13:00 Uhr FORUM 1 Tutorial Hilfe, ich habe den Überblick

Titel
Wiederverwendungsbasierte Verlinkung von Anforderungen und
Testfällen
Referent(en)
Thomas Noack, TU Berlin / Steffen Helke, BTU Cottbus-Senftenberg
An wen richtet sich der Beitrag?
Anforderungs- und Testmanager, DOORS Nutzer
Stichwörter
Test, Traceability
Zusammenfassung
Motivation
Verfolgbarkeit (engl.: traceability) ist in allen Ebenen des V-Modells relevant. Sie wird technisch
durch Links (engl. trace links) hergestellt. Verfolgbarkeit muss bereits in frühen Phasen von
Entwicklungsprojekten berücksichtigt werden, wenn Anforderungen und Testfälle verlinkt sein sollen.
Der Zweck der Verfolgbarkeit ist dabei die Ermöglichung von Nachvollziehbarkeit (engl.:
comprehensibility).
Basis
In der Automobilbranche werden Anforderungen von Baureihe zu Baureihe wiederverwendet. Die
ISO 26262 weist hierbei darauf hin, dass neue und (nicht)modifizierte wiederverwendete
Anforderungen unterschieden werden können. Wenn diese Anforderungswiederverwendung
nachvollziehbar sein soll, müssen die Quell-Anforderungen (Vorgängerbaureihe) und ZielAnforderungen (neue Baureihe) miteinander verlinkt sein.
Nachdem Anforderungen wiederverwendet wurden, müssen die Testfälle, die mit den QuellAnforderungen verlinkt waren auch mit den Anforderungen der neuen Baureihe verlinkt werden.
Dabei ergeben sich Herausforderungen, weil Testfälle in der Regel mit mehreren QuellAnforderungen verlinkt sind, die im Rahmen der Wiederverwendung in der Ziel-Baureihe weggefallen
sind oder modifiziert wurden.
Lösung
Die Methode zur automatischen Verlinkung und Linkanalyse wird in drei Schichten realisiert:
Schicht 1 (Verlinkung und strukturelle Inkonsistenzen)

Verlinkung von Testfällen mit Ziel-Anforderungen

Erkennung textlicher Unterschiede zwischen Quell- und Ziel-Anforderungen
iqnite 2015 Europe, 28. – 30. April in Düsseldorf
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
Analyse der Verlinkungsstruktur
Beispiel: Die Anforderungen des Scheibenwischersystems wurden wiederverwendet. Die QuellAnforderungen der Fahrzeugfunktion „Heckwischen“ wurden entfernt, weil die Ziel-Baureihe keinen
Heckwischer hat. Testfälle, die Front- und Heckwischen gleichzeitig absichern, sind in der ZielBaureihe nicht durchführbar.
Schicht 2 (Inkonsistenzen hinsichtlich Testkonzept)

Das Testkonzept definiert, welche Testfälle pro Fahrzeugfunktion (d.h. auch die
verfeinernden Anforderungen) existieren müssen

Analyse der Verlinkung (Vollständigkeit und Minimalität gemäß Testkonzept)

Beispiel: Das Testkonzept fordert die „Korrektheit der Schnittstellen“ (Testziel) für die
Fahrzeugfunktion „Wischunterbrechung bei Motorstart“ (Testobjekt) im Integrationstest
(Teststufe). Die Fahrzeugfunktion ist nicht vollständig abgesichert, wenn kein
entsprechender Testfall mit ihr verlinkt ist.
Schicht 3 (Regelbasierte Filterung)

Definition von Regeln über Anforderungseigenschaften (z.B. ASIL, Schnittstellen,
Lieferantenstatus) und Testfalleigenschaften (Testziele, Teststufen, Testplattformen)

Analyse der Verlinkung hinsichtlich frei definierbarer Regeln inkl. Prüfhinweis

Beispiel: Wenn sich die Schnittstellen von Quell-Anforderung zu Ziel-Anforderung geändert
haben, dann müssen Schnittstellentestfälle überprüft werden.
Ergebnis
Die erste Methodenschicht wurde in DOORS DXL implementiert und ausgerollt. Mittels Feldstudien
konnte nachgewiesen werden, dass die Verlinkung exakt dieselben Testfälle verlinkt, die zuvor auch
schon verlinkt waren. Momentan wird das Tool in einem aktuellen Baureihenprojekt pilotiert.
Ausblick
Wiederverwendung von Anforderungen ist – je nach Prozessreifegrad – vielfältig. Die Anfertigung
einer adaptierten Kopie ist ein erfahrungsbasierter Ansatz. Ein weiterer Ansatz ist die Pflege eines
150% Systemlastenhefts, das mittels Ausleitungsprozess für eine neue Baureihe bereitgestellt wird.
Variabilitätsmodelle ermöglichen im Rahmen der Wiederverwendung die Ausleitung von Varianten
einer Baureihe.
Die wiederverwendungsbasierte Verlinkung von Anforderungen und Testfällen unterstützt die oben
beschriebenen Wiederverwendungsansätze direkt. Sie wurde jedoch zunächst erst im Rahmen der
erfahrungsbasierten Wiederverwendung pilotiert.
Vortragsessenz
Im Vortrag werden die Konzepte aller drei Methodenschichten kurz vorgestellt. Danach erfolgt die
Vorstellung des Tools, das die erste Schicht realisiert, in DOORS Classic. Das Tool wurde bereits
teilweise von DOORS Classic nach DOORS Next Generation (DNG) übertragen. Auf Anfrage kann
das Tool in DNG präsentiert werden (inkl. erste Erfahrungen und Stolpersteine bei der Migration von
DOORS Classic nach DNG).
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Biografie
Thomas Noack schloss an der BTU in Cottbus sein Informatikstudium ab. Schwerpunkte legte er auf
Softwarequalität und Softwaretest. Im Rahmen des Erasmus Programms studierte er zwei Semester
an der Politechnika Wroclawska in Polen. Zum Ende seines Studiums erbrachte er praktische
Studienleistungen als studentischer Mitarbeiter bei ehemals sd&m in München und Daimler in
Stuttgart. Thomas Noack promoviert zur Zeit an der TU Berlin am Daimler Center for Automotive IT
Innovations (DCAITI) zum Thema "Requirements und Test Traceability". Dabei liegen seine
Interessen im Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Anwendung.
Prof. Dr.-Ing. Steffen Helke ist seit 2013 Juniorprofessor für Sichere Softwaresysteme an der
Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Er studierte an der Technischen
Universität Berlin im Fach Informatik und promovierte 2007 dort über das Thema "Verifikation von
Statecharts durch struktur- und eigenschaftserhaltende Datenabstraktion". Sein Forschungsinteresse
liegt in der Entwicklung von Techniken zur Qualitätssicherung sicherheitskritischer eingebetteter
Softwaresysteme. Dabei fokussiert er sich auf den Nachweis von Safety- und SecurityEigenschaften.
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