Ohne Studierende keine Uni» – Altrektor Urs

Universitätsleitung
Rektor
«Ohne Studierende keine Uni» –
Altrektor Urs Würgler ist im Alter von 70 Jahren verstorben
Mit grosser Trauer haben wir die Nachricht von Urs Würglers Hinschied an der Universität
Bern aufgenommen. Der Altrektor ist am 16. November 2015 nach einer schweren Krankheit
verstorben.
Urs Würgler war während seines gesamten erwachsenen Lebens sehr eng mit seiner Alma
Mater, der Universität Bern, verbunden. Hier nahm er nach der gymnasialen Matur sein Studium
der Mathematik, Physik und Philosophie auf und promovierte 1969. Und hierhin kehrte er nach
einem wissenschaftlichen Aufenthalt in Heidelberg (DE) zurück, obwohl er einen Ruf an die
dortige Universität hatte.
Seine Tätigkeit an der Universität Bern führte er nun als Lehrer und Forscher fort. Urs Würglers
Schaffen wurde von seinen Studentinnen und Studenten, ebenso wie von seinen Kolleginnen
und Kollegen hoch geschätzt. Der Zugang zur sprichwörtlichen akademischen Leiter erschloss
sich ihm problemlos. Ab 1979 war er ausserordentlicher und ab 1990 ordentlicher Professor für
Mathematik im anspruchsvollen Spezialgebiet der algebraischen Geometrie an der der Universität Bern.
Über sein erfolgreiches Wirken als akademischer Forscher und Lehrer hinaus engagierte er sich
auch ausserhalb der Universität für die Gesellschaft. So war er neben seinem Amt als Dekan
der philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät während mehrerer Jahre Gemeinderat von
Kirchlindach und dort zuständig für das Ressort Soziales sowie später Mitglied der Finanzkommission.
An der Universität Bern war Urs Würgler zudem von 1994 - 2000 Direktor des Mathematischen
Instituts. 1996 wurde er zum Vizerektor gewählt. In der Unileitung übernahm er es, die Universität Bern von einer Verwaltungseinheit der Erziehungsdirektion zu einer nach modernen
Grundsätzen geführten Bildungsinstitution zu entwickeln. Dies war durch das revidierte Universitätsgesetz von 1996 und die dadurch gewonnene Autonomie der Universität möglich geworden. Stets verteidigte Urs Würgler das Prinzip der Volluniversität und die damit verbundene
Prof. Dr. Martin Täuber
Rektor
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interdisziplinäre Forschung. Sein wichtigstes Anliegen aber waren die Studierenden, oder wie
er es selbst gerne formulierte: «Ohne Studierende keine Uni.»
Im Jahr 2005 wurde Urs Würgler als Nachfolger von Christoph Schäublin zum Rektor gewählt.
Mit der Präzision eines Mathematikers und der Beharrlichkeit eines Jägers – die Jagd war seine
Passion – setzte er an der Universität Bern Neuerungen um und ermöglichte damit zukunftsträchtige Forschung. Mit Weitsicht und strategischem Geschick führte er unter anderem die
universitäre Strategie und die strategischen Forschungszentren ein. Beides hat die Universität
Bern nachhaltig geprägt. Als Rektor konnte Urs Würgler 2009 das 175-Jahres-Jubiläum der
Universität Bern mitfeiern.
Auch wenn die biografische Zusammenfassung faktisch korrekt ist, so wird sie doch dem
Wesen von Urs Würgler bei Weitem nicht gerecht. Denn was beim Menschen Urs Würgler mehr
zählte als alles Äusserliche und Oberflächliche, war seine Persönlichkeit. Urs Würgler war ein
bemerkenswerter und ausserordentlich markanter Mensch. Er selbst meinte einmal über sich,
dass er durch die Jagd insbesondere in Geduld und Beobachtung geübt sei. Dies habe ihm in
seiner Funktion als Rektor immer wieder zum Vorteil gereicht.
Interessiert an allem, was auf der Welt vor sich ging, war es ungemein anregend mit ihm zu
diskutieren und seine stets pointierte Meinung zu erfahren. Mit seinen originellen und unerwarteten Einsichten hat er mich immer wieder überrascht. Sein breiter Fundus an Wissen, aber
auch seine Fähigkeit, aus konventionellen Denkschemata auszubrechen, waren für mich als
Gesprächspartner ausserordentlich lehrreich aber auch herausfordernd. Urs personifizierte das,
was man gemeinhin als «thinking out of the box» bezeichnet.
Eine wichtige Qualität von ihm war auch, dass er sehr gut zuhören konnte. Wenn er während
einer langweiligen Sitzung dasass, hatte ich gelegentlich den Eindruck, dass er abwesend sei,
bis er plötzlich mit einer brillanten Bemerkung das diskutierte Problem auf den Punkt brachte
und sich weitere Diskussionen zum Thema erübrigten.
Legendär war auch seine gelegentlich strategisch eingesetzte Raubeinigkeit, die jene Leute, die
ihn nicht gut kannten, durchaus einschüchtern konnte. Böser Wille war dabei mit Sicherheit nie
im Spiel, denn sein Ziel war es immer, einen Beitrag zur Lösung von Problemen und zum gegenseitigen Verständnis zu leisten. Insbesondere hat er dabei immer das Interesse der Universität im Auge gehabt.
Trotz der manchmal zur Schau gestellten harten Schale war Urs Würgler ein tief liebenswürdiger und feinfühliger Mensch. Das wissen alle, die das Privileg hatten, ihn gut zu kennen, insbesondere natürlich seine Familie und seine engen Freunde.
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Die Universitätsleitung und der Senat möchten an Urs Würglers unermüdliches Engagement für
die Universität Bern erinnern und ihre grosse Dankbarkeit darüber ausdrücken. Als Nachfolger
konnte ich von Urs Würgler eine moderne Institution übernehmen, welche bestens für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet ist. Dass Urs Würglers Wirken lange über sein Ableben
hinaus Bestand haben wird, davon bin ich überzeugt.
Martin Täuber, Rektor Universität Bern, im November 2015
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