Controlling und Humankapital

Controlling und Humankapital
Gesundheit im Controlling des Humankapitals
Prof. Dr. Thomas Günther
TU Dresden
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Motivation
”In a knowledge economy human resources
– and not financial and physical capital –
are an organisation’s competitive edge (...).”
[Crawford, R. (1991): In the era of human capital, S. 122]
Ist Wissen allein ausreichend?
Angesichts alternder Belegschaften spielt die Erhaltung
und Förderung der Gesundheit eine bedeutende Rolle,
um die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter sicherzustellen
Berücksichtigung des Humankapitals, insbesondere
der Gesundheit im Controlling
Gesundheit im Controlling des Humankapitals
Humankapital – Theoretischer Untersuchungsrahmen
Langfristiges
Unternehmensziel
Unternehmenswert
Kapitalkosten
Finanzielle
Treiber des
Unternehmenswertes
(rechnerische
Zusammenhänge)
...
Umsatz
Verhaltensbezogene
Treiber des
Unternehmenswertes
(logische
Zusammenhänge)
...
Materialaufwand
Leistungsverhalten
ausgewählte
Elemente des
Humankapital i.w.S.
Investiertes
Kapitel
CVA
Abschreibungen
Innovationsverhalten
Begabung
Intelligenz
Wertschöpfung
Kapitalkosten
Kooperationsverhalten
Sozioökonomischer Status
[in Anlehnung an Neumann (2006)]
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Personalkosten
Lohnkosten
Abwesenheitskosten
...
Soziale
Kosten
...
Fluktuationskosten
Präsentismus
Abwesenheitsverhalten
Gesundheit
Betriebszugehörigkeit
Weiterbildungskosten
Fluktuationsverhalten
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Betriebliche Folgekosten von Krankheit
A. nach amerikanischer Systematisierung¹
1. direkte Gesundheitskosten
medizinische Behandlungskosten
Kosten für Medikamente
2. indirekte Gesundheitskosten
Kompensationen bei Abwesenheit
Kosten des Präsentismus (auf Bruttolohnbasis)
Kompensationen bei kurzzeitiger Arbeitsunfähigkeit
Kompensationen bei langzeitiger Arbeitsunfähigkeit
¹ Vgl. Hemp [2004], S. 4.
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MEDICAL and
PHARMACEUTICAL
24% ($116,2M)
DIRECT MEDICAL COSTS
INDIRECT MEDICAL COSTS
PRESENTEEISM
63% ($311,8M)
Long-term
disability
1% ($6M)
Vgl. Hemp (2004), S. 4.
Absenteeism
6% ($27M)
Short-term
disability
6% ($27M)
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Kosten pro chronisch erkranktem Mitarbeiter bei Dow Chemical²
Chronische Krankheit
durchschnittliche Kosten³ (in US-Dollar) durch
medizinische
Behandlung
Fehlzeiten
eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit
insgesamt
Allergien
1442
377
5129
6947
Arthritis
2623
441
6095
9127
Asthma
1782
383
5661
7870
Rücken- / Nackenschmerzen
2249
839
6879
9975
Atemwegserkrankungen
2274
2446
7663
12384
Depressionen
2017
1525
15322
18864
Diabetes
3663
514
5414
962
Herz - Kreislauf Erkrankungen
2531
613
6207
9359
Migräne / chronische
Kopfschmerzen
1689
945
6603
9232
Magen - Darm –
Beschwerden
2585
800
679
10188
² Vgl. Baase [2007], S. 56.
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Kostenzusammensetzung chronischer Erkrankungen
Krankheit
kleinster Kostenblock
größter Kostenblock
Atemwegserkrankungen
2274 $ für Behandlung
7663 $ für
Produktivitätsverluste
Depressionen
1525 $ für Fehlzeiten
15322 $ für
Produktivitätsverluste
Rückenschmerzen
839 $ für Fehlzeiten
6879 $ für
Produktivitätsverluste
Magen/Darmbeschwerden 679 $ für Produktivitätsverluste
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2585 für Behandlung
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B. Eigene Systematisierung (angepasst an deutsches
Gesundheitssystem)
1. direkte betriebliche Gesundheitsfolgekosten
Kosten der ausgefallenen Arbeitszeit anderer Mitarbeiter
Kosten für Schäden (z.B: Anlageschäden bei Unfällen)
Kosten für Ersatzmaßnahmen (Ersatzpersonal,
Überstunden, Personalüberkapazitäten)
Kosten für variable Versicherungsbeiträge (z.B.
Unfallversicherung Berufsgenossenschaft)
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B. Eigene Systematisierung (angepasst an deutsches
Gesundheitssystem)
2. indirekte betriebliche Gesundheitsfolgekosten
Wertschöpfungsentgang bei Abwesenheit
Kosten des Präsentismus (Produktivitätsverluste durch
Anwesenheit bei verminderter Leistungsfähigkeit)
Fluktuationskosten
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Beispiel für Wertschöpfungsentgang pro Ausfalltag
Wieviel kostet ein Ausfalltag?
Angaben zu einem mittelständischen Unternehmen der Metallindustrie (pro Mitarbeiter):
Umsatz
200‘ Euro
Personalkosten
80‘ Euro
Zukauf
70‘ Euro
sonstige Kosten
30‘ Euro
ROS
20‘ Euro
Sollarbeitstage (SAT)
220
Mitarbeiteranzahl
100
Wertschöpfungsentgang = [Umsatz – (Aufwendungen – Personalkosten)] / SAT
455 Euro = 200‘ – (180‘ – 80‘) / 220
Ein Ausfalltag kostet 455 Euro.
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Kosteneinsparung durch Senkung der Ausfallzeiten
Fortsetzung des Beispiels „Mittelständischer Metallverarbeiter“
1. Senkung des Krankenstands von 8 % auf 4%
Summe der Ausfalltage = Sollarbeitstage/Mitarbeiter * Krankenstandssenkung *
Mitarbeiteranzahl
= 220*0,04*100
= 880 Ausfalltage
Kosteneinsparung
= Ausfalltage * Kosten pro Ausfalltag
= 880 * 455
= 400 400 Euro
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Fortsetzung des Beispiels „Mittelständischer Metallverarbeiter“
2. Senkung des Krankenstands von 5 % auf 4 %
Summe der Ausfalltage = Sollarbeitstage/Mitarbeiter * Krankenstandssenkung *
Mitarbeiteranzahl
= 220*0,01*100
= 220 Ausfalltage
Kosteneinsparung
= Ausfalltage * Kosten pro Ausfalltag
= 220 * 455
= 100 100 Euro
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Break-Even-Berechnung
Beispiel „Mittelständischer Metallverarbeiter“
Annahme: durch Gesundheitsmaßnahmen lässt sich der Krankenstand pro
Mitarbeiter durchschnittlich um 5 Tage reduzieren.
Break-Even-Point:
Kosten der Maßnahme/Mitarbeiter = Einnahmen bzw. Kostenreduktion
durch Maßnahme
= 455*5
= 2 275 Euro
Es können jährlich 2 275 Euro pro Mitarbeiter investiert werden, wenn sich
dadurch der Krankenstand pro Mitarbeiter um 5 Tage reduzieren lässt.
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Volkswirtschaftliche Dimension
Annahme: Wertschöpfung pro Erwerbstätigen entspricht der Wertschöpfung pro
Mitarbeiter des Mittelständischen Metallverarbeiters.
Wertschöpfungspotential bei Reduzierung des Krankenstandes pro Erwerbstätigem
um durchschnittlich einen Tag:
2004 zählte Deutschland 38,4 Millionen Erwerbstätige.
Wertschöpfungspotential = Wertschöpfungsentgang pro Ausfalltag * 1 * Summe der
Erwerbstätigen in Deutschland
= 455 Euro * 1 * 38 400 000
Wertschöpfungspotential = 17,472 Mrd. Euro
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Kausalmodell
GesundheitsGesundheitsFolgekosten
AGSAGSStrukturen
GesundheitsGesundheitsmanagementkosten
AGSAGSProzess
AGSAGS-Kultur
Güte AGS
Wertschö
Wertschöpfung
Prä
Präsentismus
AGSAGSAkteure
Commitment
Etc.
Arbeitsmotivation
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Mögliche betriebswirtschaftliche Untersuchungen:
1) Wie hoch sind die Gesundheitsmanagement- und Krankheitsfolgekosten?
2) Wie ist die Relation von Gesundheitsmanagement- zu Krankheitsfolgekosten?
3) Welche nicht-monetären Wirkungen sind mit PAGS verbunden?
4) Hat „guter“ Arbeits- und Gesundheitsschutz Einfluss auf die
Gesundheitskosten?
5) Welchen Einfluss hat der Krankenstand auf die Wertschöpfung des
Unternehmens?
etc.
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Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit!