Gut gelaufen - bei dem SV

Seite ABCDE • Nummer 304
Von Christoph Classen
W
olfgang Braun hatte noch
mal geklärt, wie das werden
sollte mit ihm und den Jugendlichen, die er bald betreuen sollte. Er war deswegen kurz bei
einem Bekannten gewesen, sie hatten
über alles gesprochen, und am Ende hatte
Braun zugesagt. Er wird mit der Gruppe
laufen gehen, junge Menschen zwischen
9 und 16, er will ihnen dies und das vermitteln, Tipps zur Technik, Anleitung zu
mehr Ausdauer und vor allem: Spaß am
Sport. Geht es ums Laufen, dann gibt es
nur wenige, die das glaubhafter rüberbringen können. Braun ist ein ganz guter
Botschafter.
Es war ein schönes Gespräch, das Braun
da geführt hatte, aber als er dann nach
Hause kam und seine Frau Marion sah, da
wusste er, dass er etwas verpasst hatte.
Donnerstag, 31. Dezember 2015
SPOR TLERWA HL
Der Sieger
Auf dem Weihnachtsmarkt, beim Augenarzt. „Ihr kennt mich nicht, aber ich habe
für Euch gestimmt“, so oder so ähnlich
begannen die Gespräche. Am Ende hatten
die Brauns sich gut unterhalten, erklären
können, was das Ultralaufen faszinierend
macht und dass ihr Leben nicht nur aus
Training und Wettkampf besteht, lange
Distanzen hin oder her. Braun sagt: „Das
Schöne ist, dass die Leute interessiert sind,
uns als Menschen kennenzulernen.“
Gut gelaufen
ein paar Medaillen mehr
„Meine Frau ist die
Bekanntere.“
Marion Braun sagte nicht „Hallo“, sie
fragte nicht „Wie war’s?“, sie stand da und
grinste ihn an. Das ging so eine ganze
Weile, bis Marion Braun dann von diesem
Anruf erzählte, nach dem sie wusste, dass
sie als Sportlerin der Jahres (siehe vorige
Seite) ausgezeichnet wird und er als Sportler des Jahres. Dann war es Wolfgang
Braun, der erstmal nichts sagte. Er nahm
seine Frau in den Arm. „Wir haben uns
ein bisschen gedreht“, sagt er. Und auch
wenn die Schritte deutlich weniger routiniert waren als die auf der Laufstrecke,
dürfte die Darbietung am Ende als Freudentänzchen durchgegangen sein.
Braun, 61, Ultraläufer aus SimmerathEicherscheid, ist im September bei der
Weltmeisterschaft über 100 Kilometer in
Winschoten an den Start gegangen. Als er
die Distanz absolviert hatte, gab es niemanden in seiner Altersklasse, der schneller war. Braun brauchte 8:07:42 Stunden,
er war Weltmeister geworden. Und was
diesen Triumph so groß machte, war, dass
Fotos: Heiner Schepp
Wolfgang Braun, ultraläufer
Sportler des Jahres: Wolfgang Braun wechselt
vom Windschatten ins Rampenlicht
seine Frau ebenfalls gewonnen hatte. weil die Strecken so lang sind, dass andere
Auch sie war Weltmeisterin geworden, keine Lust darauf hätten, sie mit dem Auto
über 100 Kilometer, in ihrer Altersklasse. zur Arbeit zu fahren, gelten die Sportler in
Seit die Brauns laufen, laufen sie zu- der Außenwahrnehmung schnell als Versammen, sie machen das jetzt seit 22 Jah- rückte. Okay, sagt Braun: „Das stimmt ein
ren. Es gibt eine Menge Menschen, die diesen Sport betrei- Die Erstplatzierten
ben, aber nur wenige treten
Ultralauf
auf den Distanzen an, wie die 1. Wolfgang Braun
Brauns sie bewältigen. Die 2. Mussa Hudrog
Laufen
Szene im Ultralauf ist einigerLeichtathletik
maßen überschaubar, und 3. Nico Beckers
bisschen.“ Er sagt aber auch, dass Ultraläufer vor allem ganz normale Menschen
seien. Menschen, die ihren Sport lieben.
Und Braun freut sich, dass er genau das in
den vergangenen Wochen vielen zeigen
konnte. Deswegen sei es bereits toll gewesen, nur schon
für die Sportlerwahl nomi34,3 % niert zu sein. Marion und
23,2 % Wolfgang sind von Menschen, die sie nicht kannten,
15,4 % darauf angesprochen worden.
Die Brauns haben es so wahrgenommen, dass ihr Bekanntheitsgrad durch die
Nominierung für die Sportlerwahl schon
größer geworden ist, für Wolfgang Braun
gilt das noch ein bisschen mehr als für
Marion Braun. Was vor allem daran liegt,
dass sie von unterschiedlichen Punkten
gestartet sind.
Marion Braun hat ein paar Medaillen
und Pokale mehr gesammelt als ihr Mann,
sie ist bislang allein sieben Mal für das
100-Kilometer-Nationalteam gelaufen.
Wolfgang Braun sagt: „Meine Frau ist die
Bekanntere.“ Es sei bereits vorgekommen,
dass sie von anderen Sportlern angesprochen wurde, die detailliert Marion Brauns
Erfolge auflisten konnten. Wolfgang
Braun wurde dann irgendwann gefragt,
ob er denn auch laufe. Ein Problem ist das
für ihn nicht, er lacht, wenn er diese Geschichte erzählt. Und er sagt: „Ich war
immer ein bisschen im Sog meiner Frau
unterwegs.“ Dann kam Winschoten, auch
Wolfgang Braun wurde Weltmeister. Jetzt
kommt die Sportlerwahl, auch Wolfgang
Braun steht auf der Bühne. Man kann sagen, dass er damit aus dem Windschatten
seiner Frau herausgelaufen ist. Sie sind gemeinsam ins Ziel gekommen.
Eine schöne Erfahrung, die er an seine
neue Laufgruppe weitergeben kann. Ab
Januar wollen sie trainieren. Braun sagt:
„Man muss vor allem aufpassen, dass sie
nicht zu viel laufen wollen.“ Das von ihm
zu hören, ist dann ein bisschen lustig.
Der Sieger unseres Gewinnspiels im Rahmen
der Sportlerwahl heißt Werner Robens aus
Aachen. Er hat ein iPad 3 mini gewonnen.
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