Sir William und Caroline Herschel

Sir William Herschel
1738 - 1822
Der gelernte Oboist und Komponist wurde zum größten Teleskopbauer und Astronom des 18. Jahrhunderts. Seine Schwester Caroline half und wurde selbst zur anerkannten Astronomin.
Das Porträt Herschels stammt von Lemuel Francis Abbot.
Friedrich Wilhelm Herschel wurde 1738 in Hannover geboren.
Sein Vater Isaac Herschel (trotz des Namens nicht jüdischer Abstammung) war Militärmusiker, seine Söhne Jakob und Wilhelm
folgten seinem Beispiel. Tochter Caroline Herschel – ihre Rolle als
Assistentin im Leben Wilhelm Herschels und als Astronomin wird
später klar werden – schrieb in ihren Erinnerungen: „Mein Vater
war ein großer Bewunderer der Astronomie und besaß einige
Kenntnisse in der Wissenschaft. Ich erinnere mich, daß er mich in
einer kalten Nacht auf die Straße führte, um mich mit einigen unserer schönsten Sternbilder bekannt zu machen, nachdem wir
vorher einen Kometen, der eben sichtbar war, beobachtet hatten.“
Wilhelm trat mit 14 Jahren als Oboist in kur-hannoversche Fußgarde ein. Es bestand seit 1714, der Wahl des Kurfürsten von
Braunschweig-Lüneburg (=Kurhannover) zum König Georg I des
Vereinigten Königreiches, Personalunion zwischen Hannover und
England. 1755 wurde das Hannoversche Garderegiment für
kurze Zeit nach England beordert, Wilhelm lernte sein erstes Englisch. Aber das Regiment musste bald nach Deutschland zurück,
um im Kontext des Siebenjährigen Krieges gegen die Franzosen
anzutreten. Die Schlacht bei Hastenbeck 1757 ging verloren. Jakob und Wilhelm verließen das französisch besetzte Hannover
und gingen nach England, Wilhelm ohne ordentliche Entlassungspapiere, wofür er 1782 von König Georg III Pardon erhielt. Wilhelm
lernte schnell Englisch und nannte sich fortan William.
William Herschel war ein vielseitiger Musiker. Er spielte Oboe, Violine, Cembalo und Orgel. Im Laufe seines Lebens komponierte
er 24 Symphonien, viele Konzerte und Kirchenmusik (Oratorien).
In England verdiente er seinen Lebensunterhalt als Musiker an
verschiedenen Orten (Newcastle, Leeds, Halifax…) Man erzählt,
er habe auf nächtlichen Ritten zwischen seinen Arbeitsstellen den
Sternenhimmel studiert.
1766 wurde er Organist an der Octagon Chapel in Bath und Direktor der öffentlichen Konzerte. Natürlich gab er auch Unterricht;
er soll oft Unterrichtstunden unterbrochen haben um seinen Schülern den Mond und die Sterne zu zeigen.
15 Jahre blieb er in Bath. In dieser Zeit entwickelte er, angeregt
durch mathematische Aspekte der Musik, ein starkes Interesse an
der Astronomie. 1773 kaufte er ein populäres Buch über Astronomie und begann bald selbst mit systematischen Himmelsbeobachtungen. Da die Linsenteleskope nach Galilei eine unbefriedigende Bildschärfe aufwiesen, entschloss er sich ein Spiegelteleskop nach Newton zu bauen. Den Spiegel dafür schliff er selbst
und brachte es im Spiegelschleifen zu solcher Meisterschaft, dass
er im Laufe der Jahre, neben
seinen eigenen Instrumenten,
etwa 60 Spiegelteleskope
bauen und verkaufen konnte.
Das Schleifen der Spiegel aus
„Speculum“, einer KupferZinn-Bronze, verlangte 16
und mehr Stunden langes ununterbrochenes Schleifen mit
ruhiger Hand und präzisen
Bewegungen. Caroline Herschel hat später berichtet, sie
habe ihren Bruder gefüttert,
damit er seine Arbeit nicht unterbrechen musste. 1774
stellte er sein erstes 5 -FußSpiegelteleskop
in
den
Dienst.
Seine erste veröffentlichte astronomische Arbeit war die Bestimmung der Höhe der Berge auf dem Mond. Bald wandte er sein
Interesse den Doppelsternen zu. Beim systematischen Durchmustern des Himmels seit 1779 entdeckte er im Laufe der Jahre
über 800 Doppelsterne. Die meisten davon erwiesen sich – wie er
auf Grund mehrfacher Beobachtungen schloss - als physikalische
Doppelsterne, d.h. um Sterne, die gravitativ gebunden um einander kreisen.
An dieser Stelle ist es Zeit, auf seine Schwester Caroline Lucretia
Herschel einzugehen. Caroline Herschel wurde 1750 geboren. Sie
genoss in der Garnisonsschule einen für ein Mädchen in dieser
Zeit nicht selbstverständlichen Unterricht. Ihre Mutter wollte eine
Weißnäherin aus ihr machen, aber ihr Vater sah eine musikalische
Ausbildung als passender für das geistig interessierte Mädchen:
Caroline wurde Konzertsängerin.
1772 folgte sie William Herschel nach Bath. Dort führte sie für William den Haushalt, wirkte erfolgreich in seinen Konzerten als Sängerin mit, übernahm Leitungsfunktionen im Chor. Nebenbei studierte sie astronomische Theorie, lernte das Beobachten des Himmels. Als Assistentin von William unterstützte sie ihn bei seiner
Forschung, notierte die Sternpositionen, die ihr Bruder ihr zurief,
wertete die Aufzeichnungen aus, schrieb Abhandlungen. Ein Engagement beim Birmingham-Festival lehnte sie ab, weil sie bei ihrem Bruder bleiben wollte. Als er Bath verließ, beendete sie ihre
Karriere als Sängerin und folgte ihm nach Slough.
William gab ihr später ein eigenes
Spiegelteleskop.
Caroline wurde selbst zu einer angesehenen Astronomin, entdeckte 14 Nebel,
acht Kometen, darunter den
bekannten Enkeschen Kometen, ergänzte John Flamsteeds Sternekatalog, und begann einen Katalog der
Sternhaufen und Nebelflecke, die ihr Bruder beobachtete. Er ordnete diese in Kategorien ein und war überzeugt, dass viele nicht
diffuse Nebel seien, sondern Anhäufungen von Sternen, jenseits
der Milchstraße - was erst im 20. Jahrhundertdurch durch Edwin
Hubble bestätigt wurde.
Bei der Suche nach Doppelsternen fiel 1781 William Herschel ein
scheibchenförmiges Gebilde auf. Zuerst dachte er an einen Kometen, kam aber nach tagelanger Beobachtung zu dem Schluss,
dass es ein bisher unbekannter Planet sein müsse.
Herschel berichtete dem
Astronomer Royal, Nevil
Maskelyne, von seiner Entdeckung. Maskelyne war
zunächst skeptisch, denn
Herschel hatte sich nicht
lange davor mit der Meldung lächerlich gemacht,
er habe Leben und Bauwerke auf dem Mond entdeckt. Maskelyne
beobachtete selbst, testete Herschels 7-Fuß-Teleskop am königlichen Observatorium in Greenwich (seine Qualität war überragend), und kam zum gleichen Ergebnis. Die Entdeckung wurde
der Royal Society gemeldet. Nach dem Willen Herschels sollte der
neue Planet „Georgium Sidus“ (Georgs Stern) heißen, zu Ehren
von König Georg III; der Name Uranus setzte sich erst im 19. Jahrhundert durch.
Der Naturforscher Sir Joseph Banks führte Herschel bei Georg III
auf Schloss Windsor ein. Die beiden Deutschen unterhielten sich
blendend – auf Englisch. Georg III
ernannte Herschel zum persönlichen Astronom mit einem Jahresgehalt von 200 £. Er ließ Herschel
mit seinem 7-Fuß-Teleskop auf
Schloss Windsor kommen, um der
königlichen Familie – seine Frau
war ebenfalls eine Deutsche, Charlotte von Mecklenburg - und
seinen Freunden den Nachthimmel zu zeigen. Herschel wurde
bald in die Royal Society aufgenommen.
Herschel zog in ein geräumiges Haus in Slough bei Windsor.
Caroline kam als Assistentin mit ihm. Sie erhielt ein Jahresgehalt
von
50 £ aus der königlichen Schatulle. Als er 1788 die Witwe
Mary Pitt heiratete, wechselte sie die Wohnung, blieb aber weiterhin seine Assistentin.
Herschel baute ein 20-Fuß-Spiegelteleskop, mit dem er den gesamten Himmel durchmusterte.
1785 kam Herschel zu dem
Schluss, die Milchstraße sei eine
flache Scheibe mit einer Aufwölbung in der Mitte (Heutige Sicht
vgl. Anmerkung unten).
Mit dem Bau eines 40-Fuß-Teleskops ruinierte er sich fast. Eine gut
besuchte Gartenparty 1787 sollte
das fehlende Geld einbringen. Der
König griff noch einmal in die Tasche und stellte 2000 £ zur Verfügung. Aber das riesige Gerät war
schwierig zu handhaben. Als der
Spiegel zum Nachpolieren ausgebaut werden musste, erschlug das
tonnenschwere Teil Herschel beinahe. Das 20-Fuß-Teleskop blieb
das bevorzugte Gerät.
Herschel entdeckte in der Folge zwei Uranusmonde, Titania und
Oberon, und zwei Saturnmonde, Encedalus und Mimas (v.l.n.r.
nicht maßstäblich). Er maß die Achsneigung des Mars und beschrieb die jahreszeitlichen Veränderungen der Eiskappen. Für
den Saturn bestimmte er die Rotationsperiode,
Herschel stellte einen (bis heute umstrittenen) Zusammenhang
zwischen Sonnenfleckenaktivität und Wetter/Klima fest, für den er
die Getreideernte als Indikator nahm.
Durch Beobachtung und Analyse der echten Bewegungen der
Sterne stellte er fest, dass sich die Sonne relativ zur Milchstraße
als Ganzes bewegt; er konnte die Richtung (Lambda Herculis) mit
guter Näherung feststellen.
Als er die Sonne durch Filter verschiedener Farbe beobachtete,
stellte er fest, dass sich bei einem Rot- Filter das Auge am meisten
erwärmte. Er löste das Sonnenlicht durch
ein Prisma in die Spektralfarben auf und
maß die Temperatur in den verschiedenen
Farben. Außerhalb des roten Bereichs lag
ein Thermometer, das eigentlich nur als
Referenz die Raumtemperatur messen
sollte – es zeigte den stärksten Temperaturanstieg! Herschel hatte die InfrarotStrahlung entdeckt.
Herschel war vielseitig: Er baute auch ein
Mikroskop und zeigte, dass Korallen keine
Pflanzen sind, sondern von Polypen erbaute Gebilde.
1816 wurde William Ritter des Guelphen-Ordens und durfte den
Ehrentitel „Sir“ tragen. 1822 starb Herschel in Slough.
Wenige Wochen nach Willams Tod zog Caroline Herschel zurück
nach Hannover, wertete Williams hinterlassenen Beobachtungen
aus. Bedeutende Astronomen gingen bei ihr ein und aus. Bescheiden verwies sie immer auf ihren verehrten Bruder, rechnete ihm
alle Verdienste zu. 1828 erhielt sie die Goldmedaille der Royal
Astronomical Society, Anlass dazu war ein von ihr erstellte Katalog aller von William entdeckten Sternhaufen und Nebelflecke.
1835 wurde sie Ehrenmitglied. Im Alter von 96 Jahren erhielt sie
die Goldene Medaille der Preußischen Akademie der Wissenschaften, empfing an ihrem 97. Geburtstag das Kronprinzenpaar
zu einer angeregten Unterhaltung, und starb schließlich hochbetagt 1848.
Nachspiel – eine Komödie.
Auch der einzige Sohn Sir William Herschels,
John Herschel, wurde ein bekannter Astronom.
1835 wurde er das Opfer einer gewaltigen Zeitungsente. Willam Herschel hatte fest geglaubt,
dass andere Planeten belebt seien, sogar im In-
neren der Sonne konnte er sich Lebewesen vorstellen. Mit unvorsichtigen Äußerungen über Leben auf dem Mond hatte er Anlass
zu vielerlei Spott gegeben (links).
Ein gewisser Richard Adams Locke ließ 1835 in der New York Sun
einen Bericht erscheinen, nach dem Sir John Herschel in seinem
Observatorium am Kap der Guten Hoffnung mit einem ganz neuartigen Teleskop Leben auf dem Mond entdeckt habe (rechts). Die
Geschichte wurde über sechs Ausgaben weitergesponnen. Die
Auflage der New York Sun schoss in die Höhe, andere Zeitungen
druckten nach. Erst nach drei Wochen gab die New York Sun zu,
dass es sich um reine Erfindung handelte (The Great Moon Hoax).
Ergänzung für Freunde der Astronomie.
Unsere Milchstraße ist nach heutigem
Wissensstand eine Balkengalaxie mit
einem Durchmesser von rund 120 000
Lichtjahren. In der Mitte ist sie aufgewölbt, im Inneren dieses Kerns befindet sich ein Schwarzes Loch. Insgesamt enthält die Milchstraße rund 100
bis 300 Milliarden Sterne. Ihre Masse
(ohne dunkle Materie!) beträgt etwa
400 Milliarden Sonnenmassen.
Materialquellen
Bildmontage
Porträt Herschel
Gemälde von Lemuel Francis Abbot. Nach de.wikipedia.org
Spiegelteleskop
nach de.wikipedia.org
Milchstraße
Foto: Pascal Christian nach spacelapse.net
Im Text
Teleskop
en.wikipedia.org Hochgeladen von Mike Young
Caroline Herschel
de.wikipedia.org
Caroline und William H.
www.explorecurioscity.org
Karikatur
nach herschelmuseum.org.uk
Uranus
Aufnahme Voyager 2 nach msnlv.com
Georg III
www.newtonsapple.org.uk / de.wikipedia.org Gemälde Allan Ramsay
Charlotte von M.
de.wikipedia.org
20-ft –Teleskop
www.newtonsapple.org.uk
Herschels Milchstraße
Gemälde Allan Ramsay
de.wikipedia.org
4o-ft Teleskop
de.wikipedia.org
Mimas
www.newtonsapple.org.uk
Andere Monde
de.wikipedia.org
Dr. Herschel
dia.org
Punktierstich james Godby nach Vorlage Friedrich Rehberg de.wikipe-
John Herschelde.wikipedia.org
Karikatur
www.newtonsapple.org.uk
The Great Moon Hoax
Milchstraße
de.wikipedia.org
de.wikipedia.org
Text
de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Herschel
Wilhelm Herschel
en.wikipedia.org/wiki/Willam_Herschel
William Herschel
www.newtonapple.org.uk/willam herschel-and-the universe/
www.newtonapple.org.uk/willam herschel-akings astronomer
William Herschel and the Universe und Herschel-King’s Astronomer
www.observadores-cometas
S ir William Herschel
ferrebeekeeper.wordpress.com
Sir William Herschel’s Belief in Extraterrestrial Life
de.wikipedia.org/wiki/Caroline_Herschel
Caroline Herschel
de.wikipedia.org
Milchstraße
de.wikipedia.org
Great Moon Hoax