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Nummer 7/2017, 24. Februar 2017
Sehr geehrte User unserer Website,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
In unserer kompetenzvernarrten Bildungswelt wäre es
schön, wenn die zuständigen PolitikerInnen Problemlösungskompetenz bewiesen. Gelegenheit dazu gäbe es
genug, wie allein die Lektüre der Tageszeitungen vom
21. und 22. Februar zeigt.
So war etwa am Dienstag in der „Presse“ 1 zu lesen, dass
ein Viertel der Schüler zuhause nicht Deutsch spricht,
und in Wien der Anteil von SchülerInnen mit einer anderen Umgangssprache als Deutsch bereits 50 Prozent beträgt, womit die Bundeshauptstadt in eine Situation geraten ist, die es meines Wissens OECD-weit in
keiner anderen Metropole gibt. Dass Arabisch und Rumänisch beim Zuwachs ganz vorn liegen, wird die pädagogischen Herausforderungen wohl
auch nicht verringern.
Ein weiterer „Presse“-Artikel beschäftigte sich am darauffolgenden Tag
mit der aktuellen Allianz-Studie zum Thema Stress. Darin heißt es wörtlich: „Am meisten gestresst sind die Lehrer (45 Prozent), gefolgt von der
Handelsbranche (43 Prozent) und dem Transportwesen (42 Prozent)“.2
Zweifellos ist die in den letzten Jahren konstant gewachsene Stressbelastung der LehrerInnen nicht monokausal mit der drastischen Zunahme des Anteils jener Kinder verknüpft, die zuhause nicht Deutsch
sprechen, gibt es doch eine ganze Reihe weiterer Faktoren, die es Eltern
schwer machen, ihren Aufgaben in Erziehung und Förderung ihrer Kinder
gerecht zu werden. Schule verkommt seit vielen Jahren immer mehr zur
Reparaturwerkstätte sozialer Nöte. Dass angesichts all dieser Umstände
die Stressbelastung für annähernd die Hälfte der PädagogInnen mittlerweile unerträglich geworden ist, kann nur praxisferne „ExpertInnen“ verwundern.
Müssten die zuständigen PolitikerInnen nach Lektüre der beiden Artikel
nicht darüber nachdenken, was schiefgelaufen ist, und überlegen, was
sie für Österreichs Schule und ihre LehrerInnen tun können? Hätten sie
nicht jeden Grund dazu, ihre Problemlösungskompetenz zu beweisen?
„Handreichungen“ der Lehrergewerkschaften, mit welchen dringend gebotenen Schritten dem Burnout der LehrerInnen und dem Kollaps der
Schule entgegengewirkt werden müsste, stehen ihnen in jeder Menge zur
Verfügung.
Die Bildungsministerin hat sich tatsächlich prompt zu
Wort gemeldet: „Gesamtschule ist Hammerschmids
nächstes Großprojekt“, titelte die „Presse“ 3 am
Donnerstag. Die „Modellregionen“ seien „nicht vergessen und nicht gestorben“, sagte die Ministerin.
Ist das Problemlösungskompetenz?
Mit herzlichen Grüßen
Mag. Dr. Eckehard Quin
www.quintessenzen.at
1
Ein Viertel der Schüler spricht zuhause nicht Deutsch. In: Presse online vom 21. Februar 2017.
2
Stress-Studie: Am meisten leiden die Lehrer. In: Presse online vom 22. Februar 2017.
3
Gesamtschule ist Hammerschmids nächstes Großprojekt. In: Presse online vom 23. Februar 2017.
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