In die Zelle, aus der Zelle Neue Forschergruppe untersucht die

URL: http://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM170105_Forgruppemed.pdf
In die Zelle, aus der Zelle
Neue Forschergruppe untersucht die Dynamik von Ionenkanälen
Foto: Jan-Peter Kasper/FSU
In einer von der DFG geförderten Forschergruppe untersucht die Physiologin Dr. Jana Kusch vom
Uniklinikum Jena die Dynamik von Ionenkanälen.
Sowohl mit experimentellen als auch mit computerbasierten theoretischen Ansätzen analysiert eine
Forschergruppe die Aktivierung von Ionenkanälen und Transportern, die den Transport von Ionen
und Molekülen durch die Zellmembran hindurch ermöglichen. Die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den Verbund von Wissenschaftlern aus sieben
Institutionen.
Zentrale Bedeutung für das Nachrichtenwesen im Organismus
In die Zelle, aus der Zelle
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Sie haben zentrale Bedeutung für das Nachrichtenwesen im Organismus: Ionenkänale und
-transporter sind Proteine in der Zellmembran, die als Schleusen für den Transport verschiedener
Ionen, wie Kalium-, Natrium- oder Chlorid-Ionen, in die und aus der Zelle dienen. Sie vermitteln
beispielsweise die elektrische Aktivität von Nervenzellen oder steuern die Blutdruckregulierung. Als
Beteiligte an solch grundlegenden Lebensprozessen spielen Ionenkanäle auch eine wichtige Rolle
für das Verständnis von Krankheitsmechanismen oder für Therapieansätze, etwa wenn durch den
gezielten Verschluss solcher Kanäle Krebszellen zum Absterben gebracht werden sollen.
Die Arbeitsweise dieser Durchgangstore durch die Zellmembran ist der Untersuchungsgegenstand
einer Forschergruppe mit Wissenschaftlern aus sieben Forschungsinstitutionen in ganz
Deutschland. "Unser besonderes Interesse gilt dabei der Aktivierung dieser Kanäle durch
chemische Signale, sogenannte Liganden", so der Sprecher der Forschergruppe, Prof. Dr. Klaus
Benndorf von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Physiologe untersucht in seinem
Teilprojekt am Universitätsklinikum Jena gemeinsam mit Dr. Jana Kusch und Prof. Dr. Holger
Gohlke (Universität Düsseldorf) die funktionale Dynamik von Schrittmacherkanälen, die die
rhythmische Aktivität im Herzmuskel oder im Hirn regulieren. Neben den dabei angewandten
elektrophysiologischen Messmethoden werden die Wissenschaftler in ihren Experimenten auch mit
fluorometrischen und strukturbiologischen Methoden sowie mit molekulardynamischen
Simulationen arbeiten.
Experimentelle mit theoretischen Ansätzen kombinieren
Auch in mehreren anderen Teilprojekten werden experimentelle Ansätze mit theoretischen
Ansätzen und umfangreichen Simulationsrechnungen kombiniert. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr.
Paolo Carloni am Forschungszentrum Jülich wird sich zum Beispiel Chlorid-Kanälen widmen, die in
sehr ähnlicher Struktur sowohl in Bakterien als auch in tierischen Zellen vorkommen. "Mittels
quanten- und moleküldynamischer Simulationen wollen wir erkunden, warum diese Kanäle
Chloridionen und in die Gegenrichtung Protonen transportieren, nicht aber andere Anionen wie
Nitrat- oder Jodidionen, und wie Kanäle für den Transport dieser Anionen arbeiten", beschreibt der
Bioinformatiker seine Fragestellung. Diese Untersuchungen werden in enger Abstimmung mit
Experimenten der Gruppe von Prof. Dr. Christoph Fahlke (ebenfalls Forschungszentrum Jülich)
erfolgen.
Klaus Benndorf: "Durch die Synergie von Experimenten und 'in silico'-Analysen erwarten wir uns
neue Einblicke in die Funktionsweise von ausgewählten Ionenkanälen und Transportern. Wir
erhoffen uns auch neue Forschungsansätze für diese Membranproteine, aus denen langfristig
Strategien zur Identifizierung spezifischer Wirkstoffe für Ionenkanäle entstehen könnten." Die DFG
fördert die acht Teilprojekte der Forschergruppe für die kommenden drei Jahre.
Beteiligte Arbeitsgruppen:
• Prof. Dr. Thomas Baukrowitz, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
• Prof. Dr. Klaus Benndorf, Dr. Jana Kusch, Friedrich-Schiller-Universität Jena,
Universitätsklinikum Jena
• Prof. Andrew Plested, Dr. Han Sun, Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie, Berlin
• Prof. Dr. Christoph Fahlke, Dr. Jan-Philipp Machtens, Forschungszentrum Jülich
• Prof. Dr. Bert de Groot, Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie, Göttingen
• Prof. Dr. Paolo Carloni, Forschungszentrum Jülich
• Prof. Dr. Holger Gohlke, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
• Prof. Dr. Frank Noé, Dr. Nuria Plattner, Freie Universität Berlin
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Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Benndorf
Institut für Physiologie II, Universitätsklinikum Jena
07737 Jena
Tel.: 03641/934350
E-Mail: [email protected]
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