Sirindhorn International Institute of Technology, Pathum Thani

Sirindhorn International Institute of Technology, Pathum Thani
Erfahrungsbericht WS 2015/2016
Vorbereitung
Bewerbungsphase
Im Rahmen meines TUM WITEC Studiums habe ich mich bei dem Austauschprogramm der
Fakultät, TUM SOMex, beworben. Nach der Zusage durch die TUM erfolgte die Bewerbung am
SIIT, die ebenfalls ohne Probleme zeitnah bewilligt wurde.
Visum
Das Multiple Entry Education Visum für Thailand konnte für eine Gebühr von 150€ problemlos
und schnell im Konsulat in München beantragt und auch direkt wieder mitgenommen werden.
Alle 90 Tage muss man aus Thailand aus- und wieder einreisen, um das Visum zu verlängern.
Sogenannte „Visa-Runs“ kann man natürlich auch nutzen, um die Nachbarländer Thailands
kennenzulernen.
Anreise
Die meisten von uns sind mit den arabischen Airlines von Frankfurt oder München mit Zwischenstopp auf der arabischen Halbinsel angereist. Man sollte die aktuell geltenden Einreisebestimmungen für Thailand beachten. 2015 gehörte hierzu, dass der Reisepass noch mindestens 6 Monate gültig ist. Nach der Ankunft am internationalen Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi gelangt man für rund 500 Baht mit dem Taxi zum Campus in Rangsit. Von der Thammasat
haben wir als kleine Hilfe eine schriftliche thailändische Erklärung bekommen, die man einfach
dem Taxi-Fahrer zeigt.
Anrechnungen
Leider wurde vor Ort nur ein Bruchteil der Kurse angeboten, die zuvor in den Kurskatalogen
aufgelistet waren. Für den Fachbereich Operations and Supply Chain Management wurden
allerdings einige Masterkurse angeboten, die problemlos von der TUM anerkannt wurden. Die
Kooperation mit den zuständigen Mitarbeitern der TUM School of Management funktionierte
sehr gut und alle notwendigen Unterlagen wurden schnell von den Dozenten am SIIT zur Verfügung gestellt.
Sprachkurs
Ein Sprachkurs wurde vom SIIT angeboten, jedoch eher von Studenten besucht, die für 1 Jahr
oder gleich ihren gesamten Master in Thailand studieren. Einige Alltagsvokabeln sollte man
sich aber definitiv früh aneignen – sie erleichtern einem den Alltag ungemein, da Englisch auf
Märkten und in Restaurants außerhalb des Zentrums kaum gesprochen wird.
Wohnungssuche
Bei der Wohnungssuche wurden die Austauschstudenten tatkräftig vom International Office
des SIIT unterstützt. Es wurden zwei Alternativen zur Unterbringung vorgestellt – das Na Mo
Tho und das Keystone. Im Na Mo Tho konnte man für unschlagbare 120€ unterkommen,
musste hierfür jedoch einige Abstriche machen. Bewohner berichteten auch in unserem Jahrgang wieder von Schimmel und heruntergekommenen Zimmern. Die meisten Austauschstudenten entschieden sich für das Einzelzimmer im Keystone. Für eine Kaltmiete von 220€ und
monatlichen Nebenkosten von etwa 10-25€ je nach Klimaanlagennutzung wurde einiges geboten: ein geräumiges Schlafzimmer mit 2 90cm Einzelbetten oder einem Doppelbett, der
Wohn- und Essbereich mit Couch, großem Schreibtisch, Kühlschrank und Waschbecken, und
ein geräumiges Badezimmer mit eigener Dusche und Toilette. Die Atmosphäre in diesem
Apartment-Komplex war toll, besonders weil so viele Austauschstudenten hier untergebracht
waren und gemeinsame Aktivitäten von hier aus geplant und gestartet werden konnten. Der
einzige Haken am Keystone war das Internet. Leider war das Signal während der gesamten
Zeit sehr instabil. Über die Anschaffung eines eigenen Internetvertrages mit Nachbarn sollte
man zumindest nachdenken, falls sich die Situation vor Ort nicht ändert. Allerdings wurden
Nachbesserungen versprochen.
Leben an der Uni und in Thailand
Betreuung vor Ort
Hauptsächlich verantwortlich für die Austauschstudenten vor Ort war Chonticha Patchotchai.
Egal ob es um die Kurswahl, gesundheitliche Probleme, Unfälle oder Fragen zu Kultur und Leben in Thailand ging – sie engagierte sich unglaublich für ihre Studenten, selbst wenn sie im
Urlaub oder nicht im Büro war. Das Exchange Program wurde um einige Veranstaltungen ergänzt. So gab es beispielsweise eine International Night, einen Ausflug zum Grand Palace, einen Ausflug in die alte Königsstadt Ayutthaya sowie einen Cultural Trip in eine Nachbarprovinz. Außerdem wurde den Austauschstudenten ein Buddy zur Seite gestellt, der sie beispielsweise vom Flughafen abgeholt hat oder bei den anfänglichen Anschaffungen unterstützen
konnte. Der Kontakt zu thailändischen Studenten war dabei definitiv eine große Hilfe bei der
kulturellen Umstellung.
Studium
Allgemein unterscheidet sich das universitäre System in Thailand sehr von dem in Deutschland. Die Note besteht aus mehreren Bestandteilen. In den meisten Kursen wird neben dem
Final Exam eine Midterm Klausur geschrieben. Außerdem müssen Studenten häufig ein Projekt bearbeiten sowie benotete Hausaufgaben abgeben.
Production Logistics: Hauptthemen in diesem Fach waren Forecasting, Production Planning,
Inventory Management und Scheduling Methoden. Die vielen Hausaufgaben waren häufig
sehr aufwendig und hatten einen höheren Schwierigkeitsgrad als die Aufgaben während der
Vorlesungen. Meistens handelte es sich um quantitative Aufgaben, die in einer Gruppe bearbeitet wurden. Die Excel Sheets waren bei der Abgabe meistens sehr umfangreich. Während
der beiden Klausuren waren die Vorlesungsunterlagen als Hilfsmittel erlaubt. Logischerweise
waren die Aufgaben daher sehr anspruchsvoll. Das Projekt sollte in einer Gruppe bearbeitet
werden. Bei der Themenwahl konnte man sehr frei agieren, aber auch auf Hilfe der Dozentin
bei der Themenfindung hoffen. Ziel war es, eigenständig eine Case Study mit Methoden aus
der Vorlesung zu lösen und das Projekt dann vor dem Kurs zu präsentieren. Das war definitiv
das Highlight des Kurses. Die Midterm Klausur machte 30% der Note aus, das Final Exam 35%
und zusätzliche Assignments wie Projekte und Hausaufgaben zählten nochmals 35%. Die 3
Thai Credits wurden an der TUM mit 6 ECTS als wirtschaftswissenschaftliches Wahlfach angerechnet.
Procurement Logistics: Zu den Hauptthemen in diesem Fach zählten Supplier Evaluation and
Selection, Outsourcing, Multiple Sourcing und Project Procurement. Auch in Procurement Logistics gehörten wöchentliche Hausaufgaben zum Lehrplan. Hier gab es sowohl qualitative als
auch quantitative Aufgaben zu erledigen, die vom Umfang und Schwierigkeitslevel einfacher
zu bewältigen waren als die Production Logistics Hausaufgaben. Für beide Klausuren waren 2
beidseitig beschriebene DIN-A4-Blätter als Hilfsmittel zugelassen, die man frei gestalten
konnte. Das Projekt in Procurement Logistics war eine Einzelarbeit. Auch hier sollte man aus
der Vorlesung bekannte Methoden auf eine Case Study anwenden und diese dann vor dem
Kurs präsentieren. Die Midterm Klausur machte 25% der Note aus, das Final Exam 35%, die
Hausaufgaben zählten 20% und das Projekt zählte ebenfalls 20%. Die 3 Thai Credits wurden
an der TUM mit 6 ECTS angerechnet.
Independent Study: Bei der Independent Study sollen Studenten eigenständig eine Seminararbeit bearbeiten, die direkt von einem Professor des SIITs betreut wird. Ich arbeitete mit einem Professor zusammen, der sich mit Supply Chain Innovation beschäftigt. Zu diesem Thema
wurde vom Economic Research Institute for ASEAN and East Asia eine umfangreiche Studie in
Firmen der ASEAN-Länder durchgeführt. Meine Aufgabe war es, einen Teil des umfangreichen
Datensatzes mit SPSS und der Erweiterung AMOS auszuwerten und im späteren Verlauf Strukturgleichungsmodelle aufzustellen. Statistikvorkenntnisse wie sie an der TUM gelehrt werden
und die Bereitschaft zur eigenständigen Einarbeitung in die Software sind sicher Grundvoraussetzungen für diesen Kurs. Maßgeblich beschäftigte ich mich hier mit Innovation, Supply Chain
Management und dem Wissenstransfer durch den Austausch von Technologien und Personal.
Diesen Kurs kann ich wirklich weiterempfehlen. Man lernt sehr viel, der Austausch mit dem
betreuenden Professor war nicht nur fachlich bereichernd und bei erfolgreicher Bearbeitung
wird die Arbeit bei Konferenzen eingereicht. Die 6 Thai Credits wurden an der TUM mit 12
ECTS als wirtschaftswissenschaftliches Wahlfach angerechnet.
Transport
Der Campus der Thammasat University liegt im Norden von Bangkok, rund 40km entfernt vom
Victory Monument. Doch vor Ort gibt es alles, was man zum Leben braucht: ausreichend
Wohnheime und Apartments, viele kleine Straßenrestaurants, Supermärkte und Freizeitmöglichkeiten. Von der Universität fahren außerdem mehrere Minivans pro Stunde für rund 1€ in
die Innenstadt Bangkoks – das dauert ungefähr 45 Minuten. Mit dem Taxi zahlt man für dieselbe Strecke ungefähr 8€. Auf dem Campus selbst fahren Busse (kostenlos), Songthaews
(Pick-Up Taxis, rund 10 Cent) und Motorradtaxis (ab 25 Cent).
Campus
Das Campusleben an der Thammasat University ist wirklich toll und ein Erlebnis an sich. Cafés
servieren thailändische Kaffeespezialitäten, die vielen Kantinen bieten abwechslungsreiche
asiatische Küche von früh morgens bis spät abends.
Im SIIT gibt es eine fakultätseigene Bibliothek sowie einige Computer-Labs. Zum Lernen bin
ich aber meistens ins Learning Center der Thammasat gegangen. Dieses moderne Zentrum
bietet Gruppenarbeitsräume, einen etwas ruhigeren Arbeitsbereich und ein großes Computer-Lab.
Die Uniform der Thammasat University besteht aus einem weißen Hemd und schwarzer Hose
bzw. weißer Bluse und schwarzem Rock. Dazu kommt ein Gürtel mit dem Universitätsemblem,
den man vor Ort im Book Store kaufen kann. Es gibt günstige Hemden etc. am Campus, bspw.
im Book Store, aber man kann auch einfach seine eigenen Sachen tragen.
Aktivitäten
Auf dem Campus gibt es ein riesiges Angebot an Freizeitaktivitäten. Egal ob es der wöchentliche Night Market ist, die Feste der verschiedenen Fakultäten und Studenteninitiativen oder
große Sportevents – irgendwo ist fast immer etwas los. Außerdem gibt es auf dem Campus
viele Möglichkeiten, um Sport zu treiben: ein Fitnessstudio, eine riesige Schwimmhalle, einen
Outdoor Swimming Pool, Fußballfelder, die man mieten kann, eine Tartanbahn für Läufer, eine
Kletterwand und mehr.
An den Campus angrenzend befindet sich der U-Square, der seinen Namen der U-Form verdankt. Hier haben sich viele Restaurants und Cafés niedergelassen, es gibt aber auch Copy
Shops, Kleidergeschäfte und alles, was man für die Einrichtung seines Apartments so gebrauchen kann. Was man hier nicht findet, gibt es garantiert im Future Park Rangsit, einem der
größten Einkaufszentren Bangkoks. Mit dem Minivan gelangt man dorthin günstig in unter 30
Minuten.
Kosten
Besonders während der Vorbereitung fielen einige Kosten an. Der Flug kostete ca. 700€, Reiserücktritts-, Reiseabbruchs- und Auslandskrankenversicherung kosteten zusammen ca. 200€
und das Education Visum für Thailand kostete ca. 150€. Eine weitere Investition, die sich lohnt,
sind die empfohlenen Impfungen. Hier kann ich die Techniker Krankenkasse empfehlen, da sie
alle relevanten Impfungen problemlos übernimmt.
Die Lebenshaltung in Thailand dagegen war ausgesprochen günstig. Die Miete im Keystone
liegt wie erwähnt bei rund 250€ im Monat, was für thailändische Verhältnisse schon ziemlich
teuer ist. Da das Zimmer nicht eingerichtet ist, musste vor Ort noch einiges besorgt werden,
beispielsweise ein Duschvorhang oder Geschirr. Am U-Square, im Future Park Rangsit oder auf
dem Chatuchak Market gibt es alles, was man so brauchen kann. Keines der Wohnheime besitzt eine eigene Küche. Da es aber viele Straßenrestaurants und Kantinen in der Nähe gibt,
die zu Preisen von 1-2€ tolles Essen anbieten, macht das auch gar nichts. 200€ im Monat sollten daher für die Verpflegung gut reichen. Der größte Kostenfaktor war bei den meisten tatsächlich das Reisen. Flüge, Visumsgebühren und Hotels fallen je nach Reiselust ziemlich ins
Budget. Generell kann man aber sagen: Kosten für Transport, Unterkunft und Aktivitäten sind
in Südostasien auch auf Reisen sehr günstig.
Essen
Das Essen hat bei den Thais einen sehr hohen Stellenwert. Da die meisten Apartments außer
einem Kühlschrank, einer Mikrowelle und einer Spüle keine Küchenausstattung besitzen, isst
man so gut wie immer außerhalb, was dank der unglaublichen Preise in den Restaurants auch
kein Problem ist. Glücklicherweise haben die meisten Restaurants Speisekarten mit Bildern,
die die Auswahl des Essens erleichtern. Generell sind die Speisen deutlich schärfer als man es
aus Deutschland gewohnt ist. Es gibt sehr viele vegetarische Gerichte und die Fleischportionen
in fleischhaltigem Essen sind meist klein. Die negativen Erfahrungen einer Lebensmittelvergiftung mussten einige Austauschstudenten zwar machen, ich kenne aber keinen, der deswegen
rückblickend auf Streetfood verzichten würde. Besonders in der Nähe der Uni findet man
schnell seine Lieblingsrestaurants, in denen man auch auf das Essen vertrauen kann.
Kultur
Die Kultur in Thailand unterscheidet sich sehr stark von der europäischen. Im Land des Lächelns kann es zwar häufiger passieren, dass man Verständigungsschwierigkeiten hat, doch
mit Händen und Füßen und der großen Hilfsbereitschaft der Thais funktioniert es meistens
trotzdem. Abseits der Touristenzentren ist einem die Aufmerksamkeit der Thais gewiss – besonders auf dem Campus in Rangsit. Die Begeisterung und Freude über ausländische Gäste im
Restaurant war eine tolle Erfahrung während meines gesamten Aufenthaltes. Höflichkeit ist
ein wichtiges Gut in Thailand. Das beste Beispiel ist das „Wai“, die kurze Verbeugung mit zusammengefalteten Händen. Die Thais vermeiden es, ärgerlich oder laut zu reden und bleiben
selbst bei Meinungsverschiedenheiten erstaunlich gelassen.
Reisen
Wenn man in Bangkok studiert, sollte man definitiv auch die Chance dazu nutzen, Thailand
und seine Nachbarländer zu bereisen. Nach spätestens 3 Monaten muss man das Land ohnehin verlassen, um das Visum zu erneuern. Air Asia und Thai Lion Air fliegen unschlagbar günstig
sehr viele Ziele in Südostasien an. Abflug hierfür ist der Flughafen Bangkok Don Mueang, der
nur 20 Minuten von der Thammasat University entfernt liegt. Für Reisen innerhalb Thailands
führen die Wege meistens über das Victory Monument im Stadtzentrum. Hierhin fahren Minivans von der Thammasat und von dort dann überall ins Land. Auch die Möglichkeit per
Nachtbus oder Nachtzug zu reisen ist definitiv eine Erfahrung wert.
Bagan, Myanmar
Fazit
Ich hatte eine großartige Zeit in Bangkok und bin unglaublich froh darüber, dass ich die Chance
hatte dort zu studieren. In diesem Semester habe ich viel gelernt und auch viel gesehen. Außerdem war es spannend an einer Universität zu studieren, deren System sich so stark von
dem deutschen unterscheidet. Wer offen für andere Kulturen ist und sich vorstellen kann in
einer komplett anderen Umgebung zu leben, wird hier eine unvergessliche Erfahrung machen.