Thermomanagement bei Schaeffler: Wie viel Wasser braucht ein

22
22
Thermomanagement
Thermomanagement
Thermomanagement
22
Thermomanagement bei Schaeffler
Wie viel Wasser braucht ein Motor?
Elmar Mause
Eduard Golovatai-Schmidt
Markus Popp
Sebastian Hurst
22
302
Schaeffler KOLLOQUIUM 2010
Schaeffler KOLLOQUIUM 2010
303
Thermomanagement
Thermomanagement
50
40
30
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
20
Las
tL
in %
5000
6000
Ein ideales Thermomanagementsystem soll
die gewünschte Temperatur des Kühlmittels
entsprechend der oben
aufgeführten Forderungen einstellen können.
1000
2000
n
3000
/mi
in 1
4000
l n ot
hzah M
Dre
geringe Last und geringe Drehzahl: hohe KühlmiƩeltemperatur
hohe Last: geringe KühlmiƩeltemperatur
hohe Drehzahl: geringe KühlmiƩeltemperatur
Bild 1
304
Gewünschte Kühlmitteltemperatur in Abhängigkeit von Last und Drehzahl
aus [1]
Durch Thermomanagementmaßnahmen sind
im NEFZ Kraftstoffeinsparungen bis zu 4 %
erreichbar (Bild 2). Die
Schaeffler KOLLOQUIUM 2010
0,6
6
0,5
5
0,4
4
0,3
3
0,2
2
0,1
1
120
240
360
480
600 720
Zeit t in s
840
Verbrauchsreduzierung Vred in %
Kumulierter Verbrauch V in kg
7
0
1080 1180
960
Geschwindigkeit
v in km/h
kumulierter Verbrauch ohne Thermomanagement
kumulierter Verbrauch mit Thermomanagement
Einsparungen durch Thermomanagement
120
40
100
80
60
40
5000
20
3000
0
Öltemperat
ur T
Ö l in °C
Bild 3
1000
Reibmoment M ges in %
60
0,7
M
ot
or
d
M
ot in reh
1/ zah
m l
in
70
8
n
80
0,8
0
110
90
angepasste,
bedarfsgerechte Kühlung
0
140
100
KühlmiƩeltemperatur T in °C
110
Zwischen den beiden
Grenzwerten der Kühlmitteltemperatur müssen Zwischenstufen definiert werden. Diese
sind je nach Verbrennungsmotor
unterschiedlich und können
sich an verschiedensten
Zielen orientieren (Reibungsreduzierung, optimierte Verbrennung,
geringere Rohemissionen, erhöhter Komfort,
etc.).
keine
Kühlung
22
Einen Eindruck von der
60
möglichen
Reduzierung der Motorreibung
0
vermittelt Bild 3. Bei
0
120 240 360 480 600 720 840 960 1080 1180
Zeit t in s
einer Erhöhung der ÖlNEFZ
temperatur von 20 °C
auf 80 °C sinkt das geBild 2 Einsparungen durch Thermomanagement aus [2]
samte Reibmoment im
Motor um 75 % bei einer Öltemperatur von 110 °C sogar um 85 %. Hiermöglichst hoher Temperatur, einen signifikanten
aus ist erkennbar, dass eine schnelle Aufheizung
Beitrag zur Reibungs- und somit zur Verbrauchsredes Motoröls und das Betreiben des Motors bei
duzierung leisten.
80
Um Klopfen am Ottomotor zu verhindern sowie die
Anfettung des Gemisches zu reduzieren soll die
Kühlmitteltemperatur bei hoher Last und hohen
Drehzahlen
möglichst
abgesenkt
werden
(ca. 80 °C).
20
Idealerweise sollte je nach Betriebszustand des
Motors die Temperatur des Kühlmittels angepasst
werden (Bild 1).
Am Dieselmotor kann, neben den zuvor erwähnten
Vorteilen, die Akustik durch Verkürzung des Zündverzugs verbessert werden. Durch geschicktes
Thermomanagement ist eine Beeinflussung der
Verdampfungsgeschwindigkeit und somit des
Zündverzuges möglich.
50
Der Begriff Thermomanagement bezeichnet die
bedarfsgerechte und effiziente Lenkung der thermischen Energieströme im Fahrzeug entsprechend
dem jeweils vorherrschenden Betriebs- bzw. Lastzustand. Dadurch können die Fahrzeugemissionen
reduziert und der thermodynamische und mechanische Motorwirkungsgrad verbessert werden.
Niedrigere Kraftstoffverbräuche, eine erhöhte Motorlebensdauer und ein verbesserter Klimakomfort
sind die Folge.
Bei geringer und mittlerer Last sind zur weiteren
Absenkung der Motorreibung hohe Kühlmitteltemperaturen (ca. 110 °C) erwünscht.
blaue Kurve stellt den
kumulierten Verbrauch
eines Referenzmotors
dar, die rote Kurve den
eines Motors mit Thermomanagementmaßnahmen. Mit der grünen Kurve sind die
Einsparungen durch
das Thermomanagementsystem prozentual im NEFZ aufgetragen. Auffällig ist, dass
vor allem im Kurzstrekkenbetrieb sogar Einsparpotenziale
weit
über 4 % zu erwarten
sind. Dies ist vor allem
durch eine schnellere
Aufheizung des Motors
und damit verbundener Reibungsreduktion
erklärbar.
-40
Thermomanagement
Beim Kaltstart soll eine schnelle Aufheizung des
Verbrennungsmotors erreicht werden, wodurch
die Reibung deutlich reduziert wird. Entscheidend
ist, dass sich das Motoröl schnell erwärmt und somit die Ölviskosität abnimmt. Hierzu darf die vom
Motor erzeugte Wärme nicht durch das Kühlmedium abgeführt werden, sondern muss zum Aufheizen des Motoröls genutzt werden.
-10
Thermomanagement ist ein wichtiges Thema zur
CO2-Reduzierung. Im Folgenden werden Gründe für
den Einsatz eines Thermomanagementsystems aufgeführt, die Anforderungen analysiert und ein Ansatz
zur Realisierung eines solchen Systems vorgestellt.
Reibmoment M ges in %
22
22
3500 1/min
30
20
75 %
85 %
10
0
- 10
20
50
80
Öltemperatur T in °C
110
Öl
Reduzierung der Motorreibung aus [3]
Schaeffler KOLLOQUIUM 2010
305
Thermomanagement
Sämtliche Komponenten im Kühlkreislauf, in Bild 4
dargestellt, sind prinzipiell in das Thermomanagement einzubeziehen – Kühler, Ventilator, Jalousien,
Thermostat, Steuergerät und Wasserpumpe. Zurzeit weisen diese Komponenten eine begrenzte
Variabilität auf.
So sind beispielsweise Thermostate bekannt, die
über Wachselemente gesteuert werden. Weiterhin
sind bereits schaltbare oder elektrisch angetriebene Wasserpumpen im Einsatz. Der Kühler kann
durch Teilung oder Abdeckung durch Jalousien den
Kühlluftstrom begrenzen. Beim Ventilator ergeben
sich ähnliche Ansätze wie bei der Wasserpumpe
(elektrisch angetriebener Ventilator, Viscokupplung, etc.).
In fast allen Fahrzeugen werden heute allerdings
noch ungeregelte, mechanisch angetriebene Wasserpumpen eingesetzt. Diese sind über den Riementrieb fest an die Drehzahl des Motors gekoppelt und besitzen somit keinerlei Variabilität. Im
Folgenden wird eine regelbare Wasserpumpe vorgestellt, welche die geforderte Variabilität zur Verfügung stellt. Der variabel einstellbare Volumenstrom liefert einen zusätzlichen Freiheitsgrad im
Kühlsystem.
Regelbare Kühlmittelpumpe
Pumpe offen
Riemenscheibe
Leitblech
Schaufelrad
Deckscheibe
Schubstange
Gleitringdichtung
Wasserpumpenlager
Rückstellfeder
Um die Fail-Safe-Funktion bei Ausfall des Magneten zu gewährleisten, wird das Leitblech durch eine
Druckfeder in der vollständig geöffneten Pumpenposition gehalten. Die Druckfeder ist so ausgelegt,
dass bei maximal herrschenden Strömungskräften
eine vollständige Öffnung der Wasserpumpe gewährleistet ist.
Elektromagnet
(schemaƟsch) Dichtung
Pumpe geschlossen
blech, wie in Bild 5 dargestellt. Durch axiales Verschieben des Leitblechs wird eine gewisse Breite
des Rotors freigegeben. Hierdurch kann der Förderstrom eingestellt werden.
Schaeffler KOLLOQUIUM 2010
30
20
10
0
0
Bild 7
40
20
Bild 6
Aufbau regelbare Wasserpumpe
40
10
20
30
40
50
60
Durchfluss Q in l/min
70
80
0 % geschlossen
25 % geschlossen
50 % geschlossen
75 % geschlossen
20
40
60
Schließgrad S in %
80
1500 1/min
3000 1/min
4500 1/min
Bild 5
50
60
0
22
2500 1/min
60
80
0
Befindet sich das Leitblech in der linken Position
(Bild 5 oben) ist die Rotorbreite vollständig freigeDie regelbare Kühlmittelpumpe ist eine Zentrifugeben, der geförderte Volumenstrom ist maximal.
galpumpe mit einem im Rotor integriertem LeitHierbei ist der ElektroKühler
magnet, der auf der linken Seite sitzt und als
Aktuator dient, unbestromt. Soll der VoluSteuergerät
menstrom verringert
Jalousien
werden, wird der ElekThermostat
tromagnet mit einem
bestimmten Strom beaufschlagt. Der Anker
wird
entsprechend
nach rechts geschoben,
VenƟlator
Pumpe
drückt auf die Schubstange und bewegt somit das Leitblech nach
rechts. Die effektive
Breite des StrömungsBild 4 Komponenten des Thermomanagements aus [1]
306
kanals verringert sich hierdurch und schnürt den
Durchfluss ab (Bild 5 unten).
Wirkungsgrad η in %
Komponenten für
Thermomanagement
Thermomanagement
Durchfluss Q in %
22
Durchfluss über Pumpenschließgrad und
Drehzahl
100
Pumpenwirkungsgrad über Durchfluss und
Schließgraden
tenden Rückströmungen und Verwirbelungen außerhalb des Auslegungspunktes zurückzuführen
(Bild 8).
Bei Nenndrehzahl wird die komplette Rotorbreite zur Förderung des Mediums genutzt. Bei niedrigen Drehzahlen treten Rückströmungen in der
ungeregelten Pumpe auf (Bild 8 linke Spalte) und
reduzieren dadurch den Wirkungsgrad. Durch
den Einsatz des Leitbleches wird die Rotorbreite
immer dem geforderten Volumenstrom angepasst (Bild 8 rechte Spalte). Dadurch treten keine
Rückströmungen auf die einen Energieverlust
darstellen, d. h. der Wirkungsgrad der Pumpe
steigt.
Bild 6 zeigt das Durchflussverhalten der Pumpe
bei verschiedenen Schließgraden und Drehzahlen. Ein Schließgrad von 0 % entspricht der vollständig geöffneten Pumpe, bei 100 % ist die Pumpe geschlossen. Es ist
erkennbar, dass der
ungeregelte Pumpe
Durchfluss zu höheren Schließgraden hin
signifikant abnimmt.
Der Durchfluss ist somit durch die Stellung
Nenndrehzahl
des Leitbleches einstellbar.
In Bild 7 ist der Pumpenwirkungsgrad über
dem Durchfluss bei einer Drehzahl von
2500 1/min abgebildet. Erkennbar ist,
dass bei dieser Drehzahl der maximale Wirkungsgrad bei ca. 50 %
geöffneter Pumpe erreicht wird. Dies ist auf
die teilweise auftre-
regelbare Pumpe
22
niedrige
Drehzahlen
Bild 8
Schaeffler KOLLOQUIUM 2010
Vergleich zwischen ungeregelter und regelbarer Wasserpumpe
307
Thermomanagement
LeitblechkraŌ F Leitblech in N
22
stellt die optimale Rotorbreite entsprechend der
Drehzahl dar. Unterhalb dieser Breite kann der Volumenstrom abgeregelt werden.
40
30
20
10
0
-10
-20
0
10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
Schließgrad S in %
4000 1/min
3500 1/min
3000 1/min
2500 1/min
Bild 9
Thermomanagement
Leitblechkräfte über Schließgrad und
Drehzahlen
Aktuator
Bild 9 zeigt die am Leitblech angreifenden Axialkräfte über dem Pumpenschließgrad bei verschiedenen Drehzahlen. Die aus der Strömung resultierenden negativen Axialkräfte bewegen das
Leitblech in Richtung „Geschlossen“, positive dagegen in Richtung „Geöffnet“, (Bild 5).
Man erkennt, dass bei verschiedenen Drehzahlen
die Kraft auf das Leitblech, bei verschiedenen
Schließgraden, die Richtung wechselt. Dieser Punkt
Aufgrund seines physikalischen Funktionsprinzips
wirken die Kräfte des elektromagnetischen Aktuators nur in einer Richtung (Druckmagnet). Um immer ein positives Kraftniveau zu gewährleisten
wird eine Druckfeder zur Kompensation eingesetzt. Dies stellt sicher, dass das Leitblech in allen
Betriebszuständen in Position „Geöffnet“ gehalten
wird und vom Druckmagneten in Richtung „Geschlossen“ bewegt wird.
Um die Rotorbreite und somit den Volumenstrom
je nach Drehzahl zu regeln, bedarf es eines Aktuators mit welchem definierte Kräfte einstellbar sind.
Die einfachste Möglichkeit dies zu realisieren ist
ein Puls-Weiten modulierter Hubmagnet mit Kennlinienbeeinflussung. Durch die Puls-Weiten-Modulation der Spannung lassen sich definierte Ströme
einstellen welche die benötigten Kräfte erzeugen.
In Bild 10 ist der Elektromagnet der regelbaren
Wasserpumpe im Vollschnitt abgebildet.
In Bild 11 sind die vom Magneten ausgeübten Kräfte in Abhängigkeit von Durchflutung (Stromstärke)
und Magnethub sowie die Axialkräfte auf das Leitblech dargestellt. Man erkennt, dass sich für verschiedene Stromstärken bzw. Durchflutungen die
Magnetkraft ändert und somit das Kräftegleichgewicht in verschiedenen Leitblechpositionen erreicht wird.
Letztlich kann so die Leitblechposition gezielt eingestellt und eine Reduzierung des Volumenstroms
bis hin zu Null erreicht werden. Berücksichtigt
man, dass die Leitblechkräfte sich sowohl mit der
Drehzahl als auch mit der Leitblechposition verändern so benötigt man pro Betriebszustand eine
entsprechende Stromstärke welche über Pulsweitenmodulation realisiert werden kann.
Zusammenfassung
und Ausblick
Im vorliegenden Beitrag wurde eine variable Kühlmittelpumpe zur bedarfsgerechten Regelung der
Motortemperatur vorgestellt. Wesentliche Entwicklungsziele des Thermomanagements sind die
Reduktion des Kraftstoffverbrauchs, die Erhöhung
der Motorlebensdauer und des Komforts. Durch
die vorgestellte regelbare Wasserpumpe kann der
Kühlmittelvolumenstrom je nach aktuellem Betriebszustand des Motors geregelt werden, und
weiterhin noch der Wirkungsgrad je nach Fahrsituation, durch Anpassung der Rotorbreite, erhöht
werden. Das Entwicklungsziel wurde in diesem Fall
22
durch die sinnvolle Modifikation und Kombination
bereits bestehender Komponenten erreicht.
Eine Integration dieser regelbaren Wasserpumpe
mit anderen variablen Komponenten zu einem
Thermomanagementsystem ist ein weiterer vielversprechender Ansatz für die Zukunft.
Literatur
[1]
Behr Thermot-tronik GmbH: Kennfeldthermostate – Höchstleistung für den Kühlkreislauf, http://www.behrthermottronik.
de/produkte/automobil/kennfeldthermostat.pdf, November 2009
[2]
Maassen, F.-J.; Dohmen, J.; Pischinger, S.;
Schwaderlapp, M.: Reibleistungsreduktion
– Konstruktive Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung, MTZ – Motortechnische Zeitschrift, Juli 2005
[3]
Brinker, M.: Thermomanagement und Motorkühlung aus Sicht von Opel / GMPT, CTI
Forum: Thermomanagement im Automobil, Februar 2008
Drehzahl 4000 1/min
80
70
KraŌ F in N
60
50
22
40
30
20
10
0
0
10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
Schließgrad S in %
Durchflutung
100 %
60 %
90 %
50 %
80 %
40 %
70 %
LeitblechaxialkraŌ
Bild 10 Elektromagnet
308
Bild 11 Magnetkräfte und Strömungskräfte über
Schließgrad S und Durchflutung
Schaeffler KOLLOQUIUM 2010
Schaeffler KOLLOQUIUM 2010
309