EU-Forschungspreis für Materialforscher Lothar Wondraczek

URL: http://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM160302_ERCgrant.pdf
EU-Forschungspreis für Materialforscher Lothar Wondraczek
Europäischer Forschungsrat unterstützt Glasforschung mit zwei
Millionen Euro
Foto: Anne Günther/FSU
Prof. Dr. Lothar Wondraczek hat einen ERC Consolidator Grant erhalten. Mit den Mitteln wird er
das Forschungsvorhaben "UTOPES" (Unifying Concepts in the To−pological Design of
Non-Crystalline Materials) durchführen.
Sie gehören zu den höchstdotierten Forschungsförderpreisen, die die EU vergibt: die sog.
ERC-Grants. Mit einem solchen Preis, einem ERC Consolidator Grant, ist auch Prof. Dr. Lothar
Wondraczek von der Friedrich-Schil−−ler-Universität Jena ausgezeichnet worden. Der
Lehrstuhlinhaber für Glas−chemie II erhält rd. zwei Millionen Euro, mit denen er in den nächsten
fünf Jah−ren im Rahmen des Forschungsprojektes UTOPES hochfunktionale Glaswerk−stoffe
entwickeln will.
EU-Forschungspreis für Materialforscher Lothar Wondraczek
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"Die Vergabe dieses Grants an Prof. Wondraczek belegt, dass die Friedrich-Schil−−ler-Universität
mit ihm einen exzellenten Wissenschaftler berufen hat, von dem in Zukunft noch Großes zu
erwarten ist", unterstreicht Uni-Präsident Prof. Dr. Walter Rosenthal die Bedeutung dieser raren
Auszeichnung. "Der Ge−winn eines ERC-Grants ist sicher ein Ritterschlag für meine
Arbeitsgruppe, vor allem aber auch einzigartiger Impulsgeber für die Verwirklichung einer ganzen
Reihe von mittel- und langfristigen Forschungsideen auf dem Weg zu völlig neuen Arten
nichtkristalliner Materialien", freut sich Prof. Wondraczek.
Auf dem Weg zu neuen Materialzuständen
Gläser gehören zu den kulturhistorisch ältesten von Menschen verwendeten Werk−stoffen.
Material−che−mische und prozesstechnische Entwicklungen an Glä−sern haben immer wieder zu
gro−ßen gesellschaftlichen Veränderungen geführt, betont Won−dra−czek und ergänzt: "Ohne
Glas gäbe es keine opti−sche Telekom−mu−nikation, kei−ne großformatigen Displays oder
Touch-Panels, keine effizien−ten Solarmodule oder auch einfach keine Fenster in Gebäuden oder
Gefäße zur dauerhaften und geschützten Aufbewahrung von Nahrungs−mit−teln und
Me−dikamenten." Gleich−zeitig stellen Gläser die Wissenschaft noch immer vor gro−ße Probleme.
Denn Glas existiert in einem Zustand des Ungleich−gewichtes und der strukturellen Unordnung,
dessen Dynamik und Eigenschafts−bil−dung in her−kömmlichen Modellen nicht erfasst werden
kann. Dieses grundle−gende Prob−lem wird zunehmend zum limitierenden Faktor bei der
Entwicklung der nächs−ten Generation hochfunk−tionaler Glaswerkstoffe wie sie beispiels−weise
in der op−tischen Datenverar−bei−tung, in ultradünnen Displays, Batterien und hybriden
Solarmodulen oder in der optischen Energieübertragung benötigt würden.
Ziel des neuen Forschungsvorhabens "UTOPES" (Unifying Concepts in the To−pological Design of
Non-Crystalline Materials) ist es, diese Grenze zu über−win−den. "Dafür werden wir Prozesse
entwickeln, mit deren Hilfe Materialzu−stän−de erreichbar sind, die heute nicht realisiert werden
können. So hängen eine Reihe von Glaseigenschaften stark von den Prozessbedingungen ab, vor
allem von der Zeit, in welcher eine Glasschmelze abgekühlt wird. Würde man ein Glas über
Millionen von Jahren betrachten, so würden sich seine Eigenschaften än−dern. Beispielsweise
würde es optisch transparenter werden. Es ist al−so klar, dass schon hier ein ganzes Feld
möglicher Eigenschaftsvariationen derzeit nicht zugänglich ist, ganz einfach deshalb, weil wir nicht
über die notwendige Zeit ver−fügen. Ziel ist es also, extrem langsame Reaktionen durch
veränderte Prozesswege um ein Vielfaches zu beschleunigen", beschreibt Wondraczek den
Kerngedanken seiner Forschungs−ar−beiten und ergänzt: "Mit wichtigen An−knüpfungspunkten in
die optische Physik, aber auch in biomedizinische Anwen−dungsszenarien bietet der Standort
Jena exzellente Bedingungen, heute - 80 Jahre nach Otto Schott - neuartige Glas−werkstoffe und
Prozessstrategien zu entwickeln und schließlich auch in Anwen−dungen zu überführen".
Der Materialwissenschaftler Prof. Dr.-Ing Lothar Wondraczek
Lothar Wondraczek ist der dritte Wissenschaftler der Universität Jena, der seit dem Start des
europäischen Exzellenzprogrammes 2007 eine solche Aus−zeich−−nung des Europäischen
Forschungsrates erhält. Der 37-jährige Glas-Ex−perte ist seit 2012 Lehrstuhlinhaber am
Otto-Schott-Institut für Materialfor−schung der Fried−−rich-Schiller-Universität Jena, nachdem er
bereits ab 2008 als einer der jüngsten MINT-Professoren Deutschlands an der Universität
Erlan−gen-Nürn−berg lehrte. Zuvor war er in der französischen Forschungsabteilung eines
ame−rikanischen Spezialglasherstellers tätig. Sein Forschungsfeld betrifft die Suche nach Ordnung
in der Unordnung glasiger Materialien mit Anwen−dungspotenzial in den Bereichen Energie, Optik,
Architektur und Gesundheit.
Europäischer Forschungsrat unterstützt Glasforschung mit zweiMillionen Euro
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Kontakt:
Prof. Dr.-Ing Lothar Wondraczek
Otto-Schott-Institut für Materialforschung der Universität Jena
Fraunhoferstr. 6
07743 Jena
Tel.: 03641 / 948500
E-Mail: [email protected]
Europäischer Forschungsrat unterstützt Glasforschung mit zweiMillionen Euro
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