Auf spielerischem Weg zu Wissen Dr. Anne Dippel erhält Lehr

URL: http://www.uni-jena.de/Mitteilungen/PM160812_Lehrpreis_Dippel.pdf
Auf spielerischem Weg zu Wissen
Dr. Anne Dippel erhält Lehr-Sonderpreis für ihr didaktisches Konzept
"Ethnographie trifft Ludologie"
Auf spielerischem Weg akademisches Wissen erwerben - das ist Ziel eines Projektseminars für
Volkskunde und Kulturgeschichte am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der
Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU). Das didaktische Lehrkonzept "Ethnographie trifft
Ludologie" hat Dr. Anne Dippel vom Lehrstuhl für Volkskunde als Praktikumsalternative für
Bachelor- und Pflichtseminare für Master-Studenten entwickelt, allerdings ist es nicht bloß für
dieses Modul, sondern grundsätzlich als didaktisches Werkzeug einsetzbar. Dafür wurde sie mit
einem der beiden Lehr-Sonderpreise 2016 für Forschungs−orientierte Lehre der FSU
ausgezeichnet. Verliehen wird die mit 1.000 Euro do−tierte Auszeichnung am 25. Oktober.
"Diese Art des in Präsenz- und Onlinephasen gegliederten Seminars soll Stu−dierenden
ermöglichen, selbstständig in einer Gruppe zu arbeiten, Zeitpläne und Arbeitsprozesse im Team zu
strukturieren. Insbesondere den anfangs oft schwierigen Zugang zu komplexem theoretischen
Wissen können die Studie−renden mit diesem Modell über einen praktischen Weg erlangen. In
Analogie zu Joseph Beuys lässt sich nämlich sagen: Jeder Mensch ist ein Spielentwickler. Das
Konzept hilft daher Hemmungen abzubauen, schließlich werden die Stu−dierenden auf
spielerischem Weg an das wissenschaftliche Arbeiten herange−führt", beschreibt Dr. Dippel ihre
Intention. Für Friedrich Schiller sei der Mensch nur da ganz Mensch, wo er spielt. Basierend auf
dieser Einsicht seien u. a. re−formpädagogische Ansätze wie Jenaplan- und Montessorischulen
oder die Kin−dergarten-Idee eines Friedrich Fröbel entstanden.
In diese Tradition stellt Anne Dippel auch ihr Seminarkonzept: "Auf spieleri−schem Weg zu Wissen
zu gelangen, bedeutet, dass der Mensch selbstständig denken lernt und sich seinen eigenen Weg
sucht", bekräftigt sie. "Mir geht es darum, ganz im Sinne von etwa Immanuel Kant oder Friedrich
Schiller unseren Studierenden die Möglichkeit zu bieten, das freie Spiel der Erkenntnis selbst zu
erfahren, um dabei einen wachsamen, kritischen Geist zu entwickeln und ei−genständige
Charaktere zu werden." Da habe sie von Anfang an mit offenen Karten gespielt.
Eigene Spiele entwickeln
Vor den Studierenden stand die Aufgabe, auf der Basis kulturanthropologischer Methoden wie
Feldforschung und Interviews in nur sechs Monaten ein eigenes Spiel aus wissenschaftlichen
Konzepten und Methoden zu entwickeln oder all−tägliche Situationen in Studium und Universität in
spielerischer Form zu reali−sieren. Dabei galt es, in Kleingruppen einen funktionstüchtigen
Prototyp samt Spielanleitung zu erarbeiten. Zudem waren eine Dokumentation der Arbeit und eine
Präsentation gefordert, die inzwischen erfolgreich über die Bühne ging. Über das Studium von
Fachliteratur hinaus standen Foren, Workshops u. a. zu Spiel-Theorie und -Design sowie damit
verbunden Exkursionen ans Gamifica−tion Lab der Universität Lüneburg und in das
Spielkartenmuseum Altenburg auf dem Programm.
Auf spielerischem Weg zu Wissen
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Insgesamt 14 Studentinnen und Studenten entwickelten in drei Teams je ein Spiel. "Ludum
Scientiae" stellt Studienanfänger vor die Aufgabe, den neuen Lebensabschnitt erfolgreich zu
meistern und möglichst schnell die Bachelor-Arbeit vorzulegen, aber auch Freunde zu finden. In
"Academic Battlefield" wer−fen die Spielenden einen Blick hinter die Kulissen des Ökosystems der
Hoch−schule. "Perspektivwechsel" schließlich übersetzt die kulturanthropologischen Methoden der
Teilnehmenden in ein komplexes Rollenspiel: Was geschieht al−les, wenn man in einer fremden
Stadt, in diesem Fall Jena, neu ankommt und sich zurechtfinden und behaupten muss.
Großes Interesse auch an den Ideen der anderen
"Es war ein langer Weg von der ersten Idee, über den Entwicklungsprozess bis hin zum fertigen
Spiel, doch ich würde diesen Weg immer wieder gehen", schwärmt Vanessa Wolke von dieser Art
zu arbeiten. Und Nico Scheler meint, dass er selten ein Seminar erlebt habe, "in dem ausnahmslos
alle Teilnehmer so motiviert" an die Aufgabe herangegangen seien. So habe sich "neben der Arbeit
in den eigenen Gruppen ein überaus hohes Interesse an den Ideen und Fortschritten der anderen
entwickelt". Tina Kiemeyer findet: "Diese Aufgabe brachte endlich frischen Wind in mein
komplettes Studium, welches bis dato nur aus trockener Theorie bestand." Die Möglichkeit,
eigenständig zu arbeiten, Krea−tivität auszuleben und freie Hand bei der Verwirklichung zu haben,
fand sie "besonders genial". Einig sind sich alle Teilnehmer des Projektseminars, dass sie die
intensive Arbeit in den Gruppen und die Treffen untereinander zusam−mengeschweißt haben,
dass sie gelernt haben, im Team zu arbeiten, Heraus−forderungen zu bewältigen und
Kompromisse einzugehen.
Das bestätigt auch Dr. Dippel: "Die Studierenden haben einen richtigen Sprung in ihrer
Entwicklung gemacht. Das spiegelt sich in ihren Leistungen in Semi−naren, in Hausarbeiten
ebenso wider, wie in selbstbewusstem Auftreten und den persönlichen Kontakten, die dabei
entstanden sind", freut sie sich. Wie Anita Henneberger und die anderen Studierenden hofft auch
sie, dass künftig mehr solcher Konzepte den Weg in die Lehre finden, denn der Grundgedanke von
"Ethnologie trifft Ludologie. Auf spielerischen Wegen zu Wissen" sei auch in den meisten anderen
Fachrichtungen anwendbar. Und dann gibt es noch einen schönen Nebeneffekt: Die drei im
Seminar entwickelten Spiele haben durchaus alle Voraussetzungen, um vermarktet zu werden.
Vielleicht findet sich ja ein Weg, die Projekte finanziell zu fördern und die Spiele für eine größere
Öf−fent−lichkeit zu produzieren.
Kontakt:
Dr. Anne Dippel
Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Zwätzengasse 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944995
E-Mail: [email protected]
Meldung vom: 12.08.2016 08:40 Uhr
Dr. Anne Dippel erhält Lehr-Sonderpreis für ihr didaktisches Konzept"Ethnographie trifft Ludologie"
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