INNOfrutta 2016/ 2017 - Bayer Agrar Deutschland

Dezember 2016 • Magazin für
den modernen Obstbau
Klein, aber oho
Wie eine neue Apfelsorte
den Markt erobert
Obstbau
Die Aussteiger
Einmal Biobauer –
immer Biobauer?
Nachhaltigkeit
Historie Pflanzenschutz
Weshalb Biodiversität geschützt
und gefördert werden muss
Skurrile und originelle Methoden
in der Schädlingsbekämpfung
Das Insektenparadies
Räuchern, glühen, beten
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,
geht’s Ihnen nicht auch so: Manchmal scheint man in der Flut
an Informationen fast zu ertrinken? Und die schwierigste Aufgabe ist es deshalb auch nicht, an Informationen zu gelangen
– viel aufwendiger ist oft die Wahl der wirklich benötigten Nachrichten. Genau deshalb haben wir BayDir entwickelt. Denn
damit machen wir es unseren Kunden so einfach wie noch nie,
den Überblick zu behalten. BayDir ist ein Service-Portal, das
Ihnen nur noch die Informationen liefert, die Sie tatsächlich
brauchen.
Im Insekten-Hotel fühlen sich die emsigen
Bestäuber ausgesprochen wohl
Egal was Sie anbauen – stets erhalten Sie die Nachrichten,
die für Sie zu diesem Zeitpunkt wichtig sind. Die werden dreimal
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pro Woche aktualisiert, und zwar von Experten, die wirklich
Ahnung von der Materie haben: von unseren Vertriebsberatern.
Die kennen die Regionen, die wissen um die Probleme der
Obstbauern. Und deshalb können sie genau sagen, wo welche
Schädlinge oder Infektionen drohen. Gleichzeitig liefern sie
natürlich auch kompetente Ratschläge, wie Sie dem Problem
begegnen können. Schnell, sicher, praxisnah.
Dass BayDir so individuelle Ratschläge erteilen kann, hat
einen einfachen Grund: Alle Informationen fußen auf dem persönlichen Nutzerprofil, das bei der Anmeldung angelegt wird.
Das kann natürlich jederzeit ergänzt oder verändert werden –
ganz nach dem jeweiligen Bedarf.
Das Angebot von BayDir wächst dabei stetig. Da finden sich
Weiterbildungsangebote mit Online- und Trainingsmöglichkeiten. Und zu Veranstaltungen anmelden kann man sich mithilfe
von BayDir ganz einfach vom heimischen Computer aus.
Neu im Angebot ist BayDir Aktuell – die App zum digitalen Service-Portal. Dieser exklusive Service für Landwirte, Händler und
Berater liefert über die gesamte Saison aktuelle Informationen
und individuelle Beratung – ganz auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Schließlich nimmt die Informationsflut stän-
Leimringe locken hungriges Krabbelgetier
schon seit Römerzeiten
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dig zu, die zur Verfügung stehende Zeit dagegen ab.
Umso mehr hoffen wir, dass Sie die Zeit finden, auch die
neueste Ausgabe von INNOfrutta zu lesen. Denn wir sind sicher:
Hier finden Sie viele spannende Geschichten und Informationen
rund um das Thema Obst, die noch deutlich über ein Service-Portal hinausgehen. Und dabei wünschen wir Ihnen gute
Unterhaltung.
Bastian Kalcher | Leiter Kundenplattform BayDir
Bayer CropScience Deutschland GmbH
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Bayer-Manager Hans-Joachim Duch ist Experte
für Applikationstechnik und Gewässerschutz
Inhalt
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Großformat
Qualität in Gefahr
Obstbau ohne Pflanzenschutz: Eine Aktion
demonstriert, was dann vor Ort passiert
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Ortstermin
Ein Apfel rockt (um) die Welt
Von Neuseeland aus erobern sie die Obstfans: Jetzt
kommen die ersten Rockits hierzulande in den Handel
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Pflanzenschutz
Zwischen Schwefel und Kirchenbann
Bauern setzten früher im Kampf gegen Schädlinge
oft auf skurrile Verfahren. Genutzt hat das wenig
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Obstbau
Einmal Bio, immer Bio?
Oft heißt es, Bio-Obst boome – und trotzdem
kehren Anbauer wieder zur konventionellen
Produktion zurück. Die Gründe sind vielfältig
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Nachhaltigkeit
Zwischen Wilder Möhre und Mohn
Ein sächsischer Obstbaubetrieb schuf in seiner
Apfelanlage ein kleines Paradies für Insekten
Eine einmal eingeschlagene Richtung kann
sich auch verändern. Bleibt nur die Frage:
Welcher Weg führt zum Erfolg?
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Technik
Ein ausgezeichnetes System
Mit Phytobac können Reste flüssiger Pflanzenschutzmittel sicher biologisch entsorgt werden.
6
Das modulare System ist jetzt marktreif
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Nachrichten
Obstsalat
Neues aus dem Obstanbau
Zum Titelbild
Klein und noch kleiner. Bei beiden Äpfeln handelt
Jens Anderson, Marketing-Leiter bei der Elbe-Obst
Erzeugerorganisation, setzt auf den Mini-Apfel
es sich um Exemplare der neuen Sorte Rockit aus
Neuseeland. Die rechte Frucht hat einen Durchmesser von 65 Millimetern, die linke ist gerade
mal 40 Millimeter dick
3
4
Großformat
Qualität
in Gefahr
„
Wer von euch würde diese Äpfel kaufen?“
Diese Frage stellt Dieter Mainberger schon
mal, wenn er Besucher an den acht Fuji-­
Bäumen vorbeiführt, bei denen er auf
jegliche Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet. Die
Arme bleiben dann meistens unten. Zu unansehnlich die Spuren, die etwa der Schorfbefall hinterlassen hat. Zu klein, zu schrumpelig erscheinen die
Früchte, die die Bäume tragen. Der heutige Konsument wünscht sich in der Regel etwas anderes.
Entsprechend ist das Verständnis der Anwesenden
für die Pflanzenschutzmaßnahmen, deren Notwendigkeit Mainberger danach erläutert.
Seit 2016 steht vor den acht unbehandelten Bäu-
men ein Schild mit der Aufschrift „Ernte in Gefahr!“.
Damit nimmt Mainberger an der Aktion „Schau ins
Feld!“ teil, die der Industrieverband Agrar (IVA) 2015
ins Leben rief. Ziel der nun alljährlichen Kampagne:
Passanten und damit der Öffentlichkeit zeigen, wie
es ohne Pflanzenschutzmaßnahmen auf den Feldern aussähe. 2016 beteiligten sich 337 landwirtschaftliche Betriebe an der Aktion. Die Mehrzahl
unter ihnen sind Getreide-, Raps- oder Maisbauern;
hinzu kommen einige Gemüsebetriebe.
Seit diesem Jahr sind erstmals auch drei Obstbauern mit dabei. Dieter Mainberger in Kressbronn
am Bodensee ist einer davon. Der wirtschaftliche
Schaden hält sich für ihn bei acht „vernachlässigten“ Bäumen in Grenzen. Umso wichtiger ist dem
Obstbauern die Aufklärung bei den Bürgern. Manche kommen zufällig vorbei. Andere führt Main­
berger in organisierten Touren ganz gezielt zu der
Baumreihe. Ihnen zeigt er durch den Vergleich mit
gesunden Bäumen dann außerdem, dass es bei
den acht Fuji-Bäumen auch an Neutrieben und
Knospen fehlt. Sein Fazit: „Diese Form der Aufklärung kommt bei den Besuchern gut an.“
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Ein Apfel rockt
(um) die Welt
In Neuseeland ist der Rockit bereits eine Erfolgsgeschichte. Jetzt wurden auch
in Deutschland die ersten Exemplare der neuen Züchtung geerntet. Reduzierte
Größe und lange Haltbarkeit eröffnen ein neues Vertriebskonzept
Pionier im Süden. Als Erster in der Bodenseeregion hat der Mark­
dorfer Armin Klotz Rockit-Bäume gepflanzt. 2016 blieb der
Ertrag zwar noch recht überschaubar, doch ab 2017 hoffen Klotz und
seine Familie auf ein gutes Geschäft mit der neuen Sorte
Ortstermin
„
Das ist ein richtig toller Apfel!“ Claus Nodop ist
Durchmesser ein ungewöhnlich kleiner Apfel. In Neusee-
sichtlich begeistert von den kleinen roten Früchten,
land, wo der Rockit ursprünglich herkommt, spricht der dor-
die er da in diesem Jahr zum ersten Mal ernten
tige Produzent, die
konnte. Erst im Mai hat der norddeutsche Obst­
Welt“.
gar vom „kleinsten Qualitätsapfel der
bauer die rund 3000 Bäume der neuen Apfelsorte Rockit in
Was das für die Vertriebswege bedeutet, machen die
seinen Anlagen gepflanzt. Und weil schon das einjährige
Neuseeländer bereits vor. Dort und in einigen asiatischen
Holz Früchte produziert, fuhr er bereits in diesem Herbst eine
Ländern gibt es den Rockit als „Apple to go“ in kleinen,
Ernte ein. Zwar waren das nur wenige Äpfel pro Baum, weil er
durchsichtigen Plastikröhren mit drei bis sechs Stück – der
die Früchte zugunsten des Wachstums frühzeitig ausgedünnt
Apfel als Snackprodukt. Das ist ein relativ neuer Gedanke.
hatte. Aber immerhin: Eine knappe Tonne kam zusammen.
Praktisch für den Verzehr unterwegs ist auch, dass man das
Jetzt lagern die Äpfel in den CA-Lagern der Elbe-Obst
Kerngehäuse ohne Probleme mitessen kann.
Erzeugerorganisation in Hollern-Twielenfleth bei Stade.
In Kürze werden die ersten deutschen Rockit-Äpfel in
Zusammen mit denen von 14 anderen Betrieben im Alten
genau solchen Plastikröhrchen hierzulande in den Handel
Land, die, wie Nodop, schon Rockit anbauen. Einige Kolle-
kommen. Derzeit werden noch die letzten Details für die
gen, deren Bäume bereits seit Ende 2015 stehen, konnten
anstehende Vermarktung geklärt. Aber schon bald dürften
sich sogar über Erträge von ein bis zwei Kilogramm pro
die durchsichtigen Plastikröhren mit den Rockit-Äpfeln
Baum freuen.
an Tankstellen, Autobahnraststätten, Bahnhofskiosken, in
Die Hoffnung, die Nodop und seine Kollegen mit dem
Flughafenterminals sowie in ausgesuchten Supermarkt­
neuen Apfel verbinden, ist klar: Sie wollen vorne mit dabei
ketten im Kassenbereich liegen. „Überall dort, wo Men-
sein, wenn es darum geht, eine besondere Nische zu beset-
schen vielleicht noch schnell etwas zum Essen für unter-
zen. Denn der Rockit ist nicht einfach nur eine neue Club­
wegs kaufen“, sagt Jens Anderson, Marketing-Leiter bei
sorte wie Rubens oder Kanzi. Er ist mit 45 bis 55 Milli­m eter
der Elbe-Obst Erzeugerorganisation. Es sind maßgeblich
Dem tatsächlichen Anbau ging eine mehrjährige Testphase voran. Das Foto zeigt die Ernte an Versuchsbäumen im
Alten Land im Jahr 2014. Die Früchte hatten im Schnitt einen Durchmesser von 53 Millimetern
8
Ortstermin
Mitgliedsbetriebe
dieser
Gesellschaft,
die
die
ersten
Rockit-Äpfel im Alten Land produziert haben.
Als Hersteller auf den Verpackungen wird allerdings die
Red Apple Germany GmbH ausgewiesen sein. Dabei handelt es sich um
eine
tige
100-prozen­
Tochter
des
Deutschen Obstsorten Konsor­t iums
(DOSK). Red Apple
war
ursprünglich
gegründet
wor-
ben wir damals zusammen mit unseren neuseeländischen
Kollegen überlegt“, erinnert sich Geerdens. „Und plötzlich
hatte jemand die Idee: Warum vermarkten wir ihn nicht als
Snackapfel?“ Damit kam der Stein ins Rollen.
„Und plötzlich hatte jemand die
Idee: Warum vermarkten wir
ihn nicht als Snackapfel?“ Dann
kam der Stein ins Rollen
Schließlich erwarb Havelock North
Fruit von Prevar die Lizenz für die globale Vermarktung von PremA96 – und
gab der Sorte den Namen Rockit. Inzwischen hat das Unternehmen seine
Rechte in diversen Ländern rund um
den Globus an nationale Lizenznehmer
verkauft. In Asien und Nordamerika
den, um eines Tages rotfleischige Apfelsorten zu vermark-
ebenso wie in Europa. Neben dem DOSK in Deutschland
ten, für die derzeit diverse internationale Züchtungspro-
sind unter anderem auch in Benelux, Italien, Frankreich und
gramme laufen. Jetzt nutzt das DOSK die Gesellschaft aber
Spanien Akteure auf den Rockit-Zug aufgesprungen.
schon mal für den Rockit-Vertrieb. Die Ware bekommt Red
Der älteste Rockit-Baum auf dem europäischen Konti-
Apple von all jenen DOSK-Mitgliedsgesellschaften, die sich
nent steht im privaten Garten von Florent Geerdens in Al-
am Rockit-Programm beteiligen. Neben Elbe-Obst sind das
ken. „Den haben wir 2007 gepflanzt“, erinnert sich Geer-
die Marktgemeinschaft Altes Land (M.AL.), die Württember-
dens. Der Baum wurde zum ersten Testbaum für den Anbau
gische Obst- und Gemüsegenossenschaft Raiffeisen (WOG)
in der Alten Welt. Und er wurde zum Vorführobjekt für Ge-
sowie veos in Sachsen.
schäftspartner in ganz Europa. Jeder, der René Nicolaï be-
In der ersten Saison lieferte allerdings erst mal nur der
Norden. Zwar hatte mit Armin Klotz auch schon ein Obst-
suchte, kam um eine Besichtigung und, je nach Jahreszeit,
um eine Verkostung nicht herum.
bauer am Bodensee Rockit-Bäume gepflanzt, doch deren
Schließlich wurde man auch beim DOSK auf den neuen
Anzahl reichte im ersten Jahr noch nicht für eine nennens-
Mini-Apfel aufmerksam. Bald war klar: Da machen wir mit.
werte Ernte. Und veos-Mitglieder starteten ohnehin erst in
Und so begannen in Deutschland erste Testreihen mit den
diesem Herbst mit dem Setzen der Bäume.
Bäumen. Im Norden kümmerte sich der Obstbauversuchs-
Über mangelndes Interesse der Obstbauern an der neu-
ring Esteburg darum, im Süden das Kompetenzzen­
t rum
en Sorte konnten und können sich die Gesellschaften nicht
Obstbau-Bodensee. Und nachdem die Versuche einige
beklagen. Im Norden gab es sogar mehr Interessenten als
Jahre problemlos und vielversprechend gelaufen waren,
Baumzuteilungen. Das Los entschied daher, wer Ende
war es fast logisch, dass im Herbst 2015 das Los entschei-
2015 und im Frühjahr 2016 die ersten Bäume setzen durf-
den musste, wer die ersten Bäume setzen darf.
te. Claus Nodop war einer der Glücklichen. Doch auch für
Wie bei jeder neuen Sorte gab es auch beim Rockit die
die 15 Gewinner gilt: Mehr als 3000 Bäume pro Betrieb
bange Frage: Wie anfällig sind Baum und Früchte gegen
gibt es nicht.
Schädlinge? Die gute Nachricht: Da gehört der Rockit eher
Geliefert hat die jungen Bäume die Baumschule René
zu jenen, die weniger Sorgen bereiten. „Das ist ein sehr,
Nicolaï im belgischen Alken. Sie ist einer der engeren Partner des neuseeländischen Rockit-Produzenten Havelock
North Fruit. René-Nicolaï-Geschäftsführer Florent Geerdens kennt den Rockit daher auch schon lange. Auf der
Suche nach neuen Obstsorten ist Geerdens in der ganzen
Welt unterwegs – immer wieder auch in Neuseeland. Bei
einem dieser Besuche lernte er vor über zehn Jahren den
Rockit kennen. Der hieß damals noch PremA96 – und war
ein Entwicklungsprojekt des neuseeländischen Züchtungsunternehmens Prevar.
Geerdens kann sich noch gut an seine ersten Eindrücke
erinnern. „Der Apfel schmeckte gut und süß, er hatte eine
schöne Farbe, war knackig und saftig, er war haltbar, aber
er hatte einen Nachteil: Er war klein.“ In der Tat: Ein Elstar ist
ein bis zwei Zentimeter dicker, ein Jonagold sogar zwei bis
drei. Was macht man mit so einem kleinen Apfel? „Das ha-
Das Züchtungsprogramm für den
Rockit-Apfel startete vor fast
30 Jahren in Neuseeland. Die Vermarktung begann 2010, zunächst
in Neuseeland, Taiwan und Großbritannien. Längst stehen auch außerhalb Neuseelands Rockit-Bäume.
In Europa werden es bis Ende des
Jahres rund 250 000 sein, ein knappes Drittel davon in Deutschland
9
sehr toleranter Baum, der zudem recht robust gegen Krebs
und Schorf ist“, findet Claus Nodop. Dem Jorker gefällt
noch etwas anderes gut: „Der Rockit zeigt keinerlei Alternanz.“ Michael Winstel von der WOG zieht nach den Testreihen am Bodensee das Fazit, dass sich die neue Sorte in
Sachen Schädlingsanfälligkeit „nicht wesentlich von anderen Apfelbäumen unterscheidet“.
Neben diesen Befunden und dem guten Geschmack sind
die Anbauer aber noch von etwas anderem begeistert: „Der
Rockit hat ein unglaublich gutes Auslagerungsverhalten
und bleibt auch ohne Kühlung lange frisch“, schwärmt beispielsweise Denis von der Beck. Mit seinem Betrieb Von der
Beck Obstbau zählt er wie Nodop zu den Rockit-Pionieren
im Alten Land. Im vergangenen Jahr hatte von der Beck ein
paar Rockit-Äpfel aus Belgien bekommen. „Die haben wir
wochenlang liegen gelassen, und sie haben sich gut gehalten“, erinnert sich von der Beck, und in der Stimme schwingt
immer noch eine Euphorie mit, die für norddeutsche Verhältnisse als ausgeprägt bezeichnet werden darf. Kollege
Nodop meint, dass der Rockit gekühlt problemlos ein Jahr
lang gelagert werden könne. Im Januar hatte er mal ein paar
belgische Rockit-Äpfel aus dem Kühlschrank genommen.
Als er im August hineinbiss, waren sie noch immer knackig.
Lediglich das Aroma hatte geringfügig gelitten. Für Michael
Winstel von der WOG ist das eine wichtige Eigenschaft für
einen To-go-Apfel: „Den Rockit kann man auch mal vier
Wochen im Auto liegen lassen – und danach immer noch
essen.“
Andererseits: Warum sollte man einen solchen Apfel überhaupt so lange liegen lassen? Die Probeäpfel jedenfalls, die
Winstel bei Meetings manchmal testhalber in einer Schale
ausgelegt hatte, waren immer schnell vergriffen. „Die Leute
waren begeistert von dem Geschmack“, so Winstel. Er selbst
spricht von einem „einfach fantastischen Apfel“.
Wichtig ist nun, dass auch die ökonomische Seite stimmt.
„Es ist klar, dass das nicht so ein Massenprodukt wie Elstar
oder Jonagold werden darf“, warnt Claus Nodop.
Der Rockit wird daher wie eine Clubsorte behandelt. Ein
geschlossener und begrenzter Kreis von Anbauern, klar
10
zugewiesene Baumstückzahlen und eine einheitliche Ver-
Grundsätzlich gilt: Um den Preis nicht unter Druck zu
marktungsstrategie. Kein Hofverkauf. Alle Äpfel werden
setzen, darf es keine Rockit-Überproduktion geben. Das
ausschließlich über die Red Apple Germany GmbH und die
DOSK wird daher darauf achten, dass der Anbau hierzulan-
festgelegten Vertriebskanäle in den Handel kommen.
de nicht ausufert. Noch allerdings gibt es Spielraum nach
Und das sind vor allem für Äpfel vergleichsweise neue
oben. Standen deutschlandweit Ende 2015 etwa 40 000
Absatzwege. Im Supermarkt und beim Discounter wird der
Bäume, werden es bis Ende dieses Jahres rund 75 000
Rockit nicht im Zwei- oder Fünf-Kilogramm-Beutel zu haben
sein. Europaweit seien es dann 250 000, so Florent Geer-
sein, im Discount-Laden schon gar nicht. Stattdessen kom-
dens vom Baumlieferanten René Nicolaï. Der Belgier kann
men Points of Sales hinzu, die für frisches Kernobst nicht
sich dabei vorstellen, dass ein Teil der europäischen Pro-
gerade selbstverständlich sind: zum Beispiel die Tankstelle
duktion nach Asien exportiert wird. Bisher würden Märkte
oder das Flughafenrestaurant. „Absatzmärkte aufschalten,
wie Hongkong, Singapur oder Malaysia von Neuseeland
die bisher gar nicht da waren“, nennt das Jens Anderson
aus bedient. Warum nicht auch von Europa aus? Der
von der Elbe-Obst Erzeugerorganisation.
Rockit ist schließlich weltweit derselbe Apfel.
Ortstermin
Klein, aber fein. Gerade mal gut 50 Millimeter maßen Anfang
September die Rockit-Äpfel bei Armin Klotz (l.) am Bodensee. Und
auch Denis von der Beck (r.) im Alten Land freut sich und hadert
keineswegs mit der eher bescheidenen Größe der neuen Sorte
Auch Claus Nodop kann sich noch einen gewissen Ausbau vorstellen. Im Moment steht der Rockit auf etwa einem
etwa an Tankstellen. Auch dort sei die Resonanz gut gewesen, so Florent Geerdens von René Nicolaï.
von insgesamt 40 Hektar Apfelanlagen, die der Betrieb be-
Aber was ist, wenn der deutsche Verbraucher da an-
wirtschaftet. „Vielleicht können wir das mal in Richtung fünf
ders tickt und nicht anspringt? „Das wäre natürlich scha-
Prozent ausweiten“, so Nodop. Das müsse aber behutsam
de“, meint Jens Anderson von Elbe-Obst. Aber es wäre
geschehen. Um Überproduktion und Preisverfall zu verhin-
kein Beinbruch. Dann bliebe eben der Export oder sogar
dern, dürfe eben „kein Baum zu viel“ stehen, so Nodop.
die klassische Vermarktung. Denn dass der saftig-süße
Noch ist ja nicht einmal klar, wie der deutsche Konsu-
und knackige Rockit-Apfel gänzlich unverkäuflich ist, kann
ment auf die neue Spezies reagieren wird. Bisher kennt man
sich der Marketingmann nun wirklich nicht vorstellen. Er
nur die Erfahrungen aus anderen Ländern. In Neuseeland
sagt: „Mit ihm haben wir auf jeden Fall einen tollen neuen
und Taiwan immerhin, wo der Rockit schon seit 2010 ver-
Apfel.“
marktet wird, ging das Snack- und To-go-Konzept auf. In
Belgien und Italien kamen 2015 erste Äpfel in Spezialregale
www.rockitapple.com
11
Zwischen
Schwefel und
Kirchenbann
Die Geschichte der Landwirtschaft ist auch eine Geschichte der Schädlings­
bekämpfung. Frühere Methoden waren zwar kaum wissenschaftlich fundiert,
aber dafür mitunter originell. Mal wurden Sude gespritzt und Pulver verstäubt,
mal wurde geräuchert, geglüht oder gefegt, und manchmal blieb auch nur das
Flehen gen Himmel. Wir haben ein paar Techniken ans Licht geholt
Was schon Griechen und Römer kannten
enn
aus
ein
Trester
nannte
Oliven
Amurca
Olivenöl
zurück.
diente
bleibt
ten Rom Hinweise auf den Gebrauch von Arsen gegen
Dieser
wird,
soge-
Insekten. Plinius der Ältere (1. Jhd. n. Chr) riet etwa,
in
Antike
kranke Bäume mit lange gelagertem Traubentrester zu
der
Demokrit
düngen. Saatgut wiederum solle mit Wein desinfiziert (ge-
(460– um 370 v. Chr.) etwa pries ihn im Kampf ge-
beizt) werden. Über Maßnahmen gegen Raupen schrieb
gen Mehltau; später verwendete der Römer
Rutilius Palladius (4. Jhd. n. Chr): „Samen vor der Saat
Cato (234 –149 v. Chr.) ihn auf Leimringen.
mit dem Saft von Hauswurz oder dem Blute der Raupen
Von Demokrit stammen weitere Tipps, etwa
selbst befeuchten. Einige streuen Asche von Feigenholz
die Empfehlung, Saatgut mit dem Saft ei-
auf die Raupen, oder sie säen Meerzwiebeln in den Gar-
als
nes
Pflanzenschutzmittel.
Dickblattgewächses
zu
behandeln.
Von Theophrast (371–287 v. Chr.) wiede­
rum kennen wir das Auslegen von Mist und
Lauch, um Raupen abzufangen.
ten.“ Raupen in Obstbaumstämmen seien durch Nägel zu
entfernen, so Palladius weiter.
Mitunter spielte auch schon in der Frühzeit eine gewisse Esoterik in die empfohlenen Maßnahmen hinein. Ein
Echte Klassiker im Kampf gegen Schäd-
Verfahren, das Palladius zur Abwehr von Raupen aufzähl-
linge sind Schwefel und Arsen. So finden
te, lautete: „Manche lassen eine Frau in der Periode mit
sich sowohl aus China als auch aus dem al-
bloßen Füßen um den Garten gehen.“
Statt rauchen: mit Tabak gegen Schädlinge
iner der frühesten Wirkstoffe im Kampf gegen Schädlinge ist vermutlich das
Nicotin. Ohne das Molekül zu kennen, wussten die Menschen um die Wirkung von Tabaksuden und -stäuben. 1690 empfiehlt ein französisches Gartenbuch den Einsatz von Tabakbrühe zur Bekämpfung von Wanzenschäden in
Birnbäumen. Und um 1900 ist das „Bespritzen mit Tabaksabsud“ eine der
empfohlenen Maßnahmen gegen Blattläuse im Apfelanbau. Gegen Blutläuse wiederum gehe man, zumindest wenn sie sich an den Wurzeln
befinden, mit Tabakstaub vor.
12
Pflanzenschutz
Schädlinge vor Gericht: kirchliche Maßnahmen
ine lange Tradition hat das Rufen nach höheren
Und wenn all das nicht half? Dann lag es wohl an den sündi-
Mächten. König Salomo in der Bibel hat um sie
gen Menschen oder nicht entrichteten Kirchensteuern. Oder
gebeten, die Hethiter riefen den Gott Telipinu
es waren Hexenwerk und Teufelspakte im Spiel. Dagegen
um Schutz vor Heuschrecken an, die Griechen
immerhin ließ sich vorgehen.
hofften im Kampf gegen Getreiderost auf Göttin Demeter.
Beispielhaf t für die Hexenprozesse ist der Fall eines
Die alten Römer wiederum ehrten alljährlich am 25. April die
16-jährigen Mädchens, dem unter Folter das Geständnis
Gottheit Robigo, damit diese ihre Feldfrüchte vor Krankhei-
abgepresst wurde, mit dem Teufel im Bunde gewesen zu
ten schützen möge.
sein: „Ich bin Genosse und Schüler Satans. Durch eini-
Im Mittelalter nahm sich zunehmend die Kirche der land-
ge Jahre habe ich mit meinen elf Gefähr ten das König-
wirtschaftlichen Probleme an. Dabei wurde Schädlingen nicht
reich der Franken zerstör t. Wir haben die Acker frucht und
selten der Prozess gemacht. Vor allem aus Frankreich sind
den Wein und alle anderen Früchte, die von der Erde für
Fälle überliefert, die sich aus heutiger Sicht wie Aprilscherze
die Menschen her vorgebracht wurden, gemäß unserem
lesen. 1320 etwa standen Maikäfer in Avignon vor einem geist-
Befehl abgewürgt und ver tilgt …“ Das Mädchen starb
lichen Gericht. Sie bekamen sogar einen Verteidiger, und der
auf dem Scheiterhaufen – so wie Tausende andere in jener
setzte sich für ihr Recht auf Nahrung ein. Mit teilweisem Erfolg:
Zeit.
Das Gericht wies den Schädlingen ein Feld mit ausreichend
Nahrung zu und gab ihnen drei Tage Zeit, sich dorthin zurückzuziehen. 1338 verbannte ein Tiroler Pfarrer Heuschrecken.
Im Jahre 1320 standen
1481 belegte ein geistliches Gericht in Basel Heuschrecken
Maikäfer in Avignon
mit einem Bann. Ebenfalls des Feldes verwiesen wurden im
vor einem geistlichen
Jahr 1585 Raupen im französischen Valence. Zwei Jahre spä-
Gericht – ihr Verteidiger
ter standen grüne Raupen in St. Julien (Savoyen) vor Gericht,
setzte sich mit teilwei-
weil sie dabei waren, Weinberge zu verwüsten. Im Jahr 1725
sem Erfolg für sie ein
soll Papst Benedikt XIII. dem „schändlichen Geschmeiß“
befohlen haben, sich ins Meer zu stürzen.
Der ehemalige Bayer-Mitarbeiter und
Autor Hans-Hermann Cramer hat noch
bis 1733 Beispiele für kirchliche Tierprozesse gefunden, für weltliche sogar bis ins Jahr 1830.
So ging Apfelschutz um 1900
n seinem Werk „Die wertvollsten Tafel- und Han-
Erdbeer- oder Salatblättern, die man daher unter die Apfel-
delsäpfel“ (3. Auflage 1912) empfiehlt Friedrich
bäume pflanzen solle. Um etwaige Engerlinge zu bekämp-
Lucas gegen Blatt­
l äuse „das Bespritzen der
fen, sei das „Schonen von Maulwürfen sehr zu empfehlen“.
Bäume mit Seifenwasser, welchem noch eine
Bei Blutlausbefall habe sich das Bestreichen mit der Neß-
Abkochung von Quassia beigemengt wird, ferner Besprit-
ler’schen Tinktur bewährt beziehungsweise das Bestreuen
zen mit Tabaks­a bsud“. Gegen den Apfelblütenstecher helfe
mit Tabakstaub, wenn sie sich an den Wurzeln aufhalten.
wiederum das Anlegen von „Fanggürteln aus Well­p apier mit
Schildläusen wiederum komme man mit dem Bestreichen
Schutzüberzug“. Außerdem seien insektenfressende Vögel
der Zweige mit „frisch abgelöschtem Kalke oder besser
zu hegen. Maikäfer wiederum „werden von den Bäumen ab-
durch Bespritzen der Bäume mit 10 – 15 % wasserlöslichem
geschüttelt, zusammengelesen und vertilgt“. Ob sich Enger-
Karbolineum im blattlosen Zustande“ bei.
linge im Boden befinden, erkenne man am Verwelken von
13
Ameisen als frühe
Biowaffen
nsekten fressen Insekten.
Von dieser Tatsache machten findige Pflanzenschützer schon früh Gebrauch.
So sollen in Teilen Südostasiens bereits
im dritten Jahrhundert Ameisen gesammelt worden sein, um sie danach in
Mandarinenbäumen gegen Schädlinge
einzusetzen. Ebenfalls von Ameisen berichtet 1595 der Engländer Thomas
Lupton. In seinem Werk „Tausend bemerkenswerte Sachen“ schreibt er:
„Wenn du Raupen vernichten willst,
so beschmiere den Stamm unten rund­­
herum gut mit Teer, sammle dann eine
Art von großen Ameisen in ein Tuch, das
du dann am Baum aufhängst. Die Ameisen können infolge des Teeres den
Baum nicht verlassen und müssen sich
auf demselben ihr Futter suchen und so
alle Raupen vernichten, ohne eine der
Von Insektenbesen und
Raupenfackeln: physikalische
Schädlingsbekämpfung
ass die Bekämpfung von Unkraut lange Zeit vor allem
mechanisch erfolgte, liegt nahe. Doch auch der Kampf
gegen Insekten war Handarbeit. So soll es in Teilen des
alten Griechenland gesetzliche Vorschrift gewesen sein,
jährlich eine bestimmte Zahl Heuschrecken zu ergreifen und an die
Behörden abzuliefern. Später war es üblich, auch Maikäfern mit den
eigenen Händen beizukommen. Im Kanton Zürich soll im Jahr 1909
die Bevölkerung 700 000 Liter der Insekten (ein Liter à 500 Käfer)
eingesammelt haben, für die es eine Prämie gab.
Um auch kleineres Getier erfassen zu können, ersann man spezi-
elle Geräte. In älteren Büchern finden sich etwa Trichter mitsamt
Sammelbehälter oder auch Fegemaschinen. Speziell für den Kampf
gegen Raupen im Obstbau gab es zum Beispiel ein Raupeneisen, mit
dem sich Zweigspitzen samt Raupennestern entfernen ließen. Oder
die Raupenfackel – eine Art Petroleumlampe am Stiel. Aus der
Flamme ragte ein starker Draht, „mit welchem die Raupen­nester
und die Raupen, welche in einem Haufen zusammen sitzen, ange-
brannt und so getötet werden“ – wie in „Der Obstbau an Staats- und
Gemeindestraßen“ von 1881 nachzulesen ist.
Früchte zu berühren.“
Damit sie auf den Leim gehen ungriges Krabbelgetier kann man auf klebrigen Unterlagen außer Gefecht setzen. Das
„Das gibet einen zehen Laim,
nutzen vor allem Hobbygärtner. Dabei set-
welcher in keiner Sonnenhitze vertrucknet,
zen sie auf ein Vorgehen mit einer über
2000-jährige Tradition. Die möglicherweise älteste
sondern alle Zeit klebricht bleibt …
Rezeptur für einen Leimring stammt jedenfalls vom
und alles klein Gethier, das daran rühret,
Römer Marcus Porcius Cato (234 –149 v. Chr.).
Aus Schwefel, Bitumen und dem Oliventrester Amurca
kreierte er vermutlich die Urversion aller Klebestreifen.
Eine neuere Rezeptur ersann Johann Rudolph Glauber, der bereits im 17. Jahrhundert ausgiebig in die
damit bestreicht und um den Stamm eines
Baumes bindet, so kan kein Spin,
chemische Trickkiste griff. Von ihm stammen nicht nur
Raupen oder ander Ungeziefer hi­n auff
Verfahren zur Getreidebeizung und Bodenentseuchung,
kriechen und die Frucht davon beschädigen,
sondern eben auch eines zum Herstellen von Rau-
welches ein guter Hauswirth
penleim. Zunächst gab er dazu Zinkcarbonat in Salzoder Salpetersäure und dann das daraus resultierende
„Öhl“ zu einem guten „Holzlaim“. Er schrieb:
14
bleibt hangen. Und wann man ein Schnur
nicht entrathen sollte“
Der Dauerbrenner:
immer wieder Schwefel
chon Homer ließ vor fast 3000 Jahren in
der Odyssee nach „Schwefel und Feuer“
Gegen problematische Pilzkrankheiten
rufen, um Säle von Insekten zu reinigen.
Später baute der römische Gelehrte
Cato das gelbe Element in seine Leim­r ingrezeptur
ein, um Raupen zu bekämpfen.
Im 19. Jahrhundert setzt dann der systemati-
an Erdbeeren, Salaten
und Spargel
sche Einsatz gegen Pilzkrankheiten ein. In den
1820er-Jahren etwa ist von Erfolgen gegen den
Pfirsichmehltau die Rede.
• Breites Wirkungsspektrum zur
Bekämpfung zahlreicher Krankheiten
Raupen und andere
Krabbeltiere gehen
klebrigen Unterlagen
allzu gerne auf den
Leim
• Neue Wirkstoffkombination für das
Resistenzmanagement
• Flüssige Formulierung, einfach dosierbar
und leicht in der Handhabung
15
Einmal Bio,
immer Bio?
Nicht immer.
Auf den ersten Blick boomt Bio. Die Zahl der Betriebe und die bestellte Fläche
wachsen stetig. Doch nicht jeder bleibt der Idee treu. Manche hadern mit dem
Mehraufwand, andere mit der Wirtschaftlichkeit. Und: Manchmal gibt es auch
Probleme mit dem Pflanzenschutz
D
Obstbau
ie Entwicklung, so wurde es oft dargestellt, verlief vor allem in eine Richtung:
Landwirte wandten sich von den konventionellen Anbaumethoden ab und
setzten auf Bio. Die einen glaubten, gesundheitliche
Faktoren sprächen dafür, andere waren überzeugt,
sie könnten dadurch höhere Erlöse erzielen. Diese
Kehrtwende sei ein Trend, hieß es dann, der sich in
unterschiedlicher Ausprägung über die letzten Jahre
beständig fortgesetzt habe.
Doch ganz so einfach stellt sich die Situation bei
genauerer Betrachtung dann doch nicht dar. Denn ge-
nauso kehren viele Biolandwirte zur konventionellen
beziehungsweise integrierten Anbaumethode zurück.
Und zwar schon seit Jahren. Das stellten die Experten des Thünen-Instituts bereits 2013 fest. „Ausstiege
aus dem ökologischen Land-
Die Rückkehr zur konventionellen
Anbauweise wird eher wie ein
Tabu behandelt. Selten wird darüber
berichtet, und häufig geben
entsprechende Betriebe auch
keine Auskunft
bau: Umfang – Gründe – Handlungsoptionen“ heißt das über
300 Seiten umfassende Werk.
Die Autoren hatten nicht nur
umfangreiches
Datenmaterial
ausgewertet, sondern Landwirte auch persönlich befragt. Das
Ergebnis: In den Jahren zuvor
hatten jährlich immerhin über
400 landwirtschaftliche Betrie-
be in Deutschland von der biologischen Bewirtschaftung wieder auf die konventionelle umgestellt. Das
bedeutet: Jedes Jahr kehrten mehr als drei Prozent
aller Ökobetriebe zur konventionellen Wirtschafts­
weise zurück.
Dies betraf zwar in erster Linie Betriebe aus dem
Umfeld der Viehwirtschaft, doch auch unter Obstbaubetrieben wurden die Experten fündig: Sie stießen bei
ihren Recherchen auf 70 entsprechende Fälle. Das
bedeutet: Im Schnitt waren pro Jahr 3,8 Prozent aller
biologisch wirtschaftenden Obstbaubetriebe wieder
ins konventionelle Lager zurückgekehrt.
Während der Schritt vom konventionellen zum Bioanbau aber gern als Fortschritt dargestellt wird, wird
die Rückkehr eher wie ein Tabu behandelt. Selten wird
darüber berichtet, und häufig geben entsprechende
Betriebe auch keine Auskunft. Und wenn, dann wollen
sich die Betroffenen häufig nicht mit ihrem Namen in
einem Artikel wiederfinden. Manche erteilen nicht einmal anonym Auskunft.
Betriebe, die über ihre Beweggründe berichten,
stellen deshalb die große Ausnahme dar. So wie der
Obstbauer in Südtirol, der zumindest teilweise wieder
zur integrierten Bewirtschaftung zurückgekehrt war.
17
Dabei ist der Wechselgrund für jedermann nachvollziehbar: Vor gut zehn
Jahren
hatte
man
dort auf eine biolo-
Hoher Aufwand, mehr Kosten, aber
me und Umsatz waren gerettet. Weil in
keine Einkommensverbesserung –
denselben Anlagenblöcken noch Gran-
laut Studie sind das häufige
den, kehrte der Betrieb auch für diese
Gründe, aus „Bio“ auszusteigen
Bewirtschaftung zurück. Laut Berater
ny-Smith- und Pink-Lady-Bäume stanwieder zu einer weitgehend integrierten
kein so großes Problem, da zumindest
gische Anbauweise
umgestellt. Womit man nicht gerechnet hatte: Bei der Sorte Fuji
die Sorte Granny Smith bei den Biokonsumenten ohnehin nur
kam es zunehmend zu Blutlausproblemen. „Kleinere Betriebe
auf geringes Interesse stößt. Bei allen übrigen Sorten hielt der
kommen mit so etwas besser zurecht, aber für größere kann
Betrieb dagegen an der biologischen Anbauweise fest.
das ein Problem sein“, erklärt Dr. Markus Kelderer, Leiter der
Neben den spürbar eingeschränkten Möglichkeiten beim
Sektion Obstbau beim Südtiroler Versuchszentrum Laimburg. In
Pflanzenschutz sind es vor allem wirtschaftliche Faktoren,
diesem Fall handelte es sich um einen größeren Betrieb. Und
die Biolandwirte zum Ausstieg bewegen. Das Thünen-Institut
nicht nur das: Fuji war ein wesentlicher Umsatzträger und sein
stellte fest: Von mehr als 300 befragten Rückumstellern nann-
Anteil an der Gesamtfläche signifikant.
ten die meisten als Gründe „keine Einkommensverbesserung“,
Den Beteiligten war klar: Es musste gehandelt werden. „Ein
paar Jahre lang haben wir alles Mögliche versucht“, berichtet
„Aufwand für Nachweise und Kontrolle zu hoch“ und „Preis­
aufschlag für Ökoprodukte zu niedrig“.
ein Berater des Betriebs. Vergebens. Und schließlich gab es nur
Für Reinhard Zonst (Name geändert) kam noch ein wei-
zwei Möglichkeiten: die Fuji-Anlagen roden und ersetzen oder
terer Grund hinzu: „fehlende beziehungsweise ungenügende
sie aus der Biobewirtschaftung herausnehmen.
Vermarktungswege“. Auch dies ein Aspekt, der von vielen
Doch die Fuji-Bäume waren erst einige Jahre alt. Eine Rodung
Teilnehmern der Thünen-Studie genannt wurde. Zwei Hektar
wäre völlig unwirtschaftlich gewesen. Deshalb entschied man:
Pflaumenbäume hatte Zonst biologisch bewirtschaftet. Doch
Wir nutzen sie weiter – aber eben wieder in integrierter Bewirt-
er brach das Experiment ab: „Die beauftragte Vermarktungs-
schaftung. Die Folge: Der Blutlausbefall wurde gestoppt, Bäu-
gesellschaft war nicht in der Lage, die Pflaumen angemessen
9000 Hektar Bioobst
Laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)
lag die Anbaufläche der gesamten biologischen Landwirtschaft
in Deutschland im Jahr 2015 bei knapp 1,1 Millionen Hektar. Die
Größe der biologisch bewirtschafteten Obstanbaufläche betrug gemäß Statistischem Bundesamt rund 9000 Hektar. Davon entfielen
7000 Hektar auf Baumobst und 2000 Hektar auf Strauchbeeren und
Erdbeeren. Der Bioanteil an der gesamten deutschen Obstanbau­
fläche lag damit bei etwa 13 Prozent. Überdurchschnittlich hoch ist
die Bioquote mit 24 Prozent bei Strauchbeeren, wobei vor allem
Sanddorn und Holunder dominieren. Bei Kernobst lag sie dagegen
bei 15 Prozent, entsprechend 5200 Hektar. Laut BÖLW verdienten die
Erzeuger im Jahr 2014 106 Millionen Euro mit Bioobst.
18
Bioanbaufläche
2015:
1,1 Mio.
Hektar
davon 9000
Hektar Bioobst
13 %
der gesamten bundesdeutschen Anbaufläche
für Obst
106 Mio.
Euro Verdienst im Jahr
2014 mit Bioobst
Obstbau
im Einzelhandel zu platzieren“, so ein Berater. Zonst sah sich
Jörg Geithel jedenfalls hat der vermeintliche Bioboom vor al-
schließlich gezwungen, seine biologisch produzierten Pflau-
lem damit zu tun, dass in der Bevölkerung mitunter verzerrte
men auf konventionellem Wege zu verkaufen – also zu nied-
Vorstellungen über die tatsächlichen Anbaumethoden und
rigeren Preisen, als er eigentlich geplant hatte. Da er bei den
dabei besonders die Maßnahmen im Pflanzenschutz herr-
Pflaumen ohnehin zweigleisig
gefahren war und immer auch
konventionell erzeugte Früchte anbaute, war dieser Schritt
offenbar einfacher, als sich
einen anderen Vermarkter zu
suchen.
Und wie sieht die Zukunft
aus für den Obstanbau? Welche Chancen werden Bioobst
überhaupt eingeräumt? Bioland-Sprecher Gerald Wehde
„Ein paar Jahre lang haben wir alles
Mögliche gegen die Blutlaus versucht,
aber dann standen wir vor der
Entscheidung, die Fuji-Anlagen entweder zu roden oder aus der Bio­
bewirtschaftung herauszunehmen“
– ein Südtiroler Berater
schen. „Der integrierte
Pflanzenschutz ist in der
Vergangenheit kontinuierlich
weiterentwickelt
und hinsichtlich Nachhaltigkeit immer weiter
verbessert worden“, so
der Beratungs- und Marketingmanager Son­der­
kulturen
bei
CropScience
land.
Bayer
Deutsch-
„Pflanzenschutz-
ist überzeugt: „Es gibt derzeit einen Markt für regionales Bio­
mittel sind sicher. Sie gehören zu den am besten untersuchten
obst, der unterversorgt ist.“ Gleichzeitig sieht er eine hohe
und am strengsten regulierten Substanzen auf der Welt. Sie
Auslandsquote beim Obst. Hier liege Potenzial für inländische
erhalten nur dann eine Zulassung, wenn sie unbedenklich für
Bioobstproduzenten, die ausländische Ware auf dem Markt
Mensch, Tier und Umwelt sind.“ Geithel wünscht sich wieder
zu ersetzen.
mehr Wertschätzung für herkömmlich angebaute Nahrungs-
Doch wer weiß: Vielleicht kommt auch der Tag, an dem die
mittel. „Unsere Lebensmittel sind heute so sicher wie noch
scheinbar so unversöhnliche ideologische Trennung zwischen
nie. Das bestätigen regelmäßige Untersuchungen der deut-
konventionellem und Biolager sowieso überholt sein wird. Für
schen und europäischen Untersuchungsbehörden.“
AUSBLICK
INNOfrutta wird sich auch in
der nächsten Ausgabe mit den
verschiedenen Anbauweisen
beschäftigen. Dabei stehen vor
allem Fragen im Mittelpunkt wie:
Was unterscheidet den ökologischen
eigentlich vom konventionellen
Anbau? Wie steht es um die Auflagen und den Pflanzenschutz?
Sind Biolebensmittel (und dabei
insbesondere Obst) gesünder?
Wie sieht es mit der Ertragsleistung
aus? Wie viel Fläche wird benötigt?
Wir haben die Antworten bei Experten in ganz Deutschland gesucht.
19
Die Apfelanlage des Obstbaubetriebs Ebenheit in Struppen ist ein Garten Eden
für Insekten: Im Frühling locken die Blüten der Bäume, im Sommer liefern Korn­
blumen, Kamille und Klatschmohn reichlich Nektar. 2009 startete der Betrieb in
der Nähe von Doha/Sachsen das Projekt „Nachhaltige Apfelproduktion“, das den
wilden Bestäubern ein kleines Paradies beschert. Jetzt liegen die Ergebnisse des
sächsischen Langzeitversuchs vor. Und die können sich sehen lassen.
Der Biologe Dr. Jürgen Esser liefert den lebenden
Beweis für die stark gestiegene Biodiversität:
In seinem Kescher fing er unzählige Insekten
Langzeitprojekt „Nachhaltige Apfelproduktion“
Insektenpara­d ies
zwischen Wilder
Möhre und Mohn
D
20
er 28. Juli 2016 ist ein strahlender Sonnentag.
fliegen und Hummeln. Eine Idylle für Besucher und Betreiber.
Gegen Mittag tendiert das Thermometer in Rich-
„Wir wollten für wildlebende Bestäuber optimale Bedingun-
tung 30 Grad. Das hindert Cor van Oorschot
gen schaffen – und das haben wir auch geschafft“, sagt Cor
aber nicht daran, strammen Schrittes durch
van Oorschot und strahlt übers ganze Gesicht.
seine Apfelanlage zu schreiten. Zu stolz ist der Ebenheit-
Ins Leben gerufen wurde das Projekt von vier Partnern:
Betriebsleiter auf das Ergebnis des Langzeitprojekts, das er
Neben dem Obstbaubetrieb Ebenheit sind das die Erzeuger-
den Besuchern im Schlepptau vor Ort präsentieren will: Auf
organisation Dresdener Obst, die Vertriebsgesellschaft veos
den Erntewegen zwischen den Baumreihen wächst hüfthoch
und Bayer. Der Konzern besitzt große Erfahrung mit solchen
Wilde Möhre. Dazwischen Klatschmohn, Kornblume und Ka-
Projekten. Seit 2005 verfolgt Bayer das Konzept einer inten­
mille. Wer für einen Moment die Augen schließt, hört das ein-
siven Kooperation und Partnerschaft zwischen dem Unter-
schläfernde Summen und Brummen der Wildbienen, Schweb-
nehmen und der Lebensmittel-Wertschöpfungskette weltweit.
Nachhaltigkeit
Ziele sind nachhaltige Landwirtschaft, sichere Lebensmittel
wirtschaft mit produktiver Flächennutzung und Biodiversität
und Ernährungssicherheit.
intelligent vernetzen lässt“, betonte er beim Rundgang durch
Zu diesen Food-Chain-Partnership-Projekten zählt auch
die Anlage. Seit 2012 setzt veos gemeinsam mit dem Natur-
die „Nachhaltige Apfelproduktion“ in Sachsen. Damit zeigten
schutzbund (Nabu) und Rewe zahlreiche Maßnahmen zur Ver-
die Initiatoren, wie man landwirtschaftliche Flächen produktiv
besserung der Biodiversität um; dies geschieht im Rahmen
nutzen und gleichzeitig die Biodiversität bewahren kann. Um-
von Pro Planet und betrifft insbesondere Obstanlagen und
gesetzt wurde das Langzeitprojekt mit denkbar einfachen
deren nachhaltige Produktion.
Maßnahmen: Hecken, Insekten-Hotels und mehrjährigen
Blühstreifen.
Auch Dr. Helmut Schramm ist von den Ergebnissen angetan. Der Geschäftsführer von Bayer CropScience Deutsch-
Vor allem mit den Blühstreifen konnte der Apfelanbauer die
land war eigens zur Präsentation der Langzeitresultate in
Biodiversität in seiner Obstanlage erheblich steigern: Die Zahl
die Sächsische Schweiz gereist. Er sieht solche Projekte
der Artengruppen und der Individuen innerhalb der Arten sind
als bedeutenden Beitrag zur gesunden Balance zwischen
in den Blühstreifen deutlich höher als in den Ernte- und Baum-
produktiver Landwirtschaft und Naturschutz an. Außerdem
gassen.
werde so der Dialog mit der Öffentlichkeit gefördert. Heute,
Den lebenden Beweis dafür lieferte Dr. Jürgen Esser vor Ort.
so Schramm, müssten die Landwirtschaft und ihre vor- und
Mit einem Kescher fing der Biologe unzählige Insekten; man-
nachgelagerten Bereiche verstärkt Antworten auf gesell-
che so winzig, dass man sie kaum erkennen konnte. Für Esser,
schaftliche Fragen geben. Da könnten derartige Initiativen
der im Auftrag von Bayer die Population in der Anlage beurteilt,
dazu beitragen, dass „moderne, nachhaltige Landwirtschaft
sind Blühstreifen ein wahrer Segen: Die vielen unterschied­
akzeptiert und wertgeschätzt“ werde. Und genau bei
lichen Blüten verbessern nicht nur das Nahrungsangebot für
diesen Aufgaben unterstütze das Unternehmen die Land­
Insekten. Sie locken auch zahlreiche Arten an, die man in die-
wirte.
ser Gegend bereits verschwunden glaubte. Konkret heißt das:
Zum Beispiel mit der Initiative Bayer ForwardFarming. Da-
Bislang wurden 58 verschiedene Arten auf den Blühstreifen
mit hat der Konzern eine Wissensplattform geschaffen, die
nachgewiesen. Ohne Blühstreifen sind es maximal zehn.
beste Möglichkeiten für den Dialog der Landwirtschaft mit der
Die kleinen bunten Wildwiesen sind auch für Schwebfliegen ein Garten Eden. In den leuchtenden Blüten finden sie
Gesellschaft bietet. „Damit machen wir unser Engagement für
eine nachhaltige Landwirtschaft konkret.“
den Nektar und die
Pollen, die sie für
die Produktion ihrer
Eier benötigen. Insgesamt 44 Arten hat
Esser im Laufe der
Zeit dort identifiziert.
Etwa die Hälfte davon macht sich innerhalb
der
Apfel­
anlage nützlich. Ei­
nige Schwebfliegen­
arten legen ihre Eier
in
der
Nähe
von
Blattlauskolonien ab.
Wer­d en aus den Eiern
es
Larven,
für
schlecht
die
sieht
Läuse
aus:
Sie
sind die Nahrung der
Larven.
Betriebslei-
ter Cor van Oorschot
dagegen freut’s.
Ausgesprochen positiv bewertete veos-Mitarbeiter Dr. Olaf
„Natürlich gut“ – ein passendes Motto der gemeinsamen
Aktion: Natürlich gut ist das Bestreben, Insekten eine
Krieghoff in Struppen die Aktivitäten zur Förderung der Bio­
lebenswerte Umgebung zu schaffen. Aber es trifft auch
diversität: „Diese Projekte zeigen, dass sich moderne Land-
auf die Zusammenarbeit der beteiligten Initiatoren zu
21
Technik
Einfach sicher
Das Phytobac-System ist eine nachhaltige Befüll- und Reinigungsstation, mit deren Hilfe verdünnte Reste flüssiger
Pflanzenschutzmittel biologisch entsorgt werden. Für diese Eigenschaft und die Weiterentwicklung zum modularen
System wurde Phytobac in Rheinhessen mit dem „Preis für Nachhaltigkeit 2016“ ausgezeichnet
F
ür Andy Becht ist das Reinigungskonzept Phytobac
Und weitere Innovationen sind in Vorbereitung. „Der­z eit tes-
eine „innovative Technologie mit hohem Nutzwert“.
ten wir, ob die Mikroorganismen im Phytobac-Substrat auch
Mit diesen Worten unterstrich der Staatssekretär
Ölreste abbauen können“, erklärt Duch. Erste Ergebnisse
des rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministe-
machen ihn zuversichtlich: „Wenn der Gesetzgeber das an-
riums auf dem Zukunftstag Mitte Juli in Oppenheim die Be-
erkennt, müssen die Landwirte in Zukunft keinen zusätzlichen
deutung des Systems für die Umwelt. Wie das in der Praxis
Ölabscheider in den Wasserablauf eines Waschplatzes ein­
aussieht, davon konnte sich Becht gleich vor Ort überzeugen:
bauen.“ Vorteil für den Nutzer: Die Kosten sinken um 3000 bis
Im Auftrag seines Ministeriums weihte er auf dem Gelände des
5000 Euro.
Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) eine Phytobac-Anlage ein.
Über so viel Lob freute sich einer der Zuhörer ganz besonders: Hans-Joachim Duch. Der Bayer-Manager für Applikationstechnik und Gewässerschutz in Deutschland und dem
benachbarten Ausland ist seit Jahr und Tag unterwegs, um
landwirtschaftliche Betriebe von den Vorteilen des Phytobac-Systems zu überzeugen. Wer einmal erlebt hat, wie Duch
dessen Nutzen und vollautomatische Funktionsweise erklärt,
erkennt sehr schnell, dass Beratung für ihn mehr ist als ein
Beruf – es ist eine Herzensangelegenheit.
Knapp fünf Wochen nach der Einweihung der Anlage in Oppenheim folgte das DLR in Neustadt an der Weinstraße. Nach
einjähriger Bauzeit wurde dort ein Spritzenreinigungsplatz in
Betrieb genommen, dessen Herzstück ebenfalls das Phytobac-System ist. Die Anlage in Neustadt ist ein gutes Beispiel
dafür, dass sich eine solche Befüll- und Reinigungssta­t ion vor
allem für Nutzergemeinschaften eignet. Dann rechnen sich
die relativ hohen Anschaffungskosten, die zwischen 5000 und
10 000 Euro liegen können.
Weil das System als modulares Baukastensystem angeboten
wird, können sich auch kleinere Betriebe eine Anlage leisten.
Gewässerschutz ist eine der wichtigsten Aufgaben
Duch: „Nicht jeder Betrieb braucht das komplette Paket – die
im Obstbau. Mit dem modularen Phytobac-
jeweiligen Baukosten richten sich nach
System können Punkteinträge vermieden werden
dessen Größe und Anforderungen.“
Idee und Entwicklung des Grundkonzepts stammen von Bayer. Die Weiterent-
Das modulare System ergänzt die Feldreinigung von Pflanzenschutzgeräten.
wicklung zum modularen System erfolgte
Es fängt Waschwasser und Restmengen bei der Gerätereinigung auf und ver-
zusammen mit Beutech Agro. Die nieder-
hindert Punkteinträge insbesondere ins Oberflächenwasser. Das Waschwas-
ländische Firma vermarktet das System
ser wird dosiert
dosiert über
über belebten
belebtemAckerboden
Ackerbodenund
undStrohhäcksel
Strohhäckselin in
einem
einem
dichten
dich-
mittlerweile weltweit: in China genauso wie
Phytobac-Behälter
verregnet.
Die dort
Mirkoorganismen
bauen
ten Phytobac-Behälter
verregnet.
Die vorhandenen
dort vorhandenen
Mirkoorganismen
in Kanada und Europa. Inzwischen sind
die Pflanzenschutzmittel
ab. Dasab.
saubere
WasserWasser
verdunstet.
bauen
die Pflanzenschutzmittel
Das saubere
verdunstet.
über 4000 Anlagen weltweit im Betrieb.
22
Und so funktioniert Phytobac
Nachrichten
Obstsalat
Neues rund ums Obst
Attraktiver Kot
Vegan ohne Obst?
Manche Insekten fliegen auf die Hinterlassenschaft ihrer Artgenossen. Aus gutem
Das ist paradox: Inzwischen isst hierzu-
Grund: Bestimmte Duftstoffe in den Ausscheidungen locken nämlich zielsicher zu
lande jeder Zehnte vegetarisch, und ein
Orten, die Nahrung versprechen. Zum Beispiel auf Früchte. Diesen Zusammenhang
Prozent der Menschen gilt sogar als
deckten Forscher vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena auf – und
vegan – doch Obst- und auch Gemüse-
attestieren den „fäkalen Ausscheidungen“ etwa von Essigfliegen „ein hohes Maß an
verzehr schwächeln weiterhin. So kon-
Attraktivität für Artgenossen“. Die Fliegen machen damit offenbar nicht nur auf Nah-
sumierte
rung aufmerksam, sondern auch auf geeignete Stellen für die Ablage von Eiern.
85,5 Kilogramm Obst und 69,6 Kilo-
Wenn dann die Larven schlüpfen, sind diese direkt von Nahrung umgeben.
gramm Gemüse – und damit jeweils et-
Die Forscher wollen nun untersuchen, ob auch andere Insekten auf diese Art kom-
was weniger als im Vorjahr. Auch die
munizieren, etwa die Kirschessigfliege. Sollte dies so sein, ergäben sich für das Be-
Flächen und Erntemengen des heimi-
kämpfen ganz neue Ansätze. Etwa indem man Fallen mit dem arteigenen Kot oder
schen Baumobstanbaus sind seit Jah-
direkt mit den darin enthaltenen Locksubstanzen ausstattet. Mit dem Blattduftstoff
ren rückläufig. Branchenexperten hof-
Beta-Cyclocitral hatten Jenaer Max-Planck-Forscher schon zuvor eine Substanz ge-
fen allerdings, dass sogenannte Con­
funden, die besonders für Kirschessigfliegen attraktiv ist.
venience-Produkte wie vorgeschnitte-
Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
nes und portioniertes Obst den Absatz
jeder
Privathaushalt
2015
beleben können.
Quelle: Fruit Logistica, Statista, dpa
Ein Baum mit 40 Obstsorten
Dieser Baum ist Kunst. Er trägt die Früchte von 40 Steinobstsorten
und blüht entsprechend vielfältig: „Tree of 40 Fruit“ ist ein Projekt
von Sam Van Aken. In einem mehrjährigen Veredelungsprozess
setzte der US-Künstler an verschiedenen Stellen des Baums die
Knospen von bis zu 40 Obstsorten-Edelreisern nach der Methode
der sogenannten Chip-Veredelung ein. Am Ende tragen Van Akens
Bäume gleichzeitig Pflaumen, Kirschen, Pfirsiche, Nektarinen, Aprikosen und Mandeln.
In den gesamten USA stehen bereits mehr als zehn seiner Bäume.
www.treeof40fruit.com
Bildnachweis nach Seiten:
Titelbild: Havelock North Fruit Company
Drei Elemente: 2, 12-14, 17,19
Ingolf Zera: 2-7,10
Bayer CropScience: 2, 20-22
Tree of 40 Fruit: 23
Esteburg: 8
Impressum
13. Jahrgang
Herausgeber:
Bayer CropScience
Deutschland GmbH
Verantwortlich
für den Inhalt:
Maike Thiemann
Dezember 2016
• Magazin für
den modernen
Obstbau
Dezember 2016
Klein, aber oho
Apfelsorte
Wie eine neue
den Markt erobert
• Magazin für
den modernen
Obstbau
Klein, aber oho
Wie eine neue
Apfelsorte
den Markt erobert
Historie Pflanzenschutz
Nachhaltigkeit
Obstbau
Die Aussteiger
–
Einmal Biobauer
immer Biobauer?
Räuchern, glühen,
beten
radies
originelle Methoden
Skurrile und
ämpfung
geschützt
in der Schädlingsbek
Weshalb Biodiversität
werden muss
und gefördert
Obstbau
Das Insektenpa
Die Aussteiger
Einmal Biobauer
–
immer Biobauer?
Nachhaltigkeit
Das Insektenpa
radies
Weshalb Biodiversität
geschützt
und gefördert
werden muss
Historie Pflanzenschutz
Räuchern, glühen,
beten
Skurrile und
originelle
in der Schädlingsbek Methoden
ämpfung
Redaktion:
Maike Thiemann, Yvonne Dojahn,
Frank Kuhmann, Tobias Bendig
Texte: Widera Kommunikation
Layout: Drei Elemente GmbH
Druck: Kunst- und Werbedruck, Bad Oeynhausen
Nachdruck mit Quellenangabe erlaubt.
Um Belegexemplare wird gebeten.
Redaktionsanschrift:
Bayer CropScience Deutschland GmbH
INNOfrutta, Kommunikation und Marketing-Service
Elisabeth-Selbert-Straße 4a
40764 Langenfeld
Die in den Texten genannten Produkte sind registrierte Marken der Bayer AG. Rockit, Rubens und
Kanzi sind ebenfalls eingetragene Warenzeichen.
Zukunftsgerichtete Aussagen:
InnoFrutta enthält bestimmte in die Zukunft
gerichtete Aussagen, die auf den gegenwärtigen
Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung
der Bayer CropScience AG beruhen. Verschiedene
bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen,
dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage,
die Entwicklung oder die Performance der Bayer
CropScience AG oder unserer Dachgesellschaft Bayer
AG wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen
ein, die in Berichten der Bayer AG an die Frankfurter
Wertpapierbörse sowie die amerikanische Wert­
papier­aufsichtsbehörde (inkl. Form 20-F) beschrieben
worden sind. Weder die Bayer AG noch die Bayer
CropScience AG übernehmen die Verpflichtung, solche
zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an
zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.
23
Die Kunst der
Spitzenqualität
BCSD 00142689
Unsere bewährten Fungizide
Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett
und Produktinformationen lesen. Warnhinweise und -symbole beachten.
Kostenloses AgrarTelefon: 0 800-220 220 9
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