Über die Hoffnung Französisches Gastspiel in der Galerie Bagnato 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Die Künstlerin und die drei Künstler der neuen Ausstellung in der Galerie Bagnato kommen aus Paris, einer von ihnen lebt und arbeitet in Limoges. Französisch ist auch der Ausstellungstitel „L´autre mer“. Der allerdings reiche über seine wörtliche Übersetzung ins Deutsche hinaus, betont Galeristin Heidi Frehland und fügt das wichtige Wort „Hoffnung“ hinzu. Mit rund vierzig Arbeiten aus Bildhauerei, Malerei und Zeichnung hält sich die Ausstellung auffallend zurück und vermittelt zugleich sehr interessante und spannende Ausblicke auf zeitgenössische Perspektiven. 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 „Das andere Meer“, wie es übersetzt heißt – was könnte das sein? Meint es das architektonisch umgebrochene Häusermeer wie bei David Clerc, ist es das „Dunkelmeer“ einer Michèle Iznardo oder das „Wrackmeer“ eines Guillaume Couffignal? Oder ist es das gute, alte Meer der Dampfer und Frachtschiffe, so etwa wie auf den pastosen Ölgemälden von Yannis Markantonakis? Immerhin stammt von ihm die Anregung zum Titel dieser Ausstellung. – Vom Meer handeln alle Arbeiten, mehr oder weniger. Tatsächlich geht der Titel „L´autre mer“ auf den gleichnamigen und unvollendeten Film des Regisseurs Theo Angelopoulos zurück, der ein Bekannter Markantonakis gewesen ist. Ihm zufolge 35 36 37 drücke der Titel die Hoffnung auf eine andere, bessere Zeit aus, auf ein freundliches, wohl gesonnenes Meer. 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 Während Yannis Markantonakis (*1955) vordergründig Frachter um Frachter mit einigen wenigen breitborstigen Pinselstrichen kraftvoll auf kleine und mittelgroße Formate aufträgt, Hintergrund bevorzugt bläulich, gräulich oder Dunkelgrau, hat Kunstwissenschaftler Johann-Peter Regelmann in einer früheren Ausstellungsbroschüre auf eine alternative Lesart in Markantonakis Bildern hingewiesen. Regelmann sieht in dessen Gemälden mit Frachtern auf einer Metaebene menschliche Porträts. Seinen eigenen „tiefen Blick in die Abgründe menschlicher Existenz“ habe Markantonakis transformiert und daraus „seine Symbolik des Meere befahrenden Schiffes entwickelt.“ 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 Sehr brüchig und verletzlich muten auch die Existenzen der filigranen Skulpturen von Guillaume Couffignal (*1964) an. Allem Anschein zum Trotz handelt es sich aber nicht um Holzobjekte, die an Schiffwracks erinnern. Dem ehemaligen Bronzegießer ist es gelungen, zusätzlich zur verwitterten, löchrigen Gestalt seiner teils hauchdünnen und zerbrechlich wirkenden Bronzeplastiken eine Patina zu entwickeln, die den Eindruck, es handele sich um höchst brüchiges, altes Holz, noch steigert. All diese Gebilde tragen Namen wie „Barke“, „Theater“ oder „Zirkus“, ihre Werkgruppe selbst bezeichnet er als „Seelen-Boote“. 73 74 75 76 77 Den rasterförmigen Hell-DunkelZeichnungen von David Clerc (*1971) liegen die Ansichten von Stadtlandschaften zugrunde, genauer von streng strukturierten Häuserfassaden aus 78 79 80 81 82 83 84 85 86 Beton, Glas und Stahl. Das dabei vorgefundene, reduzierte Formenvokabular entwickelt Clerc weiter und selektiert daraus die ihm wichtigen Elemente, die er neu zusammenfügt. Malerischzeichnerische Verfahren mit Schatten und zusätzlichen Lichtquellen führen Zeit und Vergänglichkeit in seine Arbeiten ein. 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 Mit Michèle Iznardo (*1957) ist eine weitere künstlerische Handschrift vertreten, die ebenfalls schon in vergangenen Ausstellungen der Galerie zu sehen war. Iznardo gestaltet ihre Werke aus der Dunkelheit heraus, aus schwarzem Grund. Diesen trägt sie satt mit Kohle, Ölkreide und schwarzem Stein auf das Papier auf, das aussieht wie eine Leinwand. Danach folgen in einem schrittweise vorgehenden Prozess abgestufte Reduktionen – Aushöhlungen – von Schwarz und Papier. Über deren Ästhetik schreibt die Kunsthistorikerin Helga Sandl: „Michèle Iznardo arbeitet (...) an einer Ästhetik der Leerstelle, deren Formenreichtum und Tiefe den Betrachter erstaunen lässt.“ 105 Joachim Schwitzler 106 107 108 Bis 31. Juli 2016. Öffnungszeiten: Mi – Fr 16 – 19 Uhr. Finissage am So, 31. Juli 2016, 11 – 14 Uhr. 109 www.galerie-bagnato.de
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