Karma und Schicksalsgestaltung - Welt

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Lektion Nr. 4
LEOBRAND
Inhaltsverzeichnis
1. Was bedeutet Karma? .................................................................................................... 3
2. Karma – das Gesetz von Ursache und Wirkung ............................................................... 3
3. Karma – das weise Gesetz der Allgerechtigkeit ................................................................ 4
4. Karma und Vergeltung ................................................................................................... 5
5. Die Verwechslung der Begriffe »Gott« und »Karma« .......................................................... 5
6. Karma und freier Wille ................................................................................................... 8
7. Karma und Charakter .................................................................................................... 9
8. Karma und Schicksal ..................................................................................................... 9
9. Die Arten von Karma ................................................................................................... 10
Gruppe I ..................................................................................................................... 10
a) Kriyamana-Karma, das neu entstehende Karma..................................................... 10
b) Prarabdha-Karma, das reife, unaufschiebbare Karma ............................................ 10
c) Sanchita-Karma, das Sammel- oder aufgespeicherte Karma ................................... 11
Gruppe II .................................................................................................................... 11
a) Das individuelle Karma ......................................................................................... 11
b) Das Gemeinschaftskarma ...................................................................................... 11
c) Das Kollektiv-Karma .............................................................................................. 12
Gruppe III ................................................................................................................... 12
a) Das Nachlebenskarma ........................................................................................... 12
10. Wie schafft man schlechtes Karma? ........................................................................... 12
a) Die Gier nach Besitz .............................................................................................. 12
b) Bedingungen, die Karma besonders erschweren ..................................................... 13
11. Wie schafft man gutes Karma? ................................................................................... 14
a) Die Bedeutung der Motive...................................................................................... 14
b) Das Streben nach Vollendung ............................................................................... 15
12. Positives Handeln, ein Zeichen höherer Vernunft ........................................................ 15
13. Greifen die Mächte des Lichts in das Karma ein? ........................................................ 16
14. Das Karmagesetz – die große Hoffnung ....................................................................... 16
Titelbild: „Harmagedon“, Gemälde von Nicholas Roerich, 1940.
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Karma und Schicksalsgestaltung
Karma und Schicksalsgestaltung
1. Was bedeutet Karma?
Der indische Begriff »Karma« findet in zunehmendem Maß Eingang in das abendländische Denken. Während der ähnliche Begriff »Kismet« im Islam ein Fatum, das heißt ein von
»Allah« vorherbestimmtes, unabwendbares Schicksal bedeutet, das angeblich nicht vom Menschen selbst geschaffen wurde, ist Karma ein der Gottheit beigeordnetes, aber dennoch unabhängiges Naturgesetz, das selbstständig und automatisch, zugleich aber auch absolut gerecht das menschliche Denken, Fühlen und Handeln richtet und dadurch für absolute und
ausgleichende Gerechtigkeit sorgt.
Ferner versteht man unter dem vom Sanskritwort »Kri« abgeleiteten Begriff »Karma«
auch jede Form von Handeln oder Tätig sein. Die indische Philosophie und Yoga-Wissenschaft
sieht in Karma also nicht nur das Gesetz von Ursache und Wirkung oder Aktion und Reaktion,
sondern auch die Arbeit selbst. Da wir andauernd etwas tun oder auch nichts tun, schaffen
wir ständig Karma. Auch Denken und Fühlen gehören schon zur Tätigkeit und ziehen entsprechende Folgen nach sich.
Es ist jedoch nicht nur die Tätigkeit selbst Karma, sondern auch die Wirkung, die
durch Denken, Fühlen und Handeln ausgelöst wird. Wir schaffen immer und überall Karma,
ob wir uns aktiv oder passiv verhalten, ob wir arbeiten oder nichts tun, auch wenn wir uns
dem Vergnügen oder der Bequemlichkeit hingeben.
Der Mensch gestaltet also immer Karma, und zwar ein gutes oder schlechtes, je nachdem, ob er Gutes oder Böses, wiederum subjektiv betrachtet, verursacht hat. Karma – als
Gesetz – entscheidet was wir verdienen bzw. was wir für unser Denken und Tun zurückerhalten. Wir haben deshalb die Möglichkeit, unser Schicksal selbst zu gestalten und sind für das,
was wir tun oder nicht tun (das heißt versäumen) auch verantwortlich. Jeder Mensch hat die
Macht, das zu sein oder zu werden, was er zu sein wünscht. Was wir jetzt sind, ist das Ergebnis früherer Gedanken und Taten. Was wir sein werden, wird das Ergebnis unserer gegenwärtigen Tätigkeit sein.
Aus diesem Grund muss der Mensch wissen, wie er zu handeln hat, das heißt er muss
das Gesetz von Ursache und Wirkung kennenlernen und danach seine Tätigkeit einrichten.
2. Karma – das Gesetz von Ursache und Wirkung
Die christliche Bibel lehrt: „Was der Mensch sät, das wird er ernten“ (Gal. VI/7). In
diesem Satz kommt in präziser Weise das Gesetz von Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion oder das sogenannte Karma-Gesetz zum Ausdruck. Diese universelle Einrichtung besagt, dass auf eine bestimmte Ursache, die wir durch Gedanken, Gefühle und Taten auslösen,
eine bestimmte, feststellbare Wirkung folgen muss.
Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion sind auf dem Gebiet der Naturwissenschaft schon lange anerkannte Tatsachen. Ja man kann sagen, dass die Fundamente des
Weltalls darauf fußen; denn nur dadurch wird eine funktionierende und gerechte Weltordnung garantiert, und die Ereignisse und Vorgänge in der Natur werden in einer so wunderbaren Weise geregelt, dass ein Leben und Zusammenleben der Menschen untereinander im
Sinn einer Allgerechtigkeit möglich wird. Erst durch die Kenntnis dieses Gesetzes finden die
scheinbaren Ungerechtigkeiten und die Verschiedenartigkeit der Menschen eine Erklärung,
die für jedermann annehmbar ist.
Das Gesetz von Ursache und Wirkung ist seinerseits unzertrennlich verbunden mit
dem Naturgesetz der Wiederverkörperung oder Wiedergeburt (Re-Inkarnation = Wiederfleischwerdung) und ermöglicht einen absolut gerechten Ausgleich in sämtlichen Belangen
des Lebens, allerdings nicht in einem einzigen kurzen Dasein, sondern in einer Kette von
Wiederverkörperungen bis zur geistigen Vollendung.
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Das Karma-Gesetz besagt, dass auf positive Ursachen im Sinn von Gut positive Wirkungen wie Glück, Freude, Harmonie usw. folgen müssen, auf negative Ursachen im Sinn
von Böse entsprechende negative Wirkungen wie Unglück oder Disharmonie. Karma ist also
im eigentlichen Sinn keine Vergeltung oder Strafe, die Gott dem Menschen auferlegt, sondern
die Wirkung eines weisen Gesetzes bzw. die Reaktion auf eine ausgelöste Ursache und somit
absolut unbestechlich und gerecht.
Man könnte den Menschen mit einem großen Laboratorium vergleichen, in dem durch
Gedanken und Taten ständig Aktionen ausgelöst werden, auf die entsprechende Reaktionen
folgen. Im kosmischen Geschehen sind alle menschlichen Ereignisse im guten wie im bösen
Sinn keine Belohnung oder Bestrafung, die ein allwissender Gott erteilt, sondern eine naturgesetzliche Reaktion auf eine ausgelöste Ursache. Niemand wird also im Sinn eines naturgesetzlichen Ablaufes belohnt oder bestraft, sondern erntet, was er gesät hat, und alle Ereignisse des irdischen Lebens sind schließlich nur Folgen vernünftiger oder unvernünftiger
Handlungen in Bezug auf das herrschende Naturgesetz.
Nachdem wir durch einen »Logos« in das geistige Dasein gerufen und mit einem freien
und schöpferischen Willen ausgestattet wurden, bestimmt nicht der Schöpfer oder ein blinder
Zufall unser weiteres Schicksal, sondern wir Menschen selbst. Wir tragen selbstverständlich
auch die weitere Verantwortung. Natürlich muss dafür ein Regulator vorhanden sein und
diesen bildet eben ein unpersönliches Gesetz der Natur. Zufall ist also das, was uns durch
Karma „zufällt“.
Wer sich der Mühe unterzieht, die Natur und die Vorgänge im Leben zu beobachten,
wird zu der Überzeugung gelangen, dass der Mensch durch seine Gedanken, Gefühle und
Taten in sich selbst eine bestimmte Anziehungskraft schafft. Diese Energien sind unauslöschbar in einer Welt der Ursachen vorhanden und bilden um den geistigen Kern des Menschen
einen sogenannten Kausal-(Ursachen-)Körper, der das eigentliche menschliche Ich gleich einem Kraftfeld umgibt und entsprechende Wirkungen auslöst. Wie der Magnet Eisen anzieht,
so rufen die in uns eingelagerten Ursachen entsprechende Folgen hervor. Alle unsere Gedanken, Gefühle und Taten sind als Energien in unserem Kausalkörper eingeschlossen und ziehen im entsprechend günstigen Moment die Folgen nach sich.
Die Menschen gestalten selbstverantwortlich ihr Schicksal, unabhängig davon, ob sie
das Gesetz von Karma kennen oder nicht. Der Wissende wird daher vorsichtiger in seiner
Handlungsweise. Solange der Mensch keine Kenntnis von Karma besitzt, schreibt er Lohn
und Strafe, die ihm vom Schicksal zukommen, fälschlich entweder Gott oder einer unbekannten Vorsehung, vielleicht auch irgendeinem fatalen Umstand zu, der scheinbar außerhalb
seiner Reichweite liegt.
3. Karma – das weise Gesetz der Allgerechtigkeit
Man ist leicht versucht, unter Karma nichts anderes zu sehen, als man sich unter dem
Begriff Schicksal oder Los vorstellen kann. Während sich jedoch im Begriff Schicksal etwas
Fatales oder Zufälliges verbirgt, das außerhalb der menschlichen Kompetenz liegt und keiner
Berechnung unterzogen werden kann, ist Karma in Wahrheit eine systematische Weisheit.
Diese lässt sich erforschen und gibt die Möglichkeit, sich ihrer Gesetzmäßigkeit anzupassen.
Karma ist aber auch ein strenger Rächer eines jeden Unrechts, ein Vergeltungsgesetz,
das mit völliger Unparteilichkeit reagiert oder, wie die Menschen sagen, belohnt und bestraft
ohne Unterschied der Person. Es kann deshalb auch durch Gebete nicht verhindert, abgeändert oder erweicht werden, sondern nur durch entsprechende Bestrebung und Wiedergutmachung, indem man den negativen Gedanken die Kraft positiver Gedanken und den negativen
Handlungen positive Taten entgegenstellt. Auch das bürgerliche Gesetz verlangt Wiedergutmachung, sonst würde die Ordnung im Zusammenleben der Menschen gestört sein.
Würde das Karmagesetz im Weltall nicht bestehen, wären keine Gerechtigkeit und
keine Wahrheit möglich. Würde es aber keine Gerechtigkeit und Wahrheit geben, könnte das
Weltall nicht existieren. Das einzige aber, worauf wir uns im Leben wirklich verlassen können,
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Lektion Nr. 4
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ist die absolute Gerechtigkeit im Weltall. Nur kann diese nicht in einem einzigen Leben zur
Auswirkung gelangen, da die Wirkungen auf unsere Gedanken und Taten an keine bestimmte
Frist gebunden sind. Man kann nicht sagen, dass die Reaktion sofort oder in 10 Jahren erfolgen muss, sie kann auch erst in hundert oder tausend Jahren eintreten, das bedeutet
sobald entsprechend günstige Bedingungen geschaffen wurden und wir jenen Menschen begegnen, an denen wir etwas gutzumachen oder die an uns eine Schuld abzutragen haben,
falls wir uns daran gebunden fühlen. Und so lehrte auch Christus: „Es gehet keiner von dannen, ehe er den letzten Heller bezahlte.“ Da dies aber in einem einzigen Leben nicht möglich
ist, sind zahlreiche Wiederverkörperungen nötig. Damit ist eindeutig der Beweis erbracht,
dass auch das Christentum Karma und Wiedergeburt ursprünglich gekannt hat und diese
Erkenntnisse erst im Laufe der Jahrhunderte verlorengingen bzw. nicht mehr verstanden
wurden.
4. Karma und Vergeltung
Karma wird auch als das Gesetz der Vergeltung bezeichnet. Für positive Gedanken,
Gefühle und Taten erhält man positive, für negative entsprechend negative Resultate. Die
Vergeltung an sich aber ist weder positiv noch negativ.
Karma verlangt nicht, dass der Mensch als Rächer auftritt, und der Bibelspruch „Mein
ist die Rache“ bezieht sich auch nicht auf Gott, sondern auf das Karma-Gesetz. Der Mensch
soll Böses immer mit Gutem vergelten und hat kein Recht auf Rache. Wohl werden viele Menschen durch Karma dazu bestimmt Werkzeug bzw. Hammer des Schicksals für andere zu
sein, doch soll sich niemand freiwillig oder unberufen zum Richter aufwerfen und kraft freier
Entscheidung den Hammer des Schicksals spielen, der seinen Bruder aus Hass oder Rache
niederschlägt, sondern die gerechte Vergeltung dem Karma-Gesetz überlassen.
Wer in die Räder des Karma-Gesetzes eingreift, schafft sich neues, meist negatives
Karma oder zumindest neue Bindungen, selbst dann, wenn er nach außen hin keine Tat setzt,
sondern nur in Gedanken und Gefühlen Rache übt; denn Gedanken sind bereits eine ungeheure Macht und die Primärquelle jedes Geschehens. (Siehe Lektion 5 der Briefe über Lebendige Ethik „Die Macht und Bedeutung der Gedanken“.)
„.....Karma ist die komplizierteste Erscheinung. Es umfasst alle Erscheinungen in unterschiedlichster Vielfalt, von einer zufälligen Tat bis zu den auslösenden Motiven. Man muss genau
prüfen, ob es möglich und auch nützlich ist, sich in fremdes Karma einzumischen. Man bedenke
jedoch, dass es Fälle von Selbstaufopferung und Fälle von nützlichem Eingriff in das Schicksal
anderer geben kann. Die Feuer ermöglichen es, die Zweckmäßigkeit der Einmischung zu beurteilen. Feuer sind die besten Gradmesser für eine Beurteilung, denn in diesen ist das innere Bewusstsein mit dem Bewusstsein des Raumes vereint, nichts verleiht eine derart lebendige Vorstellung der Begleitumstände, wie die vielfältigen Erscheinungen der Feuer. Ihr seht, wie real
abstrakte Vorstellungen von Erlösung und räumlichem Feuer dadurch werden!“ (AY § 417)
Man soll immer und überall verzeihen, um alle Bindungen zu lösen. Wer nicht verzeihen kann, bleibt an die Menschen, die er hasst, karmisch so lange gebunden, bis diese Fäden
sich in Liebe und Versöhnlichkeit aufgelöst haben. Daher ist es zur Reinigung des negativen
Karmas wichtig, ständig Gedanken der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe auszusenden.
5. Die Verwechslung der Begriffe »Gott« und »Karma«
Wenn das ethische Gesetz bereits vom Menschen verlangt, dass er Böses mit Gutem
vergelte, wie könnte man dann von einem allgütigen und allbarmherzigen Gott vermuten, dass
ER Böses mit Bösem vergilt. Tatsache jedoch ist, dass der Mensch für negative Ursachen, die
er in Gedanken, Gefühlen und Taten aussendet, Böses zurückerhält, für positive Ursachen
hingegen Gutes. So kann daher das böse Schicksal nicht von Gott kommen. Woher aber kommen dann die bösartigen Reaktionen?! Wer also bestraft dann den Menschen, wenn er
schlecht denkt und handelt?
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Die Strafe kommt nicht von Gott, sondern ist die Reaktion einer negativen Kraft, die
wir ausgelöst haben. Gott hat mit Lohn oder Strafe überhaupt nichts zu tun und kann deshalb auch diesbezüglich gar nicht erweicht oder um Verzeihung gebeten werden. Die Vorstellung der christlichen Theologie, dass Gott die Menschen belohne oder bestrafe, ist daher einer
der größten Irrtümer, die auf dem Gebiet des Glaubens jemals verbreitet wurden.
Diese irrtümliche Vorstellung wurde leider aus dem Alten Testament jüdischen Ursprungs übernommen. Moses hatte seinerzeit große Schwierigkeiten, die jüdischen Stämme
von der Vielgötterei abzubringen und prägte darum die Vorstellung über den rächenden und
strafenden Gott. Zur weiteren Abschreckung der Gläubigen wurde diese auch ins Neue Testament übernommen, obwohl Christus nur von einem Gott der Liebe sprach und Hinweise
auf das Gesetz von Ursache und Wirkung gab, die leider nicht verstanden wurden.
Da war selbst die altgriechische Vorstellung von den Erinnyen und der Göttin Nemesis
wesentlich besser und genauer. Unter den Erinnyen verstand man die nach Rache durstenden Seelen der Ermordeten, welche zu Dämonen der Unterwelt wurden, um die Übeltäter im
Leben strafend zu verfolgen. Zugleich aber kann man in ihnen die negativen Gedankenkräfte
und Handlungen der Menschen selbst sehen, welche uns überall und allzeit verfolgen, bis sie
aufgelöst sind. Die Göttin Nemesis entspricht der Vorstellung von Karma. Sie wird als unparteiische Richterin mit verbundenen Augen dargestellt, um völlig objektiv bleiben zu können;
in der einen Hand die Waage, in der anderen das Schwert.
Um das Geschehen in der Natur besser erläutern zu können, hat man im Altertum
Naturgesetze personifiziert und zu Göttern erhoben. Es gibt jedoch keinen Gott der Rache,
sondern nur einen der Liebe. Wer an Rache denkt, ist kein Gott, sondern ein Dämon. Je mehr
wir uns vervollkommnen, umso mehr Liebe und Mitleid müssen wir aufwenden.
Der Mensch wird deshalb nicht von einem Hohen Wesen gerichtet, das allgütig und
allbarmherzig ist und mit solchen Eigenschaften auch dem größten Verbrecher sofort verzeihen müsste; denn dadurch wäre die Allgerechtigkeit allen andern Menschen gegenüber und
somit die Weltordnung aufgehoben. Eine Welt, die jedoch auf Ungerechtigkeit aufgebaut wäre,
könnte keinen Bestand haben. Die Unverrückbarkeit und Beständigkeit der Grundlagen eines
Kosmos geben die Garantie für eine bleibende Weltordnung.
Wie könnte aber von einer Allgerechtigkeit die Rede sein, wenn Gott jedermann verzeihen würde, auch dem größten Verbrecher, wenn dieser IHN darum bittet. Aufgrund Seiner
Allbarmherzigkeit und Allgüte müsste ER es aber tun, sonst würde ER über diese Eigenschaften nicht verfügen. Gott in Seiner Allgüte und Allbarmherzigkeit müsste sich auch von einem
bösen Menschen sofort erweichen lassen und diesen ebenso gut behandeln wie den guten,
wenn dieser IHN darum bittet, sonst wäre ER nicht allbarmherzig. Wird Gott aber nachgiebig
und erlässt dem Bösen die Strafe, so ist ER dem Guten gegenüber nicht gerecht.
Der Gute versteht es vielleicht auch gar nicht, ebenso zu betteln wie der Böse und
könnte dadurch benachteiligt werden. Das kann ein allgerechter Gott wiederum nicht zulassen. Würde ein allbarmherziger Gott das Schicksal der Menschen gestalten, gäbe es wahrscheinlich überhaupt keine Strafe mehr, denn jeder Verbrecher würde um Verzeihung bitten
und diese auch ohne Wiedergutmachung erlangen. Damit wäre aber die Weltordnung gestört,
es gäbe keine Gerechtigkeit mehr, sondern nur noch ein Chaos.
Darum erfolgt die Vergeltung nicht durch ein Wesen, das subjektiv sein könnte und
von dem man unbedingt Barmherzigkeit und Verzeihung erhoffen kann, sondern durch ein
unpersönliches und gerecht waltendes Gesetz, das über kein fühlendes, weiches Herz verfügt
und deshalb auch durch Bitten nicht umgestimmt und nicht erweicht werden kann. Nur dieses Gesetz ist absolut gerecht und verlangt von jedermann Wiedergutmachung ohne Ansehen
der Person und unabhängig von der Zeit. Es liegt am Menschen, ob er sich diesem Gesetz
unterordnet oder nicht. Je nach dem Verhalten kann man das Gesetz zum Freund oder zum
Feind haben.
Diese Tatsache wird überdies auch durch die biblische Legende vom verlorenen Sohn
bestätigt, obwohl Vertreter der alten Weltanschauung gerade durch dieses Beispiel nachzuweisen versuchen, dass es gleichgültig ist, ob jemand sündigt oder anständig bleibt, ja dass
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sogar derjenige, der den Mut besitzt, in die Sünde unterzutauchen, von Gott mehr geliebt
wird, weil im Haus des Vaters die Rückkehr des verlorenen Sohnes mit größter Freude gefeiert
wird. Um die Gerechten braucht man sich ja nicht zu kümmern; denn diese bleiben von selbst
gut und anständig. So sieht die Sache bei oberflächlicher Betrachtung aus.
Bei genauerer Untersuchung ist jedoch gerade diese Legende ein Beweis für die Unerbittlichkeit des Karma-Gesetzes einerseits und für die göttliche Hilfe und Barmherzigkeit andererseits, welche jedoch die von Karma verlangte Wiedergutmachung nicht aufhebt. Der verlorene Sohn zog aus, um sein Erbe bei Festgelagen mit Freunden und lockeren Frauen zu
verprassen. Die Reaktion des Karma-Gesetzes kam rasch und unerbittlich. Der verlorene
Sohn geriet in tiefsten Jammer und musste sein Essen und sein Lager sogar mit den Schweinen teilen. Dermaßen gestraft und gedemütigt fühlte er das Verlangen, in das Vaterhaus zurückzukehren. Nicht Gottvater hat ihn jedoch bestraft, sondern Karma, das bedeutet die eigenen negativen Ursachen kamen als entsprechende Wirkung zurück.
Der liebende Vater, als Allegorie für den Gott der Liebe und Barmherzigkeit, erwartete
den verlorenen Sohn, nahm ihn liebevoll auf und verzieh ihm vollkommen. Das muss ja auch
der Mensch tun. Selbstverständlich herrschte über die Rückkehr auch größte Freude. Trotzdem entging der verlorene Sohn nicht der Verpflichtung zum Büßen seiner Schuld, sonst wäre
er nicht bei den Schweinetrögen gelandet. Nur das Leid und Elend als Lehrmeister und Richter zwangen ihn zur Umkehr in das »Vaterhaus«. Diese aber erfolgte erst nach entsprechender
Bestrafung. Ohne Strafe wäre der Impuls zur Rückkehr nicht ausgelöst worden.
Die Bestrafung und die Verpflichtung zur Wiedergutmachung in einer von Karma individuell bestimmten Form muss es geben, sonst wäre jeder Mensch der anständig bleibt ein
Dummkopf, der sich schindet und plagt, um durch mühevolle Arbeit sein Brot zu verdienen,
während man andererseits ohne Bestrafung auch durch Faulheit, Diebstahl usw. die gleichen
günstigen Resultate erzielen könnte. Sicherlich mag dies, wie das Leben zeigt, wohl vorübergehend möglich sein, bei Einzelmenschen und ebenso bei Völkern und Staaten. Doch auch
in der Weltpolitik gibt es Rückschläge.
Nun muss auch noch die Frage nach der Allwissenheit und Allmacht Gottes in Bezug
auf Karma untersucht werden. Wir sehen nämlich, dass Gott Verbrechen, Katastrophen und
Kriege scheinbar zulässt. Warum tut ER das? In Seiner Allmacht besäße ER doch die Möglichkeit, jedes Unheil zu verhindern. Ein allwissender, allgütiger und allmächtiger Gott
müsste es auch tun! Wir kommen daher zu der Überzeugung, dass sich die christliche Theologie in Bezug auf Gott und die Gestaltung des menschlichen Schicksals in völliger Unwissenheit befindet.
Da die Sache mit den Attributen Gottes nicht richtig ist, kommen wir zu der Überzeugung, dass sich die Theologen geirrt haben und Gott in das Schicksal der Menschen überhaupt
nicht eingreift, auch die sonstigen Mächte des Himmels nicht, sondern dass sich das Geschehen
auf der Erde im Rahmen der menschlichen Willensfreiheit vollzieht und der Mensch sogar Naturkatastrophen hervorruft und für diese verantwortlich ist. Der Mensch kann tun und lassen
was er will, muss jedoch aufgrund des Karma-Gesetzes die Verantwortung für die Taten übernehmen. Wurde jemand auf wunderbare Weise gerettet, so wurde ihm Höhere Hilfe zuteil, sei
es, dass günstige karmische Verhältnisse vorlagen, sei es, dass ihm himmlische Wohltäter (Engel, Devas, Schutzgeister) beistanden und seine Schuld übernahmen.
Die theologische Vorstellung vom rächenden und strafenden Gott hält auch einer kritischen Untersuchung nicht stand und muss deshalb durch das Wissen von Karma ersetzt
werden. Ein Gott, der fein säuberlich wie ein Buchhalter Aktiva und Passiva bei jedem Menschen registriert, ist unvorstellbar, andererseits ist ein ungerechter Gott für einen denkenden
Menschen unannehmbar. Die Gestaltung des menschlichen Schicksals kann in seinen Auswirkungen als Lohn oder Strafe nicht Sache eines Gottes oder einer Gottheit sein, sondern
nur die Auswirkung ganz natürlicher Energien, die wir selbst geschaffen haben. Sie sind in
zweckentsprechenden kausalen Kraftfeldern des Menschen eingelagert und gelangen in geeigneter Stunde zur Auswirkung bzw. müssen ausgelebt werden, auch wenn sich dies auf
Jahrtausende erstrecken würde. Nur so ist eine ausgleichende Gerechtigkeit möglich.
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In Unwissenheit versuchen die Kirchen die Ungerechtigkeit des Lebens mit den Sünden der Väter zu erklären. Das ist in einem gewissen Sinn richtig; doch die Väter waren wir
selbst in früheren Inkarnationen und jetzt erhalten wir zurück, was von uns einst ausgesät
wurde. Die christliche Kirche weiß dies allerdings nicht und anerkennt auch das Gesetz der
Wiederverkörperung nicht, wird sich aber früher oder später bei zunehmender Aufklärung
der Menschen dazu bekennen müssen, denn auch in den zurechtgefeilten Evangelien sind
noch genügend Hinweise dafür vorhanden.
Eine weitere theologische Erklärung besteht darin: „Der Mensch wird für die Zukunft
bestraft. Wen Gott liebt, den lässt ER leiden.“ Das wäre allerdings ein schrecklicher Gott und
fürchterlicher Sadist. Keine Mutter und kein Vater werden ihr Kind deshalb leiden lassen,
weil sie es lieben, sondern werden versuchen, es vor Leid zu bewahren. Wem aber diese zwei
theologischen Erklärungen nicht genügen, dem wird gesagt: „Die Wege des Herrn sind unerforschlich“. Die Wege des Herrn sind allerdings für jene Theologen unerforschlich, die sich
nicht der Mühe unterziehen, die Lehren der Meister zu studieren und das Leben mit seinen
Naturgesetzen zu beobachten.
Es gibt keine Ungerechtigkeit im Weltall. Führt jemand ein glückliches Leben, so hat
er dieses in einer früheren Inkarnation verdient. Wer jetzt leidet, büßt Fehler der Vergangenheit. Wer gegenwärtig ein unwürdiges Leben führt, schafft sich Leiden für die Zukunft. Jeder
erntet, was er sät. Hier muss man allerdings einflechten, dass es völlig abwegig wäre zu glauben, dass sich ein gutes Karma vielleicht lediglich am Besitz irdischer Güter zeige und am
Geldbeutel oder Bankkonto abzulesen wäre. Im Gegenteil, die irdischen Güter binden und
bilden eine Hauptquelle für ein kommendes negatives Karma, solange der Mensch zum Besitz
noch keine geistige Beziehung erlangt hat. Ein gutes Karma zeigt sich vorwiegend in der seelischen Ausgeglichenheit, Harmonie und Zufriedenheit. Das sind also innere seelische Zustände, die Glückseligkeit bereiten und oftmals in der Hütte eines Armen eher anzutreffen
sind als im Palast eines Reichen. Sicherlich kann auch ein Reicher oder Machthaber der Erde
ein gutes Karma haben, wenn er es versteht, seine Güter oder seine Macht im Dienste seiner
Mitmenschen zu gebrauchen. Diogenes im Fass war jedenfalls erhabener und glücklicher als
sein königlicher Besucher Alexander.
6. Karma und freier Wille
Je mehr das menschliche Bewusstsein wächst und sich der Mensch entfaltet, um so
mehr tritt die Kraft seines Willens in Erscheinung. Die kosmischen Gesetze lassen diesem
volle Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. In diesem Sinn hat der Mensch einen
freien Willen, mit dem er sein Schicksal selbstverantwortlich gestaltet. Er kann jeden beliebigen Weg beschreiten, den er für sich als wünschenswert, gangbar und notwendig erachtet.
Keine höheren Führungskräfte des Alls üben auf den Willen des Menschen Gewalt aus, doch
es gibt eine Beschränkung des freien Willens, ja dieser kann durch das Gesetz von Ursache
und Wirkung sogar aufgehoben werden.
Das Karma-Gesetz verlangt volle Verantwortung für Gedanken, Gefühle und Handlungen, ausgelöste Ursachen bringen bestimmte Wirkungen. Auf diese Weise hemmt also das Naturgesetz den freien Willen, das bedeutet es legt ihm schwere Beschränkungen auf, da wir für
unsere Gedanken und Taten die Verantwortung übernehmen müssen. Das Gesetz zwingt uns
gut und anständig zu handeln, weil wir sonst unsere eigenen größten Feinde wären. Es gibt in
Wahrheit keine absolute Willensfreiheit, sondern nur eine relative. Es gibt jedoch eine absolute
Wahlfreiheit zwischen den unzähligen Möglichkeiten des Auf- und Abstieges, die Wahlfreiheit
zwischen Gut und Böse bleibt erhalten. Damit ist gleichzeitig auch die philosophische Streitfrage über „Determinismus oder Indeterminismus“ beantwortet. Man muss zum besseren Verständnis allerdings auch noch die nächsten Kapitel über die Arten von Karma gründlich studieren und wird dann sehen, dass bis zu einer bestimmten Grenze beide philosophischen Ansichten recht behalten.
Die Wahl zwischen Möglichkeiten entscheidet der Charakter des Menschen. So wird
man auch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit voraussagen können, wie jemand in dieser oder
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jener Situation handeln wird, wenn man den Charakter dieses Menschen kennt. Könnte der
freie Wille unbeeinflusst entscheiden, so wäre dies nicht möglich.
Karma formt seinerseits wiederum den Charakter, da dieser das Ergebnis der gesammelten Erfahrungen aus diesem und früheren Leben ist. Karma entscheidet das Schicksal
und beeinträchtigt den freien Willen durch den absoluten Zwang zur Verantwortung. Der
Wissende und Erkennende weiß welche Folgen er verursacht, er kann nur noch in positivem
Sinn handeln; tut er es nicht, so schädigt er sich selbst bewusst.
Es gibt natürlich viele Fälle, in welchen es sehr schwer ist, die richtige Wahl zu treffen.
Wie oft wird im Leben ein falscher Weg eingeschlagen. Es gibt aber auch viele Fälle, wo man
unentrinnbar in einen Wirbel hineingerissen wird. Das sind Fälle, in denen unaufschiebbares
Karma ausgelebt werden muss, ob dies nun gute oder böse Folgen nach sich zieht. In allen
Fällen, in denen jedoch die Wahlfreiheit besteht, gibt es einen inneren Wegweiser, der dem
Menschen immer anzeigt, wenn er einen unrichtigen Pfad beschreitet. Dieser Wegweiser ist
das Herz. Deshalb sagt auch schon ein altes Sprichwort, dass man der Stimme des Herzens
gehorchen müsse, obwohl auch trotz dieser oft Entscheidungen getroffen werden können, die
Leid oder Fehlschläge verursachen, doch das vor allem dann, wenn die Folgen karmisch bedingt und nicht zu verhindern sind. Doch das fühlende und mitleidige Herz wird immer in
gutem Sinn entscheiden und negatives Karma beenden.
Der freie Wille ist auch starken Schwankungen unterworfen, weil im Menschen zwei
gegensätzliche Pole eingelagert sind, nämlich das niedrige, aus dem Tierreich stammende
Selbst, das ihn ständig nach unten zieht, und das höhere göttliche Ich, welches versucht, ihn
mit der Monade und dem göttlichen Bewusstsein zu vereinen. Je nach geistiger und ethischer
Entwicklung eines Menschen wird bald das eine, bald das andere den Sieg davontragen.
7. Karma und Charakter
Die Wirkungen des Karma-Gesetzes bilden den Charakter. Dieser besteht aus der Gesamtsumme der Neigungen und dem Ergebnis unseres Verhaltens oder unserer Einstellung
zu Freund und Feind, Gut und Böse, Glück und Unglück, Freud und Leid. Wer Böses tut,
wird auch in seinem Charakter schlechter, wer hingegen bestrebt ist gute Werke zu vollbringen, wird innerlich gereinigt und somit befähigt, Gutes zu tun. Für die Bildung des Charakters
ist also die Bestrebung zum Guten von besonderer Bedeutung.
Man kann verfolgen, dass Not, Entbehrung und Unglück sowie schwere Schicksalsschläge die besten und größten Charaktere geschaffen haben. Not und Armut sind ein besserer Lehrmeister als Reichtum. Tadel und Kritik geben Ansporn zu besseren Leistungen, doch
man muss sich vor Spott hüten, denn dieser ist ein schädlicher Erzieher.
Der Mensch entdeckt und entwickelt das Wissen in sich selbst. In seiner eigenen göttlichen Seele ist der Ursprung alles Wissens. Er zieht Gutes und Böses, Glück und Unglück,
Freude und Leid an und sendet es auch wiederum aus, wobei er Karma schafft. Durch die
Rückschläge aber entwickelt sich seine Erkenntnis, und die Erkenntnis formt den Charakter.
Selbstbemeisterung ist der Weg zu einem festen und machtvollen Willen und zu einem edlen
Charakter.
8. Karma und Schicksal
Der ständige Kampf zwischen dem höheren und dem niederen Ich im Menschen und
die dabei fallenden Entscheidungen sowie das Karma gestalten unser Schicksal. Der Mensch
wird zum Schöpfer seiner inneren Wesenheit und gleichzeitig zum Schöpfer seines Karmas.
Sämtliche Taten eines guten oder bösen Willens, jeder Wunsch und jeder Gedanke
egoistischer oder altruistischer Natur werden in den entsprechenden Welten entsprechende
Folgen entstehen lassen, und alle diese Faktoren bestimmen das Karma für die zukünftigen
Inkarnationen.
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Sehr viele Menschen fallen von einer Verwirrung in die andere, denn die niedere Natur
hat die Herrschaft über sie erlangt und stößt sie vom Pfad, auf dem ihr höheres Ich sie zu
lenken versucht. Den Menschen fehlt auch im Allgemeinen die Kenntnis über die kosmische
Evolution und sie glauben daher, dass diese lediglich im Fortschritt der Zivilisation zu sehen
sei, der jedoch sehr fragwürdig erscheint. Zivilisationen verfallen und mit ihnen auch Kulturen, übrig bleibt der Mensch mit seinen Lebensproblemen und kosmischen Aufgaben, die er
immer wieder aufs Neue anzufassen hat.
9. Die Arten von Karma
Gruppe I
a) Kriyamana-Karma, das neu entstehende Karma
Wenn der Mensch zur Erde wiederkehrt, steht er in Bezug auf Karma vor drei Möglichkeiten. Erstens, er schafft neues Karma, das »Kriyamana-Karma«, wie es nach der Sanskrit-Terminologie genannt wird; es ist das zum Keimen kommende oder das in jeder Inkarnation neu geschaffene Karma. Dieses bildet die Saat für die Zukunft und entsteht durch Gedanken, Gefühle und Taten im gegenwärtigen Leben. Viele der ausgelösten Ursachen können
noch im gleichen Leben getilgt werden, der Rest wird für die nächstfolgenden Inkarnationen
aufgespeichert – das ist die zweite Möglichkeit. Die dritte besteht darin, dass man einen bestimmten Teil des aus früheren Leben aufgespeicherten Karmas unaufschiebbar in diesem
Leben zu tilgen hat, und zwar das sogenannte reife oder nicht aufschiebbare Karma. Die Möglichkeit, kraft der Wahlfreiheit des Willens ständig neues Karma zu schaffen, ist eine Bestätigung für den philosophischen »Indeterminismus«.
b) Prarabdha-Karma, das reife, unaufschiebbare Karma
Das reife oder unaufschiebbare Karma ist jener Teil des Karmas, der aus früheren
Inkarnationen aufgespeichert ist und durch das Karma-Gesetz bzw. die »Herren des Karma«,
welche die Wiedergeburten überwachen, zum Ausleben in einem Leben ausgewählt und vorbestimmt wird, in dem die Momente des Auflösens durch Zusammentreffen mit Menschen,
mit denen uns karmische Fäden verbinden, am günstigsten erscheinen. Dieses Karma muss
abgetragen und darf nicht zurückgelegt werden. Wird es dennoch aufgeschoben, so entstehen
für die Tilgung ganz besonders schwierige Bedingungen.
Diese Art von Karma ist also jenes Fatum oder Kismet, dem wir nicht entrinnen können und von dem die Moslems glauben, dass Gott es jeder Seele bei der Geburt in die Wiege
lege. Man hat jedoch im Islam völlig übersehen, dass nicht alles, was sich im Leben des Menschen ereignet, Kismet oder aufgespeichertes Karma ist. In diesem Fall würde ja der Mensch
weder einen freien Willen noch irgendeine Denk- und Handlungsfreiheit haben. PrarabdhaKarma ist also auch der philosophische »Determinismus«, die Unfreiheit im Denken und Handeln, welcher der Mensch nicht entgehen kann.
Das Leben aber beweist, dass nicht nur Unfreiheit, sondern auch Freiheit existiert. Es
gibt Ereignisse, die völlig neu entstehen und solche, die vorherbestimmt sind. Jedermann
kann bei einem Verkehrsunfall oder auch in einem Krieg durch Verschulden anderer zugrunde gehen, was in seinem Karma noch gar nicht vorgesehen sein muss, in vielen Fällen
allerdings schon reifes Karma sein kann. Die Wahrscheinlichkeit einer Rettung erscheint bei
Menschen, bei denen neues Karma geschaffen wird, wesentlich größer. Bestünde keine Möglichkeit, ständig neues Karma zu schaffen, müsste das alte bald zu Ende gehen oder es
müsste tatsächlich »Allah« auf die unglücklichen Menschen ständig wahllos Gut und Böse
herabregnen lassen. Das wäre allerdings ein grausamer Gott, der seiner Moral nach tiefer
stünde als die meisten Menschen. Diese Vorstellung ist jedoch unannehmbar.
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Lektion Nr. 4
Karma und Schicksalsgestaltung
c) Sanchita-Karma, das Sammel- oder aufgespeicherte Karma
Das Sammel- oder aufgespeicherte Karma bildet das restliche Karma aus früheren
Inkarnationen, das aus verschiedenen Gründen nicht ausgelebt oder ausgelöscht werden
konnte, da die Bedingungen für die Tilgung nicht gegeben waren und deshalb noch abgewartet werden müssen. Dieses Karma wird so lange aufgespeichert, bis die Stunde gekommen
erscheint, wo es in das reife und unaufschiebbare Karma eingereiht werden kann.
Gruppe II
a) Das individuelle Karma
Karma muss sowohl nach zeitlichen als auch nach persönlichen und Gemeinschaftsbegriffen unterteilt werden. Den breitesten Raum nimmt wohl das individuelle oder persönliche Karma ein. Beim individuellen Karma treten die Folgen der einzelnen Ursachen ganz
deutlich in Erscheinung.
Im Kosmos ist alles miteinander verbunden und untereinander verflochten. Man kann
nichts zergliedern oder voneinander trennen. So ist auch das individuelle Karma mit sämtlichen anderen Arten, die auf gemeinschaftliche Bindungen hinweisen, verknüpft. Es gibt keinen Menschen, der ohne Gemeinschaft leben könnte, und so ist auch jedes individuelle
Karma mit allen möglichen Gemeinschaften verwickelt.
Karma ist auch in Bezug auf die Wirkung, die auf eine bestimmte gleiche Tat erfolgt,
individuell. Es kann daher nicht wie beim bürgerlichen Gesetz – obschon dieses auch unter
Umständen mildernde Umstände zubilligen kann – eine Regel darüber aufgestellt werden,
welche Strafe jeweils der betreffende Täter erhält.
Wenn zwei das Gleiche tun, so ist es, vom Standpunkt des Karma-Gesetzes aus gesehen, nicht dasselbe. Es sind erstens die Motive der Handlung entscheidend, und zweitens
wird ein Wissender mehr bestraft als ein Unwissender. Wenn also gesagt wird, dass es karmisch nicht das Gleiche ist, wenn zwei dasselbe tun, so muss man noch hinzufügen, dass
Karma somit nicht nach dem Grundsatz handelt: Die kleinen Diebe hängt man und die großen
lässt man laufen, sondern genau umgekehrt.
b) Das Gemeinschaftskarma
Karma stellt das Gleichgewicht des Einzelnen mit der Welt immer wieder her. Es benötigt daher für seine Wirksamkeit die breiteste Basis. Die Menschen sind untereinander
wechselseitig abhängig, und dadurch verteilt sich Karma nicht nur individuell, sondern über
alle Formen der Gemeinschaft.
Die kleinste Zelle der Gemeinschaft bildet die Familie. Es ist selbstverständlich, dass
man hier in Verbindung mit Gatten, Eltern, Geschwistern und Kindern mehr als die Hälfte
an »alten Bekannten« aus früheren Inkarnationen trifft. Das Familienkarma führt uns immer
wieder zusammen.
„Die Aura früherer Verkörperungen ermüdet niemals, vor allem dann nicht, wenn das
Karma unangenehme Weggefährten mit sich bringt. Sind jedoch alle Begegnungen ausgelebt,
dann tritt Erleichterung ein, es ist als hätte man fremdes Eigentum zurückgegeben. Mindestens
die Hälfte aller irdischen Begegnungen ergeben sich aus früheren Verkörperungen. Man stelle
sich das wie bei kleinen Korkteilchen vor, die sich aufgrund der Kraft statischer Elektrizität
gegenseitig anziehen.
Die Auswirkung von Karma lässt komplexe Verbindungen entstehen, zwei- bis dreimal
stärker als bei einer Verwandtschaft. Es ist jedoch besser Rückzahlender zu sein als Empfangender, denn jede Rückzahlung beendet alte Bindungen, dagegen schafft jedes Empfangen
neue.“ (AY § 238)
Viele Menschen sind auch durch gemeinsame Ideen verbunden, seien diese religiöser,
ethischer, philosophischer oder politischer Art. So werden sich alte Freunde zur Durchführung gemeinsamer Aufgaben, deren Ziele in früheren Inkarnationen noch nicht verwirklicht
werden konnten, wiederum gerne zusammenfinden. Auch seinen früheren Gegnern wird man
11
Lektion Nr. 4
LEOBRAND
so lange begegnen, bis alle Fäden entwirrt und in Freundschaft aufgelöst sind. Nur wer sich
nicht mehr gebunden fühlt, ist befreit. So muss auch jeder den von ihm verursachten Schaden wiedergutmachen. Es gibt auch ein gemeinsames Karma für Gesellschaftsklassen, politische Parteien und Konfessionen.
c) Das Kollektiv-Karma
Eine andere Art von Karma ist kollektiver Natur und bindet Stämme und Völker in
gemeinsamen Staaten sowie Rassen zu einem gemeinsamen Schicksal und schließlich in
Form eines planetaren Karmas auch die ganze Menschheit. Das kollektive Karma entsteht
durch kollektive Bestrebungen. Staats- und Volksziele verketten im Laufe von Jahrhunderten
und Jahrtausenden große Menschenkollektive in Völkergruppen und stürzen diese durch
Kriege in ein gemeinsames Elend oder verursachen durch entsprechende Bestrebungen auch
einen zivilisatorischen und kulturellen Aufstieg. Jeder Angehörige dieser Kollektive muss so
viel leiden oder wird so viele Vorteile genießen, als er eben am Zustandekommen des entsprechenden Kollektivkarmas beteiligt erscheint. In vielen Fällen wird auch gemeinsame Prosperität und Wohlstand erzielt.
Gruppe III
a) Das Nachlebenskarma
Das Leben der Menschen erstreckt sich nicht nur auf die sichtbare physische Erde,
sondern auch auf die Feinstoffliche Welt, in der wir zwei weitere Weltebenen, nämlich eine
astrale für die Gefühlswelt und eine mentale für die Gedankenwelt zu unterscheiden haben.
Karma knüpft die Wirkungen an die Ursachen, und zwar nicht nur in der physischen, sondern
auch in der astralen und mentalen Welt. Der Mensch offenbart seine Tätigkeit in allen drei
Ebenen, und Karma hat somit zu allen drei Stufen Beziehungen.
10. Wie schafft man schlechtes Karma?
a) Die Gier nach Besitz
Negatives Karma entsteht vor allem durch die Gier nach Besitz. Alle menschlichen
Handlungen, Wünsche und Gedanken, die ausschließlich und gierig auf Eigentum gerichtet
sind, lassen für den Menschen ein schlechtes Karma entstehen. Dadurch bilden sich nämlich
feste Ketten, die ihn über den Tod hinaus an die Erde und die irdischen Güter fesseln. Erdgebundenheit und Haftung am Besitz sind ein großer Verderb und ein Hindernis für den
geistigen Aufstieg. Zum gierigen Streben nach Besitz kommen auch noch der Kampf um die
Erhaltung des erlangten Eigentums und der Schutz gegen den Raub dieser Güter.
Die menschliche Gesellschaft misst dem Besitz von Eigentum und den damit verbundenen scheinbaren materiellen Vorteilen eine übersteigerte Bedeutung zu. Dies kommt davon,
dass die meisten Menschen glauben, sie lebten nur einmal auf der Erde. Daraus ergibt sich der
Wunsch, das Leben zu genießen und einen größtmöglichen Komfort zu erreichen.
Die wenigen Jahrzehnte dieses irdischen Lebens bilden jedoch nur einen kurzen Ausschnitt aus dem Gesamtleben unseres Geistes. Man kann deshalb sagen, es ist völlig verkehrt,
wenn die Menschen diese wenigen Jahre eines kurzfristigen Lebens nur dazu nutzen, um sich
im Kampf um einige irdische Güter aufzureiben, wo sie diese angesichts des Todes doch zurücklassen müssen. Das hauptsächlichste Augenmerk sollte auf die Entwicklung des Geistes
und die Erweiterung des Bewusstseins gerichtet sein. Oft werden sogar um geringfügiger materieller Vorteile willen schwerste Verbrechen begangen. Selbst ganze Völker wurden im Streit
um ein paar Quadratkilometer Boden und einige Rohstoffe in blutige Kriege getrieben. Wahrlich, dieser hässliche Kampf um vorübergehende irdische Güter ist unvernünftig, menschenunwürdig und völlig sinnlos.
Dies gilt vor allem auch deshalb, weil ja die Völker und auch die einzelnen Menschen
nicht Eigentümer der Erde sind. Wer hat den Planeten erbaut und wer ist darum sein Eigentümer? Sicherlich der Schöpfer, aber nicht der Mensch. Wir sind hier Gäste oder Verwalter.
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Lektion Nr. 4
Karma und Schicksalsgestaltung
Die Güter der Erde sind uns zur Verwaltung, Vermehrung und Veredelung anvertraut. Man
darf sie deshalb nicht vernichten oder verschlechtern und nicht um sie raufen, sondern muss
sie vermehrt und verbessert seinen Nachfolgern übergeben.
Die Lebendige Ethik lehrt: „…..Lernet besitzen ohne Gefühl des Eigentums. Sicherlich ist
es gut und richtig, Sachen zu haben, sie zu bewahren und mit einer wohlwollenden Aura zu versehen, mit dem Ziel, sie dann weiterzugeben. Die schöpferische Hand ist dort zu Hause, wo man
nicht am Eigentum hängt und wo das Verbesserte und Vermehrte die Freude weiterträgt. Durch
die gebende Hand bewahrt man sich fortwährend die Rechtfertigung für den Besitz. Wenn dies
verstanden wird, sind selbst schwierigste Fragen lösbar. …..“ (ERL § 92. 1924 - I - 9)
Blicke auf deinen Besitz so, wie auf das Gut des Schöpfers selbst, der uns einen Teil
Seiner Güter für die Zeit des Weilens auf der Erde zur Verwaltung übertragen hat. Die Menschen brauchen nicht in Armut zu leben, die Erde bietet Reichtum und Überfluss. Nur müssen diese Güter gerecht verteilt und nicht durch ständige Kriege vernichtet werden. Dies ist
aber nicht möglich, solange sich die Menschheit nicht auf eine höhere Stufe der Geistigkeit
und Moral erhoben hat. Nur eine geistig und ethisch entwickelte Menschheit wird in Frieden,
Freiheit und größerem Wohlstand leben können.
Das erweiterte menschliche Bewusstsein betrachtet das Eigentum nur noch als eine
Erfindung der finsteren Kräfte, die genau wissen, dass man den Menschen mit nichts so stark
an die Erde fesseln kann wie mit dem Eigentum, weshalb sie ihm dieses als verführerischen
Brocken zugeworfen haben. Nicht ohne Grund hat Christus gesagt: „Es ist leichter, einen Kamelstrick durch ein Nadelöhr zu ziehen, als dass ein Reicher in das Himmelreich eingeht.“
Die kosmischen Gesetze kennen, so wie die menschlichen Gesetze, kein Recht auf
Eigentum. Das einzige, nicht wegzunehmende ewige Eigentum, welches sich niemals verringert und niemals schwindet, ist das menschliche Bewusstsein. Wer dessen Wert erkannte,
kann das ganze Weltall mit seiner Unbegrenztheit als sein Eigentum betrachten; denn er besitzt die Möglichkeit, aus dieser unerschöpflichen Quelle all das zu nehmen, was er für seine
Entwicklung benötigt. Erde, Kosmos und Universum werden zu unserem Eigentum, wenn wir
uns im Geiste erhoben und zu dem Bewusstsein durchgerungen haben, dass wir Teilchen
göttlichen Ichs sind. Deshalb ist eine neue Einstellung zum Begriff des Eigentums sehr notwendig. Nur eine höhere Vorstellung von diesem Begriff wird wohltuende Folgen für die gesamte Menschheit haben und von schweren karmischen Folgen befreien.
b) Bedingungen, die Karma besonders erschweren
„Drei Umstände verursachen besonders schweres Karma:
1. Untreue dem Meister gegenüber.
2. Die Ansicht, eine Anbindung an die Hierarchie wäre ein Unglück.
3. Nichterfüllung einer verantwortungsvollen Aufgabe.
Nur mit dem Herzen kann man erkennen, wo Untreue, Misstrauen und Nichterfüllung
beginnen. Wer den Meister schon oftmals verraten hat, versichert niemals ein Verräter oder
Abtrünniger zu sein, er vermag in seiner Verwirrung tausenderlei Rechtfertigungen zu ersinnen
um das zu verbergen, was in seinem Kausalkörper längst aufgezeichnet ist. Es ist daher besser
sich nicht zu nähern, als abtrünnig zu werden! Ein Abtrünniger bleibt im Dunkeln, er hat keine
Erleuchtung, das ist keine Strafe, sondern die Folge der eigenen Saat! Das Herz kann erkennen,
wo Verrat beginnt.“ (HERZ § 59.)
Schrecklich ist auch das Karma der Grausamkeit und Lieblosigkeit Menschen und
Tieren gegenüber. Deshalb lehrte Christus so eindringlich: „Liebe deinen Nächsten wie dich
selbst“ – ferner – „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan“. Wer
sich dieses schlechte Karma schafft, kann vor allem keine geistigen Fortschritte erzielen, ja
er wird sogar sehr tief zurücksinken und beharrliche Bemühungen werden nötig sein, um die
zerrissenen Gewebe wieder zu knüpfen.
Das gegenwärtige Leben ist wegen der wachsenden Unmoral und Prinziplosigkeit eine
große Gefahr für die Menschheit. Das Allgemeinwohl wird dem persönlichen Wohl zum Opfer
gebracht, die Rechte der Mitmenschen werden mit Füßen getreten, die eigenen Pflichten verletzt. Es entsteht eine komplizierte und verworrene Lage, die Gier nach Macht und Besitz
13
Lektion Nr. 4
LEOBRAND
steigt ins Unermessliche, und dies nicht nur in Bezug auf das individuelle Karma, sondern
auch bei den Gemeinschaftsbeziehungen und dem planetaren Karma. Die Kompliziertheit der
karmischen Bindungen hat eine Grenze erreicht, wo nur noch außerordentliche planetare
Maßnahmen die verschlungenen Knoten entwirren können. So wird ein Feuer der Reinigung
auf die Menschheit eindringen, bis die Lebensgesetze wiederum beachtet werden und ein Leben in Wahrheit und Liebe begründet wird.
11. Wie schafft man gutes Karma?
Wer seine Leiden, Kümmernisse, Verdrießlichkeiten und Nöte, mit einem Wort sein
selbst geschaffenes Kreuz mit Ergebenheit auf sich nimmt und gleichzeitig auch die Lektion
des Mitleides lernt, wird sich ein gutes Karma schaffen und schließlich sogar fähig sein, die
Lasten anderer mitzutragen, wie es die großen Meister der Weisheit tun. Die karmischen
Schulden, ob als solche erkannt oder nicht, müssen mit Geduld ertragen und ohne Murren
bezahlt werden. Wer sich jedoch aufbäumt, Gott und sein Schicksal lästert, wird neuerdings
schlechtes Karma schaffen. Solange der Mensch den Sinn des Lebens nicht versteht, ändert
sich von Leben zu Leben wenig in seinem Karma. Glück und Unglück, Freud und Leid wechseln einander ab. Erst wenn der Mensch bewusst darangeht, das schlechte Denken und Handeln zu transmutieren, das bedeutet wenn er sich läutert und verinnerlicht, wird er sein
Karma zum Guten wenden.
a) Die Bedeutung der Motive
Es genügt nicht, wenn wir bloß nichts Schlechtes tun und unsere Pflicht erfüllen.
Beim Karma ist nämlich nicht die Tätigkeit oder die Arbeit selbst allein entscheidend, sondern
auch das Motiv. Jeder Mensch handelt aus bestimmten Beweggründen. Es gibt keine Tat
ohne Motive, weder eine gute, noch eine böse. Der eine arbeitet, um sein Leben zu erhalten,
der andere will reich werden, ein dritter erhofft sich Ruhm und Ansehen, ein vierter will Titel
und Macht erlangen, ein fünfter arbeitet aus Liebe zur Frau und den Kindern, ein sechster
für Partei, Konfession und Vaterland, ein siebenter für die Kunst, ein achter für die Wissenschaft, ein neunter »kauft« sich den Himmel für Geld, ein zehnter will seine schwarze Seele
durch öffentliche Wohltaten reinwaschen und strebt danach, dass sein Name in allen Zeitungen steht. Im Orient wiederum legen viele Menschen den größten Wert auf ein herrliches
Grabmal und schuften dafür ihr ganzes Leben lang.
Das sind nur einige von zahlreichen Motiven, welche die Menschen zum Handeln bewegen und ein mehr oder weniger schwieriges und verwickeltes Karma schaffen, das zur Lösung
der neuen Knoten abermals zahlreicher Inkarnationen bedarf, bis der Mensch gelernt hat, jede
Arbeit ohne persönliche Motive zu verrichten. Was immer der Mensch für ein Motiv besitzt, es
bindet ihn. Wer seinem Nächsten nicht aus Liebe und deshalb hilft, um seine Leiden zu lindern,
sondern nur, um Lob einzuheimsen, der bindet sich gewiss. Auch derjenige, der nur deshalb
Gutes tut, um den Segen Gottes zu empfangen und in den sogenannten Himmel zu gelangen,
bindet sich. Sicherlich kommt jede gute Tat aufgrund des Karmagesetzes auf den Menschen
zurück, aber das Entscheidende für Karma sind nicht die Tätigkeit und die Arbeit selbst, sondern die Beweggründe, das bedeutet die Motive, von denen wir uns leiten lassen. Auch die gute
Tat bindet an eine Person oder an ein Werk, wenn man dafür Dank erwartet.
Der Mensch muss es deshalb lernen, seine Arbeit ohne persönliche Motive zu verrichten und nicht auf Dank zu warten. Er muss begreifen lernen, dass die Arbeit um der Arbeit
willen und die gute Tat eines guten Werkes wegen getan werden soll und nicht wegen der
guten Resultate, die man für sich persönlich erwartet. Erst der Verzicht auf persönlichen
Erfolg schafft die Voraussetzung für das Entstehen eines guten Karmas. Da aber jedes Werk
ohne Motiv zu einer beziehungslosen Sklavenarbeit werden würde und kein Mensch ohne
Motive zu arbeiten vermag, möge man, um die Gefahr ungünstiger Folgen oder weiterer Bindungen zu vermeiden, seine Werke ausschließlich unpersönlich auf den Nutzen der Evolution
und des menschlichen Allgemeinwohls richten.
14
Lektion Nr. 4
Karma und Schicksalsgestaltung
b) Das Streben nach Vollendung
Karma ist nur für den Tatenlosen und Untätigen furchtbar. Wer hingegen unermüdlich bestrebt ist, kann ständig Karma abtragen, doch die Schwierigkeiten liegen darin, dass
wir beim Zahlen der alten Schulden wieder neue hinzumachen. Das neue Karma ist jedoch
meist von besserer Qualität. Außerdem ist das alte Karma nicht mehr so furchtbar, wenn das
Denken gereinigt wurde.
In jedem Leben kann der Mensch jenen Teil des alten Karmas löschen, den er in der
gegebenen Inkarnation erreicht hat. Gewiss schafft er dabei neues Karma, aber bei einem
erweiterten Bewusstsein und einer gereinigten Denkweise kann er die von ihm aufgespeicherten karmischen Schulden schneller ausleben, wobei das neue, von ihm zur Entstehung gebrachte Karma schon von einer höheren Qualität sein wird. Außerdem wird auch das alte
Karma für ihn nicht mehr so furchtbar sein; denn das gereinigte Denken und die gereinigte
Aura werden auf die Rückschläge schon anders reagieren. Auf diese Weise kann der Mensch
aus dem scheinbar verhexten Kreis herauskommen, gewiss aber nur aus dem irdischen
Karma, welches ihn an die Erde geschmiedet hat; denn Karma kann sich seinem Wesen nach
nicht ändern, solange ein Bewusstsein und ein Gedanke existieren. Das individuelle Karma,
das sich nach den kosmischen Gesetzen richtet, wird sich in seiner Qualität erheben, indem
es immer wieder in neue Kreise tritt bis zur Unbegrenztheit.
„Gewöhnlich sagt ein Arzt zum Kranken: ,Sobald der Sommer kommt, genießen Sie die
Sonne und Berg- oder Seeluft lässt Sie genesen.‘ Selbst ein irdischer Arzt heilt durch Hinweis auf
die Zukunft. Karma ist eine Krankheit aus Vergangenem, ihre Heilung liegt in der Zukunft. Wer
sich von der Vergangenheit befreien will, muss in die Zukunft streben. Streben seinem ganzen
Wesen nach schützt vor Absturz. Nehmt euch ein Beispiel an den Himmelskörpern, sie ziehen
unbeirrt ihre Bahnen. Erinnert euch, dass Ich zeigte wie man auf dem Wasser geht, aber Ich sagte
nicht, man könne darauf stehen. Unentwegtes Streben ändert das Karma.“ (HIE § 290)
Man soll nicht denken, dass Karma, so wie es einstmals zur Entstehung gebracht
wurde, unbedingt bis zu seinem Ende ausgelebt werden müsse. Wie oben gesagt, kann der
Mensch sein Karma durch unaufhaltsame Bestrebung in der progressiven Richtung zur Vervollkommnung überflügeln und es wird ihn nicht mehr erreichen. Nur wer in seiner Entwicklung stehengeblieben ist, erhält den vollen Platzregen seines Karmas.
Wenn der Mensch zur Vervollkommnung bestrebt ist, entwickelt er seine geistigen
Kräfte und richtet sie zum Nutzen der Evolution und zum Allgemeinwohl des Nächsten. Er
tilgt nicht nur sein Karma, sondern erleichtert damit auch die Folgen des schlechten Karmas
der ganzen Menschheit. Im allgemeinen ist Karma eine Kette, aber diese Kette schmiedet sich
der Mensch selbst, er kann sie fest um sich zusammenziehen, kann sie lockern und sogar
vollkommen von sich werfen.
12. Positives Handeln, ein Zeichen höherer Vernunft
Je mehr die Menschen in die Wissenschaft von Karma eindringen, umso früher werden
sie bei der Gestaltung des menschlichen Schicksals das Gesetz von Ursache und Wirkung
wahrnehmen. Wer dieses einmal erkannt hat und weiß, dass er für jeden seiner Gedanken,
für jeden Wunsch und jede Handlung verantwortlich ist und auch die Folgen auf sich nehmen
muss, wofür man in zunehmendem Maß sichtbare Beweise erhält, müsste wahrlich unvernünftig sein, wenn er sich dieses Gesetz nicht dienstbar machte.
Der Mensch ist sich selbst der ärgste Feind, wenn er gegen die Gesetze der Natur
verstößt. Karma ist für den Wissenden die Quelle seiner Kraft. Auf dieses Gesetz kann man
sich verlassen, auch wenn man an den menschlichen Ungerechtigkeiten im Leben zugrunde
gehen würde.
Die höhere Vernunft wird also die Menschen bei einer entsprechenden geistigen Reife
veranlassen, nur noch im ethischen Sinn zu handeln; denn wahrlich, jedermann ist seines
Glückes Schmied und Selbstgestalter seines Schicksals. Durch bewusstes und geschultes
Denken und Handeln im Dienst des Nächsten und zum Wohl der menschlichen Entwicklung
erzielt man die besten Resultate.
15
Lektion Nr. 4
LEOBRAND
13. Greifen die Mächte des Lichts in das Karma ein?
Die Kräfte des Lichts greifen niemals in das menschliche Karma ein, wie einige Unwissende vermuten. Das Gesetz des freien Willens gestattet dies nicht. Es werden lediglich die
menschlichen Gedanken und Taten beobachtet, Boten, Warnungen und Weisungen gesendet,
die auf eine bestimmte Richtung hindeuten. Nur eine Möglichkeit gibt es, wo die Kräfte des
Lichts das menschliche Karma unterstützen, jedoch nicht durch Eingriffe, sondern indem sie
ein anderes kosmisches Gesetz, nämlich das des Opfers befolgen. So nehmen sie die menschlichen Verirrungen und Verbrechen auf sich und laden das schwere negative Karma der Menschheit, wenn dieses den Planeten zu ersticken droht, auf ihre Schultern.
„...... Man kann beobachten, dass Karma nicht allein den eigentlichen Verbrecher unerwartet trifft, sondern auch alle indirekt Beteiligten. Ein der Wahrheit nicht entbehrender Ausspruch besagt, dass für die Freveltaten eines einzigen Menschen ein ganzes Volk leiden muss.
Doch nicht die Ausübung von Rache, sondern bestimmte Eigenschaften ihres Geistes verbinden
viele Helfershelfer miteinander. Wer vermag zu sagen, wo Blutsverwandtschaft endet? So vermag auch niemand zu bestimmen, worin die Hauptursache lag? Wer vermag zu beurteilen, wer
mit Worten und wer mit Gedanken das Verbrechen mehr unterstützte?
Niemand möchte darüber nachdenken, wie weit die Bewegungen des Karmas reichen,
und niemand sucht in seinem Kelch der Aufspeicherungen nach, inwieweit er als Beteiligter an
einem Verbrechen zu gelten hat. Wir können nur an das Gesetz erinnern, doch der freie Wille
muss selbst seinen Weg wählen. …..
Die Menschen lieben das Wort „Karma“ inzwischen. In verschiedenen Teilen der Erde
wiederholen sie es, ohne aber seine Bedeutung verstehen zu wollen. Gewandt sprechen sie
davon, wie man Karma schafft, unternehmen aber keinerlei Maßnahmen, um sich davon zu
befreien. Hierbei wird immer wieder der Überzeugung Ausdruck verliehen, dass irgendwo Herren des Karma existierten, die nicht geruhten, selbst das schwerste Karma zu erleichtern.
Niemand denkt daran, dass das Gesetz nicht ohne besondere Anstrengungen von beiden Seiten überschritten werden kann. Der Mensch zieht es vor, mit Tat und Gedanken Karma
zu schaffen, doch später solle man ihn von den schwersten Folgen befreien.
Wenn die Menschen über Karma sprechen, werden sie kindisch. Irgendein anderer soll
für ihre Abwege die Rechnung begleichen. Das Anwachsen ihres Karmas stört die Menschen
nicht, doch dafür können sie später umso besser klagen und sich entrüsten, womit sie freilich
nur den Strom leidvoller Folgen noch verstärken. Unter Unseren Arbeiten nimmt die Begleitung
der Menschen auf dem Weg des Karmas keinen geringen Platz ein. Wir können nichts sagen,
was gegen das Gesetz gerichtet wäre, doch sind Wir allzeit bereit, innerhalb den Grenzen des Möglichen auf den besten Pfad hinzuweisen. …..“ (BR II § 229)
14. Das Karmagesetz – die große Hoffnung
Der Glaube an eine absolut ausgleichende Gerechtigkeit ist die einzige große Hoffnung
der Menschen, die sich vom Leben enttäuscht abwenden, vor allem auch die Hoffnung der
Wissenden, die im Glauben und Vertrauen auf dieses Gesetz ihr Schicksal in die Hände genommen haben, um es selbst bewusst zu gestalten.
Der Glaube an das Karmagesetz versöhnt den Menschen mit seinem Schicksal; so
weiß er, wenn er leidet, dass dies geschieht, um die Fäden des Schicksals zu entwirren und
der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Er weiß, dass er nichts unverdient zurückempfängt, es sei
denn, er habe das Leid anderer Menschen freiwillig auf seine Schultern genommen, um zu
helfen. Karma ist auch ein Ansporn für positive Gedanken und eine bessere Handlungsweise;
denn nur dadurch kann man für die Zukunft und spätere Wiedergeburten günstigere Bedingungen und Lebensgrundlagen schaffen.
  
16
Lektion Nr. 4
Karma und Schicksalsgestaltung
Quellenangabe:
Übersicht der Werke von MAITREYA MORYA:

Blüten aus Moryas Garten: Abkürzungen:
DE R R U F
E RLE UC H TU NG 
RUF
ERL
§§ 387
§§ 358
GEM
§§ 275
Das neue Zeitalter:
GE ME INSC HA F T 
Lehre der Lebendigen Ethik in sieben Themen:
AGN I Y OG A 
AY
UNBE GRE N ZT HE IT (Teil 1 und 2) UNB
HIE RA RC HIE 
HIE
HE R Z
HERZ
FE UR IGE W E L T I
FW I
FE UR IGE W E L T II 
FW II
FE UR IGE W E L T II I 
FW III
AU M
AUM
BR UDE RSC H A FT I 
BR I
BR UDE RSC H A FT I I (Teil 1 und 2) BR II
§§
§§
§§
§§
§§
§§
§§
§§
§§
§§
670
918
460
600
666
470
618
600
610
955
M A I T R E Y A M O R Y A – MORYA, indischer
Rajputprinz dessen Geist zum großen
Geist des MAITREYA entrückt und von
diesem erleuchtet bzw. überschattet worden war. Diese Auftrags-Portraitzeichnung
des Künstlers Hermann Schmiechen 1884
wurde häufig nachgemalt, jedoch erreichten die Kopien nur Ähnlichkeit mit dem
„Antlitz des Lehrers“ weshalb es mit
nachgemalten Kopien bei Meditationen zu
Misserfolgen kommen kann!
Die Lebendige Ethik zeigt den Weg einer vernünftigen Selbsterziehung durch angewandte Ethik.
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Lektion Nr. 4
LEOBRAND
Bildet Sterne helfender Gedanken
Viele verantwortungsbewusste und besorgte Menschen suchen nach einer Aktion, die
ohne großes Aufsehen, ohne Vereinszugehörigkeit und politisches Risiko einen größtmöglichen Erfolg verspricht, um dem Gefühl der Verantwortung der Weltsituation gegenüber nachzukommen. Es gibt eine Möglichkeit, die in aller Stille durchgeführt werden kann, kein Geld
kostet und dennoch die aktive Mithilfe jedes verantwortungsfreudigen Menschen ermöglicht,
auch wenn er noch so bescheiden, unbedeutend oder arm ist. Sende ab sofort positive und
aufbauende Gedanken in den Weltenraum. Ein guter Gedanke schützt dich und hilft deiner
Seele in das Licht zu wachsen, er ist auch sonst eine höchst reale Kraft weitreichender Wirkung. Versuche niemals, deine Gegner oder sonstige unliebsame Personen in Gedanken zu
vernichten, denn böse Gedanken kehren wie ein Bumerang auf den Urheber zurück. Nur mit
Gedanken der Hilfsbereitschaft, der Nächstenliebe und des Friedens werden wir selbst unsere
gleichsam hilflose eigene Lage und die der Menschheit verbessern. Durch diese kraftvollen und
wertvollen Gedanken wird der Menschheit und dem Weltfrieden am besten geholfen. Helfen wir
daher durch die Kraft unserer guten Gedanken und senden wir des öfteren am Tage folgende
Anrufung in den Weltenraum:
„Aum – Tat – Sat – Aum“
Quell des Lichts im Universum,
strahle Licht ins Menschendenken,
es werde lichter auf Erden!
Quell der Liebe im Universum,
ströme Liebe aus in alle Menschenherzen,
möge Liebe blühen auf Erden!
Quell der Weisheit im Universum,
gieße Wissen aus und Weisheit,
lass Erkenntnis walten auf Erden!
Quell des Friedens im Universum,
stärke Frieden und Gerechtigkeit,
mögen Glück und Freude sein auf Erden!
Quell der Macht im Universum,
siegle zu die Tür zum Übel,
dass der Plan des Guten sich erfülle!
„Aum – Tat – Sat – Aum“
(Weiterführende Erklärung zum Stern für Gedankenhilfe – siehe Lektion 6).
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Lektion Nr. 4
Karma und Schicksalsgestaltung
LEOBRAND – Leopold Brandstätter. * 20. Februar 1915
in Wallern, † 26. Februar 1968 in Linz, war österreichischer
Naturphilosoph und Geisteswissenschaftler.
Seine schriftstellerischen Werke befassen sich mit
Ethik, Geisteswissenschaft, Psychologie, Philosophie, Politik, Weltanschauung und Architektur.
Er übersetzte in den 1950er-Jahren mit einem baltisch-deutschem Team die Weisheitslehre der Lebendigen
Ethik aus dem Russischen und ebnete damit dieser Philosophie den Weg in den deutschen Sprachraum.
LEOBRAND gründete eine (nicht öffentliche) Schule
für Lebendige Ethik, verfasste bereits Jahrzehnte vor Einführung des Ethikunterrichtes an öffentlichen Schulen 36
Lektionen über Lebendige Ethik als erstes, überkonfessionelles Lehrmittel für die ethische Grundschulung, hielt unzählige Vorträge und leitete Seminare. Von LEOBRANDS Vorträgen sind Tonbandaufnahmen erhalten. Diese historischen
Tondokumente bieten die Möglichkeit, die philosophischen
Analysen des großen Denkers LEOBRAND nachzuvollziehen/mitzudenken und eröffnen dem Zuhörer neue Perspektiven der geistigen Dimension des Lebens. Die philosophische
Treffsicherheit und die Klarheit der Formulierungen sind ein Markenzeichen LEOBRANDS.
Besonders hervorzuheben ist die neue, universelle Gotteserklärung. Für diese neue, völlig
eigenständige Gottesvorstellung wurde ein neuer Terminus geschaffen: „UNIVERALO“
LEOBRANDS Gotteserklärung basiert auf hierarchischer Grundlage, auf Naturbeobachtungen
und verschmilzt mit dem gesamten Dasein. Sie schließt viele philosophische und historische Vorstellungen und auch modernste Erkenntnisse über relativ unsterbliche geistige Kraftfelder in die
Erklärung mit ein. LEOBRAND formulierte damit die erste und bislang einzige geisteswissenschaftliche Definition Gottes und prägte ein neues Weltbild. Er entzieht dadurch dem Atheismus
seine Grundlagen. Die neue Gottesvorstellung ist dynamisch wie die gesamte Natur selbst und
damit auch richtungweisend für die geisteswissenschaftliche Forschung.
Weitere Highlights seines Wirkens waren seine Arbeiten für ein geeintes Europa und für
eine künftige pannationale Weltunion. Viele der damals noch fantastisch klingenden Ideen
LEOBRANDS sind heute bereits selbstverständliche Realität.
Werke:
1955–1961: 36 Lektionen, Briefe über Lebendige Ethik
1957: Psychische Energie (Geisteswissenschaft und Psychologie)
1958: Heilung durch psychische Energie (Geisteswissenschaft und Gesundheit)
1966: Freude (Philosophie)
1967: Der Ausweg (Politik)
1968: Neues Europa und Welt-ABC (Politik)
1968: Das neue universelle Weltbild (Weltanschauung)
1968: Spiralik (Architektur der Zukunft)
1953–1968: Sonderdrucke, Artikel in Zeitschriften, Manuskripte
1976: Der auferstandene Gott (Geisteswissenschaft, Zusammenstellung aus o.a. Artikeln)
1962–1967: Vorträge und Seminare zu allen seinen Werken (Tonaufzeichnungen MC)
Aktivitäten:
1949: Gründung einer Friedensliga
1953: Gründung der (nicht öffentlichen) „Schule für Lebendige Ethik“ mit gleichnamiger Zeitschrift
1960: Herausgabe der Zeitschrift „Spirale und grüne Wacht“ (Naturschutz und Biotechnik)
1961: Herausgabe der Zeitschrift „Weltreichspirale“
1962: Gründung der „Welt-Spirale“, Ethische Gesellschaft für Fortschritt und Welterneuerung,
mit gleichnamiger Zeitschrift.
© 1955 LEOBRAND. Die Erstausgabe erschien als Studiengrundlage der „Schule für Lebendige Ethik“ im Verlag
für Lebendige Ethik, Linz, Austria. PDF Datei für das Internet www.welt-spirale.com Welt-Spirale, Ethische Gesellschaft für Fortschritt und Welterneuerung, Linz Austria. Korrektur: G. Fischwenger und R. M. Stangl. Korrekturstand
19.03.2016. Die Verwendung für Schulungen, die Verlinkung, Zitate mit Quellenangabe, die Weitergabe von Ausdrucken und das Kopieren sind gestattet.
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Lektion Nr. 4
LEOBRAND
Freude
Friede
Freiheit
Diene dem Frieden und dem Wohl der Welt!
Ethik Grundwissen
1. Die Wahrheit über Yoga
Geistige Schulung
19. Lebendige Ethik – Lehre des Lebens
2. Probleme der geistigen Erneuerung
3. Der Sinn des Lebens
► 4. Karma und Schicksalsgestaltung
20. Die Chakren oder Zentren des höheren
Bewusstseins
21. Die geistige Bedeutung des Herzens
5. Die Macht und Bedeutung der Gedanken
6. Selbsthilfe durch richtiges Denken
22. Die Erweiterung des Bewusstseins
23. Die feinstoffliche Konstitution des Menschen
7. Wiedergeburt – ja oder nein?
8. Der Sinn des Leidens
24. Monade oder Geisteskorn
25. Der Aufbau des Universums und der Kosmen
9. Sündenlossprechung oder
Selbstverantwortung?
26. Die Feinstoffliche Welt
27. Die Feurige Welt
10. Dharma und Lebensaufgabe
11. Tod und Wiedergeburt
12. Gebet und Opfer
28. Die Bruderschaft
29. Das universelle Gottesverständnis
30. Die Mutter der Welt
13. Die Beziehungen der Geschlechter
14. Eheprobleme
31. Okkultismus – ja oder nein?
32. Abwege und Gefahren des Okkultismus
15. Lebendige Ethik und Erziehung
16. Lebendige Ethik und Alltag
33. Gut und Böse
34. Die kommende Welt
17. Lebendige Ethik und Ernährung
35. Die Unbegrenztheit
18. Lebendige Ethik und Kunst
36. Der Pfad zum Meister
Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion sind auf dem Gebiet der Naturwissenschaft schon
lange anerkannte Tatsachen. Diese universelle Einrichtung besagt, dass auf eine bestimmte Ursache,
die wir durch Gedanken, Gefühle und Taten auslösen, eine bestimmte, feststellbar e Wirkung folgen
muss. Das Gesetz von Ursache und Wirkung ist seinerseits unzertrennlich verbunden mit dem Naturgesetz der Wiederverkörperung oder Wiedergeburt (Re-Inkarnation = Wiederfleischwerdung) und ermöglicht einen absolut gerechten Ausgleich in sämtlichen Belangen des Lebens, allerdings nicht in
einem einzigen kurzen Dasein, sondern in einer Kette von Wiederverkörperungen bis zur geistigen
Vollendung. Zufall ist also das, was uns durch Karma „zufällt“. Jeder Mensch hat die Macht, das zu
sein oder zu werden, was er zu sein wünscht. Was wir jetzt sind, ist das Ergebnis früherer Gedanken
und Taten. Was wir sein werden, wird das Ergebnis unserer gegenwärtigen Tätigkeit sein. Aus diesem
Grund muss der Mensch wissen, wie er zu handeln hat, das heißt er muss das Gesetz von Ursache
und Wirkung kennenlernen und danach seine Tätigkeit einrichten.
Ethische Gesellschaft für Fortschritt und Welterneuerung
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