BMW Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

BMW
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Presse-Information
10. November 2016
Mit BMW Motorsport Messtechnologie zur Perfektion der
Rennrodel-Ideallinie im Eiskanal.
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Innovative BMW Motorsport-Messtechnologie wird erstmalig zur
Optimierung der Rennrodel-Performance eingesetzt.
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Abweichungen von der Ideallinie können präzise analysiert werden.
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Olympiasieger und Weltmeister Felix Loch begeistert von den
gewonnen Erkenntnissen.
München. Erstmalig haben BMW Motorsport Ingenieure modernste Messund Analysetechnologie von der Rennstrecke für den Eiskanal adaptiert.
Die erfassten Daten ermöglichen es den Rennrodlern des Bob- und
Schlittenverbands für Deutschland (BSD) ihre Fahrten präzise auszuwerten
und entsprechend zu optimieren.
„Eine Runde auf der Rennstrecke oder ein Lauf im Eiskanal – in beiden Fällen geht es
da um Hundertstel- bzw. sogar Tausendstelsekunden, die man herausholen muss, um
auf dem Podium ganz oben zu stehen. Innovative und präzise Messtechnologie und
Datenanalysen sind ein Schlüssel dazu,“ sagt BMW Motorsport Direktor Jens
Marquardt. „Diese Aufgabenstellung gibt uns die Möglichkeit, unsere RennsportKompetenz in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld außerhalb des
Automobilbereichs unter Beweis zu stellen. Racing bleibt Racing – ganz gleich ob auf
Asphalt oder im Eiskanal. Entsprechend motiviert widmen wir uns dem
Technologietransfer in den Kufenrennsport.“
Seit fast drei Jahrzehnten leistet BMW mit seiner technologischen Expertise und
innovativen Infrastruktur einen wertvollen Beitrag für Sportgeräte und Athleten des
Bob- und Schlittenverbands für Deutschland. Hierbei standen bisher die Optimierung
von Aerodynamik und Material im Fokus.
Rennrodel-Juniorenweltmeister Julian von Schleinitz, der neben seiner aktiven
Laufbahn als Athlet ein Ingenieursstudium absolviert, hatte die Idee, die BMW
Motorsport Ingenieure zu konsultieren und nach Unterstützung im Bereich der
Messtechnik zu bitten. Gemeinsam mit dem dreimaligen Olympiasieger und
Weltmeister Felix Loch tüftelten sie an einem System, das es erstmalig ermöglicht, die
bis zu 150 km/h schnellen Fahrten präzise auszuwerten und minimalste
Abweichungen von der Ideallinie zu erfassen.
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Herzstück der Messetechnologie ist ein Cluster von Sensoren, wie sie in den BMW
DTM-Fahrzeugen eingesetzt werden, darunter Beschleunigungs-, Drehraten- und
Temperatursensoren. Dieses System ermöglicht es, verschiedene Läufe miteinander
zu vergleichen und in extrem hoher Auflösung zu analysieren. Bisher standen im
Rennrodeln dazu nur die Zwischenzeiten und das erfahrene Auge der Trainer zur
Verfügung.
Die Rennrodel-Athleten erhalten somit wertvolle Informationen über den Einfluss ihrer
Anschub- und Steuerbewegungen auf die Beschleunigung und Geschwindigkeit des
Schlittens. Auch bei der Suche nach der Ideallinie sowie bei der Berechnung der
Eisreibung – die physikalisch sehr komplex und bis heute noch nicht vollständig
verstanden ist – eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. BMW Motorsport Ingenieur
Sebastian Meyer hat das System in einen Rennschlitten implementiert und
gemeinsam mit Loch sowie dem sechsmaligen Juniorenweltmeister von Schleinitz
und Rodeltrainer Georg Hackl getestet und weiterentwickelt. Die gewonnenen
Erkenntnisse sind beeindruckend, wie das Quartett im Gespräch bestätigt.
Felix Loch, Sie sind ein Rennrodler, der es sehr gut versteht, nach einem
Lauf präzises Feedback zu Ihren Fahrten zu geben. Wie wertvoll sind diese
neuen Analyse-Methoden?
Felix Loch: „Bei diesen neuen Methoden geht es darum, Fahrspuren zu analysieren.
Man braucht generell viel Erfahrung und viele Versuche um sich der Idealspur zu
nähern. Mit der Technologie von BMW Motorsport kommen wir dem sehr hoch
gesetzten Ziel des perfekten Laufes schneller nahe.“
Die Initiative stammt von Ihnen, Julian von Schleinitz. Wie sind Sie auf die
Idee gekommen?
Julian von Schleinitz: „Felix, Schorsch und ich hatten schon lange das Ziel, unsere
Auswertungen und Analysen zu verbessern. Wir haben in viele Richtungen gedacht,
wie wir das realisieren können. Dann kam die Idee auf, Technik aus dem Motorsport
einzusetzen. In BMW haben wir als Technologiepartner des BSD den idealen
Ansprechpartner. Sebastian Meyer hat daraufhin einen Schlitten mit High-EndTechnik ausgerüstet. Am Ende der vergangenen Saison konnten wir dann schon erste
Testfahrten durchführen und uns die Systeme erklären lassen. Die Ergebnisse waren
von Anfang an sehr beeindruckend, wir konnten sofort interessante Erkenntnisse
gewinnen.“
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Sebastian Meyer, wie sind Sie mit der Herausforderung umgegangen, diese
Technologie vom Motorsport für den Rennrodelsport zu adaptieren?
Sebastian Meyer: „Die besondere Herausforderung dieser Aufgabe war, die extrem
eingeschränkten Platzverhältnisse im Rennrodel bestmöglich zu nutzen. Auch die
Herangehensweise im Kufenrennsport ist eine andere: Ein Testtag beim Rennrodeln
ist auf vier bis fünf Läufe beschränkt, da die Kräfte, die auf den Athleten im Eiskanal
einwirken, extrem hoch sind. Das macht es für uns Ingenieure so spannend: Aus einer
sehr begrenzten Datenmenge müssen wir das Maximale herausholen. Das ist im
Motorsport prinzipiell genauso. Technologie in eine andere Sportart zu transferieren,
ist methodisch und analytisch immer ein Erkenntnisgewinn für beide Seiten. Die
neuen Erfahrungen sind deshalb auch für unsere Arbeit im Motorsport nützlich.“
Felix Loch, welche neuen Erkenntnisse haben Sie durch die BMW
Motorsport Technologie gewonnen? Wie nahe kommen Sie der Ideallinie?
Loch: „Wir sind noch im Anfangsstadium und müssen uns in das Thema noch viel
stärker einarbeiten. Mit der Unterstützung von den BMW Motorsport Renningenieuren
wollen wir uns immer weiter verbessern. Das Ziel ist es, den perfekten Lauf
hinzubekommen, auch wenn das eigentlich fast nicht möglich ist. Aber wir können uns
Dank der der BMW Technologie die schwierigen Passagen der Strecken deutlich
schneller erarbeiten.“
Julian von Schleinitz, welches zusätzliche Potenzial versprechen Sie sich in
Zukunft noch von dieser Mess-Technologie? Kann diese auch für andere
Eiskanal-Disziplinen genutzt werden?
Von Schleinitz: „Für den Rodelsport verspreche ich mir durch das System weitere
Fortschritte auf mehreren Ebenen. Wir stehen bei der Datenanalyse in manchen
Bereichen noch am Anfang und sind noch nicht in der Lage, das volle Potenzial
auszunutzen. Ich arbeite derzeit an einem Analyse-Programm, welches speziell auf die
Anforderungen im Rodelsport zugeschnitten ist. Zwar ist die Methodik vergleichbar
mit dem Motorsport, so dass wir schon sehr viel von der Erfahrung von BMW profitiert
haben. Aber dennoch: Ein Rennrodel ist eben kein Rennauto. Es gibt bei uns keine
Gangwechsel, dafür müssen wir die Gegebenheiten in Steilkurven berücksichtigen
und interessieren uns sehr für die Reibung auf Eis. Was den Bob- und Skeletonsport
betrifft, so sehe ich gute Chancen, unsere Vorgehensweise zu übernehmen und die
gewonnenen Ergebnisse zu übertragen. Beim Skeleton dürfte das beengte
Platzangebot für Sensoren eine Herausforderung werden, in den Bobs hingegen sollte
das System problemlos anwendbar sein.“
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Sebastian Meyer, welche Weiterentwicklung des Systems können Sie sich
aus Ingenieurssicht vorstellen? Können Sie auch Erkenntnisse für den
Motorsport gewinnen?
Meyer: „Wir haben uns mit dem aktuellen System darauf fokussiert, die Fahrt des
Rennrodels genauestens zu analysieren und in kleinste Bruchstücke aufzuteilen.
Weitere wichtige Erkenntnis versprechen wir uns auch von der Möglichkeit, den
Einfluss des Fahrers auf sein Sportgerät zu messen. Weitere zusätzliche Sensoren
könnten beispielsweise die Kräfte, die auf die Kufen wirken, und deren Verformungen
aufzeichnen. Damit könnten wir Athleten und Trainern noch präziser Feedback zu den
jeweiligen Läufen geben, so dass möglichst exakt die Ideallinie durch den Eiskanal
getroffen wird.“
Georg Hackl, Sie gelten als der Rodel-Tüftler schlechthin. Wie bewerten Sie
diesen BMW Technologie-Transfer?
Georg Hackl: „Wir schätzen BMW schon sehr lange als einen großartigen Partner,
dessen Technologie-Expertise und modernste Infrastruktur uns an vielen Stellen
enorm weiterhilft. Nun kommt auch noch der Transfer aus dem Motorsport hinzu. Der
BSD erhofft sich von dieser innovativen Messtechnik, dass wir uns in allen BSDDisziplinen bei der Analyse der Fahrspuren entscheidend weiterentwickeln.“
Pressekontakt.
BMW Sportkommunikation
Nicole Stempinsky
Tel.: 089 – 382 51584
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