Mikrobiomaustausch hilft bei Pouchitis nach Colitis ulcerosa Erste

URL: http://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM160330_Stuhlproben.pdf
Mikrobiomaustausch hilft bei Pouchitis nach Colitis ulcerosa
Erste Erfolge bei der Behandlung der Pouchitis, einer besonderen Form
der chronischen Dickdarmentzündung
Foto: Michael Szabo/UKJ
Eine Stuhltransplantation könnte die Lösung bei der Behandlung der Pouchitis sein.
Die Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung des Dickdarms. Die Erkrankung kann zu
Durchfall, Darmblutungen, Stuhlinkontinenz und zwanghaften Stuhlgängen führen. Meist kann man
sie medikamentös behandeln. Gelingt das allerdings nicht, müssen die Mediziner den Dickdarm
entfernen und einen Ersatzdickdarm konstruieren. Doch auch dieser neue Darm kann sich
entzünden. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena und des Helmholtz-Zentrums für
Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben nun getestet, ob ein Austausch der Darmflora
Mikrobiomaustausch hilft bei Pouchitis nach Colitis ulcerosa
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den Gesundheitszustand der am schlimmsten betroffenen Patienten verbessert. Die
erfolgsversprechenden Ergebnisse veröffentlichten sie im angesehenen "American Journal of
Gastroenterology".
Einen künstlichen Enddarm konstruieren
Etwa 200 von 100.000 Menschen leiden an einer Colitis ulcerosa, die zu einer erheblichen
Einschränkung der Patienten im Alltag führt. Schafft man es nicht, die Erkrankten mit
Medikamenten zu behandeln, muss der Dickdarm vollständig entfernt werden. Um die
Reservoirfunktion des Mastdarms zu erhalten und eine normale Stuhlentleerung zu ermöglichen,
wird anschließend aus dem Dünndarm ein künstlicher Enddarm konstruiert, ein sogenannter
"Pouch" (englisch: Beutel). "Leider kommt es auch in der Pouch immer wieder zu Entzündungen.
Diese kann man mit Hilfe von Antibiotika gut bekämpfen. Schwierig wird es, wenn die Antibiotika
nicht mehr wirken", sagt Prof. Dr. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am
Universitätsklinikum Jena. Außerdem ist die Rückfallgefahr bei einer Entzündung des künstlichen
Darmreservoirs sehr hoch.
Stallmach und seine Kollegen am Universitätsklinikum suchten deshalb nach einer alternativen
Behandlung für die Patienten, bei denen Antibiotika ihre Wirkung verfehlen. "Da Bakterien bei der
Pouchitis wohl ursächlich sind, hatten wir die Hoffnung, dass man mit einer Veränderung der
Zusammensetzung der Bakterien im Darm der Patienten eine Besserung erzielen kann", sagt
Stallmach. Diesen Transfer des Mikrobioms - der Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm - von
gesunden Menschen auf kranke, führt man bereits bei anderen bakteriellen Infektionen, etwa bei
Clostridium difficile, erfolgreich durch. Auch bei Stallmachs Pouchitis-Patienten zeigten sich erste
Erfolge. Bei drei der insgesamt fünf behandelten Patienten verschwand die Entzündung komplett,
bei einem weiteren stellte sich zumindest eine Verbesserung ein. Nur bei einer Patientin zeigte sich
keine Besserung. "Natürlich ist das eine sehr kleine Stichprobe, aber es ist ein Anfang und wir
können auf diesen Ergebnissen gut aufbauen", sagt Stallmach.
Ob sich die Bakterien des Spenders wirklich im Patienten ansiedeln?
Um zu verstehen, ob der Mikrobiomtransfer wirklich der Schlüssel für den Erfolg war, muss man
das Mikrobiom analysieren. Dazu arbeitete Stallmach mit der Arbeitsgruppe Molekulare
Interaktionen und Prozesse am HZI zusammen. "Wir haben geschaut, ob sich die Bakterien des
Spenders wirklich im Patienten ansiedeln. So kann man sehen, ob der Transfer erfolgreich war",
sagt Prof. Dr. Dietmar Pieper, Leiter der Arbeitsgruppe am HZI. Das war bei zwei der drei von
Piepers Arbeitsgruppe analysierten Patienten der Fall.
"Da bei der dritten Patientin keine Ansiedlung der Bakterien nachweisbar und auch keine
Besserung im Krankheitsverlauf eintrat, kann man davon ausgehen, dass der Mikrobiomtransfer,
wenn er funktioniert, erfolgsversprechend ist", sagt Stallmach. Allerdings ist die Behandlung nicht
ganz trivial, da die Darmflora bei jedem Menschen aus anderen Bakterien besteht. "Deshalb kann
man nicht einfach irgendeinen gesunden Menschen auswählen, man muss genau wissen, wie
dessen Darmflora zusammengesetzt ist und ob sie die für die Heilung notwendigen Bakterien
enthält", sagt Pieper.
In den nächsten Schritten gilt es nun herauszufinden, welche Bakterien genau sich bei einem
positiven Verlauf ansiedeln und welche für einen positiven Verlauf der Erkrankung wichtig sind.
"Mit dieser Erkenntnis könnten langfristig Tabletten entwickelt werden, die genau die
Mikroorganismen enthalten, die dem Erkrankten fehlen", sagt Pieper. Das ist noch Zukunftsmusik,
denn zunächst müssen die Ergebnisse in einer größeren Studie überprüft werden.
Erste Erfolge bei der Behandlung der Pouchitis, einer besonderen Formder chronischen Dickdarmentzündung
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Original-Publikation:
Fecal Microbiota Transfer in Patients With Chronic Antibiotic-Refractory Pouchitis. Andreas
Stallmach MD, Kathleen Lange MD, Juergen Buening MD, Christian Sina MD, Marius Vital PhD
and Dietmar H Pieper PhD Am J Gastroenterol 111: 441-443; DOI:10.1038/ajg.2015.436.
Kontakt (in Jena):
Prof. Dr. Andreas Stallmach
Klinik für Innere Medizin IV, Universitätsklinikum Jena
07740 Jena
Tel.: 03641/9324221
E-Mail: [email protected]
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