Mit einer Tafel fing alles an

An Ahne, Espe und Fulda
Dienstag, 18. August 2015
Mit einer Tafel fing alles an
83 Ehrenamtliche engagieren sich im Unterstützerkreis Rosengarten in Vellmar für Flüchtlinge
VON SARAH ROGGE-RICHTER
VELLMAR. Die große Hilfe, die
der Unterstützerkreis den derzeit rund 35 Flüchtlingen in
der Gemeinschaftsunterkunft
Rosengarten in Vellmar bietet,
begann mit einer einfachen
Geste: Vor drei Jahren schrieben Oliver Ulloth und Oleksandr Kulykov, Vorsitzender
des Ausländerbeirats der Stadt
Vellmar, bei einem ihrer ersten Besuche in dem ehemaligen Hotel an der Bundesstraße
83 die wichtigsten Notrufnummern auf einen Zettel,
den sie im Treppenhaus aufhängten.
Mit den passenden Bildern
für Feuerwehr, Polizei und unter anderem dem ärztlichen
Bereitschaftsdienst konnten
die Bewohner aus Eritrea, Afghanistan, Albanien, Serbien
sowie zum Beispiel dem Iran
im Notfall schnell Hilfe holen.
„Das war unsere erste Aktion –
und der Unterstützerkreis war
geboren“, erinnert sich Oliver
Ulloth, Kreistagsabgeordneter
und Stadtverordneter aus Vellmar.
„Wir fragen die Bewohner zu Beginn, was sie
dringend benötigen.“
OLIVER ULLOTH
„Kurz darauf kam ein Stadtplan hinzu, damit sich die Bewohner gut in ihrem neuen
Umfeld zurechtfanden“, ergänzt Stadträtin Regine Braunen, die sich mit 82 weiteren
Ehrenamtlichen aus Vellmar
und Umgebung ebenfalls im
Hilfe zur Selbsthilfe: Lara Kannappel (vorne) und Sarah Koch (rechts) bringen Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft Rosengarten in Vellmar auf ehrenamtlicher Basis Deutsch bei – auch das Sprachkursangebot wird vom Awo-Unterstützerkreis Rosengarten organisiert.
Fotos: Rogge-Richter
Unterstützerkreis Rosengarten engagiert. Dazu zählt auch
Elke Wegener, Vorsitzende
des Ortsvereins Vellmar der
Arbeiterwohlfahrt, zu dem
der Unterstützerkreis inzwischen gehört.
Die schlichte Tafel, mit der
alles begann, haben die Helfer
im Alter von 20 bis 91 Jahren
im Laufe der Zeit gefüllt: Ein
Wochenplan gibt Auskunft
über das breitgefächerte Pro-
gramm, das der Unterstützerkreis in Zusammenarbeit mit
örtlichen Vereinen auf die Beine gestellt hat. Die Sprach-,
Computer-, Sport- und beispielsweise Handarbeitsangebote sind nicht nur offen für
die Menschen, die in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen, sondern auch für alle
Asylbewerber, die eine Wohnung in Vellmar und den benachbarten Gemeinden gefun-
den haben. Besonders begehrt
ist laut Ulloth der Sprachkurs.
„Wir fragten die Bewohner zu
Beginn, was sie dringend benötigen. Sie antworteten: ‚Wir
wollen Deutsch lernen – und
so organisierten wir das Kursprogramm.“
Auch für Anregungen von
den Bewohnern Vellmars sei
der Unterstützerkreis offen,
betont Ulloth. So wie von Wioletta Klenner aus Niedervellmar, die – wie sie erzählt – zunächst nur neugierig gewesen
sei. „Ich wusste zuvor nicht,
was hier passiert. Ich kam her,
sah mich um und bot meine
Hilfe an. Ab Donnerstag, 27.
August, 16 Uhr, werde ich im
Rosengarten mit Kleinkindern
malen, kneten, spielen und
basteln“, sagt sie. Das freut
auch Ulloth: „Wir sind superstolz, dass sich hier so viele
aufgeschlossene
Menschen,
Vereine und Verbände einbringen, mit denen unser Unterstützerkreis mittlerweile
sehr gut vernetzt ist. Negative
Stimmung gibt es bei uns
nicht.“
HINTERGRUND/ARTIKEL LINKS
HINTERGRUND
1300 Flüchtlinge im Landkreis Kassel
Fleißige Helfer: Petra Oeste und Edeltraud Jungermann von der Handarbeitsgruppe Wollmäuse, Oliver Ulloth, Adalbert Grzechca, Regine Braunen, Dagmar Hanke, Bianca Eisbrecher, Wioletta Klenner
sowie Elke Wegener, Vorsitzende des Awo-Ortsvereins Vellmar (von links), gehören zum Unterstützerkreis der Gemeinschaftsunterkunft Rosengarten in Vellmar, die vom Landkreis Kassel, hier Sprecher Harald Kühlborn (rechts), eingerichtet wurde.
Im Landkreis Kassel leben
laut Pressesprecher Harald
Kühlborn derzeit 1300
Flüchtlinge: 949 Asylbewerber wohnen in Gemeinschaftseinrichtungen, 351 in
Privatunterkünften. Der
Landkreis Kassel habe 14 Gemeinschaftsunterkünfte eingerichtet, eine weitere soll es
demnächst in Bad Karlshafen
geben. Das ehemalige Hotel
Rosengarten, das der Landkreis Kassel seit 2012 gemietet hat, umfasst 29 Zimmer.
Hier wohnten, so Kühlborn,
derzeit rund 35 Menschen darunter acht Kinder unter
zwölf Jahren - aus Äthiopien,
Albanien, Afghanistan, Eritrea, Serbien, Somalia und
unter anderem dem Iran im
Alter von drei Monaten bis
über 70 Jahre. Der Awo-Unterstützerkreis Rosengarten
nimmt sowohl Sach- als auch
finanzielle Spenden für die
Flüchtlinge entgegen.
Kontakt: Oliver Ulloth,
Tel.: 0176/24 28 29 78. Spendenkonto: Kontoinhaber: Arbeiterwohlfahrt Ortsverein
Vellmar, IBAN: DE 61 52 05 03
53 02 43 00 04 30, BIC: HELADEF1KAS (Kasseler Sparkasse), Verwendungszweck: Rosengarten. (pri)