Der erste Kontakt Neue Ausstellung veranschaulicht frühe

URL: http://www.uni-jena.de/Mitteilungen/PM161117_JapanAusstellung.pdf
Der erste Kontakt
Neue Ausstellung veranschaulicht frühe Verbindungen zwischen Japan
und der FSU
In diesem Jahr schloss die Friedrich-Schiller-Universität Jena drei neue Kooperationen mit
japanischen Hochschulen und erhöhte die Partnerschaften mit dem fernöstlichen Staat auf zehn:
darunter befinden sich so renommierte wie die Universitäten Osaka und Fukuoka. In diesem
Wintersemester besuchen 42 japanische Studierende die Friedrich-Schiller-Universität. In
verschiedenen Wissenschaftsgebieten - von Chemie bis Pädagogik - arbeiten Forscher aus Japan
und Jena kontinuierlich zusammen. Aktuell forschen zwei Gastwissenschaftler aus Japan an der
FSU. Kurz gesagt: Japan gehört zu den wichtigen internationalen Partnern der Universität Jena.
Und das nicht erst seit diesem Jahrtausend.
Die neue Ausstellung "Weimar - Tokyo und die Jenaer Universität im Kaiserreich" im
Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1), die am 22. November um 18 Uhr eröffnet wird, spürt
den Anfängen dieser Beziehungen nach. "Niemand weiß so richtig, wann und wie die ersten
Kontakte zwischen Japan und dem Thüringer Raum zustandekamen, da es dazu bisher kaum
Forschungen gab", sagt Prof. Dr. Joachim Bauer, der Leiter des Jenaer Universitätsarchivs und
Ausstellungsmacher. Klar sei aber, dass schon kurz nach der Öffnung Japans Mitte des 19.
Jahrhunderts - der Inselstaat hatte sich während des Shogunats mehr als 200 Jahre lang
selbstgewählt isoliert - erste japanische Studenten Jena besuchten. Spätestens durch die
Teilnahme der Japaner an der Wiener Weltausstellung 1873 sei ein regelrechter Boom in Europa
ausgebrochen.
Ernst Haeckel und Rudolf Eucken genossen in Japan hohes Ansehen
In Thüringen bemühte sich vor allem Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach um den
kulturellen Austausch. So pflegte der sehr an Ostasien interessierte Großherzog engen Kontakt zu
dem japanischen Politiker - und Gründer des Japanischen Roten Kreuzes - Sano Tsunetami, der
von 1880 bis 1881 als Finanzminister in seiner Heimat tätig war. Diese Verbindung ermöglichte
Carl Alexander auch einen kurzen Auftritt auf der Bühne der Weltpolitik: Als Schwager des
niederländischen Königs vermittelte er zwischen Japan und Niederlanden, als beide Staaten ihre
Beziehungen vertraglich neu definieren wollten, das europäische Königshaus allerdings auf alte
Privilegien nicht verzichten wollte. Als Gegenleistung für seine diplomatischen Dienste bat der
Thüringer Großherzog, dass angesehene japanische Familien ihre Kinder nach Jena zum Studium
schicken sollten. Sanos ältester Sohn ging daraufhin 1880 mit gutem Beispiel voran, starb
allerdings aus unbekannten Gründen bereits zwei Monate später in Jena. Trotzdem entwickelte
sich ein reger wissenschaftlicher Kontakt und Austausch zwischen der Universität Jena und
japanischen Institutionen. Vor allem die Gelehrten Ernst Haeckel und Rudolf Eucken genossen in
Japan hohes Ansehen.
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Während des 1. Weltkriegs unterbrochen, als Japan zu den Kriegsgegnern von Deutschland
gehörte, erlebten die Beziehungen kurze Zeit später eine Renaissance. Vor allem das
Eucken-Haus in Jena wurde zur Anlaufstelle für japanische Wissenschaftler und Studenten. Sogar
der japanische Prinz Takamatsu besuchte diese Begegnungsstätte. In den 1930er Jahren waren
die Aufenthalte japanischer Gelehrter vor allem geprägt vom aufkeimenden Nationalismus in
beiden Ländern. Gegenstand der Kontakte waren vor allem die radikalen Ideen konservativer
Kräfte auf beiden Seiten.
Viele Kunstwerke, Münzen und Schriftstücke noch nicht untersucht
"Besonders in der Phase Ende des 19. Jahrhunderts gelangten viele Exponate in die
großherzögliche Sammlung, die nach dem Tod Carl Alexanders in den Sammlungen der
Universität Jena landeten", erklärt Bauer. "Für uns war die Ausstellung deshalb auch eine gute
Gelegenheit, um diese Stücke einmal in den Fokus zu rücken und gleichzeitig ihrer Herkunft
nachzuspüren." Denn viele der Kunstwerke, Grafiken, Münzen und Schriftstücke seien noch nicht
genau untersucht. Das zeige das Potenzial der Sammlungen der Friedrich-Schiller-Universität,
aber ebenso den Nachholbedarf bei ihrer Erforschung.
Auch von der Ausstellung sollen neue Impulse für weitere Forschung ausgehen. Gemeinsam mit
japanischen Kollegen von der Fukuoka- und der Kyushu-Universität, die die Schau mit
ermöglichten, möchte Bauer durch zwei parallel laufende Projekte die Beziehungen zwischen
Jena, Thüringen und Japan genauer beleuchten und dabei auch beide Perspektiven
berücksichtigen.
Auf einen Blick:
Ausstellung "Weimar - Tokyo und die Jenaer Universität im Kaiserreich"
22. November bis 8. Dezember 2016
Universitätshauptgebäude Jena
Fürstengraben 1, Ausstellungskabinett, Raum 025
Geöffnet: Montag bis Freitag 11 - 16 Uhr
Kontakt:
apl. Prof. Dr. Joachim Bauer
Archiv der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Bibliotheksplatz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 940090
E-Mail: [email protected]
Meldung vom: 17.11.2016 10:49 Uhr
Neue Ausstellung veranschaulicht frühe Verbindungen zwischen Japanund der FSU
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