bücherschau sommer 2015

bücherschau sommer 2015
Liebe Freundinnen und Freunde unserer Buchhandlung!
Es ist wieder soweit - der Sommer kommt und somit die Ferien- und Urlaubszeit. Wir möchten Euch
eine Auswahl an Neuerscheinungen aus der Theologie, Belletristik, bei Sachbüchern, Kinder- und
Jugendbüchern vorstellen und hoffen, dass etwas Interessantes oder Unterhaltsames für Euch dabei
ist. Auf Euren Besuch in unserer Buchhandlung freuen wir uns! Einen guten Sommer und viele
vergnügliche Lesestunden wünscht das Team der Buchhandlung „Die Quelle“!
Theologie
Thomas J. Nagy
König – Kaiser – Kardinal
Auf den Spuren von Kardinal Franz König.
Styria Verlag 2015, 335 Seiten, gebunden, € 24,99
Diese bemerkenswerte Biographie zeichnet den Lebensweg Kardinal Franz Königs.
Wie wurde aus einem Bauernbub ein wesentlicher Mitgestalter des Zweiten
Vatikanischen Konzils? Wie konnte sich Kardinal König als Religionswissenschafter,
als Kirchendiplomat und Seelsorger, als Brückenbauer zwischen Kirche und
Gesellschaft, zwischen Ost- und Westkirche, zwischen Theisten und Atheisten so außergewöhnlich
bewähren? Worin liegt noch heute die Faszination dieser großen Persönlichkeit des 20.
Jahrhunderts? Aus über 50 Gesprächen und umfassenden Recherchen entstand ein wichtiges
Zeitdokument, das Zusammenhänge aufzeigt und so zum Verständnis gesellschaftlicher und kirchlicher Entwicklungen beiträgt.
Kardinal König war seiner Zeit in vielen Belangen weit voraus und stieß aber gerade deshalb auf viele
Ängste und Widerstände. Zeitzeugen und Wegbegleiter sprechen sehr offen über persönliche
Begegnungen, über Hintergründe und Konflikte. Der „rote Kanzler“ Bruno Kreisky schrieb König zum
80. Geburtstag: „Ich habe immer wieder aufs Neue Ihre Persönlichkeit zu schätzen gelernt. Sie sind
geprägt durch Weisheit und einen einzigartigen Sinn für gesellschaftliche Probleme … Dazu kommt
ein hohes Maß an Güte, die jeder von uns verspüren konnte“. Wieder andere erlebten ihn weniger
zustimmend, immer aber mit großem Respekt.
Thomas Nagy bedankt sich am Ende des Buches bei allen Leserinnen und Lesern: „Vielleicht haben
meine Zeilen Zustimmung, vielleicht auch Ablehnung hervorgerufen. Kardinal Franz König hatte viele
Facetten zu bieten, die vielleicht die eine oder andere Sichtweise eröffnet haben. Seinem
Wahlspruch versuchte ich jedenfalls mit jedem Wort treu zu sein: ‚Der Wahrheit in Liebe dienen‘“
(322). Dafür ist dem Autor sehr zu danken. Ich wünsche dieser Biographie eine interessierte
Leserschaft. Ich jedenfalls habe sie mit großem Gewinn gelesen.
Dr. Hildegard Lorenz, Wien – Dornbirn
Fulbert Steffensky
Heimathöhle Religion
Ein Gastrecht für widersprüchliche Gedanken
Radius Verlag 2015, 157 Seiten, gebunden, € 16,50
Fulbert Steffensky, geboren 1933 im Saarland, studierte katholische und
evangelische Theologie, war Ordensmann in der Benediktinerabtei Maria Laach,
konvertierte 1969 zum lutherischen Bekenntnis und heiratete Dorothee Sölle. Seine
Textsammlung ist ein Ausdruck großer Glaubenstiefe und vielfältiger LebensBuchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
erfahrung, immer verbunden mit dem Ringen um das Wort der Bibel und dem Verständlichmachen
dessen für die Menschen der heutigen Zeit. Dabei können alltägliche Begebenheiten, Texte von
Mystikern, die Besinnung auf die Tradition und biblische Gleichnisse Brücken zum besseren Verständnis werden. Was den Menschen durch sein Leben begleitet ist eine ‚gesellige Gnade‘, die es
einem ermöglicht, sich aus der Hand zu geben und sich fallen zu lassen in Liebe, Freundschaft und
Vergebung. Steffensky spürt in diesem Buch in seinem Theologietreiben wieder ganz besonders dem
Erzählen nach. Denn Erzählen ist Beitrag zur Rettung des Lebens. Das Erzählen ermöglicht es dem
Menschen, sich hineinzudenken in die Geschichten vom gelingenden Leben, in die Heilsgeschichte.
So war es zu biblischen Zeiten und so ist es auch noch heute: „Wer man ist und was man hoffen darf,
kann man sich nicht allein sagen. Man sagt es sich im Zusammenhang großer Erzähltraditionen.“ (S.
55)
„Heimathöhle Religion“ ist ein sehr spirituelles Buch, fragmentarisch zwar, aber getragen von einer
grundtiefen Liebe zum Menschen und dessen Suche nach Ganzheit. Steffensky zu lesen ist ein
absoluter Gewinn.
Buchhandlung Die Quelle, Dr. Christine Bertl-Anker
Wilhelm Bruners
Niemandsland Gott
Gedichte und Meditationen
Tyrolia Verlag 2015, 95 Seiten, broschürt, € 12,95
Gottes Hände
sind nass wenn sie
über seine Welt
streichen
Sie zittern
wenn seine Fingerkuppen
ihren Scheitel berühren
Wilhelm Bruners, Priester des Bistums Aachen und Exerzitienleiter, hat 18 Jahre in Jerusalem gelebt
und als Spiritual im Österreichischen Hospiz bzw. als Leiter der Bibelpastoralen Arbeitsstelle des
Katholischen Bibelwerks Österreich gewirkt. Er hat sich ganz dem Wort verschrieben, das suchend,
pilgernd unterwegs ist auf Gott hin. Seine Texte sind besonders geprägt von der biblischen Tradition
und dem Land der Bibel. Es ist vom Unterwegssein die Rede zu einem Gott, der sich finden lässt – im
Gesicht des anderen, in den Lebensgeschichten von Mensch zu Mensch, im Niemandsland, im
Ringen, im Schweigen, im Spielen. Bruners Sprache ist bedacht, empfindsam, beinahe still und gerade
deshalb eine des Herzens und der Sehnsucht. In ihr zeigt er sich den Lesenden in seiner Tiefe und
Hingabe zum Abenteuer Gott und in seiner Freude am Wort. Wilhelm Bruners lädt in seiner Lyrik ein,
sich selbst zu finden und sich zu verorten in der Gegenwart des Ich-bin-da.
„Niemandsland Gott“ möchte ich allen Leserinnen und Lesern wärmstens ans Herz legen. Es ist ein
poetisches Kleinod, das uns begleiten wird ganz ‚in Gott hinein‘.
Buchhandlung Die Quelle, Dr. Christine Bertl-Anker
Rainer Oberthür
Das Buch vom Anfang von Allem
Bibel, Naturwissenschaft und das Geheimnis unseres Universums
Kösel Verlag 2015, 104 Seiten, gebunden, € 18,50
Die Geschichte vom Anfang der Welt erzählt Rainer Oberthür auf zweierlei Weise:
die Geschichte vom Urknall bis zur Entstehung des Lebens auf unserer Erde, und
die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel, ein Loblied auf Gott.
Beide Geschichten können unabhängig voneinander gelesen werden. Wer sie aber
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
miteinander liest, begreift: Alle Dinge, die wir sehen, können wir doppelt anschauen: als Tatsache
und als Geheimnis. Das Buch ist wunderschön gestaltet, in zwei Farben kann naturwissenschaftliches
Wissen und biblische Überlieferung gelesen werden, Bilder und Fragen helfen zum Verstehen, klar
und klug, anregend und eindrücklich – einfach wunderbar. Das Buch eignet sich für Erwachsene, um
die Spannung zwischen Bibel, Naturwissenschaft und das Geheimnis unseres Universums zu
verstehen, es eignet sich für Kinder, für das eigene Lesen ebenso wie für die Arbeit im
Religionsunterricht. Auch die Bilder sind am Ende des Buches erschlossen, weitere Lesehinweise
laden ein … Wieder ein wunderbares Buch von Rainer Oberthür, vielleicht sein schönstes. Ein „Musthave“, finde ich.
Dr. Helga Kohler-Spiegel, Feldkirch
Fridolin Wechsler
Menschen von Gottes Farbe
Verlag Katholisches Bibelwerk/Rex Verlag 2015, 208 Seiten, gebunden, € 20,60
Der Titel hat mich aufhorchen und neugierig werden lassen. Der Autor geht von
einer Aussage des Mystikers Johannes Tauler (1300-1361) aus. Für ihn sind
‚gottfarbene‘ Menschen jene: „Gott lebt, west und wirkt in der Seele. Dadurch wird
die Seele gottfarben…“ (S 20), also das Göttliche in uns färbt auf das Menschliche ab. Und gerade
dies ist doch unsere Sendung, dass Gott im Leben sichtbar werde.
Das Buch umfasst 10 Porträts von Personen unterschiedlicher Zeiten und Kulturen, wie Johannes
Tauler, Simone Weil, Niklaus von Flüe, Blaise Pascal, Dietrich Bonhoeffer, Friedrich Spee u.a.m.
Schade finde ich, dass nur zwei Frauen darunter sind. Der Autor hebt hervor, dass er bei der Kürze
der Darstellungen vor allem die mystische Seite dieser Personen betont. Das ist ein ganz besonderer
Zugang zu einem Menschen. So wird das Buch zu einem meditativen Lesebuch, das sehr zum
Nachdenken und Nachspüren anregt und uns Leserinnen und Leser dazu einlädt, darüber zu
reflektieren – Welche Farbe Gottes wird durch mich sichtbar? Schon Dietrich Bonhoeffer hat die
Bedeutung der menschlichen Vorbilder betont. Wieviel mehr wiegt dieses Vorbild nun angesichts der
oft beklagten Glaubenskrise.
Fridolin Wechsler war Dozent am Religionspädagogischen Institut der Universität Luzern, und macht
durch seinen behutsamen Zugang zu den ‚gottfarbenen‘ Menschen dieses Buch zu etwas ganz
Besonderem.
Rosalia Kohler, Bregenz
Sachbuch
Anna Gamma
Schön, wild und weise
Frauen auf dem Weg zu sich selbst
Theseus Verlag 2015, 205 Seiten, broschürt, € 17,50
In den unterschiedlichsten Schöpfungsmythen wird immer der Frage nach Frau und
Mann und deren Stellung zueinander nachgegangen. Es ist eine der zentralen
Fragen der Menschheit. Besonders heute in einer Zeit, in der strukturelle
Veränderungen auf allen Gebieten anstehen und eintreten, ist auch die Stellung
von Frau und Mann zueinander einem Wandlungsprozess unterworfen. Indem Anna Gamma den
Schöpfungsmythen der unterschiedlichsten Kulturen nachspürt, zeigt sie auf, wo weibliches Potenzial
in seinen Ursprüngen grundgelegt ist und nun eine bewusste Besinnung auf das Weibliche für unsere
Gesellschaft mehr als notwendig wäre. Dabei kommen die Jüdinnen Eva und Lillith, die ägyptische
Göttin Nut, die polynesische Pele, die buddhistische Kanzeon, Maria, die Mutter Jesu und Maria
Magdalena zu Wort. Zwischen den einzelnen Kapiteln sind ganz besondere meditative Übungen
angeleitet, die das Buch zu einem intensiven und persönlichen Übungsbuch werden lassen.
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
Anna Gamma ist Psychologin, langjährige Leiterin des Lassalle-Instituts in der Schweiz und ZenMeisterin. Mit ihrem Buch Schön, wild und weise macht sie vielen Frauen Mut, sich auf die eigene
Stärke zu verlassen und in der Treue zu sich selbst zu wissen, was zu tun ist. Ein sehr wichtiges und
mutmachendes Buch für Frauen und ein besonderes Geschenk für Ihre beste Freundin …
Buchhandlung Die Quelle, Dr. Christine Bertl-Anker
Jón Gnarr
Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!!
Tropen Verlag 2015, 195 Seiten, broschürt, € 15,40
Offene statt heimliche Korruption – Kostenlose Handtücher für alle Schwimmbäder
– Ein Eisbär für den Zoo … Jón Gnarr, von Juni 2010 bis Juni 2014 Bürgermeister
Reykjavíks, der Hauptstadt Islands, will mit seiner „die Beste Partei“ ein konkretes
Beispiel sein, wie positive Einmischung in die Politik gelingen kann.
In seinem in lockerem Plauderton geschriebenen Buch erfahren wir, wie Jón Gnarr
vorgegangen ist, um seine Welt zu verändern, welche Schritte er gesetzt hat und wie aus dem
Sonderschüler, Taxifahrer und Stand-up Comedian ein Bürgermeister wurde. Seine ungewöhnliche
Geschichte fasziniert ebenso wie seine politischen Visionen. Jón Gnarr stellt die großen und die
kleinen Fragen. Die Antworten seiner Politik bringt er auf verblüffend einfache, gemeinsame Nenner.
Was haben die Leute, die in den Bankenkollaps verstrickt sind, gemeinsam? Lässt sich darin ein
Muster erkennen? Wie verändern wir die Politik? Was machst du, wenn du zwischen zwei
Möglichkeiten wählen sollst, von denen beide gleich schlecht sind? Wie können wir Stagnation
auflösen?
Visionen von Reykjavík als „City of Peace“, als Ausgangspunkt für Friedensarbeit, sowie praktische
Beispiele sind Wegweiser für die Weiterentwicklung der Demokratie und die Zukunft der Kommunen.
Jón Gnarr überrascht durch Offenheit und Kreativität: Wenn er über seine Träume und seine
Erschöpfung im Alltag der Politik spricht oder über die direkte Einmischung von BürgerInnen einer
Stadt – unter anderem bei Bauprojekten – und partizipativer Haushaltsplanung. Jón Gnarr geht es
immer um den Menschen. Was brauchen wir für eine veränderte Politik? „Wir brauchen Künstler.
Wir brauchen ganz normale Leute, die langsam denken anstatt schnell. Leute, die zugeben, etwas
nicht zu wissen, anstatt so zu tun, als wüssten sie alles und sich geschickt herauswinden, um nicht
abgesägt zu werden“. Übrigens bekommt der/die LeserIn ganz nebenbei mit, was man tun muss, um
Island zu verstehen.
Bei der Bürgermeister-Amtsübergabe nach vier Jahren hieß es, „die ganze Gesellschaft habe von ihm
gelernt“. Humor, das zeigt Jón Gnarr, ist in Zukunft die Schlüsselkompetenz. Nicht nur das können wir
von Jón Gnarr lernen.
Mag. Karin Metzler, Rankweil - Dornbirn
Rudolf Kirchschläger
Ins Heute gesprochen
Verlag Styria premium 2015, 191 Seiten, gebunden, € 24,99
Rudolf Kirchschläger war von 1974 – 1986 Bundespräsident Österreichs. In seiner
ruhigen, klaren und bescheidenen Art ist er bis heute der Inbegriff eines
Bundespräsidenten geblieben. Am 20. März 2015 wäre er 100 Jahre alt geworden.
Aus diesem Anlass hat sein Sohn, Dr. Walter Kirchschläger, emeritierter Professor
für Neues Testament, Luzern, Texte und Passagen aus über 1200 Redemanuskripten, die der Bundespräsident selbst konzipierte und ausformulierte, ausgewählt. Besonders markante Formulierungen quer durch alle 12 Jahre der Amtszeit wurden nach Themen und
Anlässen geordnet: Verständnis des öffentlichen Amtes, Politisches Leben in Österreich, Gesellschaftliches Leben, Wirtschaft, Kunst und Kultur, Wissenschaft, Internationale Politik, Ethik, Zugang
zum Menschsein, Weltverständnis und Religionsgemeinschaften. Diese elf Sachgebiete sind wiederum in 45 Einzelthemen unterteilt.
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
Bundespräsident Heinz Fischer dankt im Geleitwort Dr. Walter Kirchschläger für die große und wertvolle Arbeit, die er dabei geleistet hat. Er notiert: „Ich verhehle nicht, dass ich die feste Absicht habe,
den einen oder anderen Gedanken […] wenn auch nicht als unmittelbarer Nachfolger von Rudolf
Kirchschläger zu verwenden und nach Möglichkeit auch zu beherzigen.“
Wie sehr die Gedanken von Rudolf Kirchschläger „Ins Heute gesprochen“ sind, mag folgendes Zitat
zeigen: „Meine besondere Hoffnung für einen neuen Aufbruch in den Bemühungen um den Frieden
setze ich in die Jugend, bei der sich vielleicht in größerem Maße jenes ‚neue Herz‘ findet, aus dem
der Friede entspringen kann“ (176) Walter Kirchschläger notiert, dass bei der Auswahl der Texte die
Überzeugung wegleitend war, dass „so manche Aussage über die Jahre hinaus ihre Gültigkeit
bewahrt hat … und beachtenswert bleibt – als wäre sie ins Heute gesprochen.“ (14).
Dies und die überaus sensible Auswahl der Texte sind für mich ganz besondere Kostbarkeiten des
Buches. Sie zeigt, wie sehr „Vater und Sohn“ im gemeinsamen Denken und Glauben verbunden
waren und sind. Ich wünsche diesem bemerkenswerten Buch interessierte Leserinnen und Leser.
Dr. Hildegard Lorenz, Wien - Batschuns/Dornbirn
Barbara Pachl-Eberhart
Warum gerade du?
Integral Verlag 2015, 256 Seiten, gebunden, € 18,50
Barbara Pachl-Eberhart, die ihre beiden Kinder und ihren Mann durch einen
Autounfall verloren hat, gibt in ihrem zweiten Buch persönliche Antworten auf die
„großen Fragen der Trauer“. Es sind Fragen, die vielen Trauernden immer wieder
durch den Kopf gehen: Warum? Warum musste ausgerechnet mein Kind sterben?
Wie soll ich das aushalten? Kann ich jemals wieder glücklich sein? Die Autorin
beantwortet diese Fragen sehr offen aus ihrer eigenen Situation heraus bzw. versucht, eine Antwort
darauf zu finden. Ihr Buch ist keine theoretische Abhandlung, sondern ein sehr persönliches Werk,
das Trost und viele Anregungen für Trauernde und auch für den Umgang mit Trauernden enthält und
zu einem besseren Verständnis für deren Trauerprozess beiträgt.
Das Buch ist für alle, die eine Trauerphase durchmachen oder bereits durchgemacht haben bzw.
Trauernde unterstützen möchten, sehr empfehlenswert und tröstend.
Mag. Martha Stüttler-Hartmann, Frastanz
Livia Klingl
Wir können doch nicht alle nehmen!
Europa zwischen „Das Boot ist voll“ und „Wir sterben aus“
Verlag Kremayr & Scheriau 2015, 190 Seiten, gebunden, € 22,00
Immer mehr Menschen flüchten vor Gewalt, Krieg, religiösem Fanatismus und
Hunger. Mit dabei sind viele Kinder, die allein oder mit ihren Familien ein neues,
lebenswertes Leben suchen. Die Flüchtlingssituation rund um Europa scheint zur
größten Herausforderung unseres Jahrzehnts zu werden und dennoch sind
todbringende Vorurteile und das dumpfe Gefühl, die ins Land Kommenden vermindern unseren
Reichtum, sind überdurchschnittlich kriminell und sollten endlich wieder dorthin, wo sie herkommen
– nicht verpönt, nein, damit lassen sich sogar Wahlen gewinnen.
Livia Klingl, seit vielen Jahren Kriegs- und Krisenberichterstatterin auf dem Balkan, in Afghanistan,
Irak, Iran und im Libanon, zeigt in prägnanter Sprache und mit zahlreichen statistischen Belegen auf,
dass es sich gerade anders verhält. Flüchtende sind keineswegs freiwillig oder leichtfertig unterwegs,
sie wurden dazu gezwungen. Asylsuchende sind in den überwiegenden Fällen hochqualifiziert und
sofort bereit, ihren Beitrag in der sie aufnehmenden Gesellschaft zu leisten. „Für Österreich sind die
Zahlen eindeutig: ein Plus von statistisch 2400 Euro pro Jahr pro erwerbsfähigem Einwanderer für die
Staatskassen. Und das trotz tatsächlich höherer Arbeitslosigkeit bei den Ausländern …“ (30) Was nun
mehr als gefordert ist, wäre eine Zuwanderungspolitik bzw. eine Asylgesetzgebung, die sowohl den
Menschen als auch den Bedürfnissen der Gesellschaft in der Zukunft gerecht wird. Die Autorin lässt
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
16 Personen zu Wort kommen, die als Flüchtlinge aus allen möglichen Weltgegenden in unser Land
gekommen sind und nun als hier integrierte Mitbürger nicht nur die kulturelle Vielfalt Österreichs
bereichern. Es wäre zu wünschen – und es ist möglich – dass viele Menschen in einem solidarischen
Europa ein neues Leben in Frieden finden können und ein Maß an Zuzug erlaubt wird, der letztlich
uns allen zugutekommt. Ein sehr brisantes und bedenkenswertes Buch!
Buchhandlung Die Quelle, Dr. Christine Bertl-Anker
Belletristik
Amos Oz
Judas
Suhrkamp Verlag 2015, 335 Seiten, gebunden, € 23,70
„Dies ist die Geschichte der Wintertage Ende des Jahres 1959, Anfang 1960. In
dieser Geschichte gibt es Irrtum und Lust, es geht um enttäuschte Liebe, und es gibt
so etwas wie die Frage nach Religiosität, die hier unbeantwortet bleibt.“ – So
beginnt Amos Oz, einer der renommiertesten israelischen Schriftsteller, seine
Geschichte über Schmuel Asch, der in der Liebe und im Studium gescheitert ist.
Einen Ausweg aus seiner misslichen Lage bietet ihm eine geheimnisvolle Anstellung als Gesellschafter
für einen eigentümlichen alten Mann. Seine Aufgabe ist es, ihm nachts als Gesprächspartner zur
Verfügung zu stehen - und in diesen nächtlichen Gesprächen über Literatur, den Zionismus, die
jüdisch-arabischen Konflikte kurz nach der Staatsgründung entdeckt er die menschliche Tragödie im
Leben seines Gesprächspartners und seiner geheimnisvollen Arbeitgeberin Atalja. Schmuel hat sich
im Studium mit den rabbinischen Bewertungen Jesu, also der Beziehung zwischen Juden und Christen
beschäftigt. Immer wieder tauchen seine Überlegungen in der Geschichte auf, zum Schluss in einer
kurzen Erzählung aus der Perspektive des Judas Iskariot, die einen berührenden und überraschenden
Blick auf die Passion eröffnet. Ein zeitgeschichtlich interessantes Buch, das auch eine fein
gesponnene Liebesgeschichte erzählt und schließlich auch zur Nachdenklichkeit über das Verhältnis
von Judentum und Christentum einlädt. Ein Buch, das ich immer wieder in die Hand nehmen werde…
Dr. Elisabeth Anker, Innsbruck
Ayelet Gundar-Goshen
Löwen wecken
Kein & Aber Verlag 2015, 424 Seiten, gebunden, € 23,60
Der israelische Neurochirurg Etan Grien lebt mit seiner Frau, einer Polizeikommissarin, und den beiden Söhnen in Beer Scheva. Eines Nachts überfährt er in
der Wüste einen illegalen Einwanderer. Um seine Familie und seine Karriere zu
schützen, lässt er den sterbenden Eritreer liegen und meldet den Unfall auch nicht
der Polizei. Weshalb nicht weitermachen als sei nichts geschehen? Doch dann steht
plötzlich die Frau des Unfallopfers vor seiner Tür und macht Etan einen folgenschweren Vorschlag.
Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, eine falsche Entscheidung und das Leben gerät völlig aus der
Bahn. Unweigerlich stellt man sich als Leser die Frage: Wie wäre ich mit dieser Situation
umgegangen?
Ein anspruchsvoller Roman der aufzeigt, wie zerbrechlich unser scheinbar geordnetes Leben im
Grunde ist. Außerdem gewährt die Autorin Einblicke in die israelische Gesellschaft und in die sozialen
und oft existenzbedrohenden Probleme von Flüchtlingen. Ein würdiger Nachfolger auf GundarGoshens Debütroman „Eine Nacht, Markowitz“. Sehr empfehlenswert!
Buchhandlung Die Quelle, Mag. Brigitte Achatz
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
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Greg Iles
Natchez Burning
Verlag Rütten & Loening 2015, 1008 Seiten, gebunden, € 23,70
Tom Cage ist ein allseits geachteter und beliebter Arzt in Natches, einer Stadt im
Süden der USA. Seine frühere Krankenschwester Viola Turner kehrt nach fast 40
Jahren todkrank in die Stadt zurück um zu sterben und ist bereits nach einem Tag
tot. Hat Tom Cage ihr beim Sterben geholfen oder sie gar ermordet? Tom Cage
schweigt dazu. Um seinen Vater vor dem Gefängnis zu bewahren versucht sein
Sohn Penn als Bürgermeister von Natchez herauszufinden, was wirklich geschah
und gerät dabei in einen tiefen Sumpf, in dem die Rassenkonflikte der 60er Jahre wieder aufbrechen:
Die Dippelakler, eine damalige ultrabrutale Splittergruppe des Ku-Klux-Klan, die für viele rassistisch
motivierte Morde verantwortlich war, haben heute Kinder und Enkel … Bald weiß Penn Cage nicht
mehr, wem er in Natchez überhaupt noch vertrauen kann.
Ein unglaublich spannender Thriller, der trotz des Umfangs von über 900 Seiten nie langweilig wird.
Sowohl die Story selbst als auch die Charaktere sind sehr realitätsnah und glaubwürdig – atemlos
taucht man in die Geschichte der 60er mit Martin Luther King und den Kennedys ein und will gar
nicht mehr aufhören zu lesen. Ein Kritiker hat geschrieben: „Greg! Du schuldest mir eine Menge
Schlaf!“ Diesem Satz kann ich mich anschließen!
DI Sighard Kohler, Feldkirch
Dörte Hansen
Altes Land
Knaus Verlag 2015, 286 Seiten, gebunden, € 20,60
„Dies Haus ist mein und doch nicht mein…“ Dieser alte Sinnspruch steht auf
plattdeutsch am alten Eckstein Hof, der mit seinen Bewohnern eine zentrale Rolle
im „Alten Land“ spielt. Auch wenn dieser Spruch sich auf die Endlichkeit des Lebens
bezieht, drückt er sehr gut die ambivalente Haltung der Bewohner zu ihrem Haus
aus.
Vera, kommt mit ihrer Mutter am Ende des Krieges aus Ostpreußen auf den Hof. Und auch als ihre
Mutter diesen nach Jahren verlässt, bleibt sie in dem Haus, das ihr Angst macht, aber auch „Heimat“
ist. Auch nach ihrem Studium kehrt sie als Zahnärztin dorthin zurück. Die andere Frau, die eine
wichtige Rolle spielt ist Anne, die Nichte von Vera. Nach einer gescheiterten Beziehung flüchtet sie
mit ihrem Sohn aus einem angesagten Hamburger Stadtteil zu ihrer Tante.
Der Roman erzählt von Familien-Geschichten, von Konflikten und Traumata, die weitergetragen
werden, von unterschiedlichen Lebenseinstellungen und -konzepten. Das Faszinierende ist für mich
die Mischung aus Melancholie und augenzwinkernder Komik, die bei aller Schwere der Themen dem
Roman eine gewisse Leichtigkeit gibt. Die Autorin beschreibt die Menschen mit scharfem Blick, doch
auch mit viel emotionaler Wärme, aber ohne Kitsch. Ein wirkliches Lesevergnügen!
Rosalia Kohler, Bregenz
Kamilla Shamsie
Die Straße der Geschichtenerzähler
Berlin Verlag 2015, 384 Seiten, gebunden, € 20,60
Kamilla Shamsie nimmt ihre Leserinnen und Leser mit auf eine Straße in einem
alten Viertel von Peschawar - „Die Straße der Geschichtenerzähler“. Sie führt die
Straße der Geschichte(n) entlang, in das British Empire des beginnenden 20.
Jahrhunderts und tief in das antike Persien. Was diese beiden Großreiche
verbindet, dort in den Bergen des nördlichen Pakistan sind zum einen Menschen,
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überhebliche Fremdherrscher und ihre verwöhnten Frauen, sowie Paschtunen und Inder, die in ihrer
Heimat unterdrückt, an der europäischen Front aber als treue Soldaten missbraucht werden.
Zum anderen sind da die Geschichten um einen silberner Stirnreif aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., der
wiedergefunden werden will und eine englische Archäologin, die die alten Geschichten und ihre
Helden zum Leben erweckt, aber Lebende ins Grab bringt. Immer wieder stellt sich die Frage, wer
sich wem unterwirft? Die Archäologin Vivian, die ihrem Vater gehorsam folgt und gefallen will, der
britische Soldat, der zunächst den Engländern, dann der indischen Befreiungsbewegung dient und
sein junger Bruder, der von seiner Phantasie und der Liebe zur Geschichte und den Geschichten lebt.
Der Roman sei all jenen besonders ans Herz gelegt, die große, bewegende Geschichte lieben und sich
gern entführen lassen in andere Welten, aber auch jenen, die sich von früheren Zeiten faszinieren
lassen. – Allerdings muss eines angemerkt werden: Wer immer die Inhaltsbeschreibung für den
hinteren Klappentext verfasst hat, hat maximal die Hälfte des Buches gelesen.
Dr. Ursula Rapp, Feldkirch
Vea Kaiser
Makarionissi oder Die Insel der Seligen
Kiepenheuer & Witsch 2015, 464 Seiten, gebunden, € 20,60
Ihr erzählerisches Talent hat die 25jährige Autorin schon in ihrem vielbeachteten
Debütroman „Blasmusikpop“ gezeigt – und sie setzt mit „Makarionissi“ ihre
Fähigkeit meisterlich fort: Die Geschichte einer griechischen Familie über vier
Generationen von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart beleuchtet den
griechischen Bürgerkrieg und seine Auswirkungen auf das Leben und Lieben in dem
kleinen Bergdorf Varitsi an der albanisch-griechischen Grenze. Die Großmutter Yiayia Maria versucht
nach Kräften, ihre Familie durch die stürmischen Zeiten zu bringen. Eine ihrer Entscheidungen jedoch
erweist sich als verhängnisvoll. Und so zerstreuen sich die Protagonisten um die Welt – nach
Deutschland, in die österreichische Provinz, in die USA – auf der Suche nach Frieden und
Selbstbestimmung und nach dem Lebensglück der großen Liebe. Sehnsucht und Neuanfänge prägen
die Geschichte, ebenso wie die Erfahrungen mit Migration und der unerschütterlichen Suche nach
dem Ganzsein als Mensch. Humorvoll und turbulent beschreibt Vea Kaiser ein Stück europäischer
Zeitgeschichte als Entwicklungsroman. Nicht nur für Griechenlandfreunde ein ausgesprochener
Lesegenuss!
Dr. Elisabeth Anker, Innsbruck
Dominique Anne Schuetz
Die unsichtbare Grenze
Europaverlag 2014, 303 Seite, gebunden, € 22,70
Andreas Furger, ein Bergbauernsohn, wächst am Ende des 19. Jahrhunderts in
einem kleinen Dorf am Ende des Valsertales in Graubünden auf. Der Fortschritt,
der sich in den großen Städten und in Davos, wo die ersten Kurgäste einkehren,
einstellt, ist hier noch weit weg. Das Leben ist hart. Die Menschen ringen der
kargen Umgebung und der oft feindlichen Natur das Nötigste ab. Ein tiefer
Katholizismus, aber auch großer Aberglauben sind alltäglich. Anders sein, ob durch Sprache, Glaube,
Aussehen, macht Menschen zu Außenseitern. Andreas ist wissbegierig und so ermöglicht ihm sein
Schwager Hannes, der Dorfschullehrer, den Schulbesuch im Kloster in Disentis. Am anderen Ende
Europas wächst Clifton Devlin heran, besessen für dunkle Mächte, für das Böse, für Dämonen. Die
beiden begegnen sich und Andreas erzählt dem Engländer von einer alten Sage, die erzählt, dass der
Teufel selbst in diesem Tal lebe, dort, wo ein Nebel an einem Berghang sich niemals lichtet. Der
Engländer reist in dieses Dorf und löst dort durch seine charismatische Gabe, Menschen zu
manipulieren, eine Katastrophe aus und Andreas kehrt nach vielen Jahren zum ersten Mal zurück,
weil er ahnt, welche Gefahr dem Dorf und seiner Jugendliebe droht.
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
„Das Böse erkennt man nicht am Äußeren. Zuerst erkennt man das Böse an den Worten und dann an
den Taten“ – diese Worte wurden Andreas von seinem Großvater mit auf den Weg gegeben.
Die Autorin, in St. Gallen aufgewachsen und jetzt in Zürich, verknüpft in ihrem Buch, in dem es nicht
nur um den Kampf zwischen Tradition und Moderne, Unglauben und Wissenschaft geht, geschickt
Fiktives und reale geschichtliche Ereignisse.
Maria Moll, Nenzing
Andrea Hirata
Der Träumer
Hanser Verlag 2015, 223 Seiten, gebunden, € 19,50
Das erste Buch von Andrea Hirata „Die Regenbogentruppe“ ist zum Kultbuch
aufgestiegen und wurde in 25 Sprachen übersetzt. Auf der Suche nach dem
Erfolgsrezept für dieses Buch werden wir aufmerksam auf eine außerordentliche
Lehrer-Schüler-Thematik. Nun liegt das zweite Buch vor. Trotz größter Widerstände
und Entbehrungen gelangen Ikal und seine Freunde mit einem Viehtransporter in
die benachbarte Stadt Manggar und besuchen die dortige Oberschule. Und dann geht der größte
Traum in Erfüllung: Ein Auslandsstipendium in Paris, um Wirtschaft zu studieren.
Und immer wieder vermittelt der Autor auf eindrückliche Weise und mit viel Einfühlungsvermögen
die Beziehung zwischen Ikal und seinem Vater. Die Begegnungen, aber besonders die Erinnerungen
an diesen einfachen, bescheidenen und stillen Mann begleiten und stärken den Sohn durch seine
gesamte Schul- und Studienzeit.
Dieses Buch eignet sich auch als Klassenlektüre für Jugendliche.
Buchhandlung Die Quelle, Monika Dobler
Lena Andersson
Widerrechtliche Inbesitznahme
Luchterhand Verlag 2015, 220 Seiten, gebunden, € 19,60
„Wie bereit sind wir, uns selbst zu betrügen, in unserer Sehnsucht, geliebt zu
werden?“ Die 31-jährige Ester, intelligent, erfolgreich und autark lernt Hugo Rask
kennen. Sie verlässt ihren langjährigen Partner für den älteren Künstler, über den
sie einen Vortrag gehalten hat.
Ihre tiefen Gefühle werden jedoch nicht erwidert. Sie liebt und leidet – er genießt
und schweigt. Immer wenn Ester ihm zu nahe kommt, zieht Hugo sich zurück. Kaum hat sie nach
Wochen oder Monaten des Schweigens die Unmöglichkeit dieser Liebe begriffen, nimmt Hugo
wieder Kontakt mit ihr auf. Was uns die Autorin hier zumutet hat Wiedererkennungswert. Eine
intellektuelle Frau im Liebeswahn. Ein Roman über die Liebe, wie sie viele von uns schon erlebt
haben. Exzellent geschrieben, tragisch und komisch zugleich und sprachlich ein Genuss.
Lena Andersson erhielt für diesen Roman den renommiertesten Literaturpreis Schwedens, den
Augustpreis.
Buchhandlung Die Quelle, Mag. Brigitte Achatz
Ashley Ream
30 Tage und ein ganzes Leben
Btb Verlag 2015, 381 Seiten, broschürt, € 13,40
Die erfolgreiche Malerin Clementine beschließt, in 30 Tagen zu sterben. Zu viel in
ihrem Leben scheint fehlzuschlagen: die unterschiedlichen Therapien, alle möglichen Medikamente, Ehe, Scheidung, Sex, Drogen. In den letzten Tagen ihres Lebens will sie nur noch das tun, was IHR gut tut. Sie entlässt ihre Angestellte und
kündigt den Vertrag mit der Chefin ihrer Galerie. Sie will herausfinden, was damals
wirklich geschah, als ihr Vater sie, ihre kleine Schwester und Mutter verlassen hat. Doch was
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
Clementine nicht weiß … nach diesen 30 Tagen wird nichts mehr so wie früher sein ... Ein Buch, das
leicht zu lesen ist und dennoch die nötige Spannung mit sich bringt, denn man will unbedingt
erfahren, was am Tag X tatsächlich geschehen wird.
Buchhandlung Die Quelle, Corina Seiler
David Safier
28 Tage lang
Kindler Verlag 2015, 413 Seiten, gebunden, € 17,50
Diesmal kein humoristischer Roman von David Safier (Mieses Karma, Muh),
sondern die Geschichte des Widerstandes der Juden während der letzten vier
Wochen des Warschauer Ghettos, geschildert aus der Sicht der 15-jährigen Jüdin
Mira. Nach dem Tod des Vaters muss Mira für das Überleben der Familie – ihrer
apathische Mutter und ihrer kleinen Schwester – sorgen und sie tut dies durch das
Schmuggeln von Lebensmitteln ins Ghetto. Zunächst ist das noch nicht so gefährlich, Mira sieht nicht
aus wie eine Jüdin und ihr Bruder ist ein „Judenpolizist“, also Teil jener, von der SS eingerichteten,
zynischen Organisation, deren Mitglieder ihre eigenen Leute verraten müssen, um das eigene Leben
zu retten. Aber dann beginnt die SS, die Bewohner des Ghettos systematisch zu deportieren und zu
ermorden und Mira schließt sich dem Widerstand an …
„Was für ein Mensch willst Du sein?“ ist die Frage, die sich durch die Geschichte zieht. Eine höchst
moralische Frage. „Einer der überlebt“ – in dieser Antwort steckt die ganz große Tragödie, die es
nahezu unmöglich machte, ohne Schuld zu überleben. Und David Safier verschont einen wahrlich
nicht: Brutalität und Willkür, der unbeschreibliche Schmerz, wenn Mira ihre Familie und ihre so über
alles geliebte kleine Schwester Hannah ermordet auffindet …
Eine überaus fesselnde, packende und zutiefst berührende Geschichte, die einen nicht mehr loslässt,
sobald man einmal eingetaucht ist. Muss man gelesen haben!
DI Sighard Kohler, Feldkirch
Guillaume Musso
Nacht im Central Park
Pendo Verlag 2015, 383 Seiten, broschürt, € 15,50
Alice, eine französische Polizistin aus Paris und Gabriel, ein Musiker aus Dublin
werden aneinander gekettet auf einer Parkbank im Central Park in New York
munter. Alice stellt fest, dass ihre Bluse blutig ist und die erzwungene Gesellschaft
mit Gabriel keine Vergnügen. Gabriel erweist sich jedoch als Glücksfall, denn er hat
einen Bekannten in der Stadt, so dass die beiden zumindest ein Dach über dem
Kopf haben. Ein rasantes Spiel um Woher und Wohin, um - Wer ist Gabriel? Wer ist Alice? -beginnt,
da beide einander misstrauen. Gleichzeitig ist entscheidend, sich nicht von der New Yorker Polizei
erwischen zu lassen. Ein ganz spannendes, schnell geschriebenes und gelesenes Ferienbuch mit
einem ganz überraschenden Ausgang, der einen nicht so schnell wieder loslässt. Ein Musso, wie man
ihn gewohnt ist!
Elisabeth Bertl, Feldkirch
Bradley Somer
Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel
Dumont Verlag 2015, 319 Seiten, Klappenbroschur, € 15,50
So bunt wie der Titel ist der Inhalt dieses Buches: In einem Hochhaus mit 27
Stockwerken leben die verschiedensten Menschen und erleben gleichzeitig schöne,
traurige oder berührende Momente. Während der Goldfisch Ian aus dem 27.
Stockwerk in die Tiefe fällt, passiert sehr viel, u.a. eine Geburt, mehrere
Begegnungen, ein Streit und die Reparatur eines Fahrstuhles. Die Geschehnisse
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
werden aus der Sicht mehrerer Beteiligter erzählt und der Leser/die Leserin taucht somit tief in die
Gefühls- und Gedankenwelt der einzelnen Protagonisten ein. Das Buch ist ein Kaleidoskop von
alltäglichen Geschichten, die das Leben in allen seinen Facetten widerspiegeln und die Menschen in
einem Hochhaus aus ihrer Anonymität herausholen.
Ein sehr unterhaltsames Buch, das leicht zu lesen und trotzdem sehr berührend ist.
Mag. Martha Stüttler-Hartmann, Frastanz
Milena Moser
Das Glück sieht immer anders aus
Verlag Nagel & Kimche 2015, 221 Seiten, gebunden, € 19,50
Milena Moser schreibt über sich selbst, offen, unverblümt, glücklich und verzagt
und – immer noch überrascht von all dem, das ihr das Leben mit 50 noch an
Neuem, an fast Unüberwindlichem, an Fremdem gewährt. Ihren Vorsatz – sich zu
ihrem fünfzigsten Geburtstag auf einen Roadtrip durch die Vereinigten Staaten zu
begeben – macht sie wahr. Sie will ihre vielen Bekannten und Freunde wieder
treffen, sie will glückliche Paare beobachten, die Vergangenheit wieder aufleben lassen, vor allem
aber zu sich selbst finden. Keine einfache Sache angesichts der beruflichen Verpflichtungen und der
Nachwehen einer gescheiterten Ehe. Sie will tanzen, sie will glücklich sein und auf ihre innere Stimme
hören. Dazu gehört, dass sie sich in ein kleines Haus in Santa Fe verliebt, es käuflich erwirbt und nun
lernt, mit einer großen Bescheidenheit und gleichzeitig mit einer großen Freiheit umzugehen. Milena
Moser … genauso, wie wir sie lieben.
Buchhandlung Die Quelle, Dr. Christine Bertl-Anker
Kinder- und Jugendbuch
Patricia McCormick
Der Tiger in meinem Herzen
Fischer Verlag 2015, 256 Seiten, gebunden, € 15,50
Der kleine Arn kennt den Krieg nur aus der Ferne. Er lebt in einer kleinen Stadt, der
Krieg ist im Dschungel. Doch plötzlich ist er da … in seiner ganzen Härte. Die Roten
Khmer übernehmen in Kambodscha die Macht und krempeln den ganzen Staat um.
Alle werden umgesiedelt, viele sterben auf den langen Märschen vor Hunger,
Erschöpfung oder aus Willkür. Die Reichen und Intellektuellen werden umgebracht,
alle arbeiten auf den Reisfeldern. Und dennoch reicht das Essen nicht. Arn überlebt diese
Umbruchzeit. Der Preis dafür ist jedoch hoch. Viel zu oft muss er tun, was die Soldaten der Roten
Khmer fordern. Viel zu oft muss er all das verdrängen, was ihm täglich begegnet. Arn wird
Kindersoldat und hat nur eines im Sinn – zu überleben.
Patricia McCormick schreibt ein Buch, bei dem einem Hören und Sehen vergeht. Es ist so spannend
und überwältigend, dass man es nicht aus der Hand legen kann. Es ist aber gleichzeitig so grausam
und traurig, dass man keine Worte dafür findet. Die Autorin hat Arn nach seiner Flucht getroffen und
viele Gespräche mit ihm geführt. Geeignet für Jugendliche ab 14 Jahren und als Klassenlektüre
besonders für den Ethik-, Religions- bzw. Geschichteunterricht. Dieses Buch werde ich nie vergessen!
Elisabeth Bertl, Feldkirch
Howard Pyle, Lisa Gallauner, Cornelia Seelmann
Robin Hood
G & G Verlag 2015, 70 Seiten, gebunden, € 8,95
Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Robin Hood, dem gerechten Rächer, der all
jenen zur Seite steht, die betrogen werden und Hilfe brauchen. Für Kinder, die
schon gut lesen können und ihre Lesekompetenz auch an längeren Geschichten
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at
erproben wollen, gibt es nun eine spannende Klassiker-Ausgabe. Mit Spannung und viel Witz erzählt
Lisa Gallauner für Kinder zwischen 7 und 10 Jahren die Geschichte von Robin Hood und seinen
Männern nach. Die letzten Seiten des Buches beinhalten Infoseiten zum Originaltext bzw. Rätsel oder
zusätzliche Verständnisaufgaben. In derselben Reihe erschienen sind die Geschichten von Till
Eulenspiegel, Münchhausen, Robinson Crusoe. Ein spannendes Leseerlebnis für die kommenden
Ferientage!
Buchhandlung Die Quelle, Corina Seiler
Bilderbuch
Helga Bansch
Die Rabenrosa
Jungbrunnen Verlag 2015, 32 Seiten, gebunden, € 14,95
Im Rabennest ist ein Kind, das sich von den anderen unterscheidet. Es kann zwar
schreien, wie die Rabenkinder, aber es bekommt keine Federn und es lernt nicht
fliegen. Alles Mögliche raten die anderen Tiere, was mit so einem hässlichen Vogel anzufangen wäre.
Aber die Eltern lassen sich nicht beirren und bringen sogar ein Kleidchen und eine rote Mütze für
‚Rabenrosa‘. Ein beeindruckendes Bilderbuch über das Anderssein und wie man damit umgehen
kann, nämlich genau das zu tun, was einem gut tut. Für Kinder ab 4 Jahren.
Buchhandlung Die Quelle, Monika Dobler
Irena Kobald, Freya Blackwood
Zuhause kann überall sein
Verlag Knesebeck 2015, 32 Seiten, gebunden, € 13,40
Die kleine Ich-Erzählerin lässt uns an ihrem Eindruck teilhaben, wie es ist, in einem
fremden Land zu sein, in dem man kein einziges Wort versteht. Das Mädchen spürt
die Worte und die Fremdheit wie einen kalten Wasserfall über sich rauschen. Da
lernt es ein anderes Mädchen kennen, das ihr jeden Tag neue Wörter beibringt und
sie spürt, dass sie immer mehr in der neuen Sprache zuhause ist.
Ein sehr berührendes Bilderbuch zu einem ganz brisanten Thema, nämlich – wie lerne ich, in einer
mir fremden Sprache zuhause zu sein?
Für Erwachsene und Kinder ab 5 Jahren.
Buchhandlung Die Quelle, Dr. Christine Bertl-Anker
Germano Zullo, Albertine
Wie die Vögel
Aladin Verlag 2012, 72 Seiten, gebunden, € 13,30
Ein Bilderbuch ohne Worte … deshalb auch nicht viele Worte über dieses
wunderschöne Bilderbuch: Wüste, ein roter Lieferwagen kommt, ein Mann steigt
aus, er öffnet die Hecktüren und lässt einen Schwarm Vögel fortfliegen. Nur einer will nicht … und
dieser kleine Vogel verändert alles. „Wie die Vögel“ ist ein Buch voller Poesie und voller Fantasie, das
uns einlädt, aufmerksam zu werden auf das ganz Kleine, das jeden Tag geschieht und unser Leben
wertvoll macht.
Buchhandlung Die Quelle, Dr. Christine Bertl-Anker
Buchhandlung „Die Quelle“, Bahnhofstraße 25, 6800 Feldkirch
Tel 05522/72885, www.quelle-buch.at