des Aperitifs auf die Lesung des Wochenendes

Aperitif für den Sonntag
Jeden Sonntag hören wir drei Lesungen in der Messe. Dabei wird uns aber nicht einfach etwas
vorgelesen. Wir bezeichnen das Gehörte als „Wort Gottes“, wir glauben, dass es uns im hier
und jetzt erreichen will, auch wenn die Texte uralt sind.
Diese Rubrik will eine kleine Hilfe sein, die erste Lesung als dem Alten Testament und das
Evangelium des kommenden Sonntags, die in der Regel thematisch zusammenhängen, schon
einmal vorab zu lesen. Anbei versuchen wir immer, eine Verständnishilfe zu bieten, die aber
keine Deutung oder gar Predigt sein will.
Gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
Kaplan Matthäus Hilus
8. SONNTAG IM JAHRESKREIS A
ERSTE LESUNG
Jes 49, 14-15
14 Zion sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen.
15 Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst
wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht - Spruch des Herrn.
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Ohne Bilder können wir nicht glauben – ohne Bilder wird „Glaube zu Ideologie“ (J. Ratzinger).
Die Heilige Schrift bietet viele Bilder, wie sich das Volk Israel in der Geschichte Gott erfahren
hat. Häufig wird dabei das Bild der Mutter benutzt, von der undenkbar ist, dass sie jemals ihr
eigenes Kind vergisst.
Der Kontext ist die Erfahrung des Scheiterns durch das Babylonische Exil: Israel zweifelt an
der Treue Gottes. Das Trostbuch des Propheten Jesaja (Jes. 40-55) gibt auf die Zweifel eine
prophetische Antwort in der Form einer Liebeszusage Gottes an sein Volk.
Übrigens: Bilder sind keine Titel. Gott kann man väterlich, mütterlich und in Jesus Christus
sogar brüderlich (gegendert: geschwisterlich) erfahren. Aber die Ansprache Gottes als Vater
unterscheidet sich davon. Sie ist eine Offenbarung und keinem Zeitgeist unterworfen.
EVANGELIUM
Mt 6, 24-34
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern
lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden
dienen, Gott und dem Mammon.
25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu
essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben
wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?
26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine
Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne
verlängern?
28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von
ihnen.
30 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen
ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken?
Was sollen wir anziehen?
32 Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
33 Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch
alles andere dazugegeben.
34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder
Tag hat genug eigene Plage.
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Die Bergpredigt Jesu geht von den zehn Geboten aus, die in Vollmacht im Licht des
anbrechenden Gottesreiches ausgelegt werden. Im einem zweiten Schritt wird Jesus dann
konkret, was es bedeutet, als Christ zu leben. Er spricht über die Liebe zum Nächsten, das
Gebet, das Fasten und – das liebe Geld.
Das Thema scheint Jesus wichtig zu sein – kein anderes Thema wird so konkretisiert wie das
Geld. Dabei bezeichnet das Wort Mammon auf aramäisch einfach „das Vermögen“ oder auch
„den Besitz“. Im übertragenen Sinne geht es um „das, worauf man vertraut“.
Die Aussage Jesu ist sehr klar: Geld verklebt das Herz. Die Aufnahme des Salomo-Motivs läßt
an die Bitte des Salomos denken. Er bittet nicht um Reichtum, sondern um ein hörendes Herz.
(1 Kön 10,1-29).