alex stocker

ALEX S T O C K E R — SEIN K Ü N S T L E R I S C H E S SCHAFFEN
Es ist eine seltsame Fügung, daß auf die Darstellung des Bildnismalers Josef Stocker im letztjährigen Neujahrsblatt die Würdigung des Malers
Alex Stocker folgt. Beide Künstler entstammen
der gleichen Ahnenreihe und doch ist kaum ein
tiefgreifenderer Gegensatz denkbar: Josef Stocker,
der den geraden, sichern Weg der Kunst als Bildnismaler ging, bei einem Meister des Faches in
München sich in der alten, bewährten Porträtkunst ausbildete und in die Vaterstadt zurückgekehrt, fast ein halbes Jahrhundert, bis ins hohe
Alter, unberührt von den neuen Kunstströmungen,
die Bildnisse seiner nahen und fernen Mitmenschen malte. Und Alex Stocker, der mitten aus
dem Ringen um die eigene Kunstform herausgerissen wurde. Dort der Maler des 19. Jahrhunderts
in der Sicherheit einer bewährten Kunst, hier der
Künstler und Mensch in der Bedrängnis unserer
Zeit.
Von dieser Bedrängnis muß zuerst gesprochen
werden, wenn wir die künstlerische Entwicklung
und Eigenart Alex Stockers verstehen wollen.
Denn sie ist das schicksalshafte Vorzeichen vieler
Künstler der Gegenwart. Ja wir alle, die in die
Wirklichkeit unserer Zeit hineingeboren sind, erleben und erleiden sie. Wir stehen geblendet im
ruhelos flimmernden Lichte, sind wie betäubt von
den grellen Dissonanzen, fühlen wie alles Feste in
Fluß geraten, vieles brüchig und alles in Umwandlung begriffen ist. Presse, Literatur, Film, Radio,
Fernsehen bringen uns die schillernde Vielschichtigkeit, Verworrenheit und Maßlosigkeit der modernen Wirklichkeit täglich zum eindringlichen,
ja erschreckenden Bewußtsein.
Unter diesem Verlust der Mitte leidet wohl kein
Mensch so stark wie der junge Künstler. Von allen
Seiten wird er von den sich widerstreitenden
Mächten bestürmt. Noch nie war der Weg zur
eigenen Kunst-Werdung so gefährdet wie heute,
noch nie die Auflösung der Form so allgemein und
geradezu verlockend. Es wird aber immer zum
Wesen der Kunst gehören, im gestalteten Werk
eine Ganzheit zu formen. Und entscheidend für
jeden werdenden Künstler ist es, ob er die ihm gemäße Form finden könne. Aber eben dieses Finden
bedeutet heute wie noch nie ein Ringen, Kämpfen,
um aus der Wirrnis der äußern künstlerischen Anrufe die eigene Stimme zu vernehmen und hörbar
zu machen.
Die wichtigsten Wegspuren im äußern Lebensgang ALEX STOCKERS sind: Geboren am 24. Dezember 1926 in Baar — Besuch der Primarschule seines Geburts- und Heimatortes — 4 Jahre Gymnasium an der Zuger Kantonsschule — 1944—48
Lehre als Grafiker bei Hans Aeschbach in Zürich
— Von 1948 an arbeitet er als Grafiker bei J. Müller-Brockmann, Zürich, Eidenbenz, Basel, Weiskönig, St. Gallen und seit 1949 selbständig— 1949
Aufenthalte in Südfrankreich, Paris und anschließende Reise nach Belgien und Holland — !950
Reise nach Italien, Sizilien, Tunis — 1951 Grafische Tätigkeit in Mailand und zweite Malreise
nach Südfrankreich — 1952 Herbst-Aufenthalt im
Tessin — 1953 Reise nach England — Gestorben
am 20. August 1954.
Es gilt nun, die Kräfte sichtbar zu machen, die
das Künstlerische in ihm geweckt, angeregt, gefördert und gebildet haben. Die Entfaltung Alex
Stockers zum Künstler darstellen, bedeutet aber
zugleich, die geistige Situation der jungen Künstlergeneration und ihr Ringen um die eigene Kunstform sichtbar zu machen.
Ich erinnere mich noch wohl, wie er in seinem
ersten Jahre an der Kantonsschule zur Orchesterprobe in der Aula erschien, wie ich ihm den Platz
in der zweiten Geige zuwies, in der hintern Reihe,
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ganz in der Nähe der Bratschen, und wie er fast
etwas ängstlich sich setzte. In seiner Haltung beim
Musizieren war immer etwas wie Andacht, ganze
Hingabe. Wenn ich diese erste Begegnung an den
Anfang der Darstellung seiner innern Entwicklung
stelle, so deshalb, weil die Musik in seinem ganzen
Leben eine bedeutsame Rolle gespielt und Wesentliches zur Lösung und Formung des Künstlerischen beigetragen hat. Wir werden seiner Beziehung zur Musik später wieder begegnen.
Schon früh trat neben diesem naiven Zug, wie
er sich in seinem Musizieren offenbarte, eine gegensätzliche Seite seines Wesens in Erscheinung.
Wir möchten sie das Intellektuelle, Kritische nennen. Früher als bei seinen Klassenkameraden
regte sich bei ihm die kritische Sonde, die den dargebotenen Stoff nicht einfach hinnimmt. Gepaart
mit dieser zunehmenden kritischen Haltung war
aber eine unbedingte Offenheit. Er hat in Auseinandersetzungen stets ohne jede Rücksicht auf die
Wirkung bei Mitschülern und Lehrern seine
Gründe und Gegengründe dargelegt und verteidigt. Ich erinnere mich noch lebhaft an eine Diskussion über Jazzmusik in der 4. Gymnasialklasse.
Mit geradezu heiligem Eifer setzte er sich für den
ursprünglichen Jazz ein. Ich war erstaunt, wie wesentlich er das Problem sah, als er die Maxime aussprach : Es gibt überhaupt nur gute und schlechte
Musik. Diese Offenheit ist verwandt mit einem
andern Zuge seiner Natur: Das Offensein den
Dingen, der Natur, allem gegenüber. Und dies ist
ein entscheidendes Element des künstlerischen
Seins. Was hier in diesen frühen Jugendjahren
noch wie im Keime erscheint, die Dualität naiver
und kritischen Haltung, wird später zum eigentlichen Spannungselement in seinem künstlerischen
Schaffen.
mit Kreuzchen-Ornamenten die ganze Figur beherrscht. Diese beiden Versuche unterscheiden
sich deutlich von den üblichen Kinderzeichnungen
dieses Alters, besonders durch die Profilstellung
und die bestimmte Gliederung.
Aus der Gymnasialzeit sind eine Reihe von
kleinformatigen Ölbildern erhalten, zwei Selbstbildnisse, mehrere Porträts, einige Kompositionen
und Stilleben. Sie alle sind frei entstanden, außerhalb der Schule, ohne Anleitung. Neben naturalistischen Nachbildungen stehen freie Gestaltungen.
Wenn auch das Zeichnerische vorherrschend ist, so
spielt doch die Farbe schon eine wesentliche Rolle.
Da ist zum Beispiel ein Mädchen, das auf einer
Wiese sitzt, die Hände seitwärts aufstützt und
mit dem Blick von uns weg in die Ferne schaut. In
natürlicher Anmut ist der Körper des Mädchens
durchbildet. Am überraschendsten in dieser frühen Gestaltung scheint mir aber das Malerische
in der Darstellung der Wiese. Mit großen grünen,
forsch hingeworfenen Flecken und roten, weißen
und blauen Tupfen hat der 14jährige Alex einen
Blumenteppich von schönem farbigen Zusammenklang hingezaubert. Besondere Beachtung verdienen auch zwei Bilder von expressivem Charakter
aus dem Jahre 1944. Das eine stellt einen Harlekin
mit Maske und ein Mädchen dar und das andere
den dornengekrönten Christus mit dem Hahn und
den drei leeren Kreuzen. Beide Bilder sind formal
streng gehalten und leben von den Kontrasten heller und dunkler Töne.
Die sich immer stärker regenden künstlerischen
Kräfte haben die Frage der Berufswahl neu gestellt. Schon in der zweiten Klasse des Gymnasiums schrieb er zum Thema: Was ich gerne werden möchte, folgendes: «Schon oft ist mir diese
Frage begegnet. Ja, was soll ich in meinem Leben
werden? Ich habe mich noch nicht recht entscheiden können. Im Innern habe ich aber doch eine
leise Stimme, die mir sagt, in welcher Richtung
mein Beruf geht. Ich habe eine große Zuneigung
zur Kunst. Ein Beruf auf diesem Gebiete würde
mir gefallen. Vielleicht ein Grafiker, der Reklamebilder macht. Natürlich will ich einen Beruf, in
dem ich etwas verdiene und eine Familie unter-
In der Frühzeit der Entwicklung, in den Gymnasialjahren von 1940—44, haben sich bei Alex
Stocker schon eindeutige formale Kräfte geregt.
Ja man könnte noch weiter zurückgehen, um eine
besondere formale Begabung festzustellen. Es sind
noch zwei kleine Zeichnungen erhalten, die er im
Alter von 3 und 3% Jahren hinkritzelte, einen
Mann im Profil und den Samichlaus, dessen InfuI
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halten kann. Kunstmaler allein ist eine brotlose
Kunst.» Nach der vierten Klasse fällt die Entscheidung im Sinne dieser innern Neigung.
Er tritt 1944 in die Lehre als Grafiker bei Hans
Aeschbach in Zürich. Neben dem obligatorischen
Unterricht an der Kunstgewerbeschule Zürich besucht er die Kurse für figürliches und Akt-Zeichnen bei Heinrich Müller. I n der freien Zeit malt
er Landschaften und figürliche Kompositionen,
weibliche Akte, Porträts und ein großes Selbstbildnis. Seit dieser Zeit verbinden ihn Freundschaften
mit den Grafikern M A X HELLSTERN, HANS GRUBER
und GOTTLIEB SOLAND. Das wichtigste Ereignis dieser Jahre ist aber die Begegnung mit dem Maler
KARL HOSCH. Alex Stocker hat ihn im Atelier in
Oberrieden 1945 zum erstenmal aufgesucht. Er
ist von der vitalen Kraft der Malerei Hoschs sofort
stark beeindruckt. U n d immer wieder erscheint er
im Atelier. Er glaubt in dieser Malweise den Weg
angedeutet zu sehen, der ihn zu seiner eigenen
Form führen könnte. U n d zugleich schwebt ihm
diese kraftvolle Malerei wie ein Ideal vor.
Der bedeutungsvollste Vorstoß zur eigenen
Form ereignete sich während des ersten Aufenthaltes in Südfrankreich.
Ende Juni 1949 fahren
Alex Stocker und sein Malerfreund M A X HELLSTERN über Genf, Lyon, Marseille nach Perpignan.
Mit den Velos, die sie nachschicken ließen, erreichen sie in zehn Minuten ein Landhäuschen, das
ihnen von dem früher in Baar praktizierenden
Arzte Dr. Arthur Bossart zur Verfügung gestellt
wurde. Es enthält im Erdgeschoß einen kleinen
Vorraum und die Küche, im ersten Stock Zimmer
und einen Balkon. Das Haus ist zwar nicht mehr
im besten Zustand, d a es zehn Jahre unbewohnt
war; aber für die beiden jungen Künstler schafft
es ideale Aufenthaltsbedingungen. Am 17. Juli
schreibt Alex Stocker nach H a u s e : «Wir sind nun
schon 14 Tage in unserem Landhaus und es geht
uns vortrefflich . . . Mit dem Kochen geht es ganz
gut; vor dem Hause haben wir uns mit Backsteinen einen kleinen Herd gemacht, wo wir nun immer kochen. Heute hatten wir selbstgefangene Fische, Spaghetti napolitaine und Wein. Jetzt haben
wir fast alle T a g e Tomaten. Sie sind herrlich. Die
Kosten belaufen sich in der Woche für einen M a n n
auf gut 10 Franken, was uns einen langen Aufenthalt erlauben wird.» Rings u m das Haus dehnt
sich ein Gemüsegarten und steht ein kleiner Weinberg. I n einem Brief vom 24. August schreibt er:
«Bei uns klappt alles vortrefflich . . . Die weißen
Trauben, es war ein Stück Land von 1 5 x 1 5 m,
haben wir schon alle gegessen; jetzt gibt es blaue.
Auch haben wir im Garten Peperoni und Aubergine ; zusammen mit T o m a t e n u n d Zwiebeln geben
diese Gemüse ein herrliches Essen. Es macht uns
Spaß, das Essen zu bereiten. I h r m ü ß t Euch denken, d a ß wir hier sehr verlassen sind und d a ß uns
das Kochen als Ablenkung vom Malen sehr gelegen kommt.»
Zuerst malen die Freunde in der Nähe ihres
Landhauses. Vor ihnen dehnt sich die leicht gewellte Ebene aus, mit Olivenbäumen, Melonen,
Weinreben, eine weiträumige Landschaft ohne jeden dramatischen Akzent. Hier kommt der Gestaltung kein interessantes Motiv, kein zeichnerisches
Formgerüst zu Hilfe, alles liegt im malerischen
Wechselspiel der Farbenstufen vom hellen Silbergrün der Oliven zum dunklen Schattengrün. Der
Grafiker m u ß hier vollständig schweigen. Es vollzieht sich bei Alex Stocker der entscheidende
Schritt zum Maler. Zwar bekennt er am 24. August: «Als ich hier anfing zu malen, ging's noch
nicht gut. Ich war noch verdorben von der Grafik.
Jetzt aber habe ich riesig Fortschritte gemacht.»
Nach etwa zehn Tagen steigen sie mit der Staffelei auf einen Hügel, der sich eine halbe Stunde
von ihrem Landhaus entfernt erhebt. U n d hier
offenbart sich ihnen die Landschaft wieder neu.
Sie sehen über die sanften Hügelzüge hinweg das
Meer sich weiten und im blauen Glast der Sonnentage die Pyrenäen ansteigen. Alex Stocker ist wie
verzaubert: «Malen tue ich wie wild, im T a g
2—3 Bilder. Wenn ich dann das Gefühl habe, zuviel gemacht zu haben, übermale ich die alten
wieder.»
An besonders heißen Nachmittagen fahren sie
jeweils zum Meer, das sie in einer halben Stunde
erreichen, u m zu baden. Oder sie fahren nach Per-
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pignan auf den Markt. Da bestaunen sie immer
wieder die unzähligen Formen der Fische. Eines
Tages kaufen sie einen ganzen Berg von Fischen,
schichten diese zu Hause auf und malen solange,
bis der Geruch ein Ende setzt. Diese Fischbilder
Stockers sind keine Stilleben, sondern vielmehr
Landschaften, in denen sich die ganze Welt des
Meeres widerspiegelt.
Zweimal wird der Aufenthalt bei Perpignan
unterbrochen. Ende Juli für mehr als zwei Wochen und Mitte August für einige Tage. Sie siedeln nach Collioure über, nahe der spanischen
Grenze. Dieses äußerst farbige Fischerdorf hat immer viele Maler angezogen; hier malten auch Derain und Matisse. Die Freunde wohnen in einem
alten Castell aus der maurischen Zeit, schlafen
aber immer unter freiem Himmel. Am 31. Juli
schreibt Alex Stocker: «Hier stehen an allen Ecken
"Maler". Es ist schaurig, was hier alles verpflastert
wird. Ich habe die Guitarre mitgenommen und am
Abend singen wir jeweils am Lagerfeuer... Malen
tue ich ziemlich viel.» Er trifft auch den Grafiker
Butz, den er von Zürich her kennt. Beim zweiten
Aufenthalt beteiligt er sich an einer Ausstellung.
Er kann am 17. August von Perpignan nach Hause
schreiben: «Ich war wieder vier Tage in Collioure.
Junge Maler aller Nationen machten dort eine
Ausstellung und wir waren auch dabei. Ich habe
von Malern die beste Kritik erhalten. Es war hier
ein großes Fest mit wilden Stierkämpfen (6 Stiere
wurden getötet). Ich habe dann die Spanier aufgesucht und wir haben miteinander gesungen, es
waren wirkliche Künstler aus dem Volke.» Der
Eindruck dieser Begegnung mit den Spaniern muß
ziemlich stark gewesen sein, denn eine Woche später schreibt er: «Ich möchte nämlich im Frühling
nach Spanien. Ich habe geahnt, daß dort ein Volk
wohnt, das noch urtümliche Kraft besitzt.» Dieser
Plan wurde dann allerdings nicht verwirklicht.
Ende August brechen Alex Stocker und Max
Hellstern ihren Aufenthalt bei Perpignan endgültig ab und fahren noch Toulon, wo sie zwei Wochen bleiben. Stocker hat hier viele Farbstiftzeichnungen gemacht. Dann verbringen sie zwei Tage
in Marseille und malen einige Tage in St. Tropez.
Und als der September sich dem Ende zuneigte,
ziehen sie nach Paris.
Paris ist eine neue bedeutsame Stufe in der
künstlerischen Entwicklung Stockers. Hier wird
ihm der Akt zum Erlebnis, wie vorher in Perpignan
die Landschaft. Die Freunde wohnen beim Pont
Neuf, im Quartier Latin. Sie malen mehr als einen
Monat Akt in der Academie Grande Ghaumiere.
Aus dieser Zeit sind von Alex Stocker noch zehn
Akte in ö l erhalten. In Paris entstand auch das
Selbstbildnis, das wir in unserer Reihe reproduzieren. Das Leben an der Seine hat Alex Stocker mit
Wohlbehagen erfüllt. Fast täglich spaziert er im
Jardin du Luxembourg und genießt die Weite des
Parkes und die sanfte Stimmung des Herbstes.
Oder dann hat er wieder sein sprühendes Temperament und den Schalk spielen lassen. So erzählte mir Max Hellstern, wie er einmal einem
Straßensänger die Geige aus der Hand nahm und
darauf so wild und schön spielte, daß die Leute
von allen Seiten herbeieilten und sich um ihn
scharten. Dann machte er mit dem Hut die Runde
und sammelte ein schönes Stück Geld ein, das er
mit einer tiefen Verbeugung dem erstaunten Straßensänger überreichte.
Den Abschluß der Malaufenthalte in Südfrankreich und Paris bildete eine Kunstfahrt durch Belgien und Holland. Einer Kartenskizze Alex Stokkers entnehmen wir die folgende Reiseroute:
Brügge — Gent — Antwerpen — Breda — Utrecht — Amsterdam — Haarlem — Sgravenhage
— Rotterdam — Dortrecht. Den stärksten Eindruck erhält er von Brügge. Am 30. Oktober
schreibt er: «Bin schon fünf Tage in Brügge. Es
war die interessanteste Stadt, die ich bis jetzt gesehen habe. Sie ist voll Kunst und bürgerlicher
Romantik.» In Brügge stoßt Max Hellstern, der
von Paris aus eine andere Route gewählt hatte,
wieder zu ihm. Später gesellt sich zu ihnen noch
ein schwedischer Maler, von dem sie wertvolle
Anregungen empfangen. Und im späten November fahren sie von Holland wieder der Heimat zu.
Während des folgenden Winters malt Alex
Stocker nur wenige Ölbilder. Denn er arbeitet an-
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ALEX STOCKER - D O M - I N N E R E S
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ALEX STOCKER - FLORENZ
sehen außer Athen. Die Gegend selbst ist sehr
trocken. Es wachsen hier nur Mandeln und Oliven. Die Steine sind alle ocker-braun. Die Landschaft sieht also braun-golden aus.» In Palermo,
wo er am 23. August ankommt, beeindruckt ihn
das bunte und bewegte Volksleben, aber auch die
Landschaft. «Die Gegend hier ist wunderbar. Reiche Vegetation, helles Licht.» Begeistert, ja ergriffen ist er vom Dom in Monreale. «Das ist die
schönste Kirche, die ich bis jetzt sah. Alles Mosaik
mit goldenem Grund, die ganze Kirche voll. Eine
Wahnsinnsarbeit, aber herrlich schön.» Ein Brief
vom 29. August von Palermo aus dokumentiert,
wie er abseits vom Touristenweg Land und Leute
erlebt. Es ist aber auch eines der vielen Zeugnisse
seines guten Herzens. «Vorgestern war ich etwas
auf dem Land (Piana dei Greci). Die Gegend dort
war herrlich, auch ganz verbrannt, aber es hatte
einen See und ich habe ganz einsam ein Bad genommen . . . Dann bin ich mit einem Hirten zusammen gewesen, der eine Familie mit 3 Kindern
hat. Er hütet den ganzen Tag seine etwa 10—15
Ziegen. Die Leute sind mausarm und leiden Hunger. Ich habe ihnen dann 1 kg Fleisch gekauft und
bei ihnen gegessen. Die Nacht mußte ich bei ihnen
schlafen, im Hause eines Verwandten. Es waren
äußerst nette Leute, sauber, und haben nicht gebettelt, wollten nichts annehmen. (Auf dem Lande sind die Sitten besser als in den Städten.) Ich
habe ihnen nun meine 2 Paar langen Hosen geschickt und für mich neue gekauft.»
gestrengt als Grafiker, um sich die Mittel für eine
neue Südfahrt zu beschaffen.
Diesmal sind Italien und Tunis sein Ziel. Ende
Juli 1950 fährt er über Mailand nach Venedig.
Die Stadt Tizians mit dem zauberischen Licht-und
Farbenspiel, der seltsamen Mischung orientalischer
und abendländischer Stilformen, machen einen
tiefen Eindruck auf ihn. «Venedig ist herrlich,
alles noch alt», schreibt er am 3. August. Und
noch von Rom aus bekennt er: «An Schönheit hat
aber bis jetzt noch keine Stadt Venedig übertroffen.» Hier entstehen die ersten Bilder dieser Reise.
Er hat anstelle der Ölfarbe diesmal ölkreide mitgenommen und hält damit die schönsten Farbenerlebnisse der Italien- und Tunesienfahrt fest. Es
sind über hundert meist großformatige Farbenimpressionen, oft wundersam fein abgetönte Stimmungsbilder, dann wieder wild auflodernde Farbenglut.
In Florenz, der nächsten Station nach Venedig,
treiben ihn die Kunstschätze tagelang, von morgens früh bis abends, zum Schauen und Staunen
an. Von Rom aus, das er am 12. August erreicht,
schreibt er: «St. Peter und die Sixtinische Kapelle
sind etwas Ungeheures . . . Vor allem gefallen mir
die alten Mosaiken. Ich will auch einmal versuchen in dieser Technik etwas zu machen . . . Von
erschlagender Wucht ist das Kolosseum.» In Rom
bleibt er eine Woche und fährt dann weiter nach
Neapel. Diese Stadt wird ihn erst auf der Rückreise ganz zu fesseln vermögen.
Am 17. August setzt er mit dem Schiff von San
Giovanni aus nach Sizilien über, bleibt einen Tag
in Messina, fährt über Catania, wo er die Nacht
verbringt, nach Syrakus, macht einen Abstecher
ins Landesinnere nach Enna und erreicht am
21. August Agrigento, von wo er schreibt: «Von
Syrakus nach Enna gegangen, einer uralten Stadt
mitten in Sizilien. Sie liegt auf einem Berg,
700 m ü. M. Alle Kulturen sind über diese Stadt
gegangen . . . Diese Stadt war für mich in ihrer
Atmosphäre interessanter als Rom. Sonntag und
Montag befinde ich mich in Agrigento, auch einer
uralten Stadt, sehr wichtig und groß zur Griechenzeit. Hier sind die schönsten Griechentempel zu
Am 29. August um 5 Uhr abends fährt Alex
Stocker mit dem Schiff aus dem Hafen von Palermo ins Sizilische Meer hinaus, Tunis entgegen.
Am folgenden Tage betritt er afrikanischen Boden.
Er ist begeistert. «Es ist ganz wunderbar. Die Leute hier sind äußerst lieb. Hier ist die Gastfreundschaft Mode.» Er fährt ins Innere des Landes,
besucht die heilige Stadt Kairuan, bestaunt die
Moscheen. Mit zwei andern Malern geht er von
Kairuan noch Sousse, Ghase, Gabes, wo ihm die
Oase einen «großen Eindruck» macht, «so mitten
in der Wüste ein Paradies». Sie wagen sich noch
weiter ins Innere. Am 12. September schreibt er:
«Gestern haben wir bei den Beduinen gelebt (alles
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wie vor iooo Jahren), sie hatten noch nie einen
Europäer gesehen.» Dann kehrt er nach Tunis
zurück und ist dort die letzten vier Tage seines
Tunesien-Aufenthaltes bei einem Tunesier-Maler
zu Gast. Am 23. September kehrt er mit dem Flugzeug nach Palermo zurück — «es war ein herrliches Erlebnis für mich» — und fährt anderntags
nach Messina und Neapel weiter.
Erst bei diesem zweiten Aufenthalt wird ihm
Neapel zum Erlebnis. «Das zweite Mal hat mir
Neapel ganz herrlich gefallen», schreibt er am
1. Oktober von Gapri aus. Hier schläft er eine
Nacht im Freien, damit ihm nichts vom Wunderbaren dieser Zauberinsel entgehe. Die Reise von
Neapel nach Rom macht er zusammen mit einem
deutschen Baron, «eine ganz interessante Begleitung . . . er malt auch, kann und weiß überhaupt
alles.» Und wieder bleibt er einige Tage in der
Tiberstadt, um dann nordwärts zu ziehen, wo ihn
noch ein Kunsterlebnis erwartet. Am 14. Oktober
schreibt er: «Bin jetzt wieder in Oberitalien. Es
ist jetzt in Farbe und Atmosphäre viel schöner als
im Sommer. Gestern war ich in Ravenna und verliebte mich in die Theodora (Mosaik). Ich werde
mich zuhause eingehender mit dieser herrlichen
Technik beschäftigen.» Gegen Ende Oktober
kehrt er mit einer reichen Fracht innerer und
äußerer Bilder nach Hause zurück.
der, den Rock und schließlich niedergekauert die
Füße in den absolut richtigen Proportionen, ohne
zwischenhinein aus dem nötigen Abstand die Einzelteile der überlebensgroßen Skizze kontrollieren
zu müssen. Ohne Projektion, Quadrieren oder
ähnlichen technischen Hilfsmitteln hatte er innerhalb 5 Minuten ein Trachtenmädchen konzipiert,
das heute ausgemalt die Decke unseres kulturellen
Zentrums in Oberitalien schmückt.»
Nach der Ausführung dieses Auftrages unternimmt er eine zweite Malreise nach Italien und
Südfrankreich. Er fährt mit der Lambretta über
die Apenninen an die Riviera di Levante bis hinunter an den Golf von Spezia. In dieser «einzigartig schönen und noch unberührten Gegend»
ruht er sich einige Tage von der Arbeit aus. Seinen
Ruheort Lerici hat er in einer Ölkreide-Zeichnung festgehalten. Dann zieht es ihn weiter, die
ganze italienische Riviera entlang, Frankreich entgegen. Von Imperia aus schreibt er: «Bin auf der
Reise nach Frankreich. Die Riviera ist schon etwas
ganz Herrliches, und ich kann es so gut genießen
mit meiner Lambretta. Ich muß jetzt schauen, daß
ich mich in Frankreich stationieren und meine Ölmalerei beginnen kann.» An der französischen Riviera sucht er einen geeigneten Aufenthaltsort.
Wohl trifft er Bekannte und Freunde, aber nirgends eine Unterkunft. Die Hotels sind überfüllt,
die Privatwohnungen und Zimmer mit Fremden
belegt. Er fährt deshalb bis Toulon weiter und findet hier Unterkunft bei Frau Bossart, einer
Schwägerin von Dr. Arthur Bossart, der ihm das
Landhaus bei Perpignan zur Verfügung gestellt
hatte. Nun kann er unbeschwert malen. Die Ölbilder, die hier entstehen, haben eine reichere und
hellere Farbigkeit als jene des Sommers 1949 von
Perpignan und Collioure. Ein Bild aus dieser Zeit
besitzt die Zuger Kantonalbank, andere sind in
Privatbesitz. Er löst sich von der tonigen Malweise
und setzt anstelle der dumpfen Töne leuchtendere
und kontrastreiche Farben. Auch zeichnet er viel,
Motive am Hafen, das bunte Durcheinander von
Menschen in Hafenkneipen, Matrosen, Fischer,
Mädchen, allein und im Gespräch. Zwei Monate
verbringt er zeichnend und malend in Toulon.
Wieder ist der folgende Winter mit grafischen
Arbeiten ausgefüllt. Die Erfolge seiner grafischen
Tätigkeit mehren sich. Im Sommer 1951 erreicht
ihn der Auftrag, zusammen mit dem Grafiker Noldi Soland, im neuen, großzügig gebauten Haus des
Centro Svizzero in Mailand die Deckenplatten im
großen Festsaal mit Motiven der Schweizer Folklore zu bemalen. Anfangs August fährt er mit
der Lambretta nach Mailand und führt den ihm
sehr zusagenden Auftrag aus. Armin Haab, der ihn
während dieser Arbeit besucht hat, berichtet darüber: «An die Wand gelehnt, hatte er die PavatexElemente zu einer Fläche von ungefähr zweieinhalb Meter Höhe gefügt, stieg auf einen Stuhl, riß
nun einen Trachtenkopf mit flinkem Strich auf,
zeichnete, langsam vom Stuhle steigend, das Mie60
JUNGER T U N E S I E R
ALEX STOCKER - BUCHILLUSTRATION
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"•"'V—
ALEX STOGKER - KUTSCHER IN T U N I S
Die Rückfahrt dauert Wochen. Er fährt tiefer
in die Provence hinein, hält sich Stunden oder
Tage in Aix, Arles, Nimes, Avignon, Orange auf,
in den Bauten die große Vergangenheit erahnend
und die Gegenwart der herrlichen Landschaft und
ihrer Menschen erlebend. Über Lyon kehrt er
anfangs November nach Hause zurück.
An erster Stelle steht die Musik. Er hat selbst
viel musiziert, zuerst als Geiger, später als Bratschist, in der Gymnasialzeit im Kantonsschul-Orchester und später auch noch in Aula-Konzerten,
viele Jahre als Mitglied des Orchestervereins Baar,
aber besonders gern im Quartett. F ü r ihn bedeutete die Quartett-Musik und das Quartett-Spiel
das tiefste musikalische Erlebnis. Bei diesem Musizieren hat er sich immer ruhig eingefügt; hier gab
es für den sonst kritisch analysierenden Alex
Stocker kein Problemisieren. Es ist, wie wenn sich
hier sein künstlerisches Sein, das noch in der U n ruhe der Bewegung zur eigenen Form war, im
harmonischen Gefüge geborgen gefühlt hätte. Deshalb die volle u n d ganze Hingabe beim Spielen.
I m Herbst 1952 läßt Alex Stocker sich noch einmal im Süden zum Malen anregen. Er verbringt
einige Wochen im Sottoceneri, arbeitet zuerst in
den Ausstellungshallen der Fiera di Lugano und
malt dann Tessiner Landschaften. M a n erkennt
aus diesen unruhig bewegten Bildern ein neues
Suchen und Ringen, fühlt aber auch, daß ihm die
innere Ruhe zur Gestaltung fehlt. Er hatte sich in
den vergangenen Monaten zu sehr mit grafischen
Arbeiten belastet, besonders am Triennale Milano
und an der Internationalen Photo-Ausstellung in
Luzern seine Kräfte über das ihm gegebene M a ß
eingesetzt. Er fühlt, daß er eine Wartezeit in seinem künstlerischen Schaffen einsetzen m u ß . Fast
zwei Jahre wird er sich ganz den grafischen Arbeiten widmen, mit dem Plane, in einem langen Auslandaufenthalt, in Italien oder Spanien, seine
künstlerischen Kräfte neu zu lösen.
Von den Komponisten galt seine besondere Verehrung J. S. Bach. Sicher war es hier «die prästabilierte Harmonie», die ihn beglückte. Wer etwa
gehört hat, wie Alex Stocker auf der Geige eine
Bachfuge spielte oder wie er über ein bachsches
T h e m a phantasierte, dem wurde bewußt, wie viel
ihm diese Musik bedeutete. Er liebte auch die
musikantisch frische Art der alten Italiener, besonders Coreliis. Bezeichnend ist auch, daß er Brahms
außerordentlich schätzte, Wagner dagegen ablehnte. Von den Modernen hörte er Debussy,
Strawinsky und Schoeck-Lieder besonders gern.
In diese Ruhezeit des künstlerischen Schaffens
fällt auch seine Reise nach England im Sommer
1953. Er reist Mitte Mai nach London, besucht
Freunde, erlebt die festlichen Krönungsfeierlichkeiten, besichtigt die Sehenswürdigkeiten und
Kunstgalerien, fährt nach Schottland und kehrt
anfangs Juni wieder nach Baar zurück. Über seine
vielseitige Tätigkeit als Grafiker der folgenden
Monate wird später zu berichten sein.
Seine eminent musikalische Begabung kam aber
auch zum Ausdruck, wenn er zur Guitarre improvisierte, Lieder und Gesänge vortrug. Unvergeßlich bleibt allen Teilnehmern a m festlichen
Schlußabend der «Tage der Kunst 1952», wie Alex
Stocker Cowboy-Lieder, spanisch-maurische Klagegesänge und Jodellieder zur Guitarre sang.
Noch aufschlußreicher ist die Beziehung Alex
Stockers zur Literatur und Dichtung. Hier kommt
sein leidenschaftlicher Erkenntnisdrang und das
Ringen u m eine geistige Mitte deutlicher als anderswo zum Ausdruck. Denn im Vordergrund seines Interesses stehen weltanschauliche und philosophische Werke. I n der frühen Zeit wurde er von
der urtümlichen Bildkraft Nietzsches fasziniert
und vom beunruhigenden Pessimismus Schopenhauers bewegt. D a n n ist vor allem Pascal d a ; er
Neben diesen Begegnungen mit Landschaften,
Städten, fremden Kulturen und Menschen, wie sie
sich vor allem auf seinen Reisen ereigneten, haben
noch drei andere Erlebniskreise die Persönlichkeit
Alex Stockers geformt. Ihre Betrachtung wird uns
noch näher zum Wesen seiner künstlerischen
Eigenart führen.
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greift immer wieder zu ihm und bewundert seine
radikale Offenheit. Auch m i t d e m Existenzialismus h a t er sich auseinandergesetzt, Sartre u n d
Camus gelesen, beide aber eindeutig abgelehnt.
Ebenso ablehnend stand er der Psychoanalyse gegenüber.
Eine starke Wirkung übten auch Werke mit
psychologischem Einschlag auf Alex Stocker aus.
U n d zwar sind es meistens Bücher, welche in die
untergründigen Schichten des menschlichen Seins
hineinleuchten oder solche, in denen das Morbide
zur Darstellung kommt. Lange u n d stark h a t ihn
die unheimliche Welt Kafkas im «Prozeß» u n d
«Schloß» beschäftigt. Die Reihe seiner bevorzugten Dichter und Werke weist in die gleiche Richtung; sie dokumentiert aber auch die Weite u n d
Spannung seines geistigen Horizontes: Tolstoj,
Dostojewskij, Gogol «Memoires d'un Fou», Stefan
Zweig, Colette «La vagabonde», Thomas M a n n
«Zauberberg», Grimmeishausen «Simplizissimus»,
Morgenstern «Galgenlieder» u n d Rilke. Bei Rilkes
Gedichten hat ihn die formale Schönheit und der
u m die Wesenheit ringende Geist gleichermaßen
gefesselt.
Noch bleibt uns von der Wirkung und den Einflüssen anderer Maler auf Alex Stocker zu sprechen. Von der Begegnung mit HOSGH ist schon die
Rede gewesen. Ähnlich hat der Maler VARLIN auf
ihn gewirkt. Wie von diesen beiden Malern, so
wünschte er auch von AUBERJONOIS, den er als den
größten lebenden Schweizer Maler verehrte, ein
Bild zu kaufen. Wenn ihm dieser Kauf auch nicht
gelang, so hat ihm die Reise nach Lausanne, die er
zu diesem Zwecke machte, doch eine kurze Begegnung mit dem greisen Meister gebracht.
Die größte Wirkung jedoch haben drei andere
Maler auf Alex Stocker ausgeübt: Gorinth, M o digliani und Soutine. Mit Lovis CORINTH (1858—
1925) h a t er sich intensiv auseinandergesetzt, nicht
nur seine Malerei immer wieder und bei jeder Gelegenheit betrachtet und erlebt, sondern sich auch
mit seinem Leben eingehend befaßt. Wie bei
Hosch, h a t ihn auch hier die vitale Kraft angezogen. Manche Bilder Stockers zeugen von diesem
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Einfluß. Wer das Bild «Baum a m Walchensee»
(Zürcher Kunsthaus) etwa mit dem Bilde Stokkers «Baar bei Föhnstimmung» betrachtet, der
wird etwas von jenen wilden Pinselschwingungen,
dem wehenden Rhythmus, von jener Kraft u n d
Unbekümmertheit darin finden. U n d wie bei Corinth so h a t ihn auch bei Modigliani und Soutine
neben der Kunst auch ihr Leben stark beschäftigt.
Es ist, wie wenn er in ihren Schicksalen die eigenen
Möglichkeiten zu ermessen versucht hätte.
AMEDEO
MODIGLIANI
(1884—1920)
hat
vor
allem in der Zeit seines ersten Aufenthaltes in Südfrankreich auf Stocker eingewirkt. Die dunkle
Schwere der Farben finden wir in den Landschaften u n d Bildnissen jener Zeit. U n d in der Absolutheit Modiglianis, im Positiven wie im Negativen,
in der Dualität seines Wesens u n d der großen
künstlerischen Erregbarkeit erkannte Alex Stocker
verwandte Züge.
CHAIM SOUTINE (1943 gestorben), dessen Vater
ein armer jüdischer Schneider war, stammt aus
R u ß l a n d und lebte größtenteils in Frankreich. E r
war mit Modigliani befreundet. Die Anziehungskraft, die er auf Alex Stocker ausübte, ist mit jener
Kafkas vergleichbar. Die oft unheimlich wirkende
Ausdruckskraft seiner Bildnisse h a t stark auf ihn
gewirkt. Es ist, wie wenn in der Deformation der
Dargestellten ihre Seele sich nach außen lösen
wollte; die Verzerrungen sind wie Bruchstellen,
aus denen sich das innere Wesen herausdrängt.
U n d eine Baumallee wird zu einer Reihe auflodernder Farbenfackeln, deren schlanke Wipfel
wie Flammen einander entgegenlecken. I n vielen
ölkreidezeichnungen Stockers werden wir an diese
Malweise erinnert. Auch in der heftigeren Farbigkeit der Ölbilder seit 1950 spüren wir den Einfluß
des Russen.
Zu diesen zwei Kreisen der künstlerischen Einwirkung, der Schweizer Hosch, Varlin, Auberjonois u n d Corinths, Modiglianis, Soutines sind
noch gelegentliche Einflüsse von Pasquin, Kokoschka, Vlaminck und der alten Italiener zu erwähnen,
von denen er formale Anregungen empfangen hat.
\*JÜW
ALEX STOCKER - SELBSTBILDNIS
ALEX STOCKER - MÄDCHEN AUS SÜDFRANKREICH
Den bedeutsamsten Vorstoß zur Eindeutigkeit
der ihm gemäßen Form ereignete sich in Perpignan. Hier, in der Abgeschiedenheit des Landhauses, ohne äußere Ablenkungen, ist er sich am
nächsten gekommen. Es ist der eigentliche Vorstoß zum Malerischen, aus der Offenbarung des
Farbenerlebnisses heraus. Später, als die äußern
künstlerischen Einflüsse wieder stärker wurden,
hat er um diese Unmittelbarkeit der Gestaltung
ringen müssen.
Mit der Darstellung der Reisen, Begegnungen,
künstlerischen Einflüssen und Einwirkungen sind
die Wesenszüge der Persönlichkeit und der Kunst
Alex Stockers sichtbar geworden. Seine besondere
künstlerische Eigenart soll zusammenfassend noch
kurz umrissen werden.
Alex Stocker kommt von der sinnlichen Erscheinung her zur Kunstgestaltung. Nur in wenigen
frühen Arbeiten ist er ausgesprochen expressiv,
d. h. gestaltet eine in ihm lebendige Idee. Später
geht er immer von der Natur aus, ja er braucht
die Natur, um sich von ihr zum Malen anregen
und erregen zu lassen. Und dies nicht nur bei der
Landschaftsdarstellung, sondern auch beim Akt.
Und doch findet er kein volles Genügen in der reinen Naturwiedergabe. Denn zu seiner Nahrhaftigkeit kommt immer die Überlegung. Es fehlt ihm
die absolute naive Hingabe an das Erlebnis. Deshalb auch die Verehrung für den Maler Hosch,
der diese naive Naturhaftigkeit besitzt. Darin liegt
die tiefste Ursache seines Konfliktes als Künstler
und seines so schweren Ringens um die gültige
Form. Diese Spannung aus der unmittelbaren Hingabe an das Naturerlebnis und der intellektuellen
Überlegung wird durch zwei Faktoren noch verstärkt. Der Weg vom sinnlichen Erlebnis zur gültigen Form wird ihm erschwert durch seine Vielseitigkeit und die Übersensibilität. Die Vielseitigkeit seines Talentes, die sich auch in seinem grafischen Werk offenbart, ist ihm in seinem Ringen
um die eindeutige Form eher zum Verhängnis geworden. Denn die Eindeutigkeit und Gemäßheit
der Form, wie er sie bei Corinth, besonders aber
bei Modigliani und Soutine bewunderte, war das
ersehnte und so hart umkämpfte Ziel seines künstlerischen Schaffens. Und hierin hat sich auch seine
Übersensibilität erschwerend ausgewirkt, denn er
war in seiner psychischen Struktur doch nicht stark
genug, um seine eigene Form gegen die von außen
her ihn bedrängenden künstlerischen Formungen
durchzusetzen. Alex Stocker hat sich seinen Weg
nicht leicht gemacht; er hat sein Schaffen immer
in strenger Selbstkritik verfolgt und unter den
Spannungen, die ihm aus der beschriebenen Dualität erwuchsen, gelitten.
In der kurzen Schaffenszeit, die eigentlich erst
194g in Perpignan entscheidend begann, sind eine
erstaunlich große Zahl von wirklichen Kunstwerken entstanden. Sie alle sind erfüllt vom echten
Ringen um die gültige Form. Ein Überblick seiner
künstlerischen Werke soll sein vielseitiges und reiches Schaffen andeuten.
Zahlenmäßig ergibt die künstlerische Ernte folgendes Bild: 126 Ölgemälde, 80 Ölkreidezeichnungen, 40 Farbstiftzeichnungen, 12 Tuschzeichnungen, einige Aquarelle und mehrere 100 Bleistiftzeichnungen, 1 Gipsrelief, 1 Mosaik. Von den Ölbildern stellen 50 Bilder Landschaften dar, 20
weibliche Akte, 20 Porträts, 12 Selbstbildnisse,
12 Figürliches, 12 Stilleben. Die Ölkreidezeichnungen sind neben einigen figürlichen Themen und
Porträts ausschließlich Landschaftsdarstellungen
und Städtebilder, ebenso die Bleistiftzeichnungen,
welche zudem noch einige Akte enthalten.
Bevor wir einzelne Werkgruppen im Zusammenhang der reproduzierten Zeichnungen und
Bildnisse noch etwas näher charakterisieren, sei
noch ein kurzes Wort über das grafische Schaffen
Alex Stockers beigefügt.
Nach Abschluß der Lehre als Grafiker bei Hans
Aeschbach in Zürich im Jahre 1948 hat er bei
J. Müller-Brockmann gearbeitet. Schon ein Jahr
darauf hat er im Hause seiner Eltern in Baar ein
eigenes Atelier eröffnet, sich selbständig gemacht.
Dann hat er in den folgenden Jahren in größeren
Aufträgen mit den Ateliers Weiskönig, St. Gallen,
und Eidenbenz, Basel, zusammengearbeitet. In seinem vielseitigen Schaffen stehen die Gestaltungen
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von Ausstellungen an erster Stelle. Die Aufzählung
dieser Aufträge, die neben vielen andern Arbeiten
durchgeführt wurden, weist auf seine außerordentliche Arbeitsleistung hin: 1949 an der Mustermesse Basel ein 20 m langes Wandbild, 1951 Gestaltung einer Halle in der O l m a : Produkte-Schau
Schaffhausens, 1952 Triennale Milano, Internationale Photo-Ausstellung Luzern, 1953 Selbständige Gestaltung der Ausstellung des Internationalen Erdbau-Kongresses im Kongreßhaus in Zürich,
Architekten-Ausstellung des SIA in St. Gallen,
Filmraum an der Olma, 1954 begann er an der
Schweizerischen Landwirtschaftsausstellung in Luzern die Planung der Weinbau- und Forsthallen.
Während der Durchführung dieser letzten Arbeit,
die das M a ß seiner Kräfte überstieg, erlitt Alex
Stocker einen schweren Nervenzusammenbruch,
an dessen Folgen er am 20. August starb.
Als zweite wichtige grafische Arbeit sind seine
Plakatentwürfe für Ausstellungen, Veranstaltungen, Sammlungen und Fremdenverkehrswerbungen zu nennen. F ü r die ausgezeichneten Lösungen
dieser Aufgaben erhielt er mehrfach Auszeichnungen und Preise: Schon 1945, im zweiten J a h r seiner Lehre, wurde ihm bei 40 Einsendungen beim
Wettbewerb für das schweizerische Ursprungszeichen der 3. Preis zuerkannt; im gleichen J a h r erhielt er für zwei eingesandte Entwürfe im Wettbewerb für das Plakat der Winterhilfe den 2. und
3. Preis und 1946 bei einer Beteiligung der besten
Grafiker den 2. Preis. 1950 wurde ihm beim internationalen Wettbewerb für das Plakat der Biennale
in Venedig der 2. Preis verliehen.
Bemerkenswert sind auch seine Entwürfe für
Buch-Schutzhüllen zu: Mein Bruder Jonathan von
Francis Brett Young, Olivia von Olivia, besonders
aber zu Lüge und Zauberei von Elsa Morante. Wir
haben die Vorderseite dieser Arbeit als gültige Lösung grafischer Gestalt in unserer Bilderreihe reproduziert. I n diesem Zusammenhang seien auch
zwei Buch-Illustrationen erwähnt, von denen wir
ein Beispiel reproduzieren: Carl Spitteler, Unbekannte frühe Erinnerungen. Sonderdruck der
Buchdruckerei Keller & Co. AG., Luzern, mit 5
Illustrationen, und Maria Bachmann-Isler, Die
verschwundene Flöte, Alpha-Presse, Zürich, mit
ebenfalls 5 Illustrationen.
Es soll hier auch noch eine größere grafische
Arbeit erwähnt werden, die nächsthin veröffentlicht wird, eine Publikation über gute Gebrauchsschriften, die Alex Stocker zusammen mit Armin
H a a b geschaffen hat.
Zu diesen Hauptsektoren seiner grafischen T ä tigkeit kommt noch eine lange Reihe kleinerer
Aufträge: Geschäftsreklame, Prospekte, Vermählungs- und Verlobungsanzeigen, Glückwunschkarten, Titelblätter für Zeitschriften. Abschließend
erwähnen wir noch die Gestaltung einer N u m m e r
der Zeitschrift «Essence», zusammen mit Hosch
und Hellstern. Darin ist Stocker mit einem Kunstblatt u n d Illustrationen vertreten.
D a ß dieses vielseitige und ideenreiche grafische
Schaffen über die Grenzen der Schweiz hinaus
Beachtung fand, bezeugt die Würdigung, die Alex
Stocker als Grafiker in der deutschen Zeitschrift
«Gebrauchsgraphik» fand. Einige wesentliche Stellen aus dieser Würdigung durch Anton Sailer mögen unsere Hinweise abschließen: «Die Gewandtheit u n d Vielseitigkeit, die sich in den Arbeiten
dieses Schweizer Künstlers ausprägen, lassen nicht
vermuten, daß hier ein knapp Sechsundzwanzigjähriger a m Werke ist. Er ordnet sich jeder Aufgabe unter, saugt den geistigen Gehalt, den sie
aussprechen soll, sozusagen in sich hinein, und
sieht dann zu, in welcher Form sie schließlich Gestalt annimmt. Diese allerdings wird dann mit
einer Geschicklichkeit gemeistert, die überzeugend
ist. A. Stocker sagt selbst dazu, daß sein Bemühen
gar nicht darauf abzielt, einen eigenen graphischen
Stil zu kreieren, sondern daß er vielmehr diesen
aus der jeweiligen Aufgabe herauswachsen läßt.
Das ist ein Standpunkt, der vor allem die Auftraggeber erfreuen m u ß , während der Graphiker selbst
sich naturgemäß viel mehr Freiheit sichert. M a n
bekommt so richtig den Eindruck, d a ß hier eine
echte Begabung die eigenen Kräfte mißt und seine
Freude daran hat, in jeder Ausdrucksform firm
zu sein.»
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Zum Schluß fügen wir noch einige Worte über
die reproduzierten Zeichnungen und Bilder an.
Sie stehen als Beispiele für sein gesamtes künstlerisches Wollen.
Das Ölbild Ronco ist eine frühe aber eindringliche Demonstration seines Künstlertemperamentes. Die ungestüme Bewegtheit des Bildes reißt den
Beschauer mitten hinein in die strömenden Farbenfluten. Unten rechts beginnt die Sturmflut der
Farben und drängt sich nach links hinauf, staut
sich am Kirchturm, der diesem Impetus der Bewegung kaum zu widerstehen vermag und entladet
sich an der wirren Gedrängtheit des Dörfchens in
roten und dunklen Dächern, blauen und braunen
Sträuchern, um schließlich in flutenden Wogen
nach oben auszuklingen. Der Bergrücken der linken Seite führt die Bewegung, von Wolkenzügen
verstärkt, zur rechten Bildhälfte, wo sie an den
steilen Wänden des Berges in den See abfällt, um
hier in den Lasierungen des blauen Spiegels für
die neue Sturmfahrt Atem zu holen. Bewegung
ist das erste Element in diesem Bilde, Bewegung
als reißende Strömung von Farbenfolgen. U n d
dann die Farbe! Sie ist ebenso entscheidendes
Bildelement. Wirklich farbige Farben sind es, mit
breiten, forschen Pinselzügen aufgetragen, gereinigt von Dunst und Luft. Es ist, wie wenn der
vom Langensee heraufwehende Wind die Häuser
und Bäume klargefegt hätte. Das aufglühende Rot
des Hausdaches vor der Kirche trägt den farbigen
Hauptakzent, der durch schattiges Blau der Bäume und Sträucher im Gleichgewicht gehalten
wird. U n d Rot und Blau durchdringen sich gegenseitig in den Flutungen der hintergründigen Berge.
Auch noch in anderer Weise h a t das Bild eine
Ordnung erhalten. Denn die Diagonale, die von
der rechten untern Ecke nach links oben führt,
scheidet das Bild in zwei deutlich getrennte Teile,
die eine erregende farbige und rhythmische Kontrastwirkung erzeugen. Der in das rechte Bilddreieck hineinstoßende Kirchturm ist wie eine Brücke,
welche die beiden Bildgründe miteinander verbindet.
Kirchenbild klingt das H a u p t t h e m a vom hellen
Gelb über Orange bis zum purpurnen Rot auf,
festlich leuchtend über dem kontrastierenden Nebenthema der blauen und grünen Töne. U n d in
«Florenz» hebt sich aus dem R a h m e n des dunkelgrünen Vordergrundes und dem blauen Hintergrund in lichter Sanftheit der Dom mit dem Campanile und die Kuppel von San Lorenzo heraus.
I m Ölbild St. Tropez wird noch einmal offenbar, daß Alex Stocker nicht eine ruhende und harmonische Welt gestaltet. Das Bild ist voller Unruhe
und Bewegung. M a n spürt, wie ihn die nach allen
Richtungen ragenden und sich überschneidenden
Masten, T a u e , Kamine und Pfähle zur Gestaltung
lockten und wie er in den Farben diese Bewegtheit noch steigert. Aber das Bild hat Atmosphäre,
Unmittelbarkeit. Aus ihm steigt geradezu der Geruch von Salzwasser, Fischen, Teer, Holz und Farbe auf.
Das Bildnis Mädchen aus Südfrankreich
atmet
ursprüngliche Naturhaftigkeit. Auf dem schlanken
Hals, der wie eine Säule aus dem leicht angedeuteten Körper aufsteigt, erhebt sich das Antlitz, das
in einem weich gerundeten Oval gefaßt wird. Unter schweren Lidern blicken dunkle Augen, einfach schauend. Die Oberlippe liegt weich auf der
fast lockend hervorquellenden Unterlippe. Gesicht und Hals sind u m r a h m t vom schwarzblauen
Haar, das, auf der Scheitelhöhe von einem grünen
Kopftuch gefaßt, zu beiden Seiten wie in Kaskaden
schwer und üppig auf die Schultern fällt. Der farbige Grundton des Bildes ist braun, das ins helle
Gelb ausschwingt und da und dort sich zu einem
dumpfen R o t erhebt. Das weiche Grün des Kopftuches lichtet den erdhaft schweren Klang des Bildes auf.
Wie anders das Selbstbildnis. Wohl auch hier
die gleiche tonige Malart, die Zusammenfassung
in Brauntönen. Aber dort die naturhafte Selbstverständlichkeit des Daseins, hier kritische Bewußtheit. In den weit geöffneten Augen ist nicht
mehr bloßes Schauen. Sie scheinen die Dinge
durchschauen zu wollen, fragend und kritisch abmessend. Zugleich ist die Antwort dieses fragenden
Blickes in den Augen enthalten: Skepsis und Angst.
Ebenso stark aus der Farbe leben die Ölkreidezeichnungen Kirchen-Inneres
und Florenz. I m
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Das Gesicht des Mädchens ist weich gespannt, im
Selbstbildnis ist die Haut gestrafft, das Gerüst der
Knochen abzeichnend. Die Strenge des Gesichtes
wird noch betont durch die wie ein Pfeil vorstrebende Nase. Das Braun ist mit hellen und dunklen
Tönen durchsetzt und mit Grün- und Blautönen
vermischt.
Ein Blick auf die Zeichnungen und die BuchIllustration überzeugt, wie Alex Stocker mit wenigen Strichen treffsicher zu charakterisieren versteht. Und wie suggestiv wirkt der Buchumschlag
zu «Lüge und Zauberei». Das Thema des Buches
dämmert aus dem grau getönten Grund, flackert
in den unformen schwarzen Schatten, hat in jedem
einzelnen Buchstaben Gestalt angenommen und
wird in den im Spinnennetz verfangenen Worten
zusammengefaßt.
Die letzte künstlerische Äußerung Alex Stockers,
die zweifarbige Litho «Tunesischer Melonenverkäufer», ist die erste Jahresgabe der Zuger Kunstgesellschaft. Mit ihr hat der Künstler von seinen
Freunden und Bekannten Abschied genommen
und in ihr klingt noch einmal die reiche Spontaneität seines Wesens an.
Der frühe Tod hat hier ein starkes Talent auf
seinem Weg, mitten im kämpferischen Ringen,
überrascht und ihm die letzte Erfüllung versagt.
Die Kunst Alex Stockers ist uns aber im doppelten
Sinne ein Gleichnis des Lebens geworden. Dadurch, daß sie in der wechselnden Spannung zwischen naiver und kritischer Haltung ein Abbild des
unentwirrbaren Widerspruches im Menschendasein ist, vor allem aber deshalb, weil in ihr das
Werdende und Bewegte Ausdruck gefunden hat.
JOSEF BRUNNER
ANMERKUNGEN
LITERATUR
Josef Brunner, Zuger Maler, in «Das Buch vom Lande
Zug» 1952.
Anton Sailer, Werbegraphik von A. Stocker, in «Gebrauchsgraphik» 1953 Nr. 1.
Armin Haab, Nachruf im «Zugerbieter» Nr. 67/68, 1954.
DIE QUELLEN
zur vorliegenden Würdigung bildeten außer meinen persönlichen Erinnerungen der gesamte künstlerische Nachlaß, Mitteilungen der Eltern des Künstlers, der Freunde
und Bekannten, Skizzenbücher und Briefe. Es ist mir ein
Bedürfnis, an dieser Stelle zu danken: den Eltern des
Künstlers, Herrn und Frau P. Stocker-Wagner, den Herren Armin Haab, Max Hellstern, Dr. Oskar Fäh, Karl
Hosch, Hans Gruber, Gottlieb Soland und Josef Ebinger.
— Zu besonderem Dank verpflichtet sind die Herausgeber des Neujahrsblattes für die Beiträge, welche die
Bebilderung in diesem Umfange ermöglichten: Der Regierung des Kantons Zug, der Firma J. Haab, Söhne,
Neumühle Baar, der Familie P. Stocker-Wagner, Baar; der
Buchdruckerei Keller & Co. AG., Luzern für die Überlassung des Cliches zur Buch-Illustration und vor allem
auch der Firma E. Kreienbühl & Cie., Cliches, Luzern
für das große Entgegenkommen und die Überlassung
des Cliches «St. Tropez».
BILDNACHWEIS
Ronco, Öl auf Leinwand, 62 : 88 cm, 1948, Privatbesitz.
Kirchen-Inneres, ölkreide, 28,7 : 35,5 cm, 1950, Privatbesitz.
Selbstbildnis, ö l auf Leinwand, 57 : 43 cm, 1949, Nachlaß des Künstlers.
Mädchen aus Südfrankreich, ö l auf Leinwand, 50 :42 cm,
1949, Privatbesitz.
Florenz, Ölkreide, 20 : 28,3 cm, 1950, Nachlaß des
Künstlers.
St.Tropez, ö l auf Leinwand, 54 : 64 cm, 1949, Nachlaß
des Künstlers.
Kutscher, Bleistiftzeichnung, Originalgröße, 1950, Nachlaß des Künstlers.
Tunesier Knabe, Bleistiftzeichnung, 27 : 21 cm, 1950,
'Privatbesitz.
Knabe, Buch-Illustration, Originalgröße.
Lüge und Zauberei, Buch-Umschlag, Originalgröße.
Signet für den Regierungsrat des Kantons Zug.
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A L E X S T O C K E R - B U C H U M SC H L A G , V O R D E R S E I T E