Geodaten für die Wirtschaft

Geodaten für die Wirtschaft
Projekte der Kommission für Geoinformationswirtschaft erprobten in den vergangenen
zwölf Jahren, welchen Mehrwert Geodaten für unterschiedliche Branchen entfalten
können.
Stand: 11| 2016
Mehr Effizienz im Gesundheitswesen durch
den Einsatz von staatlichen Geodaten
INSPIRE-Richtlinie in der Versorgungswirtschaft einheitlich umsetzen
Die Medizinische Versorgung wird komplexer.
Behandlungen von Patienten durch Hausärzte,
Fachärzte und spezialisierte Kliniken gehen immer
mehr Hand in Hand. In der Fachterminologie spricht
man dabei von einer Zunahme der sektorenübergreifenden Versorgungsformen. Verbunden mit der
demographischen Entwicklung und der vermehrten
Zentrumsbildung in großen Städten erhöhen sich die
Anforderungen an die Planung der medizinischen
Versorgung der Bevölkerung. Stationäre und ambulante medizinische Leistungen werden zunehmend
wissensbasiert und durch Informationstechnologie
gestützt, geplant und optimiert. Strategisches
Controlling in Gesundheitseinrichtungen nimmt
vor diesem Hintergrund eine immer stärkere
Stellung ein. Um genaue Aussagen zu ortsbasierten
Versorgungsfragen treffen zu können, wird eine
valide und solide Datenbasis benötigt. Staatliche
Geoinformationen bilden dazu eine notwendige
Basis, um praktische Lösungen entwickeln zu können.
Das Projekt „GeoMore“ untersuchte wie diese für die
Gesundheitswirtschaft nutzbar gemacht werden können.
Die INSPIRE-Richtline fordert
Versorgungsunternehmen dazu auf, Geodaten
im Rahmen der nationalen und europäischen
Geodateninfrastruktur bereitzustellen. Um das in
der Praxis zu gewährleisten, bedarf es technischer
Spezifikationen und Handlungsempfehlungen. Das
Projekt GeoNetz verfolgte das Ziel, die INSPIRERichtlinie in ausgewählten Unternehmen der
Versorgungswirtschaft bundesweit einheitlich umzusetzen und erarbeitete eine gemeinsame Handlungsempfehlung. Das ist besonders
wichtig, da viele Unternehmen länderübergreifende Versorgungsgebiete bedienen, die
Geodateninfrastruktur in den Bundesländern aber
unterschiedlich organisiert ist. Um effizient wirtschaften zu können, bedarf es daher einheitlicher Ansätze.
Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass sensibel mit
Betriebsgeheimnissen und Daten zu schützenswerter
Infrastruktur im Bereich der Versorgungswirtschaft
umgegangen wird.
Das Projekt „GeoMore“ wurde vom BITKOM in der
Kommission für Geoinformationswirtschaft
koordiniert.
Das Projekt „GeoNetz“ wurde vom Forum
Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im VDE Verband
der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
in der Kommission für Geoinformationswirtschaft
koordiniert.
Risiken besser abschätzen mit staatlichen
Geodaten
Mit einer Versicherung kann man sich gegen vielfältige Risiken absichern – zum Beispiel gegen
Schäden am Auto, Unfälle im Haushalt oder eben
auch Umweltrisiken wie Überschwemmungen. Damit
diese Risiken objektiv und transparent bewertet werden können, braucht die Versicherungswirtschaft
staatliche Geodaten, die ihr bei der Analyse und
Visualisierung von Gefährdungspotenzialen wichtige
Anhaltspunkte liefern. Mit dem „Zonierungssystem
für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“
(ZÜRS Geo) hat die Versicherungsbranche ein
Geoinformationssystem etabliert, das ausschließlich auf Geodaten beruht, zum Beispiel
Überschwemmungsflächen und amtliche
Adresskoordinaten. Damit kann das Hochwasser
und Überschwemmungsrisiko für Standorte objektiv
bewertet werden. Das Projekt „GeoRisiko“ untersuchte
darauf aufbauend, inwieweit sich das System durch die
Integration von weiteren Geodaten erweitern lässt, um
Risikoabschätzungen auch künftig weiter zu verbessern.
Das Projekt „GeoRisiko“ wurde vom Gesamtverband
der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. GDV in der
Kommission für Geoinformationswirtschaft
koordiniert.
Mit staatlichen Geodaten Preise von
Gewerbeimmobilien genauer bewerten
Auf dem Gewerbeimmobilienmarkt ist der Preis einer
Immobilie nur schwer nachzuvollziehen. Was eine
Immobilie den Käufer tatsächlich gekostet hat, wird
nicht öffentlich. Potenzielle Investoren verunsichert
das, da sie bei Kaufentscheidungen den marktfähigen
Preis einer Immobilie nur schwer ermitteln können.
Daher setzt sich der Zentrale Immobilien Ausschuss
e.V. (ZIA) dafür ein, eine Datengrundlage zu schaffen,
die es allen Akteuren am Markt erlaubt, die Preise von
gewerblichen Immobilien objektiv zu bewerten und
besser zu beobachten. Für diese Datengrundlage wurde
im Rahmen des Projektes „GeoRealEstate“ ein erster
Grundstein gelegt.
Das Projekt „GeoRealEstate“ wurde von der
ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. in der
Kommission für Geoinformationswirtschaft
koordiniert.
Staatliche Geodaten für die mineralische
Rohstoffsicherung nutzen
Der Rohstoffsektor ist ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Beim Abbau
von Sand und Kies z.B. konkurrieren unterschiedliche Nutzungsansprüche miteinander.
Die Interessen von Wasserwirtschaft, Natur- und
Landschaftsschutzgebieten oder Nationalparks
wirken sich auf die Rohstoffförderung aus. Um die
Rohstoffversorgung künftig besser planen zu können, entstand im Rahmen des Projekts „GeoRohstoff“
der GisInfoService. Rohstoffunternehmen können
sich so schnell und aktuell einen Überblick über die
Nutzungsmöglichkeiten von Gebieten verschaffen.
2006 wurde die WebGIS-Anwendung in BadenWürttemberg in Betrieb genommen. Inzwischen steht
der GisInfoService den Rohstoffunternehmen in fast
allen Bundesländern zur Verfügung. Die Anwendung
wird kontinuierlich ausgebaut.
Weitere Informationen online beim GisInfoService.
Das Projekt „GeoRohstoff“ wurde von der
Rohstoffwirtschaft in der Kommission für
Geoinformationswirtschaft koordiniert.
GeoObjektkatalog als Grundlage einer
Geodateninfrastruktur (GDI) für die
Wasserwirtschaft
Privatwald effizient bewirtschaften durch
den Einsatz von staatlichen Geodaten
Die Forstverwaltung zieht sich in vielen
Bundesländern aus der Bewirtschaftung der Wälder
zurück. Das stellt Besitzer von kleinen Privatwäldern
vor Herausforderungen; sie müssen sich jetzt
eigenständig um die Bewirtschaftung der Wälder
kümmern. Daher organisieren sich Waldbesitzer
verstärkt in Forstlichen Zusammenschlüssen,
die das Waldmanagement übernehmen. Im
Rahmen des Projekts „GeoWaldwirtschaft“ ist das
Geoinformationssystem WaldInfoPlan entstanden. Die
webbasierte Anwendung stellt wichtige forstliche und
geografische Daten für die Waldbewirtschaftung bereit.
Das sind zum Beispiel topografische Karten, Flurkarten
oder Luftbilder, die offline auch vor Ort im Wald eingesetzt werden können. Zusätzlich bietet das System
die Möglichkeit eigene Daten von Holzsammelstellen
oder Waldpflegeverträgen zu integrieren und
Holzbuchungs- sowie Warenwirtschaftssysteme einzubinden. So wird das Wirtschaften im Wald durch den
Einsatz staatlicher Geodaten einfacher und effizienter.
Wasser spielt in der Natur, in der Wirtschaft und
im Alltag der Menschen eine entscheidende Rolle,
ob in der Landwirtschaft, der Industrie oder im
Haushalt. Geoinformationen bilden die Basis für
eine Fülle von Prozessen und Wertschöpfungen in
der Wasserwirtschaft. Daher ist es wichtig, bei den
Daten eine einheitliche ‚Sprache’ über Länder- und
Verwaltungsgrenzen hinweg zu benutzen. Um das zu
gewährleisten, wird ein standardisierter Objektkatalog
für die gesamte Wasserwirtschaft entwickelt. Dazu
bedarf es weitergehender Absprachen, Vereinbarungen
und Standards. Das Projekt erarbeitete diese Standards
mit einer Vielzahl von Fachleuten und betroffenen
Akteuren. Grundlage ist hierfür die Europäische
INSPIRE-Richtlinie. Diese gibt allgemeine Standards
zur Aufbereitung und Weiterentwicklung vor.
Darunter fallen unter anderem Objektdefinitionen und
-bezeichungen wasserwirtschaftlicher Infrastruktur,
wie zum Beispiel Gewässer und Deiche. Diese klar zu
definieren und transparent festzuhalten ist Aufgabe
des Objektkatalogs. Das Projekt leistete damit einen
wichtigen Beitrag zur Wasserwirtschaft 4.0.
Das Projekt „Objektkatalog WasserWirtschaft“ wurde
vom Fachausschuss BIZ 12 “GIS & GDI“ der Deutschen
Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall
e.V. (DWA) in der Kommission für
Geoinformationswirtschaft koordiniert.
Impressum
Herausgeber
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Scharnhorststraße 34–37
10115 Berlin
www.bmwi.de
Weitere Informationen online beim waldinfoplan.
Das Projekt „GeoWaldwirtschaft“ wurde vom
Deutschen Bauernverband e.V. (DBV) in der
Kommission für Geoinformationswirtschaft
koordiniert.
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