Geschichten aus der Brenzhaus-Schule in Schwäbisch Hall erzählt von Else Schneider Jeden Freitag Nachmittag war Wochenschluss. Die Arbeit wurde eingepackt und man war jedes Mal gespannt, was uns nun zum Nachdenken über das Wochenende geboten wurde. Kirchlich und weltlich war alles drin. Bibelarbeit durch die Pfarrer aus dem Haller Kirchenbezirk, Vorträge von Diakonissen und Schwestern vom Diak – Thema: alles was die Frau von heute wissen sollte. Es gab keinen Computer, den man nur antippen musste und alle Fragen waren beantwortet. Zwei ganz wichtige Begegnungen mit Gästen von Fräulein Göhner, der damaligen Leiterin der Brenzhaus Schule, sind unvergessen und ich will sie weitergeben. Viel hat man zu seinem Tod von ihm gelesen und gehört. Nach seinem Besuch in der Brenzhaus-Schule habe ich immer verfolgt, was er alles für die Menschen geschrieben und getan hat, und meinen Enkeln erzählt, dass ihre Oma mit ihm bei Fräulein Göhner schon Kaffee getrunken hat. Es war Pfarrer Jörg Zink. Gesungen wurde auch viel im großen Brenzhaus Saal unter den Augen von Johannes Brenz mit Schwester Irmgard und Fräulein Steiner. Einmal sogar mit der Kammersängerin Meta Diestel. Ich durfte sie vom Haller Bahnhof, der damals noch besetzt war, abholen. Sie übergab mir ihren Spazierstock mit Rädern, an dem ihre Tasche hing, ich will ehrlich sein: ich dachte, hoffentlich sieht mich niemand, der mich kennt, damals gab es noch keine Gehhilfen. Es war Freitag und Wochenschluss. Frau Kammersängerin kam und blickte auf die erwartungsvolle Mädchenschar, die sich freute, heute wieder etwas ganz besonderes erleben zu dürfen, denn die Gäste von Fräulein Göhner waren immer eine Überraschung. Sie begann, jetzt singen wir, einige schüttelten den Kopf, jeder der sprechen kann, kann singen, Punkt. Sie schaute in die Runde, Jalousien rauf - Geranien raus, damit man sehen kann, die Herrschaft ist zu Hause - sie meinte die Augen. Vielleicht hat Johannes Brenz, der über der Tür auf die überraschte Mädchenschar und die energische Sängerin heimlich gelächelt oder er hat sogar mitgesungen. Jetzt gibt es das Internet, und ich dachte, tipp doch mal die Meta Diestel ein. Was ich da erfahren habe, einiges wusste ich schon, denn es gab ein kleines Taschenbuch über sie in unserer Bücherei, welche weltweit bekannte Sängerin und Spenderin, die durch ihre Konzerte und Gesangsabende vielen Menschen, die in Not geraten waren, helfen konnte, ich damals vom Bahnhof abgeholt habe, hat mich dankbar und froh gemacht, dass ich an den Wochenschluss Nachmittagen im großen Saal im Brenzhaus teilnehmen durfte. Auch die Begegnung mit Pfarrer Jörg Zink und die Berichte zu seinem Tod haben mich zum Danken und Erinnern angeregt. Eines Tages öffnete sich die Türe im großen Saal , eine junge Frau kam herein, vielleicht wollte sie sich für einen Kurs anmelden. Vorne in der Ecke gab es hinter einem Vorhang ein Telefon und einen kleinen Schreibtisch. Begleitet von den neugierigen Blicken der Schülerinnen, die gerade eine etwas langweilige ihrer Meinung nach nicht so wichtige Arbeit am Musterfleck der im Lehrplan dazugehörte ausführten kam die Besucherin nach kurzer Zeit zurück und verließ den Saal. Jetzt kam Bewegung in die überraschten Näherinnen, eine nahm den Zentimeter gemeint ist das Maßband, ihren Stuhl und eilte zur Türe und unter den Zurufen höher, noch höher versuchte sie die Größe der neuen Kursteilnehmerin zu ermitteln. Damals war es eine Sensation um die 1.90. Heute ist es fast normal, wenn die Enkel liebevoll auf die kleine Oma herunter schauen, und selbst der Namensgeber der Schule auf seinem Sockel in der Mitte des Saales würde lächeln und sich mit der Jugend freuen, die sich in seinem Haus so wohl fühlten. Viel zu schnell war das Winterhalbjahr zu Ende und zu der jährlichen Ausstellung, meist am Haller Pferdemarkt, wurden die Einladungen verteilt. Alle Schülerinnen wollten zeigen, was sie genäht, gestickt und gebastelt hatten. Der große Saal im Brenz- Haus wurde zu klein. Selbst im Brenz- Zimmer konnten die Besucher die Arbeiten und den Namensgeber in der Ecke bewundern. Sie hatten Glück, denn im nächsten Jahr war er nicht mehr dabei und wir im Widmannhaus. Unser Brenzhaus, wo wir zusammen schöne Tage und Stunden erleben durften, gab es nicht mehr. Der erste Schnee fiel, und sofort in der Mittagspause waren sie da, die Hohenloher Jungbauern von ihrer Schule auf der Tullauer Höhe zur Schneeballschlacht mit den Brenzhausschülerinnen, nicht immer zur Freude der Nachbarn vom Brenzhaus. Jedes Jahr gab es zum Abschluss des Winterhalbjahres die dreitägige Freizeit in Lutzenberg. Was freie Zeit für die Mädchen vom Lande damals bedeutet hat, sagt uns beim Wandern durch das herrliche Tal die Aufforderung, schaut her, wir dürfen am Samstag spazieren gehen und müssen nicht Rüben hacken wie die Familie dort im Feld. Ja diese Freude - das Wort Urlaub gab es damals noch nicht in der Landwirtschaft- sagte uns trotz der Mühe, Sorge und Verantwortung, die wir hatten, bis alle am Sonntag Abend ohne Unfall in Murrhardt in den Zug nach Hall einsteigen konnten, wir werden es nächstes Jahr doch wieder machen. Dieses Versprechen und der Termin, dass wir uns zum Kaffee und Dias Anschauen bald im Brenzhaus wieder sehen, machte den Abschied nach drei wunderschönen gemeinsam verbrachten Tage für alle leichter. Ein ganzes Buch persönlicher Glückwünsche durfte Fräulein Berta Göhner, langjährige Leiterin der Brenzhausschule in Schwäbisch Hall am 3. Februar 1989 zu ihrem 80. Geburtstag entgegen nehmen. Wie gerne viele junge Mädchen aus dem Hohenloher Land und dem Haller Dekanat und darüber hinaus ins Brenzhaus kamen und oft vor dem Einstieg in Bus oder Zug einen langen Fußmarsch hinter sich hatten, zeigt uns, dass dieses Buch ohne Aufruf im Internet am Ende 132 mit viel Liebe und Dankbarkeit handgeschriebene Glückwunschkarten von ehemaligen Schülerinnen enthielt. Sicher erinnerten sie sich noch an die Mütternachmittage wo sie ihnen mit Theater, Tanz und Singen einen arbeitsfreien Mittag schenken konnten. Mozartfest mit passender Kleidung, die musikalische Familie. Nicht vergessen sind die Aufführungen vom Worpsweder Hirtenspiel von Manfred Hausmann in der Urban- und Katharinen-Kirche kurz vor Weihnachten. Schwer waren die Texte besonders vom alten Vater Klaas aber sein Wort am Anfang: Lass es, o Herr, uns wohlgelingen! Dieses Gebet hat alle Mitwirkenden und Zuhörer beruhigt. I i { i t I I I I I 1 § I _.t
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