Rolle von Lipiden bei der Entstehung von Krebs

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Journal Onkologie; 07.04.2015
Rolle von Lipiden bei der Entstehung von
Krebs
Lipide sind für unseren Organismus essenziell und das nicht nur als Energiespeicher.
Ohne Lipide wäre keine Zelle unseres Körpers lebensfähig: denn die Zellmembranen
bestehen zum größten Teil aus Lipiden. Eine zentrale Rolle bei der Regulation von
Aufbau und Funktion von Membranen im Inneren von Körperzellen spielt das Enzym
Stearoyl-CoA Desaturase 1 - kurz SCD-1. Das Enzym katalysiert die Umwandlung von
gesättigten Fettsäuren in einfach ungesättigte Fettsäuren und scheint darüber hinaus
auch an der Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas oder Diabetes
sowie Krebs beteiligt zu sein. "Daher wird an Wirkstoffen geforscht, die die SCD-1 als
Angriffsziel nutzen und so möglicherweise als Medikamente zur Behandlung dieser
Erkrankungen infrage kommen", so Dr. Andreas Koeberle von der Friedrich-SchillerUniversität Jena. Doch bislang war gar nicht klar, über welche Signalwege die SCD-1
zelluläre Reaktionen überhaupt vermittelt und welche Stoffwechselprodukte dafür
verantwortlich sind, sagt der Biochemiker vom Institut für Pharmazie.
Dr. Koeberle und weiteren Forschern der Uni Jena ist es jetzt gemeinsam mit Kollegen aus
Tübingen und Tokio gelungen, hier entscheidende Einblicke zu geben: Wie das Team in der
gerade online erschienenen Ausgabe des renommierten FASEB Journals schreibt, konnte es
einen der zentralen Mechanismen aufklären, der in der Zelle ausgelöst wird, wenn ein
Wirkstoff die SCD-1 hemmt.
Demnach führt die Blockade von SCD-1 zu dramatischen Änderungen im Gehalt bestimmter
Lipide, in deren Folge ein p38-MAPK genanntes Enzym aktiviert wird, das wiederum eine
Kaskade von Reaktionen auslöst, die die betroffene Zelle bis hin zum Selbstmord treiben
kann. "Betroffen sind insbesondere Zellen, die für ihre Membranbildung massiv auf SCD-1
angewiesen sind, was etwa auf sich schnell teilende Krebszellen zutrifft", erläutert Koeberle.
Zugleich, so betont der Biochemiker, haben er und seine Kollegen mit der vorliegenden
Studie den Nachweis erbracht, dass die Signalweiterleitung durch SCD-1 keine unspezifische
Reaktion auf Stresssignale ist, sondern dass es sich um einen genau regulierten Mechanismus
handelt. Erst seit kurzem haben die Forscher Membranlipide überhaupt als zelluläre Signalund Regulationssubstanzen im Blick. "Mit unserer Arbeit tragen wir zu einem besseren
Verständnis dieser Prozesse bei", resümiert Dr. Koeberle. Und er und seine Kollegen stellen
die bisherigen Untersuchungen von Arzneistoffen, die an der SCD-1 angreifen, auf eine
fundierte und rationale Basis.
Literaturhinweis:
Koeberle A et al.
Role of p38 mitogen-activated protein kinase in linking stearoyl-CoA desaturase-1 activity
with endoplasmic reticulum homeostasis,
The FASEB Journal 2015, DOI:10.1096/fj.14-268474
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25678624
Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena