herunterladen - Metropolregion Rhein

DIE
FESTIVALS
K U LT U R R E G I O N R H E I N - N E C K A R
M Ä R Z – AU G U ST 2 015
LT
DOPPE
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MANN LBERG
EIDE
UND H NESCO
SIND U IVE
CREAT
CITIES!
Alles bleibt anders
Nico Hofmann über seine erste Saison
als Intendant der Nibelungen-Festspiele
J02
VORHANG AUF – DIE FESTIVALSAISON 2015
Auerbach
Bensheim
Heppenheim
WORMS
Weinheim
Frankenthal
LUDWIGSHAFEN
MANNHEIM
Zwingenberg
HEIDELBERG
SCHWETZINGEN
Neustadt
Hambach
Mosbach
Speyer
Landau
Herxheim
Spielorte der Top-Festivals
Kreisfreie Städte sowie Orte,
an denen weitere Festivals
(s. S. 39 f.) stattfinden
DIE TOP-FESTIVALS IN
DER METROPOLREGION RHEIN-NECKAR 2015
Theater, Musik, Kino, Kunst – die Top-Festivals März bis ­August
stehen im ­M ittelpunkt dieser Ausgabe. Das Magazin „Die Festivals“
bietet Ihnen Hintergründe, Geschichten und die wich­tigsten
Informationen auf einen Blick.
MÄRZ BIS AUGUST 2015
Heidelberger Frühling 21. März bis 25. April 2015
Heidelberger Stückemarkt 24. April bis 03. Mai 2015
Schwetzinger SWR Festspiele 25. April bis 30. Mai 2015
18. Internationale Schillertage 12. bis 20. Juni 2015
11. Festival des deutschen Films 17. Juni bis 05. Juli 2015, Ludwigshafen
21. Heidelberger Literaturtage 24. bis 28. Juni 2015
Heidelberger Schlossfestspiele 24. Juni bis 02. August 2015
Internationales Straßentheaterfestival Ludwigshafen 23. bis 25. Juli 2015
Nibelungen-Festspiele 31. Juli bis 16. August 2015, Worms
SEPTEMBER BIS DEZEMBER 2015
Wunder der Prärie 16. bis 26. September 2015
6. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg 18. September bis 15. November 2015
XI. Festspiele Ludwigshafen Ende September bis Dezember 2015
Enjoy Jazz 02. Oktober bis 14. November 2015, Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen
64. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg 09. bis 24. Oktober 2015
Mannheimer Mozartsommer Sommer 2016*
* Der Mannheimer Mozartsommer findet alle zwei Jahre und damit wieder im Jahr 2016 statt.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
03
INHALT
1/15
AUFTAKT
04Hier ist kreativ! Toller Erfolg! Mannheim und Heidelberg sind
in das Netzwerk „UNESCO Creative Cities“ aufgenommen worden.
08Von New York nach Mörlenbach Beim Projekt „Matchbox“
erforschen renommierte Künstler das Leben in der Metropolregion.
Den Auftakt macht das New Yorker „Nature Theater of Oklahoma“.
10 Hier spielt die Musik … Die Festivalszene der Region blüht
– auch in Sachen Musik. Drei Festival-Highlights im Porträt.
DIE FESTIVALS
13
10
12HEIDELBERGER FRÜHLING
Freiheit wagen, Horizonte öffnen. Der „Frühling“ setzt auf innovative
Konzertformate und den Austausch zwischen Kunst und Publikum.
15SCHWETZINGER SWR FESTSPIELE
Im Westen viel Neues. Die Schwetzinger SWR Festspiele erforschen
den Klangraum Westeuropa – mit Vokal-, Kammer- und Folkmusik.
16
18HEIDELBERGER STÜCKEMARKT
Wir sind alle Ayotzinapa. Das Gastland Mexiko steht im Länderfokus
A M A Z IN G !
des Stückemarkts – und präsentiert eine blühende Theaterlandschaft.
21INTERNATIONALE SCHILLERTAGE
19
Geschlossene Gesellschaft. Offen vs. geschlossen – mit Gastspielen,
Ko- und Eigenproduktionen nähern sich die Schillertage dem Thema.
24FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILMS
„Mitten drin im deutschen Film“. Jeden Sommer tummelt sich die
deutsche Filmszene auf der Ludwigshafener Parkinsel.
27HEIDELBERGER LITERATURTAGE
25
Die Unabhängigen. Mit anspruchsvollen Programmen haben kleine
Verlage eine Nische erobert. Die Literaturtage bieten ein Forum.
30HEIDELBERGER SCHLOSSFESTSPIELE
Tanz im Turm. „Tanz meets Akrobatik“ lautet die Devise der Produk­
tion „Penumbra“, die bei den Schlossfestspielen zu erleben sein wird.
22
28
33STRASSENTHEATERFESTIVAL LUDWIGSHAFEN
Ein Kamel auf Reisen. Mit einem gigantischen Höckertier reist die
französische Gruppe „Paris Bénarès“ nach Ludwigshafen.
36NIBELUNGEN-FESTSPIELE
„Der Dom hat eine ganz eigene Magie“. Der neue Intendant Nico
Hofmann erklärt, was die Besucher in Worms erwarten dürfen.
ZUGABE
39 Da war noch was … Weitere Festival-Highlights im Überblick
42 Mehr erfahren! Fordern Sie weitere I­nfor­mationen zu den
Top-Festivals der Metropolregion Rhein-Neckar an.
42Impressum
31
34
04
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
Auftakt
Fotos: Dominik Rossbach/Stadtmarketing Mannheim GmbH
MANNHEIM
UNESCO CREATIVE CITIES
Hier ist
kreativ!
Was für ein Erfolg! Mit Mannheim und Heidelberg sind im Dezember gleich
zwei Städte der Metropolregion Rhein-Neckar ins Netzwerk der UNESCO
­Creative Cities aufgenommen worden. Mannheim ist damit jetzt auch offiziell
als Musikstadt geadelt, Heidelberg als Stadt der Literatur.
UNESCO Creative Cities –
diese Städte gehören dazu
Literatur
Musik
Dublin
Bogota
Dunedin
Bologna
Edinburgh
Brazzaville
Granada
Glasgow
Iowa City
Gent
Heidelberg
Hamamatsu
Krakau
Hannover
Melbourne
Mannheim
Norwich
Sevilla
Prag
Reykjavik
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
KULTURREGION
Die Spannung im Dezember war riesengroß. Sämtliche Kulturaktivisten – Künstler, Veranstalter, Organisatoren, Förderer, Politiker, Besucher und Fans – nicht nur in Mannheim und
Heidelberg, sondern in der gesamten Rhein-Neckar-Region
schauten nach Paris, wo die einschlägige UNESCO-Jury tagte. Wer würde es schaffen, in den Kreis der UNESCO Creative Cities aufgenommen zu werden? Mannheim als City of
Music oder doch eher Heidelberg als City of Literature? Oder
am Ende, man wagte es kaum sich vorzustellen, beide Städte?!
Umso entfesselter dann der Jubel, als die Entscheidung feststand: Die Metropolregion Rhein-Neckar wird künftig nicht
nur eine, sondern gleich zwei offiziell von der UNESCO geadelte Kreativstädte beherbergen. Unglaublich, so der Tenor
der versammelten Szene, unglaublich und unglaublich gut!
Doch zurück zum Anfang: Es war im Jahr 2004, als die
UNESCO entschied, dass künftig ganze Städte kreativ sein
dürfen, und das auf verschiedenen Gebieten. Damals hob die
UNESCO ihr „Creative Cities“-Programm aus der Taufe.
Weltweit können sich Städte, die in einem der Bereiche Literatur, Film, Musik, Design, Gastronomie, Medienkunst oder
Handwerk Besonderes bieten, um die Aufnahme in einem der
globalen „Creative Cities“-Netzwerke bewerben.
Die Bewerbung ist aufwendig, das Auswahlverfahren streng.
Nur wer eine reiche Tradition und zukunftsweisende Perspektiven vorweisen kann, hat Chancen auf den Titelgewinn. Die
Auszeichnung ist ideeller Natur – finanzielle Zuwendungen
von Seiten der UNESCO gibt es nicht. Doch der Titel schafft
Aufmerksamkeit und Renommee. Mäzene und Sponsoren
werden angelockt, Künstler und Kulturaktivisten bekommen
noch mehr Unterstützung und Freiräume und bilden krea­t ive
Netzwerke. Denn die in den erlesenen Kreis aufgenommenen
Städte sind dazu angehalten, sich untereinander auszutauschen
und miteinander Projekte auf den Weg zu bringen.
Nun sind es also gleich zwei Städte der Metropolregion – und
dass es gleich zwei sind, sollte einen in der Metropolregion gar
nicht wundern –, die von der UNESCO zur „Creative City“
erhoben wurden. Kreativ waren sie schon vorher, aber mit
­Titel fühlt es sich jetzt alles noch ein wenig offizieller an.
Drei Jahre lang hatte Heidelberg an seiner Bewerbung zur
„Creative City of Literature“ gearbeitet, mit gehörigem finanziellem und personellem Aufwand. Kulturamt, literarische Institutionen, Verlage und Veranstalter – alle zogen an einem
Strang. In einem schmucken Buch wurden die literaturhistori-
05
5
schen, verlagslandschaftlichen und kreativwirtschaftlichen
­Vorzüge Heidelbergs zusammengetragen. Das war ein Pfund.
Das Komitee, das über die Bewerbung zu urteilen hatte, ­konnte
sich dem Heidelberger Esprit nicht entziehen und schenkte der
Autorin Jagoda Marini´c Glauben, die in einem dem Band beigegebenen Essay schrieb: „Wer hier lebt und arbeitet, läuft Gefahr, von der Hingabe an den lebendigen Geist so beflügelt zu
werden, dass alles denkbar wird und alles Denkbare machbar.“
Auch in Mannheim scheint alles denkbar und alles Denkbare
machbar – nicht nur, aber vor allem im Reich der Musik. So
hatte man seinerzeit in der noch jungen Residenzstadt die
Mannheimer Schule, heute hat man in der postindustriellen
Kreativmetropole Popakademie und Musikpark. Außerdem
gibt es Enjoy Jazz und andere Festivals, die Orientalische Musikakademie und etliche Musikschaffende, die sich für die Bewerbung als „Creative City of Music“ ins Zeug gelegt haben.
Geschadet hat es sicher auch nicht, dass die Stadt mit Xavier
Naidoo, den Söhnen Mannheims oder Laith Al-Deen einige
Größen des deutschen Popgeschäfts beherbergt.
Der Plan von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, Mannheim
in die erste Liga der deutschen Kulturstädte zu führen, hat hier
jedenfalls auch wieder für Schubkraft gesorgt: Das Team um
Rainer Kern und Julia Strysio hat die Bewerbung, die aus einem ausführlichen Paper besteht, in gerade mal zwei Monaten
gestemmt. Und das mit so viel Verve, dass auch hier die
UNESCO nicht anders konnte, als den Mannheimern den Titel zu verleihen. Für Kern ist diese Auszeichnung ein Geschenk
an die Stadt Mannheim, ein Glücksfall, den man sich allerdings über viele Jahre hinweg hart erarbeitet hat. „Ich glaube“,
sagte er kurz nach der Bekanntgabe der Auszeichnung, „dass
wir jetzt in der internationalen Wahrnehmung einen sehr großen Sprung nach vorn machen und die Wertschätzung bekommen, die wir uns wünschen, die uns aber auch zusteht.“
Das gilt natürlich für beide Städte, für Heidelberg und für
Mannheim, die in Zukunft nicht nur kulturell noch weiter
zusammenrücken werden. Gemeinsame Aktivitäten unterstützen wird das Kulturbüro der Metropolregion Rhein-Neckar, das bereits die Bewerbungen intensiv begleitet hat. Dass
Literatur und Musik sich sehr gut ergänzen, hat Heidelbergs
Kulturbürgermeister Dr. Joachim Gerner kürzlich in einem
Interview mit dem Börsenblatt angedeutet. Das Zusammenspiel der beiden Sparten, so Gerner, könne ein reizvoller
Schwerpunkt bei kommenden Projekten sein. Auf gemein­
same Impulse darf man sich also freuen. ■
06
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
Auftakt
Herr Dr. Würzner, was macht für Sie persönlich die Literaturstadt
Heidelberg aus?
Heidelberg hat eine große literaturhistorische Tradition und eine
sehr lebendige literarische Szene. Seit über 700 Jahren wird in
unserer Stadt mit Sprache gearbeitet, bedeutende Literatur geschrieben und gesammelt. Aktuell leben etwa 200 Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Heidelberg, es gibt überdurchschnittlich viele Verlage, Buchhandlungen und Antiquariate.
Zudem arbeiten namhafte Übersetzerinnen und Übersetzer hier.
Darüber hinaus gibt es die Literaturpreise, den Clemens Brentano Preis und den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil, das
Festival Heidelberger Literaturtage und international renommierte Institutionen sowie ein vielfach ausgezeichnetes Theater.
Wie kam man auf die Idee, sich um den Titel zu bewerben?
Heidelberg hat in den vergangenen Jahren konsequent den Bereich der Kreativwirtschaft gefördert. Dabei haben wir Buchmarkt und Verlagslandschaft als wichtige wirtschaftliche Faktoren
in unserer Stadt identifiziert. Initiiert hat die Bewerbung Dr. Joachim Gerner, Bürgermeister für Familie, Soziales und Kultur, gemeinsam mit dem damaligen Beauftragten für Kultur- und Kreativwirtschaft Frank Zumbruch und der Koordinatorin im
Kulturamt Alexandra Eberhard. Im Jahr 2011 fand sich ein
15-köpfiges Expertenkomitee zusammen, das über drei Jahre hinweg mit dem Kulturamt eine Bewerbungsschrift erarbeitet hat.
Kann sich die neue Auszeichnung auf das literarische Leben in der
Stadt positiv auswirken?
Ein erster Schritt ist die Vernetzung der Schriftstellerinnen und
Schriftsteller, der Verlegerinnen und Verleger, Buchhändlerinnen
und Buchhändler, Antiquarinnen und Antiquare sowie Übersetzerinnen und Übersetzer. Das Ziel muss sein, möglichst alle in
Heidelberg vorhandenen Literaturprogramme zu bündeln, stärker in der Region und in ganz Deutschland zur Geltung und in
das internationale Netzwerk der UNESCO einzubringen.
Können Sie sich vorstellen, dass die Stadt in diesem Zusammenhang neue Projekte anstößt?
Geplant ist eine Erweiterung der Literaturprogramme um interdisziplinäre Forschungsprojekte zu gesellschaftlich relevanten Fragen zum Themenfeld „Text – Sprache – Philosophie“. Ich stelle
mir etwa ein Forschungslabor vor, in dem Kunstproduzierende
aller Sparten gemeinsam mit Geistes- und Naturwissenschaftlern
an gesellschaftlich relevanten Fragen arbeiten: Wie kann mit den
Mitteln der Sprache Fortschritt im Sinne einer Verbesserung der
Lebensbedingungen und der Bewältigung globaler Probleme
unter­stützt werden? Wie kann Sprache eingesetzt werden, um die
Bereitschaft der Menschen zu erhöhen, sich zu verstehen?
Und im Hinblick auf die Metropolregion Rhein-Neckar?
Heidelberg setzt natürlich auch auf die kulturelle Zusammenarbeit in der Metropolregion Rhein-Neckar. Da die Nachbarstadt
Mannheim als UNESCO City of Music ausgezeichnet wurde,
liegt es nahe, gemeinsam Kooperationsprojekte zur Verbindung
von Musik und Literatur zu initiieren und zu fördern.
Welche Kooperationen sind darüber hinaus denkbar?
Heidelberg wird sich mit eigenen Kooperationsideen gezielt in
das UNESCO-Netzwerk einbringen, beispielsweise mit der
„Weltkarte der Poesie“, einer Lyrik-Anthologie mit Dichterinnen und Dichtern der UNESCO-Literaturstädte oder mit dem
Aufbau eines internationalen studentischen Netzwerks für kreatives Schreiben in Kooperation mit der Universität Heidelberg.
Welche Außenwirkung erhoffen Sie sich von diesem neuen Titel?
Menschen aus aller Welt werden Heidelberg noch stärker als
Stadt des Wissens und der Wissenschaft wahrnehmen. Wir werden ein spezifisches Heidelberger Profil als UNESCO-Literaturstadt erarbeiten, das sich durch Internationalität, Weltoffenheit
und Toleranz für Menschen aus anderen Herkunftsländern und
anders religiös geprägten Ländern auszeichnet. ■
„Ein Forschungslabor für
gesellschaftliche Fragen“
Als erste deutsche Stadt überhaupt hat Heidelberg
Ende 2014 den Sprung in den Kreis der UNESCO Cities
of Literature geschafft. Heidelbergs Oberbürgermeister
Dr. Eckart Würzner über die Chancen für die Stadt und
die Metropolregion Rhein-Neckar.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
KULTURREGION
07
„Der Titel ist eine sehr
große Auszeichnung“
Als Musikstadt sieht sich Mannheim schon lange, seit Ende 2014
darf sich die Stadt auch offiziell als „UNESCO City of Music“ bezeichnen. Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz über Netzwerke,
Strategien und Impulse für Stadt und Region.
Herr Dr. Kurz, Mannheimer Schule, Popakademie, Clustermanage­
ment, dazu Namen wie Joy Fleming, Xavier Naidoo oder Laith AlDeen – war der Erfolg bei der UNESCO-Bewerbung zwangsläufig?
Für uns war der Schritt der Bewerbung selbst zwangsläufig. Die
von Ihnen erwähnten Institutionen der Musikstadt Mannheim
sind das Ergebnis strategischer Planungen. Für uns war der
Schritt hin zur Internationalisierung unseres Modells sinnvoll
und naheliegend. Daraus ergibt sich natürlich kein zwangsläufiger Erfolg. Aber wir waren uns sehr sicher, dass wir uns zum
richtigen Zeitpunkt bewerben und es viele gute Gründe gab, uns
in das UNESCO-Netzwerk aufzunehmen.
Die erwähnte Zusammenarbeit zwischen Mannheim und Bogotá beispielsweise wurde von uns während des letztjährigen SymWie kam man auf die Idee, sich als UNESCO City zu bewerben? posiums „At the Boundaries of Sound“ initiiert. Auch die BNa, die Idee ergab sich zwangsläufig (lacht) – aus den eben be- Seite/roBOt-Kooperation ist das Resultat einer von uns
schriebenen Gründen. Bei der Vorgeschichte hätte es ja eher ei- organisierten Begegnung in Mannheim im Rahmen eines Trefner Erklärung bedurft, sich nicht zu bewerben.
fens junger Kulturmanager und -managerinnen.
Wie können die Protagonisten und Institutionen der Mannheimer
Musikszene konkret von dem Titel profitieren?
Wir haben die Arbeit im Netzwerk erst aufgenommen und lernen gerade die Arbeits- und Funktionsweise kennen. Aber bereits
jetzt haben Aktivitäten und Kooperationen mit Partnerstädten aus
dem Netzwerk begonnen. Das Mannheimer B-Seite-Festival arbeitet bereits mit dem roBOt-Festival aus Bologna – ebenfalls
UNESCO City of Music – zusammen. Das Ergebnis ist am
21. März in der Alten Feuerwache zu sehen und zu hören. Eine
starke Verbindung hat sich bereits zwischen der Mannheimer Initiative „Who. Am. I. – Rap Workshop“ und der Bhustak Foundation aus Bogotá – ebenfalls UNESCO City of Music – ergeben.
An diesen Beispielen ist gut zu sehen, wo der Mehrwert für die
Mannheimer Musikszene liegt. Es werden sich nicht alle Erwartungen erfüllen, aber ich bin sicher, dass wir das Mannheimer
Musikmodell konsequent weiterentwickeln können und sich die
Stadt durch die Internationalisierung weiter der Welt öffnet. Impulse erwarte ich auch für die Kultur- und Kreativwirtschaft.
Denn darum geht es auch: die Förderung der Kreativwirtschaft,
nicht zuletzt auch das Schaffen von Arbeitsplätzen.
Inwieweit kann auch die Metropolregion vom Status von Mannheim und Heidelberg als UNESCO Creative Cities profitieren?
Wir haben in Einheit mit den anderen UNESCO-Titeln in der
Region die große Chance, die Metropolregion als eine Kulturregion mit globaler Strahlkraft zu positionieren. Die UNESCO
hat eine große Reputation, steht für Seriosität und Qualität und
verbindet Bildung, Wissenschaft und Kultur. Diesen Ansatz verfolgen wir in Mannheim seit Jahren und können damit einen
wichtigen Impuls auch in die Region setzen.Wir sind eine Kulturregion, die auf Bildung und Wissen setzt – als wichtigstes Kapital für eine interkulturelle und diverse moderne Gesellschaft.
Welche Außenwirkung erhoffen Sie sich von diesem neuen Titel?
Der Titel ist eine sehr große Auszeichnung, die sicher hilft, das
Image der Stadt weiter zu verbessern. Und das UNESCO-Label
macht für alle sichtbar, wofür die Stadt steht. Nur, dass wir das
jetzt nicht mehr selbst sagen müssen. Es gibt sicher keine stärkere
Marke im Kulturbereich als die UNESCO.
Bill Clinton hat bei seiner Amtseinführung Saxofon gespielt. Dürfen wir von Ihnen Ähnliches erwarten, falls Sie in diesem Jahr erstWird die Stadt neue Projekte anstoßen und fördern?
mals als OB einer UNESCO City of Music gewählt werden?
Wir werden im Zusammenspiel mit der Mannheimer ­Musikszene Sie dürfen alles erwarten, aber wie erwähnt, es werden ja nie alle
natürlich auch als Impulsgeber und Initiator von Projekten a­ gieren. Erwartungen erfüllt (lacht). Lassen Sie sich also ­überraschen. ■
08
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
Auftakt
MATCHBOX: NATURE THEATER OF OKLAHOMA
VON
NEW YORK
NACH
Ob es sich nun um den hintersten Winkel im Odenwald handelt, eine Insel auf dem Neckar,
oder ein Straßendorf – Matchbox kommt überall hin. Das mobile Projekt des Kulturbüros der
Metropolregion Rhein-Neckar lädt internationale Künstler ein, in Dörfern und Städten der
Region Kunstaktionen mit den Bewohnern zu realisieren. Zum Auftakt Anfang September ist
das renommierte Nature Theater of Oklahoma aus New York mit von der Partie.
Illustrationen: Rhea Häni
Auf Waldwegen und Radstrecken entlang der Siegfriedstraße
zu radeln, ist für Kelly Copper und Pavel Liska vermutlich genauso abenteuerlich wie für uns ein Motorradtrip auf der
­Route 66. Die beiden einflussreichen Neuerer des experimentellen Theaters begeben sich vier Wochen lang auf eine Radtour durch den Odenwald. Über Berg und Tal geht es in Orte
wie Einhausen, Lorsch und Mörlenbach. Ein wahres Kontrastprogramm für die Künstler des New Yorker Nature Theater of
Oklahoma, die normalerweise auf den Bühnen dieser Welt zu
Hause sind, in Berlin, Wien oder Avignon.
Die beiden sind Teil des großen spartenübergreifenden Kunstprojektes „Matchbox“. Vier Wochen lang bespielen international renommierte Künstler Dörfer und Städte der Metropolregion Rhein-Neckar. „Kunst wird direkt vor der eigenen
Haustür im Odenwald oder an der Bergstraße erlebbar“, erläutert Thomas Kraus, Leiter des Kulturbüros der ­Metropolregion
Rhein-Neckar und Initiator von „Matchbox“, das als ­Reihe
langfristig konzipiert ist. Bleibt nur die Frage der Finanzierung
eines solch großangelegten Projekts. „Wir können dabei zum
einen auf das Engagement der beteiligten Kommunen zurückgreifen“, erklärt Kraus. „Zum anderen haben wir Partner wie
die Baden-Württemberg Stiftung, BASF SE oder Roche Diagnostics GmbH gewinnen können.“
Das Matchbox-Team recherchiert vor Ort und diskutiert mit
den Bürgermeistern der Kommunen, die bei der ersten ­Auflage
teilnehmen. Welche Themen bewegen die Bewohner und die
Verantwortlichen in den Rathäusern? Das Kulturprogramm
soll ganz individuell auf jede Stadt und jedes Dorf abgestimmt
werden. „Wir ‚matchen‘ die Kommunen mit Künstlern, die
perfekt zu ihnen passen und mit den Bewohnern etwas entwickeln können“, verspricht Projektleiterin Julia Strysio. „Vielleicht gelingt es sogar, mit Kunst Probleme aufzubrechen, zum
Beispiel wenn eine trostlose Durchgangsstraße bespielt wird.“
Kelly Copper und Pavel Liska haben die teilnehmenden Kommunen auf ihrer Landkarte dick angestrichen, denn auch die
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
MATCHBOX
09
MÖRLENBACH
Prüfungen werden die Künstler, die in Nibelungenkostümen
bekleidet und mit einer Filmausrüstung unterwegs sind, wohl
ausreichend zu bestehen haben. Allein die Tour ist eine besondere Herausforderung: Sie führt rund 300 Kilometer quer
durch den Odenwald. Start ist in Worms, danach geht es über
das UNESCO-Weltkulturerbe Lorsch, Einhausen, Weinheim,
Lindenfels und Hirschhorn bis nach Neckargemünd. Unterwegs übernachten die Theatermacher bei Privatpersonen. So
wollen sie Traditionen und Bräuche der Odenwälder hautnah
kennenlernen. Aber natürlich begeben sie sich im Stammland
der Nibelungen auch auf die Spuren der Heldensage. Diese
fasziniert Kelly Copper und Pavel Liska besonders: „Sie stellt
hollywoodhafte und doch sehr ernste Fragen nach Mut, Risiko, Verantwortung, Treue und Performance.“ Für den großen
Trip trainieren die beiden jetzt schon und pauken Deutsch.
Um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, suchen sie Brieffreundschaften in der Metropolregion Rhein-Neckar.
Das „Provinz“-Abenteuer der New Yorker wird auch filmisch
dokumentiert. Ein episches Werk, wie Pavel Liska selbstbewusst ausführt: „Es soll Fritz Langs Stummfilmklassiker ‚Die
Nibelungen‘ in nichts nachstehen.“ Mit dem fertigen Opus
touren die Theatermacher im Sommer 2016 noch einmal
durch die Metropolregion Rhein-Neckar, um gemeinsam mit
jenen Premiere zu feiern, die diesen Film ermöglicht haben.
Danach soll der Streifen auf internationalen Festivals laufen.
Dublin und Vancouver heißen dann die Orte, an denen zu
sehen ist, wie die Menschen in Einhausen, Lorsch oder Lindenfels leben. ■
BRIEFFREUNDE
GESUCHT!
Möchten Sie Brieffreunde von Kelly Copper und Pavel
Liska werden? Die beiden New Yorker Regisseure, Autoren
und Performer suchen Kontakte in der Metropolregion
Rhein-Neckar, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.
Kontakt: [email protected]
Fotos: Kelly Copper & Pavel Liska
beiden New Yorker werden diese bei ihrer Tour durch den
Odenwald ansteuern und mit eigenen Aktionen bereichern.
Schließlich planen die Masterminds des Nature Theater of
Oklahoma nicht nur einen banalen Radausflug, sondern eine
ganz persönliche H
­ eldenreise, die mit vielen Abenteuern und
Bewährungsproben bis hin zur glücklichen Rückkehr mit einem besonderen Elixier garniert werden soll.
10
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
Auftakt
INNOVATIVE MUSIKFESTIVALS IN DER METROPOLREGION
HIER SPIELT DIE MUSIK
Mannheim ist jetzt ganz offiziell Musikstadt, nicht zuletzt weil Stadt und Region auch jenseits
des Heidelberger Frühlings, der Schwetzinger SWR Festspiele und Enjoy Jazz eine ganze Reihe
von kleineren, aber nicht minder feinen Musikfestivals zu bieten haben. Drei Festivals im Porträt.
MUSIK DER WIKINGER
präsentiert Miriam Andersén
gemeinsam mit Poul Hoxbro am
31. Mai im Chateau Schembs.
Foto: Catherine Cabrol
Dimension eröffnen, deren Klang auch die großen Zeiten von
Mittelalter und früher Neuzeit am Rhein wieder hörbar
macht“, erklärt Initiator und Festivalleiter Volker Gallé. Gemeinsam mit dem künstlerischen Berater Marc Lewon hat er
wieder ein Programm mit Künstlern aus ganz Europa zusammengestellt.
Eines der Highlights ist „Rheingold“ von Rüdiger Oppermann. Die Uraufführung ist eine musikalisch-literarische
Hommage an den Rhein. Frühchristliche Manuskripte aus St.
Gallen, der Goldhut von Schifferstadt, die Nibelungen, Lore
Lay, die Römer und moderne Industrieanlagen haben den
Komponisten inspiriert. Ein weiterer Höhepunkt ist das von
Marc Lewon konzipierte Stationenkonzert, das mit den Klangwelten des romanischen Doms spielt. In der gotischen Liebfrauenkirche schließlich ist der Frauenchor „Ars Choralis Coeln“
mit rheinischen Marienliedern zu hören. Und auch literarisch
öffnet wunderhoeren das Tor zu Mittelalter und früher Neuzeit: die Orientalistin Claudia Ott, der Suhrkamp-Autor Christian Lehnert oder der Heidelberger Lyriker Ralph Dutli, sie alle
haben sich mit historischen Themen auseinandergesetzt. InsgeAugsburg, Trier, Kempten oder Worms? Gleich vier Städte sind samt sechzehn Veranstaltungen umfasst das Programm. Dazu
es, die sich um den Ehrentitel „älteste Stadt Deutschlands“ kommen Bildungsangebote für Schulen im Nibelungenmusestreiten, und alle haben gute Argumente auf ihrer Seite. Un- um, Vorträge zu Franz von Sickingen und seinem Umfeld sozweifelhaft ist aber das reiche historische Erbe von Worms, das wie Schnupperkurse mit Drehleier und Dudelsack im Rahmen
bis heute zahlreiche Spuren hinterlassen hat: Ob Dom, Lieb- des Spectaculum.
frauenkirche, Synagoge, jüdischer Friedhof oder Martinskirche,
Worms hat eine beeindruckende Dichte an historischen Bauten wunderhoeren, 28. Februar bis 12. Juli 2015
zu bieten. Angesichts dieses Reichtums war es eine so originel- www.wunderhoeren.de
le wie naheliegende Idee, als man in Worms das Festival „wunderhoeren“ aus der Taufe hob.
Tipps
Rheingold, 27. Juni 2015, 20 Uhr, DAS WORMSER
Zum dritten Mal präsentieren die „Tage alter Musik und Lite- Klangwelten im Dom – Ensembles Leones und ­Peregrina,
ratur“ an historischen Orten ein Programm, das von der Anti- 19. April 2015, 18 & 18.45 Uhr, Dom zu Worms
ke bis zur Renaissance reicht. „Wir als Stadt Worms wollen Les Maries du Rhin – Konzert mit Ars Choralis Coeln,
nicht zuletzt der Festivalregion mit wunderhoeren eine weitere 13. Juni 2015, 20 Uhr, Liebfrauenkirche Worms
WUNDERHOEREN
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
Auftakt
JETZTMUSIK FESTIVAL
Techno und Feuilleton – das ist schon lange kein Gegensatz
mehr. Das Mannheimer Jetztmusik Festival gehört deutschlandweit zu den innovativsten und mutigsten Veranstaltungen,
wenn es darum geht, elektronischer Musik eine ernsthafte Betrachtung zukommen zu lassen. Dabei dreht sich alles um
Schnittstellen, Verbindungspunkte und fließende Übergänge.
Ein DJ-Set als Vertonung eines Stummfilms, eine Ballettimprovisation zu den Klängen eines Drum-Computers? Nichts
Außergewöhnliches im Spielplan dieses Festivals, das Grenzüberschreitung zur Norm gemacht hat. Und das Beste daran:
das Experiment funktioniert immer wieder aufs Neue. Wer
etwa den Synthesizer-Virtuosen Nils Frahm bei der vergangenen Ausgabe in der Mannheimer Christuskirche erleben durfte, wurde Zeuge eines genreübergreifenden Konzerthöhepunkts.
Seit der ersten Ausgabe 2007 hat sich das Festival von seiner
„großen Schwester“, der Time Warp, emanzipiert. Nach dem
Rückzug der Agentur Cosmopop, die das Konzept entworfen
und bis 2013 weitergeführt hatte, wurde mit den erfahrenen
Veranstaltern Patrick Forgacs, Alexander Henninger und Dennis Borlein ein frisches Team aus der Region gefunden, das
vom Mannheimer Musik-Clustermanager Matthias Rauch unterstützt wird. Die Zielsetzung ist klar: „Wir wollen das Festival
verstärkt auch als überregionale Marke etablieren“, erklärt Alexander Henninger. Wie das konkret aussehen soll, erläutert
Matthias Rauch: „Für 2016 planen wir eine eigene Produktion
mit dem Nationaltheater, die dann auch außerhalb Mannheims
gezeigt werden könnte.“
Große Momente lässt aber bereits wieder das diesjährige Programm vermuten. So kommen die Kölner Elektroniklegenden
Mouse on Mars in die Alte Feuerwache, mit Prosumer wird
sich ein Held des Berliner Techno-Undergrounds an die Vertonung des Stummfilms „Die Stadt ohne Juden“ wagen. Kein
Künstler des diesjährigen Line-ups bringt jedoch die Grundidee des Festivals so treffend auf den Punkt wie Gregor Schwellenbach: Der klassische Komponist hat Stücke des Kölner Techno-Labels Kompakt neu arrangiert und in klassischer Besetzung
einspielen lassen. Mensch vs. Maschine, der Gründungsmythos
von Techno, hier blitzt er kurz wieder auf, um dann in einem
völlig neuartigen Hörerlebnis aufzugehen.
Jetztmusik Festival, 20. bis 29. März 2015
www.jetztmusikfestival.de
BRÜCKENAWARD
Im Schatten der Wohntürme der Mannheimer Neckarbebauung, zwischen Betonpfeilern, Fußgängerbrücken und Tiefgaragenzufahrten, residiert das „Forum“: Und auch wenn die
Location an diesem nasskalten Januarabend nicht unbedingt
einladend wirkt, innen brodelt‘s. Denn heute geht dort der
4. Mannheimer Winteraward über die Bühne. Der Winter­
award ist die Schwester des Mannheimer Brückenawards, der
nur ein paar hundert Meter den Neckar runter unter einer Eisenbahnbrücke allsommerlich stattfindet. Auf der Bühne lassen
gerade die Alternative-Rock-Jungs von „Go Get It“ die Pferde
springen. An diesem Abend werden aber auch Elektropop,
Stoner Rock, Doom und anderes zu erleben sein.
„Bei der Auswahl haben wir keine festen Kriterien“, erklärt
Christian Bethge, einer der Brückenaward-Macher. „Die Qualität muss stimmen und die Band die Ideologie des Festivals
teilen.“ Gemeinsam mit Joachim von Hunnius und Martin
Junkers hat Bethge den Brückenaward vor fünf Jahren aus der
Taufe gehoben. „Wir wollten Bands eine Möglichkeit bieten,
ihre Musik zu präsentieren, und so die Szene in Mannheim
bündeln.“ Das Konzept ist aufgegangen: Der Brücken­award
ging 2014 bereits in die fünfte Auflage, der Winteraward in die
vierte, gut 50 Bands haben sich schon präsentiert. Das Ganze ist
dabei konsequent als Non-Profit-Event angelegt. Nicht nur der
Eintritt ist frei, obendrein gibt’s ein kostenloses Salatbüffet, Getränke dürfen gerne vor Ort gekauft, aber ebenso gerne mitgebracht werden. Dass die Bands im Gegenzug keine Gage erwarten können, versteht sich da von selbst. Spenden nehmen die
Veranstalter gerne entgegen. Was übrig bleibt, wird für soziale
Zwecke gespendet. „Engagement“ lautet das Zauberwort. „Die
Unterstützung aus der Szene ist beeindruckend“, sagt Bethge.
„Helfer, Musiker, Fans – jeder gibt sein Bestes.“
Die Brückenaward-Macher haben ihren Aktionsradius in den
letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Neben den Konzerten
haben sie inzwischen eine feste Bühne auf dem Maifeld-Derby
und mit dem RA.MA-Tonstudio eine Anlaufstelle für Bands,
die dem Independent-Ethos verpflichtet sind und professionell
aufnehmen möchten. Ach ja, warum „Award“, gibt’s da einen
Preis zu gewinnen? „Nein“, lacht Christian Bethge. „Es gab
aber eine Zeit in Mannheim, da sprach jeder von „Awards“.
Wir haben diesen Begriff ironisch aufgefasst und auf unser
Konzept übertragen. Die Leute dürfen sich gerne wundern.“
Werden sie auch in Zukunft tun – und dann begeistert sein …
www.brueckenaward.de
Foto: CC-BY 3.0: Florian Köhler,
cheatha.de
SYNTHESIZER VS. FLÜGEL: Nils Frahm (hier 2014)
spielt auch in diesem Jahr beim Jetztmusik Festival.
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER FRÜHLING
DER MANN MIT DER MÜTZE: Der US-Komponist
Frederic ­Rzewski ist einer der zentralen Prota­
gonisten des diesjährigen Heidelberger Frühling.
HEIDELBERGER FRÜHLING
Freiheit wagen,
Horizonte öffnen
Foto: Michael Wilson
Der Heidelberger Frühling hat sich nicht nur wegen seiner hochkarätigen Konzerte und der spannenden
­Mischung aus etablierten Größen und Newcomern zu einem der bedeutendsten Klassikfestivals entwickelt.
Ebenso wichtig ist seine konzeptionelle Ausrichtung, die auf innovative Konzertformate setzt, den Austausch
zwischen Künstlern und Publikum fördert und auch den gesellschaftlichen Kontext der Musik im Blick hat.
Natürlich gibt es sie beim „Heidelberger Frühling“, die großen Orchesterkonzerte mit namhaften Solisten. Doch der
Grund, warum immer mehr Menschen aus ganz Deutschland
und darüber hinaus im Frühjahr nach Heidelberg reisen, ist ein
anderer: „Unser Ziel ist es, in der fünfwöchigen Festivalzeit
eine Gemeinschaft aus Künstlern und Besuchern zu kreieren“,
betont Festivalleiter Thorsten Schmidt. „Eine Gemeinschaft,
die sich einlässt auf Entschleunigung, auf anregende Gespräche
über das Gehörte, auf Begegnungen mit neuen Menschen und
auf neue Erfahrungen.“ Und tatsächlich zeichnet sich das internationale Musikfestival vor allem durch die „kleine Form“
aus: die hochkarätigen kammermusikalischen Abende, die Belebung der immer wieder totgesagten Gattung Kunstlied, eine
für das Publikum öffentliche Akademie und innovative Konzertformate, die das Gehörte in Ohren und Geist öffnende
Kontexte stellt.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER FRÜHLING
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GALERIE DER VIRTUOSEN: Rafał Blechacz, Fazıl
Say und Igor Levit (von oben) sind nur drei der
hochkarätigen Pianisten, die sich beim Heidelberger Frühling in diesem Jahr die Ehre geben.
Tastenmeister
Beachtlich ist in diesem Jahr die Reihe bedeutender Pianisten, die man in Heidelberg hören kann: Altmeister
­Grigory Sokolov und Grenzgänger Fazıl Say, Chopin-Experte Rafał Blechacz und sein Landsmann Piotr Ander­
szewski. Auch das Duo Alice Sara Ott und Francesco Tristano und Newcomer wie Frank Dupree kommen an den
Neckar. Besonderer Höhepunkt ist eine kleine „Residency“
von András Schiff vom 27. bis zum 30. März, der neben
einem Solorezital auch einen Duoabend mit dem Klarinettisten Jörg Widmann und erstmals mit Igor Levit ein
Konzert mit Werken für zwei Klaviere gibt. Apropos Levit:
Der von der Presse als Jahrhundertpianist gehandelte
ECHO-Klassik-Preisträger gibt am 12. April ebenfalls einen
Soloabend, bei dem er erstmals Bachs „Goldberg-Varia­
tionen“ öffentlich aufführt. Hinzu kommt die Uraufführung eines Werks, das der Heidelberger Frühling bei dem
US-Amerikaner Frederic Rzewski in Auftrag gegeben hat.
„Wir haben Künstler wie András Schiff, Fazıl Say – er spielt
unter anderem sein Werk „Gezi Park“ – und Frederic ­R zewski
mit Bedacht für den aktuellen Festivaljahrgang gewählt, da sie
in ihrer Kunst auch immer das Politische und Gesellschaftliche
mitdenken“, erläutert Thorsten Schmidt. Hinzu kommen zwei
Abende mit dem Literaturkritiker Denis Scheck unter dem
­Titel „Freiheit des Erzählens“ sowie das Symposium „Dialektik der Freiheit“. Darüber hinaus nimmt sich die Koproduk­
tion des „Heidelberger Frühling“ mit John Neumeiers Bundesjugendballett ganz unmittelbar der Thematik an. Und auch
die vom Festival bereits zum dritten Mal ausgerichtete Heidelberg Music Conference fragt „Die Kunst ist frei – aber wie
lange noch?“.
Ein weiteres Beispiel für das besondere Konzept ist die Kammermusik Akademie des „Heidelberger Frühling“, die in diesem Jahr bereits zum dritten Mal von dem Starpianisten Igor
Levit geleitet wird. Im Zentrum der diesjährigen Akademie
steht der US-amerikanische Komponist und Pianist Frederic
Rzewski. „Man kann sich die Akademie vorstellen wie ein
kleines Festival im Festival“, erklärt Schmidt. „Die Besucher
hören nicht nur jeden Abend hochkarätige Konzerte mit Levit
und anderen Mentoren, sondern tauchen den ganzen Tag über
gemeinsam mit den Künstlern und hochbegabten Stipendiaten
in die Musik ein.“
So gibt es Open Classes, bei denen man hautnah die Proben­
arbeit verfolgen kann, Lunch- und Werkstattkonzerte sowie
das Festival Forum, bei dem es in interdisziplinären Gesprächsrunden mit dem Spiegel-Journalisten Georg Diez um das Festivalthema „Freiheit wagen“ geht. In den Pausen zwischen den
Veranstaltungen trifft man sich dann im Festivalzentrum zum
gemeinsamen Mittagessen oder auf einen Kaffee. Eine zwanglose Gelegenheit, mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen,
zum Beispiel mit Frederic Rzewski, der selbst als Mentor für
junge Komponisten und als Interpret bei mehreren Konzerten
in Heidelberg zu Gast ist.
Die Festival Akademie widmet sich übrigens nicht nur der
Kammermusik, sondern auch der Neuen Musik (Leitung
­Matthias Pintscher), dem Kulturjournalismus (Leitung Eleonore Büning) und natürlich der Gattung Kunstlied (Leitung
Thomas Hampson). Schließlich gilt Heidelberg als Stadt des
Liedes – nicht zuletzt durch Clemens Brentanos und Achim
Fotos: Marco Borggreve (Blechacz, Say), Felix Broede (Levit)
Der Heidelberger Frühling trägt auch der Tatsache Rechnung,
dass Kunst allgemein und Musik im Besonderen sich auch immer im gesellschaftlichen Kontext entwickeln und auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. So greift das Festival in
diesem Jahr unter der Überschrift „Freiheit wagen“ die Debatte um die Chancen und Gefahren des digitalen Wandels auf
und fragt in diesem Zusammenhang insbesondere nach der
Verantwortung der Künste und Künstler in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche.
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER FRÜHLING
von Arnims Liedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Und
welcher Ort wäre daher geeigneter, die von vielen als hermetisch empfundene Gattung des Kunstliedes wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen? Auf dem Programm
stehen deshalb zahlreiche Liederabende, unter anderem mit
Ian Bostridge und Hanna-Elisabeth Müller, sowie – als besonderes Highlight – der gemeinsame Abend der Weltstars Thomas Hampson und Thomas Quasthoff. Mit dem ­Vokalensemble
Amarcord und der Germanistin Veronika Haas können die
Besucher zudem einen musikalischen Spaziergang durch die
Liedstadt Heidelberg unternehmen.
Ein besonderes Anliegen ist es dem Festival, Ansätze herauszuarbeiten, was die Tradition des Liedes in seiner mannigfaltigen
Gestalt uns heute und in Zukunft noch zu sagen hat. Dies
schlägt sich nieder im neuen Format „Lied.Lab“, bei dem
­junge Sängerinnen und Sänger konzeptionellen Freiraum erhalten, ihre persönliche Vision davon zu entwickeln, wie für
sie der Liederabend der Zukunft aussehen sollte – ein Experiment mit neuen Formen, ungewöhnlichen Orten, überraschenden Kombinationen, Grenzauf hebungen.
Der Zuspruch von zuletzt rund 37.000 Besuchern belegt, dass
das Programm des „Heidelberger Frühling“ bei Musikfreunden einen Nerv trifft. Und so steht zu erwarten, dass auch die
mehr als 100 Veranstaltungen des aktuellen Jahrgangs die Festivalstadt Heidelberg wieder in einen internationalen Treffpunkt der Musik verwandeln. ■
HEIDELBERGER
FRÜHLING
Herausragende Künstler, eine in ihrer Form einzigartige
Festival Akademie, mehrere Ko- und Eigenproduktionen
und neue Konzertformate machen den Heidelberger
Frühling mit rund 37.000 Besuchern pro Jahr zu einem der
führenden Musikfestivals in Deutschland. Internationale
Beachtung finden Projekte wie das Streichquartettfest
oder die Festival Akademie – nicht zuletzt durch langfris­
tige Kooperationen mit Persönlichkeiten wie dem Bariton
Thomas Hampson, dem Pianisten Igor Levit oder dem
Choreografen John Neumeier.
TERMIN 21. März bis 25. April 2015
SPIELORTE 10 Spielorte in Heidelberg
LEITUNG Thorsten Schmidt
KONTAKT Internationales Musikfestival Heidelberger
Frühling, Friedrich-Ebert-Anlage 27, 69117 Heidelberg,
Tel.: 06221 58400-00 (Information), 06221 58400-44
(Karten), E-Mail: [email protected],
Internet: www.heidelberger-fruehling.de
PREISE 8 bis 99 Euro
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN
Levit spielt Bachs „Goldberg-Variationen“
Eigentlich wollte Igor Levit die berühmten „Goldberg-Varia­
tionen“ niemals auf einem modernen Flügel aufführen. Doch
der Heidelberger Frühling konnte ihn überzeugen, und so ist
das berühmte Werk nun beim Festival erstmals von einem
der eigenwilligsten Pianisten unserer Zeit zu hören. Übrigens:
Im Dezember spielt Levit das Werk in New York – bei einem
gemeinsamen Projekt mit der Performance-Künstlerin Marina
Abramović.
12. April 2015, Stadthalle Heidelberg, 19.30 Uhr
Fotos: Sven Hoppe
Sabine Meyer spielt Mozart und Nikodijević
TALENTE IM FOKUS: Die Festival Akademie ist inzwischen ein fester Bestandteil des Heidelberger Frühling,
der nicht unerheblich zu seinem Renommee beiträgt.
Etablierte Größen wie Thomas Hampson (oben)
­unterrichten die jungen Nachwuchsmusiker in einer
­offenen und konstruktiven Atmosphäre.
„Arbeiten mit Mozart – Mozart, der Mitarbeiter“, so könnte
man das Programm begreifen, das die Weltklasse-Klarinettistin Sabine Meyer und das Kammerorchester Basel präsentieren. Dabei erklingen als Rahmen der sinfonische Erstling
des achtjährigen Wunderkindes, in dem Leopold Mozarts
korrigierende Vaterfinger ihre Spuren hinterlassen haben,
sowie seine berühmte g-Moll-Sinfonie. Aus den zahlreichen
Arien, die Mozart aus Gefälligkeit oder gegen Bezahlung für
Opern anderer Komponisten schrieb, hat Andreas Tarkmann
einige ausgewählt und „stimmig“ für Klarinette bearbeitet.
Hinzu kommt ein vom Heidelberger Frühling in Auftrag gegebenes Werk von Marko Nikodijević, in dem der Komponist elektronische Samples aus Werken Mozarts verwendet,
die er kunstvoll mit Feldaufnahmen serbischer BegräbnisGesänge kombiniert.
22. März 2015, Stadthalle Heidelberg, 19.30 Uhr
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
SCHWETZINGER SWR FESTSPIELE
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MIT SHORTS INS MITTELALTER:
das Vokalensemble Huelgas.
SCHUMANN IN SCHWETZINGEN:
Ein ganzes Wochenende widmen
die Festspiele dem romantischen
Kom­ponisten, unter anderem mit
der Geigerin Antje Weithaas.
SCHWETZINGER SWR FESTSPIELE
Im Westen viel Neues
Fotos: Luk Van Eeckhout (Huelgas), Marco Borggreve (Weithaas)
„Westwärts schweift der Blick …“ – unter diesem Motto machen sich die Schwetzinger SWR Festspiele
auf die dritte Etappe ihrer konzertanten Reise durch den „Klangraum Europa“. Vokalwerke und Kammer­­
musik stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Irish Folk. Der Klavier-Kammermusik von Robert
Schumann widmen die Festspiele ein ganzes Wochenende.
„Es gibt kein großes Genie ohne einen Schuss Verrücktheit.“
Die Personifikation dieses aristotelischen Ausspruchs ist
zweifels­ohne der Komponist Robert Schumann. Lebenslang
wurde er geplagt von Versagensängsten – und wer könnte es
ihm verdenken? War er doch verheiratet mit einer begnadeten
Pianistin, die internationale Erfolge feiern konnte, während
man ihm hinter der Bühne mitleidig Geld zusteckte. Die
­eigene Klavierspieler-Karriere war zerstört, durch übermäßigen Ehrgeiz und eine schiefgelaufene Eigentherapie mit einer
Streckvorrichtung, die eine hartnäckige Sehnenscheiden­
entzündung kurieren sollte und dabei mehrere Finger seiner
rechten Hand nachhaltig ruinierte.
Das Klavier war für Robert Schumann quasi der Inbegriff aller
guten und schlechten Dinge, die ihm in seinem Leben widerfahren waren – und doch komponierte er die mit Abstand
schönste Klavier-Kammermusik seiner Zeit. Die Schwetzinger
SWR Festspiele widmen in diesem Jahr ein ganzes Wochen­
ende eben jenem Werk. Und da Schumanns kammermusikalisches Schaffen sich bisher unverständlicherweise noch keinen
gleichberechtigten Platz in den Konzertsälen erstreiten ­konnte,
ist die Einmaligkeit dieses Projektes umso bedeutsamer. Im
Mittelpunkt steht die Geigerin Antje Weithaas, um die sich
zahlreiche Solisten – allesamt Meister ihres Fachs – in den
unter­schiedlichsten Konstellationen scharen. Nicht nur Schumann-Begeisterte und -Kenner werden hier auf ihre Kosten
kommen.
In der Konzertreihe „Klangraum Europa“ heißt es 2015:
„Westwärts schweift der Blick“ – zunächst einmal ins westlich
von Schwetzingen gelegene Speyer. Dort werden zwei der
weltweit besten Vokalgruppen ein abwechslungsreiches und
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
SCHWETZINGER SWR FESTSPIELE
RICHTEN DEN BLICK NACH WESTEN:
Der englische Chor Tenebrae und die
Irish-Folk-Band Altan (unten).
Iberischer Grenzgänger
Hèctor Parra im Porträt
spannungsvolles Repertoire zur Aufführung bringen. Das spanische Huelgas Ensemble befasst sich mit den Frühformen der
Mehrstimmigkeit, genauer gesagt mit der französischen Chormusik des 10. bis 14. Jahrhunderts – einer von Pest und Krieg
geprägten, wahrlich apokalyptischen Zeit. Tenebrae aus England wiederum stellen zwei Landsleute und deren Schaffen
ein­a nder gegenüber: auf der einen Seite William Byrd, den
bedeutenden Zeitgenossen William Shakespeares, und auf der
anderen Seite Hubert Parry, den hierzulande immer noch viel
zu wenig beachteten Meister des romantischen Vokalgesangs.
Ein weiteres Highlight verspricht der Auftritt der Irish-FolkBand Altan zu werden – wenn der Wettergott sich gnädig
zeigt, sogar in Form eines Open-Air-Konzerts. Jedenfalls dürfen sich die Besucher auf ein spannendes und in Schwetzingen
nicht alltägliches Konzerterlebnis freuen, ist die Gruppe doch
ein ebenso lebendiges wie wandlungsf ähiges Denkmal. Mit
etwas Glück spielen sie sogar einen ihrer größten Erfolge,
„Tommy Bhetty’s Waltz“, durch dessen Verwendung im oscarprämierten Film „Good Will Hunting“ Altan in den 1990erJahren der internationale Durchbruch gelang.
Gleich mehrere Konzerte entführen das Publikum zu unseren
unmittelbaren Nachbarn und damit in den Klangraum Frankreich. Capriccio Stravagante unter der Leitung von Skip ­Sempé
geben Musik der Zeit Ludwigs des XIV. zum Besten. Sempé
liefert sich zudem ein „Cembaloduell“ mit Olivier Fortin, bei
dem nicht nur Werke von Jean-Baptiste Lully und Jean-Philippe Rameau, sondern auch von weniger bekannten Kompo-
Fotos: Eric Richmond (Tenebrae), Manu Theobald (Parra)
Der spanische Komponist Hèctor Parra steht
dieses Jahr im Fokus des zeitgenössischen Programms. Sein Opernauftragswerk „Wilde“ wird
dabei von dem spanischen Starregisseur und
„enfant terrible“ der Opernwelt Calixto Bieito,
der für seine provokanten Inszenierungen bekannt und berüchtigt ist, auf die Bühne gebracht. Der österreichische Dramatiker Händl
Klaus verfasst bereits zum dritten Mal ein Libretto für Schwetzingen. Im Rahmen eines Komponistenporträts erhalten die Festivalbesucher
darüber hinaus einen umfassenden Einblick in
Parras musikalisches Schaffen. Wie bereits in
den vergangenen Jahren ist der Komponist an
diesem Tag anwesend und führt das Publikum
in seine Werke ein. Am Vormittag präsentiert
das ensemble recherche die Werke „Stress Tensor, Early Life“ sowie zwei Klaviertrios. Der mexikanische Pianist José Minor folgt am frühen
Nachmittag mit Solostücken des Komponisten.
Ein Konzert mit ganz besonderem visuellem
Anreiz versprechen Séverine Ballon (­Violoncello),
Sisco Aparici (Percussion) und der Klangregisseur Thomas Goepfer vom IRCAM-Centre
Pompidou in Paris. In der intimen Atmosphäre
des Kammermusiksaals beschließt dieses Konzert mit Werken wie „Exploration of Light“ das
Komponistenporträt am Abend.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
SCHWETZINGER SWR FESTSPIELE
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SCHWETZINGER
SWR FESTSPIELE
Mit spannenden thematischen Schwerpunkten, Weltstars
der klassischen Musikszene und vielversprechenden Nachwuchskünstlern gehen die Schwetzinger SWR Festspiele
2015 in ihre 64. Spielzeit. Die bewährte Festspieldramaturgie „Altes wiederentdecken, Neues wagen, dem Nachwuchs eine Chance“ zieht sich wie ein roter Faden durch
das abwechslungsreiche Programm.
TERMIN 25. April bis 30. Mai 2015
SPIELORTE Schwetzinger Schloss, Dom zu Speyer
und Kirche St. Joseph, Speyer
KAMMERMUSIKALISCHE
LECKERBISSEN: Das französi-
sche Ensemble Trio Wanderer
(oben) und das Belcea Quartet.
LEITUNG Gerold Hug, Dr. Marlene Weber-Schäfer,
Georges Delnon, Eberhard Stett
KONTAKT Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Hans-Bredow-Straße , 76530 Baden-Baden
Ticketservice: 07221 300200
E-Mail: [email protected]
Internet: www.schwetzinger-swr-festspiele.de
PREISE 14 bis 175 Euro
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN
Schwetzinger Hofmusik-Akademie
Die Königsdisziplin des kammermusikalischen Œuvres ist das
Streichquartett, und auch hier wird bei den Schwetzinger Festspielen gen Westen geblickt: Das Belcea Quartet bringt neben
Benjamin Britten auch Joseph Haydn und Johannes Brahms zu
Gehör. Die Vertreter der deutschsprachigen Kunstmusik kann
man ohne Weiteres auch dem Klangraum Westeuropa zurechnen, denn gerade Wien war bekanntlich zu fast allen Zeiten
eine Art Schmelztiegel der euro­päischen Musiksphären.
Die Schwetzinger SWR Festspiele enden alljährlich, und so
auch in diesem Jahr, mit einem rauschenden Fest, in dessen
Mittelpunkt eine musikalische Darbietung der besonderen Art
steht: Seltsames geschieht dem Barockensemble Le Poème
Harmonique in seinem Programm „Baroque Limelight“, als
mitten im schönsten Musizieren ein Störenfried in Gestalt
­eines Pantomimen auftaucht, der nach und nach zum Mit- und
Hauptakteur mutiert und die Musiker gehörig aus dem Konzept bringt. Zum Abschlussabend der Saison gehören außerdem ein festliches Menü, ein Feuerwerk mit Musik und etliche
Überraschungen. Sie dürfen gespannt sein! ■
Eines der berühmtesten Orchester Europas im 18. Jahrhundert war die Mannheimer Hofkapelle des Kurfürsten Carl
Theodor: Die exzellenten Musiker waren fast alle auch begabte Komponisten. Eine Auswahl der Werke dieser Künstler wird von jungen Musikstudenten bei einem einwö­chi­
gen Workshop einstudiert und schließlich in einem abendfüllenden Konzert der Öffentlichkeit präsentiert. Angeleitet
werden sie von hochkarätigen Experten, wie der Geigerin
Midori Seiler oder dem Cellisten Jaap ter Linden.
23. Mai 2015, 19.30 Uhr, Rokokotheater Schwetzinger Schloss
Tag der ARD-Preisträger
Alljährlich treffen sich hunderte hochtalentierte Nach­
wuchs­musiker, um beim Internationalen Musikwett­
bewerb der ARD gegeneinander anzutreten. Die Preis­
träger des Jahres 2014 bekommen bei den Schwetzinger
SWR Festspielen die Möglichkeit, ihr Können den kritischen Ohren des hiesigen Publikums zu präsentieren.
25. Mai 2015, 11 und 15 Uhr, Jagdsaal Schwetzinger Schloss
Krassimira Stoyanova
Die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova zählt zu
den herausragenden Talenten ihrer Zunft. Man findet sie
auf den ganz großen Opernbühnen dieser Welt, doch
auch intime Liederabende gehören zu ihrer Kunst. Nachdem sie in der vergangenen Saison ihr Konzert wegen
Krankheit absagen musste, gastiert sie in diesem Jahr mit
einem Liedprogramm mit Werken von Tschaikowsky,
Puccini, Berg und Rachmaninow in Schwetzingen.
26. April 2015, 19 Uhr, Rokokotheater Schwetzinger Schloss
Fotos: Marco Borggreve (Trio Wanderer), Ronald Knapp (Belcea Quartet)
nisten dargeboten werden. Den romantischen und impressionistischen Traditionen französischer Musik wird ebenfalls
Rechnung getragen: In verschiedenen Konzerten intonieren
das Trio Wanderer, der Geiger Renaud Capuçon sowie der
Cellist Jean-Guihen Queyras Werke von Claude Debussy,
Maurice Ravel, César Franck und Gabriel Fauré – und stellen
diese in einen faszinierenden Kontrast zum Schaffen Ludwig
van Beethovens und Franz Schuberts.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER STÜCKEMARKT
Fotos: Ricardo Ramirez Arreola
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HEIDELBERGER STÜCKEMARKT
WIR SIND ALLE
AYOTZINAPA
Der Stückemarkt richtet diesmal den Blick
über den Ozean: Im Rahmen des Länderfokus
präsentieren mexikanische Theatermacher
die blühende Theaterlandschaft eines Landes,
das vor großen Herausforderungen steht.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER STÜCKEMARKT
GRENZGÄNGER:
Die Gruppe Teatro Línea de Sombra
mit ihrer Produktion „Amarillo“
„A mi, este
gobierno ya no
me representa.
¿Y a tí?“
„Mich repräsentiert
diese Regierung
nicht mehr.
Und dich?“
Fast 10.000 Kilometer, der Atlantische
Ozean und ganz verschiedene Kulturgeschichten trennen Mexiko und Deutschland. Umso erstaunlicher, dass das deutsche Theater in Mexiko mit großem
Interesse verfolgt wird. Aber was wissen
wir umgekehrt in Deutschland über mexikanisches Theater? Außer einigen wenigen Gruppen, die bereits in Deutschland zu Gast waren, ist das mexikanische
Theater im deutschsprachigen Raum
weithin unbekannt. Dabei hat Mexiko
eine sehr vielf ältige Theaterlandschaft,
deren Spektrum von Sprechtheater-Inszenierungen europäischer Klassiker und
zeitgenössischer mexikanischer Dramatik
bis hin zu performativen, ortsspezifischen
Projekten mit Immigranten reicht. Mexi­
kanische Theatermacher orientieren sich
zum Teil an europäischen Theaterpraktiken, verfolgen aber auch ganz eigene ästhetische Ansätze.
Gerade in einer Zeit des gesellschaftlichen Aufruhrs in Mexiko, ausgelöst
durch den Mord an 43 Studenten in
Ayotzinapa im letzten Herbst, sind künstlerische Auseinandersetzungen mit politischen Themen im mexikanischen Thea­
ter hochinteressant. So möchte der 32.
Heidelberger Stückemarkt auch eine
Plattform bieten für den Austausch über
die Beziehung von Kunst und Politik auf
der Folie der europäischen und mexikanischen Verhältnisse. In Mexiko stellt
sich die Frage, in welcher Form Widerstand gegen den korrupten Staatsapparat,
der eng mit dem organisierten Verbrechen verwoben ist, möglich ist.
Das Theater kann dabei zum Ort des gemeinsamen politischen Auf begehrens
werden – wenn etwa die Schauspieler
nach einer Vorstellung zurück auf die
Bühne kommen und zu rufen beginnen:
„A mi, este gobierno ya no me representa. ¿Y a tí?“ – „Mich repräsentiert diese
Regierung nicht mehr. Und dich?“, wie
es bei den Vorstellungen beim nationalen
mexikanischen Theaterfestival Muestra
Nacional de Teatro geschah. Nach und
nach standen alle Zuschauer im Saal auf,
fielen laut in den Slogan ein und schafften
damit ungewöhnliche Momente des kollektiven Protests.
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Wie mexikanische Theatermacher aktuelle Themen auf der Bühne umsetzen,
zeigt dieses Jahr der Heidelberger
Stückemarkt. Seit 2001 präsentiert das
Festival neben dem deutschsprachigen
Programm auch Inszenierungen und
Stücke aus einem Gastland. Mit Mexiko
ist erstmals die Theaterszene eines Landes
des amerikanischen Kontinents zu Gast
bei Heidelbergs renommiertem Festival
für Neue Dramatik. Bei der Suche nach
interessanten Inszenierungen, Experten,
Autorinnen und Autoren unterstützte die
Kulturmittlerin Ilona Goyeneche aus
Mexiko Stadt das Festivalteam.
Ein Highlight des mexikanischen Programms: Die Inszenierung „Amarillo“
der Gruppe Teatro Línea de Sombra erzählt die Geschichte ­eines Mannes, der
beim Versuch, aus Me­x iko in die USA zu
gelangen, spurlos verschwindet. Jedes
Jahr nehmen Tausende desillusionierter
Migranten in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA die gef ährliche
Reise durch Lateinamerika auf sich und
versuchen auf abenteuerlichen Wegen
den illegalen Grenzübertritt. Die Inszenierung rekonstruiert diese Reisen durch
geografische und kulturelle Landschaften
mithilfe von Videoprojektionen, zweisprachigen Monologen und originellem
Requisiteneinsatz. „Amarillo“ beschäftigt sich mit Fragen individueller und nationaler Identität – eine lateinamerikanische Geschichte mit globaler Relevanz in
einer Zeit, in der die Zahl der Flüchtlinge
weltweit den höchsten Stand seit Ende
des Zweiten Weltkrieges erreicht hat.
Weitere Gastspiele aus Mexiko beschäftigen sich ebenfalls mit brisanten politischen Themen, aber auch mit ganz privaten Geschichten. Außerdem stellt der
Stückemarkt neben den sieben deutschsprachigen Autoren, die im Autorenwettbewerb nominiert sind, drei mexikanische Autoren mit neuen Stücken vor.
Neben Vorstellungen, Lesungen und Dis­
kussionen sollen natürlich auch die Festivalpartys nicht zu kurz kommen. Dieses
Jahr wird beim Heidelberger Stückemarkt
ganz sicher mit Tequila und Tacos zu mexikanischen Klängen gefeiert! ■
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER STÜCKEMARKT
FRISCHE PERSPEKTIVEN:
Der Stückemarkt ist ein Uraufführungsfestival. Insgesamt sind 15 neue Inszenierungen aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz zu sehen – mit dabei:
„Die lächerliche Finsternis“ vom Burgtheater Wien.
HEIDELBERGER
STÜCKEMARKT
Der Heidelberger Stückemarkt bietet auch in seiner 32. Ausgabe
wieder ein dichtes Programm zeitgenössischen Theaters. Mit
­aktuellen Inszenierungen aus dem gesamten deutschsprachigen
Raum präsentiert der Stückemarkt eine große Bandbreite an
künstlerischen Handschriften, die das Gegenwartstheater prägen: neue, noch nicht aufgeführte Theaterstücke, gelesen von
Schauspielern des Theaters Heidelberg. Theaterautoren von morgen stehen im Wettbewerb um den hochdotierten Autorenpreis
sowie um weitere Preise zur Förderung des Dramatikernachwuchses. Außerdem im Programmm sind Künstlergespräche,
­Publikumsdiskussionen und Festivalpartys. Der Heidelberger
Stückemarkt ist über den Austausch von Gastspielen mit anderen wichtigen Schauspiel-Festivals vernetzt: mit den Mülheimer
Theatertagen NRW und den Autorentheatertagen des Deutschen Theaters Berlin.
TERMIN 24. April bis 3. Mai 2015
SPIELORTE Marguerre-Saal, Alter Saal, Zwinger 1,
Zwinger 3 und weitere Spielstätten
LEITUNG
Holger Schultze, Jürgen Popig (Künstlerische Leitung)
Katja Herlemann (Produktionsleitung, künstlerische Mitarbeit)
KONTAKT
Theater und Orchester Heidelberg
Theaterstraße 10, 69117 Heidelberg
Kartentelefon: 06221 5820000, [email protected]
www.heidelbergerstueckemarkt.de
PREISE 13 bis 33 Euro, Festivalpass 130 oder 65 Euro
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN
These little town blues are melting away
Die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks, das 2014 den
Internationalen Autorenpreis gewonnen hat, eröffnet den Heidelberger Stückemarkt 2015. Das Stück von Pipsa Lonka zeigt
eine Dorfbevölkerung an der Ostsee, die ihr Zuhause verlassen
muss, weil der Meeresspiegel bedrohlich steigt. Ein ungewöhnlich poetischer und humorvoller Kommentar zur Klimakatastrophe. Regie führt die aus Finnland stammende Cilla Back.
24. April 2015, 18.30 Uhr
Kindertheater: Die Prinzessin und der Pjär
Lisasophie und Pierre gehen in dieselbe Klasse, können sich
aber nicht leiden. Und dann werden sie auch noch versehentlich eingeschlossen – im Mädchenklo! Doch in der Begegnung
entdecken sie, dass beide unter dem Druck von Eltern und
Schule leiden. Für „Die Prinzessin und der Pjär“ wurde die Au­
torin Milena Baisch mit dem KinderStückePreis der Mülheimer
Theatertage 2014 ausgezeichnet. Ein Gastspiel des GRIPS-The­a­
ters Berlin in der Regie von Grete Pagan. Für alle ab 6!
30. April 2015, 11 Uhr
Die lächerliche Finsternis
Hauptfeldwebel Pellner und Gefreiter Dorsch fahren mit einem
Patrouillenboot in die Regenwälder Afghanistans. Ihr Auftrag:
Liquidierung eines durchgedrehten Oberstleutnants. Die Reise
führt immer tiefer in eine wirr wuchernde Welt. Mit der Uraufführung „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz in der Regie von Dušan David Parísek kommt das Wiener Burgtheater
nach Heidelberg!
25. April 2015, 20.30 Uhr
Das vollständige Programm können Sie ab März unter
www.heidelberger-stueckemarkt.de abrufen.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
SCHILLERTAGE
OPEN!
INTERNATIONALE SCHILLERTAGE
Geschlossene
Gesellschaft
FÜR
ALLE !
Offene und geschlossene Gesellschaften – mal sind es Orte, die Sehnsüchte wecken, dann wieder
Räume, die Gefahren bergen. Mit diesem Thema befassen sich die 18. Internationalen Schillertage.
Gastspiele, Koproduktionen und Eigenproduktionen des Mannheimer Nationaltheaters erkunden
die Vieldeutigkeiten.
Premiere. Ganz unterschiedliche Menschen warten vor den
Türen in den Saal. Jung und Alt, manche haben sich fein gemacht, andere demonstrieren Lässigkeit in ihrer Kleidung –
dazwischen ein paar Mitarbeiter des Theaters. Die einen wollen ihren Arbeitstag hinter sich lassen, schalten ihr Smartphone
aus, andere diskutieren bereits, wie es wohl werden wird und
was sie über die Inszenierung gehört haben. Bekannte werden
begrüßt, man kennt sich.
Kurz vor Beginn der Vorstellung kommen diejenigen, die gerade noch eine zurückgegebene Karte ergattert haben, in den
Saal, leicht gehetzt, aber strahlend. Diejenigen, die schon ­sitzen,
müssen aufstehen, um sie an ihre Plätze zu lassen. Die Türen
gehen zu, ein paar Mitarbeiter schlüpfen noch herein, um die
Premiere stehend mitzuerleben. Jetzt sind die Zuschauer unter
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
Die Festivals
YEAH!
sich, eine bunte Gemeinschaft unterschiedlicher Menschen, ein
Publikum, das mit offenen Gesichtern das Stück von Schiller
erwartet, und die neue Inszenierung – vielleicht ärgerlich, vielleicht herausfordernd, vielleicht erwartungsvoll. Der Theaterraum als geschlossene Gesellschaft, in der doch alles offen ist.
Alles ist möglich.
Geschlossene Gesellschaften können Sehnsuchtsorte sein, genau so, wie unsere offene Gesellschaft offenbar ein Sehnsuchtsort ist. Ein Ort, zu dem sich Menschen aufmachen, um rael oder in der kurdischen Befreiungsbewegung. Nur in der
dann an den Grenzen Europas abgewiesen zu werden. Die Werbung der deutschen Bundeswehr hat sich dieses Bild
18. Internationalen Schillertage spüren in Klassiker-Inszenie- demokratie­t auglich verdünnt: „Frauen können mental stärker
rungen und Projekten solchen offenen und geschlossenen Ge- sein“, heißt es dort. Bezugspunkt dieser Aussage sind jedoch
sellschaften nach: im Wald bei der Räuberbande, am Hofe die traditionellen Krieger, die Männer.
beim Infanten und seinen Freunden.
Die Bürgerbühne ist seit drei Spielzeiten fester Bestandteil des
In einer großen Bürgerbühnenproduktion, die vor dem Hin- Nationaltheaters Mannheim – gegründet nach dem Bürgertergrund der „Jungfrau von Orleans“ spielt, entlockt die Re- bühnenmodell aus Dresden, das Miriam Tscholl leitet. Die
gisseurin Miriam Tscholl weiblichen Expertinnen des Krieges Bürgerbühne öffnet das Theater für Akteure, die sonst meist
ihre Geschichten aus einer „geschlossenen Gemeinschaft“. nicht dort zu finden sind: nicht professionelle Darsteller, die
Gemeint ist die Armee. Das Projekt „besucht“ die russischen Erfahrungen und ihr Wissen aus ihrem Alltag und Leben in
Partisaninnen des Zweiten Weltkriegs, die israelischen Zionis- die Inszenierungen hineinbringen, um sich Stoffe, Themen,
tinnen, die für die Realisierung ihrer Idee gekämpft haben. Es und Ästhetiken anzueignen. Das Theater öffnet sich damit
sucht nach Motivation und Sendung bei kurdischen, deut- wiederum der Gesellschaft auf eine andere Art und Weise als
schen und amerikanischen Soldatinnen, fragt nach ihren Er- in seinen Inszenierungen von Stücken und Projekten.
fahrungen von Gewalt, ihrem Dienst an der Waffe, der das
Töten einschließt. „Nicht ausgeblendet werden Angst und Um gesellschaftliche Relevanz und um Schutzräume und geAlbträume, die der Krieg auslöst und hinterlässt. Und nicht schlossene Gesellschaften ging es übrigens auch in der Früh­
zuletzt ist die Rolle und Definition der Frau in einer so­ geschichte des Nationaltheaters, zu der die Schillertage mit
genannten Männerwelt von Interesse, in der es, wie man weiß, dem Bezug auf den Dichter einen Bogen spannen. So ließ der
nicht gerade zimperlich zugeht”, betont Dramaturg Hajo Kur- damalige Intendant, Wolfgang Heribert von Dalberg, als
zenberger.
Schillers „Räuber“ in Mannheim uraufgeführt wurden, die
Handlung des Stückes ein paar Jahrhunderte in die Vergan„Die Jungfrau von Orleans“ stellt Fragen an die Gegenwart und genheit verlegen. Das klassische Mittelalter, diese „dunkle“
Vergangenheit, statt diese zu beantworten. Frauen an der ­Waffe Vergangenheit, so der Wille Dalbergs, sollte als Schutzzaun für
gehören zum revolutionären oder nationalen Propaganda-­ die wilde, provozierende Story dienen.
Arsenal, ob in der sowjetischen Ideologie des Zweiten Weltkriegs, in den Gründungsmythen des entstehenden Staates Is- Der Schauspieler Wilhelm Iffland setzte sich jedoch über die
historisierende Inszenierung „frisch hinweg“ und rettete
Schillers Intention, indem er als Franz Moor in zeitgenössischer Mode vor das Publikum trat: „Es ist jetzt Mode, Schnallen an den Beinkleidern zu tragen … Wir wollen uns ein Gewissen nach der neuesten Façon anmessen lassen.“ Iffland
öffnete so die Inszenierung der damaligen Gegenwart und gab
W OW !
!!!
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
SCHILLERTAGE
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dem Publikum unmittelbaren Einblick in die Zeit – mit Konsequenzen: Das Publikum geriet ob der skandalösen Handlung
im geschlossenen Theatersaal derart ins Toben, dass Schiller
noch in der Nacht über die Landesgrenzen flüchtete, weil er
Konsequenzen vom fürstlichen Hof befürchtete.
Die 18. Internationalen Schillertage sind dieser Art von Öffnung, dieser Art Gegenwart, aber auch dieser Art von künst­
lerischer Haltung zugewandt. Unter diesem Leitmotiv laden
sie sowohl Gastspiele aus dem gesamten deutschsprachigen
Raum als auch internationale Produktionen ein. „Die Räuber“
inszeniert der katalanische Regisseur Calixto Bieito am
National­­­theater Mannheim zur Eröffung. Der Klassiker Schiller, als offener und widersprüchlicher Geist. „Schließt den
heilgen Zirkel dichter“ – und macht die Türen auf. ■
K
!
R
E
L
NÜL
INTERNATIONALE SCHILLERTAGE
Bereits zum 18. Mal widmet das Nationaltheater Mannheim seinem ersten Hausautoren Friedrich Schiller ein eigenes Festival.
2015 steht es unter dem Motto „Geschlossene Gesellschaft“. Vor
dem Hintergrund von Schillers Freiheitsbegriff beschäftigt es
sich mit räumlichen, sozialen und kulturellen Grenzen. Präsentiert werden Gastspiele herausragender Schiller-Inszenierungen
aus In- und Ausland sowie Auftragsproduktionen internationaler
Künstler. Neben Seminaren, Vorträgen und Diskussionen klingen
die neun Festivaltage wieder mit den legendären Partys und
Konzerten der Schill-Outs aus.
WANN 12. bis 20. Juni 2015
SPIELORTE Nationaltheater Mannheim und um das
Nationaltheater herum
KONTAKT Nationaltheater Mannheim, Goetheplatz,
68161 Mannheim Tel.: 0621 1680-200 Fax: 0621 1680-457
E-Mail: [email protected]
www.nationaltheater-mannheim.de, www.schillertage.de
KÜNSTLERISCHE LEITUNG Burkhard C. Kosminski
PROJEKTLEITUNG Holger Schulz
PREISE 5 bis 40 Euro
(Die genauen Preise entnehmen Sie bitte ab April
den aktuellen Programmankündigungen zum Festival.)
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN
Die Räuber
Karl Moor gründet eine Räuberbande im Wald, während sein
jüngerer Bruder ihn um Erbe und Verlobte bringt. Der katala­
nische Ausnahmeregisseur Calixto Bieito, dessen „Don Karlos“Operninszenierung in Basel für Furore sorgte und dessen „Don
Carlos“-Schauspielinszenierung 2011 Premiere bei den Schiller­
tagen hatte, inszeniert Schillers ungezähmtes Stück als Spiegel
unserer Eigentumsverhältnisse. Wer sind hier die Räuber?
Premiere: 12. Juni 2015, Schauspielhaus
Die Jungfrau von Orleans – nach Friedrich Schiller und
Texten von Soldatinnen aus aller Welt
Bürgerbühne-Projekte leben von ihren authentischen Darstellern, den viel gepriesenen „Experten des Alltags“. Die weiblichen
Experten des Krieges sind allerdings nicht alltäglich, man muss
sie finden, zum Sprechen bringen, ihnen ihre besondere Geschichte entlocken. Das kann in Moskau, in Tel Aviv oder in
Ludwigshafen sein. Daraus resultiert die besondere Dramaturgie und Ästhetik dieser Produktion. Frauen verschiedener Generationen befragen einander, machen sich ihr jeweiliges
­( Video-)Bild von den Heldinnen von damals, den Opfern von
heute oder den Siegerinnen von morgen. So verschieden wie
die jeweilige Situation ist die jeweilige Motivation, für was oder
gegen wen man in den Krieg zieht, nicht nur laut Johanna von
Orleans, “der geist, der mich ergreift, der aus mir redet“.
Premiere: 12. Juni 2015, Studio
Schill-Outs
Nicht zu verpassen: die legendären Konzert- und Partynächte
im Festivalzentrum der Schillertage. Wer nach den Gastspielen
aus dem In- und Ausland, den Eigen- und Koproduktionen,
Stadtbespielungen, Diskussionen und Publikumsgesprächen
noch in Feierlaune ist, kann hier bis tief in die Nacht hinein bei
freiem Eintritt mit anderen Theaterfreunden und -machern
­feiern: Ob Rock, Soul, Funk oder elektronische Klänge – die
Schill-Outs bieten für jeden Geschmack den passenden Sound!
12. bis 20. Juni 2015, ab 22.30 Uhr, Festivalzentrum
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILMS
IDYLLE AM FLUSS: Nach den Vorstellungen
können die Besucher den Blick auf Rhein
und Mannheimer Waldpark genießen.
FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILMS
>>
Mitten drin im
Die Ludwigshafener Parkinsel ist eigentlich ein ruhiger, etwas abgeschiedener Ort. Doch j­edes Jahr im
Sommer schlägt hier fast drei Wochen lang das Herz des deutschen Films. Dann tummelt sich alles,
was im deutschen Film Rang und Namen hat, zwischen Kino­zelten, Platanen und Kiesstrand. Und das
Publikum ist begeistert: Mit 78.000 Besuchern hat sich das Festival zum zweitgrößten Besucherfestival
nach der Berlinale entwickelt.
Abgelegen von Stadt und Trubel liegt die Festivalinsel. Über
einen langen Bogen durch Ludwigshafen fährt man mit dem
Auto, zu Fuß führt der Weg erst ein Stück am Rhein entlang
und dann über ein gewundenes Brückchen, das die Ludwigs­
hafener liebevoll „Schneckenudelbrück“ nennen. Nur so gelangt man auf die Parkinsel von Ludwigshafen am Rhein und
stellt dort fest, dass sie gar nicht so abgelegen ist. Auf der einen
Seite Ludwigshafen, auf der anderen Mannheim, im Rhein ziehen die Frachtschiffe vorbei und man selbst steht mitten drin.
Im Juni, wenn das Festival des deutschen Films seine K
­ inozelte
auf baut, wird die Insel noch fantastischer. 19 Tage lang regiert
das Kino – genauer gesagt der deutsche Film – auf der Insel.
Inmitten der Idylle aus Zelten, Platanen, Kiesstrand, Liegestühlen, Sonne und Rhein wirken die deutschen Filmstars –
wie Ulrich Tukur, Mario Adorf, Katja Riemann, Hannelore
Elsner, Ulrich Matthes, Jan-Josef Liefers, Anna Loos oder Moritz Bleibtreu – fast wie unwirkliche Erscheinungen.
Doch genau hier gelangen rund 78.000 Besucher mitten hinein in den deutschen Film und alles, was dazugehört. Jährlich
rund 40 neue deutsche Filme sehen die Besucher in den zwei
bestens ausgestatteten 1.200-Platz-Kinozelten. Das Festival ist
dabei auch so etwas wie eine „Sneak Preview“. Denn nicht
wenige der Filme, die auf der Insel im Juni zu sehen sind, laufen erst Monate später im Kino oder im Fernsehen.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILMS
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KINO AUF DER INSEL:
Das Festival des deutschen Films hat im
Terminkalender der deutschen Film­
szene längst einen festen Platz erobert.
Rund 78.000 Besucher tummeln sich
­jeden Sommer auf dem Festival, um die
neuesten deutschen Filme zu sehen.
Die deutsche Filmproduktion ist ergiebig und so steht das Fes- Inzwischen hat sich in der Branche herumgesprochen, dass da
tivalteam um Direktor Dr. Michael Kötz jedes Jahr vor einer in Ludwigshafen jedes Jahr ein Filmfestival mit ganz besondeHerkulesaufgabe. „Wir schauen uns Jahr für Jahr die gesamte rem Flair und Charakter über die Bühne geht, und so zieht es
deutsche Produktion an und formen ein
von Jahr zu Jahr immer mehr deutsche
Programm, das es möglichst in sich hat –
Kinokünstler auf die Festivalinsel – immit leidenschaftlichen Geschichten und
mer auch in der Hoffnung auf den bemit packender, häufig auch grandioser
gehrten Filmkunstpreis.
Bildsprache“, betont Kötz. Anders als im
herkömmlichen Kino oder im F
­ ernsehen
Vor elf Jahren wurde dieser mit 50.000
können die Besucher direkt ihr FeedEuro dotierte Preis zum ersten Mal verback auf das Gesehene abgeben und mit
geben und jährlich wieder sorgt eine unden Filmemachern ins Gespräch komabhängige Jury damit für einen neuen
men: Im Anschluss an die Vorstellungen
Akzent in der deutschen Filmlandschaft.
finden Filmgespräche statt, eine EinrichDenn oft gehen großartige deutsche
tung, die man sonst so nicht findet in
­Filme im Kino unglücklicherweise unter,
Anna Loos &
Deutschland. Und auch die Filme­
weil sie sich gegen die mit viel Geld aufJan-Josef Liefers
macher, Schauspieler und Produzenten
geplusterten Kinostarts anderer ­Filme
sind von der Möglichkeit begeistert, sich
nicht durchsetzen können. Darüber hindirekt mit ihrem Publikum auszutauschen. Und so schwärmen aus gibt es auch im Fernsehen Filme von außergewöhnlicher
die Regisseure, Schauspieler und Produzenten von der „Magie Qualität, die die meisten Kinogänger verpassen, weil sie dem
des Kinos“, dem „wunderbaren Publikum“ und der „Insel der Fernsehen eine solche cineastische Qualität gar nicht zutrauen.
Inspiration“.
„Dieses Festival
steht für den
deutschen Film,
und davon und
dafür leben wir!“
Fotos: Festival des deutschen Films/Ben Pakalski
deutschen Film! <<
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILMS
Neben dem Filmkunstpreis für Regisseure würdigt
das Festival des deutschen Films auch alljährlich die
Schauspielkunst. Mit der Vergabe des Preises für
Schauspielkunst wird in diesem Jahr zum elften
Mal ein großartiger Künstler für seine ­herausragende
Arbeit ausgezeichnet. „Der Preis für Schauspielkunst hat in den vergangenen Jahren viele ­g roßartige
Darsteller auf das Filmfestival gelockt“, erklärt Michael Kötz. Die Liste der Gewinner liest sich wie
ein „Who’s who“ des anspruchsvollen deutschen
Films: Andrea Sawatzki, Bruno Ganz, Moritz
Bleibtreu waren unter anderem dabei, beim zehnjährigen Jubiläum des Festivals im vergangenen
Jahr wurden mit Anna Loos und Jan-Josef Liefers
erstmals gleich zwei Mimen ausgezeichnet. „Dieses
Festival steht für den deutschen Film, und davon
und dafür leben wir!“, proklamierten die beiden in
ihrer Dankesrede bei der Verleihung.
Zusätzlich zu Filmkunst- und Schauspielkunstpreis
wird der im letzten Jahr neu eingerichtete Medienkulturpreis von Ludwigshafen weitergeführt. Mit
diesem Preis wird eine Redaktion ausgezeichnet,
die einen außergewöhnlichen Fernsehfilm ermöglicht hat. Schlüsselkriterium für den Preis ist die
cineastische Qualität, die sich eben nicht an Einschaltquoten festmachen lässt. Ebenfalls an die Akteure hinter den Kulissen richtet sich der Drehbuchpreis für Filmautoren, deren Kunst gerade in
Deutschland chronisch unterschätzt wird. Und
dann gibt es auf der Parkinsel alljährlich den mit
10.000 Euro dotieren Publikumspreis zu gewinnen.
Apropos Publikum, letztlich sind es die Besucher,
denen dieses Festival des deutschen Films wirklich
gehört und die es so groß gemacht haben. Viele sind
schon seit der ersten Ausgabe dabei, andere entdecken es neu. So hat sich das Festival des deutschen
Films nach der Berlinale mittlerweile zum publikumsstärksten Festival deutschlandweit entwickelt.
Größer ist es geworden, als es sich die Veranstalter
je vorgestellt hatten.
Und so werden sie auch wieder zum 11. Festival des
deutschen Films kommen, die Schauspieler, Regisseure, Produzenten und natürlich die leidenschaft­
lichen Kinobesucher. Sie werden sich tummeln,
zwischen Zelten, am Rheinstrand, unter den mächtigen Bäumen der Parkinsel und auf der Diskussionsbühne. Mittendrin im deutschen Film wird man
wieder sein auf der Festivalinsel in Ludwigshafen –
und zwischen den Vorstellungen im Liegestuhl am
Kiesstrand liegen, einen Cocktail genießen und den
vorbeiziehenden Schiffen nachschauen. ■
FESTIVAL DES
DEUTSCHEN FILMS
Das Festival des deutschen Films hat sich als Sommertreff der deutschen
Filmszene etabliert, die die Kunst über den Kommerz stellt. Es sei „das
schönste Filmfestival im Lande“, stellte die FAZ 2012 fest. Und zahlreiche
Regisseure, Schauspieler, Produzenten und Filmjournalisten würden dies
ebenso bestätigen wie die nunmehr rund 78.000 Besucher des Festivals.
Nur neue deutsche Filme, die sich auch etwas trauen, die selbstbewusst
auf ein intelligentes Publikum setzen – nur diese Filme sind auf der Festivalinsel im Rhein zu sehen. Neben den eigentlichen Preisen des Festivals,
wie dem Filmkunstpreis, dem Publikumspreis und einer hoch dotierten
Verleihförderung fürs reguläre Kino, gibt es den Drehbuchpreis sowie den
Medienkulturpreis zu gewinnen, der all jene belohnen will, die auch im
deutschen Fernsehen Qualität vor Einschaltquote stellen.
WANN 17. Juni bis 05. Juli 2015
SPIELORTE Parkinsel in Ludwigshafen am Rhein
LEITUNG Dr. Michael Kötz
PROGRAMM Daniela Kötz
KONTAKT Festival des deutschen Films, Collini-Center, Galerie
Tel.: 0621 102943, E-Mail: [email protected], Internet: www.fflu.de
PREISE ab 9,50 €
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN
Festliche Eröffnung
Traditionell startet das Festival mit einem cineastischen Highlight – der
Premiere eines besonders gelungenen Eröffnungsfilms. Mit dabei an
diesem Abend sind natürlich Regie, Produktion und die Schauspieler
des Films.
17. Juni 2015, Ludwigshafen Parkinsel
Preis für Schauspielkunst
Das Festival des deutschen Films würdigt alljährlich auch darstellerische
Bestleistungen mit seinem mittlerweile namhaften „Preis für Schau­
spielkunst“. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehörten Hanna Schygulla, Klaus Maria Brandauer, Katja Riemann, Nina Hoss, Devid
Striesow, Hannelore Elsner, Moritz Bleibtreu, Andrea Sawatzki, Sandra
Hüller, Otto Sander, Bruno Ganz, Jan-Josef Liefers und Anna Loos.
Datum und Uhrzeit entnehmen Sie bitte dem Programm.
Abschlussabend mit Preisverleihung
Alle Preise, dotiert mit insgesamt 60.000 €, werden an die besten Filme
im Wettbewerb verliehen, entschieden durch eine unabhängige Fachjury. Nach der feierlichen Verleihung folgt die Abschlussparty, die erfahrungsgemäß erst dann vorbei ist, wenn auf der gegenüberliegenden
Rheinseite in Mannheim schon wieder die ersten Lichter angehen.
05. Juli 2015, Ludwigshafen Parkinsel
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER LITERATURTAGE
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­H EIDELBERGER LITERATURTAGE
Die Unabhängigen
BIBLIOPHILE KUNST: Studenten bei der künstlerischen
Buchgestaltung auf der Leipziger Buchmesse
Der berühmte Verleger Kurt Wolff schrieb einmal in einer kleinen Bemerkung zum Büchermachen, dass Autoren sich gern
Menschen anvertrauten, von denen sie sich verstanden fühlten –
von individuellen Verlegern, die keine Massenware produzieren
oder dem Publikumsgeschmack dienerisch hinterherlaufen.
„Der Verleger“, so Kurt Wolff, „ist nicht anonym, sondern synonym mit seiner Tätigkeit.“ Man mag das für einen hehren, zugleich ein wenig anachronistischen Anspruch halten. Große
Konzerne – zumal in den USA – prägen das Geschäft, werfen
lauthals Bestseller auf den Markt, die auf den Präsentiertischen
der Buchkaufhäuser die leisen, weniger auflagenstarken Bände zu
erdrücken drohen.Wer könnte in diesen Gemischtwarenverlagen
ernsthaft davon sprechen, dass ein Verleger synonym sei mit seiner Tätigkeit?
Foto: Leipziger Messe GmbH/Tom Schulze Stiftung
In den Nischen des Buchmarkts lassen kleine unabhängige Verlage mit anspruchs­
vollem Programm aufhorchen. Gefördert werden sie von der Kurt Wolff Stiftung.
Die Heidelberger Literaturtage bieten den Independents eine Plattform.
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER LITERATURTAGE
Inzwischen geraten allerdings auch die mächtigen Verlagshäuser unter Druck. Der elektronische Vertrieb –
­allen voran die Riesenkrake Amazon – lenkt nicht nur
die Aufmerksamkeit des Publikums, sondern diktiert auch
Preise. Und Amazon möchte selbst zum Mega­verlag
werden. Wir befinden uns mitten in einem Wandel, dessen Folgen noch unabsehbar sind.
Umso überraschender, inspirierender und ermutigender
ist deshalb ein Blick in die Nischen und Randgebiete des
Buchmarkts. Auch dank Buchpreisbindung und einer
noch immer einigermaßen stabilen Buchhandels-Infrastruktur existieren hierzulande kleine, unabhängige Verlage nicht nur, sie gedeihen sogar. Manche Neugründung hat in den letzten Jahren aufhorchen lassen, in den
Feuilletons geraten – trotz Buchpreisgetöse und begrenzterer Spielräume – immer wieder die Bücher aus
kleinen Verlagen ins Rampenlicht: ob sie exquisiten
Lyrik­verlagen wie kookbooks oder luxbooks zu verdanken sind, ob sie von enthusiastischen Jungverlegern wie
Matthias Rötzer von Matthes & Seitz Berlin oder Viola
Eckelt und Axel von Ernst vom Lilienfeld Verlag gedruckt werden oder von etablierten, durchaus schwergewichtigen Verlagen wie Wagenbach oder Wunderhorn,
die sich über Jahrzehnte ihren exzellenten Ruf erworben
haben und den Jungen als Vorbilder dienen.
Die Kurt Wolff Stiftung, im Jahr 2000 nicht zuletzt auf
Initiative des Wunderhorn-Verlegers Manfred Metzner
und weiterer unabhängiger Verleger mit dem damaligen,
verlagsaffinen Kulturstaatsminister Michael Naumann
gegründet und befördert, ist eine Fürsprecherin der Unabhängigen: Die Stiftung trommelt lautstark für die Interessen der Independents, gibt jährlich den Verlagskatalog „Es geht um das Buch“ heraus, stellt sich regelmäßig
an der Basis vor – bei Auszubildenden im Buchhandel -,
organisiert internationale Messeauftritte und vergibt einen Hauptpreis mit 26.000 Euro und einen Förderpreis
mit 5.000 Euro für unabhängige Verlage, deren Arbeit
unterstützt und ins beste Licht gerückt werden soll. In
diesem Jahr erhält den Hauptpreis der Berliner Berenberg Verlag, der ein wunderbares Programm mit bibliophil gestalteten essayistischen und kulturwissenschaftlichen Werken sowie zeitgenössischer Lyrik präsentiert.
Verliehen wird der Preis jedes Jahr auf der Leipziger
Buchmesse, die seit Gründung der Kurt Wolff Stiftung
ein enger Verbündeter der Stiftung ist.
„Es war von Anfang an klar“, sagt der Heidelberger Verleger Manfred Metzner, „dass die Stiftung in Leipzig angesiedelt werden sollte.“ Und das nicht nur, weil Kurt
Wolff einst seinen ersten Verlag in der Messestadt gegründet hat.Vielmehr rannten die Initiatoren bei Oliver
Zille, dem Direktor der Leipziger Buchmesse, offene Türen ein. Und auch auf der Frankfurter Buchmesse wird
das kreative Potenzial der Independent Publishers inzwischen genutzt und großzügig unterstützt. „Leipzig war
für uns aber die Initialzündung“, betont Metzner. „Dort
ATTRAKTION: Am Stand der Stiftung Buchkunst auf
der Leipziger Buchmesse 2014 herrscht großer Andrang.
spürten wir von Anfang an einen richtigen Enthusias­
mus.“ Inzwischen haben die Unabhängigen in ­Halle 5
eine eigene Plattform, ein Forum, das Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und natürlich die Verleihung des Kurt Wolff Preises präsentiert.
Die Stiftung ist eine Erfolgsgeschichte. Und ihr Vorsitzender Stefan Weidle und seine Mitstreiter haben
erst kürzlich einen weiteren Durchbruch geschafft:Ab
2015 gibt es den Deutschen Buchhandlungspreis, der
mit insgesamt einer Million Euro jährlich ausgestattet
ist und von der Kulturstaatsministerin ausgelobt wird.
Die Preise gehen in Form von Prämien in unterschiedlicher Höhe an kleinere, i­ nhabergeführte Buchhandlungen, die sich durch inno­vative Geschäftsmodelle, besondere Lese- und Literaturförderung oder
kulturelle Veranstaltungen auszeichnen. An weiteren
Projekten wird mitgearbeitet. So soll es bald eine Indiebook-Plattform für Verlage und Buchhandlungen
aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geben.
Nicht alles aber ist Gold, was in den letzten Jahren ein
wenig heller glänzt als vielleicht in den Jahren zuvor:
Natürlich geraten auch die kleinen Verlage in den
Strudel der Veränderungen auf dem Buchmarkt. Unabhängige Buchhandlungen werden geschlossen, in
den Filialen der großen Buchhandelsketten sind die
Independents kaum vertreten, die Onlinebuchhändler scheren sich wenig um deren Belange.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER LITERATURTAGE
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Foto: Leipziger Messe GmbH/Tom Schulze Stiftung
HEIDELBERGER
LITERATURTAGE
Seit 1994 präsentieren die Heidelberger Literaturtage in jedem Früh­
sommer ein spannendes und hochkarätiges Programm aus Lesungen, Gesprächen und Diskussionen. Außerdem stellen sich im Spiegelzelt Buchhandlungen, Verlage und Kultureinrichtungen vor. Rund
380 Autoren, Wissenschaftler und Musiker aus mehr als 25 Ländern
waren bereits zu Besuch im Zelt. Seit 2006 gibt es eine Schreibwerkstatt für Kinder und seit 2007 alle zwei Jahre einen „Tag der maghrebinischen Literatur“, der 2015 zum fünften Mal stattfindet.
TERMIN 24. bis 28. Juni 2015
SPIELORT Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz, Heidelberg
LEITUNG Manfred Metzner, Franziska Schaub
KONTAKT Arbeitsgemeinschaft Heidelberger Literaturtage
Katharina Schönebeck c/o Kulturamt der Stadt Heidelberg
Haspelgasse 12, 69117 Heidelberg
Tel.: 06221 58-33020, Fax: 06221 58-33490
E-Mail: [email protected]
Internet: www.heidelberger-literaturtage.de
PREISE 7 bis 12 Euro
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN
Festivaleröffnung mit Poetikdozent Lutz
Seiler
Für sein Romandebüt „Kruso“ wurde Lutz Seiler im
vergangenen Jahr mit dem Deutschen Buchpreis
ausgezeichnet. Am Eröffnungsabend der Literaturtage liest er nun im Spiegelzelt auf dem Heidel­
berger Uniplatz. Die Lesung ist gleichzeitig der Abschluss der Heidelberger Poetikdozentur, die Lutz
Seiler in diesem Jahr antritt.
24. Juni 2015, 20 Uhr, Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz Heidelberg
Bereits zum fünften Mal steht der Maghreb im Fokus der Literaturtage.
Bei drei Veranstaltungen können sich die Literaturtage-Besucher davon überzeugen, dass die Länder des Maghreb zu den produktivsten
Regionen der französischen Literatur gehören.
26. Juni 2015, Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz Heidelberg
Lesung mit Meena Kandasamy (Indien)
„Gedichte wie ein Wirbelsturm“, titelte die Neue
Zürcher Zeitung. Mit ihrem Lyrik-Debüt „Fräulein
Militanz“ hat Meena Kandasamy Furore gemacht.
Zudem ist die junge indische Dichterin eine pro­
minente Kämpferin für die Rechte der Frauen in
­Indien. Moderiert wird die Veranstaltung von der
Berliner Literaturkritikerin Claudia Kramatschek.
27. Juni 2015, 18 Uhr, Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz Heidelberg
Foto: Jürgen Bauer (Lutz Seiler), Manfred Metzner (Meena Kandasamy)
Tag der maghrebinischen Literatur
Und doch gibt es genug waghalsige Verleger, die trotz
der Krisenszenarien weitermachen oder neu anfangen, sich ihre Nischen suchen, Freude am Büchermachen ausstrahlen, die eigensinnige und innige Arbeit
mit den Autoren im Sinne Kurt Wolffs als Gewinn
betrachten – und nicht wie die Konzerne vorzugsweise Profit oder Gewinnmargen im Blick haben. Es
muss einem – so die Buchpreisbindung bestehen
bleibt und die Öffentlichkeit den Wert dieser in der
Welt einmaligen Verlagslandschaft zu schätzen weiß
– deshalb nicht allzu bange sein um die Zukunft.
Schon gar nicht, wenn es begeisterte Verleger wie
Manfred Metzner gibt, der als Mitorganisator der
Heidelberger Literaturtage ein Auge darauf hat, dass
auch im Lesezelt auf dem Uniplatz unabhängigen
Verlagen immer wieder Raum gegeben wird. ■
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER SCHLOSSFESTSPIELE
HEIDELBERGER SCHLOSSFESTSPIELE
TANZ IM TURM
Eine aufregende Mischung aus zeitgenössischem Tanz und Akrobatik zeigt die Dance Company von Nanine
Linning bei den Heidelberger Schlossfestspielen. Zum ersten Mal tritt das Tanzensemble vor der Kulisse der
romantischen Ruine auf. Im Dicken Turm wird das Stück „Penumbra“ der beiden Gastchoreografen Florian
Patschovsky und Tim Behren aufgeführt.
Über die Dächer von Heidelbergs Altstadt folgt der Blick dem
Neckar bis zum Horizont. Allein schon wegen dieser Kulisse
bieten Vorstellungen im Dicken Turm des Schlosses ein ganz
besonderes Open-Air-Erlebnis. So sieht es auch die Heidel­
berger Tanzchefin Nanine Linning: „Der Dicke Turm ist ein
beeindruckender, ein wunderschöner Ort“, sagt die niederländische Choreografin. „Doch gleichzeitig stellt er sowohl durch
seine kraftvolle Präsenz als auch durch seine räumlichen Gegebenheiten eine Herausforderung dar – vor allem für die Tanzkunst.“
Tim Behren und Florian Patschovsky
Foto: Jasper Diekamp
„Auch das Fragile zu
erfassen, das zwischen den
einzelnen akrobatischen
Bewegungen liegt, macht für uns
einen großen Reiz aus.“
Tim Behren und Florian Patschovsky, Letzterer in Heidelberg
aufgewachsen, haben diese Herausforderung gern angenommen und damit dafür gesorgt, dass erstmals unter der Intendanz von Holger Schultze die Tanzsparte im Festivalprogramm
vertreten ist. Entwickelt haben die beiden ein Crossover-Projekt, das zeitgenössischen Tanz mit Akrobatik verbindet. Zirkus trifft Theater sozusagen. Das Choreografenduo beruft sich
dabei auf die Schule des Neuen Zirkus. Er ersetzt die Manege
durch die Bühne: Statt Nummernrevuen, Sensationen und
Amüsement gibt es ein dramaturgisches Konzept. Akrobatik,
Artistik und Clownerie verschmelzen mit Schauspiel, Tanz,
Bildender Kunst oder den neuen Medien.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER SCHLOSSFESTSPIELE
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„Der Dicke Turm ist
gleichzeitig ein beeindruckender
Ort und eine Herausforderung.“
Foto: Katharina Simmert
Nanine Linning
„Penumbra“ – der „Halbschatten“ – meint weniger die romantisch anmutenden Verhältnisse der Freilichtaufführung im
Sonnenuntergang als das Zwielichtige, das Uneindeutige und
Doppelbödige, wie es die Geschichte der als Spielort genutzten Ruine mit sich bringt. Ein thematisches Spannungsfeld,
das die Tanzproduktion umreißt. Nicht die Heidelberger Romantik im Sinne eines Achim von Arnim oder Clemens
Brentano dient als Inspirationsquelle für die choreografische
Arbeit, sondern die düstere, jenseitigere und fantastischere
Seite der Kunst jener Zeit. Es ist diese dunkle Seite der Romantik, die sogenannte „Schwarze Romantik“, die durch die
Thematisierung alter, verwunschener oder der Zeit enthobener Gemäuer, einer Auflösung der Realität zwischen Traum
und Albtraum und sich fantastisch wandelnder Körper charakterisiert ist. Sie bildet den Ausgangspunkt für „Penumbra“.
Auch Patschovsky und Behren kommen ursprünglich aus der
funkelnden Welt der Manege. Sie lernten ihr Metier an der
renommierten Ecole Supérieure des Arts du Cirque in Brüssel.
Nach ihrer Ausbildung gründeten sie das Label „Overhead
Projekt“, das mittlerweile in Köln beheimatet ist. Bald ­hagelte
es Preise, auf die wiederum Einladungen im In- und Ausland Das Motiv des Doppelgängers etwa, das unter anderen in
folgten. In Heidelberg gastierten die beiden bereits während E. T. A. Hoffmanns Roman „Die Elixiere des Teufels“ seine
der Tanzbiennale 2014 als Mitglieder der Kompanie „Head- gespenstisch-geheimnisvolle Ausprägung findet, dient BehFeedHands“ mit der Produktion „Alle 4 Minuten“.
ren und Patschovsky als Quelle der Inspiration, um eine
außer­g ewöhnliche Bewegungssprache gemeinsam mit den
Die Akrobatik fasziniert die ehemaligen Zirkuskünstler noch Tänzerinnen und Tänzern der Kompanie zu entwickeln. Die
immer, auch wenn ihr Verständnis von Körperlichkeit und Äs- schaurig-faszinierenden Motive und Stoffe der Romantik
thetik mittlerweile stark von den Erfahrungen mit dem zeitge- werden für ein atmosphärisch dichtes Spiel genutzt. Die genössischen Tanz geprägt ist. „Im Probenprozess betrachten wir gensätzlichen Facetten des Spielorts changieren zwischen
die akrobatische Arbeit als ein spezielles Denken mit dem Kör- ­Ferne und Nähe, Enge und Weite, Tiefe und Höhe, Verganper“, erklären die beiden Choreografen. „Auch das Fragile zu genheit und Gegenwart. Bedeutungen überlagern und vererfassen, das zwischen den einzelnen akrobatischen Bewegun- schieben sich. ›
gen liegt, macht für uns einen großen Reiz aus. Hier liegen für
uns versteckte Momente der intimen Kommunikation der
Körper verborgen.“ Wenn dann Tanz und Akrobatik, zwei
Genres der Körperkunst, aufeinanderstoßen, wie jetzt bei der
Choreografie „Penumbra“ für die Heidelberger Schlossfestspiele, sei das eine spannende Herausforderung und ästhetisch
wirkungsvoll.
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
HEIDELBERGER SCHLOSSFESTSPIELE
Foto: Annemone Taake
Nanine Linning freut sich auf die Kooperation: „Meinen
Tänzern biete ich durch die Arbeit mit Gastchoreografen ­gern
die Gelegenheit, andere Arbeitsweisen und choreografische
Handschriften kennenzulernen.“ Durch ihr akrobatisches
Know-how und ihr Interesse am zeitgenössischen Tanz seien
Tim Behren und Florian Patschovsky prädestiniert, eine doppelte Aufgabe zu meistern – den Tänzern ein bisher ungewohntes Bewegungsvokabular zu vermitteln und deren körperliche Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. „Und d­ iese
akrobatischen Fähigkeiten helfen natürlich auch hinsichtlich
der recht begrenzten Tanzfläche im Dicken Turm“, betont
Nanine Linning und deutet auch gleich an, in welche Richtung sich das Stück räumlich entwickeln könnte. „Nach oben
hin beispielsweise ist der Raum ja offen.“ ■
AKROBATIK MEETS TANZ: Proben zur Produktion „Penumbra“,
die bei den Schlossfestspielen zu sehen sein wird.
HEIDELBERGER
SCHLOSSFESTSPIELE
Die schönsten Bühnen der Stadt öffnen sich wieder im Sommer auf dem Heidelberger Schloss. Diesmal wird der Schlosshof zur Kulisse für William Shakespeares unsterbliche Tragödie „Romeo und Julia“. Sie entführt uns in ein Verona, das es
so wahrscheinlich nie gegeben hat. Im Englischen Bau hingegen wird die schöne Rapunzel gefangen gehalten und im
­Dicken Turm tanzt die Dance Company Nanine Linning/
Theater Heidelberg. Eine Wiederaufnahme feiert das Musical
„My Fair Lady“ für alle, die es noch nicht gesehen haben oder
die es noch einmal sehen möchten. Und der Schlosshof wird
wieder zum Konzertsaal unter freiem Himmel für eine ganze
Reihe stimmungsvoller Konzerte.
TERMIN 24. Juni bis 2. August 2015
SPIELORT Schloss Heidelberg
LEITUNG Holger Schultze (Intendant)
KONTAKT
Theater & Orchester der Stadt Heidelberg,
Theaterstraße 10, 69117 Heidelberg,
Tel.: 06221 58-20000 (Kasse)
E-Mail: [email protected],
www.heidelberger-schlossfestspiele.de
PREISE 8 bis 56 Euro
Die genauen Preise entnehmen Sie bitte den aktuellen
­Programmankündigungen zu den Festspielen.
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN
Romeo und Julia
Ein Mann, eine Frau, die größte Liebesgeschichte der Welt. An
einem Sonntag lernen sie einander kennen, fünf Tage später
bringen sie sich um – aber dazwischen erleben Romeo und
­Julia die aufregendste, schmerzhafteste, wunderschönste Zeit
ihres Lebens. Von der berühmten Balkonszene über Duelle,
Gift und Täuschung bis zum bitteren Ende und darüber hinaus:
„Es war die Nachtigall und nicht die Lerche!“
ab 27. Juni 2015, Schlosshof, Heidelberger Schloss
Rapunzel geht los!
Die Zauberin Marulla kann alles herbeizaubern, was sie möchte, nur kein Kind. Da kommt ihr der Dieb Kuno in ihrem Garten
gerade recht. Kuno möchte Salat für seine schwangere Frau
­haben. Er schließt mit Marulla einen Pakt – so kommt er zu seinem Salat und sie zu seinem Kind. Sie nennt es Rapunzel und
sperrt es in einen Turm, um sicher zu gehen, dass es für immer
bei ihr bleibt. Aber eines Tages entdeckt ein Prinz den Turm.
Ob der Spruch „Rapunzel, lass mir dein Haar herunter“ ihn zu
dem Mädchen im Turm bringen kann?
ab 24. Juni 2015, Englischer Bau, Heidelberger Schloss
My Fair Lady
„Die Sprache macht den Menschen“, sagt Prof. Higgins, nicht
Reichtum, Kleidung und Beruf. Und er wettet, mittels Sprechunterricht aus dem Blumenmädchen Eliza eine Prinzessin zu
machen. Ein Experiment beginnt, in dem Higgins unversehens
selbst zum Probanden wird, sieht der eingefleischte Jung­
geselle sich doch statt eines Versuchsobjekts einer lebendigen
Frau gegenüber – mit vehementem Eigenwillen und durchaus
­imstande, ihm sein Herz zu rauben … Eine herzerfrischende
Mischung aus Gesellschaftskritik, Geschlechterkampf, Sprachglosse, Liebesgeschichte und einer hinreißenden Musik.
ab 09. Juli 2015, Schlosshof, Heidelberger Schloss
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
INTERNATIONALES STRASSENTHEATERFESTIVAL LUDWIGSHAFEN
INTERNATIONALES STRASSENTHEATERFESTIVAL LUDWIGSHAFEN
Mit einem gigantischen Kamel im Gepäck
gastiert die französische Compagnie „Paris
Bénarès“ beim Internationalen Straßenthe­a­
terfestival Ludwigshafen. Ihre Produktion
„Chamôh“ hält die Zeit für einen kurzen
­Moment an und nimmt das Publikum mit
auf eine fantastische Reise.
33
EIN
KAMEL
AUF
REISEN
Bei Chamôh handelt es sich allerdings nicht um einen Menschen. Chamôh ist vielmehr ein riesiges
Kamel: vier Meter hoch, sechs Meter lang und zwei
Tonnen schwer – überdimensional, aber dennoch
anmutig und täuschend echt. Wie in Zeitlupe setzt
es einen Huf vor den anderen und zermalmt ein
paar Heuhalme zwischen seinen Kiefern. Mit
Augsburger Puppenkiste hat diese XXL-­Marionette
zwar nur wenig gemein, doch wie die Kollegen aus
der Fuggerstadt erwacht auch Chamôh erst durch
Menschenhand zum Leben. Allerdings genügen
beim Riesenkamel keine Stöcke und Fäden, vielmehr ist es eine beeindruckende, vor den Zuschauern gut verborgene Maschinerie aus Rädern, Kränen und Seilen, denen das Tier seine gemächlichen
Bewegungen verdankt.
Fotos: J. Retru/Paris Bénarès
Mit jedem Wimpernschlag von Chamôh steht die
Zeit für einen Moment still: Ein kurzer Augenblick,
der die Hektik und die Banalität des Alltags in Vergessenheit geraten lässt. Chamôh hat große, gütige
Augen und blondes, verstrubbeltes Haar und ist der
Held des gleichnamigen Stückes, mit dem die französische Compagnie „Paris Bénarès“ aktuell durch
die Straßen zieht. „Unsere Aufführungen dauern
nur wenige Minuten und sind trotzdem wie eine
ganze Reise, mit der wir das Publikum aus dem
Alltag entführen wollen“, erklärt der künstlerische
Leiter Patrice Verquère das Konzept.
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
INTERNATIONALES STRASSENTHEATERFESTIVAL LUDWIGSHAFEN
Fotos: J. Retru/Paris Bénarès
KEINE ANGST! Trotz seiner riesigen Maße ist
das Kamel Châmot völlig harmlos und zu­
traulich und sorgt in der Interaktion mit dem
Publikum für poetische Momente.
„Vor allem, wenn Kinder Chamôh streicheln wollen, sind sie
oft verwirrt, weil er so lebendig wirkt“, erzählt Verquère und
lacht. „Doch auch Erwachsene lassen sich auf das Stück gerne
ein und wollen bereitwillig glauben, was sie sehen.“ Sogar für
den Schöpfer des Kamels selbst ist Chamôh längst mehr als nur
eine Konstruktion aus Holz, Eisen, Leder und Fell: „Mittlerweile ist er ein richtiges Mitglied der Compagnie.“
Kein Wunder – bereits seit 2011 erzählt „Paris Bénarès“ die
Geschichte des Kamels, das gemeinsam mit dem verschlafenen
Clown Pif aus dem Wanderzirkus „Bombay Circus of the So­
leil“ Reißaus genommen hat. Während die beiden umherstreifen und versuchen, miteinander klarzukommen, entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung zwischen ihnen und
die Frage: Wer dressiert hier eigentlich wen?
Team aus Technikern und Komödianten daran gearbeitet –
und „Chamôh!“ wird weiterhin stetig verbessert: „Ein gutes
Stück besteht aus einer kreativen Idee, präziser Umsetzung
und Spaß am Aufführen“, fasst Verquère zusammen und fügt
hinzu: „Beim Straßentheater muss man sich ständig neu erfinden.“ Verquère spricht aus Erfahrung: Bevor er „Paris Bénarès“
ins Leben gerufen hat, war er bereits zehn Jahre lang mit einer
anderen Truppe unterwegs.
Die Herausforderungen des Straßenfigurentheaters – Unsicherheit, Wetterkapriolen, monatelange Reisen – kennt er nur
zu gut, doch er nimmt sie gerne in Kauf: „Die Freiheit, sich
ausdrücken und seine Vorstellungen verwirklichen zu können,
ist für mich das Schönste am Straßentheater!“, schwärmt der
kreative Kopf von „Paris Bénarès“. „Außerdem erreichen wir
mit unseren Stücken die unterschiedlichsten Menschen – auch
Im echten Leben hält jedenfalls Patrice Verquère die Fäden in jene, die normalerweise nicht mit Theater in Berührung komder Hand. Er hat die Compagnie vor sechs Jahren gegründet. men.“ Die Gruppe sei bewusst nicht in den großen MetropoBenannt hat er sie nach seiner Heimat Paris und nach Benares, len unterwegs, sondern lasse Monsieur Pif und Chamôh mit
einer Stadt im Norden Indiens: „Dieser Ort hat mich sehr ge- dem Publikum gerade nicht ganz so riesiger Städte auf Reisen
prägt, ich habe mich dort gefühlt wie im Film“, erinnert sich gehen. So nah kommen die beiden Figuren den Zuschauern
Verquère. „Das Gefühl wollte ich mit anderen teilen.“ Auch dabei, dass zwischen dem Clown und einer Zuschauerin sogar
deswegen klingt „Chamôh!“ nach Orient, nach rhythmischen die Funken sprühen …
Trommeln, meditativem Gesang und traditionellen indischen
Instrumenten: „Diese Musik ist meist sanft und poetisch, sie Wem Chamôh in Ludwigshafen sein Herz schenken wird? Und
passt perfekt zu unserem Stück.“
ob den französischen Figurenkünstlern der Kurztrip mit dem
Metropolregion-Publikum gelingt? Verquère ist guter Dinge:
Bis aus der ersten Idee eine 45-minütige Reise durch die Stra- „Die Deutschen sind immer sehr emotional dabei, sie klatschen
ßen Europas geworden ist, wurden unzählige Skizzen ge- und lachen viel.“ Viel wichtiger als der Applaus sei es aber für
zeichnet, Mechanismen entworfen und Konstruktionen getes- „Paris Bénarès“, die Zuschauer zu berühren und sie für ein paar
tet. Eineinhalb Jahre hat Verquère mit seinem zehnköpfigen Augenblicke auf Reisen zu schicken: Bon voyage! ■
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
INTERNATIONALES STRASSENTHEATERFESTIVAL LUDWIGSHAFEN
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INTERNATIONALES
STRASSENTHEATERFESTIVAL
LUDWIGSHAFEN
Das Straßentheaterfestival präsentiert jeden Sommer spektakuläres Open-AirTheater aus ganz Europa und teilweise aus Übersee. An zwei Tagen und drei
Abenden können die Zuschauer an verschiedenen Orten in der Ludwigshafener
City hautnah die Vielfalt des Theaters unter freiem Himmel erleben. Das Spek­
trum reicht vom fantasievollen Walk-Act über Musik-, Tanz- und Figurentheater
bis hin zur aufwendigen Platzinszenierung.
TERMIN 23. bis 25. Juli 2015
SPIELORTE Ludwigshafen, Innenstadt
KONTAKT Veranstalter: Stadt Ludwigshafen – Kulturbüro, Bismarckstraße
44 – 48, 67059 Ludwigshafen
Tel.: 0621 504-2263, E-Mail: [email protected],
Internet: www.ludwigshafen.de
PREISE Eintritt frei – Spenden sind willkommen!
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN Blaas of Glory – „Heavy Metal Marching Band“
Diese mobile Brassband hat der Heavy-MetalSzene gerade noch gefehlt! Unplugged und
mobil sind die Jungs unterwegs „on a highway to hell“! Höchstes Lob kommt auch von
amtlicher Seite: Niemand Geringeres als die
Jungs von Metallica sagen über die Niederländer: „Blass of Glory zaubert ein Lächeln in
jedes Gesicht“– und wir freuen uns auf diese
ungewöhnliche Mischung aus „harter“ Blaskapelle und Marching Band.
www.blaasofglory.nl
Mit „Agora Phobia“ erwartet die Besucher zum Festivalausklang eine der gegenwärtig spannendsten und spektakulärsten Platzinszenierungen der europäischen
Szene – ein Theatererlebnis der besonderen Art.
Mit ungewöhnlichen Bildern und überraschenden
Einfällen entwirft Theater Gajes ein Szenario zum
Thema städtischer Bauwahn. Das 13-köpfige niederländische Ensemble entführt uns mitten hinein in
eine ­Baugrube. Mit optischen Tricks, fahrenden Großobjekten, agilen Darstellern und wunderbarer LiveMusik lässt die Gruppe um die Zuschauer herum die
perfekte Illusion einer Großbaustelle entstehen. Eine
der skurrilsten Baumaßnahmen, die die Stadt je gesehen hat, nimmt ihren Lauf:
Nervöse Bagger, geplatzte Wasserleitungen, visionäre Architekten, sich selbst
überschätzende Politiker und akrobatische Handwerker werden Hauptdarsteller
in einer grotesken Soap-Opera, die – gespickt mit Andeutungen auf reale Baudesaster – manchen Baunagel auf den Kopf trifft. Eine Sternstunde des europäischen Straßentheaters!
www.theatergajes.nl
Die genauen Spielorte und -zeiten finden Sie ab Ende Juni unter www.ludwigshafen.de.
Fotos: Blaas of Glory, Theater Gajes
Theater Gajes – „Agora Phobia“
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
NIBELUNGEN-FESTSPIELE
NIBELUNGEN-FESTSPIELE
Foto: UFA Fiction/Bearbeitung: Raum Mannheim
„ Der Dom
hat eine ganz
eigene Magie“
Die Nibelungen-Festspiele starten neu durch. Mit Nico Hofmann, einem der erfolgreichsten und
renommiertesten deutschen Filmproduzenten, haben die Festspiele einen hochkarätigen Nachfolger von Dieter Wedel als neuen Intendanten gewonnen. Vor der Kulisse des Wormser Doms
präsentiert er ein Stück von Albert Ostermaier. „Gemetzel“ ist der erste Teil einer Trilogie, die das
mittelalterliche Heldenepos einmal ganz anders erzählt.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
„Die Sehnsucht nach
Geborgenheit und Familie
trifft auf Zerstörung, Betrug
und Egomanie. Das hat leider
viel mit der gegenwärtigen
Lage auf der Welt zu tun.“
Herr Hofmann, in Ihren Produktionen haben Sie sich immer w
­ ieder
mit der deutschen Geschichte befasst. Was begeistert Sie an der germanischen Heldensage?
Der Nibelungenstoff ist die Ursuppe der großen dramatur­
gischen Ideen dieses Landes Deutschland.Vieles, was wir inhaltlich bewegen, dramaturgisch oder auch im Fernsehbereich, hat
seine Ursprünge in der Nibelungensaga. Der Stoff ist archaisch
und von einer Vielschichtigkeit, aus der man viele Ebenen herausziehen kann. Mich faszinieren die Frauenbilder unendlich.
Bei längerer Beschäftigung finde ich diese mindestens so interessant wie die Männerwelt. Im Grunde ein Stoff, den man zigfach
interpretieren kann. Das Spannende für Ostermaier und uns ist,
jedes Jahr aufs Neue einen anderen Fokus zu entdecken.
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Foto: Rudolf Uhrig
NIBELUNGEN-FESTSPIELE
FRISCHER WIND: Nico Hofmann und der neue
künstlerische Leiter Thomas Schadt (links).
und Egomanie. Das hat leider viel mit der gegenwärtigen Lage
auf der Welt zu tun. Ostermaier inszeniert das als Warnung abgefasste Nibelungenlied auch als Antikriegsstück, als Antwort auch
auf die Rezeptionen des Stoffes bei Fritz Lang bis hin zur USamerikanischen Fantasy-Serie „Game of Thrones“.
Was gefällt Ihnen an Ostermaiers Nibelungen-Fassung?
Die Idee von Albert Ostermaier, die Nibelungengeschichte aus
ganz unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen, hat mich begeistert. Das Thema in seiner ganzen Komplexität wird durch die
triologische Gliederung neu beleuchtet.
Inwiefern ist die Dom-Kulisse etwas Besonderes?
Der Dom und der Heylshof bilden einen magischen Ort, der
nach der Auseinandersetzung mit dem Nibelungenmythos ge­
radezu schreit.
Wird es im neuen Stück von Albert Ostermaier Aktualisierungen
oder Bezüge zur Gegenwart geben?
Die Sehnsucht des jungen Ortlieb, Kriemhilds und Etzels Sohn,
nach Geborgenheit und Familie trifft auf Zerstörung, Betrug Dass ein erfolgreicher Filmproduzent in die Theaterwelt eintaucht,
ist eher ungewöhnlich …
Meine Anfänge als Filmemacher sind eng mit dem Theater verbunden. Meine ersten Filme entstanden gemeinsam mit SchauNico Hofmann
spielern des Mannheimer Nationaltheaters. Enge Beziehungen
Seine Produktionen wie „Die Flucht“ oder
hatte
ich auch zum Heidelberger Theater in der Ära Peter Stolt­„Unsere Mütter, unsere Väter“ erreichen immer
zenberg, der ein enger Freund der Familie ist. Und in München
wieder ein Millionenpublikum. Jetzt löst Nico
hospitierte ich während meiner Filmhochschulzeit – durch VerHofmann Dieter Wedel als Intendant der Nibemittlung Stoltzenbergs – bei Dieter Dorn an den Kammerspielungen- Festspiele ab und kehrt damit in seine
len.
Die Liebe zum Theater ist geblieben. Und schließlich entdeHeimat zurück. Der heute 55-Jährige ist in
cke
ich
ja auch für den Film die Schauspieler am Theater.
­Heidelberg geboren und volontierte nach dem
Abitur beim „Mannheimer Morgen“. Im Anschluss studierte er an der Hochschule für
Fernsehen und Film in München. Als Regisseur
wurde er in den 90er-Jahren bekannt. Er drehte
unter anderem „Der Sandmann“ und „Solo für
Klarinette“ mit Götz George sowie die Serie
„Balko“. Nico Hofmann ist seit 2013 Vorsitzender
der Geschäftsführung der UFA FICTION, die
seit August 2013 alle bisherigen fiktionalen Tätigkeiten der UFA Fernsehproduktion, Phoenix
Film und teamWorx vereint.
Was werden Sie anders machen als Ihr Vorgänger Dieter Wedel?
Dieter Wedel hat Worms groß gemacht und mit Dieters Engagement sind die Nibelungenfestspiele zu einer deutschlandweiten
Attraktion geworden. Der große Unterschied ist, dass ich die Intendanz wirklich als Intendanz begreife. Dieter Wedel, den ich
sehr schätze, hat in Personalunion Regie, Buch und Intendanz
kreativ gemanagt. Ich habe das auf mehrere Schultern verteilt.
Das beginnt mit der Berufung von Thomas Schadt als künstlerischem Leiter und der Wahl von Albert Ostermaier als Autor. Ich
setze sehr stark auf die Qualität meines Teams und auch auf den
Nachwuchs, den wir gerade durch einen Autorenwettbewerb
ansprechen wollen. ›
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
NIBELUNGEN-FESTSPIELE
„Ich bin gerne in der
Region und möchte ihr
etwas zurückgeben.“
Steht schon fest, welche Schauspieler engagiert werden?
Es wird eine Mischung aus bekannten Namen und vielversprechenden jungen Talenten geben.
Sie sind ja in Mannheim aufgewachsen und kennen von daher
Worms und seinen Dom. Hat das Ihre Entscheidung beeinflusst,
die Intendanz zu übernehmen?
Ich habe eine Beziehung zu Worms. Ich selbst komme aus
Mannheim. Viele Menschen entdecken ihre Liebe zu Mannheim auch erst auf den dritten oder vierten Blick, das ist wahrscheinlich bei Worms ähnlich. Ich kann nur sagen, die Spielstätte
vor dem Dom, der Heylshof und die anderen historischen Stätten haben ihre ganz eigene Magie. Ich bin gerne in der Region
und möchte ihr etwas zurückgeben. Man ist doch Kind der Region. Ich bin aufgewachsen zwischen Heidelberg, Mannheim,
Ludwigshafen, Speyer, Worms, Neustadt und der Pfalz. Mein
Freundeskreis ist seit 30, 40 Jahren überall hier verstreut. Jetzt für
die Region eine Verantwortung zu übernehmen, nachdem ich
mich teilweise gleichzeitig auch stark für die „Kulturhauptstadt
Mannheim 2020“ und Oberbürgermeister Peter Kurz engagiert
habe, war etwas Konkretes, das ich gestalten kann und das wir
jetzt mit Freude angehen. ■
NIBELUNGENFESTSPIELE
Neues Team und neues Stück: Intendant Nico Hofmann präsentiert eine Neubearbeitung von Albert Ostermaier. Darin
wird die große Heldensage von hinten aufgerollt. Ortlieb,
Sohn von Kriemhild und Etzel, erwartet die berüchtigte Verwandtschaft aus dem Burgenland. Ein Fest wird gefeiert nach
all den Jahren der Trennung. Und alte Geschichten werden
wieder erzählt – von starken Männern und schönen Frauen.
Ein hochkarätiges Team um Regisseur und künstlerischen
­Leiter Thomas Schadt setzt die Geschichte auf der Bühne vor
dem Wormser Dom um.
TERMIN 31. Juli bis 16. August 2015
SPIELORT Worms, Kaiserdom
INTENDANZ Nico Hofmann
KÜNSTLERISCHE LEITUNG Thomas Schadt
AUTOR Albert Ostermaier
KONTAKT Nibelungen-Festspiele Worms,
Von-Steuben-Straße 5, 67549 Worms, Ticket-Hotline: 01805
337171 (0,14 €/Min.. dt. Festnetz, aus anderen Netzen abweichende Tarife
möglich), TicketService Worms: Rathenaustr. 11, E-Mail: info@
nibelungenfestspiele.de, www.nibelungenfestspiele.de
PREISE 29 bis 129 Euro
DAS SOLLTEN SIE NICHT VERPASSEN
Kindertag bei den Nibelungen-Festspielen
Auch unter der neuen Intendanz von Nico Hofmann gibt es
einen Kindertag. Er bietet jede Menge Spaß für kleine und
große Theaterfans. Der romantische Heylshofpark verwandelt sich in eine große Mitmachbühne und Abenteuer­
wiese. Kleine Theater­
stücke und viele Möglichkeiten, sich zu verkleiden, zu schminken,
zu toben – für alle, die
Theater lieben!
09. August 2015, 11 bis
16 Uhr, Heylshofpark in
Worms
Fotos: Bernward Bertram (Dom), Rudolf Uhrig (Kindertag)
Mit dem Regisseur Thomas Schadt, dem Autor Albert Ostermaier,
dem Bühnenbildner Aleksandar Denic und dem Choreografen Ted
Stoffer haben Sie anerkannte Theatermacher gewonnen. Welche
Qualitäten bringen sie ein?
Thomas Schadt ist ein herausragender Regisseur, mit dem ich
bereits bei mehreren Filmprojekten zusammengearbeitet habe.
Ich vertraue seiner künstlerischen Arbeit sehr. Er wird für das
Stück „Gemetzel“ von Albert Ostermaier eine eindrucksvolle
Bildersprache finden. Großartig ist, dass wir Aleksandar Denic
von uns überzeugen konnten, der gerade den Deutschen Theaterpreis „Faust“ in der Kategorie „Bühne/Kostüm“ gewonnen
hat. Er hat sich den Wormser Dom angesehen und war so begeistert, dass er uns trotz seiner zahlreichen Verpflichtungen zusagte.
Mit Ted Stoffer konnten wir einen international anerkannten
Choreografen verpflichten, der uns bei unseren neuen szenischen Tanzideen hervorragend unterstützen wird. Denn erstmals
wird bei den Nibelungen-Festspielen auch zeitgenössischer Tanz
zu sehen sein.
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
WEITERE FESTIVALS
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WEITERE FESTIVALS IN DER METROPOLREGION
DA WAR NOCH WAS …
Queer-Kultur, Videokunst, Kurzfilmexperimente und vieles mehr – in der Metropolregion
Rhein-Neckar bewegt sich auch jenseits der Top-Festivals einiges in Sachen Festival­kultur.
Ein Überblick über die weiteren Highlights in diesem Frühjahr und Sommer.
FLIMMERN UND ZUCKEN
SOUND AND VISION: Der RobotikSound-Tüftler Martin Simon Geist
(oben) und ein Still der Videokünstlerin Kasumi.
14–22 MÄRZ
B-SEITE
Die Fans wissen es schon lange: Der McCartney-Träller „Hello Goodbye“ ist nicht gerade ein
Höhepunkt des Beatles-Opus, während der Lennon-Knaller „I Am the Walrus“ zu den echten
Juwelen gehört. Perfiderweise hatten die Fab Four Letzteren auf der B-Seite der ­„Hello
Goodbye“-­Single platziert. Ein Beleg dafür, dass die B-Seite nicht nur der Platz für Experimente
und Obskures, sondern auch für wahre Preziosen ist. Das Festival B-Seite nimmt diese Idee auf
und überträgt sie auf die visuelle Kunst. Ob Video-Art, Computerkunst, Projektionen, Licht­
design oder andere experimentelle Formen, bei B-Seite flimmert und zuckt das ganze Spektrum
an audiovisueller Kunst durch die Räume. Komplettiert wird das Ganze durch Gespräche, Vorträge und Workshops. In diesem Jahr wagen sich die Festivalmacher auch örtlich auf neues Terrain: Unter dem Titel „ZugaB – B-Seite meets Roche“ präsentiert das Festival in Kooperation
mit Roche Diagnostics, dem Kulturbüro der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH und der
Alten Feuerwache am 26. März einen Parcours auf dem Roche-Werksgelände. „Kunst an Orte
zu bringen, wo diese traditionell nicht so präsent ist, das ist ein Ziel der Kulturvision der MRN“,
betont Henning Franke, Leiter Standortentwicklung bei Roche. „Warum also unser Werk nicht
einmal in einem ‚ganz neuen Licht‘ erscheinen lassen? So haben wir Kunst und Forschung mit
einem Festivalabend auf unserem Campus zusammengebracht und sind gespannt, zu welchen
interessanten ‚Erleuchtungen‘ das führt!“ Und auch sonst wird Netzwerken großgeschrieben: So
kooperiert B-Seite mit dem roBOt-Festival in Bologna – die erste Zusammenarbeit innerhalb des
UNESCO Creative Cities Network, in dem Mannheim seit 2014 als City of Music mitmischt.
14. bis 22.03.15, Mannheim, www.jetztkultur.de/bseite
7. QUEER FESTIVAL
LGBT – nicht nur für alle, denen dieses Kürzel absolut geläufig
ist, öffnet das 7. Queer Festival im Heidelberger Karlstorbahnhof seine Pforten. Denn mit Namen wie Anne Clark, Karin
Park, Current 93, Scott Matthew, Darkness Falls, Ja Panik oder
Bonaparte haben die Macherinnen und Macher erneut ein
(musikalisches) Programm auf die Beine gestellt, das weit über
die lesbisch-schwule-bisexuelle-transgender-Szene hinausstrahlt. Und auch in Sachen Literatur, Kunst und Performance
gibt es mit Thomas Meinecke, Manuel Möglich, Daniel Odermatt oder Charlotte von Mahlsdorf einiges zu entdecken und
erleben. Dazu noch eine Filmreihe und eine Podiumsdiskussion über sexuelle Vielfalt und Schulunterricht – es ist angerichtet! Und natürlich darf auch eine rauschende Abschlussparty
nicht fehlen: Die New Yorker DJane Kim Ann Foxman setzt
ein fulminantes Ausrufezeichen ans Ende des Festivals!
18.04. bis 01.05.15, Heidelberg, www.queer-festival.de
PARK IM BAHNHOF: „Apocalypse Pop“ heißt das
neue Album, das die schwedische Elektro-GothIndustrial-Heldin Karin Park im Gepäck hat.
18–01
APRIL
MAI
Fotos: David Campesino (Geist), Idle Christoph Voy (Park)
WAS HEISST HIER „NORMAL“?
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
Zugabe
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!
25 JAHRE JAZZ AND JOY
19–21 JUNI
Halleluja! Bereits seit einem Vierteljahrhundert wird jeden
Sommer rund um den Wormser Kaiserdom gejazzt, gejammt,
gerockt – „Jazz and Joy“ ist einer der ­Höhepunkte im rheinland-pfälzischen Kultursommer. Jazz, Soul, Swing, Pop und
Rock stehen auf dem Programm – Bob Dylan, Joe Cocker
und Al Di Meola waren schon hier und auch sonst tummeln
sich internationale und nationale Stars sowie Newcomer und
Talente auf den fünf Open-Air-Bühnen. Neben den musika­
lischen Highlights wartet auf die rund 20.000 Besucher auch
im Jubiläumsjahr wieder ein spannendes Rahmenprogramm
mit kulinarischen Leckerbissen, Jazz-Gottesdiensten, Old­
timer-Ausstellung und Kinderfest.
19. bis 21.06.15, Worms, www.jazzandjoy.de
BESTE STIMMUNG: Auf dem Wormser Marktplatz
heizte 2005 Joe Cocker den Fans ordentlich ein.
WEITERE FESTIVALS
20. WOCHE JUNGER SCHAUSPIELER
5. MAIFELD DERBY
Was ist Heimat, wenn sie sich gegen die eigenen Bürger stellt? Wie
viel Realität verträgt die Liebe? Wem kann man vertrauen, wenn
jeder Schritt überwacht wird? Individuum und Gesellschaft stehen im Mittelpunkt des Festivals, bei dem sich die junge deutschsprachige Theaterszene bereits zum 20. Mal präsentiert,
mit Figuren wie Edward Snowden, Woyzeck oder dem jungen Werther.
Laut, vielseitig und grün! Das Maifeld Derby punktet nicht nur mit Top-Acts wie Sizarr
oder Gisbert zu Knyphausen und Lesungen
oder Kurzfilmen auf der Par­cours-d’AmourBühne. Auch Nachhaltigkeit wird mit dem
Projekt „Greener M
­ aifeld Derby“ in die Tat
umgesetzt. Ein Festival mit guter Musik und
fürs gute Gewissen!
10. NEUER DEUTSCHER JAZZPREIS
Grenzen sind da, um sie zu überwinden – daran lassen die Finalisten
des Neuen Deutschen Jazzpreises keinen Zweifel. Das Filippa Gojo Quartett
entwirft mit Percussion oder Megafon
einen Soundtrack für das scheinbar alltägliche Leben. Saxofon, Klavier und
Celli treffen bei Lutz Häfner und Rainer
Böhm aufeinander und Andreas und
Matthias Pichler loten die Unterschiede
zwischen Jazz, Folk, Rock, Pop, Alpen
und Rocky Mountains aus.
13. und 14.03.15, Mannheim,
www.ig-jazz.de
2. BÜRGERBÜHNENFESTIVAL
22. bis 24.05.15, Mannheim, www.maifeld-derby.de
19. HAMBACHER MUSIKFEST
Schumann oder Mozart lauschen, dabei ein Glas Wein genießen
und zusehen, wie sich der Abend über die Rheinebene legt? Das
Hambacher Musikfest lässt diesen Sommernachtstraum wahr werden und hat weit mehr als reine Kammermusik zu bieten: Auch
eine spanische Fiesta oder das Musikkabarett „Kunst der Unfuge“
stehen auf dem Programm.
03. bis 07.06.15, Neustadt/Weinstraße, www.hambachermusikfest.de
22. BADEN-WÜRTTEMBERGISCHE THEATERTAGE
Die geballte Kraft von 32 Theatern aus ganz Baden-Württemberg
präsentiert sich dieses Jahr in Heidelberg: Egal ob National-, Kinderoder Kleintheater – alle Bühnen sind Mitglied des Landesverbandes
des Deutschen Bühnenvereins. Alle 24 Stunden zeigt ein anderes
Ensemble sein Können. Publikumsgespräche mit den Regieteams,
Vorträge und Late-Nights komplettieren das Theaterfest.
12. bis 21.06.15, Heidelberg, www.theaterheidelberg.de
PALATIA JAZZ
So nah am echten Leben ist kaum ein anderes Theaterfestival: Hier
geht’s um echte Männer, dicke Frauen und das Kind im Erwachsenen. Um persönliche Kriege, um NSU-Attentate, Querschnittslähmung und Fußball als Weg aus der Armut. Insgesamt treten zwölf
handverlesene Bürgerbühnen aus Deutschland und Europa auf.
Latein meets English, Historie meets Avantgarde – diese Mischung
führt das Festival schon im Namen. Passend also, dass die ­Konzerte
mit Jazz-Größen und Newcomern an historischen Spielorten stattfinden. Dazu gibt’s Wein und mediterrane Speisen.
20. bis 27.03.15, Mannheim, www.nationaltheater-mannheim.de
20.06. bis 08.08.15, Pfalz, www.deidesheim.eu/palatiajazz
Fotos: Rudolf Uhrig (Wormser Dom), Dennis Williamson ( Knyphausen)
06. bis 27.03.15, Bensheim,
www.stadtkultur-bensheim.de
Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
WEITERE FESTIVALS
41
GIRLS GO MOVIE
derschöne Kulisse für das A-capella-Ensemble „Singer pur“, das mit
Girls Go Movie ist ein Festival für Film- seinem Programm „Field of Gold“ durch die Vokalmusik der Jahrfrauen und solche, die es werden wol- hunderte reist. Tags drauf lassen Sänger und Sängerinnen der
len: Jungen Regisseurinnen zwischen ­Musikhochschulen Melodien aus Oper und Operette erklingen.
12 und 27 Jahren Chancen zu geben 11. und 12.07.15, Herxheim, www.herxheim.de
und Ängste zu nehmen – das ist das
Ziel. Die Zuschauer erhalten einen LEINEN LOS
authen­tischen Einblick in die Welt der Leinen los – rund 400 Kinder und Jugendliche stechen in See, um
Filmemacherinnen und erfahren bei die Welt zu erobern – oder zumindest die Bühne. Wie das geht, lerVorträgen und Diskussionen mehr nen sie in Workshops mit professionellen Theaterpädagogen. Ihre
über Hintergründe und Wege zum Film. Entdeckungsreise führt sie dabei nicht nur hinter die Theaterkulis27. und 28.06.15, Mannheim,
sen, sondern vielleicht auch zu ganz neuen Seiten ihrer selbst …
Die erarbeiteten Inszenierungen werden am Ende präsentiert.
www.girlsgomovie.de
Den Meister der Wiener Klassik und Wegbereiter der Romantik
kann man in Speyer in all seinen Facetten erleben: Die Deutsche
Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz lässt seine Werke frisch und
neu erklingen – teilweise im Zusammenspiel mit regionalen Musikschulen, dem Domchor sowie dem Kinder- und Jugendtheater
Speyer. Dazu stehen eine Kammermusik-Matinée und eine literarisch-musikalische Liebesgeschichte auf dem Programm.
28.06. bis 05.07.15, Speyer, www.staatsphilharmonie.de
oder www.speyer.de
GASSENSENSATIONEN
Kultur für alle und in all ihren Facetten: Literaturinszenierungen
und Akrobatik, Comedy, moderner Tanz oder Pantomime – all das
gibt es bei den Gassensensationen in Heppenheim zu bestaunen.
Rund 30.000 Besucher strömen jährlich nach Heppenheim, um die
lockere Atmosphäre des Straßentheaterfestivals zu genießen.
08. bis 11.07.15, Heppenheim, www.gassensensationen.de
DER GROSSE ENDHIRSCH
15. bis 19.07.15, Mannheim, www.schnawwl.de
THEATER AM TEICH
Wenn bei diesem Festival Tränen fließen, ist
das kein Wunder – schließlich hat es mit seiner Bühne im Teich im wahrsten Sinne des
Wortes nah am Wasser gebaut. Lachtränen
aber, wohlgemerkt! Denn unter anderem
geht’s mit Ausbilder Schmidt und seinem
Programm „Schlechten Menschen geht es
immer gut“ ins humoreske Bootcamp. Für die Kleinen spielt die
Musikbühne Mannheim das Märchenmusical „Rotkäppchen“.
16. bis 19.07.15, Weinheim, www.weinheim.de
AUERBACHER SCHLOSSFESTSPIELE
Tennessee Williams’ Drama „Endstation Sehnsucht“ wurde seinerzeit mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, unvergesslich auch der
junge Marlon Brando im Feinripp – jetzt gibt es das weltberühmte
Theaterstück über die amerikanischen Südstaaten in der mittel­
alterlichen Kulisse der Auerbacher Schlossfestspiele zu erleben.
Dazu kann man sich ein Vier-Gänge-Menü schmecken lassen.
Die Jagd ist zu Ende: die Jagd auf den goldenen Hirschen und da- 19.07. bis 16.08.15, Auerbach, www.schloss-auerbach.de
mit den besten Kurzfilm, den die Film- und Videoszene der Metropolregion Rhein-Neckar derzeit zu bieten hat. In den vergangenen 38. FESTSPIELE HEPPENHEIM
zwei Jahren haben sich die Sieger der regelmäßigen Kurzfilm­ Kabarett, Klassiker, Komödie und Big-Band – die Festspiele Heppen­
abende in Mannheim und Heidelberg für den „Endhirsch“ qualifi- heim haben alles, was das Kulturfestival-Besucher-Herz begehrt.
ziert – mit originellen Kurzfilmen, Dokus oder Musikvideos. Wer Die „Heinz Erhardt Revue“ lässt den 50er-Jahre-Komiker aufleben
und in Heinrich von Kleists „Amphitryon“ stiften die Götter des
wird Jagdkönig? Es bleibt spannend bis zum Schluss.
10. bis 12.07.15, Mannheim, www.endhirsch.de
Olymp auf der Erde Verwirrung. Zwischen drei Gaunern entspinnt
sich in „Auf und davon“ eine turbulente Dreiecksbeziehung und
The World Famous Glenn Miller Orchestra spielt Leckerbissen der
Swing- und Big-Band-Musik.
23.07. bis 05.09.15, Heppenheim, www.festspiele-heppenheim.de
SCHLOSSFESTSPIELE ZWINGENBERG
KLASSIK IM PARK
Wer Oper, Musical oder Kindermärchen liebt, kommt bei den
Schlossfestspielen Zwingenberg auf seine Kosten: Verdis „La Tra­
viata“ steht ebenso auf dem Programm wie „Jesus Christ Superstar“ und das artistische Märchen von der Hexe Knallpurga. Feierlich eröffnet wird das Festival im romantischen Schlosshof mit
Werken von Richard Wagner und Carl Maria von Weber.
Sieht aus wie ein französisches Landschlösschen, steht aber mitten
im pfälzischen Herxheim – die Villa Wieser. Ihr Park bietet die wun-
25.07. bis 09.08.15, Zwingenberg, www.schlossfestspiele-zwingenberg.de
Fotos: Frank Hoffmann (Girls Go Movie), Falko Wenzel (Ausbilder Schmidt)
BEETHOVENFEST
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Die Festivals – Kulturregion Rhein-Neckar · 1/2015
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Heidelberger Frühling 21.03.–25.04. 2015
Heidelberger Stückemarkt 24.04.–03.05. 2015
Schwetzinger SWR Festspiele 25.04.–30.05 2015
18. Internationale Schillertage 12.–20.06. 2015, Mannheim
11. Festival des deutschen Films 17.06.–05.07. 2015, Ludwigshafen
21. Heidelberger Literaturtage 24.–28.06.2015
Heidelberger Schlossfestspiele 24.06.–02.08.2015
Internationales Straßentheaterfestival Ludwigshafen 23.–25.07. 2015
Nibelungen-Festspiele 31.07.–16.08.2015, Worms
Wunder der Prärie 16.–26.09.2015, Mannheim
6. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg 18.09.–15.11. 2015
XI. Festspiele Ludwigshafen Ende September bis Dezember 2015
Enjoy Jazz 02.10.–14.11.2015, Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen
64. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg 09.–24.10.2015
Mannheimer Mozartsommer Sommer 2016, Mannheim, Schwetzingen
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Kinder eines Tages auch uns ein „Wow!“ entlocken werden.
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