erfragt; und zwar Squeaking, eine Schädigung des Inlays bzw.
eine Fraktur des Hüftkopfes.
Ergebnisse: Das Bewegungsausmaß ist bei einer Hüftendoprothese mit dem 36-Keramikkopf durchschnittlich um 17
Grad größer als bei den 32-Köpfen. Keine Luxation bei den
Hüftköpfen mit dem 36er-Durchmesser bis 6 Monate
postoperativ. (Bei den 32er-Hüftköpfen ergab sich eine Quote
von 0,1%.) Eine Keramik-Hüftkopffraktur und gleichzeitige
Insertfraktur haben wir einmalig registriert, eine Schädigung der
Kante des Keramikeinsatzes dreimal, eine Subluxation des Insert
zweimal, fünfmal Squeaking-Effekt.
Schlussfolgerung: Die Keramik-Ceramax für Hüftpfanne Insert
mit Kombination eines Hüftkopfes 36 mm Keramik Delta hat ein
besseres Bewegungsausmaß, minimiert das Luxationsrisiko
sowie die Gefahr einer mechanischen Schädigung. Sportliche
Aktivitäten sind vollumfänglich möglich.
Brauchen wir eine unabhängige Implantatprüfstelle?
G. Duda (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Langfristige Ergebnisse nach Hüfttotalendoprothesen mit
Metall-Metall-Gleitpaarungen
R. Lass1, A. Grübl2, A. Kolb1, D. Stelzeneder1, A. Pilger1,3, B.
Kubista1, A. Giurea1, R. Windhager1
1Medizinische Universität Wien, Univ.Klinik für Orthopädie, Wien,
Oesterreich
2Sanatorium Hera , Orthopädie, Wien, Oesterreich
3Medizinische Universität Wien, Arbeitsmedizin, Wien,
Oesterreich
Einleitung: Die Hip Society erklärte am Jahreskongress der
AAOS 2013, dass die Diagnose von unerwünschten Reaktionen
aufgrund von Metallabrieb (adverse reaction to metal debris,
ARMD) in der Hüftendoprothetik ein multifaktorielller Prozess ist.
Eine Vielzahl von Faktoren spielt hierbei eine Rolle,
einschliesslich klinischer und mechanischer Symptome, das
Implantatdesign und die Implantatposition, sowie die Diagnose
von Metallionen. Systemische Ionenlevels sind nur ein Faktor in
der Untersuchung und sollten nicht alleine herangezogen werden
um die Notwendigkeit einer Revision zu treffen. Die Korrelation
zwischen Metallionenspiegeln im Serum, im Harn, im
Gelenkspunkat und den ARMDs sind bis jetzt nicht vollständig
bekannt.
Material und Methoden: In unserer Studie untersuchten wir die
Serum-, Harn- und Gelenksflüssigkeits-metallspiegel von
zementfreien primären THA mit 28mm-Metall Köpfen mit einem
Kohlenstoffgehalt von 0,2% (Metasul®, Zimmer GmbH).
Neunundvierzig (52 HTEPS) von den 98 Patienten (105 HTEPS),
welche zwischen November 1992 und Mai 1994 operiert wurden,
waren nach minimum 18 Jahren follow-up verfügbar. Wir
untersuchten die Korrelation zwischen diesen Werten um
herauszufinden, ob erhöhte Serumspiegel auch erhöhte lokale
Werte, eine klinische Bedeutung eine erhöhte Versagensrate der
Implantate bedeuten.
Ergebnisse: Die Studie zeigte eine sehr hohe Korrelation
zwischen den Serum Kobalt- (Spearmans r= 0,81) und Chrom
(r= 0,77) und den lokalen Flüssigkeitsspiegeln bei Patienten mit
einer HTEP als einzige Metallquelle. Jedoch zeigte sich nur eine
schwache Korrelation zwischen den lokalen Metallspiegeln und
den klinischen Scores, der Pfanneninklination und dem BodyMass-Index in der Studiengruppe.
Schlussfolgerung Die Serumionenanalyse ist eine wertvolle
Untersuchungsmethode für unerwünschte lokale und sytemische
Reaktionen bei Patienten mit HTEPs mit Metall-MetallGleitpaarungen als alleinige Metallquelle. Bei Patienten mit
zusätzlichen Metallquellen oder renaler Insuffizienz sind
zusätzliche Untersuchungen wie lokale Gelenkspunktionen oder
zusätzliche Bildgebungen, wie MARS-MRIs für die Diagnostik
von ARMDs von Bedeutung.
4
Plenarvorträge
Warum Metall-Metall-Gleitpaarungen weiterhin eine
Alternative sind
K.-P. Günther (Dresden)
- Kein Abstract vorliegend.Warum ich seit 15 Jahren keine Metall-Metall-Gleitpaarungen
implantiere!
M. Wagner1
1Katholisches Klinikum Mainz, Klinik für Orthopädie , Mainz,
Deutschland
Der Autor hat seit 1990 Metall-Metall-Artikulationen sowohl für
modulare Hüft-Totalprothesen mit 28mm Köpfen als auch
Oberflächenersatzprothesen für das Hüftgelenk implantiert und in
prospektiven Studien nachuntersucht und publiziert. Bei der
überwiegenden Mehrzahl der teilweise sehr jungen Patienten
waren gute und sehr gute klinische Resultate zu beobachten.
Ausgedehnte Osteolysen am Trochanter major konnten bei 3 von
78 Patienten 6 Jahre postoperativ beobachtet werden. Es
handelte sich um eine prospektive Studie, die 1990 begonnen
wurde. Diese ausgedehnten Osteolysen hatten dazu geführt,
dass der Knochen des Trochanter major eierschalenartig
ausgedünnt wurde und mit einer grau-schwarzen metallotischen
Masse gefüllt war. In einem Fall kam es zu einer schwer zu
versorgenden Trochanterfraktur. Bei 4 weiteren Patienten waren
deutliche Zeichen des Implantatimpingements zu beobachten.
Die Metall-Gleitfläche der Pfannenkomponente verursachte eine
tiefe Rinne im Hals der Titan-Femurkomponente. Diese
Implantate hatten durchweg kein sog. „slim-neck“-Design, was
das Impingement sicherlich gefördert hat. Augrund der
erheblichen mechanischen Beschädigung wurden die
festsitzenden Prothesenschäfte gewechselt. Ein außerordentlich
störendes Quietschen der Artikulation war bei zwei sehr jungen
und aktiven Patienten zu hören. Nach einer intraartikulären
Injektion von Eigenblut verschwand dieses Phänomen in beiden
Fällen.
Blind nach Hüftrevison – eine neurotoxische Reaktion
T. Guggi1, M. Leunig1, O. Hersche1
1Schulthess Klinik, Orthopädie Untere Extremitäten, Zürich,
Schweiz
Weichteilen eingelagerten Abriebpartikeln. Die Implantate
(Pfanne & Schaft) erschienen festsitzend (Abb. 1).
Ergebnisse: Die Erklärung für die multiplen neurologischen
Ausfälle ergab sich dann rasch nach Erhalt des massiv erhöhten
Serumspiegels für Kobalt (6975 nmol/l, normal < 17). Damit
wurde die Diagnose einer Kobaltintoxikation durch den massiven
Metallabrieb am Gelenkkopf bestätigt. Die erneute Revision
zeigte massive Metalleinlagerung im Umgebungsgewebe, der
ursprünglich eingesetzte Kopf hatte über 2/3 seines Volumens
eingebüsst (Abb. 2). Die Umstände die zur toxischen Metallose
führten lassen sich aus der Reihenfolge der verwendeten
Implantate erklären. Initial wurde eine reine Keramik Paarung
verwendet. Bei der Revision kamen als Ersatz ein Metallkopf und
ein Polyäthylen Inlay zum Einsatz. Trotz extensivem
Debridement und ausgiebiger Spülung waren feine Keramikpartikel zurückgeblieben. Diese wurden durch den Metallkopf ins
weiche Polyäthylen gepresst und wirkten dann als Schmirgeloberfläche die bei jeder Bewegung den Metallkopf weiter
abrieben. Trotz rasch abklingender Kobaltspiegel nach erneuter
Revision verbesserte sich das Gehör nur leicht, der Restvisus
blieb unverändert bei 10%. Einzig die depressive Stimmungslage
hat sich nach 2 Jahren deutlich verbessert. Der beschriebene
Verlauf legt nahe, dass die neurotoxischen Effekte
einer Kobaltexposition mit massiv erhöhten Serumspiegeln zu
irreversiblen Schädigungen führen.
Schlussfolgerung: Die Patientin erlitt nach einem insgesamt
einfachen Revisionseingriff an der Hüfte einen massiven Verlust
an Sehkraft und Gehör, begleitet von einem generellen Abbau
des körperlichen Wohlbefindens. Sie wurde durch die
Spezialisten der verschiedensten Fachrichtungen auf alle
möglichen Ursachen und auslösende Faktoren untersucht ohne
dass die entsprechenden Schlüsse gezogen werden konnten.
Durch die Verknüpfung unglücklicher Umstände wurde die
eigentliche Ursache trotz fulminantem Intialverlauf (erste
Symptome 4 Monate nach Revision) erst nach knapp 2 Jahren
erkannt und behoben. In Anbetracht der Tatsache, dass jährlich
mehr Gelenke ersetzt und revidiert werden, muss der Aspekt
einer möglichen Kobalt Intoxikation nicht nur im orthopädischen
Umfeld sondern auch generell in der Ärzteschaft bekannt
gemacht werden.
Einleitung: Eine 67-jährige Patientin stellte sich knapp 2 Jahre
nach erfolgtem Revisioneingriff an der linken Hüfte (Inlay und
Kopfwechsel
nach
Keramikbruch)
mit
linksseitigen
Knieschmerzen und persistierenden Beschwerden am
Trochanter in der regulären Sprechstunde vor. In der
Anamneserhebung fanden sich, neben einem schon früher
bekannten Diabetes mellitus Typ 2 sowie einer KHK neu eine
generelle Müdigkeit mit Appetit- und Gewichtsverlust, depressive
Verstimmung, Parästhesien in Händen und Füssen sowie ein
praktisch vollständiger beidseitiger Visusverlust und beidseitige
Hörschwäche. Letztere Punkte wurden unabhängig im Vorjahr
durch die entsprechenden Fachspezialisten der lokalen
Universitätsklinik in extenso abgeklärt ohne dass eine
weiterführende Erklärung gefunden werden konnte.
Material und Methoden: Die klinische Untersuchung der Hüfte
ergab eine schmerzfreie Beweglichkeitsprüfung mit Druckdolenz
in der Trochanterregion. Zudem fand sich eine ausgeprägte
Arthrose im linken Knie. Erst die korrespondieren
Röntgenaufnahme erwies sich als weiterführend und zeigte
einen massiv abgenutzten Gelenkskopf mit in den umliegenden
5
Plenarvorträge
Abb. 1
Konusprobleme bei modularen Hüftprothesen – woran
liegt´s?
M. M. Morlock (Hamburg)
- Kein Abstract vorliegend.Pressfitpfannen – dünn- oder dickwandig, modular oder
Monoblock?
H. Reichel (Ulm)
- Kein Abstract vorliegend.-
Sitzung 4
Hüftendoprothetik – Die Komplikation
vermeiden!
Revision unter oraler Thromboembolieprophylaxe – was ist
zu beachten?
C. von Heymann (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Fremdblutfreie Endoprothetik durch Patient Blood
Management
N. Böhler1, J. Meier1
1Johannes
Kepler Universität am AKh Linz/Abteilung
Orthopädie, Linz, Österreich
Abb. 2
Sitzung 3
Hüfte-Revision
Presidential Guest Lecture
Decision making in hip surgery – unravelling the evidence
F. Haddad (London/GB)
- Kein Abstract vorliegend.Präoperative Röntgenanalyse – wie erkenne ich den
intraoperativen Problemfall?
R. Ascherl (Tirschenreuth)
- Kein Abstract vorliegend.Zugangswahl – immer den Zugang der Primäroperation
P. von Roth (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Revision mit Primärimplantaten am Femur
R. Hube (München)
- Kein Abstract vorliegend.-
Die in den letzten Jahren stetige Zunahme an endoprothetischen
Eingriffen bei immer älter werdenden Patienten mit relevanten
Begleiterkrankungen führte notwendigerweise zu einer
Ausweitung der perioperativen Diagnostik und Therapie der
häufigsten vorliegenden Pathologien. Lag hierbei früher das
Hauptaugenmerk fast ausschließlich auf dem zugrundeliegenden
kardialen Risikoprofil, so hat sich diese Situation in den letzten
Jahren grundlegend geändert. Angetrieben durch mehrere große
Beobachtungsstudien konnte nachgewiesen werden, dass neben
den klassischen Risikofaktoren KHK, Hypertonie, Diabetes, etc.
auch eine präoperativ vorliegende Anämie Morbidität und
Mortalität eines endoprothetischen Eingriffes signifikant erhöht
(1). Diese Anämie muss hierbei nicht nur als Begleiterscheinung
der zugrundeliegenden Erkrankung verstanden werden, sondern
ist als eigener, unabhängiger Risikofaktor zu verstehen, der das
individuelle Risiko der eigentlichen Grunderkrankung noch
deutlich potenziert. Dieses Risiko lässt sich aber prinzipiell nicht
durch die Transfusion beheben, die ja an sich mit einer erhöhten
perioperativen Morbidität und Mortalität behaftet ist (2).
Daher finden heute vermehrt Programme Einzug in die klinische
Praxis, deren Wesentliche Bemühungen auf die Vermeidung von
Fremdblut einerseits, und die Therapie einer präoperativen
Anämie andererseits zielen. Der umfassendste Ansatz hierfür ist
im Moment das sogenannte „Patient Blood Management“.
Dieses Maßnahmenbündel setzt sich zusammen aus drei
unterschiedlichen Säulen: 1.) Einer Optimierung der
körpereigenen Erythropoese, 2.) der Anwendung von modernen
operativen und anästhesiologischen Verfahren zur Reduktion
des perioperativen Blutverlustes und 3.) der Ausnutzung und
Optimierung der körpereigenen Anämietoleranz. Jede einzelne
dieser drei Säulen kann sowohl prä-, intra- als auch postoperativ
zur Anwendung kommen. Hierbei führt weniger die Etablierung
einer Maßnahme zum Erfolg, als vielmehr die strategische
Kombination aller dieser Maßnahmen (2).
Gelingt es, einerseits die präoperative Vorbereitung der
Patienten im Zusammenspiel zwischen Orthopädie und
Anästhesie soweit zu optimieren, dass durch den zeitgerechten
6
Plenarvorträge
Einsatz von Eisen und Erythropoetin verhindert werden kann,
dass Patienten einen Eingriff anämisch antreten, dann wird es in
der überwiegenden Anzahl aller Fälle möglich sein, durch
moderne, ausgeklügelte Operationstechniken sowie ein
erweitertes anästhesiologisches Management mit Cell-Saver und
modernem Gerinnungsmanagement auf die Gabe von Fremdblut
verzichten zu können. Dieses Vorgehen erhöht ganz erheblich
die perioperative Sicherheit und ist bei entsprechender
Vorbereitung meistens möglich und heute keineswegs Fiktion
(3).
Quellen:
(1) Mantilla et al., Transfusion 2011, 51:82-91
(2) Shander et al., BJA 2012, 109:55-68
(3) Gombotz et al., Transfusion 2014, in press
Erfolgsrate der konservativen Behandlung nach
Hüftgelenksluxation: Prädiktoren für den Erfolg!
G. Wassilew1
1Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Klinik für Orthopädie,
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Einleitung: Die Inzidenz der Hüft-TEP Luxation wird mit 0,7%
bis 3,6% nach Primärimplantation und mit 5,1% bis 22% nach
Revisionsoperation angegeben. Dabei existieren patientenspezifische sowie operations-abhängige Risikofaktoren, welche
das jeweilige Risiko erhöhen. Zu den patientenspezifischen
Risikofaktoren zählen das Alter, BMI, Operationsindikation,
vorausgegangene
Revisions-operationen,
weibliches
Geschlecht, ein hoher präoperativer ASA-Score sowie
neurologische und psychiatrische Neben-erkrankungen. Die
operationsabhängigen
Risikofaktoren
umfassen
den
verwendeten
Zugang,
Implantatdesign,
Komponentenorientierung, knöcherne Defekte sowie die Weichteilspannung.
Aktuell wird nach der Luxation häufig ein primär konservativer
Therapieansatz verfolgt, welcher die Behandlung mit einer
Antiluxationsorthese beinhaltet. In der Literatur existieren jedoch
kontroverse Berichte über den Erfolg dieser Therapie. In der
vorliegenden Studie soll nun die Versagensrate der
konservativen Therapie mittels einer Antiluxationsbandage nach
Hüft-TEP Luxation untersucht werden. Zusätzlich soll der
Einfluss
patientenspezifischen und operationsabhängigen
Risikofaktoren auf den Erfolg und das Therapieversagen
untersucht werden.
Material und Methoden: Retrospektiv wurden alle Hüft-TEP
Luxationen, die in unserer Klinik zwischen 2007 und 2011
diagnostiziert wurden, eingeschlossen. Studienendpunkt für eine
erfolgreiche Therapie war eine Luxationsfreiheit von mindestens
12 Monaten. Patientenspezifische und operationsabhängige
Risikofaktoren wurden in einer Regressionsanalyse auf dessen
Risiko auf eine Re-Luxation untersucht.
Ergebnisse: Von 119 Patienten mit einer Luxation wurden 92
Patienten primär konservativ behandelt. Bei 29% der Patienten
zeigte eine konservative Behandlung Erfolg, bei 71% hingegen
kam es zu einer Re-Luxation. Von den patientenspezifischen
Risikofaktoren waren das weibliche Geschlecht, Patientenalter,
BMI, ein ASA-Wert ≥3 sowie das Vorhandensein von
psychiatrischen Nebendiagnosen wie einer Demenz mit einem
Versagen assoziiert. Hinsichtlich der operationsabhängigen
Risikofaktoren war lediglich die Verwendung eines anterolateraler Zugang bei der Indexoperation mit einem Erfolg der
Therapie verbunden. Die radiologischen Parameter zeigten keine
statistische Signifikanz bezüglich des Erfolgs oder der
Versagensrate der konservativen Therapie.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der vorliegenden Studie
zeigen, dass die konservative Therapie einer Hüft-TEP Luxation
mittels einer Antiluxationsbandage nur einen unzureichenden
Therapieerfolg aufweist. Risikofaktoren für ein Versagen dieser
Therapieform sind weibliche, ältere, multimorbide Patienten mit
einem hohen BMI und oder einer Demenz. Ein zuvor
verwendeter anterolateraler Zugang bei der Indexoperation wirkt
sich hingegen günstig auf den Erfolgt der Therapie aus.
Therapiemöglichkeiten durch Gleitpaarungswechsel
(Constraint, überhöht, Aufsteckköpfe) bei der
rezidivierenden Luxation
T. Gehrke (Hamburg)
- Kein Abstract vorliegend.Schrauben für die press-fit-Pfanne – wie viele? Wohin?
P. von Roth (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Versorgung ausgedehnter Defekte mit Individualimplantaten
H. Mau1, S. Luck1, T. Gehrke1
1Endoklinik Hamburg
Einleitung: Nach wie vor sind die Ergebnisse der acetabulären
Revision bei Paprosky IIIB Defekten unbefriedigend.
Insbesondere bei Verlust des dorsalen Pfeilers und Beckendiskontinuität ist eine dauerhafte Verankerung von
konventionellen Implantaten kaum noch möglich. Ein Ausweg
aus dieser Situation besteht in der Verwendung von individuell
angepassten Implantaten.
Material und Methoden: Seit 2012 wurden 5 Patienten mit
ausgedehnter knöcherner Destruktion des Beckens mit
individuell angefertigten Beckenimplantaten versorgt. Die
Patienten wurden klinisch und radiologisch nachuntersucht (NU
10-24 Mon.).
Ergebnisse: Alle Patienten hatten einen Paprosky IIIB Defekt
mit Beckendiskontinuität. und hatten schon mehrfache
acetabulären Revisionen. Alle Patienten ließen sich gut mit dem
Individualimplantat versorgen. Die OP-Zeit war deutlich kürzer
als bei aufwendigen Rekonstruktionen mit konventionellen
Implantaten. Zum letzten Nachuntersuchungszeitpunkt waren
alle Implantate stabil. An revisionsbedürftigen Komplikationen
traten 2 Luxationen. auf. Alle Patienten würden sich nocheinmal
dieser Operation unterziehen.
Schlussfolgerungen: Mit den hier vorgestellten Individualimplantaten lassen sich ausgedehnteste acetabuläre Defekte
effektiv und gut versorgen. Der Langzeitverlauf muß abgewartet
werden.
Rekonstruktion großer azetabulärer Defekte
P. Ritschl (Wien/AT)
- Kein Abstract vorliegend.Therapieprinzipien bei der Beckendiskontinuität
T. Kälicke (Bonn)
- Kein Abstract vorliegend.-
7
Plenarvorträge
Sitzung 5
Endoprothetik und Trauma
Die Schenkelhalsfraktur – ist die zementierte Versorgung
noch der Standard?
Der Gutachtenfall
C. Perka (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Pro – zementierte Versorgung
U. Stöckle (Tübingen)
- Kein Abstract vorliegend.Pro – zementfreie Versorgung
S. Tohtz (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Osteosynthese bei hüftgelenksnahen Frakturen – wann ist
der Gelenkerhalt gerechtfertigt?
K.-D. Schaser (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Technik der endoprothetischen Versorgung bei
fehlgeschlagenen osteosynthestischen Versorgungen
S. Tohtz (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Periprothetische Frakturen des Kniegelenkes
B. Füchtmeier (Regensburg)
- Kein Abstract vorliegend.Update – Ellenbogenendoprothethik nach Trauma
C. Jürgens1, H. Heuer1
1Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus Hamburg;
Abteilung für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie;
Hamburg
Einleitung: Mit zunehmendem Alter traumatologischer Patienten
steigt auch die Inzidenz von posttraumatischen Arthrosen des
Ellengelenkes. Auch kommt bei akuten ellengelenknahen
Trümmerfrakturen mit schlechter Knochenqualität, gerade bei
den sogenannten „low-plane“-Frakturen AO-Typ 13.B3 und C3
die Osteosynthese als Goldstandard an ihre Grenzen. Die
Ellengelenkendoprothetik bei posttraumatischer Arthrose oder
als primäres Versorgungsverfahren ist dabei auch nach einigen
Jahren Erfahrung noch nicht weit verbreitet. Das dauerhafte
Belastungslimit von 3 bis 5 kg des Armes zur Lockerungsprophylaxe sowie die anspruchsvolle Implantation mit flacher
Lernkurve sind dafür sicher mit verantwortlich. Die
Komplikationsrate wird jüngst mit etwa 25% angegeben [1]. Die
aseptische Lockerung ist hier die häufigste Komplikation mit 10%
bis 13%. Infektionen werden mit 3% Häufigkeit ebenso wie N.
ulnaris-Schäden angegeben.
Material und Methoden: Von 2012 bis 2014 haben wir 8
Eingriffe mit endoprothetischem Ellengelenkersatz bei posttraumatischer Arthrose durchgeführt. In 3 Fällen wurde eine
teilgekoppelte zementierte Variante verwendet und in 5 Fällen
ein zementierter gekoppelter distaler Humerusersatz bei großen
Knochenverlusten am distalem Humerus.
Ergebnisse: Die kurzfristigen Ergebnisse sind in Bezug auf die
Schmerzreduzierung zufriedenstellend. Der Bewegungsumfang
zeigte sich gerade in der ersten Zeit noch eingeschränkt,
verbesserte sich jedoch zusehends unter regelmäßiger
Physiotherapie. Langzeitergebnisse liegen in unserer Klinik nur
vereinzelt vor. Ein Patient zeigte sich 9 Jahre nach Implantation
einer teilgekoppelten zementierten Ellengelenkendoprothese
sehr zufrieden bei ungelockerter Prothese und Extension/Flexion
bei 0/40/100°.
Schlussfolgerung: Die Ellengelenkendoprotethik in der
Traumatologie und den Verschleißfolgen wird unserer Meinung
nach zunehmend ihre Bedeutung finden. Die Indikation ist jedoch
eng zu stellen. Der Patient muss genau über das Belastungslimit
aufgeklärt und auf seine Compliance hin genau eingeschätzt
werden, um die Komplikationsrate gering zu halten. Für junge
Patienten, die einen für den Berufsalltag belastbaren Arm
benötigen, ist die Arthrodese weiter wahrscheinlich die sicherere
Alternative.
Literatur:
(1) Voloshin I, Schippert DW, Kakar S, Kaye EK, Morrey BF.
Complications of total elbow replacement: a systematic review. J
Shoulder Elbow Surg. 2011;20:158–68.
Sitzung 6
Infektion
Infektionen nach Hüftendoprothetik – Was zeigen die
Implantat-Register?
N. Böhler1
1Johannes Kepler Universität am AKh Linz/Abteilung Orthopädie,
Linz, Österreich
Die häufigsten Revisionsgründe: Die Frequenz Infektbedingter Revisionen ist in den letzten 18 Jahren deutlich
gestiegen. Dies belegen nicht nur die Zahlen in Schwedischen
Registern, sondern auch in Neuseeland und England. So ist die
Infektion in Schweden der zweithäufigste Revisionsgrund im Jahr
2013, in Australien der dritthäufigste Revisionsgrund nach
Lockerung und Dislokation und ebenso in Neuseeland ebenfalls
nach Lockerung und Dislokation. Noch eindeutiger wird die
Situation wenn man auch mehrfach Re-Operationen
miteinschließt. In diesem Fall liegt die Infektion mit 38% als
Revisionsgrund an erster Stelle. Untersucht man die
Revisionsgründe im Lebenszyklus eines Implantates, so zeigt
sich, dass tiefe Infektionen anfangs für fast ¼ aller Revisionen in
Schweden verantwortlich sind. Diese Zahl sinkt nach 10 Jahren
auf unter 2%. Noch eindeutiger sind die Zahlen in Neuseeland,
da hier Infektionen für 1/3 aller Re-Operationen in den ersten drei
Jahren verantwortlich sind, nach 10 Jahren aber ebenfalls auf
unter 2% als Revisionsgrund zurück fallen.
Revisionsfrequenz und Patientenalter: Während Frakturen
und Dislokationen mit dem Patientenalter zunehmen, sinkt das
Infektionsrisiko ständig ab und ist am niedersten am Patienten
über 80 Jahre und zwar ähnlich nieder wie bei den ganz jungen
Patienten, die vor dem 50. Lebensjahr operiert werden
(Schwedisches Register).
Modularität und Infektion: Hier gibt unter anderem vor allem
das Australische Register sehr schöne Vergleichszahlen. Dabei
zeigt sich, dass Modularität wahrscheinlich durch erhöhte
8
Plenarvorträge
Abriebpartikel auch die Infektionsraten anhebt. Dies finden wir im
Vergleich von Steckhälsen und Standardhälsen (ExchangableFixed Neck) aber auch im Vergleich der Kopfprothesen, bei
denen unpolare Monoblockimplantate nur halb so viele
Infektionen aufweisen (0,36 %) wie unpolar modulare Implantate
(0,62%) und bipolare Kopfprothesen (0,63%).
Vergleich zementierter und zementfreier Implantate: Hier
zeigen sich eindeutig bessere Werte bei zementfreien Prothesen,
wobei hier Zahlen für Kopfprothesen vom Australischen Register
vorliegen (0,4% Infektrate zementfrei gegenüber 0,8%
Revisionsrate zementiert). Einen ähnlichen Trend zeigt auch das
Dänische Register, bei dem zementierte Prothesen zu 17,5% der
Revisionen geführt haben, während zementfreie Prothesen nur
zu 14,7% der Revisionen.
Laminar flow und Helmabsaugung: Einem interessanten
Thema widmet sich das Neuseeländische Register, das auch die
Operationsumgebung in Bezug auf laminar flow aber auch in
Bezug auf Operationskleidung mit Helmabsaugung untersucht
hat. Gegen alle Erwartungen erhöht die Helmabsaugung die
Revisionsrate um das doppelte und auch laminar flow-OPs
weisen eine circa 50% erhöhte Infektionsrate auf. Eine
Kombination von laminar flow und Helmabsaugung erhöht das
Infektrisiko auf das dreifache.
Zusammenfassung: Zusammenfassend kann gesagt werden,
dass Registerergebnisse einen wichtigen Beitrag zum Thema
Infektanalyse bieten. Sie zeigen nicht nur den ständig
ansteigenden Revisionsanteil an Infekt-bedingten ReOperationen, sondern geben auch detailliert Auskunft über
spezielle Risikogruppen. Neben der Wahl des geeigneten
Implantates, spielt natürlich auch die Operationstechnik und die
OP-Frequenz eine wesentliche Rolle.
Diagnostik des periprothetischen Infektes – Was gibt es
Neues?
D. Kendoff (Hamburg)
- Kein Abstract vorliegend.Kontrollnotwendigkeiten bei unterschiedlichen Präparaten
T. Winkler (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Minimierung des intraoperativen Infektionsrisikos durch
Prozessoptimierung
P. Gastmeier (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Bedeutung des Intervalls bei der zweizeitigen Revision – Wie
lange ist am besten?
A. Trampuz (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Septische Wechsel – Was geht aus Sicht des Mikrobiologen
schief?
L. Frommelt (Hamburg)
- Kein Abstract vorliegend. –
Antiinfektive Beschichtungen
K. Vertesich1, R. Windhager1, K.- D. Kühn2
1Medizinische universität Wien, Universitätsklinik für Orthopädie,
Wien, Oesterreich
2Medizinische Universität Graz, Graz, Oesterreich
Einleitung: Derzeit ist eine kombinierte systemische und lokale
antiinfektive Prophylaxe geeignet, um signifikant das Infektionsrisiko während eines endoprothetischen Eingriffes zu reduzieren.
In der zementierten Endoprothetik wird antibiotikahaltiger PMMAZement eingesetzt, der lokal durch die Freisetzung von
Antibiotikum für einen hohen Wirkspiegel sorgt. Bei zementfreien
Implantaten ist eine solche lokale Wirkstoffabgabe derzeit noch
nicht möglich. Antiinfektive Beschichtungen als präventive
Maßnahme bei der Verwendung zementfreier Endoprothesen
stellen einen weiteren sinnvollen Baustein dar, um die Sicherheit
zu erhöhen. Ziel dieser Arbeit ist es, eine reproduzierbare
Beschichtung für endoprothetische Primär-Implantate zu
erarbeiten, um diese vor einer Keimbesiedelung und
Biofilmbildung auf deren Oberfläche perioperativ zu schützten.
Material und Methoden: Diverse primäre Implantate, sowie
runde Titanformkörper mit Oberflächenbeschaffenheiten wie
primäre
Prothesen
werden
mit
Gentamicinpalmitat,
Octenidinlaurat und einer durch erwärmen flüssig gemachten
Mischung aus Vancomycin und Trilaurin beschichtet. Die
Substanzen werden mittels Airbrushpistolen aufgebracht, um ein
einfach reproduzierbares und wirksames Ergebnis zu erhalten.
Weiters werden die Implantate/Formkörper durch Tauchen
beschichtet. Zudem kommen Implantate zur Beschichtung, die
zuvor angewärmt bzw. gekühlt wurden. Mikrobiologische
Wirksamkeiten der Beschichtungen werden im Hemmhoftest mit
Staphylococcus aureus und Streptococcus epidermidis bei
Gentamicinpalmitat und Vancomycin Beschichtungen sowie
zusätzlich Candida albicans Kulturen bei Octenidinbeschichtungen durchgeführt.
Ergebnisse: Bei den beiden Besprühungsverfahren wurden alle
Materialien zuvor erwärmt. Bei Octenidinlaurat wurden
Wirkstoffkonzentrationen im Mittel von 0,45mg/cm 2 erreicht, bei
Gentamicinpalmitet von 0,145mg/cm2. Der Beschichtungsvorgang des Tauchens wurden die Materialien zuvor gekühlt und
dann unmittelbar in die auf 80°C erwärmte Lösung getaucht. Hier
konnten Ergebnisse von 0,156mg/cm2 erreicht werden.
Schlussfolgerung: Die Beschichtungsart des Tauchens würde
sich, aufgrund ihrer einfachen Reproduzierbarkeit und leichten
Handhabung, für eine perioperative Anwendung anbieten.
Aufgrund der Tatsachen, dass dies nur mit Vancomycin möglich
ist, ist es wohl für einen Einsatz als Präventivum bei primären
Implantationen nicht indiziert. Die Beschichtungsarten des
Besprühens, die sowohl bei Gentamicin als auch bei Octenidin
sehr gute Beschichtungsergebnisse mit sich bring, ist schwerer
durchzuführen, da sich der Sprühnebel im Raum verteilt. Hier
wäre es, wegen der sehr guten Präventionsmöglichkeiten einer
Infektion vorzubeugen, möglich im industriellen Fertigungsverfahren die Prothesen zu beschichten.
Manuelle Zumischung von Antibiotika zum Knochenzement
M. Lerchbaumer1, C. Kittinger2, M. Glehr3, A. Leithner3, K.- D.
Kühn3
1Medizinische Universität Graz, Graz, Oesterreich
2Medizinische Universität Graz, Institut für Hygiene, Mikrobiologie
und Umweltmedizin , Graz, Oesterreich
3Medizinische Universität Graz, Institut für Orthopädie und
orthopädische Chirurgie, Graz, Oesterreich
9
Plenarvorträge
The use of antibiotic-loaded PMMA- bone cements in two-stage
revision arthroplasty is a current method for treating prosthetic
infection. To guarantee a successful treatment there must be a
high initial antibiotic release. Within the last two decades
resistant germs became a problem in septic arthroplasty. The
goal is to investigate if a superficial addition of vancomycin
powder to bone cements during late polymerization period can
be a new alternative to treat prosthetic infections concerning
antibiotic elution and mechanical stability. At first standardized
moulds were made out of two high viscid bone cements Palacos®
R+G and Copal® G+V and covered one-sided with vancomycin
powder. Mechanical tests were performed according to ISO
5833:2002 standards. Furthermore the antibiotic release of the
covered Palacos® R+G in buffer was tested compared to the
uncovered bone cement by use of agar diffusion test against
MRSA. Palacos® R+G showed diameters ranging from 17mm at
minute 1 to 23.6mm at hour 24. With superficial addition of
vancomycin diameters increased from 24mm at Minute 1 and
27.3mm at hour 24. The mechanical tests of the Palacos ® R+G
revealed a bending strength of 60.8 MPa and a bending module
of 2089 MPa. Commercially produced bone cement Copal® G+V
reached bending strength of 56.8 MPa and bending module of
2283 MPa. At each measured moment of 24 hours the superficial
covered Palacos® R+G showed bigger diameters of inhibition.
The differences of diameters were higher during the first minutes
than at 24 hours. Although both bone cements reached the
minimum standards of 50 MPa according to ISO-5833 there was
a notable decrease of the bending module and bending strength.
By choosing the right antibiotics and dosing there could be a
higher antibiotic release while an adequate mechanical stability
could be ensured.
Abb. 1
Abb. 2
Sitzung 7
Knie-Primär 1
Schlittenprothese oder Umstellung – Was sind die Kriterien?
P. Lobenhoffer (Hannover)
- Kein Abstract vorliegend.Die isolierte Femoropatellararthrose
B. Fink (Markgröningen)
- Kein Abstract vorliegend.Definieren wir die Achsausrichtung in der Knieendoprothetik
neu?
H. Mayr (München)
- Kein Abstract vorliegend.Original und Prothese – kinematische Überlegungen zu
Prothesendesign und Operationstechniken
T. Calliess (Hannover)
- Kein Abstract vorliegend.PSI und kinematische Ausrichtung der Implantate – ein
Widerspruch?
H. Hommel (Wriezen)
- Kein Abstract vorliegend.Bandspannung bei der primären Knie-TEP – Wieviel
Stabilität braucht das Knie?
H. Windhagen (Hannover)
- Kein Abstract vorliegend.Design der Patellakomponente – relevant für den klinischen
Erfolg?
F. Gottsauner-Wolf (Krems/AT)
- Kein Abstract vorliegend.Optimierung von Implantaten – was können wir erwarten?
M. Hauschild (München)
- Kein Abstract vorliegend.-
10
Plenarvorträge
Sitzung 8
Knie-Primär 2
Kann ich am Ende der Operation das klinische Ergebnis
vorhersagen?
T. Pfitzner (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.Die postoperative Ganzbestandaufnahme – wann macht sie
Sinn?
H. Hommel (Wriezen)
- Kein Abstract vorliegend.Implantatüberstand – was ist schmerzhaft?
A. Beier (Sommerfeld)
- Kein Abstract vorliegend.-
werden. Es gab keine intra- oder postoperativen Komplikationen,
insbesondere kein Ausreißen der Eminentia intercondylaris oder
ein Impingement des Kreuzbandes an der femoralen
Komponente. Die frühen klinischen Ergebnisse und die patientreported outcome measures zeigen ermutigende Ergebnisse. Es
kam bislang zu keinen Revisionen. Obwohl das neue Implantat
Vanguard XP sowohl durch eine reproduzierbare OP-Technik als
auch Designmodifikationen gegenüber beide-Kreuzbändererhaltenden Knieprothesen älterer Bauart sicherlich eine
Verbesserung und sichere Operationsmethode darstellt, werden
erst weitere funktionelle Untersuchungen, wie z.B.
Propriozeptionstestungen, die evtl. Vorteile gegenüber CR- oder
PS-Oberflächenersatzprothesen aufzeigen können. Die frühen
klinischen Ergebnisse erlauben die Verfolgung dieses Konzeptes
für die Zukunft.
Abb. 1
Primäre Knieendoprothetik – zementfrei oder zementiert?
H. Reichel (Ulm)
- Kein Abstract vorliegend.Optimale Positionierung der Tibiakomponente – wie geht
das?
B. Christen (Bern/CH)
- Kein Abstract vorliegend.Innovation versus Tradition – wie geht es weiter?
H. Haas (Bonn)
- Kein Abstract vorliegend.VKB-erhaltende KTEP – Ist das die Zukunft?
C. O. Tibesku1
1sporthopaedicum Straubing
Obwohl die Rekonstruktion des Kniegelenks unter Opferung des
vorderen Kreuzbandes die Standardversorgung in der
Kniegelenksendoprothetik darstellt, kann die daraus
resultierende vordere Instabilität sicherlich zu einem Teil für die
ungenügende Patientenzufriedenheit verantwortlich sein. Die
vordere Instabilität führt zur sog. „quadriceps avoidance“ mit
einer relativen Schwächung des Streckapparats im Verhältnis zur
Ischiocruralmuskulatur und das Fehlen des vorderen
Kreuzbandes zu einer verminderten Propriozeption. Es gab in
der Geschichte der Knieendoprothetik mehrfach Versuche, einen
Oberflächenersatz unter Erhalt beider Kreuzbänder oder auch
die Kombination von medialen und lateralen Schlittenprothesen
durchzuführen. Diese Konzepte konnten sich aus verschiedenen
Gründen (z.B. Implantatbruch, schwierige, z.T. nicht ausgereifte
OP-Technik, geringe Beugefähigkeit) nicht dauerhaft
durchsetzen. Die Vanguard XP Prothese ist ein neuartiges
Konzept, welches auf einer bereits etablierten Prothesenfamilie
beruht, und in Bezug auf die Standardisierung der OP-Technik
deutliche Verbesserungen aufweist, um eine weitere Verbreitung
zu ermöglichen. In der Zeit von 12/2013-10/2014 wurden
insgesamt 30 Patienten mit einem beide-Kreuzbändererhaltenden Oberflächenersatz Vanguard XP versorgt. Die OPTechnik zeichnet sich durch eine Standardisierung und
Vereinfachung
gegenüber
Vorgängermodellen
aus.
Komplikationen oder Nachteile früherer Modelle, wie Bruch des
Verbindungsstegs zwischen medialem und lateralen
Kompartment und schlechte Beugefähigkeit konnten durch
Designveränderungen und verbessertem Verständnis der
notwendigen Bandspannung des tibialen Slopes vermieden
11
Plenarvorträge
Abb. 2
Sitzung 9
Knie-Revision 1
Warum ist der KTEP-Patient unzufrieden?
J. Jerosch (Neuss)
- Kein Abstract vorliegend.Prädiktoren für das Outcome nach Knie-TEP-Wechsel
G. Matziolis (Eisenberg, Jena)
- Kein Abstract vorliegend.Patellarekonstruktion bei Knie-TEP-Wechsel
B. Christen (Bern/CH)
- Kein Abstract vorliegend.Die Rekonstruktion der Rektussehnenruptur
P. Ritschl (Wien/AT)
- Kein Abstract vorliegend.Zugangserweiterungen in der Revisionsendoprothetik
K.-D. Heller1
1Orthopädische Klinik Braunschweig, Herzogin ElisabethHospital Braunschweig
Abb. 3
Robotik am Knie – nur amerikanisches Marketing?
D. Kendoff (Hamburg)
- Kein Abstract vorliegend.-
In der Wechselsituation reicht üblicherweise zur Knieexposition
der mediale parapatellare Zugang. Eine systematische und
sorgfältige Präparation ist von wesentlicher Bedeutung. Das
Entfernen des Narbengewebes ist zielführend. In etwa einem
Viertel der Revisionen kann die Patella nicht nach lateral
subluxiert werden. Die auf den Streckapparat wirkenden Kräfte in
Flexion werden zu groß und es droht die Gefahr des
Patellarsehnenabrisses. Reicht die Kombination aus lateralem
Release und Onlay-Entfernung zur Eversion nicht aus, so
empfiehlt sich eine stadienhafte Zugangserweiterung. Diese
besteht entweder aus dem ansatznahen Vorgehen im Sinne der
Tuberositas tibiae-Osteotomie oder aus einem proximalen
Vorgehen im Sinne eines Rectus Snip oder eines Patella
Turndown. Die Entscheidung hierzu ist abhängig von der
Knochenqualität, von der Konfiguration des Knochens im Bereich
der Tuberositas, von der Stellung der Kniescheibe sowie von der
Art der Kontraktur. Der Rectus Snip ist technisch einfach und
wenn möglich vorzuziehen. Er führt üblicherweise zu einer guten
Übersicht und hat postoperativ keine gravierenden Nachteile. Bei
Bedarf kann dieser lateral im Sinne eines Quadrizeps Turndown
erweitert werden. Insbesondere bei einer Patella baja empfiehlt
sich die Tuberositas tibiae-Osteotomie. Für die Reosteosynthese
sind verschiedene Techniken denkbar und werden beschrieben.
Die Literatur diesbezüglich wird ausgewertet und präsentiert. Sie
zeigt bei der Tuberositas tibiae-Osteotomie und dem Turndown
gleiche Ergebnisse. Beide Verfahren zeigen signifikant
schlechtere Ergebnisse als der Standardzugang. Das
Streckdefizit bei der Tuberositas tibiae-Osteotomie ist geringer.
Die Rate an unzufriedenen Patienten scheint größer. Die
Nachbehandlungsschemata werden erläutert. Abschließend wird
ein Algorithmus vorgestellt. Damit die Knierevision nicht zum
Abenteuer wird, ist die exakte Kenntnis der weiteren Zugänge
essenziell. Die Zufriedenheit der TTO ist geringer als bei der VYPlastik bzw. dem Quadrizeps Turndown trotz des dort häufiger
vorkommenden Streckdefizits. Die TTO hat insbesondere eine
höhere Rate an Beschwerden beim Knien und häufiger
Restschmerzen.
12
Plenarvorträge
Therapieoptionen bei Patella baja
M. Rudert1
1Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus, Universität Würzburg
Einleitung: Die Höhe der Kniescheibe in Relation zum
femoropatellaren Gleitlager (der Trochlea) wird durch die
Bezeichnungen Patella alte (zu hohe Patella) oder Patella baja
(infera = zu niedrige Patellaposition) klassifiziert. Die Messung
der genauen Patellaposition erfolgt am besten im standardisierten seitlichen Röntgenbild in leichter Kniegelenks-flexion
im Vergleich zu Gegenseite (absolut). Relativ kann die Höhe mit
dem modifizierten Insall-Salvati-Index (Patella baja = < 0,8) oder
mit dem Blackbourne-Peel-Index (Patella baja = < 0,5)
gemessen werden. Der modifizierte Insall-Salvati-Index
beschreibt eine reelle Verkürzung des Ligamentum patellae
während der Blackbourne-Peel-Index nur die relative Position der
Patella zum Tibiaplateau erfasst. Es ist wichtig, die PseudoPatella baja durch eine zu hoch liegende Gelenklinie
abzugrenzen. Diese kann durch eine proximale Positionierung
der Femurkomponente und relativ zu viel Aufbau am
Tibiaplateau entstehen.
Therapieoptionen: Die Therapieoptionen bei der Kniegelenksendoprothetik zur Behandlung der Patella baja hängen stark von
ihrer Ursache ab. Eine reelle Verkürzung des Ligamentum
patellae durch Vernarbung kann nur schwer direkt behandelt
werden. Theoretisch ist eine Z-Plastik oder Stichelung des
Ligaments zur direkten Verlängerung möglich. Hier liegen jedoch
in der Literatur keine belastbaren Daten vor. Ist es zu einer
Verkürzung durch Vernarbung an der proximalen Tibia
gekommen, kann diese operativ gelöst werden. Das ist jedoch
sicher in den selteneren Fällen eine Option. Wahrscheinlicher ist
eine erfolgreiche Reorientierung der Patella durch die
Tuberositasversetzung nach proximal. Diese kann gut berechnet
werden und führt zu vorhersehbaren Ergebnissen. Liegt die
Ursache der zu tief stehenden Patella in einer zu proximalen
Positionierung der Femurkomponente, muss sich ein
Prothesenwechsel mit femoralem Aufbau des Defektes
anschließen. Auch dies führt zu einer vorhersehbaren Korrektur,
ist allerdings mit dem Nachteil eines Prothesenwechsels
verbunden.
Literatur:
(1) Pfitzner T, Perka C, Matziolis G. Patellahöhenstand nach
Kniegelenkendoprothesenimplantation:
Einfluss
der
radiologischen Aufnahmebedingungen. Orthopäde 2009;38:61621.
(2) Grelsamer RP. Patella baja after total knee arthroplasty: is it
really patella baja? The Journal of arthroplasty 2002;17:66-9.
(3) Jawhar A, Sohoni S, Shah V, Scharf HP. Alteration of the
patellar height following total knee arthroplasty. Archives of
orthopaedic and trauma surgery 2014;134:91-7.
Sitzung 10
Knie-Revision 2
Der vordere Knieschmerz – Untersuchungstechniken und
Differentialdiagnosen
R. Hube (München)
- Kein Abstract vorliegend.GOÄ-Reform aus Sicht der Endoprothetik
K.-D. Heller1
1Orthopädische Klinik Braunschweig, Herzogin ElisabethHospital Braunschweig
Im November 2009 vereinbarte die schwarz-gelbe Koalition die
Novellierung der Gebührenordnung der Zahnärzte und der
Gebührenordnung der Ärzte in ihrem Koalitionsvertrag. Während
die GOZ novelliert wurde, gelang dies bis 2013 bzgl. der GOÄ
nicht mehr. Die derzeitige GOÄ wurde im Jahre 1982
gesamtrevidiert und letztmalig 1996 teilrevidiert. Sie ist somit
sowohl finanziell als auch inhaltlich deutlich veraltet. Seitens der
Fachgesellschaften, des VLOU und des BVOU begleiten wir die
GOÄ-Novelle seit 2010. Der Erstautor hat sich im Zusammenhang mit der Gebührenordnung für Endoprothetik engagiert und
wird im Rahmen dieses Vortrages die Besonderheiten, die
derzeitigen Kuriositäten und das momentane Ergebnis, sofern es
nicht nach wie vor dem beiderseitigen Stillschweigen unterliegt,
vorstellen. Die Verhandlungen finden derzeit statt zwischen einer
personell unterbesetzten Bundesärztekammer, unterstützt durch
den Vortragenden, sowie einer medizinisch, fachlich und
juristisch gut gerüsteten privaten Krankenversicherung. Ein
wesentlicher Pferdefuß ist ein seitens der Bundesärztekammer
angedachtes Zeitleistungsprinzip, welches die Konzeption einer
Gebührenordnung wesentlich beeinflusst. Am Beispiel der
Endoprothetik kann nun die angedachte Aktualisierung vorgestellt werden. Bezüglich der Veränderungen der pekuniären
Seite können derzeit mangels Fortschritt und mangels Mitteilung
der Bundesärztekammer keine Aussagen getroffen werden.
Ersetzen Sleeves die Stiele in der Knieendoprothetik?
H. Mayr (München)
- Kein Abstract vorliegend.Impaction bone grafting – eine Alternative bei der
Knierevision?
M. Rudert1, U. Nöth2, B. Holzapfel1,3,
1Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus, Universität Würzburg
2Waldkrankenhaus Spandau, Berlin
3Institute of Health and Biomedical Innovation, Queensland
University of Technology, Australien
Einleitung: Die Zahl der Implantationen an Hüft- und Kniegelenk
ist in den letzten Jahren in Deutschland stark angestiegen. Die
Zahl der konsekutiven Wechseloperationen bei aseptischer oder
septischer Lockerung von Prothesenzahlen nimmt zu.
Problematisch werden diese dann, wenn ein großer Knochendefekt entsteht, der die alleinige Auffüllung durch Zement oder
Metallaugmente nicht mehr erlaubt. Eine Alternative ist die am
Hüftgelenk gut bekannte Verwendung von allogenem Knochenmaterial in Impaction bone grafting-Technik.
Material und Methoden: Zwischen 2010 und 2012 wurde bei 28
Patienten mit periartikulären ausgedehnten Knochendefekten
[AORI-Grad (Anderson Orthopaedic Research Institute): 21× F3,
13
Plenarvorträge
3× F2, 13× T3, 8× T2] ein Knieprothesenwechsel durchgeführt.
Zur Defektauffüllung wurde eine Impaktierung von Spenderknochen vorgenommen.
Ergebnisse: Das durchschnittliche Follow-up lag bei 27,7
Monate (21–47 Monate). Im Durchschnitt waren pro Patient 2,5
vorausgehende Wechseloperationen erfolgt. Das Implantatüberleben betrug 82,0% (95%-KI =62,5–92,1%) für den
Endpunkt jegliche Revision und 93,1% (95%-KI =74,5–98,4%) für
den Endpunkt aseptischer Wechseleingriff. Der mittlere
postoperative WOMAC-Score (Western Ontario and McMaster
Universities Osteoarthritis Index) lag bei 35,4 (3,3–101,6;
Standardabweichung, SD: ±26,2), der mittlere KSS (Knee
Society Score) bei 70,6 (20–100; SD: ±26,8).
Schlussfolgerung: Aus unserer Sicht ist die Defektauffüllung
von Knochendefekten am Kniegelenk bei der Wechselendoprothetik eine gute Methode, um diese zu überbrücken. Die
Ergebnisse über 2 Jahre Nachbeobachtung sind vielversprechend. Natürlich sind auch hier die üblichen Risiken der
Revisionsendoprothetik fortbestehen. Das allogene Material dient
lediglich als Platzhalter mit der potentiellen Möglichkeit der
biologischen Inkorporation, die aber nicht Voraussetzung für den
Erfolg der Behandlung ist.
Literatur:
(1) M. Rudert , B.M. Holzapfel, E. von Rottkay, D.E. Holzapfel, U.
Noeth (2015) Impaction bone grafting for the reconstruction of
large bone defects in revision knee arthroplasty. Oper. Orthop.
Traumatol
Gelenklinie – Indikationen zur Verschiebung
S. Tohtz (Berlin)
- Kein Abstract vorliegend.35 Jahre Endoprothetik – was habe ich gelernt?
G. von Foerster (Hamburg)
- Kein Abstract vorliegend.-
14
Postersessions
Hüftendoprothetik
P1
Early clinical and radiological outcome of total hip
replacement with the short uncemented Minima hip stem,
Lima corporate spa
N. Cvorak1
1KH mittersill, Orthopädie, Mittersill, Oesterreich
Introduction:
The aim of this study was to perform the surgical technique,
analysis of early results and to collect own experiences with
Minima stem and Delta TT Cup. The goal of investigations was to
prove:
A) intraoperative ability for reconstruction of center of rotation,
leg length, hip offset in ifferent CCD angle and morpho-cortical
femur index type, age independent and
B) control of postoperative proximal femoral pain and corticalperiostal hyperostosis or stress shielding.
Materials and Methods:
We have prospectively evaluated the clinical and radiographic
results of 40 total hip arthroplasties (in 39 patients) since
February 2013. Hip arthroplasty was performed in minimal
invasive anterolateral approach, supine position, using a
Condor® retractor system, with two surgeons, in general or
spinal anaesthesia and 24 hour antibiotic infection prophylaxis,
with using an uncemented monolithic Minima stem® standard or
lateralized, manually impacted, combined with a Delta TT cup®,
ceramic-ceramic pairing, Lima corporate spa. We have used
mediCAD Classic® software for preoperative template planning
and postoperative control. Clinical and radiological x-ray control
was performed intraoperativ, at the day of hospital discharge, 6
weeks, 6 months and 12 months after surgery.
Results:
It was possible to perform minimal invasive surgical technique in
all patients
A) Stem design show intraoperativ ability for reconstruction the
center of rotation and leg length in different morpho-cortical
femur index typ and age of patient, analogous the digital
template planning. Hip offset could not be reconstruct in 3 (7.5%)
cases of extremely varus CCD angle. No squeak phenomena
were observed.
B) None of the patient showed the cortical hyperostosis, stress
shielding or some heterotopic ossification. 2 Patient have a
temporary thigh pain (both of them shows in x- ray examination
the impingement between the distal pole of stem an posterior
cortical femoral wall.
Complication:
One stem in case of infection
One patient produced clinical irrelevant fracture of the top of
greater trochanter.
One patient showed the stem subsidence during the first 3 weeks
after surgery.
Conclusion:
The short uncemented monolithic Minima® stem design enables
us to do minimal invasive hip surgery, providing sufficient bone
stock and neuro-vascular-muscle structure for eventually future
revisions surgery.
He show an excellent survival rate in the short term with very
good primary stabilisation, allowing early full weight bearing.
We could not find the signs of periostal hyperostosis or stress
shielding in the early time after hip replacement.
Important to avoid the thigh pain is correctly implantation of stem
trough prevent impingement between the distal pole of the stem
and femoral cortical wall and stable methaphyser cortical stem
impaction.
We could reconstruct about 90 % offset type with monolithic
standard or lateralized Minima stem, but we could not reconstruct
the extremely varus hip. In this cases we needed the modular
stem or monolithic lateralized stem with more varus CCD (~124°)
angle.
Age is not the exclusion criteria for the total joint replacement
with the Minima stem.
Exclusion criteria for uncemented hip replacement is still the
score more the 6 “Reliable Decision-Making Trough Methodology
“ by Prof. Lorenzo Spotorno.
We are still looking for a tool for intraoperativ navigation and
control of position of the stem and cup.Nevertheless, long- term
studies are required.
P2
Periprothetische Hüft-TEP Frakturen - mittelfristige
Ergebnisse, Revisionen und Komplikationen
M. Schneider1,2, K. Wenda2, V. Hertel3,4
1St. Josefs-Hospital, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie,
Wiesbaden, Deutschland
2Dr. Horst-Schmidt-Klinik, Klinik für Unfall-, Hand- und
Orthopädische Chirurgie, Wiesbaden, Deutschland
3Dr. Horst-Schmidt-Klinik, Klinik für Orthopädie und
Unfallchirurgie, Wiesbaden, Deutschland
4Heilig-Geist-Hospital, Chirurgie II, Bingen, Deutschland
Einleitung: Die Inzidenz der periprothetischen Frakturen wird
zukünftig ansteigen. Die oft älteren und multimorbiden Patienten
stellen uns oft vor große Herausforderungen. Trotzdem gibt es
bisher nur wenige konsekutive Nachuntersuchungen. In der
Literatur werden Revisionsraten bis 33% und Komplikationsraten
bis 48% beschrieben.
Material und Methode: Von 2009 - 5/2014 wurden in der HSK
Wiesbaden 50 Patienten wegen einer periprothetischen HüftTEP Fraktur operativ behandelt. Das durchschnittliche Alter der
Pat. lag bei 79 (51-94) Jahren mit einem durchschnittlichen ASA
von 3 (2-4) und einem Charlson-Comorbidity-Index von 5 (2-9).
In 25 Fällen erfolgte eine Osteosynthese, 18x ein Schaft- und 3x
ein Pfannenwechsel. In 4 Fällen wurde ein TEP-Ausbau,
teilweise in Kombination mit einer Osteosynthese, durchgeführt.
Ergebnisse: 100% der Pat. konnten nachuntersucht bzw.
ausgewertet werden. Die Gesamtrevisionsrate betrug 20%. Es
bestand
kein
signifikanter
Unterschied
zwischen
Implantatwechsel oder Osteosynthese. Die postoperative
Infektionsrate lag bei 4%. In 75% waren die Pat. zufrieden mit
dem erzielten Ergebniss. Der Ø Harris-Hip Score lag bei 75 und
der Ø Oxford-12 Score ergab einen Wert von 36. Die klinischen
Ergebnisse nach Implantatwechsel waren klinisch nicht
signifikant besser als nach Osteosynthese. Der durchschnittliche
DRG Erlös betrug 12100€ nach Implantatwechsel und 7700€
nach Osteosynthese.
Schlussfolgerung: Die oft komplexen periprothetischen Frakturen
treten gehäuft bei älteren und multimorbiden Patienten auf. In
den nächsten Jahren ist mit einem kontinuierlichem Anstieg zu
15
Postersessions
rechnen. Trotz einer Revisionsrate um 20% sind in 75% der Fälle
gute klinische Ergebnisse zu erzielen. Die bisherigen DRG
Erlöse spiegeln nicht die meist aufwendigen und teuren
Behandlungen wieder.
P3
Bipolare Pfannensysteme in der Primärendoprothetik
D. Serejko1, D. Ganzer1
1Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg, Klinik für
Orthopädie und Unfallchirurgie, Altentreptow, Deutschland
Die Indikation für bipolare Pfannensysteme in der
Hüftendoprothetik wird kontrovers diskutiert. Klinische
Vergleichsstudien zu herkömmlichen Pfannensysteme gibt es
gegenwärtig noch nicht in einer randomisierten prospektiven
Studie haben wir daher 120 Patienten nach elektiver primärer
Hüfttotalendoprothesenimplantation unter Verwendung eines
bipolaren Pfannensystems bzw. einer klassischen Pressfitpfanne
in einem klinischen und röntgenologischen Verlauf erfasst. Ziel
war der Vergleich der klinischen Scores (HHS, WOMAC-Score)
sowie die Einzel-Bild-Röntgenanalyse (EBRA) zu möglichen
Positionsveränderungen nach Pfannenimplantation mit den zwei
verschiedenen
zementfreien
Hüft-Pfannenimplantaten.
Zusätzlich wurden allgemeine radiologische Parameter nach
Hüft-TEP Implantation (Gruen-Zonen, Lysesäume) bestimmt und
verglichen.
In dem Zeitraum von Oktober 2011 bis September 2012 wurden
120 Patienten (60 pro Arm) in die Studie akquiriert. Die
Randomisierung erfolgte 1:1 in 2 Kontrollgruppen. In der ersten
Kontrollgruppe erfolgte die Implantation einer zementfreien
double-mobility Hüft-TEP-Pfanne vom Typ SelexSys DS
(Mathys, Bettlach, Schweiz), die Patienten der zweiten
Kontrollgruppe erhielten eine zementfreie isoelastische
Monoblock Hüft-TEP-Pfanne vom Typ RM-Pressfit (Mathys,
Bettlach, Schweiz). Die Verlaufsbeobachtung betrug 24 Monate
und wurde am 10. postoperativen Tag, sowie nach 6, 12, 18, 24
Monate postoperativ durchgeführt.
In den 2-Jahresergebnissen zeigte sich im frühzeitigen Verlauf,
besonders in den ersten 6 Monaten hinsichtlich der subjektiven
Patientenbetrachtung in allen drei Aspekten des WOMAC
Arthrose-Index (Schmerz, Steifigkeit, körperliche Tätigkeit)
signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen zu Gunsten
des bipolaren Pfannenimplantats. Dieses wird ebenfalls durch
den Harris-Hip-Score bestätigt. Relevante Unterschiede in allen
erfassten klinischen Parametern sind nach 2 Jahren nicht mehr
nachweisbar. Die frühzeitigen Ergebnisse dieser ersten
Vergleichsstudie zwischen den beiden Pfannensystemen zeigen,
dass das der Einsatz eines bipolaren Pfannenprinzips eine
Alternative für selektierte Patientengruppen bietet und ein
vergleichbares Endresultat in der Primärendoprothetik
ermöglicht. Die Indikation für dieses Implantat sehen wir auf
Grund der Studie insbesondere in einem betagten bzw.
geriatrischen Klientel.
Einleitung: Finite Element Analysen (FEA) dienen in der
Endoprothetik der Vorhersage von Lastübertragung, StressShielding und Knochenumbauprozessen. Allerdings gibt es nur
wenige Daten, in wie weit die FE Analysen diese Prozesse
tatsächliche zuverlässig vorhersagen können. Daher wurde
evaluiert, in wie weit die vorhergesagten knöchernen
Umbauprozesse einer FEA mit den Ergebnissen einer
Explantate-Studie von zementfreien Oberflächenersatzprothesen
übereinstimmen.
Material und Methode: Die Lastübertragung und das StressShielding
von
zwei
unterschiedlichen
zementfreien
Oberflächenprothesen der Schulter (CSRA), Epoca RH
(kronenförmige Stem-Fixierung) und Copeland (zapfenförmige
Stem-Fixierung) wurden anhand einer 3-dimensionalen FEA
evaluiert. Hierzu wurden die Implantate virtuell in jeweils einem
normalen und osteoporotischen Knochen implantiert und dabei
die Veränderungen der Lastübertragung in 8 Regionen unter
dem Implantat bestimmt. Anschließend wurden die in der FEA
virtuell ermittelten Knochenumbauprozessen mit den
Ergebnissen von humanen CSRA Explantaten (n=8) und nativen
Humerusköpfen anhand von Kontaktradiographien aus dem
Implantat- und Kopfzentrum verglichen.
Ergebnisse: Die FEA zeigte für beide CSRA Designs eine
vermehrte Krafteinleitung im Bereich der Stems und am äußeren
Implantaterand, was auf eine erhöhte Knochenapposition in
diesen Bereichen hinweist. Hingegen wurde eine deutliche
Reduktion der Krafteinleitung (Epoca RH 50-85% und Copeland
31-93%) für die zentralen Knochenlagerregionen direkt unter
dem Implantat ermittelt, was auf einen deutlichen Knochenabbau
hinweist. Relativ hohe und inhomogene Stressspitzen wurden
insbesondere im osteoporotischen Knochenmodel sowie am
distalen Stem der Copeland Prothese beobachtet (Fig. 1).
Schlussfolgerung: Die FE Analyse ergab für beide
Oberflächenprothesen ein deutliches Stress-Shielding. Die
Lastübertragung wurde über die Stems und den Implantaterand
vorhergesagt und war suggestiv für einen Abbau des zentralen
Knochenlagers. Beide Annahmen bestätigten sich in der Analyse
der humanen Explantate. Daraus kann geschlossen werden,
dass FE Analysen eine sinnvolle Methode dazustellen um neue
Implantate zu evaluieren.
Abb.1
P5
Können Finite Elemente Analysen Knochenumbauprozesse
in der Endoprothetik vorherzusagen? Eine FEA und
Explantate-Studie an zementfreien
Oberflächenersatzprothesen
F. Schmidutz1,2, P. E. Müller1, Y. Agarwal2, G. R. Richards2, B.
Gueorguiev2, C. M. Sprecher2
1Klinikum der Universität München (LMU) , Klinik für Orthopädie,
Physikalische Medizin und Rehabilitation, München, Deutschland
2AO Research Institute , Davos, Schweiz, Schweiz
16
Postersessions
Abb. 2
P6
Welchen Einfluss haben eine Kopf-Schaft-Konus
Fehlpaarung und die Wiederverwendung von benutzten
Schaftkonen auf die Versagenslast von keramischen
Kugelköpfen?
J. Gührs1, F. Witt1, A. Krull1, M. Körner1, M. Morlock1
1Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für
Biomechanik, Hamburg, Deutschland
Einleitung: Trotz unbestreitbarer Vorteile von modularen
Hüftendoprothesen für Patient und Arzt kann das zusätzliche
Interface zwischen Kopf und Schaft Probleme verursachen.
Bedingt durch die Vielzahl an Herstellern und spezifischen
Designs können im klinischen Alltag versehentlich inkompatible
Kopf-Schaft Paarung verwendet werden („mix and match“
Problematik). Dies hat in der Vergangenheit zu Komplikationen
wie z.B. Bruch von Keramikköpfen geführt und ist von den
Herstellern untersagt [1,2]. Im Revisionsfall muss der Arzt
entscheiden, ob ein gut verankerter femoraler Schaft ersetzt
werden muss, weil der Konus vorbenutzt und eventuell
geschädigt ist. Klinisch zeigte sich bei Wiederverwendung des
Schaftes mit neuem Keramikkopf kein erhöhtes Frakturrisiko [3],
aber einzelne Fallberichte von gebrochenen Köpfen nach der
Revision existieren [4]. Ziel der Studie war deshalb die
experimentelle Untersuchung der Versagenslast von
Keramikköpfen bei Kopf-Schaft Fehlpaarung und erneuter
Verwendung von Konusverbindungen.
Material und Methode: Die Frakturlast von Al2O3 Keramikköpfen
(BIOLOX forte®; Ø 28mm, L) wurde entsprechend ISO 7206-10
durch Aufbringen einer axialen Last bestimmt. Fehlpaarung
wurde durch Verwendung von „Type 1“ Biomet Schaftkonen mit
„V40“ (5°40‘) Köpfen simuliert (Konuswinkeldifferenz 1,7°, n=5).
Für die Wiederverwendung wurden je 3 Keramikköpfe pro
Schaftkonus nacheinander bis zum Bruch belastet
(Konuswinkeldifferenz 0,09°, jeweils n=5). Vor und nach jedem
Test wurden Schaft und Kopffragmente einer Sichtprüfung
unterzogen. Des Weiteren wurde die Oberflächengeometrie
mittels Koordinatenmessung (Mitutoyo® Deutschland GmbH)
und Fokusvarianzmikroskopie (Alicona® Imaging GmbH)
untersucht.
an. Bei Kopf-Schaft Fehlpaarungen zeigten sich deutliche
Unterschiede in Metallübertrag und Fragmentanzahl (Abb.2). Mit
niedriger Frakturlast nimmt die Anzahl der Fragmente ab (r=0,91,
p≤0,01).
Schlussfolgerung: Die Frakturlasten bei Kopf-Schaft
Fehlpaarung waren im Vergleich zur korrekten Paarung sehr
niedrig. Inhomogener Metallübertrag auf den Keramikfragmenten
wies auf eine kleine Kontaktfläche mit hohen Spannungen hin.
Die stark ansteigende Streuung der Frakturlasten bei
Wiederverwendung von Schäften zeigte, dass es vereinzelt zu
Kopfbrüchen bei sehr niedrigen Lasten kam. Sowohl „mixing and
matching“ als auch die Kombination von Schäften nach
Keramikkopfbruch mit neuen Keramikköpfen ohne Adapterhülse
muss unbedingt vermieden werden, da beides zu
Keramikkopfbruch bei in vivo relevanten Lasten führen kann.
Literatur
[1] Hohman et al Am J Orthop 2011;40(11):571-3
[2] Weisse et al. Proc Inst Mech Eng H 2008;222:829-35
[3] Hannouche et al Clin Orthop Relat Res 2010;468:3322-27
[4] Pulliam et al JBJS Case Con 1997;79:118-9
Abb.1
Abb. 2
Ergebnisse:
Kopf-Schaft
Fehlpaarung
und
die
Wiederverwendung zeigten einen signifikanten Einfluss auf die
Frakturlast (Abb.1). Die Komponenten mit Konusfehlpaarung
wiesen eine signifikant niedrigere Frakturlast auf (p<0,001). Bei
der mehrfachen Verwendung der Schäfte blieb die mittlere
Frakturlast unverändert aber die Streuung der Frakturlasten stieg
17
Postersessions
P8
Einfluss von Implantatrauigkeit und Press-Fit auf den
Reibungskoeffizienten bei Implantation und Auszug
N. B. Damm1, N. E. Bishop1, M. M. Morlock1
1Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für
Biomechanik, Hamburg, Deutschland
Einleitung: In der Endoprothetik werden implantatseitig
zunehmend rauere Oberflächen verwendet um hohe
Primärstabilität durch Reibung zu erzielen. Eine frühere Studie
an verschiedenen Oberflächen hat gezeigt, dass die
Primärfestigkeit linear abhängig von der Implantationskraft,
jedoch unabhängig von der Oberflächenrauigkeit ist [1]. Das
führte zu der Hypothese, dass sich der Reibungszustand
zwischen Knochen und Oberfläche durch die Poren auffüllenden
Knochenabrieb angleicht und somit zu ähnlichen
Reibungskoeffizienten führt. Die Überprüfung dieser Hypothese
ist Inhalt dieser Studie.
Material und Methoden: Eine experimentelle ImplantatKnochen-Testvorrichtung, die es ermöglicht ein kontrolliertes
Übermaß (Press-Fit) in axialer und radialer Richtung zu
erzeugen, wurde entwickelt (Abb.1). Mit dieser Vorrichtung
wurde ein radiales Übermaß von 300, 600 und 900μm bei einem
Winkel von 3.5° zwischen femoralen Knochenwürfeln (human)
und Implantat sowohl durch axialen (klinischen) als auch radialen
(„Ausdehnen“) Press-Fit erzeugt. Zwei klinisch verwendete
Beschichtungen (Porocoat und Gription, DePuy) wurden
untersucht, eine polierte Oberfläche diente als Kontrolle (je n=3).
Implantations- und Auszugskräfte wurden aufgezeichnet und die
Reibungskoeffizienten berechnet.
näheren Untersuchung, um nicht aufgrund mechanischer Vorteile
zu falschen klinischen Schlussfolgerungen zu kommen.
Literatur
[1] Bishop, N. E.; Journal of Biomechanics 47 (2014) 6, S. 1472-78.
Unterstützt durch DePuy Orthopaedics.
Abb. 1
Abb. 2
Ergebnisse: Die Reibungskoeffizienten der rauen Oberflächen
lagen wie erwartet deutlich über denen der polierten (Abb.2). Die
Reibungskoeffizienten um den gewünschten Press-Fit zu
erreichen war bei allen rauen Beschichtungen größer als die
Reibung beim Auszug, wobei der Unterschied für die Porocoat
Oberfläche etwas kleiner war. Für höhere Übermaße liegen
Implantations- und Auszugsreibungskoeffizienten für Gription
über denen für Porocoat. Radiale Ausdehnung auf 300μm PressFit mit Gription zeigt den höchsten Reibkoeffizienten (Abb. 2).4.
Diskussion Die Einführung der 3D-Hüftplanung und die
entsprechenden Nachuntersuchungsergebnisse legen den
Schluss nahe, dass eine Modularität in der primären
Hüftendoprothetik erforderlich ist. Wir haben als Konsequenz aus
dieser Erkenntnis unser Hüftendoprothesen- Portfolio um
modulare Prothesenvarianten erweitert und verwenden diese
entsprechend der Ergebnisse der 3D-Hüftplanung konsequent.
Schlussfolgerung:
Niedrigere,
sich
angleichende
Reibungskoeffizienten bei der Explantation im Vergleich zur
Implantation stützen die Hypothese der sich mit Knochenabrieb
anfüllenden Oberflächen. Die höhere Absenkung der Reibung für
Gription könnte von der höheren Oberflächenrauigkeit des
Implantates und damit dem erhöhten Abrieb verursacht werden.
Bei einem axialen Press-Fit von über 300μm sind die
Reibungskoeffizienten bei Gription dennoch höher als für
Porocoat. Interessant ist der hohe Reibungskoeffizient beim
Auszug für die radiale Ausdehnung auf 300μm Press-Fit. Da bei
der radialen Ausdehnung kein Knochenabrieb, sondern nur
Interlock entsteht, kommt dieser Wert der „erreichbaren“ Reibung
zwischen Oberfläche und Knochen nahe. Die Bedeutung des
Knochenabriebs für das Einwachsen der Prothese bedarf der
18
Postersessions
P9
Relativer Effekt pro Patient (REPP) und Einteilung in 5
Ergebniskategorien (excellent bis schlechter) - Validierung
an der multizentrischen Eurohipstudie
J. Huber1, J. Huesler1,2, K. P. Günther1,2,3, K. Dreinhöfer1,2,3,4, A.
Judge1,2,3,4,5
1Stadtspital Triemli, Orthopädie, Zuerich, Vereinigtes Königreich
2Universität, Statistik, Bern, Vereinigtes Königreich
3Universitätsklinik, Orthopädie, Dresden, Vereinigtes Königreich
4Charité, Centrum für muskuloskeletale Chirurgie, Berlin,
Vereinigtes Königreich
5Dept Orthopedics, Botnar Research Center, Oxford, Vereinigtes
Königreich
Einleitung: Die Ergebnisberechnung nach Hüfttotalendoprothese (HTP) wird mit der Veränderung der Mittelwerte von
Scores in Patientenfragebogen berechnet. Obwohl diese
Methode weitverbreitet ist, lässt sie keine Rückschlüsse auf die
Ergebnisqualität und auf das von einem Patienten zu erwartende
Resultat zu. Der relative Effekt pro Patient (REPP) ermöglicht die
Einteilung der Ergebnisse in 5 Ergebniskategorien, ist
unabhängig von der Fallzahl und gibt Informationen zum zu
erwartenden Resultat. In dieser Arbeit wurde diese Methode an
einer grossen, allgemeinen Patientenkohorte (Eurohipstudie, 20
Zentren, 12 Länder) validiert.
Material und Methoden: Eingeschlossen wurden die
Patienten mit HTP bei primärer einseitiger Coxarthrose, die die
Patientenfragebogen vor und 1 Jahr nach dem Eingriff
vollständig ausgefüllt hatten. Der REPP wurde wie folgt
berechnet: (Beschwerden vor Eingriff - Beschwerden nach
Eingriff)/Beschwerden vor Eingriff. Der maximale Wert beträgt 1
(bedeutet keine Beschwerden nach Eingriff), der minimale ist
negativ (bedeutet mehr Beschwerden). Der REPP jedes
Patienten wurde berechnet und einer Ergebniskategorie
zugeordnet. Exzellent 0.95 bis 1, gut 0.5 bis 0.95, mässig 0.2 bis
0.5, unverändert -0.2 bis 0.2, schlechter unter -0.2. Die
prozentualen Anteile wurden berechnet und mit publizierten
Werten verglichen.
Ergebnisse: 845 Patienten (63.7% aller eingeschlossenen
Patienten) konnten ausgewertet werden. Die relativen
Ergebniskategorien waren (Primärstudie in Klammern): 14.4%
exzellente (29%), 53.5% gute (51%), 17.5% mässige (11%),
12.7% unverändert (12%) und 1.9% schlechter (6%). Insgesamt
erfuhren 85.4% der Patienten eine Besserung nach HTP, das
entspricht 6 von 7 Patienten.
Schlussfolgerung: Der relative Effekt kann auch bei
multizentrischen Kohortenstudien zur Ergebnisberechnung
angewendet werden. 85.4% aller Patienten hatten 1 Jahr
postoperativ weniger Beschwerden/Behinderungen.
Abb. 1
P 10
Spaltöffnung von Konusverbindungen unter Biegebelastung
A. Krull1, N. E. Bishop2, M. M. Morlock1
1Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für
Biomechanik, Hamburg, Deutschland
2HAW Hamburg, Fakultät Life Science, Hamburg, Deutschland
Einleitung: Modulare Hüftendoprothesen ermöglichen eine
Anpassung an die patientenindividuelle Anatomie und
vereinfachen Revisionsoperationen. Konusverbindungen bergen
jedoch das Risiko für die Ausbildung von Reibkorrosion und
Prothesenversagen [1]. Eine unzureichende proximale
knöcherne Abstützung des Prothesenschaftes (speziell bei
modularen Revisionsschäften) verstärkt die Biegebelastung,
welche zu einer Spaltöffnung innerhalb der Konusverbindung
und Relativbewegungen führen können. In die Konusverbindung
eingetretene Flüssigkeit kann zur Ausbildung eines aggressivchemisches Milieus führen [2], welches in Kombination mit
dynamischen Belastungen zu Reib- und Spaltkorrosion führen
kann [3]. Das Ziel dieser Studie war die Untersuchung des
Einflusses der Fügekraft und der Höhe der Biegebelastung auf
die Größe der Spaltöffnung einer Konusverbindung.
Material und Methoden: Die Spaltöffnung der Konus-
verbindung zwischen Halsteil und Prothesenschaft (MRPSystem; Peter Brehm GmbH, Weisendorf), wurde mittels eines
chromatisch konfokalen Sensors (DT IFS 2403-1.5, MicroEpsilon, Ortenburg) bestimmt (Abb. 1). Das Halsteil wurde im
Konusbereich mit einer Bohrung versehen, durch welche der
vom (am Halsteil befestigte) Sensor ausgehende Lichtstrahl
direkt auf den Prothesenschaft trifft. Je nach Abstand zwischen
Sensor und Prothesenschaft werden selektiv Wellenlängen an
den Sensor reflektiert. Die Konusverbindungen (n=3) wurden
aufsteigend mit 0, 2,5, 5, 7,5 und 9 kN axial quasistatisch gefügt
und anschließend jeweils mit einem quasistatischen
Biegemoment von 30, 60, 90 und 120 Nm beaufschlagt, und die
resultierende Spaltöffnung ermittelt.
Ergebnisse: Die Spaltöffnung nahm mit zunehmender
Biegebelastung von 2,82 μm (30 Nm) auf 20,5 μm bei einem
Moment von 120 Nm zu (p=0,026; Abb. 2a). Mit zunehmender
Fügekraft nahm die Spaltöffnung hingegen von 25,15 μm (0 N)
auf 0,83 μm bei 9000 N ab (p=0,027; Abb. 2b). Die maximale
Spaltöffnung von 32,63 μm wurde bei einer Biegebelastung von
120 Nm ohne axiale Fügekraft gemessen.
19
Postersessions
Schlussfolgerung: Eine moment- bzw. spannungsinduzierte
Spaltöffnung zwischen Konuskomponenten könnte zu einem
Eintritt von biologischem Fluid in die Konusverbindung führen
und korrosive Prozesse an der Konusfläche begünstigen. Die
Spaltöffnung zeigte sich bei geringerer axialer Fügekraft bzw.
zunehmender Biegebelastung deutlich erhöht, wodurch sich der
Flüssigkeitseintritt erleichtert. Die Fügekraft hat hierbei einen
stärkeren Einfluss als die Biegebelastung. Um das
Versagensrisiko zu verringern müssen Konusverbindungen intraoperativ unbedingt ausreichend gefügt werden, gleichzeitig muss
erhöhte Biegebelastung als ein Risikofaktor für ein frühzeitiges
Prothesenversagen bei Planung, Operation und Rehabilitation
berücksichtigt werden: fehlende proximale Abstützung, Offset,
sowie Patientengewicht und -aktivität erhöhen die
Biegebelastung und somit das Versagensrisiko.
Literatur
[1] Collier et al., CORR 285 (1992) 120-130
[2] Atwood et al., JBJS 92 (2010)
[3] Schramm et al., Biomech. Tech. 45 (2000) 105-9
Diese Studie wurde finanziell von Peter Brehm GmbH, Weisendorf unterstützt.
Abb. 1
Abb. 2
head taper interfaces (CoCr) of the investigated design show
typically very little corrosion, whereas the distal male flat neck
taper (CoCr) is mainly involved. The purpose of the study was to
determine the development of the corrosion pattern of the taper
interface.
Materials and Methods: The analysis is based on a cohort of 25
Rejuvenate retrievals from 22 patients revised after 3 to 38
month time in situ (Stryker, Kalamazoo, MI, USA). The geometry
of the taper surface was determined using a Coordinate
Measurement Machine (BHN 805, Mitutoyo, Japan). An
algorithm based on the individual unworn areas of the respective
taper surface was developed, validated and applied.
Results: The flat CoCr neck piece tapers showed wear volumes
ranging from 0.6 to 8.2mm³, increasing with implantation duration
(R²=0.295). A distinct corrosion pattern with two small patches of
the original surface standing within corrosion crevices (Figure 1a)
was observed, typically occurring with an odd symmetry medialproximally to lateral-distally, reflecting the in-vivo bending load.
Similar patterns were observed in all the retrievals with variations
in progression and temporal development (the remaining patches
of the original surface inside the corrosion crevices localize and
are getting smaller) that was found reproducible within bi-laterally
implanted patients. One retrieved implant had been in-situ for
nearly 2 years despite a post-operative periprosthetic fracture,
reflecting minimum in-vivo loading. This retrieval exhibited only
minor fretting scars proximally (Figure 1b).
Discussion: This is the first successful attempt to quantify
material loss on non-circular tapers. It is speculated that the
specific pattern observed is related to the unique material
combination of the design investigated (TMZF, CoCr) and the
taper design of the Rejuvenate prosthesis. The attack solely of
the CoCr side within the mixed-metal coupling resembles earlier
observations of corrosive changes in TiAl-CoCr tapers (Bishop et
al., 2013). Particular susceptibility of non-circular tapers is
probably due to distinct taper engagement areas. It emphasizes
the need for proper taper fixation, as normal stresses from
sufficient press-fit can probably prevent the pattern formation.
This illustrates the crucial importance of the determining factors
for clinical success: design and assembly conditions.
The research has received funding from the European Union’s
Seventh Framework Program (FP7/2007-2013) under grant
agreement GA-310477.
Bishop, N., Witt, F., Pourzal, R., Fischer, A., Rütschi, M., Michel,
M., & Morlock, M. (2013). Wear patterns of taper connections in
retrieved large diameter metal-on-metal bearings. Journal of
Orthopaedic Research : Official Publication of the Orthopaedic
Research Society, 31(7), 1116-22. doi:10.1002/jor.22326
P 11
Corrosion pattern of the neck-stem taper of a bi-modular
total hip arthroplasty design(Rejuvenate)
D. Bünte1, G. Huber1, M. Morlock1
1Technische Universität Hamburg-Harburg, Hamburg,
Deutschland
Introduction: Early failure of the neck-stem taper in bi-modular
total hip replacements caused by corrosion and wear of the neck
piece has been reported frequently but the mechanism is not fully
understood. The female stem taper (TMZF) and the male neck20
Postersessions
Abb. 1
Korrosionswerte. Für beide Untersuchungen gilt jedoch, dass die
Fretting-Phänomene am Kugelkopftaper fünf- bis zehnmal
stärker ausgeprägt sind als am Schaftkonus.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Fretting- und
Korrosionsuntersuchungen an Explantaten zeigten, dass durch
die Verwendung von keramischen Kugelköpfen die FrettingKorrosionsgefahr signifikant verringert werden kann, da der
weitaus größte Teil
der
Fretting-Phänomene am
Kugelkopfkonusr
stattfindet.
Der
Mechanismus
der
Spaltkorrosion war zwar vergleichbar, aber in den Paarungen mit
keramischen Kugelköpfen ist nur eine Konusoberfläche
Materialverlust und Repassivierung ausgesetzt. Ein Einfluss der
Schnittstellenparameter Winkelspalt oder Konusrauhigkeit konnte
dabei nicht nachgewiesen werden.
P 12
Einfluss von Kugelkopfmaterial und Konusrauhigkeit auf
das Frettingverhalten von modularen Hüftprothesen
T. Pandorf1, R. Preuss1, S. Kurtz2, R. Streicher3
1CeramTec GmbH, Medizintechnik, Plochingen, Deutschland
2Implant Research Center, Philadelphia, Vereinigte Staaten Von
Amerika
3Dr. Streicher GmbH, Feusisberg, Schweiz
Literatur
[1] Chana et al., JBJS(BR) 2012
[2] Gill et al., JBJS(BR) 2012
[3] Goldberg et al., CORR 2002
Abb. 1
Einleitung: Die Rolle und Bedeutung von Fretting und Korrosion
in modularen Hüftendoprothesen wurden in den letzten Jahren
zunehmend diskutiert ([1], [2]). Vor allem Gleitpaarungen mit
großem Durchmesser können hohe Reibmomente erzeugen, die
zur Zunahme von Mikrobewegungen in den Klemmverbindungen
führen. Ziel dieser Untersuchungen war es, den Einfluss des
Kugelkopfmaterials, des Winkelspalts der konischen
Klemmverbindung
und
der
Konusrauhigkeit
des
Prothesenschaftes sowie weiterer Parameter auf das Frettingund Korrosionsverhalten anhand von Explantaten zu
untersuchen.
Material und Methoden: A) Zur Ermittlung des Einflusses des
Kugelkopfmaterials sowie des Winkelspalts auf das Auftreten von
Fretting und Korrosion wurden die Konen von 50 keramischen
und 50 metallischen Kugelköpfe und den dazugehörigen
Schäften jeweils desselben Hersteller untersucht, um Mix-andMatch-Einflüsse auszuschließen. Die Beurteilunng erfolte
qualitativ und quantitativ. Um andere Einflussparameter gering
zu halten wurden die Explantate aus einer Sammlung
unterschiedlicher Hersteller nach Schaftsteifigkeit und Material
gepaart ausgewählt.
B) Zur Bestimmung des Einflusses der Konusrauhigkeit des
Prothesenschaftes wurden 347 explantierte Metallkugelköpfe aus
Me/PE-Gleitpaarungen untersucht, siehe Abbildung 1. Bei 136
Kombinationen war das Schaftmaterial Titanlegierung, bei 211
CoCr. Es wurden jeweils 152 Konusoberflächen ohne und 195
mit Mikrostruktur gepaart um Rahmeneinflüsse zu reduzieren.
Ergebnisse: A) Die Konusoberflächen wurden mittels GoldbergScore [3] bewertet. Es zeigte sich, dass die Fretting- und
Korrosions-Werte der Schäfte bei Kombination mit keramischen
Kugelköpfen signifikant geringer waren (p=0,03, Wilcoxon-Test)
als bei metallischen Kugelköpfen, und nur die CoCr-Kugelköpfe
korrodierten. Der Winkelspalt hingegen zeigte keinen
signifikanten Einfluss auf das Fretting-Korrosions-Verhalten,
weder bei Kombination mit keramischen noch mit metallischen
Kugelköpfen. B) Es zeigte sich kein signifikanter Einfluss der
Oberflächenbeschaffenheit des Prothesenkonus auf die Fretting-
P 13
Osteolysezonen bei Hüfttotalendoprothesen nach Kopf- und
Inlaywechsel
L. Pisecky1, N. Böhler1, G. Hipmair1
1AKH Linz, Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Linz,
Österreich
Einleitung: Abriebpartikel scheinen die Hauptursache für
Osteolyseprozesse bei Hüfttotalendoprothesen zu sein. Wir
wollen zeigen, dass ein Kopf- und Inlaywechsel die Progression
der osteolytischen Zonen um die femorale Komponente stoppen
kann.
Material und Methoden: Wir konnten 27 Fälle (25 Patienten)
ermitteln, bei denen zwischen 1999 und 2008 ein Kopf/Inlaywechsel durchgeführt worden war. Die mittlere Standzeit
der Prothese betrug 13,6 Jahre (8 bis 20, SD 3,7), der follow-up
für Kopf und Inlay 54 Monate (15 bis 113, SD 29). In der
Revision wurden 22 Metallköpfe und 5 Keramikköpfe verwendet.
In 14 Fällen wurde ein Polyethyleninlay verwendet, in 13 ein
UHMWPE - Inlay. Die Kopfgröße betrug bei Primäroperation in
13 Fällen 28mm und in 14 Fällen 32mm. Bei Revision wurde in
15 Fällen ein 28mm großer Kopf und in 12 Fällen ein 32mm
großer Kopf gewählt. Zur Vermessung der osteolytischen Zonen
21
Postersessions
wurden die präoperativen und follow-up Bilder im anteriorposterioren
Strahlengang
verwendet,
die
freie
Bildbearbeitungssoftware GIMP, Version 2.6.7, wurde als
Analyseprogramm verwendet.
Ergebnisse: In jenen Fällen, bei denen primär ein Kopf der
Größe 28 verwendet wurde, betrug die mittlere Größe der
osteolytischen Areale 110 Quadratmillimeter (SD 89), bei
Kopfgröße 32 172 Quadratmillimeter (SD 120). Die
durchschnittliche Größe der osteolytischen Areale betrug vor
Revision 139 Quadratmillimeter (5 bis 368, SD 109). 54 Monate
(15 bis 113) nach Kopf- und Inlaywechsel betrug ihre Größe 138
Quadratmillimeter (9 bis 604, SD 135). In 14 Fällen (52%)
konnten wir eine Reduktion und in 12 Fällen (44%) eine
Vergrößerung der Zonen ermitteln. In einem Fall blieb das
Ausmaß unverändert. Fälle, in denen mindestens eine
Verdoppelung der Osteolysezonen nachgewiesen werden
konnte, wiesen vor Revision geringe Saumbildung auf (5 bis 49
Quadratmillimeter). Große osteolytische Areale (über 100
Quadratmillimeter) zeigten eine Reduktion um durchschnittlich
31% in 9 von 14 Fällen. Ein Zusammenhang zwischen der
Inklination der Pfanne (</> 50 Grad) und der Größe der
Osteolysezonen (136/133 Quadratmillimeter) beziehungsweise
deren Entwicklung (+2,6/+2 Prozent) war nicht evident.
Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse zeigen eine
Verbesserung der Situation in 14 von 27 Fällen und einen Stop
des Voranschreitens in einem Fall. Ein Vorteil für die Standzeit
der Prothese ist möglich.
P 14
Analyse lokaler Knochendefekte bei der Revision von
Oberflächenersatzprothesen des Hüftgelenks
O. Jakobs1, S. Schmidl1, B. Schoof1, T. Gehrke1, M. Gebauer1
1HELIOS ENDO-Klinik Hamburg, Gelenkchirurgie, Hamburg,
Deutschland
Einleitung: Die Implantation von Oberflächenersatzprothesen
des Hüftgelenkes wurde in der Vergangenheit insbesondere bei
jungen, aktiven Patienten mit Coxarthrose im Endstadium
favorisiert. Die Vorteile des Verfahrens liegen zum einen im
Erhalt der anatomischen und biomechanischen Gegebenheiten,
d.h. der Krafteinleitung in den Knochen, Hebelverhältnisse der
umgebenden Muskulatur mit verbesserter Propriozeption, und
zum anderen in der technisch erleichterten Revisionsmöglichkeit
aufgrund des femoralen Knochenerhaltes. Nachteile liegen in der
Metall-Metall-Gleitpaarung mit möglichem Metall-Abrieb, Anstieg
der Serum-Metallionen-Konzentrationen, der Ausbildung einer
Metallose bis hin zu Pseudotumoren sowie einem hiermit
verbundenen
lokalen
Knochenverlust.
Da
in
der
Revisionsendoprothetik der adäquaten Behandlung lokaler
Knochendefekte ein zentraler Stellenwert zukommt, ist das Ziel
dieser Studie die im Rahmen von Hüftkappenrevisionen
auftretenden lokalen Knochendefekte genauer zu analysieren.
Infektionen (n=4), bzw. eines isolierten Wechsels der femoralen
Komponenten (n=2) von der Studie ausgeschlossen. Die
Datenerhebung für das verbliebene Patientenkollektiv (n=38,
m:w=8:30, 37x unilateral, 1x bilateral) umfasste demographische,
klinische, radiologische sowie intraoperative Aspekte. Das
besondere Augenmerk galt der Revision der acetabulären
Komponente. Acetabuläre Knochendefekte wurden anhand der
Paprosky-Klassifikation eingeteilt.
Ergebnisse: Die demographischen Daten zeigen eine häufigere
Revisionsbedürftigkeit beim weiblichen Geschlecht. Die Mehrzahl
der Implantate konnte als ASR (Depuy, Warsaw, IN, USA, n =
15) oder BHR (Smith & Nephew, Memphis, TN, USA, n=14)
identifiziert werden. Die mittlere Zeit zwischen Primärimplantation
und Revision betrug 54,9 Monate. Typ I-Defekte entsprechend
der Paprosky-Klassifikation fanden sich in ca. 50% der Patienten
(19 von 38). Acht Patienten wiesen Typ II-Defekte auf (IIa=7,
IIb=5, IIc=6). Typ IIIa-Defekte wurden bei 2 Patienten
beobachtet. Entsprechend der intraoperativen Knochendefekte
wurde das weitere Vorgehen festgelegt und entschieden, ob eine
autogene/ allogene Knochentransplantation erforderlich wurde.
Zur Verfügung standen strukturelle Grafts, TantalRevisionsimplantate sowie Stützschalen. Insgesamt wurde bei
23 eine zementierte Pfanne implantiert. Bei den zementfreien
Revisionen zeigte sich eine Zunahme des Pfannendurchmessers
um im Mittel 3,22mm. Zehn Patienten benötigten die Implantation
einer Abstützschale nach Rekonstruktion der Knochendefekte.
Unabhängig von der Technik der Pfannenimplantation wurde bei.
75% der Patienten (n=29) eine Rekonstruktion mittels impaction
bone grafting notwendig, in ca. 25% der Fälle (n=10) musste ein
allogenes Transplantat verwendet werden.
Schlussfolgerung: Die vorliegende Studie gibt Hinweise, dass
die Revision der femoralen Komponente nach Implantation einer
Oberflächenersatzprothese der Hüfte zwar erleichtert, die der
acetabulären Komponente jedoch sogar erschwert sein kann. In
bis zu 75% der Fälle kann eine Knochenrekonstruktion im Sinne
eines impaction bone graftings notwendig werden. Bei bis zu
25% der Fälle kann sogar eine Transplantation von allogenem
Fremdknochen notwendig werden. Derartige Revisionen sollten
demnach unter Berücksichtigung der gegebenen technischen
Möglichkeit und der Verfügbarkeit einer Knochenbank erfolgen.
Material und Methoden: In der vorliegenden retrospektiven
Studie analysierten wir die Daten aller Patienten im Zeitraum von
2007 bis 2013, die in unserer Klinik eine Revision einer
Oberflächenersatzprothese des Hüftgelenkes erhielten (n=45).
Sechs Patienten wurden aufgrund von periprothetischen
22
Postersessions
Abb. 1
Abb. 2
Verankerungstechnik war eine hohe Primärstabilität mit einer
unmittelbaren theoretisch möglichen Vollbelastung gegeben.
Durch die in allen Fällen implantierten reinen Scharniersysteme
im Kniegelenksbereich ohne Rotationsmechanismus wurden
keine entsprechenden rotatorischen Instabilitäten verzeichnet.
Die verminderte muskuläre Führung im proximalen Bereich führt
zwangsläufig zu höheren Luxationsraten. Diesem Risiko war
insofern Rechnung getragen, als daß, sofern möglich, soviel
knöchernes Gewebe am proximalen Femur gehalten wurde, wie
aufgrund der Voraussetzungen vertretbar war. Auch
endofemorale Ersatzsysteme kamen hierfür zum Einsatz.
Schlussfolgerung: Als "Limb Salvage Procedure" kommt dem
Femurteilersatz in der heutigen Zeit der Re-Revision ein hoher
Stellenwert zu. Dabei lassen sich beim zur Verfügung stehenden
Portfolio mit unterschiedlichen Modellen unterschiedliche
Fragestellungen gut bearbeiten. Die Notwendigkeit von
Sonderkonstruktionen vermindert sich ebenfalls. Die
systembedingten Komplikationsraten sind entsprechend der
hohen Invasivität dabei im Vergleich zu kleineren Prozeduren
selbstverständlich erhöht.
P 16
Individualimplantat als Beckenteilersatz bei ausgedehntem
Knochendefekt mit Beckendiskontinuität – ein Case-Report
Y. Gramlich1, S. M. Heinz1, M. Kremer1, J. Pichl1, R. Hoffmann1
1BG Unfallklinik Frankfurt am Main, Unfallchirurgie und
orthopädische Chirurgie, Frankfurt am Main, Deutschland
P 15
Alloplastischer (Teil-) Ersatz des Femur in der
Wechselendoprothetik - Extremitätenerhalt bei der
ausgedehnten knöchernen Defektsituation
E. Lenz1
1Krankenhaus Rummelsberg, Klinik für Wechsel- und
Sonderendoprothetik, sept. Endoprothetik, Schwarzenbruck,
Deutschland
Einleitung: Bei der zunehmenden Zahl von Mehrfachwechseln
und septischen Revisionen kommt es im femoralen Lager oft zu
ausgedehnten Defektsituationen, welche die Tragfähigkeit des
Knochengewebes so weit reduzieren, daß ein alloplastischer
Teilersatz unumgänglich ist. Allein hierdurch wird dabei der
Extremitätenerhalt
ermöglicht.
Durch
unterschiedliche
Konfiguration verschiedener Implantate kann dabei individuellen
Erfordernissen Rechnung getragen werden.
Material und Methoden: Im Zeitraum vom 01.01.2010 bis zum
31.08.2014 wurde bei 164 Patienten eine alloplastische femorale
Ersatzoperation durchgeführt. Der Altersdurchschnitt lag bei 69
Jahren (20-89 a). Dabei kamen drei verschiedene
Modularsysteme zum Einsatz. Als Verankerungsoption wurde
grundsätzlich eine zementierte Version verwendet.
Ergebnisse: Frühlockerungen der Implantate konnten nicht
beobachtet werden. Nicht zuletzt durch die zementierte
Bei ausgedehnten knöchernen periacetabulären Defekten, die
nicht mit den gängigen Hüftpfannenrevisionssystemen versorgt
werden können, ist der Beckenteilersatz eine Option zur
Wiederherstellung eines funktionsfähigen Gelenks. Hier wird der
Fall eines 60-Jährigen Patienten gezeigt, der eine Acetabulum-TFraktur erlitten hatte. Die Primärversorgung erfolgte mit
Plattenosteosynthese und Trochanterosteotomie.
Noch 1 Jahr später war noch keine Vollbelastbarkeit und
Schmerzfreiheit erreicht. Es zeigte sich eine klaffende
Pseudarthrose der T-Fraktur im tragenden Dachbereich,
Protrusio acetabuli, sowie Schraubenlockerung und -Überstand
ins Gelenk. Darüber hinaus eine Trochanter majorPseudarthrose. Es erfolgte die operative Revision mit Hüft-TEPImplantation, pfannenseitig mit Hintergrundschale und
Defektaufbau aus dem resezierten Kopf-Hals-Fragment.
Trotz des zunächst guten Operationsergebnisses kam es 2 Jahre
nach Implantation zur vollständigen Dislokation der
Hintergrundschale und Luxation der Prothese (Abb.1A). Es
zeigten sich ausgedehnte Knochendefekte im superioren Bereich
sowie eine Beckendiskontinuität mit Defekten beider Pfeiler. Auf
Grund der Defektsituation wurde die Entscheidung zur
Implantation einer Individualpfanne mit kranialer Lasche, die sich
am Darmbein abstützt und mittels Zapfen Richtung SIG -Fuge
sowie zweier zusätzlicher Schrauben am Sitzbein und
Schambein verankert ist (Abb. 1B-D). Die Planung und
Herstellung erfolgte CT-gesteuert (Fa. Orthodynamics).
Der Patient berichtet nun 1 Jahr nach letztgenanntem Eingriff
über eine weitgehende, bisher nicht gehabte, Zufriedenheit bei
noch Benutzung von Unterarmgehstützen. Intensivierte RehaMaßnahmen werden von ihm leider abgelehnt. Es besteht keine
Beinlängendifferenz. Die Beweglichkeit des rechten Hüftgelenkes
ergibt Streckung/Beugung 0-0-100°, Abduktion/Adduktion 30-020°,
Innenrotation/Außenrotation
10-0-45°.
Es
liegt
Vollbelastbarkeit bei rdiologisch regelrechtem Implantatsitz ohne
Lockerungszeichen vor.
23
Postersessions
Durch den Einsatz des Individualimplantats konnte ein
funktionsfähiges Gelenk mit zufriedenstellendem klinischen
Outcome wiederhergestellt werden.
Abb. 1
P 17
Die Schenkelhals erhaltende Spiron Schraubprothese Eine Option für junge Patienten?
A. Lugeder1, E. Häring1, J. Zeichen1
1Johannes Wesling Klinikum Minden, Klinik für Unfallchirurgie
und Orthopädie, Minden, Deutschland
Einleitung: Bei jüngeren Patienten ist nach einem
Hüftgelenkersatz im weiteren Lebensverlauf häufiger eine
Wechseloperation notwendig. Kurzschaftprothesen sollen
möglichst viel Knochensubstanz für spätere Wechseloperationen
erhalten und eine natürlichere Krafteinleitung in das Femur
gewährleisten.
Material und Methoden: Die konisch geformte Spiron Prothese
(Fa. K-Implant GmbH, Deutschland) wird mit ihrem
selbstschneidenden Gewinde nach subkapitaler Osteotomie
zementfrei in den Schenkelhals eingedreht. Ein Prothesenkragen
soll die Primärstabilität verbessern und eine Varusdislokation
verhindern. Ein 12/14 Konus gewährleistet die Kombination mit
gängigen Kopf- und Pfannenkomponenten.
Von März 2012 bis Juli 2014 wurden 38 Spiron Prothesen bei 37
Patienten
eingesetzt
(monozentrische,
prospektive
Beobachtungsstudie, DRKS 00003293). 36 Operationen
erfolgten über einen wenig invasiven anterolateralen Zugang,
zwei über einen transglutealen Zugang. Bei 37 Hüften wurde
eine hemisphärische Press-Fit-Pfanne mit hochvernetztem
Polyethylen-Inlay verwendet. In einem Fall wurde ein
Keramikduokopf eingesetzt. Bei 4 Hüften wurde ein TiAl6V4-Kopf
mit TiN-Beschichtung , bei den übrigen 33 Hüften ein Biolox®
delta Kopf verwendet. Die Halslängen teilen sich wie folgt auf: S
84% (32), M 13% (5), L 3% (1). Die Patienten wurden
präoperativ, 3 Monate postoperativ und jährlich postoperativ
klinisch und radiologisch untersucht. Erhoben wurden der HarrisHip-Score (HHS), der Oxford-Hip-Score (OHS), die
Schmerzintensität (VAS: 0=kein, 100=maximaler Schmerz) und
postoperativ die Patientenzufriedenheit (Skala von 2 [=höchste]
bis 9 [=geringste Zufriedenheit]).
Radiologisch wurden beurteilt: CCD-Winkel, Beinlänge,
Medialisierung/Lateralisierung
der
Femurschaftachse,
Pfanneninklination, Implantatversagen (Lysesäume, Varisierung
des Schaftes)
Statistische Analysen erfolgten mit dem t-Test für verbundene
Stichproben (p≤0,05 =statistisch signifikant, p≤0,01 =
hochsignifikant).
Ergebnisse: Nachuntersucht wurden 34 Hüften (2 lost to follow
up, 2 Hüften <3 Monate operiert). Der HHS verbesserte sich im
Mittel von 59,6 Punkte präoperativ auf 88,7 Punkte nach 3
Monaten, auf 95,1 Punkte nach 1 Jahr und auf 96,3 Punkte nach
2 Jahren. Für den OHS ergaben sich zu den identischen
Zeitpunkten folgende Werte: 38,2; 21,9; 16,2 und 15,1 Punkte.
Die mittlere Schmerzintensität nahm im gleichen Zeitraum
ausgehend von 63,1 präoperativ auf 13,2 (3 Monate), 6,4 (1
Jahr) und 3,1 (2 Jahre) ab. Die Zufriedenheit verbesserte sich
von 3,1 Punkte (3 Monate) auf 2,8 (1 Jahr) und 2,5 (2 Jahre).
Radiologisch war der CCD-Winkel postoperativ durchschnittlich
um 5,7° erhöht (p<0,01), die Beinlänge im Mittel um 2,5 mm
verlängert (p=0,09). Die Pfanneninklination betrug 43,7°.
Die Femurschaftachse war postoperativ im Mittel um 3,2 mm
medialisiert (p=0,01). Bei 4 Patienten (4/34 = 11,8%) musste
aufgrund eines Frühversagens der Schraubprothese ein
Schaftwechsel auf einen Kurz- bzw. Standardschaft durchgeführt
werden.
Schlussfolgerung: Die Spiron Prothese zeigt exzellente
funktionelle Frühergebnisse. Die exakte Rekonstruktion des
CCD-Winkels ist schwierig, häufig kommt es trotz Verwendung
eines S-Kopfes zu einer Beinverlängerung. Beobachtet wurde
eine erhöhte Rate an Frühversagern, vermutlich aufgrund einer
unzureichenden Primärstabilität. Ein Frühversagen nach
stattgefundener Osteointegration wurde nicht beobachtet.
Abb. 1
P 18
Hüft- und Knie-gelenkssymptomatik und Indikation zur
Endoprothetik in Hinblick auf deren Einbeziehung im
Therapieregime bei Patienten mit cardiovaskulärer
Erkrankung
M. Glehr1, G. Gruber1, P. Sadoghi1, A. Kaltenbach1, S. Ludt2, M.
Wensing3, R. Glehr4, R. Glehr4, J. Szkandera5, A. Leithner1
1Medizinische Unverstität Graz, Universitätsklinik für Orthopädie ,
Graz, Oesterreich
2Medizinische Universität Heidelberg, Abteilung
Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg,
24
Postersessions
Deutschland
3Radboud University, Institute for Quality of Healthcare,
Nijmegen, Niederlande
4Medizininische Universität Wien, Abteilung für
Allgemeinmedizin, Wien, Oesterreich
5Medizinische Universität Graz, Abteilung Innere Medizin,
Onkologie, Graz, Oesterreich
P 19
Duokopfprothese oder Dynamische Hüftschraube (DHS) Beeinflusst das operative Verfahren die 1-Jahres-Mortalität?
J. Fakler1, A. Grafe1, T. Lehmann1, T. Hiegel1, A. Roth1, C.
Josten1
1Universitätsklinikum Leipzig AöR, Klinik und Poliklinik für
Unfallchirurgie und Orthopädie, Leipzig, Deutschland
Einleitung: Der Bedeutung und positive Auswirkung von
körperlicher Aktivität bei der Behandlung von cardiovaskulären
Erkrankungen (CVD) ist allgemein bekannt. Das Ziel dieser
Studie war es, die Dokumentation und Beachtung von Knie- und
Hüftschmerzen von Patienten mit CVD zu analysieren.
Einleitung: Die mediale Schenkelhalsfraktur ist für ältere
Patienten ein einschneidendes Ereignis. Nach operativer
Versorgung treten bei etwa einem Drittel der Patienten
Komplikationen auf, mehr als jeder zehnte zieht sich innerhalb
des ersten Jahres eine weitere Fraktur zu. Neben einer hohen
Morbidität ist die mediale Schenkelhalsfraktur aber auch mit
einer hohen Mortalität von 20-30% nach einem Jahr verbunden.
Die Ursachen hierfür sind weitestgehend unklar. Ziel dieser
Untersuchung war es, den Einfluss des operativen Verfahrens
bzw. der Implantatwahl auf die 1-Jahresmortalität zu
untersuchen.
Material und Methoden: Die Studie wurden von 35
österreichische Allgemeinmedizinern durchgeführt, welche 1118
Patienten einschlossen. Die Allgemeinmediziner füllten einen
Fragebogen über Patienten mit CVD und CVD Risiko aus,
welche auch die Frage nach Knie- und Hüftschmerzen
beinhaltete. Die Patienten füllten einen Fragebogen aus, welche
den Oxford Knie/Hüft Score und ein cardiovaskuläres Risikoprofil
(herausgegeben von der europäischen Gesellschaft für
Kardiologie) beinhaltete.
Ergebnisse: Bei 748 Patienten konnten die Daten aus den
ausgefüllten Fragebögen ausgewertet werden. 40,9% der
Patienten litten nach eigenen Angaben unter starken
Knieschmerzen, 32,1% der Patienten litten unter starken
Hüftschmerzen. In der Patienten-bezogenen Dokumentation der
Allgemeinmediziner waren die Knie/Hüft Schmerzen aber nur in
51,3%/47,1% der betroffenen Fälle dokumentiert.
Schlussfolgerung: Probleme im Hüft- oder Kniegelenk
beinhalten eine hochgradige Beeinträchtigung von körperlicher
Aktivität und müssen daher als ein wesentlicher Risikofaktor für
die Entwicklung oder Verschlechterung einer CVD angesehen
werden. Der Dokumentation und Behandlung von Hüft- und
Knieschmerzen durch den Allgemeinmediziner sollte daher bei
CVD Patienten mehr Aufmerksamkeit zukommen.
Diese Aspekte sollten beim Therapieregime von CVD Patienten
und damit auch bei der Indikation zum Gelenksersatz in Betracht
gezogen werden.
Abb. 1
Material und Methoden: Im Zeitraum 01/2011 bis 12/2012
wurden 134 Patienten in diese unizentrische prospektive
Kohortenstudie eingeschlossen, die mit einer zementierten
Duokopf-Endoprothese (n=89) oder Dynamischen Hüftschraube
(DHS) (n=45) eingeschlossen. Alle Patienten wurden aufgrund
einer medialen Schenkelhalsfraktur operativ versorgt.
Einschlusskriterium war bei Frauen ein Alter über 50 Jahre und
bei Männern über 60 Jahre. Ausschlusskriterien waren eine
pathologische Fraktur und Polytraumatisierung. In der
Duokopfgruppe lagen in 88% der Fälle Garden III und IV
Frakturen, in der DHS Gruppe in 73% der Fälle Garden I und II
Frakturen vor. Die statistische Auswertung erfolgte mittels CoxRegressionsanalyse unter Berücksichtigung bzw. Korrektur
relevanter Einflussgrößen, wie Alter, Geschlecht, ASAKlassifikation und Operationszeitpunkt nach stationärer
Aufnahme. Die Ergebnisse werden im Median mit Interquartiler
Range (IQR, 25. - 75. Perzentile) angegeben, das
Signifikanzniveau bei p<0.05 festgelegt.
Ergebnisse: Das Alter lag in der Gruppe der Duokopfprothesen
signifikant über der Gruppe der DHS (median 82 Jahre, IQR 7788 Jahre vs. 72 Jahre, IQR 65-81 Jahre; p<0.001), die
Geschlechterverteilung war vergleichbar (18% vs. 27% männlich,
p=0.27). Die Gruppe der Duokopfpatienten wies eine signifikant
höhere Begleitmorbidität auf (81% ASA 3), als die Gruppe der
Patienten mit DHS (58 % ASA 3 und 4), p=0.006. Der
Operationszeitpunkt nach stationärer Aufnahme war in der
Duokopfgruppe (24% OP > 48h nach Aufnahme signifikant
später als in der DHS Gruppe (9% OP > 48 h nach Aufnahme),
p=0.001. Nach Korrektur dieser Einflussfaktoren zeigt die CoxRegressionsanalyse eine HR = 0.40 (0.17-0.91) für die
Duokopfprothese und somit ein im Vergleich zur DHS 60%
niedrigeres Risiko innerhalb eines Jahres nach operativ
versorgter Schenkelhalsfraktur zu versterben.
Schlussfolgerung: In unserem Kollektiv älterer Patienten mit
Schenkelhalsfraktur nach niedrig-energetischen Trauma zeigt die
Versorgung mit einer zementierten Duokopfprothese ein
signifikant geringeres Risiko, innerhalb eines Jahres zu
versterben. Obwohl die Indikation mitunter individuell gestellt
werden muss, ist bei Fehlen von Kontraindikationen aus unserer
Sicht gerade beim alten Patienten der Duokopfprothese der
Vorzug zu geben.
25
Postersessions
P 20
Kontrolle rezidivierender Hüft-TEP-Luxation durch
Implantation eines Antiluxationsrings (SP2/Mark III)
S. Schmidl1, O. Jakobs1, T. Gehrke1, M. Gebauer1
1HELIOS ENDO-Klinik Hamburg, Gelenkchirurgie, Hamburg,
Deutschland
Einleitung: Die Inzidenz der Luxation als Komplikation nach
primärer Hüftprothesen-Implantationen wird in der Literatur mit
einer Häufigkeit von 0,6-4% angegeben. Nach erfolgter
Erstluxation treten in 16-36% der Fälle rezidivierende Luxationen
auf. Um in dieser Situation das Gelenk langfristig zu stabilisieren,
stehen verschiedene operative Optionen zur Auswahl. Neben
einer alleinigen Weichteilrevision (Narbenexzision, Resektion von
Ossifikationen, etc) kann auch der partielle oder totale
Endoprothesenwechsel
indiziert
sein.
Für
einige
Endoprothesenmodelle (z.B. Charnley/Charnley Elite; Lubinus
SP2/Mark III) besteht zudem die Möglichkeit der Stabilisierung
durch einen Antiluxationsring (ALR). Die vorgestellte Analyse
untersucht die Kontrolle postoperativer Luxationen durch
Anwendung des Antiluxationsrings im System Lubinus SP2 /
Mark III untersuchen.
Material und Methoden: In unserem Kollektiv wurden in den
Jahren 2006 bis 2013 2694 Patienten mit einer
Hüftendoprothese vom Typ Lubinus SP2/Mark III (Waldemar Link
GmbH, Hamburg, Germany) über einen dorsalen Zugangsweg
versorgt. Insgesamt musste bei 39 dieser Patienten (1,44%) auf
Grund einer persistierenden Gelenkinstabilität eine operative
Revision erfolgen. Hiervon wurden 27 Patienten bei prä- und
intraoperativ bestätigter regelrechter Implantatpositionierung mit
einem Antiluxationsring (Mark III, Waldemar Link GmbH,
Hamburg, Germany) versorgt. Nach einem Follow-up von
mindestens einem Jahr konnten 21 der 27 Patienten zur
Erhebung der weiteren Luxationsanamnese sowie des Harris hip
scores (HSS) kontaktiert werden, um den Einfluss der
Implantation des Antiluxationsrings auf die weitere
Hüftgelenkstabilität zu erheben.
Ergebnisse: Von den 21 nachuntersuchten Patienten erlitten 2
Patienten (9,5%) ein Luxationsrezidiv, welches zu einer weiteren
operativen Revision mit Wechsel der Prothesenkomponenten
führte. Der HSS lag zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung im
Mittel bei 73 Punkten.
Schlussfolgerung: Die operative Behandlung postoperativer
Hüftendoprothesenluxationen
durch
Implantation
eines
entsprechenden Antiluxationsrings (Lubinus SP2/Mark III) kann
bei über 90% der betroffenen Patienten die Gelenkinstabilität
kontrollieren. Diese Methode stellte somit im Vergleich zu einem
aufwendigeren (Teil-)Komponentenwechsel ein effizientes
operatives Korrektur-Verfahren dar.
P 21
Die Entwicklung hin zu den Vitamin E - versetzten
Polyethylenen in der Hüftendoprothetik
S. Warwas1, M. Jäger1, A. Van Wasen1, M. Haversath1
1Universitätsklinikum Essen, Klinik für Orthopädie &
Unfallchirurgie, Essen, Deutschland
Weiterentwicklung
erfahren.
Ausgehend
von
den
Polytetraflouroethylenen erfolgte mit Entwicklung der ultra-high
molecular weight polyethylene (UHMWPE) in den 1960er Jahren
sowie deren Weiterentwicklung in den 1980er Jahren eine
zunehmende Verbesserung der Materialeigenschaften und
Lebensdauer. Mit Einführung der Quervernetzung in den PEs
(UHMWPE-X) Anfang der 2000er Jahre wurde die aktuelle
Entwicklungsstufe bezüglich des Abriebverhaltens erreicht, auch
wenn die Vor- und Nachteile von UHMWPE vs. UHMWPE-X
noch kontrovers diskutiert werden.
Problematik: Trotz einer
inzwischen sehr
guten
Implantatstandzeit innerhalb der ersten 10 - 15 Jahre besteht
weiterhin das Problem der Materialalterung und des dadurch
bedingten erhöhten Abriebs der korrespondierenden
Gleitpartner. Explantatanalysen am PE konnten zeigen, dass
oxidative Prozesse die Hauptursache hierfür darstellen.
Insbesondere nach 10 und mehr Jahren Standzeit führt die
oxidationsbedingte Materialalterung zu erhöhtem Partikelabrieb
am PE [1].
Datenlage: Es existieren verschiedene Techniken antioxidativ
wirksame Bestandteile den PEs hinzuzufügen. Als
vielversprechendes Antioxidans hat sich hierbei Vitamin E (aTocopherpol) gezeigt, welches biologisch inert ist und in den
angewandten Konzentrationen somit keine negativen
Wechselwirkungen in vivo aufweist [2, 3]. Die Vitamin E versetzten Polyethylene (UHMWPE-XE / Vitelene®) zeigen in
den bisherigen in vitro - Tests ein leicht erhöhtes initiales
Abriebverhalten, welches sich im weiteren Verlauf, bedingt durch
die verlangsamte Materialalterung, im Vergleich zu
herkömmlichen PEs umkehrt [4]. Das in vivo - Verhalten,
insbesondere im Hinblick auf die stattfinden Oxidationsprozesse,
ist jedoch weitgehend unklar. Ebenfalls gibt es keine direkt
vergleichenden klinischen Untersuchungen von UHMWPE-X und
UHMWPE-XE gegeneinander.
Ausblick: Die Vitamin E - versetzten Polyethylene stellen einen
neuartigen Ansatz dar, die Lebensdauer und das Abriebverhalten
im Vergleich zu den bisher genutzten PEs zu verbessern. In der
Zukunft soll die VITAS-Studie, welche durch ein prospektiv,
randomisiertes Design UHMWPE-X und UHMWPE-XE /
Vitelene® über einen Zeitraum von 15 Jahren miteinander
vergleicht, die bestehenden Wissenslücken schließen. Da eine
direkte in vivo - Evaluation der PEs nicht möglich ist, wurde zur
Beurteilung der antioxdativen Wirksamkeit die Bestimmung des
Oxidationsindexes nach erfolgter Explantation im Rahmen einer
Revision als primärer Studienendpunkt gewählt. Aktuell sind 334
Patienten in die Studie eingeschlossen, wobei 2 Explantate (1x
UHMWPE-XE, 1x UHMWPE-X) gewonnen wurden. Am eigenen
Patientengut gab es bisher keine Komplikationen bei einem
maximalen Follow-Up von 2,5 Jahren. Eine Vektoranalyse ist
noch ausstehend.
Literatur
[1] Wannomae et al., Biomaterials. 2006.
[2] Oral et al., Int Orthop. 2011.
[3] Oral et al., Biomaterials. 2010.
[4] Affatato et al., J Biomed Mater Res A. 2012.
[3] Jäger et al., Orthop. Rev. 2014
Einleitung: Polyethylene (PE) in der Hüftendoprothetik haben
seit ihrer Einführung in den 1950er Jahren eine stete
26
Postersessions
Abb. 1
Abb. 2
P 22
Aktivität und Funktionalität nach Hüfttotalendoprothese über
einen direkten anterioren Zugang verglichen mit einem
gesunden Bevölkerungskollektiv
E. von Rottkay1, U. Nöth1
1Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau,
Orthopädie/Unfallchirurgie, Berlin, Deutschland
Einleitung: VergIeichende Studie zum Outcome von HTEP
Implantationen nach MIS anterioren Zugang zeigen bisher
keinen Vergleich zu einem gesunden Kollektiv. Ziel war das
postop Aktivitäts- und Funktionsniveau über 12 Monate eines
MIS Operationsverfahrens mit dem Gesunder zu vergleichen.
Material und Methoden: In einer prospektiven Studie wurde
eine Gruppe von Patienten (n=64, m 53,1%, w 46,9%) prä- und
postop über 12 Monate mit MIS anteriorem Zugang,
Durchschnittsalter zum Operationszeitpunkt 63 Jahre und ein
gesundes Bevölkerungskollektiv (n=59, m 47,5%, w 52,5%),
Durchschnittsalter 63 Jahre untersucht. In der klinischen Analyse
wurde die Aktivität mittels eines Schrittzähler und dem Täglichen
Würzburger Aktivitätsfragebogen (TWB), die Funktionalität durch
das Bewegungsausmaß, den HHS, XSFMA-D und die
Lebensqualität durch den SF36 bestimmt. Klinische
Untersuchung nach den Kriterien der SICOT und der Hip
Society.
Ergebnisse: Die Patienten zeigten 12 Monate postop 5658
Schritte (SD ±2213) signifikant unterschiedlich (p= 0,011*) zu
den Probanden mit 6417 (SD±2213).
Im TWB zeigte sich kein signifikanter Unterschied (p=0,327)
Patienten erreichten 4227 Punkte (SD ±948), Probanden 4687
(SD±400). Vergleich des Funktionsniveaus; HHS Patient 90,7
Punkte (SD ±10,06), Probanden 90,8 (SD ±1,4) keine
Signifikanz (p 0,022). Fragebogen XSMFA-D untergliedert in
Funktionsindex Patienten 11,0 Punkte (SD±11,5), Probanden 5
(SD±10,8) und Beeinträchtigungsindex Patienten 15,3
(SD±15,3) und Probanden 7,6 Punkte (SD ±14,1) zeigt in beiden
Indices signifikante Unterschiede (p< 0,001*).
Im psychischen Anteil des SF-36 erhielt die Patienten 56,1
Punkte (SD±7,4), die Probanden 55,9 (SD±6,9). Ohne
Signifikanz (p=0,511). Im körperlichen Anteil Patienten 47,3
(SD±9,2) und Probanden 50,6 Punkte (SD±9,2). Signifikanz
p<0,001.
Schlussfolgerung: Es konnte gezeigt werden, dass gesunde
Probanden im entsprechenden durchschnittlichen Alter von 63
Jahren im HHS in Aktivität und Funktionalität ebenfalls keine
maximalen Punktwerte erzielen. Jedoch in den zur Analyse
verwendeten differenzierten Scores signifikante Unterschiede
hinsichtlich Aktivität und Funktionaliät zu verzeichnen sind
erzielen und das postop Aktivitäts-und Funktionsniveau mit
diesen Ergebnissen verglichen werden sollte. Somit konnte in
dieser Arbeit ein sehr gutes Outcome des MIS anterioren
Zuganges gezeigt werden. Die Diskrepanz bzgl. der
Schrittmessung und des HHS im Hinblick auf das Aktivitäts- und
Funktionalitätsniveau sollte in weiteren Studien analysiert
werden.
P 23
Elf Jahres Ergebnisse nach totaler Hüftendoprothesenimplantation von Patienten mit sekundärer Coxarthrose
nach jugendlicher Epiphysiolysis capitis femoris
B. Schoof1, M. Gebauer1, O. Jakobs1, T. Gehrke1
1Helios Endo Klinik Hamburg, Orthopädische Chirurgie,
Hamburg, Deutschland
Einleitung: Die endoprothetische Versorgung von Patienten mit
sekundärer Coxarthrose auf Grund von ECF kann durch
Deformitäten des proximalen Femurs, des Acetabulums und
vorausgegangene
operative
Eingriffe
erschwertsein.Hauptaugenmerk richtete sich bislang auf
diePrävention der Coxarthrose nach ECF,wohingegenDatenüber
Implantationszeitpunkt
und
Standzeit
beiPatientenmitEndoprothese nachsekundärer Coxarthrose
durch ECFkaum existieren. Ziel dieser Studieistes LangzeitErgebnisse dieses Patientengutes bezüglich Lebensqualität und
Komplikationsraten darzustellen.
Material und Methoden: Retrospektivwurden36 Patienten(45
Hüftgelenken)analysiert, die eine totale Hüftendoprothese bei
ECF zwischen1987 bis 2005 erhielten.Es erfolgtenradiologische
Auswertungderprä- und postoperativen, sowie zum Zeitpunkt des
Follow-ups
durchgeführten
Röntgenaufnahmendes
Beckens.DieHüftgelenksfunktionwurde mittels Harris Hip Score
(HHS) quantifiziert,dieLebensqualitätmithilfe desmodifizierten
SF36.
Ergebnisse: Neben zwei lost-to-follow-up Patienten gab es6
Therapieversager, 3aseptische Schaftlockerungen, 2aseptisch
gelockerte Pfannenund eine septische Komplikation. Die
durchschnittliche Beinlängenverlängerung war1,2 cm. 24der 45
Hüftgelenke waren voroperiert. Bei allenPatienten wurde eine
signifikante
Verbesserung
der
Beweglichkeit
und
27
Postersessions
Schmerzsituation und damit eine deutliche Verbesserung ihrer
Lebensqualitäterreicht. Zum Zeitpunkt des Follow-ups (Æ11,2
Jahre) warder durchschnittliche HHS mit 92,3 (65 bis 100)
gegenüber dempräoperativen HHS (Æ47, 32 bis 59)signifikant
verbessert(p>0,0001).
Schlussfolgerung: Trotz einer Wechselrate von13%erscheint
die endoprothetische Versorgung von Patienten mit sekundärer
Coxarthrose durchECFeine empfehlenswerte Option.Weitere
Bemühungen zur Erfassung von Langzeit-Ergebnissen von
Prothesen-Standzeiten bei Patienten mit sekundärer Coxarthrose
wegenECFsind erstrebenswert. Die Einführung eines zentralen
Registers für Endoprothetik in Deutschland war ein wichtiger
Schritt.
P 24
Postoperativer Hüftschmerz durch Impingement der M.
Iliopsoassehne auf Grund von Fehlpositionierung der
acetabulären Prothesenkomponente - Beschwerdelinderung
durch Revision der Hüftpfanne
B. Schoof1, M. Gebauer1, O. Jakobs1, T. Gehrke1
1Helios Endo
Klinik Hamburg, Orthopädische Chirurgie,
Hamburg, Deutschland
Einleitung: Aktuelle Studiendaten zeigen in bis zu 20%
Restbeschwerden
heterogener
Ursachen
nach
Hüftprothesenimplantation.
Schmerzen
aufgrund
von
Impingement
der
Psoassehne
bei
fehlpositionierten
Prothesenkomponenten stellt eine mögliche, jedoch seltene und
unterschätzte Komplikation in der Hüftendoprothetik dar.
Material und Methoden: Wir führten eine retrospektive SingleCenter Studie bezüglich diesen Patientenguts in unserer Klinik
mit 12 eingeschlossenen Patienten durch, die klinisch und
radiologisch gesichert auf Grund einer fehlpositionierten
acetabulären Komponente an Beschwerden seitens des
Hüftgelenks litten. Die Diagnosestellung erfolgte nach strengen
klinisch-radiologischen Gesichtspunkten.
Ergebnisse: Der Harris-Hip-Score wurde vor und nach dem
Revisionseingriff erhoben und zeigte eine Verbesserung der
Hüftgelenksfunktion von präoperativ 56 auf postoperativ 87. Des
Weiteren analysierten wir die Stellung der Hüftpfanne anhand
prä- und postoperativer Röntgenbilder und konnten postoperativ
eine verbesserte Stellung der azetabulären Komponente mit
einem durchschnittlichen Inklinationswinkel von 43° und leichtem
Anteversionswinkel ohne overstuffing belegen. In der 11 der 12
Fälle zeigte sich der präoperativ bestehende Hüftschmerz nicht
mehr (91,7%). Die erhobene VAS ergab postoperativ einen Wert
von 9.1/10.
Schlussfolgerung: Die erhobenen Ergebnisse zeigen einen
deutlichen Trend mit signifikanter Verbesserung der
Hüftgelenksbeweglichkeit und Reduktion der Schmerzen nach
Revision der azetabulären Prothesenkomponente. Unseres
Erachtens stellt die Revision der Hüftpfanne in diesem speziellen
Patientenkollektiv den einzig kausalen Therapieansatz und ist
trotz der maximalen Invasivität gegenüber Tenotomie und sich
wiederholender Injektionstherapie zu bevorzugen.
Knieendoprothetik
P 26
Prädiktive Faktoren der maximalen Knieflexion nach
Knieprothesenimplantation: Eignen sich intraoperativ
erhobene Computernavigationsdaten zur Vorhersage?
F. Lampe1,2, C. J. Marques2, F. Fiedler3, A. Sufi-Siavach3, G.
Matziolis4
1Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Life
Sciences Fakultät, Hamburg, Deutschland
2Schön Klinik Hamburg, Science Office Allgemeine Orthopädie
und Zentrum für Endoprothetik, Hamburg, Deutschland
3Schön Klinik Hamburg, Allgemeine Orthopädie und Zentrum für
Endoprothetik, Hamburg, Deutschland
4Friedrich-Schiller-Universität Jena, Medizinische Fakultät, Jena,
Deutschland
Einleitung: Die Kniegelenksbeweglichkeit beeinflusst das
Ausführen wesentlicher funktioneller Aktivitäten nach
Implantation von Knieprothesen und wird als einer der
wichtigsten Erfolgsindikatoren gesehen. Die maximale
Kniegelenksflexion (MKF) wird durch multiple Faktoren
beeinflusst. Diese können in patientenspezifische und operativ
beeinflussbare Faktoren eingeteilt werden. Ziel dieser Studie war
es,
basierend
auf
Computernavigationsund
patientenspezifischen Daten ein prädiktives Modell für die
Berechnung der MKF nach Implantation von Knieprothesen zu
entwickeln.
Material und Methoden: Diese Studie ist eine sekundäre
Datenanalyse. Daten von 99 Patienten (100 Knie) wurden im
Rahmen einer randomisierten Studie gesammelt [1]. Alle
Kniegelenksimplantationen wurden mit Nutzung des
Navigationssystems OrthoPilot TKA 4.2 (BBraun Aesculap)
durchgeführt. Die Patienten wurden präoperativ und nach einem
Jahr im Bezug auf die MKF untersucht. Multiple
Regressionsanalysen wurden durchgeführt. Zunächst wurden
nur intraoperative Navigationsvariablen berücksichtigt, dann
wurden dem Modell patientenspezifische Variablen hinzugefügt.
Ergebnisse: Wenn ausschließlich Navigationsdaten als
potentielle Prädiktoren im Modell berücksichtigt wurden, waren
„Differenz der Beugelücke medial-lateral“ und „Extensionslücke
medial“ die einzigen signifikante Prädiktoren der 1-Jahres MKF.
Zusammen konnten sie eine Variabilität von 8% der 1-Jahres
MKF erklären. Bei gleichzeitiger Berücksichtigung der
patientenspezifischen Daten war die präoperative MKF der
einzige signifikante Prädiktor, mit dem eine Variabilität von 20%
der 1-Jahres MKF erklärbar war.
Schlussfolgerungen: Anhand von Navigationsdaten lässt sich
die 1-Jahres MKF voraussagen. Dennoch ist ihr gesamter
prädiktiver Wert gering, insbesondere wenn patientenspezifische
Faktoren im Modell berücksichtigt werden. Die präoperative MKF
ist der stärkste Prädiktor der 1-Jahres MKF.
Referenzen: 1. Marques CJ, Daniel S, Sufi-Siavach A, Lampe F
(2014) No differences in clinical outcomes between fixed- and
mobile-bearing computer-assisted total knee arthroplasties and
no correlations between navigation data and clinical scores.
Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. doi:10.1007/s00167-0143127-x
28
Postersessions
P 27
Vergleich zwischen rotierendem vs. fixiertem Tibiainlay in
der computer-navigierten Knieendoprothetik: 4 Jahresergebnisse
A. Sufi-Siavach1, C. J. Marques2, S. Daniel1, F. Lampe3,2
1Schön Klinik Hamburg, Allgemeine Orthopädie und Zentrum für
Endoprothetik, Hamburg, Deutschland
2Schön Klinik Hamburg, Science Office Allgemeine Orthopädie
und Zentrum für Endoprothetik, Hamburg, Deutschland
3Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Life
Sciences Fakultät, Hamburg, Deutschland
Einleitung: Die theoretischen Vorteile des rotierenden
Tibiainlays in der Knieendoprothetik ließen sich durch
wissenschaftliche Studien bisher nicht belegen. Ziel dieser
Studie war es, zu überprüfen, ob rotierende Inlays zu besseren
klinischen Scores führen. Außerdem wurden die Beziehungen
zwischen den intra-operativ navigatorisch erhobenen
Alignmentdaten und den Scores untersucht.
Material und Methoden: 99 Patienten (100 Knie) haben
randomisiert eine Prothese mit fixiertem oder mobilem Inlay
erhalten [1]. Die Implantate unterschieden sich ausschließlich
durch die Mobilität des Inlays. Alle Operationen wurden mit Hilfe
des Navigationssystems OrthoPilot TKA 4.2 (BBraun Aesculap)
durchgeführt. Die „Knee Society Scores“ (KSS), „Oxford Scores“
(OXF) und die Kniegelenksbeweglichkeit (ROM) beider Gruppen
wurden präoperativ, nach einem und 4 Jahren verglichen.
Ergebnisse: Die Prothesen mit dem mobilen Inlay zeigten zu
keinem Untersuchungszeitpunkt Vorteile gegenüber dem
fixiertem Inlay bezüglich KSS, OXF und ROM. Es gab keine
statisch signifikanten Beziehungen zwischen den durch
Navigation ermittelten Aligmnentdaten und den klinischen
Scores.
Schlussfolgerungen: Basierend auf den 4 Jahresergebnissen
lässt sich ein klinisch relevanter Vorteil einer der beiden
untersuchten Designs nicht ableiten. KSS, OXF und ROM waren
in beiden Gruppen vergleichbar. Langzeitergebnisse und
Revisionsraten sollten in der Zukunft weiter analysiert werden.
Referenzen: 1. Marques CJ, Daniel S, Sufi-Siavach A, Lampe F
(2014) No differences in clinical outcomes between fixed- and
mobile-bearing computer-assisted total knee arthroplasties and
no correlations between navigation data and clinical scores.
Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. doi:10.1007/s00167-0143127-x
P 28
Der Einfluss der Persönlichkeit auf das Outcome von KnieEndoprothesen
A. Giurea1, G. Fraberger1, P. Kolbitsch1, R. Lass1, B. Kubista1, R.
Windhager1
1Univ.Klinik für Orthopädie Wien, Orthopädie, Wien, Oesterreich
Einleitung: 10%-20% der Patienten mit Knieendoprothesen
(KTEP) sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden, obwohl keine
Komplikationen festzustellen sind. Die Ursachen dieser hohen
Patientenunzufriedenheit sind noch zu klären. Ziel dieser
prospektiven, kontrollierten Studie war es, den Einfluss von
Persönlichkeits-Eigenschaften auf das subjektive Ergebnis nach
navigierten KTEPs zu untersuchen.
Material und Methoden: Wir untersuchten 86 navigierte KTEPs,
gleichen Prothesntyps und gleicher Fixierung (80 Patienten), die
alle in einer definierten Implantatposition eingsetzt wurden.
Minimum FU waren zwei Jahre. Wir unterteilten die Patienten in
zufriedene und unzufriedene. Bei keinem Studienpatienten
waren psychische Erkrankungen gegeben.
Persönlichkeits-Eigenschaften wurden durch den Freiburger
Persönlichkeits-Test (FPI-R) untersucht. Ebenso wurden der
Knee Society Score (KSS), Western Ontario and McMaster
Osteoarthritis Index (WOMAC) und die Visual Analogue Scale
(VAS) investigiert. Die radiologische Untersuchung wurde an
allen Patienten mittels Ganzbein-Röntgen a.p und seitlich
durchgeführt.
Ergebnisse: 16% (n= 14) der Patienten waren mit dem Ergebnis
ihrer KTEP nicht zufrieden 84 % (n= 72 ) waren zufrieden. Die
präoperativen Daten für Alter, Geschlecht, BMI und KSS zeigten
keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Der FPI-R zeigte für
4 Persönlichkeits-Eigenschaften einen signifikanten Einfluss auf
die Patientenzufriedenheit.: Lebenszufriedenheit (p=0,006),
Leistungsorientierung (p=0,015), Körperliche Beschwerden (p=
0,001), und emotionale Stabilität (p=0,002).Alle klinischen Scores
(KSS, WOMAC, , VAS) zeigten signifikant bessere Resultate für
die zufriedene Patientengruppe. Die Röntgenuntersuchung
bestätigte die optimale Implantatausrichtung für alle KTEP mit
durchschnittlich 1,3° varus mechanischer Achse, mittleren
lateralen distal femur Winkel (LDFA) von 90,3° mittleren medial
proximalen Tibia Winkel (MPTA) von 89,5°, mittleren femoralen
slope von 90° and mittleren tibialen slope von 88,1°. Bei keinem
Studienpatienten gab es KTEP-Komplikationen.
Schlussfolgerung: Unsere Studie zeigt, dass PersönlichkeitsEigenschaften einen Einfluss auf das Ergebnis von KTEPs
haben können. Die Persönlichkeit sollte als prädiktiver Faktor für
Patientenzufriedenheit und die Indikationsstellung bei geplanten
KTEP einbezogen werden.
P 30
Arthrofibrose: Zytokine, Stress und Thrombozyten
(hypothetisches Krankheitsmodell) - Annäherung an eine
„mysteriöse“ Komplikation nach Knie-Endoprothetik
P. Traut1, I. Faust2
1Praxis für orthopädische Beratung und Begutachtung, Bad
Oeynhausen, Deutschland
2Institut für Laboratoriums-und Transfusionsmedizin, Herz- und
Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Bad Oeynhausen,
Deutschland
Einleitung: Die Prävalenz der Arthrofibrose (AF) nach KnieEndoprothetik ist mit 5-10 % relativ hoch und somit ursächlich an
der Unzufriedenheit dieser Patientengruppe von circa 20 %
beteiligt. Postoperativ treten bei dieser Komplikation früh
vermehrte Schmerzen und Bewegungsdefizite auf, die man auf
sogenannte „Verklebungen“ zurückführt. Durch die übliche
Nachbehandlung mit Schmerzkatheter und CPM-Schiene
versucht man dieser Komplikation zu begegnen. Die
biochemischen und molekular-biologischen Prozesse der
Wundheilung und der Genese der Fibrosierung finden regelhaft
wenig Beachtung, da ein Krankheitsmodell und ein
laborchemischer Biomarker für diese Komplikation bisher noch
nicht in der orthopädisch/unfallchirurgischen Literatur vorgestellt
wurde. Da bei Fibrosierungen der inneren Organe erhöhte
Konzentrationen der Xylosyltransferase (XT) im Serum
nachweisbar waren, erschien es sinnvoll, dieses Enzym, das bei
29
Postersessions
der Fibrosierung eine zentrale Rolle spielt, auch bei
Arthrofibrose-Patienten im Serum zu bestimmen. Ziel der
Untersuchung war es, die XT als Biomarker zu etablieren, der
dann eine frühzeitige Diagnose und damit Therapie ermöglichen
könnte.
Abb. 1
Material und Methoden: Bei 95 Arthrofibrose-Patienten nach
Knie-TEP und 132 Kontrollpersonen mit Knie-TEP`s wurde die
Serum-XT-Aktivität vor Beginn der Rehabilitation bestimmt. Die
Diagnose einer AF wurde anhand eines reduzierten
Bewegungsumfanges (ROM unter 90 Grad), anhaltenden
Schmerzen in Ruhe und bei Belastung, Verschlechterung der
Beweglichkeit während der Rehabilitation und nach
histologischem Befund gestellt. Die Patienten mit Arthrofibrose
wurden in 3 Gruppen eingeteilt je nach Diagnosesicherheit. Die
Serum-XT-Aktivität
wurde
radiochemisch
und
massenspektrometrisch quantifiziert. Die Wirkung von TGF-ß1
(transforming growth factor-ß1) und mechanischem Stress auf
synoviale Fibroblasten wurde in 3 Primärkulturen synovialer
Kontrollfibroblasten und 6 Primärkulturen arthrofibrotischer,
synovialer Myofibroblasten analysiert.
Ergebnisse: Die XT-Aktivität wurde durch mechanischen Stress
und das Zytokin TGF-ß1 stärker in den Kulturen der
arthrofibrotischen Myofibroblasten erhöht. Es konnten in der
Serum-XT-Aktivität keine signifikanten Unterschiede zwischen
der Kontrollkohorte und den Afib-Kohorten verzeichnet werden
(Abb.1). Die Thrombozytenzahl war bei den Afib-Patienten
signifikant verringert. (Lit.: Faust, 2014, Regulation der humanen
Xylosyltransferasen durch Promotorvariationen und fibrotische
Mediatoren, Universität Bielefeld, Dissertation).
Abb. 2
Schlussfolgerung: Die intraartikulären Fibrosierungsprozesse
werden durch die Zytokine (TGF-ß1 und PDGF) und
mechanischen Stress gefördert. Die XT reichert sich durch die
semipermeable Synovialmembran nur im betroffenen Gelenk an,
nicht im Serum, sodass sich die Bestimmung der Serum-XTAktivität als Biomarker für die Arthrofibrose nicht eignet. Die
erniedrigte Thrombozytenzahl kann auf einen Verbrauch dieser
Zellen durch mechanische Alterierung mit Freisetzung des
Zytokins PDGF (platelet derived growth factor) hindeuten. Die
Proliferation der Fibroblasten und Differenzierung zu
Myofibroblasten mit Produktion der XT und ECM (extrazelluläre
Matrix) wird durch dieses Zytokin begünstigt. Ein hypothetisches
Arthrofibrose-Modell mit Beachtung der biochemischen und
molekularbiologischen Faktoren wird vorgestellt (Abb.2). Die
differierende Aktivität der XT im Serum und in der Synovia
könnte in Zukunft als Biomarker dienen, sodass früh nach einer
OP eine differentialdiagnostische Abklärung möglich wäre.
Studien zur laborchemischen Validierung dieser Hypothese
werden durchgeführt.
P 32
Kinematik- und Druckverteilungsanalyse nach KTEP in vitro:
Ein Vergleich von Medial-Pivot vs. Posterior-Stabilized
Knieprothesen-Design
A. Steinbrück1, C. Schröder1, M. Woiczinski1, V. Pinskerova2, P.
E. Müller1, V. Jansson1
1LMU München, Orthopädie, München, Deutschland
2Charles University in Prague and University Hospital Motol,
Orthopaedics, Tschechische Republik, Tschechische Republik
30
Postersessions
Einleitung: Trotz konsequenter Weiterentwicklung in der
Knieendoprothetik sind weiterhin bis zu 20% der Patienten nach
Implantation einer Knieprothese unzufrieden. Neben Fehlern bei
der Implantation, wird vor allem auch das Prothesendesign für
das postoperative Ergebnis verantwortlich gemacht. Daher wird
zunehmend versucht die natürliche Kinematik des Kniegelenkes
durch ein geführtes Prothesendesign wiederherzustellen. Ein
Ansatz hierbei ist das Medial-Pivot(MP)-Knieprothesen-Design,
welches die physiologische Kniegelenkkinematik besser
wiederherstellen soll als ein Posterior-stabilized(PS)-Design. Ziel
dieser Studie war der Vergleich eines neu entwickelten MPDesigns mit einem konventionellen PS-Design bezüglich der
Kinematik und der kompartimentellen Druckverteilung.
Material und Methoden: Bei zwölf humanen Kniegelenken (Ø
64a, w:m=4:8) wurde eine Knieprothese mit einer im medialen
Kompartiment hohen Kongruenz (shärisch) und im lateralen
Kompartiment niedrigen Kongruenz (konvexes Inlaydesign)
implantiert (GMK Sphere, Medacta). Dieses Design wurde mit
einem klassischen PS-Design (GMK PS) verglichen, welches bei
identischer knöcherner Sägeschnittführung innerhalb desselben
Präparates möglich war. Die biomechanische Prüfung erfolgte
mit einem Kniegelenkskinemator, der mittels eines Motors die
Flexions- und Extensionsbewegung durchführte, während ein
zweiter Motor mit einer Kraftregelung die Sehnenkraft des M.
Quadrizeps so steuerte, dass eine konstante Gewichtskraft von
50 N simuliert wurde. Dabei wurde der interkompartimentelle
Druck mittels Druckmessfolie analysiert (Tekscan). Die
femorotibiale Kinematik wurde mithilfe eines Ultraschall-3DBewegungsanalysesystems (Zebris) aufgenommen. Statistische
Analyse mittels Fixed-Effects-Modell mit statistischer Signifikanz
bei p<0,05)
Ergebnisse: Die benötigte Quadriceps-Kraft zur Flexion und
Extension des Kniegelenkes war signifikant niedriger beim MPDesign (-13,4 N, p<0,01). Die Analyse der Kinematik zeigte beim
MP-Design medial eine deutlich geringere a.p.-Translation als
beim PS-Design (3,45mm im Vergleich zu 15,62 mm; p<0,01).
Die laterale Translation nahm bei beiden Prothesen mit dem
Beugegrad nach dorsal zu, jedoch weniger beim MP-Design (PS:
Ø19 mm; MP: 14,73 mm). Die Druckfläche des medialen
Kompartiments bei der MP-Prothese war gegenüber der PSVariante signifikant erhöht (+175,6 mm2). Medial zeigte sich eine
deutliche Reduzierung des Spitzendruckes (-1,83 MPa). Lateral
konnte eine geringere Druckfläche bei der MP-Prothese
gegenüber der PS-Prothese gemessen werden (-19,68 mm2) und
ein höherer lateraler Spitzendruck (+0,63 MPa).
Schlussfolgerung: Durch das MP-Design konnte bei medial
weitgehend fixem Kompartiment eine laterale Translation nach
dorsal erreicht werden. Im Vergleich der zwei Designs erscheint
die MP-Variante bezüglich der Wiederherstellung einer
physiologischeren Kinematik dem PS-Design überlegen. Die
notwendige niedrigere Quadricepskraft könnte zu einer höheren
Stabilität des Kniegelenkes beim Patienten führen.
Abb. 1
Abb. 2
P 33
Vergleichende Untersuchung zu Eigenschaften von fast
setting PMMA-Zementen
N. Caraan1,2
1Universitätsspital AKH Wien, Wien, Oesterreich
2Universitätsspital AKH Wien, Orthopädie, Wien, Oesterreich
Einleitung/Hintergrund: PMMA-Knochenzemente finden bereits
seit mehreren Jahren einen beliebten Einsatz in der
Endochirurgie zur Verankerung von künstlichen Gelenken
[1][2][3]. Viele verschiedene Faktoren, beispielsweise die
„powder/liquid-ratio“,
die
Auflösung
und
der
Homogenisierungsprozess des Polymer-Pulvers im flüssigen
Monomer sowie die Temperatur des Pulvers und der Flüssigkeit,
haben einen Einfluss auf den Verlauf der Viskosität des PMMAZementes [4][5]. Diese Viskosität beeinflusst wiederum die Dauer
der Verarbeitungsphase eines Zementteiges und damit die
Handhabung des Anwenders bzw. des Operateurs [5]. Sehr
hoch-visköse, fast-setting PMMA-Zemente müssen damit enorm
schnell verarbeitet und implantiert werden, bevor sie vollständig
aushärten [4]. Diese fast-setting PMMA-Zemente finden vor
allem im Bereich der Endoprothetik von kleinen Gelenken und
teilweise auch in der Knieendoprothetik ihren Einsatz [3][6][7].
In der vorliegenden Studie soll untersucht werden, ob sich
wesentliche Unterschiede zu den Eigenschaften zwischen den
zwei zu untersuchenden hoch-viskösen fast-setting PMMAZementen zeigen.
31
Postersessions
Studiendesign/Methode: Bei dieser wissenschaftlichen Arbeit
handelt es sich um eine nicht-interventionelle, experimentelle
und prospektive Vergleichsstudie zwischen zwei sehr hochvisköse fast-setting PMMA-Knochenzementen von DePuy CMW
2G und Palacos® fast R+G, welche im Labor der
Universitätsklinik für Orthopädie und orthopädische Chirurgie
sowie im Labor der Abteilung „Forschung und Entwicklung“ der
Firma Heraeus Medical GmbH in Wehrheim, Deutschland auf
deren Verarbeitungseigenschaften, deren mechanischen
Kenndaten nach ISO 5833 und DIN 53435, deren Molmasse im
Zusammenhang mit dem jeweiligen Sterilisationsverfahren,
deren
(Di-)Benzoylperoxid-Gehalt (BPO), deren „powder/liquid-ratio“
und deren Aushärtungstemperatur untersucht werden.
Diese werden miteinander und mit dem handelsüblichen hochviskösen PMMA Knochenzement Palacos® R+G als Referenz
verglichen.
P 34
Einfluss der Knochendichte auf die Zementeindringtiefe bei
zementierten tibialen Komponenten
K. Nagel1, U. J. Schlegel2, N. E. Bishop3, K. Püschel4, M. M.
Morlock1
1Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für
Biomechanik, Hamburg, Deutschland
2Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Orthopädie und
Unfallchirurgie, Heidelberg, Deutschland
3Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Department
Medizintechnik, Hamburg, Deutschland
4Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für
Rechtsmedizin, Hamburg, Deutschland
Eindringtiefe wurde mit der Auszugskraft korreliert und mittels
ROC-Analyse der Grenzwert zwischen DRUCK und SPRITZ
Gruppe bestimmt.
Ergebnisse: Der mittlere Trabekelabstand der Knochenwürfel
wurde mit größerem BMD kleiner (R² = 0,75, p < 0,001). Die
Auszugsfestigkeit der implantierten Präparate wurde mit
zunehmender spezifischer Eindringtiefe größer (R² = 0,63, p <
0,001, Abb.1) und war höher für die DRUCK-Gruppe (p < 0,001).
Die spezifische Eindringtiefe der DRUCK-Präparate war
ebenfalls signifikant größer als die der SPRITZ-Präparate (p <
0,001), der Grenzwert lag bei 1,1 (Sensitivität > 0,999).
Schlussfolgerung:
Nach
Drucklavage
beträgt
die
Zementeindringtiefe mindestens das 1,1-fache der Porengröße
und umschließt damit tranversale Trabekelstrukturen (Abb.2).
Der Formschluss führt zu größeren Auszugskräften. Die
Abschätzung des mittleren Trabekelabstands in der proximalen
Tibia ist auf Grundlage der BMD möglich und kann zur patientenspezifischen Analyse der Knochen-Architektur und zur
Bestimmung der benötigten Zementeindringtiefe in Abhängigkeit
der BMD eingesetzt werden.
Finanziell unterstützt von DePuy Orthopaedics.
Abb. 1
Einleitung: Bei der Lockerung tibialer Komponenten in der
totalen Knieendoprothetik spielt die initiale Festigkeit des
Zement-Implantat- und des Zement-Knochen-Interfaces eine
wichtige Rolle. Die Anwendung von Drucklavage erhöht die
initiale Festigkeit vermutlich durch die größere Eindringtiefe des
Zements in den Knochen [1,2]. Eine große Knochendichte (bone
mineral density, BMD) könnte hingegen die Eindringtiefe des
Zements reduzieren. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss der
Interaktion zwischen BMD und Zementeindringtiefe auf die
Festigkeit des Zement-Knochen-Interfaces zu ermitteln.
Material und Methoden: Aus 4 humanen Tibias wurden je 6
Würfel aus dem trabekulärem Knochen unter dem Plateau
angefertigt (10x10x10 mm³). Basierend auf μCT-Aufnahmen
wurden 3D Modelle der Würfel erstellt und der Trabekelabstand
als Indikator für die Porengröße berechnet. Die zugehörige BMD
wurde aus CT-Aufnahmen der Tibias bestimmt und die
Korrelation zwischen Trabekelabstand und BMD statistisch
untersucht. Zudem wurden zementierte tibiale Komponenten in
25 humane Tibias implantiert (hochviskoser Zement, DePuy
CMW; P.F.C. Sigma®, MBT Keeled und Ti Fixed Bearing,
DePuy). Das Knocheninterface wurde bei 14 der 25 Präparate
vor der Implantation mit Drucklavage (DRUCK-Gruppe), 11
Präparate mittels Spritzenlavage (SPRITZ-Gruppe) präpariert.
Die Festigkeit der Verbindung wurde mittels Auszugstest
bestimmt. Aus CT-Aufnahmen vor der Implantation wurde die
BMD bestimmt, aus CT-Aufnahmen nach Implantation 3DModelle der Zementschicht rekonstruiert und die Eindringtiefe
bestimmt. Mit Hilfe des Regressionsmodells aus dem
Knochenwürfelversuch wurde der Trabekelabstand für jedes
Auszug-Präparat basierend auf der BMD abgeschätzt und die
Zementeindringtiefe damit normiert. Diese spezifische
Abb. 2
32
Postersessions
P 35
Gait Improvement after total Knee Arthroplasty
G. Mouzopoulos1, A. Tsembeli2, G. Nomikos3, V. Vasiliadis3
1Lixouri General Hospital, Lixouri, Griechenland
2General Hospital of Laconia, Sparti, Griechenland
3Chios General Hospital, Chios, Griechenland
Aim: To evaluate the gait changes of patients suffered from knee
osteoarthritis after total knee arthroplasty.
Methods/Subjects: In a prospective study, 27 females patients
(age 72±5.6 ys) underwent total knee arthroplasty for knee
osteoarthritis (one joint disease) treatment and 27 healthy
females (age 73±1.4 ys), were included. Demographic data (age,
weight and height), ASA score, concomitant hip or ankle
osteoarthritis and time needed to walk 100meters on a flat
surface and downhill, were recorded preoperatively and 1 year
after surgery. Statistical analysis was performed by statistical
packet STATA 8.0. Significance was set at p-value <0.05.
Results: The time needed to walk100 meters was adjusted to
demographic data, ASA score and concomitant hip or ankle
osteoarthritis. Post-operatively on a flat surface, patients suffered
from knee osteoarthritis need less time (1.5±0.6 vs 2.6±0.8 min)
to walk100 meters, than preoperatively (p<0.02). Compared to
healthy subjects, post-operatively the operated patients need
more time (1.5±0.6 vs 1.2±0.8 min) to walk100 meters on a flat
surface (p<0.04). Downhill, operated patients need less time
(1.6±0.3 vs 2.2±0.5 min) to walk100 meters than preoperatively
(p<0.01). Compared to healthy subjects, post-operatively the
operated patients need more time (1.6±0.3 vs 0.91±0.4 min) to
walk100 meters downhill (p<0.01).
Conclusion: Although gait improvement is evidenced one year
after total knee arthroplasty, however gait did not match healthy
subjects.
P 37
2-Jahreserfahrungen mit 3 -D I-Total Knieprothesen
B.- D. Katthagen1, I. Chatziandreou1
1Orthopädisches Klinikum Dortmund, Dortmund, Deutschland
Seit Herbst 2012 wurden von den Autoren bis heute über 100 ITotalknieendoprothesen implantiert. Nach den bereits geplanten
Operationsterminen werden sich unsere Op.erfahrungen bis zum
Endoprothetik Kongress 2015 auf mindestens 180 I-Total
Implantationen erweitern. Die Innovation liegt in der CT-basierten
detaillierten Operationsplanung, der Erstellung des individuellen
Op.instrumentariums mit Erleichterung und Verkürzung der Rüstund Op.zeiten sowie der individuellen Implantatanpassung an
Knochen und Bänder der Patienten unter Korrektur
vorbestehender
Fehlstellungen.
Die
Op.planung,
Instrumentierung, intraoperative Implantatanpassung ist CTknochenbasiert und Instrumente und Implantate werden gemäß
den Prinzipien der Industrie 4.0 im 3 D Druckverfahren erstellt
und kompakt zum Op.termin geliefert. Der gesamte
Operationsprozess von Planung über Instrumentierung mit
Rüstzeiten und Op.durchführung kann modellhaft für
Verbesserung, Präzisierung und Verschlankung des gesamten
Op.prozesses einer Endoprothese dienen. Das Verfahren ist
FDA- approved. Erste Erfahrungsberichte beinhalten Vorteile für
den Op.prozess und -zeit, Blutverlust, Frühmobilisierung,
Verminderung
des
Knochenverlustes
(
individueller
Gelenkoberflächenersatz ), Verbesserung der postoperativen
Beweglichkeit und Verminderung der Notwendigkeit von
intraoperativem Band-release sowie Abkürzung des
Krankenhausaufenthaltes durch frühere Erreichung der
Rehabilitationsziele.
Auch
ein
intraoperatives
Navigationsverfahren erübrigt sich. In einer matched-pair follow
up Studie vergleichen wir die Frühergebnisse mit
Nachuntersuchung von mindestens 18 Monaten bei unseren in
der „ Lernkurve ( ! ) „ der ersten 35 I-Total Knieprothesen im
Vergleich zu 35 ím Berichtszeitraum operierten Standard
Triathlon Knieprothesen ( matched pair nach Alter und
Geschlecht) . Die Ergebnisse der Nachuntersuchung liegen Ende
Oktober 2014 vor und werden im Rahmen des Vortrages mit den
Erfahrungsdaten bis zum Endoprothetikkongress in Berlin 2015
berichtet.
P 38
Ist Konstitutioneller bzw. residueller Varus bereits heute
Alternative in der knieendoprothetischen Versorgung
H. Dinges1
1Westpfalz-Klinikum, Klinik für Orthopädie, Kusel, Deutschland
Einleitung: Bei aller Entwicklung neuer Technologien zur
Verbesserung der knieprothetischen Implantation ist die
Diskussion über das optimale Alignment in vollem Gange. Neben
dem knöchernen Alignment spielen aber auch die
kapsuligamentären Strukturen eine wichtige Rolle für die
Ergebnisse nach knieprothetischer Versorgung.
Galt in der Vergangenheit ein Varus-Malalignment nach
knieprothetischer Versorgung als großer Risikofaktor für
Schmerz, Funktion und Haltbarkeit, diskutiert man in der
Gegenwart mehr und mehr über das optimale Alignment bei der
Implantation von Knieendoprothesen. Insbesondere neuere
Publikationen zeigen keine Beeinträchtigung der Haltbarkeit bei
einem coronaren Alignment auch außerhalb von 3°, ebenso
scheinen die Scoreergebnisse und Patientenzufriedenheit, keine
schlechteren Ergebnisse bei leichter Unterkorrektur der
Varusgonarthrose zu liefern.
Material und Methode: Mit einem neu entwickelten
Instrumentarium wurde mit einer Tibia- und Extensions-GapFirst-Technik untersucht, inwieweit eine Korrektur des nach
digitaler Planung eingestellten AMA innerhalb von 3° am distalen
Femur eine Balancierung des Streckspaltes unter Vermeidung
eines 3.gradiges Releases bei Varusgonarthrose erreicht werden
konnte. Ausgewählt wurden 103 direkt aufeinander folgende
Knieprothesen-Implantationen bei Varusgonarthrose ohne
Ausschlusskriterien.
OP-Technik: Midvastuszugang, zumeist in MIS-Technik. Dabei
tibial 1-2° Release und nachfolgende Abtragung der Exophyten
medial, lateral und interkondylär. Resektion LCA , extramedulläre
Ausricxhtung
prox.
Tibiaresektionslehre.
Proximale
Tibiaresektion. Intramedulläre Ausrichtung und Fixation des
justierbaren /Varus/Valgus) distalen Femurschnittblockes nach
digitaler Planung. Einsetzen des Bandspanners und Überprüfung
der Parallelität zwischen prox. Tibia- und geplanter distaler
Femurresektion bei gleicher Spannung medial und lateral. Ggf.
Korrektur des Schnittblockes innerhalb von 3° zur Erzielung
eines balancierten Streckspaltes, ansonsten weitere Releases
notwendig.Distale Femurresektion. Rotationseinstellung Femur in
Gap-Balance-Technik. Adaptieren der Streckspaltweite auf den
Beugespalt mittels modularen Spacerblöcken und evtl.
notwendiger Nachresektion distales Femur. Jetzt Durchführung
der restlichen Femurschnitte über 4 in 1-Block
33
Postersessions
Ergebnisse: Bei 102 von 103 Knieprothesen-Implantationen mit
Varusgonarthrose konnte eine Balancierung des Streckspaltes,
ausgehend von der präoperativen Planung mit einer max. 3°Korrektur im Bereich des distalen Femurschnittes balanciert
werden. Nur in einem Fall musste ein 3.gradiges Release
durchgeführt werden, um eine Balancierung des Streckspaltes zu
erzielen. Die Rotation gegenüber den dorsalen Kondylen bei den
102 innerhalb von 3° korrigierbaren Varusgonarthrosen lag
zwischen 0 und 8° mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen 4 und
6°.
Zusammenfassung: Mit der beschriebenen OP-Technik mittels
Bandspanner und neu entwickeltem Instrumentarium konnte in
nahezu allen Fällen eine Streckspalt-Balancierung mit leicht- bis
mäßiggradigem medialem Release durchgeführt werden, sodass
die Rotation in diesen Fällen auch in Gap-Balancetechnik
stattfinden konnte. Somit ist mit dieser Technik neben einer
knochensparenden auch eine Ligament schonende KTEPImplantation möglich. Dies gewinnt dadurch noch an Bedeutung,
dass nach neueren Literaturdaten die ligamentären Strukturen
bei leichter Unterkorrektur eher eine physiologischere Spannung
aufweisen, im Gegensatz zur Korrektur hin zur Neutralposition
P 39
SLIM-Klassifikation bei dysfunktioneller OSG-Endoprothese
S. Müller1, M. Walther2, K. Saeger3, S. Wienert3, V. Krenn1
1MVZ für Histologie, Zytologie und molekulare Diagnostik Trier,
Trier, Deutschland
2Schön Klinik München Harlaching, Fußchirurgie,
Sprunggelenkschirurgie, München, Deutschland
3VMScope GmbH, Campus Charité Mitte, Berlin, Deutschland
Einleitung: Die für Hüftgelenk und Knie entwickelte erweiterte
Konsensusklassifikation der Synovia like Interface-Membran
(SLIM) liefert einen wichtigen Beitrag zur Abklärung von
Endoprothesendysfunktionen. Eine standardisierte histopathologische Klassifikation zur ätiologischen Einordnung
dysfunktioneller OSG-Endoprothesen existiert jedoch bislang
nicht. Ziel dieser Arbeit ist die Anwendung der SLIMKlassifikation bei dysfunktioneller OSG-Endoprothese unter
besonderer Berücksichtigung lokalisationsspezifischer Aspekte.
Material und Methoden: Gewebeproben von insgesamt 157
Patienten wurden nach den Kriterien der erweiterten
Konsensusklassifikation standardisiert untersucht. 115 Fälle
waren hierbei der OSG-Endoprothetik zuzuordnen. Die
Kontrollgruppe beinhaltete 42 Fälle aus der Umgebung von
Hüftgelenk und Knie. Partikelidentifikation und -charakterisierung
erfolgten mit dem Partikelalgorithmus unter Anwendung
lichtmikroskopischer, histochemischer und polarisationsoptischer
Methoden. Ergänzend hierzu wurde von allen OSG-Zysten und
von 19 Kontrollfällen eine Ki-67-Immunhistochemie angefertigt,
die jeweils zum einen maschinell mit dem sog.
Inflammationsquantifier ausgewertet wurde sowie zum anderen
durch toolgestützes manuelles Auszählen.
Ergebnisse: Die SLIM-Klassifikation ist grundsätzlich auf die
dysfunktionelle OSG-Endoprothetik übertragbar. Im
Gesamtkollektiv waren die Fälle mehrheitlich einem
abriebinduzierten Typ (Typ 1) und dem Indifferenztyp (Typ 4)
zuzuordnen. In 26 OSG-Endoprothetikfällen (22,6% des OSGKollektivs) war eine Pseudozystenbildung nachweisbar, wobei in
diesen Fällen überdurchschnittlich häufig ein abriebinduzierter
Typ nach SLIM-Klassifikation diagnostiziert wurde. Die Ki67-
Auswertung erbrachte eine gesteigerte Proliferationsrate in OSGZysten.
Schlussfolgerung: In Zusammenschau aller Befunde kann der
Nachweis
von
OSG-Zysten
auf
eine
intraossäre
Abriebsynovialitis hindeuten. Eine hohe mechanische Belastung
im Bereich des oberen Sprunggelenks wäre hierbei eine
mögliche Erklärung für die vermehrte Freisetzung von
Abriebpartikeln. Calciumpyrophosphatdepositionen (CPPD)
können in diesem Kontext Ausdruck eines lokal ossärdestruktiven Geschehens sein.
P 40
Verändert der tibiale Slope die Spannung im HKB bei
unikondylären Schlitten- eine FE-Analyse?
P. Weber1, M. Woiczinski1, C. Schröder1, A. Steinbrück1, V.
Jansson1, P. Müller1
1Klinik und Poliklinik für Orthopädie u Phys Med, Klinikum der
Universität München, München, Deutschland
Einleitung: Unikondyläre Schlittenprothesen bei medialer
Gonarthrose werden trotz guter klinischer Ergebnisse nur
zurückhaltend implantiert. Ein Grund sind die noch immer etwas
unterlegenen
Standzeiten
im
Vergleich
zu
den
Totalendoprothesen. Ein wenig untersuchter doch sicher
wichtiger Faktor in der Standzeit ist die Positionierung der
unikondylären Schlittenprothesen. Diese wurde bisher wenig
untersucht. Der Einfluss des tibialen Slopes auf das hintere
Kreuzband ist bei den Totalendoprothesen anerkannt, bei den
unikondylären Schlittenprothesen bisher noch nicht untersucht.
Ziel der vorliegenden FE-Analyse war es den Einfluss des
tibialen Slopes auf die Spannung im hinteren Kreuzband bei
einer mobile-bearing unikondylären Schlittenprothese zu
untersuchen. Zusätzlich sollte durch die Analyse der Kinematik
ein eventueller Unterschied erklärt werden.
Material und Methoden: Es wurde mit der Software Amira ein
3D Modell eines Ganzbeines erzeugt, in die Finite Elemente
Software Ansys V14 importiert und mit einer mobile-bearing
Unikonylären Prothese (Univation , Aesculap, Tuttlingen)
versorgt. Die Band-, sowie Muskelstrukturen wurden mit
modifizierten Federelementen umgesetzt. Die Erstellung der
Randbedingungen des Computermodells erfolgte auf Basis eines
bestehenden Kniegelenkskinemators, welcher eine Kniebeuge in
sechs
Freiheitsgraden
simuliert.
Die
verwendeten
Materialparameter der einzelnen Komponenten in der Simulation
wurden anhand einer vorangegangenen Studie verifiziert. Durch
eine Änderung der Quadrizepskraft in allen Flexionswinkel hält
das
dynamische
Finite
Elemente
Modell
eine
Bodenreaktionskraft von 50 N konstant. Anschließend wurde am
bestehenden Modell der Slope der Tibiakomponente verändert
(0, 5 und 10° Slope).
Ergebnisse: Das HKB spannt sich ab einer Flexion von ca. 60
Grad (anteriorer Anteil) und ab ca. 40 Grad Flexion(posteriorer
Anteil). Der anteriore Anteil erreicht dabei sein Maximum von
101,15 N bei 0° Slope (5 Grad Slope, 80 N und bei 10 Grad
Slope, 66 N) am Ende der Simulatiion von 74 Grad Flexion. Der
posteriore Anteil erreich bei allen Simulationen sein Maximum
bei ca. 65 Grad Flexion (33 N bei 0° Slope; 29 N bei 5° Slope
und 4 N bei 10 °Slope). Die Außenrotation der Tibia bei Beginn
der Simulation (15 Grad Flexion) nimmt von 0 auf 5 Grad Slope
um 2,8 Grad zu und wiederum von 5 auf 10 Grad Slope um 1,8
Grad zu.
34
Postersessions
Schlussfolgerung: Die Erhöhung des tibialen Slopes bei einer
medialen unikondylären Schlittenprothese führt zu einer
Ventralverschiebung der medialen Tibia und somit zu einer
vermehrten Außenrotation von letzterer. Dies führte zu einer
Reduktion der Spannung des HKB und ist bei der Implantation zu
berücksichtigen. Der Einfluss des tibialen Slopes auf das VKB ist
aufgrund der sehr geringen Spannung im VKB bei der Simulation
der Hocke nicht zu untersuchen. Der Einfluss des tibialen Slopes
beim fixed-bearing Konzept wird in gegenwärtigen Simulationen
untersucht.
P 41
Untersuchungen zur Korrelation von klinischen und
histologischen Parametern mit der Aktivität von
Entzündungsmediatoren in der Synovialflüssigkeit von
Gelenken mit definiertem Knorpelschaden
F. Vogel1,2
1UKJ, Jena, Deutschland
2Universität, Unfallchirurgie, Jena, Deutschland
Einleitung: Die Osteoarthrose wurde lange Zeit als Prototyp
einer nicht-entzündlichen Erkrankung betrachtet. Dennoch kann
die Beteiligung einer Entzündungsreaktion in der Pathogenese
beobachtet werden. Diese spiegelt sich sowohl klinisch als auch
molekular in einer Immunreaktion, histologisch einer Entzündung
der Membrana synovialis und biochemisch einer erhöhten
Konzentration
von
Entzündungsmediatoren
in
der
Synovialflüssigkeit wieder. Heute wird der Entzündungsreaktion
in der Pathogenese der Osteoarthrose eine große Bedeutung
zugeschrieben. Welche Zusammenhänge jedoch zwischen
dieser Entzündungsreaktion und den ätiologisch bedeutsamen
Faktoren, dem klinischen sowie radiologischen Erscheinungsbild
existieren ist unklar und sollen in dieser Arbeit untersucht
werden.
Material und Methoden: In die Studie wurden 36 Patienten mit
primärer oder sekundärer Osteoarthrose des Kniegelenkes
einbezogen, bei denen die Indikation zur Implantation einer
Knietotalendoprothese
bestand.
Präoperativ
wurden
anamnestische Patientendaten anhand eines standadisierten
Fragebogens, klinische Parameter anhand des KOOS (Knee
Injury an Osteoarthritis Outcome Score) und radiologische
Befunde unter zu Hilfenahme der modifizierten Kellgren-und
Lawrence-Klassifikation
erhoben.
Intraoperativ
wurde
Synovialflüssigkeit
gewonnen,
in
der
pround
antiinflammatorische Mediatoren (IL-1β, IL-4, IL-6, IL-10, TNF-α,
Adiponectin, Fibronectin) sowie Matrixmetalloproteinasen (MMP1, MMP-3, MMP-13) mittels ELISA (enzyme-linked
immunosorbent assay) bestimmt wurden. Weiterhin wurden
Synovialmembranproben aus dem Kniegelenk entnommen und
histologisch durch den Synovialitis-Score nach Krenn
ausgewertet.
Ergebnisse: Die ätiologisch bedeutsamen Faktoren korrelierten
sowohl mit den Entzündungsmediatoren in der Synovialflüssigkeit als auch mit der Entzündung der Membrana
synovialis. Zusammenhänge konnten auch zwischen einzelnen
Kategorien des KOOS und sowohl den Entzündungsmediatoren
in der Synovialflüssigkeit als auch der Entzündung der
Membrana synovialis gefunden werden. Signifikant (p=0,037)
war der Zusammenhang zwischen der Stärke der Schmerzen
und der Ausdehnung der Aktivierung der residenten Zellen in der
Subintima. Zusätzlich zeigte die modifizierte Kellgren- und
Lawrence-Klassifikation
Korrelationen
mit
der
Entzündungsreaktion bei der Osteorthrose. Signifikanzen
(p=0,015) traten zwischen der Kategorie 4 (Gelenkdeformierung)
sowie der Summe der Kellgren- und Lawrence-Klassifikation und
der Ausprägung des inflammatorischen Infiltrates des
Synovialitis-Scores nach Krenn auf.
Schlussfolgerung: Die Entzündungsreaktion spielt nicht nur in
der Pathogenese der Osteoarthrose eine bedeutende Rolle
sondern auch für die Lebensqualität der Betroffenen, da
physische sowie psychische Erscheinungen signifikant
beeinflusst werden. Eine verbesserte antientzündliche Therapie
könnte den Leidensdruck betroffener Patienten reduzieren und
somit den Zeitpunkt einer Prothesenimplantation hinauszögern.
Ob die Entzündungsreaktion auch einen Einfluss auf das
postoperative Outcome hat, muss in weiteren Studien geklärt
werden.
P 43
Langzeitergebnisse Uni- und Bicompartimeller Arthrose des
Kniegelenks - was sagen die Register?
G. Labek1
1Orthopädische Universitätsklinik Innsbruck, Innsbruck,
Oesterreich
Einleitung: Uni- und Bicompartimentelle Arthrosen stellen eine
besondere Herausforderung für die Behandlung dar, zumal
gerade in dieser Gruppe jüngere, aktive Patienten stark vertreten
sind, die lange Standzeiten und hohe Belastungen für das
Implantat bedingen. Register eignen sich durch die hohen
Fallzahlen und langen Beobachtungszeiträume - unter
Einschluss mehrerer Revisionsoperationen - gut zur Analyse
dieser Fragestellung.
Material und Methoden: Es wurde eine strukturierte
Zusammenfassung der verfügbaren Daten in Registern
durchgeführt.
Ergebnisse: Einige Implantatsysteme wie Uni-Spacer, partial
resurfacing („Knöpfe“), aber auch isolierter Retropatellarersatz
oder DEUCE zur Versorgung kombinierter medialer und
retropatellarer
Arthrosen
zeigen
signifikant
erhöhte
Revisionsraten. Halbschlitten zeigen signifikant höhere
Revisionsraten im Vergleich zu Knietotalendoprothesen, wobei
der Effekt mit zunehmendem Alter abnimmt und sich die
Revisionsgründe unterscheiden. Die Konversion eines
Halbschlittens auf eine Knie-totalendoprothese zeigt ähnliche
Ergebnisse wie nach Revision eines bicompartimentellen
Implantates.
Schlussfolgerung: Das Konzept knochensparender unikompartimenteller Gelenkersätze mit der Erwartung besserer
Standzeiten im Fall von Revisionen kann durch die Daten nicht
unterstützt werden. Wesentliches Ziel sollte eine möglichst hohe
Standzeit
nach
der
Primärimplantation
sein.
Einige Implantatkonzepte für Gelenkteilersatz weisen signifikant
höhere Revisionsraten auf und können nicht empfohlen werden.
35
Postersessions
Infektionen des Hüft- und Kniegelenkes
P 44
Ist die Kniegelenks- Arthrodese “Mittel der Wahl” bei
persistierender periprothetischer Infektion?
E. Röhner1, C. Windisch1, G. Matziolis1
1Lehrstuhl für Orthopädie der FSU Jena am Campus Eisenberg,
Orthopädie, Eisenberg, Deutschland
Einleitung:
Die periprothetische Infektion zählt zu den
gefürchtetsten orthopädischen Komplikationen. Zu den gängigen
Behandlungsverfahren zählen der ein- oder zweizeitige septische
Knie-TEP Wechsel. Sollte nach mehrfachen septischen Knie
TEP Wechseln die periprothtische Infektion nicht beherrschbar
sein, wird von vielen Operateuren die Arthrodese des
Kniegelenks als erfolgversprechende Option angesehen. In der
vorliegenden Arbeit sollte überprüft werden, mit welcher
Sicherheit die Implantation eines Arthrodesenagels zu einer
Infektberuhigung oder -ausheilung führt und Risikofaktoren für
eine Infektpersistenz identifiziert werden.
Material und Methoden: In die Studie wurden alle Patienten
eingeschlossen, die zwischen 1997 und 2013 die Implantation
eines Arthrodesenagels nach septischem Knie-TEP Wechsel
erhalten hatten. Erfasst wurden Erreger, Risikofaktoren die eine
Infektpersistenz begünstigen könnten und die Rate der
Infektpersistenz. Des Weiteren wurden die VAS, der KOOS, der
KSS, der Lysholm und der SF-36 erhoben, um das klinische
Ergebnis und die Lebensqualität der Patienten zu bewerten.
Ergebnisse: 26 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen.
Bei 13 Patienten (50 %) kam es zu einer Infektpersistenz mit
erneuter Revisionsoperation. Neunzehn Patienten (73 %) gaben
eine dauerhafte Schmerzsymptomatik VAS >3 an. Alle
erhobenen Scores zeigten eine deutliche Beeinträchtigung der
Lebensqualität.
Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse zeigen, dass die
Implantation eines Arthrodesenagels kein sicheres Verfahren zur
Infektberuhigung oder -ausheilung ist. Des Weiteren zeigt sich
auch nach erfolgreicher Arthrodese eine deutlich beeinträchtigte
Lebensqualität. Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie
empfehlen wir auch nach mehrfachen septischen
Wechseloperationen die Implantation einer Knie TEP der
Arthrodese vorzuziehen sofern der Streckapparat intakt ist.
P 45
Patientenorientierte Risikofaktoren für das Auftreten von
tiefen periprothetischen Infektionen der Hüfte
M. Jesenko1, K.- D. Kühn1, R. Windhager1
1MedUni Wien, Wien, Oesterreich
Auch wenn die Infektion der Prothese nach einer Hüftoperation
eher selten vorkommt, so ist sie doch eine der wichtigsten
Komplikationen, die zu einem Verlust der Funktion oder dem
Ersatz einer Prothese führen. Infektionen bewirken außerdem
einen enormen Kostenanstieg, durch die notwendige Revision
der Prothese und der medikamentösen Therapie des Patienten.
Die nachfolgenden Operationen müssen oft in speziellen
Krankenhäusern durchgeführt werden, da nicht alle Spitäler die
notwendigen Mittel haben, um einen Infekt der Hüftprothese zu
behandeln.
Das Ziel dieser Studie besteht in dem Auffinden und Erklären
von Risikofaktoren für eine tiefe Infektion der Hüfte. Diese sollen
durch das Untersuchen von bereits veröffentlichten Arbeiten zu
diesem Thema abgeklärt werden, um eine bessere Prävention zu
gewährleisten.
Alle
vorhandenen
Arbeiten
werden
zusammengesucht und dann Kriterien ein- bzw. ausgeschlossen.
Diese Kriterien werden im Vorhinein bestimmt und sollen zu
einer idealen Auswahl führen. Die Risikofaktoren werden
aufgezählt und sollen geeignet für eine Auswertung mittels MetaAnalyse sein.
P 46
Antiinfektive Implantatbeschichtungen mit
Fettsäurekomplexen
T. Mayrhofer1, R. Windhager2, K.- D. Kühn3
1Medizinische Universität, Wien, Oesterreich
2Medizinische Universität, Universitätsklinik für Orthopädie, Wien,
Oesterreich
3Medizinische Universität, Graz, Oesterreich
Einleitung: Implantate sind Fremdkörper und dienen Bakterien
und Pilzen als Rückzugsgebiet von denen Rezidive ausgehen
können. Perioperativ werden als adjuvante Schutzmaßnahme
systemisch und lokal wirksame antiinfektive Substanzen
verabreicht, um eine Implantatbesiedelung durch Keime zu
verhindern. Für zementfreie Prothesen, Osteosystheseplatten
und Marknägel können nur die Implantate selbst als Träger
dienen. Als Beschichtungen werden antiinfektiven Substanzen
mit Fettsäuren kombiniert. Die Beschichtungsverfahren werden
optimiert und die Wirksamkeit der Beschichtungen
mikrobiologisch untersucht.
Material und Methoden: Verschiedene Primär- und
Revisionsprothesen, Osteosytheseplatten und Marknägel wurden
mit Gentamicinpalmitat, Octenidinlaurat und Vancomycinpalmitat
beschichtet. Als Beschichtungsverfahren wurde einfaches
Tauchen und Besprühen mittels Airbrush verwendet. Digitale
Lichtmikroskopie diente der Untersuchung der Oberflächen vor
und nach der Beschichtung. Mit Hemmhoftests gegen
Staphylokokkus aureus, Staphylokokkus epidermidis, MRSA und
Candida spec. werden mikrobiologische Wirksamkeiten der
Beschichtungen untersucht.
Ergebnisse: Alle Implantate waren einfach durch Tauchen oder
Sprühen zu beschichten. Für das Tauchen wurden die
Implantate vor der Beschichtung kühl gelagert, während die
Beschichtungslösungen stets erwärmt wurden. Die zu
besprühenden Prothesen wurden hingegen erhitzt. Die
Wirkstoffkonzentrationen lagen für die Primärimplantate bei 0,11
mg/cm2 (Gent) und 0,48 mg/cm2 (Oct), die der
Revisionsimplantate bei 0,36 mg/cm2 (Vanc) und 0,43 mg/cm2
(Oct), die der Osteosyntheseplatten bei 0,32 mg/cm2 (Gent), 0,66
mg/cm2 (Oct) und 1,19 mg/cm2 (Vanc) und bei den Marknägel
konnten 0,06 mg/cm2 (Gent) und 0,14 mg/cm2 (Vanc)
aufgebracht werden. Stets konnte eine reproduzierbare
Beschichtung aufgebracht werden. Die beschichteten Areale auf
den Implantaten zeigen mikroskopisch eine geringe Rauigkeit
von ca. 70-200 μm. Erste mikrobiologische Untersuchungen
zeigen eine hervorragende Wirksamkeit der aufgebrachten
antiinfektiven Beschichtungen gegenüber den eingesetzten
Leitkeimen.
36
Postersessions
Schlussfolgerung: Das einfache Tauchverfahren für die
Beschichtung von orthopädischen Implantaten eignet sich für
eine Beschichtung unter OP-Bedingungen. Damit können
Chirurgen individuell entscheiden, welche Beschichtung
perioperativ sinnvoll und machbar ist. Alle von uns untersuchten
Kombinationen aus antiinfektiven Substanzen mit Fettsäuren
zeigen gute Wirksamkeiten.
P 47
Risikofaktoren für superfizielle Infektionen bei
Hüfttotalprothesen
A. Eder1
1Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Orthopädie,
Wien, Oesterreich
Infektionen des künstlichen Hüftgelenks nach einer
Hüfttotalprothese sind seltene, aber schwerwiegende
Komplikationen, welche zu einem Verlust der Funktion
beziehungsweise der betroffenen Extremität führen kann. Die
Revision mit dem Ausbau und Ersatz der Prothese und die
medikamentöse Therapie der betroffenen Patienten bedeuten
einen enormen Kostenanstieg. Das Ziel unserer Studie besteht in
dem Auffinden und Erklären von Risikofaktoren für eine
superfizielle Infektion des Hüftimplantats.Mittels Metaanalyse
werden themenrelevante Artikel aus der Datenbank "Pubmed"
ausgewertet und die gefundenen Risikofaktoren auf Signifikanz
überprüft.Bei zukünftigen Hüfttotalprothesen sollte sich der
Chirurg schon vor dem geplanten Eingriff mit der Frage
auseinandersetzen, welche anerkannte Risikofaktoren und
Gruppen es hinsichtlich Infektionen nach dem Eingriff gibt, und
aufgrund dieser Erkenntnisse schon im Vorhinein vorbeugende
Maßnahmen treffen.
P 48
Freisetzung von Gentamicin aus Knochenzementen in der
späten Teigphase
A. Roßmann1,2, A. Leithner2, C. Kittinger1, Z. Gernot1, K.- D.
Kühn2
1Medizinische Universität Graz, Medizinische Universität Graz;
Institut für Hygiene Mikrobiologie und Umweltmedizin, Graz,
Oesterreich
2Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Orthopädie
und orthopädische Chirurgie, Graz, Deutschland
Einleitung: Die Freisetzung von antimikrobiellen Substanzen
aus Knochenzementen wird in der Regel an bereits
ausgehärteten (24 Stunden nach Polymerisation) durchgeführt.
Hingegen kommt der Knochenzementen bereits während der
Teigphase des Knochenzements zum Einsatz im Patienten. Die
Zielsetzung war der Vergleich der Wirkstofffreisetzung in der
Teigphase und dem ausgehärteten PMMA-Zemente. Dies wurde
mit Hilfe der antimikrobellen Wirkung von Eluaten von
verschiedenen Knochenzementen evaluiert.
Material und Methoden: Es wurden acht verschiedene
antibiotikahaltige Knochenzementen getestet. Aus den
Knochenzementen wurden reproduzierbar runde Formkörper (ca.
6g) hergestellt, diese wurden entweder nach 24h Aushärtung
oder direkt nach Erreichung der für den Einsatz üblichen
Konsistenz (Klebfreiheit nach ISO 5833) verwendet. Die
Formkörper wurden in PBS-Puffer überführt und nach
festgelegten Zeitpunkten (1, 2,3,4,5,10,15,30,60min, 3,6,24h)
wurde jeweils 1ml Puffer entnommen und durch frischen Puffer
ersetzt. Die Eluate wurden in einem Agardiffusionstest mit
Staphylococcus aureus auf ihre antimikrobielle Wirkung getestet.
Ergebnisse: Die verschiedenen Knochenzemente zeigten in
diesem Vergleich ein divergentes Verhalten. So zeigte der Copal
spacem mit 1g Gentamicinsulfat eine niedrigere Freisetzung (ca.
95%) in der Teigphase im Vergleich zum ausgehärteten Zement
nach 24 Stunden. Hingegen war das Verhalten beim CMW 1G
mit 1g Gentamicinsulfat gegenläufig. Die Freisetzung in der
Teigphase betrug bis zu 110% im Vergleich zur der Elution des
ausgehärteten Zement.
Schlussfolgerung: Die durchgeführten Testungen zeigten, dass
bereits hohe Wirkstoffmengen in der Teigphase eluiert werden
und sofort für einen lokalen antiinfektiösen Schutz sorgen.
Darüber hinaus sind die Freisetzungsuntersuchungen an
ausgehärteten Formkörpern nach 24 Stunden nur bedingt
aussagekräftig über die tatsächliche Eluation im Patienten.
P 49
Gentamicinpalmitat: Mikrobiologische Wirkungstestung bei
orthopädischen Implantaten
S. K. Kogler1
1Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Orthopädie
und Orthopädische Chirurgie, Graz, Oesterreich
Einleitung: Eine der gefürchtetsten Komplikationen in der
orthopädischen Endoprothetik ist die periprothetische Infektion.
Trotz systemischer Antibiotikaprohylaxe und moderner
Operationstechniken sowie Laminar Airflow Technologie, steigt
die Infektionsprävalenz stetig an. Wegen der therapeutischen
Schwierigkeiten, die aufgrund der Implantat-assoziierten
Infektionen entstehen, ist es von großem Interesse, die Zahl der
Infektionen
einzudämmen.
Eine
Möglichkeit
der
Infektionsprävention von zementfreien Titanimplantaten ist eine
Beschichtung mit Gentamicinpalmitat (GP), ein auf
Implantatoberflächen
selbsthaftender
antibiotischer
Fettsäurekomplex. Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit einer
GP-Beschichtung darzustellen.
Material und Methoden: In mehreren Versuchen wurde die
Wirkung der Kirschnerdrähte, die mit ca. 1 mg GP durch
Besprühen beschichtet wurden, auf Staphylococcus aureus
(S.aureus) und Escherichia coli (E.coli) innerhalb der ersten 24
Stunden und darüber hinaus beobachtet. Die Kirschnerdrähte
wurden in PBS-Puffer eluiert und mittels Agardiffusionstest
wurde die Wirksamkeit gegen S.aureus und E.coli getestet. In
weiterer Folge wurde eine Absterbekinetik von S.aureus
durchgeführt. Absolutwerte des freigesetzten GP wurden über
eine Eichgerade mit bekannten Konzentrationen von Gentamicin
bestimmt.
Ergebnisse: Im Experiment löste sich das GP von den
Kirschnerdrähten in Gegenwart von PBS und wies eine hohe
Wirksamkeit in den ersten 24 Stunden gegenüber den
Testbakterien auf. In den ersten 15 Minuten wurden 40,5% der
24-Stunden-Elution freigesetzt. Nach 1 Stunde waren 69%
eluiert. Trotzdem war eine Freisetzung auch nach 24 und länger
nachweisbar.
Schlussfolgerung: Eine hohe initiale Freisetzung hat einen
großen operativen Vorteil, da der Großteil des GP perioperativ
gelöst wird, aber auch ausreichend Antibiotikum an der
37
Postersessions
Implantatoberfläche verbleibt, um auch einen postoperativen
Schutz zu gewährleisten. Demzufolge stellt GP eine neue Option
zur antiinfektiven Beschichtung von zementfreien Implantaten
dar.
P 50
Evaluierung der bakteriellen Besiedelung der einzelnen
Komponenten von infizierten Hüfttotalendoprothesen
mithilfe der Sonifikation
R. Lass1, A. Giurea1, B. Kubista1, A. Hirschl1,2, W. Graninger3, E.
Presterl3, R. Windhager1, J. Holinka1
1Medizinische Universität Wien, Univ.Klinik für Orthopädie, Wien,
Oesterreich
2Medizinische Universität Wien, Abteilung für Klinische
Mikrobiologie, Institut für Hygiene, Wien, Oesterreich
3Medizinische Universität Wien, Univ.Klinik f.Innere Medizin I,
Abteilung für Infektionskrankheiten , Wien, Oesterreich
Einleitung: Das Ziel unserer Studie war die bakterielle
Besiedelung auf verschiedenen Prothesenkomponenten von
infizierten Hüft-totalendoprothesen zu evaluieren und
quantifizieren.
Material und Methoden: Die bakterielle Belastung auf 80
explantierten Prothesenkomponenten von 24 Patienten wurde
durch Bestimmung der colony-forming units (CFU), welche von
den Komponentenoberflächen mittels Sonifikation gelöst und
kultiviert wurden evaluiert.
Ergebnisse:
Mikroorganismen wurden auf 68 von 80
Komponenten gefunden. Die höchste bakterielle Last wurde auf
den Polyethylen(PE)-linern gefunden und es zeigte sich ein
signifikanter Unterschied in der Verteilung der CFUs zwischen
den Linern und den Metall-Komponenten (Schaft und Pfanne).
Staphylococcus epidermidis war der Keim, der die höchsten
CFUs in der Sonifikation zeigte, besonders auf den PE-linern.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Studie betätigten das die
Sonifikation der explantierten Liner und Köpfe, welche die
höchste bakterielle Last zeigten eine verlässliche und suffiziente
Methode für den Keimnachweis in der klinischen Diagnostik von
Protheseninfekten in der Hüftendoprothetik darstellen.
P 51
Vergleich von präoperativen Punktionen und intraoperativen
Gewebeproben bei Hüft- und KnieendoprothesenRevisionen
D. Froemel1, T. Tarhan1, I. Kaspar2, A. Meurer1
1Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim gGmbH,
Frankfurt, Deutschland
2Goethe Universität, Frankfurt, Deutschland
Einleitung: Die präoperative Diagnostik bezüglich einer
Infektsituation bei liegenden Hüft- oder Knieendoprothesen ist für
das therapeutische Verfahren essentiell. Aufgrund von diesen
Ergebnissen entscheidet sich entweder ein einzeitiger oder
zweizeitiger Wechsel. Mit dieser retrospektiven Datenanalyse
soll folgender Fragestellung nachgegangen werden: Wie
aussagekräftig ist die präoperative Diagnostik, vor allem die
präoperative Punktion im Bezug auf die intraoperative
Gewebeprobe.
Material und Methoden: Zwischen 2009 und 2012 haben wir
insgesamt 237 Knie-TEP-Revisionen und 377 Hüft-TEPRevisionen durchgeführt. Von diesen konnten wir retrospektiv in
242 Fällen eine präoperativen Punktion und die intraoperative
Gewebekultur nachweisen. Zusätzlich wurden Laborbefunde wie
C-reaktives
Protein
(CRP),
Leukozyten,
Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), Begleiterkrankungen und
die radiologische Bildgebung analysiert.
Ergebnisse: In unserem Knie-Revisions-Kollektiv zeigte sich
eine Sensitivität von 48% und eine Spezifität von 89%. Im
Rahmen der Hüft-Revisions-Patienten zeigte sich eine
Sensitivität von 45% und eine Spezifität von 94%. Die Daten
werden noch in Zusammenschau mit laborchemischen und
radiologischen Aspekten analysiert.
Schlussfolgerung: Um die bestmögliche Behandlung (einzeitig
oder zweizeitig) zu gewährleisten, ist es essentiell eine
individuelle Entscheidung zu treffen. Die Besprechung
laborchemischer, klinischer, radiologischer Aspekte sowie der
präoperativen Punktionsdiagnostik ist von großer Bedeutung.
Unsere Ergebnisse zeigten insgesamt eine geringere Sensitivität
im Vergleich zur Literatur. Die Entscheidung sollte nicht nur von
der präoperativen Punktion abhängig gemacht werden. In
unklaren Fällen ist es ratsam, eine arthroskopische oder offene
Biopsie durchzuführen.
P 52
Multimorbidität in der Revisionsendoprothetik
D. Froemel1, C. Theis1, A. Meurer1
1Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim gGmbH,
Frankfurt, Deutschland
Einleitung: Bei einer in den letzten Jahren kontinuierlich
steigenden Anzahl an primären Hüft-Totalendoprothesen und
Knie-Totalendoprothesen ist auch mit einer wachsenden Anzahl
an Revisionsfällen zu rechnen. Die Revisions-Operation dauert in
der Regel länger und geht mit mehr Blutverlust einher. Die
Patienten sind im Durchschnitt älter und kränker, als sie zum
Zeitpunkt der primären Implantation waren. Umso wichtiger ist
die detailierte präoperative Risikobestimmung. Die perioperative
Mortalität im Rahmen der Revisionsendoprothetik ist, aufgrund
einer geringen Anzahl an Publikationen, nur schwer zu
beurteilen. Die präoperative Identifizierung von Patienten mit
einem erhöhten Risiko für Mortalität ist jedoch notwendig um
Ärzte und Patienten zu informieren.
Material und Methoden: In der Orthopädischen
Universitätsklinik Friedrichsheim gGmbH unterzogen sich von
Januar 2010 bis Dezember 2011 insgesamt 269 Patienten einer
Revisionsoperation. Die Patienten wurden durchschnittliche ca. 9
Monate im Verlauf nachuntersucht. Das Patientenkollektiv
wurden auf folgende Faktoren analysiert: präoperative
Risikofaktoren,
Begleiterkrankungen,
Revisionsrate,
Infektionsrate, Luxationen, intraoperative Komplikationen,
postoperative Komplikationen, Nervenschäden und funktionelles
Outcome. Die Datenauswertung erfolgte anhand von
Patientenakten, einer klinischen und radiologischen
Verlaufskontrolle und alternativ anhand einer telefonisch
durchgeführten Patientenbefragung.
Ergebnisse: Eine vorläufige Datenanalyse ergab dass die 269
Patienten beim Zeitpunkt der Operation im Durchschnitt 68,7
38
Postersessions
Jahre alt waren. Von den 269 Patienten waren 150 weiblich und
119 männlich. 39.4% (106 Patienten) der Patienten wurden
aufgrund einer aseptisch und 16.4% (44) aufgrund einer septisch
gelockerten Prothese operiert. Eine Revision aufgrund einer
Infektion war in ca. 4.4% (12) der Fälle notwendig. Der
durschnittliche Blutverlust war bei 1976 ml und die OP Dauer war
bei 134 Minuten. Die Patienten waren im Durschnitt deutliche
kränker (ASA 2,9) und hatten eine verlängerte Verweildauer von
20,8 Tagen.
Erreichen der maximalen Tiefe während der Operation, 2.
subkutan/intrakutan unmittelbar vor Wundverschluss und 3. von
der Hautnaht. Nach 48h Inkubation wurden die Koloniebildenden Einheiten (KBE) gezählt.
Schlussfolgerung: Mit dieser Arbeit wollen wir unsere Erfahrung
mit Revisionsendoprothesen analysieren. Die Vorläufige
Datenauswertung lässt darauf schliessen dass Patienten mit
einem höheren ASA Wert einen signifikanten Anstieg an
Komplikationen, Revisionen und der Verweildauer haben. Zudem
sind kränkere Patienten in der postoperativen Kontrolle im
Durchschnitt unzufriedener als gesündere Patienten aus dem
gleichen Kollektiv. Im Rahmen der weiteren Datenanalyse
werden noch zusätzliche Parameter erhoben. Von Bedeutung ist
die präoperative Verbesserung der OP-Fähigkeit, eine
ausreichende Aufklärung des Patienten und ebenfalls eine
suffiziente post-operative Nachsorge.
Schlussfolgerung: Die Anwendung von Integuseal® führte im
Bereich der Naht zu einer signifikanten Reduktion der
Wundkontamination. Daher sollte eine Reduktion der klinisch
relevanten tiefen Infektionen nicht erwartet werden. Die
Bedeutung der niedrigeren Kontaminationsrate der Naht in
Bezug auf die Infektionsprävention bleibt abzuwarten.
P 52
Cyanoacrylat-Kleber zur intraoperativen Hautversiegelung
bringen nur einen geringen Nutzen
M. Napp1, D. Gümbel1, A. Ekkernkamp1, G. Daeschlein2
1Universitätsmedizin Greifswald, Unfallchirurgie, Greifswald,
Deutschland
2Universitätsmedizin Greifswald, Klinik und Poliklinik für
Hautkrankheiten, Greifswald, Deutschland
Einleitung: Eine Hauptursache für iatrogen verursachte
intraoperative
Wundinfektionen
trotz
vorschriftsmäßig
durchgeführter Hautdesinfektion ist das Verschleppen von
(pathogenen)
Hautkeimen
des
Patienten
in
das
Operationsgebiet. Um diesen Effekt zu minimieren, werden in
vielen Kliniken bei ausgewählten Operationen, wie z.B. der
Implantation von Endoprothesen, Inzisionsfolien angewendet.
Diese können bei empfindlicher Haut Spannungsblasen auslösen
und ihre Wirksamkeit ist nicht unumstritten. Mit der Entwicklung
von Integuseal®, einem hochelastischen Kleber auf
Cyanoacrylat-Basis sollte eine Alternative zu den Folien
basierend auf der Schaffung einer mechanischen Barriere zur
Ausbreitung
von
Bakterien
entwickelt
werden.
Fragestellung: Lässt sich durch eine Hautversiegelung mit
Integuseal® bei orthopädisch-traumatologischen Operationen am
Bewegungsapparat
eine
potentielle
bakterielle
Wundkontamination reduzieren?
Material und Methoden: Die vorliegende Studie war prospektiv,
verblindet, randomisiert und kontrolliert. Durchgeführt wurde sie
an 128 Patienten, die alle eine standardisierte Hautdesinfektion
und chirurgische Abdeckung erhielten. Bei 62 Patienten (29
männlich, 33 weiblich, Durchschnittsalter 53,6 ± 20,4 Jahre,
Spannweite 18 - 89 Jahre) wurde nach Trocknen des
Standarddesinfektionsmittels zusätzlich eine Versiegelung mit
Integuseal® durchgeführt, die jeweils weitere 4 Minuten zur
Aushärtung in Anspruch nahm. Die anderen 66 Patienten (38
männlich, 28 weiblich, Durchschnittsalter 50,7 ± 18,8 Jahre;
Spannweite 18 - 85 Jahre) dienten als Kontrolle. Um die Effekte
der Integuseal®-Versiegelung quantifizieren zu können, wurden
bei sämtlichen Patienten folgende Abstriche genommen: 1. nach
Ergebnisse: Insgesamt fanden sich in allen drei untersuchten
Lokalisationen der Wunde in der Integuseal®-Gruppe absolut
weniger Bakterien. Die Differenz war allerdings nur im Bereich
der Wundnaht signifikant (p=0.040).
P 54
Antimikrobielle OP-Handschuhe: Antimikrobielle Effektivität
in vitro
M. Napp1, G. Daeschlein2, D. Gümbel1, A. Ekkernkamp1
1Universitätsmedizin Greifswald, Unfallchirurgie, Greifswald,
Deutschland
2Universitätsmedizin Greifswald, Klinik und Poliklinik für
Hautkrankheiten, Greifswald, Deutschland
Einleitung: Unbemerkte intraoperative Handschuhperforation
kann zur Kontamination des OP-Situs mit (pathogenen)
Hautkeimen des Operateurs und konsekutiver Wundinfektion
(surgical site infection = SSI) führen. Auch die empfohlene
Verwendung doppelter oder dickerer Handschuhe bildet keine
absolute Barriere-Funktion und darüberhinaus lehnen manche
Operateure dies ab, weil sie sich dadurch manuell/taktil behindert
fühlen. Mit G-Bact[TM], Fa. Hutchinson Santé, einem
Handschuh, der in einer zentralen Schicht eine antimikrobielle
Substanz enthält, sollte eine infektionspräventive Alternative zur
Minimierung der Folgen einer Handschuhperforation entwickelt
werden.
Fragestellung: Wird durch Aktivierung der antimikrobiellen
Schicht bei Perforation des OP-Handschuhs G-Bact[TM] der
Durchtritt relevanter Wund-Pathogene in vitro reduziert und wie
ausgeprägt ist der Effekt?
Material
und
Methoden:
Standardisierte
Messplatzuntersuchung der OP-Handschuhe: Füllung mit
einerhochangereicherten
Bakterien-Bouillon
(>
105
koloniebildende Einheiten KbE/ml) und Gewährleistung eines
definierten Überdrucks im Handschuh, der in vivo-Bedingungen
simuliert. Perforation mit einer 20 G-Mikrolanzette an der
Fingerkuppe, Abnahme des durchgetretenen Tropfens der
Bouillon und quantitative mikrobiologische Untersuchung. Als
Kontrolle dienten konventionelle OP-Handschuhe derselben
Stärke desselben Herstellers (G-Derm[TM]). Die eingesetzten
Bakterien-Spezies waren: Methicillin-sensibler Staphylococcus
aureus, Klebsiella oxytoca, Escherichia coli, Enterococcus
faecium, Staphylococcus epidermidis.
Ergebnisse: Gegenüber den konventionellen OP-Handschuhen,
die eine Reduktion der transmittierten Erreger nur bis zu maximal
0,3 Logstufen erlaubten, zeigte sich bei Einsatz der
wirkstoffhaltigen Handschuhe bei allen eingesetzten Spezies
eine signifikante Reduktion. Auf alle untersuchten Spezies
39
Postersessions
bezogen betrug der Reduktionsfaktor von G-Bact[TM] 3,3 und
der von konventionellen OP-Handschuhen durchschnittlich 0,1.
Schlussfolgerung: Die vorliegende in vitro-Untersuchung von
G-Bact[TM] zeigt eine signifikante Keimreduktion wichtiger
Wundpathogene beim Übertritt der Erreger aus simuliertem und
hochgradig kontaminiertem Handschuhsaft. Diese Ergebnisse
berechtigen zur Annahme einer klinisch relevanten
Erregerreduktion in vivo im Falle einer Handschuhperforation
durch Nadelstichverletzung. Inwieweit dadurch SSI verhindert
werden können, muss im Rahmen der klinischen
Infektionssurveillance geprüft werden. Die Aufnahme
antimikrobieller Handschuhe in die Multi-Barrieren-Strategie zur
Verhütung von SSI insbesondere in der Implantat-Chirurgie sollte
überdacht werden.
P 54a
Daten zu Infektionen aus klinischen Studien und Registern
G. Labek1
1Orthopädische Universitätsklinik Innsbruck, Innsbruck,
Oesterreich
Einleitung:
Klinische
Literatur
bezüglich
septischer
Komplikationen nach endoprothetischen Eingriffen zeigt stark
divergierende Ergebnisse mit einer Inzidenz von etwa 1-3% in
den letzten Jahren. Registerdaten zeigen eine starke Streuung
der Ergebnisse einzelner Abteilungen zwischen 0 und über 3% .
Material und Methoden: Es wurde eine strukturierte
Zusammenfassung der verfügbaren Daten in Registern
durchgeführt.
Ergebnisse: Septische Komplikationen sind in Registern
weltweit bei HTEP für 5,5% bis 17%, bei KTEP für 12% bis 25%
aller Revisionsoperationen verantwortlich. In aggregierten und
adjustierten Daten treten septische Wechsel nach primärer
HTEP in einer Inzidenz von 1,07% auf, das heißt 1 von 93
Patienten muss mit einer Revisionsopertaion aus diesem Grund
rechnen. Nach KTEP liegt der Vergleichswert höher bei 1,63% (1
von 61 Patienten). Septische Revisionsraten steigen nach
Wechseloperationen (aus jeder Ursache) deutlich an und liegen
nach dem 1. Wechsel bei knapp 10%, nach dem 2. Wechsel bei
20%. Zweizeitige Wechsel zeigen die besten Ergebnisse,
einzeitige Wechsel können unter optimalen Umständen ebenfalls
gute Ergebnisse aufweisen. Für Debridement und Austausch
nicht knochenverankerter Teile gilt dies nur mit Einschränkungen
und sehr kurzen Verläufen der Entzündung. In den letzten
Jahren ist in allen Registern weltweit ein Ansteigen von
Revisionen durch septische Komplikationen zu beobachten.
Laminar Airflow und Space Suites zeigen höhere Revisionsraten
als Operationen, bei welchen auf diese Technologien verzichtet
wird.
Schlussfolgerung:
Registerdaten können wesentliche
Informationen zur Objektivierung von Ergebnisqualitätsdaten
beitragen. Septische Komplikationen sind und bleiben eines der
Hauptproblemgebiete nach endoprothetischer Versorgung.
OP-Techniken Knie- und Hüftendoprothetik
P 57
Evaluation perfluorierter Polyether für den medizinischen
Einsatz in der Orthopädie
Einleitung: Hyaluronsäure wird in der Orthopädie zur
Schmerzlinderung arthrotischer Patienten als „Schmiermittel“
eingesetzt. Bei multimorbiden Patienten muss oftmals trotz
erheblicher Bewegungseinschränkungen und Schmerzen
aufgrund eines hohen Risikos auf eine OP gänzlich verzichtet
werden, da Alternativen für eine adäquate Behandlung fehlen.
Weiterhin wird für die Verminderung von Abriebpartikeln bei
artikulierenden Gelenkflächen ein medizinisch geeignetes
Gleitmittel gesucht. Perfluorierte Polyether werden technisch als
Dichtungsmaterial
unter
Extrembedingungen
in
der
Vakuumtechnik eingesetzt. Sie sind omniphobe viskose
Substanzen und könnten für einen Einsatz in der Orthopädie als
Synovialflüssigkeitsersatz, als Gleitmittel bei Gelenkpaarungen
und als Gelenkschmiere bei arthrotischen Gelenkbeschwerden
als Hyaloronsäureersatz von Interesse sein. Ziel der
vorliegenden Arbeit war es zu prüfen, ob die Perfluorpolyether
einige wesentliche Grundvoraussetzungen wie Biokompatibilität,
Sterilität, Verarbeitbarkeit und Wechselwirkungen mit Keimen
erfüllen, um als Medizinprodukt in der Orthopädie eingesetzt zu
werden.
Material und Methoden: Perfuorierte Polyether (Fomblin)
wurden in drei Viskositäten (Y04, Y25 und YR) untersucht. Die
Materialien wurden sterilfiltriert und autoklaviert. Die
Biokompatibilität wurde mit einem MTT-Test geprüft
(Zellviabilität, Zytotoxizität). Der Einfluss der untersuchten
Materialien auf Keime wurde auf Agarschalen untersucht. Dabei
wurden auf ausplatierte Agarschalen die Fombline aufgebracht
und das Keimwachtum sowie die Wechselwirkungen untersucht.
Weiters wird das Verhalten der Stoffe in Kontakt mit zwei
Bakterienarten getestet. Staphylococcus aureus und
Staphylococcus epidermidis werden auf verschiedene Arten mit
den perfuorierten Polyethern in Verbindung gebracht. Weiterhin
wurden Wechselwirkungen mit Bakterien untersucht. Die
Spritzbarkeit der Stoffe wurde durch einfache Aufzieh- und
Injektionsbarkeit geprüft.
Ergebnisse: Alle untersuchten Fombline erwiesen sich als
biokompatibel. Die Sterilität konnte sowohl mit Sterilfiltration als
auch mit Autoklavieren erzielt werden. Die perfluorierten
Polyether zeigten keinen Einfluss auf das Bakterienwachstum
auf, reagierten nicht auf Zellen und Keime. Das Material war trotz
der Inkubation zusammen mit Keimen steril. Die Keime rutschten
von der Fomblinoberfläche ab und traten nicht in
Wechselwirkung. Ein Aufziehen und Ausdrücken aller
untersuchter Fombline war jederzeit möglich, wobei das
hochviskose Material YR schwierig zu bearbeiten war. Als
Mischung mit einer weniger viskosen Variante war das hoch
viskose Material aber ebenfalls verwendbar.
Schlussfolgerung: Ein potentieller Einsatz der Perfluorpolyether
als Medizinprodukt zur Verhinderung von Abrieb oder als
Synovialersatz wäre grundsätzlich möglich. Es erwies sich als
steril, biokompatibel und als leicht verarbeitbar. Das Material
kann in ein bereits endoprothetisch versorgtes Gelenk injiziert
werden und zwischen den Gleitpaaren dafür sorgen, dass der
Abrieb signifikant reduziert wird. Das Material übernimmt eine
40
Postersessions
dämpfende Funktion im Gelenkspalt, in dem der Knorpel
irreversibel geschädigt ist, also auch bei Patienten die aufgrund
von Vorerkrankungen nicht mehr operiert werden können. Auch
junge Patienten, denen derzeit in der frühen Arthrosephase
Hyaluronsäurepräparate gespritzt werden, wären eine mögliche
Patientengruppe.
P 58
Der intramedulläre totale Femurersatz als Therapieoption bei
periprothetischen Femurfrakturen,
Prothesenlangschaftbrüchen und posttraumatischen
Destruktionen
Y. Gramlich1, S. M. Heinz1, M. Kremer1, R. Hoffmann1, J. Pichl1
1BG Unfallklinik Frankfurt am Main, Unfallchirurgie und
orthopädische Chirurgie, Frankfurt am Main, Deutschland
Einleitung: In Einzelfällen ist bei periprothetischen Femurfrakturen, Prothesenlangschaftbrüchen und posttraumtischen
Destruktionen mit Defekt die stabile Verankerung einer
Revisionsprothese im vorhandenen Knochen nicht möglich. Dies
trifft insbesondere bei geriatrischen Patienten und
posttraumatischen Situationen mit schlechter Knochenqualität
zu. Die konservative Therapie beinhaltet in diesen Fällen oft die
Notwendigkeit mehrwöchiger Immobilisierung oder ist ohne
Aussicht auf Erfolg, wenn als Therapieziele die
Wiederherstellung einer belastungsfähigen Extremität und die
Erlangung der vorbestehenden Mobilität formuliert werden. In
diesen Fällen stellt die Implantation eines intramedullären totalen
Femurersatzes (IMTFE) aus biomechanischer Sicht eine
Therapieoption dar.
auf modularen Revisions-Schaft bei periprothetischer
Femurfraktur und Zustand nach zweimaligem Schaftbruch. Der
modulare Schaft war erst 7 Monate vorher alio loco im Rahmen
einer Wechsel-OP implantiert worden (Abb. 1A präoperative
Situation, Abb. 1B postoperativ nach IMTFE Implantation).
Ergebnisse und Schlussfolgerung: In allen Fällen konnte der
IMTFE ohne intraoperative Komplikationen implantiert werden.
Zur Anwendung kam das MUTARS-System der Firma
Implantcast - die Verankerung tibialseitig erfolgte zementiert.
Postoperativ trat ein Frühinfekt auf, hier wurde nach 3 RevisionsOperationen eine Infektberuhigung mit Prothesenerhalt erreicht.
Alle Patientinnen kehrten in das vorbestehende häusliche Umfeld
zurück. Bei 4 von 6 wurde die vorbestehende Mobilität
wiedererlangt, eine ist entgegen der Vormobilität ohne
Gehstützen mobil. Der IMTFE stellt in Fällen mit schwieriger
Ausgangslage eine Therapieoption dar, um die Ziele einer
belastungsfähigen Extremität mit mindestens Wiedererlangen
der vorbestehenden Mobilität zu erreichen. Die Behandlung
sollte an Kliniken erflogen, welche die logistischen und
personellen Voraussetzungen zur Implantation eines IMTFE
erfüllen, um frustrane operative Therapieversuche zu vermeiden
und die Komplikationsrate möglichst gering zu halten.
Abb. 1
Material und Methoden: Es werden 6 Fälle, bei denen ein
IMTFE implantiert wurde, dargestellt. Es handelt sich um 6
Patientinnen im Alter zwischen 71 und 87 Jahren, in allen Fällen
mit reduzierter Knochenqualität (Osteoporose, langen Phasen
der Entlastung, mehrfachen Voroperationen).
Fall 1: langstreckige, bis nach suprakondylär reichende
periprothetische Femurfraktur bei Hüft-TEP mit gelockertem
modularem Langschaft.
Fall 2: interprothetische distale Femurtrümmerfraktur bei
zementierter Hüft-TEP mit gelockerter Pfanne und Knie-TEP
(Oberflächenersatz) mit durch die Fraktur gelockertem
Femurschild. An der zuweisenden Klinik war ein frustraner
interner Osteosyntheseversuch erfolgt und anschliessend eine
Fixateur-Externe-Anlage.
Fall 3: posttraumatische Destruktion des distalen Femurs mit
Defekt am medialen Femurkondylus und Indikation zur
Implantation eines distalen Femurersatzes. Wegen einer
gleichseitigen Hüft-TEP mit Zementauffüllung des Markkanals
bestand bis distal des Isthmus keine Verankerungsmöglichkeit
für den Prothesenstiel.
Fall 4 und Fall 5: in beiden Fällen Bruch eines zementfreien
Langschafts bei einliegender Hüft- TEP und knöchern defizitärem
Femuristhmus. Der Schaft war jeweils mehrere Jahre vorher zur
Behandlung einer periprothetischen Fraktur implantiert worden.
Fall 6: Schaftlockerung mit Femurperforation sowie Destruktion
des Femurschaftisthmus nach durchgeführtem Schaftwechsel
41
Postersessions
P 59
Knie-TEP-Implantation in Femur-First-Technik mit
patientenspezifischen Instrumenten: Erste Ergebnisse bei
47 Patienten
S. M. Heinz1, J. Pichl1, Y. Gramlich1, M. Kremer1, R. Hoffmann1
1Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main,
Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie, Frankfurt am Main,
Deutschland
Einleitung: Neben dem Weichteilbalancing ist die korrekte
Ausrichtung der femoralen und tibialen Prothesenkomponenten
in allen 3 Ebenen eine Grundvoraussetzung für ein gutes
klinisches Ergebnis in der Knieendoprothetik. In zahlreichen
klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass mit Hilfe der
Computernavigation in > 90 % eine gerade Beinachse in der
Frontalebene mit einer Toleranzgrenze von ± 3 Grad erreicht
wird. In dieser Studie wird geprüft, ob durch Anwendung von
patientenspezifischen Instrumenten (PSI-System der Fa.
Zimmer) vergleichbare Ergebnisse erzielt werden können. Die
OP-Technik wird dargestellt.
Material und Methoden: Prospektive Erfassung von 47
konsekutiven Patienten mit Knie-TEP-Implantation. Die Planung
erfolgt an einer präoperativen Ganzbeinaufnahme mit
Bestimmung des IM-Winkels, der Achsfehlstellung, des LDFA
und des MPTA. Präoperativ radiologisch gesteuerte Markierung
des Hüftkopfzentrums im A-P-Strahlengang mit einer
Klebeelektrode auf der Haut und Markierung des OSG-Zentrums
mit Hilfe anatomischer Landmarken. Zuerst Durchführung der
Femurresektion, dann der Tibiaresektion, jeweils mit Hilfe von
patientenspezifischen Zielhilfen. Überprüfung der Achskorrektur
an Femur und Tibia mit Hilfe von Ausrichtstäben vor und nach
Durchführung der Knochenschnitte, Schnittverifizierung an den
Resektaten,
ggf.
Korrekturschnitt.
Überprüfung
der
Bandspannung (Beuge- und Streckspalt) mit Spacern, ggf.
Release. Postoperativ erfolgt die Ausmessung der Achse an
einer Ganzbeinaufnahme.
Ergebnisse: Präoperativ bestand eine ‫ ׎‬Achsabweichung von
8° (15 Var bis 9 Val). Der IM-Winkel betrug ‫׎‬7° (5-10), der
LDFA‫׎‬89° (83-95) und der MPTA‫׎‬86° (81-93). Bei 43 von 47
Patienten (93,7 %) wurde postoperativ eine gerade Beinachse ±
3 Grad erreicht. Die durchschnittliche Achsabweichung im
Gesamtkollektiv lag bei 1,5° ( 4° var bis 4° val). Zwei Patienten
wiesen eine Achsabweichung von 4° varus einer von 4° valgus
auf. Bei einem Patient konnte die Ganzbeinaufnahme post OP
nicht verwertet werden. Postoperativer LDFA‫׎‬90° (87-93) und
der MPTA‫׎‬90° (86-93).
Schlussfolgerung: Die Anwendung patientenspezifischer
Instrumente ermöglicht in > 90 % die Einrichtung einer neutralen
Beinachse in der Frontalebene und erzielt diesbezüglich
vergleichbare Ergebnisse wie die Computernavigation.
P 61
Immobilisierende Tibiaschaftpseudarthrose bei Gonarthrose
Kasuistik einer einzeitigen operativen Behandlung mit
zementfreier gekoppelter Knieendoprothese
T. Kessler1, P. Lutz1
1Städtisches Krankenhaus, Unfallchirurgie und Orthopädie,
Pirmasens, Deutschland
Anamnese: Eine zum Unfallzeitpunkt 83jährige OsteoporosePatientin zog sich bei einem Minimaltrauma (häuslicher Sturz)
eine pathologische Querfraktur im proximalen Tibiadrittel zu.
Vorbestehend lag
eine
schmerzhafte, aber nicht
immobilisierende Pangonarthrose am gleichen Bein vor. Die
konservative
Initialbehandlung
erfolgte
durch
einen
niedergelassenen Orthopäden. Die Röntgenkontrollen zeigten im
Verlauf von 3 Monaten keine knöcherne Konsolidierung. Für die
Dauer dieser Behandlung war die geistig sehr rege Patientin nur
noch im Rollstuhl mobil.
Verlauf: Bei Erstvorstellung in der Klinik erfolgte
Indikationsstellung zur Operation: beim gekoppelten
Kniegelenksersatz soll die Frakturfixation mit einem langen
zementfreien Stamm der Tibiakomponente (nach Aufbohrung
des Markraumes im Sinne einer inneren Spongiosaplastik)
erfolgen. Die präoperative Prothesenplanung ergab aufgrund der
Anatomie die Notwendigkeit ein modulares Prothesensystem zu
verwenden, bei dem der Schaft der Tibiakomponente seitlich
versetzt werden kann, um die achsgerechte Implantation
durchzuführen. Der Eingriff verlief komplikationslos. Drei Tage
postoperativ war die Patientin nach der langen
Rollstuhlabhängigkeit vor der Operation jetzt im Zimmer am
Gehbock erstmalig mobilisiert. Die Fraktur konsolidierte
zeitgerecht. 6 Jahre später sitzt die Kniegerothese bei guter
Funktion des Kniegekenkes (Extension/ Flexion 0-0-110°)
schmerzfrei und ohne radiologische Lockerungszeichen ein. Der
Verlauf wird mit Röntgenbildern illustriert.
Take home: Für Patienten mit symptomatischer Arthrose des
Kniegelenkes (und ggf. auch des Hüftgelenkes) sowie
Schaftfrakturen, die prinzipiell mit einem intramedulären
Verfahren stabilisierbar sind, kann die Frakturversorgung mit
einem langen zementfreien Schaft einer modularen Prothese
eine gute Behandlungsoption sein.
P 63
Herausforderungen durch die kommende neue
Medizinproduktgesetzgebung?
G. Labek1
1Orthopädische Universitätsklinik Innsbruck, Innsbruck,
Oesterreich
Einleitung: Derzeit befindet sich eine Neufassung der
Medizinproduktgesetzgebung
im
Endstadium
der
Beschlussfassung auf EU-Ebene, spätestens 3 Jahre nach
diesem Beschluss wird diese Regelung nationale Gültigkeit
erlangen.
Material und Methoden: Der aktuelle Stand wird vorgestellt und
Folgen für das tägliche Praxis werden diskutiert.
Ergebnisse: Register werden ein zentraler Bestandteil der
neuen Rechtsnorm werden, womit eine transparente und
umfassende Marktüberwachung implementiert werden wird.
Behörden und Hersteller werden diese Daten für die eigenen,
rechtlich vorgegebenen, Bereiche verwenden, wobei es
Überschneidungen zu ärztlichen Kompetenzen gibt.
Eine stärkere öffentliche und mediale Aufmerksamkeit ist zu
erwarten. So wird etwa eine Nicht-Einhaltung der gesetzlich
vorgeschriebenen Meldung von Produktversagen aus dieser
unabhängigen
Stelle
evident
und
nachvollziehbar.
42
Postersessions
Die Beschäftigung mit der Qualität der verwendeten Produkte
wird wichtiger werden.
Dabei sollte beachtet werden, dass Revisionsoperationen durch
systemische Grundvoraussetzung im Gegensatz zu
Medikamenten, grundsätzlich nicht vermeidbar sein werden und
daher per se kein ärztliches Versagen oder Fehlleistung
bedeutet.
Diese Aspekte sollten auch in der Kommunikation mit Patienten
verstärkt angesprochen werden. Die Thematik Innovation, deren
Risiken und Ergebnisqualität wird eine höhere Wertigkeit
bekommen, um im beruflichen Umfeld erfolgreich arbeiten zu
können.
Schlussfolgerung: Die kommende neue Gesetzgebung wird
einen starken Einfluss auf das berufliche Umfeld haben.
Erfolgskriterien werden sich ändern, es ist sinnvoll sich auf diese
Veränderungen aktiv vorzubereiten.
43
Index Referenten und präsentierende Autoren
Ascherl, Rudolf (Tirschenreuth)
Huber, Joerg (Zuerich)
Pisecky, Lorenz (Linz)
Beier, Alexander (Kremmen)
Jäger, Marcus (Essen)
Reichel, Heiko (Ulm)
Böhler, Nikolaus (Linz)
Jakobs, Oliver (Hamburg)
Ritschl, Peter (Wien)
Brandenberg, Josef E. (Luzern)
Jerosch, Jörg (Neuss)
Röhner, Eric (Eisenberg)
Bünte, Dennis (Hamburg)
Jesenko, Michael (Wien)
Roßmann, Anita (Graz)
Calliess, Tilman (Hannover)
Junez, Julian (Wien)
Rudert, Maximilian (Würzburg)
Caraan, Neil (Wien)
Jürgens, Christian (Hamburg)
Schaser, Klaus-Dieter (Berlin)
Christen, Bernhard (Bern/CH)
Kälicke, Thomas (Bonn-Beuel)
Schmidl, Stefan (Hamburg)
Cvorak, Njegos (Mittersill)
Katthagen, Bernd-Dietrich (Dortmund)
Damm, Niklas (Hamburg)
Kendoff, Daniel (Hamburg)
Schmidutz, Florian (München,
Davos/CH)
Dinges, Harald (Kusel)
Kessler, Tobias (Pirmasens)
Duda, Georg (Berlin)
Kogler, Stefan Klaus (Graz)
Dufek, Pavel (Neustadt in Holstein)
Krull, Annika (Hamburg)
Eder, Annabelle (Wien)
Labek, Gerold (Innsbruck)
Fakler, Johannes (Leipzig)
Lampe, Frank (Hamburg)
Fink, Bernd (Markgröningen)
Landskroener, Selina (Wien)
Froemel, Dara (Frankfurt)
Lass, Richard (Wien)
Frommelt, Lars (Hamburg)
Lenz, Erwin (Schwarzenbruck)
Füchtmeier, Bernd (Regensburg)
Lerchbaumer, Markus (Graz)
Gehrke, Thorsten (Hamburg)
Lobenhoffer, Philipp (Hannover)
Giurea, Alexander (Wien)
Lugeder, Armin (Minden)
Glehr, Mathias (Graz)
Matziolis, Georg (Eisenberg)
Gottsauner-Wolf, Florian (Krems)
Mau, Hans (Hamburg)
Gramlich, Yves (Frankfurt am Main)
Mayr, Hermann (München)
Guggi, Thomas (Zürich)
Mayrhofer, Thomas (Wien)
Gührs, Julian (Hamburg)
Morlock, Michael M. (Hamburg )
Günther, Klaus-Peter (Dresden)
Mouzopoulos, Georgios (Lixouri)
Haas, Holger (Bonn)
Müller, Michael (Berlin)
Haddad, Fares (London)
Müller, Sarah (Trier)
Hauschild, Matthias (München)
Nagel, Katrin (Hamburg)
Heinz, Simon Martin (Frankfurt a. M.)
Napp, Matthias (Greifswald)
Heller, Karl-Dieter (Braunschweig)
Pandorf, Thomas (Plochingen)
Hommel, Hagen (Wriezen)
Perka, Carsten (Berlin)
Hube, Robert (München)
Pfitzner, Tilman (Berlin)
Schneider, Michael (Wiesbaden)
Schoof, Benjamin (Hamburg)
Serejko, Dariusz (Altentreptow)
Steinbrück, Arnd (München)
Stöckle, Ulrich (Tübingen)
Sufi-Siavach, Anusch (Hamburg)
Thorey, Fritz (Heidelberg)
Tibesku, Carsten O. (Straubing)
Tohtz, Stephan (Berlin)
Trampuz, Andrej (Berlin)
Traut, Philipp (Bad Oeynhausen)
Vertesich, Klemens (Wien)
Vogel, Franziska (Jena)
von Foerster, Goetz (Hamburg)
von Heymann, Christian (Berlin)
von Roth, Philipp (Berlin)
von Rottkay, Eberhard (Berlin)
Wagner, Michael (Mainz)
Wassilew, Georgi (Berlin)
Weber, Patrick (München)
Windhagen, Henning (Hannover)
Winkler, Tobias (Berlin)
44