Fac·hanwältin züchtet Rinder und Pferde

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landwirtschaftliches Wochenblatt
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HOFPORTRÄT
Fac·hanwältin züchtet
Rinder und Pferde
Statt in den Urlaub zu fahren, kümmert sich Arnhild Oelsmeier auf
ihrem Nebenerwerbsbetrieb in Rebbeke (Kreis Soest) um ihre Tlere.
E
in unscheinbares kleines
Häuschen zum Wohnen, da­
neben ein Pferdestall, 9 ha
Wiesen und Weiden, darauf ein gu­
tes Dutzend Rinder und Pferde:
Das ist der ganze „Bauernhof".
Hier am „Wildweg" des Altdorfes
Rebbeke (früher Amt Salzkotten­
Boke, Kreis Büren, heute Lipp­
stadt) lebt und wirtschaftet in ihrer
Freizeit die begeisterte Züchterin
Arnhild Oelsmei.er. Offiziell ist sie
Leiterin eines familiären Nebener­
werbsbetriebes. ,,Nicht Menge,
sondern Rasse und Klasse sind
meine Zuchtziele", erklärt die
38-Jährige und führt ihrem Besu­
cher stolz Vollblutstute Akasa­
ka xx und den ebenso mächtigen
wie friedvollen Aubrac-Bullen Fre­
deric mit jeweils eleganter Nach­
zucht vor: ,,Ihretwegen verzichte
ich auf jeden Urlaub und kümmere
mich lieber um meine Tiere!" Im
Hauptberuf ist die Rechtsanwältin
in einer Bürogemeinschaft mit drei
Kolleginnen in Paderborn tätig.
Oelsmeiers Spezialgebiet: Agrar­
recht. Vor wenigen Monaten be­
kam sie die Zulassung als „Fachan­
wältin für Agrarrecht".
zwar in Schweden." Von
Akasakas weiterer Nach­
zucht scheint die 2008
geborene Tochter Stern­
königin von Sandro Hit
besonders gute Veranla­
gungen zu haben. Nicht
zu übersehen Akasakas
Sohn Saburou (5). der
vor allem Talente für die
Respektieren und schätzen einander
Vielseitigkeit vorweisen
offensichtlich: Züchterin Arnhild
kann. Zusätzlich hat
Oelsmeier und ihr „Star'' Frederic
Frau Oelsmeier als Foh­
len die vierjährige Stute
Stella von Sandro Bedo auf ihren überhaupt zu bekommen. Erst ein
Betrieb geholt. Über den Erfolg ih­ Bericht im Landwirtschaftlichen
rer kleinen, aber feinen Halbblut­ Wochenblatt habe sie damals auf
,
zucht verrät sie vorsichtig: ,,Bisher den richtigen Weg geführt, berich­
2010 absolvierte der damals
haben sämtliche hier bei mir gebo­ tet Arnhild Oelsmeier. Ende 2010
siebenjährige Amaltin das
renen und aufgezogenen Pferde gelang es ihr dann sogar, mithilfe
M-Springen in Balve fehlerfrei.
von Leistung und Erlös her tadel­ des Versuchsguts Relliehausen der
los ihren Weg gemacht."
Universität Göttingen, zwei Zucht­
dann folgende Ausbildung der
tiere dieser Fleischrinderrasse di­
Halbblüter möglichst zu Spitzen­ „Frederic" führt die Herde an rekt aus Frankreich zu beschaffen.
leistungen im großen Turniersport
Aufgewachsen ist die passionierte
vertraut die sattelfeste Züchterin Die Zucht mit einer eigenen Mut­ Züchterin und Nebenerwerbsland­
bekannten westfälischen Toprei­ terkuhherde hat Arnhild Oelsmei­ wirtin auf der ebenfalls stets „ne­
tern an. Mit bislang eindrucksvol­ er vor sechs Jahren begonnen. Ro­ benbei" betriebenen elterlichen
len
Erfolgen:
Oelsmeier'sche buste, leicht kalbende Aubrac aus Hofstelle, wo der Vater Robert
Zuchtstuten und deren Söhne und den Bergen der französischen Au­ Oelsmeier (früher hauptamtlicher
Töchter weisen seit Jahren auf vergne sollten es sein, wegen ihres Bürgermeister von Delbrück) unter
Kreis-, Landes- und Bundesebene guten Charakters, ihrer hohen anderem eine Herde Rotbunte
immer wieder Platzierungen bzw. Fruchtbarkeit und ihrer Genüg­ hielt. Und dann war da noch Groß­
Inventar eher bescheiden
Siege in M- und S-Springen auf!
samkeit hinsichtlich Futter und onkel Josef, der bis zu seiner Pflege
Das landwirtschaftliche Inventar Mit der inzwischen 13-jährigen ganzjährigem
Weideaufenthalt. im Haus Oelsmeier dort lebte und
auf dem Anwesen in Rebbeke ist Vollblutstute Akasaka xx vom Ge­ Angeführt von dem ausgesprochen wirtschaftete, wo sich heute Arn­
eher bescheiden. Vor drei Jahren stüt Ebbesloh (Vater Sternkönig xx) friedfertigen Bullen Frederic, be­ hild Oelsmeiers Betrieb befindet,
hat Anwältin Oelsmeier, die seit hat die Zucht vor elf Jahren auf völkern inzwischen fünf Aubrac­ und zwar in einem alten Gebäude,
ihrem fünften Lebensjahr reitet Oelsmeiers „Ranch" überhaupt Herdbuch-A-Mutterkühe mit ih­ allein, äußerst bescheiden. Nach
und sich bis Leistungsklasse „L" erst angefangen. Und es geht im­ rem Nachwuchs 5 ha Eigentums­ dem Tod des Onkels fiel dessen Be­
qualifiziert hat, Treckerfahren ge­ mer noch weiter: 2003 kam Akasa­ wiesen plus 4 ha gepachtete sitztum am „Wildweg" in Rebbeke
lernt. Dann hat sie sich einen 67er­ kas Sohn Amaltin zur Welt. Dieser Weideflächen der Hobbylandwir­ an eine Erbengemeinschaft. Aus
Deutz 6806 angeschafft, mit dem brachte es bereits siebenjährig tin. ,,Unsere Aubrac anzuschauen, dieser heraus erwarb Robert Oels­
sie seitdem ihre Weiden pflegt und „fün&nal hintereinander zu Siegen ist immer ein Vergnügen. Experten meier dann Bau und zugehörige
selbst Heu produziert, teils im Ver­ in M-Springen und wurde in dem sprechen bei ihnen nicht ohne 20 Morgen Land südlich der Kreis­
tragsnaturschutz. Zu den ständi­ Alter sogar schon ,S'-platziert", Grund von ,Kühen mit dem schö­ grenze Paderborn-Soest für seine
gen (Freizeit-)Arbeiten der allein­ zählt die Eigentümerin auf. .,Zur­ nen Gesicht"', begeistert sich die Tochter Arnhild.
stehenden Juristin gehören das Zu­ zeit befindet sich Amaltin auf sei­ Züchterin. Zunächst sei es schwer Die Frage, woher Arnhild Oelsmeier
und Bereiten ihrer Jungpfetde. Die nem weiteren Weg nach oben, und gewesen, Aubrac-Herdbuchtiere die Kraft nimmt, tagtäglich als An­
wältin und tierzüch­
tende Nebenerwerbs­
landwirtin
durch­
ZUf!alten und erfolg­
zu
reich
sein,
beantwortet sich mit
Blick auf ihre Stamm­
familie von selbst: Va­
ter Robert hat soeben
im Kreis dreier Freun­
drei
binnen
de
Wochen die Strecke
St. Petersburg-Westen­
holz per Fahrrad be­
wältigt - und das mit
,,jugendlichen"
70 Jah­
Akasaka xx (rechts), Sohn Saburou als Fohlen (heute
��i ist das Wohnhäuschen, links der neue und
ren!
Friedrich
Schütte
fünfjährig) und Stute Gelsom,na (links) auf der Weide
-,
durchaus komfortable Pferdestall.