Erfahrungsbericht Name: S a r a h Studiengang und -fach: Bachelor Erziehungswissenschaft Austauschjahr: SoSe 2015 Gastuniversität: Università degli Studi di Padova Stadt: Padova (Veneto) Land: Italien Aus Spam- und Datenschutzgründen wird die E-Mail-Adresse nicht im Internet veröffentlicht. Studierende der Universität Augsburg können diese auf Anfrage im Auslandsamt erhalten. Die Erfahrungsberichte werden von Studierenden verfasst und spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Universität Augsburg wider. Für den Inhalt des Berichts ist der/die Verfasser/in verantwortlich. Das Akademische Auslandsamt behält sich vor, ggf. Änderungen vorzunehmen. Ankunft Nach langem Hin und Her habe ich mich, aus mangelnder Aussicht auf eine Unterkunft (wenn man kein Wohnheimzimmer haben möchte), dafür entschieden meinen kleinen Flitzer nach Italien mitzunehmen. Ja ok, möglicherweise könnte es auch daran gelegen haben, dass ich nicht wusste was zur Hölle ich alles mitnehmen soll. ;) Zur Not war ich auch bereit darin zu übernachten. Da fuhr ich nun (ca. 8 Stunden, gemütlich mit etlichen Pinkelpausen) mit meinem bis unter die Decke vollgepackten Auto ins beinahe Ungewisse. (Dazu mehr dazu unter Unterbringung.) Unterbringung Da ich trotz Suche von Deutschland aus und auch weil ich etwas spät dran war noch keine Unterkunft hatte, buchte ich ein Zimmer für 9 Tage bei einer netten Italienerin über die AIRBNB App und war tierisch nervös, jedoch voll guter Hoffnung etwas vor Ort zu finden. Dieser Start war zwar etwas holprig, aber ich würde es jeder Zeit wieder so machen. Somit war ich direkt in der italienischen Kultur. Meine Gastgeberin zeigte mir die Stadt und die Märkte auf der Piazza della Frutta, Piazza dell Erbe und der Piazza dei Signiori, welche auch zu gleich Dreh und Angelpunkt des Herzens von Padova sind und lud mich auf meinen ersten Macchiatone ein. Ein typischer Kaffee, den man nur in der Region Veneto bekommt, welcher auf halben Wege zwischen einem Macchiato und einem Cappuccino liegt. Von dort aus suchte ich auf verschiedenen Wegen (Facebook: Cerco offro stanza padova; http://padova.m.bakeca.it/; Subito.it; Easystanza.it) nach einem Zimmer. Am Meisten zu empfehlen ist die Facebook-page. Ich schrieb ca. 20 Anfragen und sah mir ca. 15 Zimmer in einem 5 Tagesmarathon an bis ich schließlich fündig wurde. Doch selbst diese stressige Zeit war die Mühe wert, denn beinahe alle Menschen denen ich dadurch begegnete waren trotz Absage offen und hießen mich willkommen. Ich wurde direkt auf Partys und Veranstaltungen eingeladen und mir wurde beinahe immer zumindest ein Kaffee, wenn nicht gar mehr angeboten. Eine Studentin war sogar so einfühlend und empathisch, dass sie, weil sie sah dass ich unter Strom stand und von einem Termin zum anderen hetzend vergessen hatte zu essen, mir trotz Absage ihrerseits, Abendessen kochte und mir das Zimmer organisierte in dem ich mein Semester verbrachte. Der Vermieter sprach nur Italienisch und meine Sprachkenntnisse reichten zu diesem Zeitpunkt nicht dazu einen Mietvertrag am Telefon auszuhandeln, was sie freudestrahlend für mich tat. Diesen Vorgeschmack von italienischer Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft lies mir das Herz schmelzen und ich fühlte mich sofort wohl. Das Zimmer für das ich mich letztendlich entschieden hatte war in einer 5er-WG mit drei Jungs und zwei Mädels, alle bis auf mich aus allen Ecken Italiens. Alle sehr sympathisch, was mir wichtiger war als ein direkt in der Stadtmitte zu leben, nach kürzester Zeit fühlte ich mich wie zu Hause. Meine Unterkunft lag in Arcella, was hier in Padova die Gegend mit dem schlechtesten Ruf zu sein scheint und ja, direkt am Bahnhof ist es nachts alleine als Frau nicht unbedingt angenehm, aber etwas dahinter ist es sehr schön und voller kleiner Grünflächen, Eisdielen usw… Ich fühlte mich dort nie unsicher. Die Kosten für ein Zimmer liegen hier ca. bei 150-250 Euro. Uni Die Uni bietet viel an und beinahe jede Fakultät bietet ebenso Kurse in englischer Sprache an. Die Prüfungen sind entweder schriftlich oder mündlich und man muss sich auf der universitären Plattform Uniweb anmelden und ebenso ein grünes Blatt Papier, das sogenannte Libretto vom Prüfer unterzeichnen lassen damit die Note amtlich wird. Wenn die Note dann online erscheint muss man diese dann noch akzeptieren um sie in das ToR eingetragen zu bekommen. Zu Beginn finden viele Informationsveranstaltungen statt, die ich nur empfehlen kann. Man kommt jedoch auch schnell in den Unialltag hinein ohne vorher auf diesen gewesen zu sein. Auch ein sogenannter Buddy, ein italienischer Student der Selben Fakultät, wird von der Uni in Padova gestellt, der einen im Vorhinein kontaktiert und bei Behördengängen (von denen es zu Beginn einige gibt, z. B. Sassa office, SAOS, International office usw…..) und universitären Fragen hilft. (Nutzt das Buddyprogramm weil es unzählige verschiedene Termine an verschiedenen Orten sind und dieser euch auch bei anderen Angelegenheiten helfen kann. Meiner half mir zum Beispiel eine italienische Handynummer von WIND zu organisieren. WIND bietet sehr gute Konditionen. Ich hatte eine Prepaidkarte für 6 Monate und bezahlte 15 Euro im Monat für 3 GB Internet, 200 Minuten auf nationale Netze, 250 SMS. Auch wird ein Sprachtandem angeboten mit welchem ich sehr positive Erfahrungen gemacht habe. Da verwunderlich viele junge Italiener und Italienerinnen daran interessiert sind Deutsch zu lernen, hatte ich sogar zwei Tandem Partner zum regelmäßigen Sprachaustausch. Eine der Gründe, warum ich an die Uni Padova ging war Monica Fedeli, eine Professorin für Erwachsenenbildung und auch gleichzeitige meine Fach-Koordinatorin. Sie war im Vorjahr als Gastdozentin an der Uni Augsburg und hat mich durch ihre Art zu lehren dazu inspiriert. In meiner Zeit an der Uni Padova half sie mir wo sie nur konnte weiter und hat mir sogar ein Praktikum vermittelt. Sprachkurse vor Ort Es gibt ein Sprachzentrum, das Centro Linguistico welches Sprachkurse in unterschiedlichen Leveln anbietet. Für diese muss man sich im Voraus bewerben und sie finden zwei Mal die Woche statt. Erasmus-Studenten können mit einem solchen Kurs 3 ETCS Punkte erwerben. Außerdem hat das CLA unter anderem auch einen Erasmus Chor und eine Erasmus Theatergruppe, die meiner Meinung nach sehr gut sind um seine italienischen Sprachkenntnisse zu erweitern. Ich nahm an der Theatergruppe und teil und arbeitete mit dieser bis hin zu einer Aufführung, die wir im Museo Cinico, einem Freilufttheater hatten. Die Gruppe war ein international zusammengewürfelter Haufen, was sehr interessant war und der Lehrer Pieranonio schaffte es immer wieder uns zu inspirieren und zu motivieren, sodass wir am Schluss tatsächlich etwas bühnenreifes, auf Italienisch, zustande brachten. Ehrlichgesagt lernte ich sprachlich mehr im Theater und in meinem Alltag, als im tatsächlichen Sprachkurs, der jedoch auch sehr informativ und lernorientiert war. Meine Professorin hieß Christina Capuzzo. Leben auf dem Campus/in der Stadt Die Universität liegt nicht wie bei uns auf einem größeren Campus, sondern die Uni-Gebäude sind in der ganzen Stadt verteilt, was ich persönlich sehr toll fand, da es bedeutet direkt in das Leben der Stadt integriert und nicht abgeschottet in einem außerhalb gelegenen Campus für sich zu sein. Wie die Uni-Gebäude, so sind auch die Mensen über die Stadt verteilt, insgesamt gibt es ca. 4 und die Preise sind in Ordnung. Für ca. 5 Euro bekommt man zwei Gänge und Getränke so oft man auffüllen möchte. (Eine der Mensen schenkt sogar Bier aus ;)) Was das Freizeitprogramm angeht so gibt es viel zu tun: - Festivals (Ferock Vincenza, Sherwood…) - Indoor und Outdoor Clubs (Mami, Factory, Fishmarket, Il Ciosco, Villa Barbieri….) - Aperi-cena (Cocktail mit Buffet) - Botanischer Garten -Teatro Anatomico - Mit dem Bus ans Meer oder an Seen(Jesolo, Sottomarina, Lago Arsie, Lago die Garda….) -Städtetrips/Tagesausflüge (Venedig, Verona, Milano…) - usw………… Eigentlich wird es nie langweilig und es gibt immer etwas zu tun und falls es einmal nichts zu tun geben sollte gibt es noch die ESN, eine Studentenorganisation der Uni Padova, welche eine Welcome Week in den ersten Wochen organisiert, die eine sehr gute erste Möglichkeit ist um neue Leute kennenzulernen. Und auch während dem ganzen Semester organisieren sie immer wieder Partys und die verschiedensten Trips (Napoli, Florenz, Rom …usw.). Durch die hohe Teilnehmeranzahl ist es auch preislich relativ günstig. Es gibt die Möglichkeit für 10 Euro eine ESN-Card (eine Art Membership-Card) zu machen, mit der man in vielen Bars und Clubs Preisnachlas auf Drinks bekommt. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass das Leben in Padova und vor allem das von A nach B kommen zu einem hohen Prozentsatz auf dem Fahrrad stattfindet. Und man sollte sich schnellstmöglich eines besorgen. Hierzu gibt es drei Möglichkeiten: Einen FahrradSchwarzmarkt, ein normales Fahrradgeschäft oder die ESN-Facebook Gruppe, in der regelmäßig ehemalige Erasmusstudenten ihre Fahrräder vor der Heimreise verkaufen. Doch Achtung, so schnell man ein neues Fahrrad hat, so schnell kann es auch schon wieder verschwunden sein. Ich habe darum 16 Euro in ein massives Fahrradschloss investiert und mir wurde es Gott sei Dank nicht einmal geklaut. Leider ganz im Gegensatz zu einem Freund, dem sein Fahrrad in einem Semester drei Mal gestohlen wurde. Klima/Wetter Anfang März als ich in Italien ankam war es Herbstwetter und Pulli und Jacke noch bitter nötig. Doch spätestens im Juni kann man schon Baden gehen und ab Mitte Juli ist es wahnsinnig heiß und es kann bis zu 39 Grad werden, was die Luft in Padova sehr schwül und stickig werden lässt. An schlafen ohne klitschnass aufzuwachen ist gar nicht zu denken. Doch bereits 15 km außerhalb der Stadt, nahe den kleineren Bergen, in der Nähe von Abano Terme zum Beispiel wird die Luft schon angenehmer. Ich empfehle jedem nutzt die Zeit nach dem Prüfungen um in den Süden zu reißen und das wahre Dolce Vita, ohne Prüfungs- oder Unistress zu leben. Am besten mit einer Abkühlungsmöglichkeit im Meer in Reichweite. Kulturschock/ kulturelle Eigenheiten Die meisten Menschen sind offen und gastfreundlich, es wird einem von aller Seite Essen angeboten oder Kaffee angeboten. Berührungen sind ein wichtiges Thema. Selbst wenn man nur einen Fremden auf der Straße nach dem Weg fragt legt dieser einem vielleicht den Arm auf die Schulter. Und je enger die Beziehungen werden desto intimer die Berührungen, jedoch in einer viel intensiveren und schnelleren Art und Weise als bei uns. Und man sollte sich definitiv mental darauf einstellen, dass eventuell schneller als gewohnt in den eigenen hochheiligen Tanzbereich eingedrungen wird. ;) In Italien und vor Allem in Padova gibt es ein Sprichwort: “Hai voluto la biciletta? Adesso pedala!” Was so viel bedeutet, wie: „ Du wolltest ein Fahrrad? Dann fahr es!“ Ihr wollt eine Erasmus-Erfahrung? Egal wie holprig der Weg manchmal sein kann….. Fahrt das Fahrrad bis euch die Luft wegbleibt!
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