Martina die schöne Schabe

Vorbereitungstagung zum Weltgebetstag 2016: Kuba
Martina die schöne Schabe
Kubanisches Märchen nacherzählt von Carmen Agra Deedy; Übersetzung aus dem
Englischen Franziska Aeschlimann
als Bilderbuch: Martina the Beautiful Cockroach; Carmen Agra Deedy; 978-0-606-35654-1
Martina Josefina Catalina Cucaracha war eine schöne Schabe.
Sie lebte in einer gemütlichen Strassenlaterne in Alt Havanna mit ihrer grossen, liebevollen Familie.
Jetzt, als Martina 21 Tage alt war, war sie bereit ihr Bein zur Heirat zu geben. Der Cucaracha
Haushalt krabbelte vor Aufregung! Alle señora in der Familie hatten etwas zu bieten.
Tía Cuca gab ihr una peineta, einen Kamm aus Muschel.
Mamá gab ihr una mantilla, ein Spitzen-Schultertuch.
Aber Abuela, ihre kubanische Grossmutter, gab ihr un consejo increíble, einen schockierender Rat.
“Du willst, dass ich WAS mache?“ Martina war entsetzt.
„Du bist eine schöne Schabe,“ sagte Abuela. „Das finden von Ehemännern Ist also sehr einfach –
den richtigen auswählen könnte knifflig werden.“
„A-a-aber,“ stotterte Martina, „wie soll mir KAFFEE über die Schuhe eines Verehrers schütten beim
Finden eines guten Ehemannes helfen?“
Ihre Grossmutter lächelte. „Es wird ihn wütend machen! Dann weisst du wie er mit dir reden
würde, wenn er zornig würde. Vertrau mir, Martina. Der Kaffee-Test versagt nie.“
Martina war sich dessen nicht so sicher.
Währenddessen, entsandte Papá einen Papagei um all dies weiter zu erzählen.
Bald summte ganz Havanna von der Neuigkeit – von den belebten Trottoirs von El Prado bis zum
Schloss El Morro. Martina, die schöne Schabe, war bereit einen Mann zu wählen.
So war es Tradition, Martina würde ihre Verehrer vom Balkon aus grüssen, unter den wachsamen
Augen der Familie.
Anmutig setzte sie sich und kreuzte ihre Beine,
und kreuzte ihre Beine,
und kreuzte ihre Beine.
Sie musste nicht lange warten.
Don Gallo, der Hahn, präsentierte sich mit geschwelter Brust als erster. Martina musste sich
anstrengen nicht seine glänzenden Schuhe anzustarren.
Mit einem Auge auf seinem Spiegelbild, grüsste sie Don Gallo mit einer wegwischenden
Verneigung. „Caramba! Du bist wirklich eine schöne Schabe. Ich würde noch fabelhafter aussehen
mit dir auf meinem Flügel!“
Dabei lehnte er sich nach vorne und summte leise:
„Martina
Josefina
Catalina
Cucaracha,
Beautiful muchacha,
Willst du nicht meine Frau werden?“
Martina zögerte nur für einen Augenblick. „Kaffee, señor?“
Genau aufs Stichwort tauchte Abuela auf.
Mit einem kurzen Blick auf ihre Grossmutter, spritzte Martina nervös Kaffee auf die makellosen
Schuhe des Hahns.
„Oh my!“ sagte sie mit gestellter Bestürzung. „Meine Fühler sind voller Gefühl!“
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„Ki-ki-ri-kiiii!“ Der Hahn war ausser sich. „Tollpatschige Schabe! Ich werde dir bessere Manieren
beibringen wenn du meine Frau bist.“
Martina war erstaunt. Der Kaffee-Test schien zu funktionieren!
„Ein sehr bescheidenes Angebot, señor,“ sagte sie cool, „aber ich kann den Antrag nicht annehmen.
Sie sind viel zu aufgeplustert für mich.“
Don Cerdo, das Schwein, kam als nächstes angehupft. Sein Geruch kräuselte die Härchen an
Martinas Beinen.
„Was für ein undenkbarer Duft,“ keuchte Martina.
„Ist es ein neues Schweine-Cologne?“
„Oh nein, señorita. Es ist mein süsses Schweinestall-Aroma.
Faule Eier! Rübenschale! Stinkender Käse!“ Don Cerdo leckte seine Lippen und sang,
„Martina
Josefina
Catalina
Cucaracha,
Beautiful muchacha,
„Willst du nicht meine Frau werden?“
Sie vergeudete keine Zeit mit dem Schwein.
„Grunz! Grunz!“ quietschte Don Cerdo als er die Kaffee-Tupfer auf seinen Schuhen bemerkte.
„Was für eine Tragödie für meine armen Halbschuhe!“
Er ist wirklich ein Schinken, dachte Martina.
„Beruhigen Sie sich, señor. Ich putze sie für Sie!“
„Hoffentlich!“ grunzte er. „Wenn du meine Frau bist, wirst du nie fertig werden mir hinterher zu
putzen!“
Martina verdrehte ungläubig ihre Augen.
„Ein äusserst reizendes Angebot, señor,“ sagte sie sarkastisch, „aber ich muss ablehnen. Sie sind
viel zu rüpelhaft für mich.“
Der Kaffee-Test hatte sie wieder vor einem ungeeigneten Verehrer bewahrt.
Das Schwein war kaum ausser Sichtweite als Don Lagarto der Eidechser über das Geländer kroch.
Seine öligen Finger streichelten die hübsche mantilla der Schabe.
„Sie sollten sich nicht so anschleichen an eine Dame!“
„Ich schleiche nicht, ich krieche,“ sagte er, Martina umkreisend.
Aus irgend einem Grund ging ihr dieser Kerl auf den Käfer.
„Ich habe genug widerliche Kriecher für heute,“ sagte Martina. „Adiós.“
„Aber ich brauche dich! Warte!“ Der Eidechser fiel auf seine schuppigen Knie und trällerte:
„Martina
Josefina
Catalina
Cucaracha,
Beautiful muchacha.
Willst du nicht meine Frau werden?
Martina seufzte. „Lassen Sie mich nachschauen ob es noch Kaffee gibt.“
Dieses Mal ging sie kein Risiko ein. Martina kam mit ZWEI Tassen Kaffee zum Eidechser.
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„Pssssst! Pssssst!“ fauchte er. Don Lagarto war ausser sich vor Wut. Er wechselte dreimal die Farbe
bevor er wieder seine wahre fand. „ „Ich wollte dich essen – ähm – HEIRATEN!“ zischte er.
Martina starrte den Eidechser an. Man hätte eine Brotkrume fallen hören können.
„Essen gegen Gefühle, señor,“ sagte Martina kalt, „aber ich muss verweigern. Sie, sind viel zu
kaltblütig für mich.“
Als ihre Grossmutter zurück kam um die Kaffeetassen zu holen, dampfte Martina noch vor Wut.
„Ich gehe rein, Abuela.“
„So früh?“
„Si! Mir graust der Gedanke wen ich als nächstes treffen würde!“
Abuela führte Martina zum Geländer und zeigte in den Garten hinunter. „Was meinst du zu ihm?“
Martina schaute die winzige braune Maus an, und ihr Schabenherz schlug schneller.
Ti-ki-tin, ti-ki-tan.
„Oh, Abuela, er ist liebenswert. Wo war er die ganze Zeit?“
„Schon immer genau da.“
„Was soll ich tun?“
„Geh und sprich mit ihm... und bleib wie du bist.“
Martina gab Abuela ihren peineta und ihre mantilla, dann huschte sie in den Garten runter.
Die Maus wartete.
Ti-ki-tin, ti-ki-tan.
„Hola, hello.“ Seine Stimme war wie warmer Honig. „Ich heisse Pérez.“
„Hola,“ flüsterte sie scheu, „Ich bin Martina –“
„– die schöne Schabe,“ ergänzte er für sie.
„Du denkst ich bin schön?“
Die kleine Maus wurde rosa unter ihrem Fell. „Nun ja, meine Augen sind eher schwach, aber ich
habe hervorragende Ohren. Ich weiss du bist stark und gut, Martina Josefina Catalina Cucaracha.“
Dann zwinkerte er liebevoll. „Wen interessiert es, ob du schön bist?“
TI-KI-TIN, TI-KI-TAN.
„Martina-a-a-a-a! Vergiss den Kaffee nicht!“ Es war Abuela.
Nein, dachte Martina. Keinen Kaffee für Pérez!
„Martina Josefina Catalina Cucaracha!“
„Sí, Abuela.“ Martina wusste, dass es keinen Zweck hatte mit ihrer kubanischen Grossmutter zu
streiten.
Schweren Herzens griff sie nach der Tasse.
Aber Pérez war schneller.
Schnell wie eine Maus platschte der café cubano auf Martina’s Schuhe.
Jetzt war der Kaffee auf dem anderen Schuh.
Martina war zu entzückt um wütend zu werden.
Endlich, sie hatte ihren Traummann gefunden. Aber sie musste einfach fragen: „Wie wusstest du
vom Kaffee-Test?“
Pérez kicherte. „Well, mi amor, my love...
... Auch ich habe eine kubanische Grossmutter.