Wie der Struwwelpeter gezähmt wurde Haare schneiden war bei

Wie der Struwwelpeter gezähmt wurde
Haare schneiden war bei uns immer eine schwierige, frustrierende Geschichte. Es tut ja nicht
weh, ich empfinde es sogar als sehr entspannend, dass ich mal nichts tun muss und jemand
anders die Arbeit übernimmt. Nicht so für Kai. Keiner durfte an seine Haare ran.
Durch langes ABA-Training hat er den Kamm immerhin für kurze Zeit akzeptiert, aber Schere
oder Maschine blieben Tabu. Na ja mein Sohn hat schönes Haar, und es ginge schon, dachte
ich, zumindest wenn sich in seine Haare nicht immer Gummibärchen, Playdooh, diversen
Essensresten oder Sand verfingen.
So mussten wir uns doch zum Coiffeur trauen; Haare mit der Küchenschere in Schlaf trimmen,
wollte ich nicht für immer. Nach drei erfolglosen Coiffeur-Besuchen, wobei Kai so laut schrie,
dass Leute stehen blieben und uns zuschauten (oh Freude, ich habe den zusätzlichen Stress
„geliebt“, wie Eltern, die in schon solchen Situationen waren, sich vorstellen können), nach
vielen Tränen meinerseits und seitens Kai, war ich resigniert, dass ich Kais Haare wohl für
immer im Schlaf schneiden müsste.
Als ich vom Coiffeur-Projekt von autismus deutsche schweiz erfuhr,
gingen wir ohne grosse Zuversicht zu „Marco Sartori“ in Kloten hin.
Beim ersten Besuch lernten wir «unsere» Coiffeuse kennen, wählten
die ruhigste Zeit der Woche (Montagmorgen) aus und Kai durfte
herumrennen (er hat mehr panisch an meine Hand gezogen, falls man
ehrlich sein will…). Beim zweiten Besuch hat es tatsächlich geklappt.
Kai war nicht begeistert, war aber still und hat es sich über sich
ergehen lassen. Die ruhige, herzige Art der Coiffeuse hat auch sehr
geholfen. Er durfte die Schere anfassen und hat das Ganze im Spiegel
konzentriert beobachtet.
Nach seinem Freudenschrei beim Ausgang, wobei er auf dem schönen, roten Sessel
herumsprang, habe ich automatisch angefangen mich zu entschuldigen (bei mir ist das
„Entschuldigung-er-ist-Autist-Kai-komm, stopp….“ fast zu einem Reflex geworden), wurden
wir nicht angestarrt und angemotzt, sondern nur angelächelt.
Vielen, vielen Dank an autismus deutsche schweiz für die Organisation dieses Projektes!!!
Nicole Crown, Mami von Kai (8 Jahre)