Pfarrbrief GeistReich 2015 Nr. 3

Leben in der Katholischen Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus
AUSGABE 03 _‘...wie im Himmel, so auf Erden’
2015
VORWORT
Inhalt
Gedanken zur dritten Ausgabe
/3
/2
VORWORT
TITELTHEMA
GESICHTER
UNSERER KIRCHE
Gedanken zur dritten Ausgabe
/3
‘‘... wie im Himmel, so auf Erden’’
/6
St. Michael in Mammolshain
/ 12
Ein himmlischer Genuss – ein irdisches Vergnügen
/ 16
‘‘... und der Himmel brannte!’’
/ 20
‘‘Wenn ich in der Erde puhle, bin ich dem Himmelreich nah.’’ / 22
‘‘Da berühren sich Himmel und Erde’’
Surfexerzitien in Moliets
/ 24
Ein himmlisches Band – Ehepastoral in der Pfarrei
/ 28
Vom Himmel und der Hölle
/ 32
Christi Himmelfahrt: Brauchtum und Perspektiven
/ 34
‘‘Bitte, wo geht’s zum Paradies?’’
/ 38
Gottes Reich mitten unter uns
/ 40
NACHGESPÜRT
‘‘Um Himmels Willen!’’ Die Sprache verrät es ...
/ 42
ADRESSEN
Übersicht Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus
/ 44
LEBEN UND GLAUBEN
ÜBER
DEN TELLERRAND
HINGESCHAUT
„An alle“ in der Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus,
„die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen“
… so oder ähnlich würde wahrscheinlich der Apostel Paulus (nach Röm 1,7) das Vorwort zu dieser
Ausgabe des „GeistReich“ eröffnen. Das klingt in
unseren Ohren eher befremdlich. Wir als „berufene
Heilige“? Ist das nicht eine Nummer zu hoch gegriffen? Diese Ausgabe unseres „GeistReich“ zu Christi
Himmelfahrt steht unter dem Motto „wie im Himmel
so auf Erden“.
„Wie im Himmel“ – ja, wie ist es denn im Himmel? Wir
wissen es nicht, doch wir glauben und ahnen, dass
der Himmel ein Reich vollkommener Gottesnähe ist. Dort stellen Anka
wir uns „die Heiligen“ vor. Menschen, durch die in besonderer Cordes-Leick
Weise Gottes Liebe unter uns spürbar wurde.
„...so auf Erden“ – vollkommene Gottesnähe? Liebe? Heilige?
Lebendiges Reich Gottes auf dieser Erde, die oft wenig Himmlisches erkennen lässt?
Paulus würde diese Fragen mit einem „JA“ beantworten. Er,
der begnadete Christusverkündiger und Organisator frühchristlicher Gemeinden, Mahner und Streitschlichter, zwischendurch in
seinem Beruf als Zeltmacher tätig, steht mit beiden Beinen auf
dem Boden der Gemeinderealität, ist sozusagen geerdet. Dennoch spricht er die ganz normalen Mitglieder der frühen christlichen Gemeinden als „Heilige“ an, Menschen wie Sie und mich.
Aber, wir … Heilige?
Stellen wir uns die Frage: Was macht „Heilige“ heilig? Der Schlüssel ist wohl die von Paulus in seine Anrede eingefügte Deutung:
„die von Gott geliebt sind“. Da ist nicht die Rede von Menschen,
die Gott auf besonders perfekte Weise geliebt haben oder lieben, sondern von Menschen, „die von Gott geliebt sind“. Von Gott
geliebt mit der Liebe, die in Jesus Mensch wurde und die durch
den Heiligen Geist bis heute wirkt.
VORWORT
/4
Versuchen auch wir, uns von Gott zu Menschen lieben zu lassen,
durch die sein Reich ein wenig mehr erfahrbar werde „wie im Himmel so auf Erden“.
Überliefertes aus dem „Geist-Reich“ im Umfeld der Apostel erfahren wir zwischen Ostern und Pfingsten gerade wieder in den
Lesungen aus der Apostelgeschichte, dem sogenannten „Evangelium des Heiligen Geistes“. Aber auch Vielfältiges aus dem „GeistReich“ Maria Himmelfahrt im Taunus wartet darauf, entdeckt
zu werden, in diesem Heft und an zahlreichen anderen Stellen.
Jetzt wünsche ich Ihnen allen zunächst viel Freude bei der
Lektüre.
Mit herzlichen Grüßen,
Anka Cordes-Leick
Vorstad des Pfarrgemeinderates
Bild rechts:
Darstellung Maria Himmelfahrt am Kirchort St. Marien, Königstein
TITELTHEMA
‘... wie im Himmel, so auf Erden’
/6
/7
Innerhalb des Redaktionsteams von GeistReich war das Erscheinungsdatum zu Christi Himmelfahrt schnell Konsens, das Leitthema dagegen nur schwer gefunden. Wie kann „Christi Himmelfahrt“
sowohl konkret im gemeindlichen Leben einer Pfarrei, als auch
theologisch und spirituell verortet werden, ohne allzu abgehoben
daherzukommen? In der Bitte des Vaterunsers „…wie im Himmel so auf Erden“ schien genau dieser Brückenschlag gefunden
zu sein und in Martin Weinrauter ein Autor für den Leitartikel
gewonnen werden, der dies wagt. Derzeit leitet er eine „Elterngruppe“ im Rahmen der aktuellen Firmung, die sich regelmäßig
zu Gesprächen über Gott und die Welt trifft. Erfahrungen und
Gedanken aus diesem Kreis sind in den Artikel geflossen…
„Der Himmel ist
nicht weniger
blau, weil der
Blinde ihn nicht
sieht.‘‘
aus Dänemark
„… wie im Himmel, so auf Erden“
Ein halber Satz steht über diesem GeistReich. Ein
Halbsatz aus dem Vaterunser. Was lässt sich ohne
die Weichenstellung seines Hauptsatzes hierzu sagen? Einiges. Aber vor diesen Gedanken sollte eine
Begriffsklärung stehen. Vielleicht bedarf „auf Erden“
nicht unbedingt einer Klarstellung, doch „im Himmel“
braucht sie. Wir haben uns im Vorfeld der derzeitigen
Firmung gefragt, ob es Interesse an derlei Fragen
geben könnte, Interesse an den Details, aber auch
an den großen Linien unseres Glaubens. Vielleicht
aus intellektueller Neugier. Vielleicht aber auch, weil
jemand sucht, und finden möchte, und merkt, dass
dies gar nicht so einfach ist.
Das Echo von den Eltern war lauter als von den jugendlichen Firmanden und so gibt es jetzt erstmals 2015 Firmelterngruppen, die
sich ein Jahr lang treffen und über diese Art von Glaubensfragen
nachdenken und diskutieren. Die Fragen haben sich die Gruppen
selbst gestellt. Neben diesen Suchbewegungen gibt es zwei weitere Themenbereiche. Der Heilige Geist und das Vaterunser. Und
hiermit schließt sich der Kreis. Warum schreiben die Firmelterngruppen etwas über „… wie im Himmel, so auf Erden?“ Weil sie
sich gerade damit auseinandersetzen.
Der Himmel ist über uns, und wenn keine Wolken aufgezogen
sind, dann ist er blau. So weit, so klar. Ebenso klar erschien es
für uns in den Gesprächen, dass dieser blaue Himmel ein Sym-
bol ist, ein Bild für die Unverfügbarkeit dessen, der Himmel und
Erde erschaffen hat. Wir brauchten für diese Erkenntnis nicht die
sprachliche Unterscheidungsmöglichkeit, die z.B. die englische
Sprache mit sky und heaven bietet.
Nach diesem einfachen Einstieg tauchten die ersten Belastungen
auf. Auch heute noch belastet der Nachhall von Predigten und
Katechesen, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ganz selbstverständlich zu einer „Himmels-Sehnsucht“ aufriefen und es
nicht versäumt haben, gleichzeitig die „Angst vor dem Verderben“ zu befeuern. Doppelt geleitet hält besser, so dachte man,
und wenn die gesamte Herde mit der Verheißung nicht beflügelt
werden kann, dann wird man die schwarzen Schafe wohl mit
einer Drohung zur Ordnung rufen müssen. Theoretisch sind diese
Argumente nachvollziehbar, doch leider war es praktisch häufig so, dass die schwarzen Schafe in der Lage waren, den Ordnungsruf zu überhören, und sich statt dessen die weißen Schafe
im Angesicht der Drohgebärden verrückt gemacht haben. Nicht
viel besser ergeht es uns heute mit den Projektionen, die noch
vor wenigen Jahrzehnten auf den Himmel als einen Ort irdischer
Freuden gedeutet haben, die denen zugesagt wurden, die sich
„dem Herrn verdient gemacht“ oder die Leiden der Zeit klaglos
ertragen hatten. Wir glauben heute nicht mehr so einfach daran.
Gott sei Dank hat die zeitgenössische Theologie und ihr Reden
von Gott diese individualistischen Kompensations- und Vertröstungsgedanken hinter sich gelassen. Aber leider hat sie es auch
nicht geschafft, diesen Leerraum neu zu füllen. Lässt sich das
klassische Hoffnungsbild des Himmels aus den Bildern und Vorstellungen unseres heutigen sozialen Umfelds nicht verständlich
und angemessen neu füllen? Nichts leichter als das, sollte man
meinen, denn von Buchtiteln und Schlagern bis hin zu Redewendungen und der Werbung sind wir auch außerhalb des religiösen
Zusammenhangs ständig umgeben von Himmelsbegrifflichkeiten.
Doch genau das macht das Verständnis nicht leichter. Das was
angezapft wird, die religiöse Quelle, wird befrachtet mit ganz
eigenen Nutzenvorstellungen und führt mit dieser Benutzung weg
von dem, was religiös gesagt werden will. Denn im Glaubensbezug geht es ja gerade nicht darum, über den Himmel zu verfügen,
ihn zu benutzen und gar zu verbrauchen, so wie dies auf Erden
möglich ist.
„Das Jenseits
ist die Kraft des
Diesseits.“
Ernst Troeltsch
TITELTHEMA
/9
/8
„Der Himmel hat den
Menschen als
Gegengewicht
zu den vielen
Mühseligkeiten
des Lebens drei
Dinge gegeben:
die Hoffnung,
den Schlaf und
das Lachen.‘‘
Immanuel Kant
„Der Himmel
ist uns überall
gleich nahe.“
Friedrich Gottlieb
Klopstock
Daher wird in der kirchlichen Glaubensverkündigung auch kaum
noch direkt vom Himmel gesprochen, sondern indirekt mit den
großen biblischen Bildern der Wohnungen, der Stadt oder des
Gastmahls. All dies ist richtig.
Die Bilder sind nach wie vor zutreffend. Aber auch wenn der Ausruf „himmlisch“ bei einem wohlschmeckenden Essen eine Idee
vom Hintergrund des Gastmahlbildes geben kann, so verströmen
dennoch auch diese Bilder vom Himmel in unserer heutigen Gesellschaft kaum noch Verheißungswert, denn glücklicherweise erleben wir die Welt nicht mehr als trost- und gottloses Jammertal
am Rande des Existenzminimums. All dies - Wohnung, Stadtfreiheit und ein schönes Essen - können wir uns heute selbst erfüllen.
Wofür braucht es dann den Gedanken vom Himmel?
Himmel wird für uns erst dann sinnvoll denkbar, wenn wir die Vorstellung eines dreidimensionalen Raums hinter uns lassen. Gott,
den alle Christen ausdrücklich als den bekennen, der Himmel
und Erde erschaffen hat, kann von diesem Bekenntnis aus nur
transzendent verstanden werden. Gott und der Himmel sind nicht
die Erde. Daher können sie innerhalb der Bezugspunkte unseres
alltäglichen Lebens - Raum und Zeit - zwar mit Symbolen beschrieben, nicht aber mit unserem Denken und Fühlen tatsächlich erfasst werden. Wenn wir von Menschen hören, die sich auf
der Erde in Richtung Himmel bewegt haben, dann werden wir
Erzählungen begegnen wie dem brennenden und doch nicht verbrennenden Dornbusch, auf den Mose am Gottesberg trifft.
Mose ging eines Tages hinaus über die Steppe seines Alltags und
sah einen heiligen Ort, einen Ort, an dem ein Dornbusch brannte,
aber nicht verbrannte. Ein Dornbusch. Hirten schätzen ihn überhaupt nicht und daher verbrennen sie ihn, damit sich ihre Schafe
und Ziegen nicht mit der Wolle darin verfangen. Ein Alltagsbild,
und ausgerechnet vor diesem so gar nicht hoheitsvollen Dornbusch als Raum Gottes begegnet Gott dem Mose. Ein brennender
Dornbusch ist das, was ein Hirte erwarten würde, und dieser
Dornbusch brennt. Aber er verbrennt nicht, und wer sich jetzt im
Angesicht der Sperrigkeit dieses Bildes an die Dornenkrone der
Kreuzigung und die folgende Auferstehung erinnert, ist auf der
Spur des Himmels auf Erden.
Theologen sprechen in diesem Zusammenhang von „der inneren
relativen Transzendenz der Schöpfung“, ihrer „gottoffenen Seite“.
Sie wollen damit sagen, dass die Erde ganz gewiss nicht der Himmel ist, aber sie sagen damit gleichzeitig, dass Himmel und Erde
kein Gegensatzpaar sind. Himmel auf Erden ist möglich. Andeutungsweise. Diese Offenheit begegnet uns unverhofft, aber nur
dann, wenn ein Mensch sie nicht kategorisch für unmöglich erklärt: z.B. weil es Gott nicht geben könne; weil der Himmel leer
sei; weil ein Bild wie der brennende und doch nicht verbrennende
Dornbusch ein Widerspruch in sich sei, unlogisch, und Logik sei
schließlich etwas, das Hand und Fuß habe. Mose hat sich nicht
in dieser Versuchung der Selbstverschlossenheit verfangen und
so gerät er in einen Dialog. Mit Gott. Und dieser Dialog des Mose
mit Gott ist zweifellos einer der erstaunlichsten Dialoge der inspirierten und inspirierenden Weltliteratur. Gott zwingt Mose weder
den Dialog noch seinen Willen auf. Er lässt zwar nicht locker, aber
er lässt dem Menschen Mose seinen freien Willen. Was dann geschieht wird zum zentralen Urbild des jüdischen und von daher
auch des christlichen Glaubens. Gott befreit.
Von was befreit Gott? Diese Frage muss und kann zunächst jeder
für sich selbst beantworten. Und, zu was befreit Gott? Diese vielleicht noch entscheidendere Frage lässt sich beantworten, sobald
wir damit aufhören, den Himmel als etwas sehen zu wollen, das
erst nach dem Sterben geschieht. Wenn wir aufhören zu glauben,
dass der Himmel seinen Platz und seine Zeit erst nach dem Sterben haben kann. Dann können Himmel und Erde als Beziehungsräume gedacht werden. Räume, die sich aufeinander beziehen
und die vom Himmel her und zum Himmel hin immer wieder neu
Beziehung und Gemeinschaft ermöglichen. Nicht erst später in
Vollendung - aufgerichtet aus unserem Versagen, gereinigt von
unserer Schuld und versöhnt mit uns und der Welt und Gott –
sondern bereits hier und jetzt. Räume der Hoffnung und Räume
der Möglichkeiten, die wir immer wieder neu - über die innergeschichtlichen Brüche des Versagens unserer Beziehungen zu Gott
im Himmel und unseren Mitmenschen auf der Erde hinaus - erwarten dürfen.
Dann, wenn wir so denken und hoffen und erwarten, erfüllt sich
die Verheißung des Himmels bereits hier und jetzt. Thomas Merton, einer der bekanntesten katholischen US-amerikanischen Autoren des vergangenen Jahrhunderts, hat sie einem seiner Bücher
als Titel mitgegeben: „Ein Tor zum Himmel ist überall.“
„Der Himmel
liegt nicht über
uns, sondern
vor uns als
Aufgabe, als
Möglichkeit, die
schon hier in
der Welt beginnt.‘‘
Franz
Kamphaus
GESICHTER UNSERER KIRCHE
St. Michael in Mammolshain
/ 12
/ 13
Eine besondere Verbindung zwischen Himmel und Erde, biblisch
besonders im Alten Testament bestens verbürgt, sind die Engel.
Zwar erfährt die dogmatische Lehre von den Engeln, die sogenannte „Angelogie“, nur im Randbereich der modernen Theologie Aufmerksamkeit, jedoch erfreuen sich diese „Wesen Gottes“ in
der allgemeinen Frömmigkeit großer Beliebtheit. Eine besondere
Rolle unter ihnen nimmt der Erzengel Michael ein.
Im Christentum gilt Michael insbesondere als Bezwinger des
Teufels in Gestalt des Drachen (Offenbarung 12,7) sowie als Anführer der himmlischen Heerscharen. Die letzten Worte, die der
Satan vor seinem Sturz hörte, sollen „Wer (ist) wie Gott?“ gewesen sein – eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Mi-kael. Der heilige Michael wurde seit der siegreichen Schlacht auf
dem Lechfeld am 10. August 955 zum Schutzpatron des Heiligen
Römischen Reiches und später Deutschlands erklärt. Die Kirche in
Mammolshain ist ihm geweiht. Frank Bode stellt uns das Gotteshaus in einem historischen Streifzug vor.
Sie ist das Wahrzeichen Mammolshains – die Kirche
St. Michael. Räumlich kommen die Kirchenbesucher
in Mammolshain dem Himmel ein Stück näher, wenn
sie die mehr als 40 Stufen hinaufsteigen, um die Begegnung von Himmel und Erde (aus der Architektur
heraus) zu feiern. Oben angekommen, blicken sie auf
eine zwei Meter hohe martialisch anmutende Bronzestatue des Kirchenpatrons, welche hoch über dem
Portal über die Bewohner des Ortes „wacht“.
Schon das erste Gotteshaus Mammolshains, die
Kapelle von 1738, trug den Namen St. Michael.
Bis zu ihrem Bau mussten die Mammolshainer zum
Gottesdienst, auch für Taufen und Trauungen bei
jedem Wetter nach Schwalbach laufen. Der SituaFrank Bode tion überdrüssig, bauten sich die streitbaren Mammolshainer gegen den erklärten Willen des damaligen Erzbistums Mainz ihre
eigene Kapelle. Als diese nach dem Zweiten Weltkrieg zu klein
wurde, entschied man sich gegen einen Abriss und integrierte den
Großteil der bisherigen Bausubstanz als Anbetungskapelle in die
neue Pfarrkirche, der 1948 bei der Weihe das Patronat des Hl.
Michaels übertragen wurde.
Darüber, warum man sich zu Beginn des 18. Jahrhundert in
Mammolshain für den Hl. Michael als Patron entschieden hat,
kann man heute nur spekulieren. Es geht aus den bis heute erschlossenen geschichtlichen Quellen nicht hervor. Michael wird
als Kämpfer gegen das Böse angerufen. Er gilt als Symbol der
wehrhaften Kirche (ecclesia militans).
Auch die Bilder
im Kircheninneren – wie das
Jüngste Gericht
im Altarraum
oder die Mondsichelmadonna
im Kirchenschiff
– verweisen wie
der Hl. Michael
auf das Buch der
Offenbarung des
Johannes.
GESICHTER UNSERER KIRCHE
/ 14
Etwa 90 Jahre vor der Weihe der ersten Kapelle litt Mammolshain
an den Folgen des Dreißigjährigen Kriegs, an dessen Ende das
Dorf fast ausgestorben war. Ende des 17. Jahrhunderts ziehen
erneut französische Truppen durch das Gebiet von Königstein. Es
ist wieder Krieg. Die Mammolshainer Kapelle, ja das ganze Dorf,
brauchte einen Schutzengel.
Auch heute finden in der alten Kapelle regelmäßig Gottesdienste
statt. Jeden dritten Sonntag im Monat ist sie die Mammolshainer
Kinderkirche, in der unsere Jüngsten mit allen Sinnen Gottesdienst feiern.
Während die Michaelskirche vor allem zu den Sonntagsgottesdiensten geöffnet ist, ist die alte Kapelle „St. Maria“ jeweils Dienstag bis Donnerstag geöffnet (10.00h bis ca. 17.00h).
Viele Menschen begeben
sich auf einen spirituellen
Weg, weil sie meinen, sie
könnten dem Leid entgehen.
Aber alle Heilswege führen
durch Leid und Dunkelheit
zum Licht.
Williges Jäger
GESICHTER UNSERER KIRCHE
Ein himmlischer Genuss – ein irdisches Vergnügen
/ 16
/ 17
Er ist Anfang 20, gelernter Bäcker und Konditor und vor allem eines: Messdiener aus Leidenschaft. Frei nach dem Motto
„Himmlische Köstlichkeiten – irdische Vergnügen“ stellen wir in
GeistReich Markus Kiliansky vor.
Seit vielen Jahren ist Markus Kiliansky aus dem Gemeindeleben von St. Marien nicht mehr wegzudenken und darüber hinaus auch als Jugendsprecher
und im Ministranten-Sachausschuss für die gesamte
Pfarrei aktiv. Doch nicht nur für Maria Himmelfahrt
und die Backkunst in all ihren Facetten und Sinnlichkeiten schlägt sein Herz, sondern vor allem auch
für das Heißluftballonfliegen. Bereits als kleines Kind
nahmen ihn seine Eltern im Winter in die Berge zum
Fliegen mit. Das Bild von Schneelandschaften und
den großen bunten Ballons hat ihn seit dem nicht
mehr losgelassen; ihn sogar dazu bewogen, einen
Aufbruch nach Heidenheim an der Brenz zu wagen,
um dort – neben dem Beruf – einen Pilotenschein zu
Markus Kiliansky machen. „Beim Fliegen bin ich dem Himmel so nah. Das beutet
Freiheit für mich!“ sagt er dazu. Natürlich bleiben Königstein und
die Pfarrei seine Heimat, doch wird er in Zukunft nicht mehr so
häufig zu sehen sein. Alle, die ihn kennen, werden es bestätigen:
Markus Kiliansky hinterlässt eine große Lücke, aber es wäre nicht
„unser Markus“, wenn er sich auch nicht darum kümmern würde.
In Ruhe, sachlich, stets freundlich und mit einem Blick für das
Wesentliche.
Himmlische Kostbarkeiten und irdisches Vergnügen sind für
mich ...
Ich bin als junger Erwachsener Messdiener, weil ...
Auf meinem Glaubensweg hat mich besonders geprägt ...
Ein Gottesdienst ist für mich gelungen, ...
GESICHTER UNSERER KIRCHE
/ 18
Darüber werde ich nachdenklich: ...
Das wünsche ich mir für die Pfarrei Maria Himmelfahrt im
Taunus ...
GESICHTER UNSERER KIRCHE
‘…und der Himmel brannte!’
/ 20
/ 21
An etlichen Stellen der Heiligen Schrift ist von einem besonderen
Himmel die Rede: einem Himmel, von dem Feuer auf die Erde
herabfällt. Dass damit kein romantisches Alpenglühen gemeint ist,
sondern Menschen eine zerstörerische Kraft erfahren haben, liegt
auf der Hand. Auch in unserer Region regnete es Feuer vom Himmel. Herrmann Groß aus Falkenstein hat dies im Zweiten Weltkrieg
miterlebt und berichtet davon…
„Doch Elija
antwortete dem
Hauptmann der
Fünfzig: Wenn
ich ein Mann
Gottes bin, so
falle Feuer vom
Himmel und
verzehre dich
und deine Fünfzig. Sogleich
fiel Feuer vom
Himmel und verzehrte ihn und
seine Leute. “
2 Könige 1,10
Wir, die Älteren, haben als Schulkinder erlebt, wenn der Himmel
brannte, wie es war, wenn Feuer herunterfiel und alles vernichtete;
und man konnte nichts dagegen tun außer flüchten und Deckung
suchen. Ich meine die Luft-Angriffe britischer und amerikanischer
Bomber, bei denen in den Jahren 1940 bis 1945 Feuer vom Himmel fiel. Während die großen Städte in unserem Raum - beispielsweise Wiesbaden, Mainz und vor allem Frankfurt – häufig Ziel
der Angriffe waren, blieb das Umland weitestgehend verschont.
Aber wir mussten Vieles aus der Ferne miterleben: z.B. den Anflug
von tausend Bombern über den Taunus in das Main-Gebiet und
nachts den brennenden Himmel. Der ganze Horizont war glühend
rot.
Ich erinnere mich an eine Begebenheit: Es hatte Alarm gegeben, mein Großvater stieg mit mir mitten in der Nacht den
Pfad zu unserem „Bunker“, hinauf, der unterhalb der Falkensteiner Burg in den Felsen lag. Ab und an mussten wir stehen bleiben und dann sahen wir, was sich am Himmel über
Frankfurt abspielte. Einmal, als besonders viel Feuer herunter fiel, sagte ich „Opa, schau, ganz schlimm“ und er meinte
drauf: „Ja, da hat eben der Teufel seinen Sack ausgeleert“.
Es war das erste Mal, dass ich diesen Ausdruck hörte.
Die Stadt Frankfurt wurde zwischen 1940 und 1945 von 75 FliegerAngriffen, davon 50 nachts, heimgesucht. An einigen Einsätzen
waren bis zu tausend Flugzeuge beteiligt. Über 5.500 Menschen
kamen ums Leben, 90.000 Wohnungen wurden zerstört, die Bewohner ins Umland evakuiert.
Wir haben in den ersten Monaten dieses Jahres besonders der
Ereignisse in unserer Gegend vor 70 Jahren gedacht. Vor allem
des Angriffs in der Nacht vom zweiten auf den dritten Februar
1945. Das eigentliche Ziel der nahezu 500 Lancaster-Bomber war
damals Wiesbaden. Der Nacht-Angriff auf die Kurstadt mit 600
Toten wurde dann allerdings wegen Wetterverschlechterung abgebrochen.
Die Bomber drehten ab und entledigten sich auf dem Rückflug
ihrer tödlichen Fracht, die dann unter anderem über Wildsachsen,
Diedenbergen, Lorsbach, Kelkheim, Bad Soden, Mammolshain,
Königstein, Falkenstein, Niederreifenberg, Grävenwiesbach niederging. Der hohe Schnee, der noch an vielen Stellen lag, hat
zweifellos manchen größeren Brand verhindert.
In Königstein lag der Brandherd im Bereich Limburger Straße,
Theresenstraße, Ölmühlweg. Dort starben 14 Personen, darunter
ein Kind und zwei polnische „Fremdarbeiter“. In Mammolshain
wurde ein Luftschutzkeller im Ortskern getroffen: sechs Kinder
und vier Mütter, die hier Zuflucht gesucht hatten, fanden dort den
Tod. In Falkenstein verzeichnete die Feuerwehr 51 Brände ohne
Personenschäden.
Mit dem Einmarsch der Amerikaner Ende März 1945 war diese
schlimme Zeit - Gott sei Dank - zu Ende.
„Es tat große
Zeichen; sogar
Feuer ließ es vor
den Augen der
Menschen vom
Himmel auf die
Erde fallen. “
Offenbarung
13,13
GESICHTER UNSERER KIRCHE
‘Wenn ich in der Erde puhle, dann bin ich dem Himmelreich nah.’
/ 22
/ 23
Wer kennt sie nicht, die berühmte Worte Jesu: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker
säte.“ (Mt 13,31) Ein wundervolles Sprachbild, das Menschen
intuitiv verstehen. Ein zweiter Gedanke führt weiter: (Vor)Gärten
prägen auf so vielfältige und großartige Weise das „Gesicht unserer Pfarrei“, gerade jetzt im Mai, und Bianka Robisch gehört zu
den „Gärtnerinnen“. Über den Zusammenhang von Gärtnern und
Spiritualität, von Säen, Wachsen und Ernten schreibt sie. Doch als
erstes eröffnet sie ihren Artikel mit einer Frage…
Bianka Robisch
„Der Himmel
auf Erden wird
durch die rechte
Einstellung zu
den Kleinigkeiten des Alltags geschafen.“
Prentice Mulford
Was haben Tomaten mit dem Himmelreich zu tun?
Als begeisterte Gärtnerin habe ich mir letztes Jahr
ein besonderes Projekt vorgenommen: Ich wollte
unterschiedliche Tomaten züchten und ernten. Ich
wollte bunte, dicke, runde, pralle und kleine knackige
Tomaten in allen Farben wachsen sehen, ernten und
mich an deren Pracht und Geschmack erfreuen. In
Gedanken sah ich die Tomaten schon am Stock hängen – leider – oder muss man sagen – zum Glück war
es bis dahin noch ein weiter Weg.
Sechs verschiedene Sorten Samen aus Spanien
keimten in Gefäßen ab Februar bei uns in der Wohnung; die Keimlinge wurden gehegt und gepflegt,
mehrmals umgesetzt bis schließlich im Mai 50 Töpfe
mit Tomatenpflanzen bei uns geschützt im Hof standen und von
mir betreut wurden. Mangels eines Treibhauses abends auch zum
Schutz vor Frost, in geschlossene Räume gebracht wurden…
Es war Arbeit, aber es war auch höchst befriedigend. Ich hatte
unglaublich viel Freude daran, zu sehen wie die Samen keimten,
wie die zarten grünen Blättchen aus den Samen erwuchsen. Wie
die Keimlinge größer und kräftiger wurden und nach Sorte unterschiedliche Blätter ausformten, wie alles gedieh und wuchs und
wie schließlich die Tomaten Blüten ansetzten. Ein Moment der
Verunsicherung – würden sich genug Bienen zu uns in den Hof
verirren, um die Blüten zu bestäuben? Die ganze Mühe wäre dann
umsonst …
Dann das Staunen, als sich doch tatsächlich Früchte entwikkelten. Eine Zeit des Dranbleibens, Gießens, Düngens und Beobachtens begann. Und endlich: Im Juli waren die ersten Früchte
„Der Himmel ist
genauso unter
unseren Füßen
wie über unserem Kopf.“
Henry David
Thoreau
reif, konnten geerntet werden, bis in den September hinein…
Welche Erfahrungen mit Gott konnte ich dabei machen? Zunächst
einmal spürte ich Neugierde dabei, etwas Neues auszuprobieren.
Dann die Zuversicht und das Zutrauen: Ich schaffe das, es wird
gelingen, das geht. Dafür bin ich sehr dankbar, dass Gott mir so
viel Zuversicht und Zutrauen gegeben hat, Neues auszuprobieren
und daran zu glauben, dass es gelingen wird. Schließlich das
unglaublich schöne Gefühl des Lebendig- und Kreativseins. Ich
fühlte mich unwahrscheinlich lebendig, indem ich etwas zum Leben erweckte und dazu beitrug, dass es wuchs und gedieh. Es
war das Gefühl, selbst ein Teil dieses großen Lebensflusses zu
sein und die Kraft zu spüren, die in dem kleinsten Samen steckt.
Dann war ich auch mit meinen Tomaten eingebunden in die
Schöpfung, das Wetter, in Kälte, Sonne und Regen, war abhängig
von den Bienen, die es brauchte. Und am Ende dieser Erfahrung
stand die Ernte wundervoll leckerer Tomaten. Die Freude über die
Fülle, die wir geschenkt bekommen haben und die Möglichkeit,
diese Fülle an andere weiterzugeben. Denn meine Tomatenpflänzchen, so zahlreich wie sie waren, fanden Abnehmer bei Kollegen,
Nachbarn, bei Freunden und Bekannten.
GESICHTER UNSERER KIRCHE
‘Da berühren sich Himmel und Erde’ – Surfexerzitien in Moliets
/ 24
/ 25
„Da berühren sich Himmel und Erde…“ – Eines der vielleicht bekanntesten Neuen Geistlichen Lieder überhaupt (es findet sich
im Neuen Gotteslob unter der Nummer 858) eröffnet den Refrain
genau mit diesen Worten. Vieles ist damit berührt: Die ReichGottes-Theologie Jesu genauso wie die Erfahrung von Menschen,
in deren Leben der Himmel sozusagen in Sicht kam. Tatsächlich
aber berühren sich Himmel und Erde am Horizont und nirgends
geschieht dies so eindrucksvoll wie am Meer. Passend dazu starten die Crusaders (www.crusaders-kronberg.de) jedes Jahr eine
besondere Fahrt nach Moliets an der französischen Atlantikküste:
Die Surfexerzitien. Maximilian Becker aus Königstein war schon
mehrmals dabei und berichtet von seinen Erfahrungen.
,,Du kannst die
Wellen nicht anhalten, aber Du
kannst lernen zu
surfen.’’
Joseph Goldstein
Der Autor in
Aktion
Beginnen möchte ich mit einer Frage: Was ist das wichtigste Element der Erde, das auch in unserem Glauben und Leben vorkommt? Genau! Es ist das Wasser. Es hat etwas Magisches, ist
etwas ganz Besonderes. Über die Hälfte unserer Erdoberfläche ist
mit Wasser bedeckt. Wir brauchen es zum Leben und gleichzeitig
kann es unseren Tod bedeuten.
Durch Wasser kann aber auch ein ganz neues Lebensgefühl erwachen. Dieses erleben wir, als sportbegeisterte, junge Leute,
jedes Jahr, und werden es auch in diesem Sommer 2015 zum
vierten Mal an der französischen Atlantikküste in Moliets erfahren
dürfen. Ich spreche hier vom Erlebnis „Surfen“.
In dem nicht immer ganz so gelassenen Alltag von Jugendlichen
ist die Suche nach Ruhe, nach Sinn und Besinnung, verbunden
mit Spaß in der Gemeinschaft, durchaus häufig vorhanden. Genau
hier kann Surfen eine Art Brücke bauen. Es ist so unglaublich
faszinierend, wenn die Welle dein Surfbrett mitnimmt und trägt.
„Welch` überwältigendes Gefühl“, hat einer der Teilnehmer zuletzt
gesagt. Das Spiel der Natur kann aber auch so wunderbar mit den
kleinen und großen Hürden unseres Lebens und unserem Glauben verbunden werden. Was meine ich damit?
Wenn man beginnt, surfen zu lernen, kann es passieren, dass der
Mut zu schwinden droht. Es wird so viel Gleichgewicht gefordert!
Das aber muss gelernt werden. Wir im Alltag haben oft ähnliche
Situationen, die uns aus der Bahn werfen. Das Gleichgewicht, den
Halt, zu finden, ist Kraft raubend, doch immer wieder zu schaffen.
Ich spreche aus eigener Erfahrung: Die meiste Zeit, die ein Surfer
auf dem Wasser verbringt, ist das Warten auf die „perfekte Welle“.
Das erfordert ordentlich Geduld. Wie häufig kommt es vor, dass
wir warten müssen und unser „Geduldsfaden“ kurz vor dem Zerreißen ist, wir „den Himmel fragen“, wann bitte die Zeit sei?
Doch dann: Das große Ziel nähert sich. Fahrt wird mit dem Surfbrett aufgenommen. Die Welle ist unter dir. Du glaubst, plötzlich
zu schweben. Du gleitest mit der Welle auf dem Wasser…
In diesem Augenblick kann sich „der Himmel mit der Erde
berühren“.
Dieses Erlebnis teilen wir auch miteinander in unseren gemeinsamen Gottesdiensten am Strand, unter einem morgendlich rot
gefärbten Himmel oder beim traumhaften Sonnenuntergang. In
dieser Atmosphäre, nur beim Rauschen des Meeres, in Stille mit
Gott in Verbindung zu treten, das ist nicht Alltag, das ist so viel
mehr und so bereichernd.
Durch diese so schönen Erfahrungen, die wir in dieser Zeit im
Sommer immer erleben dürfen, ist die Idee entstanden, den Sport
„Wellenreiten“, „Surfen“, mit in das Programm des Kronberger
Vereins Crusaders aufzunehmen. Den Sport mit unserem Glauben
zu verknüpfen, das ist etwas Tolles, was wir auch weiterhin mit
Leidenschaft leben werden.
„The joy of
surfing is so
many things
combined, from
the physical
exertion of it, to
the challenge of
it, to the mental side of the
sport. “
Kelly Slater
Gekrönte Gottesmutter
in St. Marien, Königstein
LEBEN UND GLAUBEN
Ein himmlisches Band – Ehepastoral in der Pfarrei
/ 28
/ 29
Ein absolut einmaliger Moment im Leben zweier Menschen ist das
„JA!“ zueinander vor Gott und vor den Mitmenschen. Im Sakrament der Ehe knüpfen beide in diesem Moment ein himmlisches
Band und vieles, was dieses Fest so ausmacht, soll uns genau
auch dies deuten. Für die Redaktion von GeistReich war es daher ein Anliegen ein Blick auf dieses so besondere Sakrament zu
werfen und auch über das entsprechende pastorale Angebot in
der Pfarrei zu berichten. Kaplan Steffen Henrich nimmt sich dem
Thema an, beginnt aber mit einem ganz anderen Gedankengang…
Kaplan
Steffen Henrich
„Der Glaube
bringt den Menschen zu Gott,
die Liebe bringt
ihn zu den Menschen.“
Martin Luther
Beginnen möchte ich mit einer Frage: Wer geht heute
noch zur Beichte? Für viele Menschen ist das doch
genau das Sakrament, das auf einem absteigenden
Ast sitzt. Dennoch erlebe ich, dass die Beichte immer mehr neu entdeckt und angenommen wird. Ja
manchmal habe ich das Gefühl, dass es sich hier um
eine „versteckte Renaissance“ handelt…
…Ganz anders sieht es dagegen beim Sakrament
der Ehe aus. Viele Menschen denken: „Ehe das ist etwas, was viele Menschen feiern, auch in der Kirche“.
Doch weit gefehlt! Die katholischen Eheschließungen
nehmen – auch in unserer Pfarrei – immer weiter ab.
Viele Menschen sehen in dem Bund vor Gott keinen
Nutzen mehr. Das ist ja auch irgendwie kein Wunder!
Immer mehr Paare leben ohnehin schon lange vor der Ehe zusammen, oft sind auch schon Kinder da und irgendwann verliert das
Ganze – so das Gefühl – seine Sinnhaftigkeit. Es ist ja auch seltsam, man kann es nur ein einziges Mal tun, das Heiraten! Es gibt
wenig Dinge, die wir nur einmal tun können. Und wenn es heute
alltäglich ist, dass man einen „Lebensabschnittsgefährten“ hat,
dann scheint es doch umso befremdlicher, sich für sein ganzes
Leben an nur eine Person zu binden.
Es ist schon interessant, dass so ganz oft gelebt wird. Doch
genau so bemerkenswert ist es, dass Umfragen unter Jugendlichen zeigen, dass sie sich oft einen Partner wünschen, mit dem
sie alt werden, Kinder haben und eine Familie gründen können.
Obwohl es immer seltener die „klassische Familie“ gibt, ist sie
oft ein Traum junger Menschen, eine Sehnsucht! Auch wenn die
kirchliche Ehelehre altmodisch wirkt, so ist sie, glaube ich, doch
etwas, was dem Kern von uns Menschen zutiefst entspricht. Denn
worum geht es in der Ehe?
Es geht um das „DU“! Dabei gibt es verschiedene Formen der
Partnerschaft und bereits der antike Philosoph Aristoteles beschreibt diese. Es gibt eine „ausnutzende Partnerschaft“, in der
ich gar kein Interesse am anderen Menschen habe, nur das „Ich“
und meine Bedürfnisse zählen. Dann gibt es die „nutzbringende
Partnerschaft“. Hier habe ich ein Interesse am anderen, aber nur
solange, wie ich auch selbst einen Nutzen davon trage. In beiden Fällen steht das „Ich“ im Vordergrund. In der Ehe geht es
um etwas Anderes, eben um das „Du“ und das „Wir“! Nicht mein
eigener Nutzen steht im Vordergrund, sondern das Interesse am
Partner. Alles was ich tue, tue ich, um dem Partner zu nutzen.
Es geht um das Schenken: Wir wollen dem Partner das größte
Geschenk überhaupt machen, nämlich uns selbst und zwar mit
allem, was dazu gehört.
Dieses „Sich-Verschenken“ möchte ich auch als „Liebe“ bezeichnen und letztlich gründet die Ehe darauf, auf diese gegenseitige
Liebe. Die Ehe ist aber auch vergleichbar mit dem Bund, den Gott
mit uns Menschen geschlossen hat. Er hat uns nicht geschaffen,
weil er irgendeinen Nutzen von uns hätte: Was könnten wir Gott
schon tun? Er hat uns aus Liebe geschaffen, das ist der einzige
Grund. Diese Liebe Gottes hält auch dann, wenn wir ihm die Treue
brechen.
Wenn also zwei Menschen in die Ehe gehen, dann schenken sie
sich selbst gegenseitig. Wenn wir diesen Bund ganz eingehen,
dann mit allem, was dazu gehört. Es ist in der Tat etwas für das
ganze Leben mit allem was zum Menschen dazugehört, mit den
guten und den schlechten Seiten. Darum geht es: den anderen
bedingungslos anzunehmen!
Und obwohl es ein Wunsch vieler Menschen ist, einen Partner zu
finden, der einen so annimmt und den man selbst so annehmen
kann, trauen es sich heute immer weniger. Es ist schade, vielleicht
liegt es aber auch daran, dass man heute viel zu übertriebene Vorstellungen von der Ehe hat. „Ganz annehmen“ meint aber gerade
nicht, dass alles perfekt sein muss.
Viele Menschen wollen den perfekten Partner und die perfekte
Hochzeit. Doch das gibt es nicht! Man hat oft das Gefühl, der Tag
der Trauung müsste schon dieses Perfekte vorweg nehmen. Doch
„Die Ehe ist
eine anspruchsvolle, manchmal
schwierige,
bisweilen sogar
konfliktgeladene
Reise, aber so
ist das Leben!“
Papst Franziskus
LEBEN UND GLAUBEN
/ 30
„Im Ehestand
muss man sich
hin und wieder
streiten, sonst
erfährt man ja
nichts voneinander! “
Johann Wolfgang
von Goethe
das geht nicht. Es geht im Leben nicht und es geht auch am Tag
der Trauung nicht, und ganz ehrlich: Ist das überhaupt gewollt?
Sind es nicht die kleinen Fehler und die Dinge, die schief gehen,
die in Erinnerung bleiben und die es so einzigartig machen? Wenn
man das erkannt hat, dann ist man eingeladen, sich auf dieses
Abenteuer der Ehe einzulassen.
Wie läuft nun die Ehevorbereitung in unserer Pfarrei ab?
Zunächst einmal muss das angehende Brautpaar sich im
Pfarrbüro melden und einen Termin ausmachen. Dann schauen
wir, welcher Priester diese Trauung übernehmen kann. Ist ein
Priester gefunden, wird sich dieser mit dem Brautpaar in Verbindung setzen. Wie viele Gespräche dann geführt werden, das
hängt ganz von den Umständen ab. Ich selbst mache es in der
Regel so, dass ich drei Gespräche führe. Eines, in dem es darum
geht, was die Ehe ist, im Prinzip das, was oben steht. Im zweiten
Gespräch geht es um die Feier der Trauung, wie sie abläuft und
was alles vorzubereiten ist. Das dritte Gespräch findet unmittelbar
vor der Trauung statt, hier geht es darum, dass mir die Eheleute
von sich erzählen (das geschieht auch beim ersten Gespräch, nur
hier noch intensiver). Man könnte sagen, dass ich hier die Eheleute kennenlerne. Meistens frage ich beim dritten Gespräch auch,
welche Lesung sich die Brautleute ausgesucht haben und wieso. Ganz zum Schluss kommt dann die Trauung, in der sich die
Brautleute das „Ja-Wort“ geben und damit vor Gott zeigen, dass
sie zusammengehören. Somit sind die Brautleute ab diesem Moment wirklich für alle Menschen sichtbar Mann und Frau. Sie
knüpfen ein Band, das sie bis zum Ende ihres Lebens verbindet.
weiße tasse
grüne minze
der tee zieht
die ader des gartens
wird zu deiner
Doris Werner
LEBEN UND GLAUBEN
Vom Himmel und der Hölle
/ 32
/ 33
„…wie im Himmel so auf Erden“ – denken wir das Motto dieser
Ausgabe einen Schritt weiter, so würden wir doch eigentlich in
der Hölle landen. Die Erde stünde dann dazwischen und während
wir uns mit dem Himmel gerne beschäftigen, bleibt der Ort ewiger
Verdammnis außen vor. Matthias Rux aus Oberhöchstadt wagt
sich trotzdem an das heiße Thema…
Matthias Rux
“Ich möchte
einmal erleben,
dass im Himmel
der Teufel los
ist.”
Erich Ellinger
Wir alle haben wohl schon einmal „den Himmel auf
Erden“ verspürt. Aber auch das Gegenteil davon kennen wir alle. „Das ist doch die Hölle!“ Ich nehme an
auch dies haben wir schon alle erleben müssen. Vor
allem dann, wenn es uns nicht gut geht, und alles über
uns hereinbricht. Wir fühlen uns allein mit unseren Sorgen und Problemen und sehen keinen Ausweg aus
dieser Hölle. Doch wie verhält es sich eigentlich mit den
Gegensätzen?
Um sich der Thematik ‘‘Hölle’’ zu nähern, lohnt sich zuerst der Blick auf den Himmel. Schon in den Büchern
Mose steht: Gott wohnt im Himmel. Kinder malen den
Himmel zumeist mit einem alten, bärtigen Mann auf
einem Thron samt Hofstaat. Der Himmel ist sicher nicht
die räumliche Verlegung von Gottesherrschaft oder gar ein Palast,
wie ihn sich manch einer vorstellen mag. Stephanus sah den Himmel offen und Johannes sah das himmlische Jerusalem vom Himmel
kommend, aber mehr sagen auch sie nicht über den Himmel. Etwas
verwunderlich klingt dann doch, dass die Offenbarung des Johannes
von einem Vergehen des Himmels spricht. Ist dieser Ort also doch
etwas Endliches?
Wir alle haben immer den Drang alles zu ordnen und zu verordnen. Den Himmel können wir jedoch an keinem festen Ort zu einer
bestimmten Zeit verorten. Er übersteigt einfach unsere Vorstellungen
und unser Denken. Der Himmel ist der ‘‘Ort“, an dem die Schöpfung
und jedes einzelne Menschenleben seine Vollendung findet. Im Himmel sind wir in Gemeinschaft mit Jesus und begegnen Gott in einzigartiger Weise. Und, vielleicht stimmt es sogar, treffen wir dort wieder
Menschen die den Weg zum Himmel schon vor uns gegangen sind.
Diese Vorstellungen sind doch himmlisch, lassen uns hoffen, und
gleichzeitig denke ich, dass wir auch schon ein bisschen von dem,
hier und jetzt bei uns verspüren können. Nicht nur in der Kirche ist
uns dies möglich, sondern auch in den schönen Augenblicken unseres Lebens. Ich denke, die Überlegungen über den Himmel sind
bei vielen (christlichen) Menschen ähnlich.
Da verwundert doch, dass die Vorstellungen des Gegenstücks so
verschieden sind. Zu der Hölle gibt es wohl so viele unterschiedliche
Vorstellungen wie Sand am Meer. Doch von einem Großteil können
wir uns sicher getrost verabschieden. Vorstellungen mit brodelnden
Töpfen, Schwefelgeruch in der Luft und sadistischer Quälerei können zurück in die Höllenpredigten des Mittelalters verbannt werden.
Wie würden sie auch zu den Eigenschaften eines barmherzigen,
liebenden und gerechten Gottes passen? Und wenn Gott uns Freiheit gegeben hat, hat er damit jedem Menschen nicht auch die Freiheit zur Abkehr von Gott gegeben?
Eine Theologie der Furcht und der Einschüchterung ist ebenso nicht
mehr zeitgemäß, wie die gelehrten Höllenbilder. Spätestens seit dem
Zweiten Vatikanum und der Erklärung „Nostra Aetate“, welche das
Verhältnis der Kirche zu anderen Religionen skizziert, sind auch Vorstellungen abzulehnen, welche Anhänger anderer Glaubensrichtungen oder Atheisten kollektiv in das Tiefe der Hölle verbannen. Doch
was bleibt dann noch von Hölle und unseren Vorstellungen?
Die Hölle besteht als eine reale Möglichkeit! Fest steht aber auch,
dass die Kirche bis heute keinen Menschen explizit in der Hölle verortet hat. Daraus entsteht natürlich die Frage, ob die Hölle sogar leer
sein könne?
Die beiden großen Theologen Hans Urs v. Balthasar und Karl Rahner
sehen dies als eine Möglichkeit an. Dies ist eine ganz interessante
Vorstellung, denn weitergedacht stellt sich dann auch die Frage, ob
die Hölle nicht von innen verschlossen ist. Entscheidet schließlich
doch der Mensch, wohin es nach seinem Tod geht?
Ich denke, wir müssen an dieser Stelle eine Verbindung in unser eigenes Leben ziehen. Oft geraten wir in Streit, verfallen in Egoismus
oder Selbstverherrlichung. Wir wenden uns ab von der Botschaft
Jesu und von Gott. Verlassenheit, Einsamkeit, Schmerz. Ist das nicht
die Hölle für uns? Ist die Hölle nicht dann ein Ort der selbstverschuldeten endgültigen Ferne von der Gemeinschaft mit sich selbst, dem
Nächsten und schließlich mit Gott? Dann liegt es aber an uns, dies
zu ändern, aus der Hölle herauszukommen und das Bild der leeren
Hölle und der inneren Verschlossenheit wäre tatsächlich möglich…
“Man muss
durch die Hölle
gegangen sein,
um festzustellen, ob man im
Himmel war
oder ist.”
Benjamin
Stramke
‘‘Wer seinen
Horizont für den
Himmel hält,
heizt damit die
Hölle an.’’
Br. Paulus
Terwitte
LEBEN UND GLAUBEN
Christi Himmelfahrt: Brauchtum und Perspektiven
/ 34
/ 35
Der Anlass für diese GeistReich-Ausgabe, Christi Himmelfahrt,
soll natürlich nicht unerwähnt bleiben. Verschiedene Perspektiven
aus Brauchtum und Spiritualität, aus Geschichte und Theologie
verweben sich zu einem interessanten Bild, das uns, unabhängig
von der „Doppelbesetzung“ mit dem Vatertag, ein wichtiges kirchliches Fest vor Augen führt. Ein besonderes Moment an Christi
Himmelfahrt wird in diesem Jahr der zentrale Gottesdienst der
Pfarrei in St. Philippus und Jakobus in Schloßborn sein. Wolfgang
Höhn aus Königstein berichtet…
Wolfgang Höhn
‘‘Der Himmel ist
das, was wir auf
Erden so gerne
hochhalten.’’
Brigitte Fuchs
Jeweils genau 39 Tage nach dem Ostersonntag, immer an einem Donnerstag, gedenken die Gläubigen
der Rückkehr des Gottessohnes zu seinem Vater im
Himmel. Im Lukasevangelium und im ersten Kapitel
der Apostelgeschichte können wir nachlesen, wie
Jesus nach seiner Auferstehung seinen Jüngern 40
Tage lang immer wieder erschienen ist und zu ihnen
gesprochen hat. Die 40 Tage nach Ostern bilden dabei ein Pendant zur 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern.
Zunächst wurde diese Erhöhung Jesu an Pfingsten
mitgefeiert. Seit dem vierten Jahrhundert gilt die
Himmelfahrt Christi als eigenständiger Feiertag. Traditionell sind die drei Tage vor Himmelfahrt als Bittage mit Bittgängen und Flurprozessionen bekannt.
In vielen katholischen Pfarrgemeinden ziehen auch heutzutage
noch die Gläubigen durch Wiesen und Felder, um den Segen
Gottes für eine gute Ernte zu erbitten und um Schutz vor Hagel,
Frost und anderen Unwettern zu bitten.
Ich erinnere mich gerne, in meinen Kindertagen gab es noch diese
Bittprozessionen rund um die Kirche St. Peter und Paul in Kronberg. Seit vielen Jahren gibt es sie zumindest in unserem Pfarrgebiet nicht mehr. Im katholischen Brauchtum einiger Gegenden
in Oberbayern oder in Südtirol wird die Statue des Auferstandenen an Christi Himmelfahrt durch das „Heiliggeistloch“ auf den
Kirchenspeicher gezogen. Die profane Welt kennt am Vatertag die
„Umzüge“ meist männlicher Personen mit Boller- oder Leiterwagen vollbeladen mit Bierkisten und anderen Alkoholika.
Möglicherweise ist dieser Brauch die Abwandlung eines germanischen Rechtsbrauchs, wonach jeder Grundeigentümer einmal im
Jahr seinen Besitz umschreiten musste, um den Besitzanspruch
aufrechtzuerhalten.
Wenden wir den Blick aber nun weg vom Brauchtum hin zur spirituellen Intension des Feiertags. Das Fest Christi Himmelfahrt will
unser Augenmerk auf das Ziel unseres Lebens richten, auf den
Platz im Himmel. Der Begriff Himmel steht hierbei für den Ort der
Gegenwart Gottes. Für den Gläubigen kann es am Ende seiner
irdischen Tage nur dieses Ziel geben. Gottes Gegenwart wird in
der Bibel mit dem Erscheinen einer Wolke ins Bild gebracht. Gott
zog beim Auszug der Israeliten aus Ägypten dem Volk voran in
Gestalt einer Wolke. Jesus wurde bei seiner Verklärung vor den
Augen der Jünger Petrus Jakobus und Johannes von einer Wolke
umhüllt. Und bei seiner Himmelfahrt entzog eine Wolke Jesus den
Blicken seiner Jünger.
Dieser Entzug der körperlichen Gegenwart soll die Zurückbleibenden aber nicht allein mit allen Höhen und Tiefen des Alltags zurücklassen. Jesus verspricht die Sendung des göttlichen
Beistands, das Kommen des Heiligen Geistes. Zudem erteilt Jesus seinen Jüngern, und somit ins Heute übertragen an uns einen
klaren Auftrag: die Weitergabe der frohen Botschaft.
Bei Lukas 24, 50-52 steht: ‘‘Die Jünger kehrten voller Freude nach
Jerusalem zurück!’’ Warum? Die Aufnahme Jesu in den Himmel
bewirkt Vergöttlichung, die Verabschiedung veranlasst darum
keine Traurigkeit, sondern das Gegenteil: große Freude. Mit
dem spirituellen Blick auf die Erhöhung Jesu wünsche ich Ihnen
allen einen freudenreichen Feiertag. Bleiben Sie zuversichtlich!
Die Freude am Herrn ist Ihre Kraft.
“Denke nicht
darüber nach,
ob du durch ein
erleuchtetes
Portal oder
durch eine
schmale Tür den
Himmel betrittst.
Hauptsache, du
bist willkommen.”
Altirischer Segenswunsch
ÜBER DEN TELLERRAND
‘Bitte, wo geht’s zum Paradies?’
/ 39
/ 38
Wer über den Himmel nachdenkt, dem wird wohl auch bald das
Paradies einfallen. Für die Redaktion von GeistReich die Chance,
einmal über den Tellerrand zu blicken, um ganz frech die Frage zu
stellen: „Bitte, wo geht’s zum Paradies?“ Christina Vest gibt eine
Antwort…
Christina Vest
“Die Bitterkeit
dieser Welt ist
die Süße des
Jenseits, und
die Süße dieser
Welt ist die
Bitterkeit des
Jenseits.”
‘Ali ibn Abi-Talib
Die Frage nach dem Weg zum Paradies wäre wohl
leicht beantwortet, wenn wir an die knapp 6000 Einwohner denken, die im Konstanzer Stadtteil „Paradies“
am Bodensee wohnen. Und selbstverständlich gibt es
dort auch eine Pension mit Namen „Himmel auf Erden“.
Überhaupt unterliegen wir der Faszination der sogenannten „Paradiese auf Erden“, z.B. wenn wir uns auf
die Suche nach der nächsten Sommerurlaubsadresse
machen. Einmal auf die Bahamas oder die Seychellen, oder doch die Malediven oder das Tropenparadies
Mauritius? Wir dürfen träumen. Nicht zuletzt wird unser
Reisebudget darüber entscheiden.
Hinter all diesen Träumen steckt die tiefe Sehnsucht
von uns Menschen nach Glück, Wohlbefinden und eine
Art Flucht aus dem grauen Alltag. Gerade so, als ob das Hier und
Heute kein Paradies, keinen Himmel für uns bereithalten würde. Gerade so, als ob der Petrol gefärbte Himmel und das in Türkis getränkte Meer unsere Sinne beflügeln und die einzige Chance wären, uns
zu Hochgefühlen zu bringen: Himmlisch!
Natürlich, die Begriffe dürfen nicht verwischen. „Paradies“ bedeutet
in der Bibel nicht das Gleiche wie „Himmel“. „Paradies“ beschreibt
zunächst im wörtlichen Sinn den Garten Eden, das ursprüngliche
Paradies, wo Adam und Eva einst lebten und von wo sie nach dem
Sündenfall des Menschen ausgewiesen wurden. Es war ein Ort auf
Erden, nicht ein Ort im Himmel.
Das Paradies ist also der Ort, wo Menschen ohne Sünde und Leid
wundervoll im Angesicht Gottes leben können. So ist auch das Versprechen einzuordnen, das Jesus dem Verbrecher gibt, der mit ihm
ans Kreuz geschlagen wurde: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du
mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43).
Sehnen wir sie uns herbei, die paradiesischen Zustände hier auf
Erden? Es steckt ein innerer Widerspruch drin. Die Sehnsucht
mischt sich mit einem Misstrauen. Wir als Christen wissen, dass es
die ideale Gesellschaft nicht geben kann. Es gibt kein Paradies auf
Erden. Und dennoch: ohne Traum keine Wirklichkeit. Und vielleicht
leben wir genau in diesem Delta und das macht unser Leben aus.
Der französische Schriftsteller der Aufklärungszeit Voltaire sagte
einst „Das Paradies auf Erden ist dort, wo ich bin“.
Ob es seine Selbstherrlichkeit war, die ihn zu diesem Ausspruch
trieb oder einfach nur die bescheidene Sicht der Dinge: Aufgepasst,
Paradies ist überall!
Straßenschild
Der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies
(Michelangelo; Sixtinische Kapelle in Rom)
HINGESCHAUT
Gottes Reich mitten unter uns
/ 40
/ 41
Die Predigt Jesu, seine Rede vom Reich Gottes hat nichts Vertröstendes, sondern zielt immer konkret auf das Hier und Jetzt. In
diesem Sinne sind auch die Worte von Otto Ludwig (1813-1865) zu
verstehen: „Der Mensch soll nicht sorgen, dass er in den Himmel,
sondern dass der Himmel in ihn komme.“ Der deutsche Erzähler
und Dramatiker beschreibt damit die Erfahrung, dass das Reich
Gottes mitten unter uns ist und nicht irgendwo oder irgendwann
wird. Gemeindereferentin Miriam Book kann dies nur bestätigen…
Miriam Book
“Die Horizonte
mögen verschieden sein,
aber der Himmel
bleibt gleich.”
Billy Graham
Der Geist weht …
… so manches Mal ganz schön heftig. Das ist zumindest eine Erfahrung, die ich gemacht habe und
von der ich gerne erzähle. Es ist schon viele Jahre
her und ich war in der pastoralen Arbeit noch sehr
unerfahren. Ein junger Mann, ich kannte ihn flüchtig
als Jugendlichen in der Firmvorbereitung, war bei
mir zu einem Gespräch im Vorfeld der Firmung angemeldet. Eine Floskel zu Beginn ‘‘Und wie geht’s?’’
sollte das Gespräch eröffnen und erfordert in der
Regel auch die floskelhafte Erwiderung ‘‘Danke, gut.‘‘
Und so war es auch. Aber wir schauen uns an und
es war klar, es war gar nicht gut. Der junge Mann hat
eine Gärtnerausbildung angefangen, die ihn körperlich überforderte und in der er ganz und gar nicht glücklich war.
Sein Herz und sein Können gehörten der Elektrotechnik. Aber ich
war Gemeindeassistentin und keine Vermittlerin von Lehrstellen
und so konnte ich nicht mehr tun, als ihm zuhören. Gar nicht wohl
war mir dabei, dieses Wissen um meine Hilflosigkeit und dabei
diese traurigen Augen. Wir verabschiedeten uns und ich wünschte ihm alles Gute.
In dieser Zeit gingen mein Mann und ich gerne ein wenig am
Abend spazieren – immer die gleiche Runde, immer bevor es dämmerte. Bis heute berührt mich, was alles an diesem Abend anders
lief: Scheinbar grundlos nahmen wir eine andere Route durch die
Felder und den Wohnort. Nie schaue ich auf die weißen Zettel, die
in Autos hängen und ein Verkaufsangebot beinhalten. Und schon
gar nicht im Dämmerlicht, wenn man nahe zum Lesen herangehen
muss. Und ich kann mir auch keine Telefonnummern merken und
neigte nicht dazu, fremde Menschen „einfach so“ anzurufen. Aber
an diesem Abend war alles anders: Da hing ein Stellenangebot
für eine Lehrlingsstelle zum Elektrotechniker in einem Auto mit
einer Telefonnummer, die ich mir merkte und am nächsten Tag
einfach mal anrief. Welche Enttäuschung – der Zettel sollte schon
längst entfernt sein; gleich zwei Lehrstellen waren besetzt worden
mit fähigen jungen Menschen, die auch beide einen „Probetag“
zur großen Zufriedenheit des Meisters absolviert hatten. Keine
Chance für meinen Schützling, so schien es. Aber nun ja, er solle
sich mal melden; ich möge ihm zwar keine Hoffnungen machen,
aber man könne ja mal sehen, vielleicht nächstes Jahr, dieses
Jahr sei alles belegt. Und dann ging es ganz schnell: keine Woche
später war der Vertrag zur Gärtnerausbildung aufgelöst und der
Lehrvertrag zur Ausbildung als Elektrotechniker abgeschlossen.
„WOW!“ denke ich noch heute, das war nicht das Wehen des
Geistes Gottes, sondern sein Brausen. Das bringt ER also fertig:
das Durcheinanderwirbeln von allem, was einem der klare Menschenverstand sagt; ER überwindet Routine und alle Wenn und
Aber. Viel, viel skeptischer bin ich mit den Jahren geworden und
führe längst nicht alles auf das Wirken des Geistes zurück. Bei so
manchem käme ER mir sonst grausam und zynisch vor, die Menschen verspottend und verletzend. Aber ich rechne mit IHM; gerade in den Tiefen des Lebens. Nicht immer ist seine Wirkung so
deutlich, schnell und gravierend; manchmal erscheint ER mir eher
leise säuselnd. Aber ich möchte IHN suchen und aufspüren in den
Bewegungen des Lebens, auch in den Bewegungen unserer neuen Pfarrei. Wenn ich auf Jesus von Nazareth schaue, dann sehe
ich ihn verpflichtet und verbunden einem lebendigen Geist Gottes,
nicht einem Geist der Gesetze und Ordnungen. Diesen Geist finde
ich in vielen kleinen Aufbrüchen und Veränderungen und ich bin
gespannt, wann ER das nächste Mal als Sturm bläst und wie es
sein wird, das „Danach“. Meine Erfahrung mit dem Geist Gottes
gibt mir das Vertrauen, dass es nur gut sein kann, heilend und
nicht verletzend. Dem Leben förderlich, froh machend und nicht
niederdrückend. Und bis dahin träume ich mit Dorothee Hammerschmitt weiter von einer Kirche, „die demütig ist – die neue Ideen
zulässt – wo Vertrauen wachsen kann, das zu Glauben wird“ und
mit einem Gemeindemitglied unserer Pfarrei von einer „bunten,
lebendigen, vielfältigen Lebens- und Glaubensgemeinschaft“.
“Im Abgrund
spiegelt sich der
Himmel.”
Manfred Hinrich
NACHGESPÜRT
‘Um Himmels willen!’ Die Sprache verrät es…
/ 42
/ 43
„Himmel und Erde“ sind nicht nur der Name für ein klassisches
hessisches Gericht, sondern beide Worte sind auch „Grundlage“
für zahlreiche Redewendungen, die viel über unser Denken verraten. Dem spürt Christina Vest einmal nach…
Wer vom Himmel spricht, richtet den Blick unwillkürlich nach
OBEN. Meteorologen, Astrologen und Astronomen haben mit dem
Himmel zu tun und schon die Verheißungen Gottes beantwortet
der Stammvater Abraham mit einem Blick zum Sternenhimmel.
Die Begriffspaare Himmel und Erde oder Himmel und Hölle verraten, dass der Himmel für das Unerreichte und Große steht. Der
Himmel ist der Ort und Zustand unendlicher Glückseligkeit – doch
wie er aussieht, lässt sich zu Lebzeiten eben nicht in Erfahrung
bringen. Wie im siebten Himmel schweben! Unsere Sprache offenbart es: Gerne wird er als idealisierter, perfekter Raum gesehen. Manchmal ist auch die rosa rote Brille im Spiel, wenn sich
Menschen das Blaue vom Himmel versprechen oder sich die
Sterne vom Himmel holen.
“Die Himmelsrichtungen
belegen es:
In welche der
vier Richtungen
wir auch gehen,
wir sind himmelwärts unter- Und überhaupt taugt der Begriff für die Werbung, die gerne mit
wegs.” Superlativen arbeitet: Ob es der leckere Frischkäse, der Ausflug
Brigitte Fuchs Clooneys in die Espressowelt oder die verführerischen Rafaellos
sind: einfach himmlisch! Der Himmel ist auch gerne für die Überraschungsmomente da, dort wo Dinge wie aus heiterem Himmel,
manchmal sogar wie ein Blitz aus heiterem Himmel geschehen.
Dich schickt der Himmel! Wie gut, dass du jetzt da bist.
Gerne gebrauchen wir aber auch das Wort, wenn wir so richtig
schimpfen: Himmeldonnerwetter, Himmelherrgottnochmal! Ein
Unrecht, das wir erfahren, kann himmelschreiend sein und wenn
uns eine Sache so richtig gegen den Strich geht, sagen wir schon
mal: Die ganze Sache stinkt ja zum Himmel!
Bei allen Redewendungen, die mir einfallen, ist mir das EINE Bild,
der EINE Satz ganz wichtig, den wir tatsächlich brauchen, wenn
wir einem Kind z.B. erklären wollen und müssen, dass seine Großmutter oder ein naher Verwandter gestorben ist: „Der ist im Himmel!“ Ein ungeschickter, verzweifelter Versuch, Trost zu schen-
ken, zu erklären, was nicht zu erklären ist? Nein. Vielleicht steckt
darin die ganze Wahrheit über den Himmel.
Himmel ist gleichzusetzen mit der größtmöglichen Nähe zu Gott.
Und damit ist der Himmel nicht fern von den Menschen, eben
OBEN. Der Himmel hat begonnen, er ist schon teilweise da. Jetzt,
hier, ganz real. Wo Gottes Gegenwart sich zeigt, fängt der Himmel
an, auch wenn er noch nicht völlig vollendet ist.
Ist der Himmel ein realer Ort? Für mich JA! Es ist nicht nur ein
Seelen- und Geisteszustand.
Weiß der Himmel...!
,,Alle gute
Gabe kommt
von oben.’’
Deutsches
Sprichwort
Oberems
ST. PETER UND PAUL
HEILIG GEIST
Glashütten
6.
CHRISTKÖNIG
ST. ALBAN
Schloßborn
5.
Falkenstein
9.
Schönberg
ST. MARIEN
1.
ST. PHILIPPUS UND JAKOBUS
Kronberg
Königstein
3.
Oberhöchstadt
7.
2.
8.
Schneidhain
4.
Mammolshain
ST. JOHANNES DER TÄUFER
ST. VITUS
ST. MICHAEL
Zentrales Pfarrbüro Maria Himmelfahrt im Taunus
/ 46
61462 Königstein, Georg-Pingler-Str. 26
Tel. 06174–21480, Fax 06174-21115
[email protected]
Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 09.00 – 12.00 Uhr und
Öffnungszeiten: Mo, Di, Mi, Do 14.00 – 17.00 Uhr
KIRCHORTE:
1. KÖNIGSTEIN
2. + 3. KRONBERG/
SCHÖNBERG
4. MAMMOLSHAIN
61462 Königstein, Georg-Pingler-Str. 26
Tel. 06174–21480, Fax 06174-21115
[email protected]
61476 Kronberg, Katharinenstraße 5
Tel. 06173–952498, Fax 06173–940019
[email protected]
Öffnungszeiten: Di, Fr 9.00 – 12.00 Uhr
61462 Königstein-Mammolshain, Oberstr. 1a
Kontakt über: Tel. 06174–21480
[email protected]
5. + 6. GLASHÜTTEN/
SCHLOSSBORN
61479 Glashütten-Schloßborn, Pfarrgasse 1
Tel. 06174–61219, Fax 06174-964370
[email protected]
Öffnungszeiten: Di 8.00 - 12.00 Uhr und Fr 9.00 - 12.00 Uhr
7. OBERHÖCHSTADT
61476 Kronberg-Oberhöchstadt, Am Kirchberg 2
Tel. 06173-63497, Fax 06173-320431
[email protected]
Öffnungszeiten: Mo 17.30 - 18.30 Uhr
Di und Fr 9.00 - 12.00 Uhr
8. SCHNEIDHAIN
61462 Königstein-Schneidhain, Waldhohlstr. 18
Tel. 06174–21236, Fax 06174-209408
[email protected]
Öffnungszeiten: Mi 15.30 - 18.30 Uhr
9. FALKENSTEIN
61462 Königstein-Falkenstein, Am Müllerhain 2
Tel. 06174–7390, Fax 06174-297577
[email protected]
Öffnungszeiten: Mo 9.00 - 12.00 Uhr
Die Kontaktdaten des Seelsorgeteams und aktuelle
Informationen zum Leben in der Pfarrei finden Sie auf der
Homepage: www.mariahimmelfahrtimtaunus.de
Dann führte er sie hinaus in die Nähe von
Betanien. Dort erhob er seine Hände und
segnete sie. Und während er sie segnete,
verließ er sie und wurde zum Himmel
emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder.
Dann kehrten sie in großer Freude nach
Jerusalem zurück. Und sie waren immer im
Tempel und priesen Gott.
Lukas 24, 50-53
annes d.T. _St. Marien
_Heilig Geist _St. Joh
us
St. Alban _Christkönig
s und Jakobus _St. Vit
und Paul _St. Philippu
St. Michael _St. Peter
REDAKTION AUSGABE_03
Dirk Blum_Thomas Klima_Elisabeth Steiff_Christina Vest_Doris Werner
Bernhard Bender (Fotos)_Birgit Kuhn (Layout)