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CKW: Hohe Wertberichtigungen führen zu Verlust von 69.7 Mio. CHF, Dividende wird auf 2 CHF gekürzt – Umfeld b
by Holger Geissler - schweizeraktien.net - http://www.schweizeraktien.net
CKW: Hohe Wertberichtigungen führen zu Verlust von 69.7 Mio.
CHF, Dividende wird auf 2 CHF gekürzt – Umfeld bleibt
schwierig
by Holger Geissler - Donnerstag, Dezember 15, 2016
http://www.schweizeraktien.net/blog/2016/12/15/ckw-hohe-wertberichtigungen-fuehren-zu-verlustvon-69-7-mio-chf-dividende-wird-auf-2-chf-gekuerzt-umfeld-bleibt-schwierig-11906/
Die Idylle täuscht: Eigene Kraftwerke (hier im Bild das Wasserkraftwerk Ettisbühl) stellen eine
Belastung für die CKW dar. Quelle: CKW AG
Die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) litt im per 30. September 2016 beendeten
Geschäftsjahr 2015/16 unter den anhaltend schwierigen Marktbedingungen im Stromgeschäft. Wie das
Unternehmen bereits im September ankündigte, führte ein hoher Wertberichtigungsbedarf zu einem
Verlustausweis. Die CKW sah sich daher veranlasst, die Investoren über den budgetierten
Korrekturbedarf, der sich als Folge der weiterhin tiefen Strommarktpreise aufdrängte, zu unterrichten
(siehe unser Bericht). Wie dem neuesten Geschäftsbericht entnommen werden kann, sah sich die CKW
daher veranlasst, die Rückstellungen für belastende Energiebeschaffungsverträge um 202.5 Mio. CHF
aufzustocken. In diesem Zusammenhang nicht übersehen werden dürfen die Beteiligungen der CKW an
den Kernkraftwerken Gösgen (6.5%) und Leibstadt (11.4%) sowie die eigenen Wasserkraftwerke. Im
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aktuellen Marktumfeld stellen diese Beteiligungen ebenso wie die Langfristverträge eine Hypothek dar.
Solange sich die Strommarktpreise weiterhin auf dem tiefen Niveau bewegen, lassen die langfristigen
Energiebeschaffungsverträge und die Gestehungskosten der Stromproduktion der eigenen Werke Verluste
erwarten. Diese wurden von der CKW nach der Discounted-Cashflow-Methode (DCF) ermittelt und der
Jahresrechnung belastet. Dabei wird der Vertragslaufzeit und der erwarteten Nutzungsdauer der
Kraftwerke Rechnung getragen. Gemäss den von der CKW angewendeten sehr transparenten
Rechnungslegungsvorschriften IFRS sind für die erwarteten Verluste entsprechende Rückstellungen
zulasten der Erfolgsrechnung zu bilden. Diese können bzw. müssen bei einer entsprechend positiven
Entwicklung der Strommarktpreise, die sich allerdings zumindest kurz- bis mittelfristig nicht abzeichnet,
wieder aufgelöst werden.
Ein weiterer belastender Faktor des Berichtsjahres stellte ein Bundesgerichtsentscheid vom 20. Juli 2016
über die Verrechnung der Gestehungskosten der CKW für die Zeit ab 2008 dar. Die entsprechende
Verfügung der Strommarktbehörde ElCom aus dem Jahr 2013 wurde abschliessend vom Bundesgericht
gutgeheissen, was bewirkt, dass die von der CKW geltend gemachten verrechenbaren Kosten nur
teilweise anerkannt werden. Dies führte ebenfalls zu einer Bildung von Rückstellungen zulasten der
Erfolgsrechnung des Berichtsjahres im Umfang von 25.4 Mio. CHF.
Bereinigtes operatives Geschäft nur leicht schwächer
Die nochmals gesunkenen Marktpreise haben sich negativ auf das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis
des Segments Energie ausgewirkt, teilt die CKW ihren Aktionären im Geschäftsbericht mit. So konnten
die marktberechtigten Kunden, die ihren Stromanbieter selbst frei wählen können, von den tiefen
Handelspreisen am Markt profitieren. Zudem führten kurzfristige Ausfälle der eigenen Kraftwerke zu
einer geringeren Energieproduktion. Trotz der tieferen Produktionskosten, welche die belastenden
Faktoren abfederten, verbuchte die CKW im Segment Energie einen Rückgang des Betriebsgewinns
(EBIT) um 6.7 Mio. CHF auf 36.3 Mio. CHF. Hingegen stieg das EBIT des Netzgeschäfts um 4.3 Mio.
CHF auf 66.1 Mio. CHF an. Hierzu trugen der regulierte Bereich mit 1.8 Mio. CHF und der nicht
regulierte Bereich mit 2.5 Mio. CHF bei. Im Installationsgeschäft musste die CKW trotz des höheren
Volumens einen Rückgang des EBIT um 2.3 Mio. CHF auf 9.8 Mio. CHF verbuchen. Verantwortlich
hierfür sind der verschärfte Preisdruck und das Auslaufen mehrjähriger Grossprojekte.
Tiefe Preise belasten das Ergebnis des Energiegeschäfts massiv
Die CKW konnte im Berichtsjahr die Stromabsatzmenge deutlich um 16.4% auf 7'132 Mio.
Kilowattstunden (KWh) erhöhen. Dennoch sanken die Nettoumsätze aus dem Energiegeschäft und der
den Kunden verrechneten Netznutzungsgebühren um 1.9% auf 647.9 Mio. CHF. Dies verdeutlicht den
anhaltenden Zerfall des Strommarktpreises klar. Zuzulegen vermochte die CKW beim
Installationsgeschäft, das ein Plus von 2.3% auf 154.1 Mio. CHF erzielte. Zusammen mit den Erträgen
aus dem Energiehandel und den Bestandsveränderungen resultierte so ein Rückgang des Nettoumsatzes
um 0.2% auf 806.6 Mio. CHF. Aus aktivierten Eigenleistungen und sonstigen Betriebserträgen wurden
39.7 Mio. CHF nach 38.5 Mio. CHF im Vorjahr verbucht, was zu Gesamteinnahmen von 846.3 Mio.
CHF nach 847 Mio. CHF im Vorjahr führte. Auf der Kostenseite fallen die massiv von 421.3 Mio. CHF
auf 582.5 Mio. CHF angestiegenen Kosten für Energiebeschaffung und Waren auf. In dieser Position
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enthalten sind belastende Rückstellungen in Höhe von 172.3 Mio. CHF für die
Energiebeschaffungsverträge, nachdem im Vorjahr noch ein positiver Wert von 2.8 Mio. CHF resultierte.
Die effektiven Strombeschaffungs- und Netzkosten betrugen 361 Mio. CHF nach 375.4 Mio. CHF im
Vorjahr. Der Ausbau des Installationsgeschäfts liess auch die Warenkosten um 0.5 Mio. CHF auf 49.2
Mio. CHF ansteigen. Die gesteigerten Aktivitäten verursachten beim Personalaufwand ebenfalls ein Plus
von 4.1% respektive 6.8 Mio. CHF auf 170.1 Mio. CHF.
Abschreibungen gehen deutlich zurück
Im Ergebnis führte dies zu einem Betriebsverlust vor Abschreibungen (EBITDA) von 21.6 Mio. CHF
nach einem Vorjahresgewinn von 162.8 Mio. CHF. Die Abschreibungen sanken im Vergleich zum
Vorjahr um 19.2 Mio. CHF auf 59.4 Mio. CHF. Der Rückgang geht vor allem auf die um 17.2 Mio. CHF
gesunkenen Wertminderungen der Sachanlagen infolge der tiefen Strommarktpreise zurück. Bereits im
Vorjahr wurden hier Wertberichtigungen auf die Kraftwerke gebildet. Auch diese Position ist der
Rechnungslegung IFRS geschuldet, die eine Werthaltigkeitsprüfung der Anlagen im Hinblick auf die
erwarteten zukünftig erzielbaren Energiepreise erfordert. Insgesamt resultierte so ein negatives EBIT von
81 Mio. CHF nach einem Betriebsgewinn von 84.2 Mio. CHF im Vorjahr. Deutlich tiefere
Währungsverluste und ein positiver Steuereffekt führten zu einem Reinverlust von 69.7 Mio. CHF nach
einem Vorjahresgewinn von 70.1 Mio. CHF. Die Aktionäre erhalten eine gegenüber dem Vorjahr um 1
CHF auf 2 CHF pro Aktie reduzierte Dividende.
Weiterhin schwieriges Marktumfeld
Für das laufende Geschäftsjahr 2016/17 erwartet die CKW ein weiterhin herausforderndes Umfeld. Die
Energiepreise werden auf dem tiefen Niveau verharren, und die Margen des Stromgeschäfts werden
weiterhin unter Druck bleiben. Die Gesellschaft hält an der bisherigen Strategie fest und setzt auf den
weiteren Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts. So will das Unternehmen die Kundenorientierung weiter
ausbauen und sich so dem veränderten Konsumverhalten anpassen. Die gesamte Branche befindet sich in
einem Umbruch, in dessen Rahmen der Kunde mehr und mehr die Regie übernimmt. Die Abnehmer sind
sensibilisiert für den Energiekonsum und wollen selbständig Massnahmen zur Effizienzsteigerung
durchführen. Dies umfasst beispielsweise die Beteiligung an einer nachhaltigen Stromproduktion mittels
Solaranlagen. Eine rege Nachfrage verzeichnet die CKW bei Batteriespeichern, die es erlauben, die selbst
produzierte Energie zumindest partiell zu speichern.
Die Geschäftszahlen der CKW reflektieren das aktuelle schwierige Marktumfeld der
Energiebranche. Da das Unternehmen die IFRS-Bilanzierungsregelungen anwendet, fällt die
Berichterstattung sehr transparent aus. Diesem Vorteil steht der Nachteil der Bildung von
Rückstellungen zulasten der Erfolgsrechnung gegenüber. Um die operative Ertragskraft der
Gesellschaft beurteilen zu können, dürfen diese Sonderfaktoren nicht berücksichtigt werden. So
lässt sich ein EBIT von 112.2 Mio. CHF für das abgelaufene Geschäftsjahr nach 114.6 Mio. CHF im
Vorjahr ermitteln. Dieser Wert kann nicht nur angesichts des sehr schwierigen Umfelds als gut
angesehen werden. Trotzdem dürfen die Investoren die in den Sonderfaktoren vorweggenommenen
Verschlechterungen der künftigen operativen Ergebnisse nicht übersehen.
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Auch nach dem Verlustausweis verfügt die CKW über eine grundsolide Bilanz mit einer
Eigenmittelquote von knapp 60% exklusive Minderheitsanteilen. Den ausgewiesenen Eigenmitteln
von 1'292 Mio. CHF stehen Rückstellungen von 388 Mio. CHF gegenüber. Auch wenn diese
angesichts des schwierigen Umfelds kaum Eigenmittelcharakter aufweisen dürften, stellen sie doch
ein ansehnliches Polster für zukünftige negative Entwicklungen dar. So sollte es der CKW gelingen,
auch weitere schwierige Jahre ohne Schwierigkeiten zu überstehen.
Die Aktien der CKW werden auf der ausserbörslichen Plattform OTC-X der Berner Kantonalbank
(BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 205 CHF werden die Titel mit
einem kleinen Abschlag von knapp 10% zum ausgewiesenen Buchwert per 30. September 2016
bewertet. Als tief angesehen werden muss auch in der aktuellen Tiefzinsphase die
Dividendenrendite von knapp unter 1%. Eine Bewertung der Titel auf der Basis des KGV entfällt
wegen des Verlustausweises. Nicht übersehen werden darf, dass die Margen weiter unter Druck
bleiben werden. So können trotz der bereits sehr hohen Wertberichtigungen und Rückstellungen
Neubildungen zulasten der Erfolgsrechnung keinesfalls ausgeschlossen werden. Als Lichtblick
präsentiert sich indessen der Immobilienbestand. Da die Gesellschaft ein nicht unerhebliches
Immobilienvermögen besitzt, sollte der Substanzwert selbst bei deutlichem Abschreibungsbedarf
keinesfalls tiefer ausfallen als der Buchwert. Aus den neuen Geschäftsfeldern, zu nennen ist hierbei
insbesondere das Rechenzentrum, könnten zukünftig ansehnliche Deckungsbeiträge erzielt werden.
Wegen der tiefen Rendite eignen sich die Papiere aktuell nur wegen des Substanzwerts zur Anlage.
Sollten sich die neuen Geschäftsfelder als margen- und ertragsreich erweisen, wäre eine
Neueinschätzung angebracht. Hingegen zeichnet sich im Strommarkt auch weiterhin keine
Entspannung der Situation ab, so dass die CKW auch weiterhin unter den hohen Kosten der
eigenen Kraftwerke leidet.
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