Kieler Erklärung

INDUSTRIEPOLITISCHER DIALOG DER LANDESHAUPTSTADT KIEL
Kieler Erklärung zur Industrie
Kieler Wirtschaftsförderungsund Struktur­entwicklungs GmbH
Wissenschaftspark Kiel
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24118 Kiel
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Die vollständige Fassung der Kieler Erklärung finden Sie auf unserer Webseite www.kiwi-kiel.de
Die KiWi GmbH hat die Geschäftsstelle des IPD übernommen.
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Dr. Andreas Borchardt
Unternehmensservice
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Grußwort der Landeshauptstadt Kiel
Kieler Erklärung
Industriepolitischer Dialog der Landeshauptstadt Kiel
für das Produzierende Gewerbe
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
ohne die imposanten Werftkräne und das einmalige
maritime Flair ist das Kieler Stadtbild nicht denkbar.
Und auch das Wirtschaftsleben in unserer Stadt
wird seit mehr als 150 Jahren von den Werften und
anderen maritimen Unternehmen geprägt. Diese
haben die Entwicklung der Industrie an der Förde
maßgeblich mitbestimmt – und tun es noch immer.
Doch die Industrie der Landeshauptstadt ist in­
zwischen sehr breit aufgestellt. Nicht nur Großbe­
triebe, sondern vor allem mittelständische Firmen
prägen den produzierenden Sektor, darunter nicht
wenige Weltmarktmarktführer. Dieser Bereich
darf bei der weiteren Entwicklung der Stadt nicht
aus dem Blick verloren werden.
Mit dem im Jahr 2014 gestarteten Industriepoliti­
schen Dialog bekennt sich die Landeshauptstadt
Kiel ganz ausdrücklich zu ihrer Industrie. Die Kieler
Erklärung, die zusammen mit Gewerkschaften,
Industrie- und Handelskammer sowie Unternehmen
erarbeitet wurde, ist nicht einfach nur ein weiteres
Spiegelstrich-Papier. Sie ist vor allem ein Arbeits­
programm für alle Beteiligten. Kiel will seine
Industrie stärken und die Attraktivität des Stand­
ortes weiter erhöhen. Dazu wurden in den drei
Handlungsfeldern Infrastruktur und Gewerbeflä­
chen, Arbeits- und Ausbildungsmarkt sowie Image
und Standortmarketing konkrete Maßnahmen
benannt, die nun bearbeitet werden. Um diesen
Prozess erfolgreich zu gestalten, werden Stadt,
KiWi, IHK und Gewerkschaften weiter sehr eng,
intensiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten.
Die Kieler Erklärung ist aber auch ein Aufruf an
weitere Akteure aus dem industriellen Bereich und
dessen Umfeld, sich an diesem Dialog zu beteiligen.
Und er ist Einladung an alle, die in der Kieler
Erklärung formulierten Maßnahmen zu realisieren.
Ich würde mich sehr freuen, wenn möglichst viele
Akteure in den kommenden Jahren dabei mithelfen,
den innovativen Wirtschaftsstandort Kiel weiter
voranzubringen – und damit gleichzeitig dazu
beizutragen, dass die Industrie in unserer schönen
Stadt eine gute Zukunft hat.
Die Landeshauptstadt Kiel hat in den vergangenen
Jahrzehnten den Strukturwandel vom traditionellen
Industriestandort zum innovativen Wirtschafts­
standort in den Bereichen Produzierendes
Gewerbe und Dienstleistungen vollzogen. Zahl­
reiche moderne, leistungsfähige Kieler Industrie­
betriebe konnten sich mit ihren spezialisierten und
qualitativ hochwertigen Produkten im nationalen
und internationalen Wettbewerb positionieren.
Nach wie vor ist die Industrie ein wichtiger Motor
der regionalen Wirtschaft, ist für andere Branchen
Absatzmarkt und schafft hier in enger Zusammen­
arbeit den Nährboden für einen dynamischen
Dienstleistungssektor mit hoher Wertschöpfung.
Sie leistet einen relevanten Beitrag zur Sicherung
von Beschäftigung, Wachstum und Wohlstand in
der Region.
Der Industriepolitische Dialog (IPD) wurde auf
Initiative der Landeshauptstadt Kiel gestartet.
Beteiligt waren ca. 20 Kieler Industrieunternehmen,
die Landeshauptstadt (Oberbürgermeister und
Vertreter der Ratsfraktionen, die IHK zu Kiel, der
DGB Region KERN, das Wirtschaftsministerium
und die KiWi GmbH. Mit dem Dialog, der im halb­
jährlichen Turnus stattfindet, wurde ein klares
Signal zur wirtschaftspolitischen Unterstützung
der Industrie in Kiel gegeben.
Der IPD wird als Kommunikations- und Umset­
zungsprozess verstanden, Ergänzungen sind Teil
des gemeinsamen Weges. Mit der „Kieler Erklä­
rung“ wollen die Akteure die zukünftigen Ziele und
Handlungsfelder festhalten und das Netzwerk des
produzierenden Gewerbes am Standort ausbauen.
Ziele
• R
ahmenbedingungen und Standort­faktoren verbessern
Ihr
• Wirtschaftliche Entwicklung unterstützen
• Z
usammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissen­schaft, Verwaltung,
Verbänden u
­ nd Politik intensivieren
Dr. Ulf Kämpfer
• Zukunftsfelder identifizieren und Maß­nahmen entwickeln
Oberbürgermeister
Landeshauptstadt Kiel
• Öffentliche Wahrnehmung und Image verbessern
KiWi Kieler
Wirtschaftsförderung
Kiel-Neumünster
Infrastruktur und Gewerbeflächen
Werner Kässens, Geschäftsführer der KiWi GmbH:“ Die größte Immobilienmesse Expo Real zeigt, wie wichtig attraktive Flächen für Industrie und Ansiedlungen sind. Im erfolgreichen Wettbewerb der Regionen ist eine angebotsorientierte Entwicklung und Vermarktung von Gewerbeflächen für das produzierende Gewerbe notwendig.“
Bestehende und neue Gewerbeflächen in Kiel
und der Region entwickeln
Eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Pro­
duzierenden Gewerbes in Kiel setzt voraus, dass
geeignete Gewerbe- und Industrieflächen vorge­
halten werden. Die Verfügbarkeit solcher Flächen
ist in der Landeshauptstadt eingeschränkt. Für ein
effektives Flächen­management und eine kunden­
orientierten Vermarktung wird eine systematische,
aktuelle Übersicht mit den Parametern Größe,
Qualität, Verfügbarkeit und Preis erstellt. Dies wird
die Planungssicherheit für Investoren und/oder
Unternehmen deutlich erhöhen. Die zeitnahe Er­
schließung neuer Flächen bzw. die Nutzungsmög­
lichkeiten bestehender Flächen und die Revitalisie­
rung von Brachflächenstehen hierbei im Fokus.
Wirtschafts- und Familienfreundlichkeit der
Kieler Verwaltung ausbauen
Die Wirtschaftsfreundlichkeit der Kieler Verwal­
tung soll verbessert, die Schnittstellen zwischen
Wirtschaft und Verwaltung optimiert und in der
Folge Prozessabläufe – wie z. B. Beschleunigungen
von Genehmigungsverfahren – verschlankt werden.
Die Anzahl der Kindergartenplätze soll erhöht und
die Betreuungszeiten ausgeweitet werden. Die Er­
richtung von Betriebskindertagesstätten und der
Ausbau der Ganztagsschulen werden unterstützt.
Jörg Orlemann, Geschäftsführer IHK zu Kiel: „Wir begrüßen, dass die Landeshauptstadt sich mit dem IPD
zur Industrie bekennt. Zusammen mit den Gewerkschaften wollen wir beim Industriepolitischen Dialog
die Standortschwächen beseitigen, die die Entwicklung der hiesigen Industrieunternehmen behindern.“
Innerstädtische und überregionale Erreichbarkeit Kiels verbessern
Digitalisierung und Industrie 4.0
Die Erreichbarkeit ist für Industrieunternehmen
und ihre Produktions- und Lieferketten ein wich­
tiger Standortfaktor und hat Priorität. Der Flug­
hafen Kiel-Holtenau sollte erhalten bleiben, der
Schienenverkehr ist auszubauen. Gespräche der
Landesregierung und der Landeshauptstadt Kiel
mit der Deutschen Bahn müssen intensiviert wer­
den. Der öffentliche Personennahverkehrs (ÖPNV)
ist in die Entwicklung eines Mobilitätskonzepts
einzubeziehen. Der Ausbau der A7 und die Bau­
vorhaben an der B 404, der A20 und A21 müssen
beschleunigt vorangetrieben werden. Der Ausbau
des Nord-Ostsee-Kanals und seiner Schleusen
sind für Kiels Wirtschaft von zentraler Bedeutung.
Der Bund wird aufgefordert, diese Projekte mit
hoher Priorität zu verfolgen.
Die fortschreitende Digitalisierung bietet Unter­
nehmen große Chancen. Mit der digitalen Ver­
netzung von physischen Produkten, Anlagen und
Prozessen im Zuge von Industrie 4.0 können intel­
ligente, digitale Produktionsverfahren entwickelt
und maßgeschneiderte Produkte kostengünstig
und in hoher Qualität gefertigt werden. Die Bereit­
stellung eines Breitbandangebots für Unterneh­
men in den Kieler Gewerbegebieten ist Vorausset­
zung und muss vorangetrieben werden.
Der Wissens- und Technologietransfer zwischen
Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Un­
ternehmen fördert den innovativen Austausch
und trägt zur Wettbewerbserhaltung der Unter­
nehmen bei.
Arbeits- und Ausbildungsmarkt
Image und Standortmarketing
Peter Seeger, Geschäftsführer IG Metall Kiel-Neumünster: „Dienstleistung und Kiel Sailing City reichen für die Zukunft nicht aus. Im verarbeitenden industriellen Gewerbe sind heute weit über 11000
Arbeitsplätze vorhanden. Die Beschäftigten erwarten sichere Arbeitsplätze, gute Bezahlung und eine
Ausbildungsvernetzung.“
Frank Hornschu, Vorsitzender DGB Kiel Region:“ Jeder Arbeitsplatz im industriellen Segment zieht zwei
bis vier Arbeitsplätze im Bereich Dienstleistung und Logistik nach sich. Dies stärkt unsere Region. Eröffnet
werden Beschäftigungs- und Karrierechancen für Absolvent/innen der Regionalen Bildungszentren, der
Fachhochschule, der technischen Fakultät und der Christian-Albrechts-Universität.“
Fachkräftebedarf in den Unternehmen sichern
Eine Standortmarketing-Strategie für den
Industrie­standort Kiel entwickeln und eine
Imagekampagne entwickeln
Die Unternehmen sind zunehmend mit den Her­
ausforderungen der Nachwuchs- und Fachkräfte­
sicherung konfrontiert. Der Bedarf an Fachkräften
mit Lehrausbildung ist hoch. Es gilt, die Fachkräfte
regional, national und ggf. auch international
gezielt zu bewerben und für den Standort Kiel
zu gewinnen. Maßnahmen zur Integration von
Flüchtlingen sind zu prüfen. Eng im Zusammen­
hang mit der Werbung von Fachkräften stehen
das Standortmarketing und das Image des Wirt­
schaftsstandortes Kiel.
Die Bedeutung der Industrieunternehmen wird
von Teilen der Öffentlichkeit in Kiel noch zu wenig
beachtet, aber auch die überregionale und inter­
nationale Wahrnehmung Kiels als moderner,
zukunftsfähiger und innovativer Industriestandort
sollte verbessert werden.
Voraussetzungen für den Ausbau wissensintensiver Industrie­arbeitsplätze schaffen
Der Verlust der traditionellen industriellen Substanz
der letzten Jahrzehnte konnte teilweise durch die
Entwicklung wissensbasierter industrieller Branchen
kompensiert werden. Aufholbedarf im Bereich der
wissensintensiven Industriearbeitsplätze (8,9 %
aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten,
Bund: 12,0 %, 2014 ) besteht weiter, etwa
ein Drittel aller Beschäftigten in Kiel ist in den
wissens­intensiven Sektoren tätig.
Für den Ausbau wissensintensiver Industriearbeits­
plätze ist es wichtig, den Erfahrungsaustausch
bzw. Wissenstransfer durch Veranstaltungen zu
aktuellen Themen und über Unternehmens-Netz­
werke zu unterstützen. Hier können sich Ideen
für Innovationen und Kooperationen zwischen
Partner­unternehmen entwickeln.
Die Landeshauptstadt Kiel als attraktiven (Industrie-)
Wirtschaftsstandort darzustellen, ist eine zentrale
Aufgabe der Wirtschaftsförderung. Das Standort­
marketing wird ein innovatives Leitbild von Wirt­
schaft, Wissenschaft/ Forschung, Verkehr, Wohnen
und Freizeitaktivitäten umfassen und u. a. die
Stärken und Entwicklungschancen des Industrie­
standorts darstellen. Image-Kampagnen zum
Thema „Industrie 4.0 in Kiel“ sind in Vorbereitung.
Zahlen, Daten, Fakten
In der Landeshauptstadt hat sich die Brutto­
wertschöpfung (BWS) des Verarbeitenden
Gewerbes positiv verändert: Im Vergleich
zum Jahr 2000 ist die BWS von 977 Mio. Euro
auf 1.057 Mio. Euro im Jahr 2013 gestiegen
(+8,5 %). Der Anteil des Verarbeitenden Gewer­
bes an der BWS insgesamt von 13,7 % (2000)
auf 11,7 % (2013) zurückgegangen. Die Wert­
schöpfungsintensität pro Erwerbstätigen lag
in diesem Zeitraum über dem Bundesdurch­
schnitt (2000= 63.776 Euro, 2013 = 79.666
Euro; zum Vergleich: Deutschland 2000 =
55.554 Euro, 2013 = 75.441 Euro).1
1Berechnungen der Landeshauptstadt Kiel auf der Grund­
lage der amtlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit
am aktuellen Rand 2013.
Vom Produkt- zum Systemhersteller – da steigt der
Bedarf an der Weiterqualifizierung von Mitarbeitern
im Bereich des Projektmanagements. Hier kann ein
Netzwerk für innerbetriebliche Weiterbildung ein
geeignetes Unterstützungsinstrument sein.
Bildverweise
Titelmotiv: www.fotolia.de
Infrastruktur und Gewerbeflächen, Arbeits- und Ausbildungsmarkt: Thomas Eisenkraetzer, www.thomas-eisenkraetzer.de